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Jüdische Rundschau · 1931-08-21 · Heft 65 (21.8.1931) · page 6

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Seite 402 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 65, 21. Vm. 1931 Literatur Blatt Traum und Schicksal Bücher Jüdischer Autoren Sehmarja Levin hat vor kurzem in einem Vortrag in Berlin darauf hingewiesen, welche große Rolle in jüdischer Ueberlieferung und Mythologie das Motiv des Traumes spielt. Das jüdische Volk hat sich niemals ganz der Welt der empirischen Wirklichkeit ergeben, es suchte im Traum ein Aequivaknt, einen Anteil an der transzendenten Welt, und eng greifen die beiden Welten, Traum und Schicksal, ineinander; von Adam, der sich das erste Weib er-träumt, über Jakob, der — als erster — das Ziel alles höchsten menschlichen Sehnens, die Verbindung von Erde und Himmel, bildhaft im Traume erschaut, bis zu jenen Worten des Psalmisten, daß wir bei der Rückkehr nach Zion ״wie Träumende“ waren. Und eine lange Kette führt von da in Unsere Gegenwart. Auf dieses Motiv des Traumes werden wir förmlich gestoßen, wenn wir eine der eigentümlichsten, zartesten Blüten des modernen europäischen Judentums, in jenem Lande tausendjähriger Kulturmischung im Herzen Europas, in Oesterreich, d. h. in Wien, betrachten. Mit der Deutung des Traumes beginnt die epochale neue Psychologie Sigmund Freuds. ״Jaakobs Traum“ von dem Wiener Richard Beer-Hofmann ist das großartigste und innigste Drama des neuen nationalen Judentums. Und Theodor Herzl, der stärker als alle anderen die müde Dekadenz der österreichischen Kaiserstadt mit dem Impuls eines aktiven, trotzigen und selbstbewußten neuen Judentums verband, hat an den Schluß seines letzten Werkes ״Altneuland“ ein erschütterndes Wort gesetzt, das uns das tiefste Wesen dieses Mannes vielleicht erst entschleiert: Traum, so schreibt er dort mit demütiger Resignation und gläubiger Hoffnung, ist von Tat nicht so verschieden wie mancher glaubt. Alles Tun der Menschen war vorher Traum und wird später zum Traume. Fn diese Welt gehört auch Arthur Schnitzler, der seinem neuen Buch, das (als Volksausgabe für 2,85 M.) bei S. Fischer erschienen ist, den Titel ״Traum und Schick- S a 1“ gegeben Fiat. Das Buch enthält eine Reihe von Schnitzlers schönsten Novellen, darunter ״Traumnovelle“, ״Spiel im Morgengrauen“, ״Die Hirtenflöte“, ״Frau Beate und ihr Sohn‘'. Man muß für diese Zusammenstellung in einem schön gedruckten und billigen Bande dankbar sein. Neu an dem Buch ist nur der Titel, aber dieser drückt in kaum zu überbietender Weise aus, was all den einzelnen Erzählungen, ja dem ganzen Weltgefühl, zugrunde liegt. Unerfüllte Sehnsucht flüchtet in den Bereich des Traumes, aber wo ist die Grenze zwischen Traum und Leben, wo enthüllt sich echter die Wahrheit des eigenen Ich? Wagt einer dem Ruf zu folgen, er gerät in eine phantastische Zwischenwelt, flieht er zurück, ergreift ihn das nüchterne oder das tragische Schicksal, das als harte und unerbittliche Wirklichkeit den Traum zerstört. Diese Gegenüber- Stellung, diese Polarität behält ihre symbolhafte Richtigkeit, auch wenn uns viele der Konflikte, zu denen Schnitzlers Er- Zählungen immer wieder hinführen, heute nicht mehr belangreich genug erscheinen. # Vor kurzem ist auch Schnitzlers großer Roman ״Der Weg ins Freie“ in einer neuen wohlfeilen Ausgabe herausgegeben worden (im Sieben Stäbe-Verlag, Berlin, Band VI der Serie ״Deutsche Autoren“). Es ist ein aufregendes Wiedersehen. Dieses Buch, aus dem die Seele des alten Vorkriegs-Oesterreich mit ihren Vorzügen und Mängeln sich erschließt, verdient in jüdischen Kreisen wirklich eine Renaissance. Wahrscheinlich ist das Buch, das vor mehr als zwanzig Jahren zum ersten Male erschien, einem großen Teil der gegenwärtigen jüdischen Jugend unbekannt. Und doch gibt es noch heute wenige Werke, die an packender, lebensvoller Gestaltung der Judenfrage ihm an die Seite zu stellen wären. Dfe Welt hat sich in den letzten 20 oder 30 Jahren grundlegend geändert, die meisten Gestalten Schnitzlers sind heute kaum mehr so im wirklichen Leben anzutreffen, aber mit Recht macht sich der Dichter in einem Vorspruch, der der Neuausgabe vorangesetzt ist (entnommen dem ״Buch der Sprüche und Bedenken“, Phaidon- Verlag, Wien) über das moderne Schlagwort von der ״versunkenen Welt“ lustig. Es gibt keine spurlos versunkene Welt, sondern direkte Fäden führen aus ihr in unsere Gegenwart; und an keinem Beispiel könnte dies besser gezeigt werden als an der Judenfrage. Ihre Problematik ist trotz veränderter Begleitumstände im wesentlichen auch heute noch die gleiche, Und die Diskussionen, die rund um den Salon Ehrenberg geführt werden, sind, wenn man sie nach 25 Jahren wieder liest, Von verblüffender Aktualität. Wie Erleuchtendes wird hier von Juden gesagt, an jüdischen Gestalten belegt! Der Freiherr Von Wergenthin wundert sich, warum seine jüdischen Freunde immer selbst in irgendeiner Weise vom Judentum zu reden beginnen. ״Wo er auch hinkam, er begegnete nur Juden, die 151 cn schämten, daß sie Juden waren, oder solchen, die darauf stolz waren, und Angst hatten, man könnte glauben, sie schämten sich.“ Die Judenfrage besteht eben darin, daß der Jude nicht unbefangen sein kann. Heinrich Bermann sagt: ,,Es braucht nicht viel dazu, um die Selbstverachtung aufzuwecken, die stets in uns schlummert; und wenn das einmal geschehen ist, gibt es keinen Tropf und keinen Schurken, mit dem wir uns nicht innerlich gegen uns selbst verbünden “ Die tiefste Judenfrage ist nämlich nicht die äußere, sondern die innere, die persönliche, jener ständige innere Kampf und die ewige Selbstbeobachtung, die Empfindlichkeit und fatsche Solidarität, dazu der beleidigte Stolz, der sich dagegen aufbäumt, wenn er sieht, wie einzelne Juden durch kriecherische Anbiederung ihre persönliche Lage verbessern wollen. Dies alles bricht immer wieder aus Heinrich Bermann hervor. Und eine Lösung, so glaubt er, gibt es nicht. Vielleicht in tausend Jahren. In unserer Zeit aber muß jeder zuselien, wie er her ausfindet . . . irgendwohin, wo er wieder frei aufatmen kann. ״Vielleicht gibt es wirklich Leute, die dazu bis nach Jerusalem spazieren müssen ... ich fürchte nur, daß manche, an diesem vermeintlichen Ziel angelangt, sich erst recht verirrt Vorkommen würden. Ich glaube überhaupt nicht, daß solche Wanderungen ins Freie sich gemeinsam unternehmen lassen . . ־ denn die Straßen dorthin laufen ja nicht im Lande draußen, sondern in uns selbst. Es kommt nur für jeden darauf an, seinen inneren Weg zu finden. Dazu ist es natürlich notwendig, möglichst klar in sich zu sehen, in seine verborgensten Winkel hineinzuleuchten! Den Mut seiner eigenen Natur zu haben. . 1 Und neben diesem typischen gequälten Intellektuellen Bermann stehen andere Juden, von dem snobistischen jungen Ehrenberg, der, um als Christ zu erscheinen, vor der Kirche den Hut zieht und von dem zufällig vorübergehenden Vater auf offener Straße eine Ohrfeige bekommt, bis zu dem jungen Zionisten Leo Golowski, der sympathischesten Figur des Kreises. Es ist ein lebendiges Kompendium der modernen Judenfrage, ■ auch dies verwoben in .Traum und Schicksal. Wenn Wer Nachlese einer Epoche gehalten wird, deren hysiognomie an dem geographischen und geistigen Knotenjnkt der europäischen Straßen aus der langsam werdenden istanz immer großartiger bervortriti, muß es» Buch genannt werden, das nur noch lose unter die Werke ״jüdi- *eher Autoren“ einzureihen ist, und doch besonders repräsentativ für eine Welt, aus der das jüdische Element nicht wegzudenken ist. ״Wir sind ein zwiespältiges Volk, das sich selber immer neu entdecken muß und Mühe hat, sich selber zu begreifen. Dunkler Gast unter den Völkern der Erde, dem Nichtseienden und dem Da-seienden wechselweise verknüpft, müssen wir es tragen, wenn Mißtrauen die Welt erfüllt, auch dann, wenn wir aufrichtig aber unerwartet handeln und wandeln.“ Hugo von Hofmannsthal meint, wenn er dies schreibt, nicht die Juden, sondern die Deutschen; der Urenkel des von Josef II. geadelten [salc Löw Hofmami von Hofmannsthal hat keine bewußten Beziehungen zum Judentum mehr, aber uns andern ist erlaubt, es in ihm zu finden. Und das neue Buch Sesammelter Prosaschriften, das der Verlag S. Fischer unter em Titel ״Die Berührung der Sphären“ soeben herausbrachte, ist ein Erbe von unvergleichlicher Köstlichkeit, eine posthume Apotheose Oesterreichs, wo romanischer und deutscher Geist sich tausendjährig durchdringen und der Mann jüdischen Blutes diesen Geist sammelt und in seiner ganzen Weite und Tiefe nochmals hell aufleuditen läßt vor dem schmerzvollen Untergang. Dieser Adel der Sprache, des Stils, diese blühende Fülle, das ist ein einzigartiges Phänomen — singulär auch als ein Fall von ״Assimilation“, aber doch von (wie Willy Haas einmal darlegte) ״ahasverischer“ Problematik, jedenfalls ein Buch, an dem man nicht vorübergehen darf. Mehr soll hier nicht gesagt werden. 0 Dieses Oesterreich hat eine ganze Generation jüdischer Dichter hervorgebracht Die meisten sind Problematiker, die von Ideen, nicht von Gestalten bewegt werden. Das erregendste Motiv des Juden ist das religiöse. Franz Werfel, der Dichter religiöser Lyrik von bleibender, eine Epoche bezeichnender Geltung, hat immer wieder eine gedankliche Rechenschaft versucht und vor 15 Jahren in seinem Essay ״Die christliche Sendung“ die religiöse Urspannung analysiert. Stets begleitet ihn Dostojewskys Geschichte vom ״Großinquisitor“, der den wiedergekehrten Christus gefangen setzt, weil er die ״Ordnung“ der Kirche stört, fn der Geschichte tobt der Kampf zwischen der kirchlichen Ordnung, dem Gesetz, das das Chaos des religiösen Lebens bändigt und in Formen bringt, und dem großen religiösen Freiheitstrieb, der die menschlichen Grenzen sprengen und aut Erden das Reich Gottes errichten will. Immer wieder scheitert dieser Versuch an der Kleinheit der menschlichen Natur, immer wieder behält der Großinquisitor Recht gegenüber Christus, denn die Mensehen können die Freiheit nicht ertragen, sie erliegen der damonischen Verlockung, und aus dem Reich Gottes wird ein Reich der Hölle. Nur scheinbar stehen wir hier vor innerchristlichen Motiven, in Wahrheit ist dies nur ein Eimzelfall für eine größere, elementare Problematik, die überall da ist, vor allem die ganze Geschichte und geistige Schöpfung des Judentums erfüllt. Trptz der stets sich wiederholenden Erfahrung von der Vergeblichkeit des Versuches, den Versuch immer wieder beginnen und in ihm den eigentlichen Sinn des Menschenlebens sehen — das ist die tragische Sendung des Juden. In dem neuen Drama von Werfel ״Das Reich Gottes in Böhmen“ (Verlag Paul Zsolnay, Wien) wird ein geschichtliches Beispiel einer solchen religiösen Bewie- - gung dramatisch gestaltet. Es.ist ein Ideen-Drama, das schon um des Gegenstandes willen eine starke Wirkung üben muß. 1 * in etwas weniger pathetische, diesseitigere Bahnen führt der Roman eines anderen jüdischen Schriftstellers, Heinrich Eduard Jacob, der zwar kein Oesterreicher ist, aber eine Art Wahl-Oesterreicher, der wiederholt ein für Nichtösterreicher bemerkenswertes Verständnis der österreichischen Seele bewiesen hat, z. B. in seinem Essay über Raimund, und als österreichischer Vertreter ein« großen Berliner Blattes einer der wenigen unkonventionellen Publizisten von geistigen Intentionen ist. Jacobs Roman ״Die Magd von Aachen“ (Verlag Paul Zsolnay, Wien) erzählt die Liebesgeschichte eines Mädchens im besetzten Gebiet und eines feindlichen belgisehen Soldaten. Das Menschliche, so soll hier wohl gezeigt werden, ist stärker als das Nationale, Auch dies ist wohl eine ״jüdische“ Einstellung, aber etwas zu schablonenhaft gesehen und auch gerade an einem ״erotischen“ Beispiel nicht überzeugend. Zwar ist manche Spur der Zartheit dichterisclien Empfindens, die wir aus früheren Büchern Jacobs kennen, auch in diesem Buch, aber die Absicht, diese etwas süßliche und unglaubhafte Völkerversöhnungs-Perspektive bei einer kleinen Liebesgeschichte, verstimmt. Es ist in einem etwas negativen Sinne ״jüdisch“. Und trotzdem enthält das Buch ein zeitgeschichtliches Bild, in dem auch die nationalistischantisemitische Krankheit weiter deutscher Schichten hervortritt, und ist ein Werk voll Rhythmus, Temperament und Farbe. *; Die eigentümliche Verschlungenheit der Nationen׳ und Schicksale, die Oesterreich heißt und auch das ehemalige Krönland Böhmen umfaßt, hat ihren unerschöpflichen Kleinmaler in dem ״rasenden Reporter“ Egon Erwin Kisch gefunden. Dieser lebenssprudelnde Abkömmling der berühmten Prager Familie Kisch hat mit seltener Liebe und Künstler blick den Kuriositäten seiner Heimat nachgespürt, verschüttete Zusammenhänge aufgedeckt, aus dem Leben, dem Volksmund, alten Archiven und Ueberlieferungen eine Fülle seltsamer Ereignisse und sonderbarer Menschen rekonstruiert, und er versteht amüsant und vortrefflich zu plaudern und zu erzählen. In seinem letzten Buch ״Prager Pitaval“ (Erich Reiß- Verlag, Berlin 1931) stellt er eine neue Reihe solcher Miniaturen zusammen, aus den Abgründen des Lebens gesammelt, und dieses Buch, spannender als mancher Roman, atmet die Luft des alten Oesterreich, aus dem das jüdische Element nicht wegzudenken ist. Hier finden wir z. B. die abenteuerliche Geschichte von Moses Dobruschka, Talmudstudent und Verfasser hebräischer Bücher, der sich später nach seiner Taufe Franz Thomas Edler von Schönfeld nannte und zuletzt als Junius Frey gleichzeitig mit Danton den Tod unter der Guillotine der französischen Revolution fand, und seiner Frau Elke Joß, Mündel des berühmten Joachim von Popper. Und viele andere interessante Geschichten, darunter eine für die Zeitgeschichte so charakteristische wie die vom Verrat des Generalstabsoberst Rdäl, bei der Kisch selbst eine Rolle gespielt hat, * Und aus Prag stammt schließlich auch der liebende Spötter, der Oesterreich im Zerrspiegel zeigt, der geistreiche, pointenausspeiende Causeur Anton Kuh, aus dessen funkelnden Satiren (״Der unsterbliche Oesterreicher“, Verlag Knorr & Hirth, München) man mehr von der Seele dieses Oesterreich erfassen kann als aus den meisten kitschigen Operetten und Filmen und auch aus gelehrten Abhandlungen, Kuh i&t m Entlaufener des Ghetto. 1mg v er fat fes bewußt; die Harmonie des Ghetto ist durch die kritische Reflexion zerstört, aber es gibt keine neue Verwurzelung, nur ein Vagabundieren am Rande des Lebens, gescheites Bohemientum, Peter Altenberg-Epigonentum, viel Witz und Klugheit, aber im Grunde vertan. Kuh fühlt den Druck des mauschelnden Milieus, das er scharf und erbarmungslos zeichnet, aber er ist selbst der belastete Erbe, der nicht entrinnen kann. Wie Kuh Prag, das jüdische Prag, wie er die Wiener Liferatencates und vieles andere zeichnet, eine Situation und Hintergründe verblüffend blitzhaft beleuchtet, wie da jüdische Originale der VIter-Generation in zwei Worten lebendig werden, das ist wirklich ein Kabinettstück, und man kann mit diesem Buche heiter und wehmütig Abschied nehmen von einer trotz allen Mängeln bunten und liebenswerten Welt, einer für das Judentum nicht belanglosen, mit jüdischem Schicksal vielfach verstrickten Welt, dem Reich des dahingesunkenen, aber als menschliche Substanz unsterblichen Oesterreich-ers. Michael Walter. Winston S. Churchill, Weltabenteuer im Dienst. Verlag Paul List, Leipzig 1931. 10 M. Winston Churchill ist den Zionisten kein Unbekannter. Aber was wissen dennoch die meisten von ihm? Er hat an der Verbindung des Zionismus mit England als Minister des Kriegs• kabinetts teilgenommen, war später als Kolonialminister in einer entscheidenden Epoche verantwortlich für Palästina, und hat in den letzten Jahren sich wiederholt für die zionistischen Postulate eingesetzt. Dieser Mann, der heute als Vorkämpfer einer Politik der starken Faust gegenüber Indien eine ganz exponierte, von den offiziellen Führern aller Parteien abweichende Kampfstellung in der englischen Politik hat, ist eine der interessantesten, schillerndsten Figuren der englischen Politik und zugleich ein glänzender Schriftsteller, der schon in mehreren Werken die englische Zeitgeschichte beleuchtet hat. Das vorliegende Buch ist eine Autobiographie, die bis zur Jahrhundertwende reicht, bis nach dem Burenkrieg, an dem Churchill teilgenommen hat. Wir lernen hier sein Leben und seine Personflehkeit in ihrem Werden kennen, zugleich aber auch die englische Gesellschaft und Politik in einem für die heutige Gestalt des Empire entscheidend wichtigen Zeitraum. Und wie immer man zu Churchills Weltauffassung stehen mag, man wird seinen Charakter besser verstehen, wenn mau dieses Buch gelesen hät, und man wird gefesselt sein bis zur letzten Seite. h. Das neue Buch von HansKohn ״Nationalismus und Imperialismus im Vorderen Orient“, das vor kurzem im Frankfurter Societäts-Verlag erschienen ist, kommt im nächsten Früh- Jahr in englischer Uebersetzung von Miß Margaret Oreen, Lektor der englischen Sprache an der Universität Greifswald, im Verlag Georges Routledge and Sons, London, heraus. Briefe an die Redaktion Oelfande in Palästina? Rothenbruck, Post Neuhaus a. d. Pegnitz, 19.8.31. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin W 15. Sehr geehrte Redaktion 1 Zu den jüngsten Nachrichten in Ihrem Blatte über Oelfände in Palästina darf ich Ihnen vielleicht einige Hinweise geben. Zunächst möchte ich bemerken, daß derartige Nachrichten mit der größten Vorsicht aufzunehmen sind. Jn einem Lande wie Palästina, das fn seiner Oberflächenform doch immerhin einigermaßen bekannt ist, Petroleum an der Oberfläche neu autzufinden, ist so gut wie ausgeschlossen. Selbst der beste amerikanische Geologe ist natürlich nicht in der Lage, Petroleura in der Tiefe aufzufinden, sondern höchstenfalls imstande, den Sicherheitsfaktor für die Auffindung von Erdöl bei der ersten anzusetzenden Bohrung von sagen wir einmal 1 auf 5 ס/ף zu erhöhen. Ob gewisse Teile Palästinas als erdölhaltig anzusprechen sind, darüber sind die Meinungen in den Fachkreisen durchaus geteilt, wobei es interessant ist festzustellen, daß außerwissen• schaftliche Gesichtspunkte, wie die politische Einstellung zur Mandatarmacht usw. eine nicht ungewichtige Rolle spielen. Soweit ich jedoch zu beurteilen in der Lage bin, glaube ich, daß das Interesse der der Standard Oil zugehörigen Gruppen, die die einzige mir bekannte Bohrung in Palästina — und zwar vor dem Kriege ־— ausgeführt haben, nicht mehr sehr groß ist. Ich selbst habe vor einiger Zeit in der Fachpresse zu der Frage der Auffindungsmöglichkeit von Erdöl in Palästina Stellang genommen und meine Ergebnisse dahin zusammengefaßt, daß in der Küstenebene sowohl wie im Ghor (Jordansenke) Möglichkeiten zur Auffindung von Erdöl bestehen. Eine endgültige Klärung dieser Frage — nach der einen wie der andern Seite, wird erst durch Vornahme von Tiefbohrungen in mindestens 1000 m Tiefe zu erhalten sein. Diejenigen, welche sich für eine eingehendere Darstellung der Materie interessieren, seien auf das demnächst neu erscheinende Standardwerk von ״Engler-Hoefer“ hingewiesen, in dem die Verhältnisse Palästinas aus meiner Feder eine eingehendere Darstellung erfahren. Mit Zionsgruß Dr. Stefan Loewengart. * Pfadfinder und Keren Kajemeth Colleville, 17. August 1931. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin W 15. Sehr geehrte Redaktion! ln der Nummer vom 2. d. M. Ihrer werten Zeitung las ich den Bericht über den Weltkongreß der jüdischen Pfadfinder. Als Präsident dieses Kongresses möchte ich Sie bitten, folgende Zeilen zu veröffentlichen. Der Bericht Ihres Korrespondenten kann, was die Stellung des Kongresses dem Keren Kajemeth gegenüber attbelangt, einen falschen Eindruck hinterlassen, da er betont, daß wir es abgelehnt hätten, die Arbeit für den Keren Kajemeth in unsere Statuten einzutragen. Um jeglichen Irrtum zu vermei* den, möchte ich folgendes erklären: Ein Delegierter aus Belgien unterbreitete dem Kongreß einen Vorschlag, nach welchem die Arbeit für dert Keren Kajemeth in die Statuten eingetragen werden sollte. Nach Diskussion wurde mit seiner Zustimmung und der des Vertreters des Keren Kajemeth von Frankreich ein• stimmig der ursprüngliche Vorschlag in folgenden Entschluß umgewandelt: ״Die praktische Arbeit für Erez-Israel zu begünstigen.“ Dieser Entschluß wurde im Kapitel ״Hauptziel unseres Verbandes“ in die Statuten eingetragen, und unserer Meinung nach hat derselbe einen viel größeren prinzipiellen Wert. Hochachtungsvoll R. G a tn z o n, ־ Präsident de* Kongresses, 0

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