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Jüdische Rundschau · 1931-08-21 · Heft 65 (21.8.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 65 (21.8.1931)
Date
1931-08-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 390 n. 1931 itlve p-Plnn. henlseh). Eden-Hotel ISh Agencv :nden Mit- 1 d e t s k y , tor. Auf Herren an- Dr. R u p - lahm auch :y als Errrlin) teil, [gen weilt len Bödenleider aus ,erlauf der ז ti n i cj u e : tätigkeit Schluß der I welches low, der Reihe'fön eitting der Dr. fronddn Vern Fragen, an zu.verspäter im ortgeaeizt. begeben, tganda zu Rückkehr ler Privatmit. Ame- - Mitglied eiter teilt mit, daß lartements und Dr.! werden, s 011 und 1a. 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Verlauf und Ergebnisse des Kongresses sind von den Vertretern verschiedener Parteien behandelt worden und einige haben unverhohlen durchblicken lassen, daß sie allen Anlaß haben, zufrieden zu sein. Ich will nicht leugnen, daß der Sturz Weizmanns und auch noch einiges andere von der Rechten durchgesetzt wurde, aber ich glaube doch, daß es noch zu früh ist, zu triumphieren. Der Kongreß hatte über eine klare Fragestellung zu entscheiden. Sollte die von Weizmann seit der «.Berliner A.-C.-Sitzung mit Entschiedenheit vertretene Linie einer Politik der Verständigung in Palästina auf der Basis einer politischen Parität zwischen Juden und Arabern und einer von dieser Konzeption ausgehenden Politik der Kooperation mit der Mandatarmacht bestätigt werden — oder besteht die Möglichkeit, von England die Ergreifung solcher politischen und administrativen Maßnahmen zu verlangen, die in kurzer Zeit eine jüdische politische Vorherrschaft in Palästina durch eine jüdische Bevölkerungsmehrheit, deren Erreichung durch milifärjsche Maßnahmen der Mandatarmacht gegen arabische Aufstände gesichert wird, herbeiführen. Es gab im Kongreß vom ersten Tage bis zum Schluß eine große Rechtsmehrheit, die die Politik Weizmanns ablehnte und den zweiten Weg zu gehen entschlossen war. Diese Mehrheit hielt zusammen, von der demonstrativen, die politische Fairneß mißachtenden Besetzung der Kommissions- Präsidien an bis zu dem lediglich als Machtbeweis durchgesetzten Beschluß über die Palästinaämter und die uns in Deutschland lebende Zionisten in trauriger Weise an hiesige Verhältnisse erinnernde Resolution über den ״nationalen Geist“ an der Universität Jerusalem. Diese Mehrheit lehnte Weizmanns Erklärungen zu seinem Interview ab, obgleich er sich in dieser Erklärung sogar schützend vor die Revisionisten gestellt hatte, und demonstrierte mit dieser Mißtrauenskundgebung in einer eindeutigen Weise auf dem Terrain der politischen Deklarationen, was man bei der sogenannten Endziel-Resolution nicht mit demselben Mute wagte. Zweimal nämlich hat diese Mehrheit interessanterweise versagt: bei dieser Endziel-Resolution und bei der Wahl der Exekutive. Warum? Wie schon gesagt, sollte der Erfolg der Endziel-Resolution in erster Linie auf außenpolitischem Gebiet liegen, Weizmann sollte gestürzt und eine neue Aera eingeleitet werden; dabei sollte auch ein kräftiges Wörtlein nach innen, gegen die ״Verkleinerer“ und ״Verzichter", gesprochen w׳erden; aber schließlich war sich diese Majorität doch über ihren eigenen Willen klar, und es kam nicht so sehr darauf an, sich selber noch einmal den großen, kompromißlosen Zionismus zu bescheinigen, als eine andere politische Methode einzuführen. Das Ergebnis der langen Debatten und Kornmissionssitzungen war umgekehrt: man verzichtete auf jede Formulierung, die im Gegensatz zur Weizmannschen Außenpoütik stand, man sah ab von der Proklamierung der Wäj&ritätsforderung, auch in der schwächsten der unter den mehreren Dutzend vorgeschlagenen Formulierungen, und beschränkte sich darauf, nach innen eine in ziemlich allgemeinen Rede- Wendungen eingekleidete Geste zu tun. Wie kam es zu diesem Abweichen von der gewollten Linie? Ich sehe hierfür drei Gründer Zunächst setzte ein starker Gegendruck der Linken, der Arbeiterfraktion und der Gruppe A, ein, die Uebergang zur Tagesordnung über alle Resolutionen verlangte und auf alle Fälle aufs entschiedenste gegen jede Mehrheitsproklamation ankämpfte. Sodann warf bereits im Laufe der Verhandlungstage die Exekutivbildung ihre Schatten voraus, und als sich zeigte, daß die Revisionisten letzten Endes doch für die Exekutive nicht in Frage kamen, suchte man einen Weg, der die Koalitionsbildung mit der Linken nicht unmöglich machen sollte. Endlich wirkten die Warnungstelegramme aus Palästina, die ersten Signale der sich entwickelnden unruhigen Stimmung im Lande, ernüchternd, insbesondere auf viele Delegierte der Gruppe B. Der Zusammenstoß zwischen theoretischen Deklarationen und den harten Realitäten des palästinensischen Lebens, unseren wirklichen Arbeitsbedingungen, konnte nicht ohne Wirkung bleiben. Und man handelte, wie es sogar in einem Artikel des ״Dawar“ verteidigt wird: Man sah ab von einer Kundgebung, die man innerhalb der geschlossenen vier Wände billigen würde, dagegen, wenn sie offen der Weit erklärt wird, für provokatorisch hält. (Eine der interessierten Umwelt ausdrücklich mitgeteilte Politik des ״Immer-daran-Denkens und Nie-davon-Sprechens“!) Ich halte diese Stellungnahme der Fraktionen für sehr beachtlich. Es kann nicht ohne weitere Folgen für die innere ideologische Entwicklung und das politische Verständnis im Zionismus bleiben, wenn man zugibt, man habe befürchten müssen, die Proklamierung der Majoritätsforderung könnte provokatorisch wirken. (Nichts anderes hat übrigens Weizmann in dem am schärfsten attackierten Teil seines Interviews gesagt!) Die heftige Aufregung der Revisionisten über diese Haltung muß auch dem Gegner vollkommen verstandlieh erscheinen. Denn wer die Erreichung des Majoritätsziels und seine Proklamierung für nötig, wahrhaftig und nützlich hält, kann sich durch keine wie immer gearteten Erwägungen davon abbringen lassen. Wer jedoch die Proklamierung der Majorifäfsforderung für bedenklich erklärt, wird nicht verhindern können, daß seine Anhänger auch die Forderung selbst als gefährlich, unnötig und den wirklichen Bedürfnissen der zionistischen Arbeit und Politik unangemessen ansehen. Die Haltung der Parteien auf dem Kongreß kann diese Wirkung haben, und das könnte ein Beitrag zur Gesundung des Zionismus sein. Sodann versagte die große Rechtsmehrheit des Kongresses bei der Bildung der Exekutive. Die Revisionisten bugsierten sich selbst aus der Koalition; die inneren Schwierigkeiten in ihrer Partei mögen dabei eine Rolle gespielt haben, und es wird den revisionistischen Führern sicher nicht leicht fallen, ihren Anhängern die Haltung ihrer Fraktion in befriedigender Weise zu erklären. Es kam aber hinzu, daß in einem gewissen Stadium des Kongresses selbst Führer der Gruppe B die .Revisionisten nach ihrem Verhalten und nach ihren Vorschlagen nicht mehr recht für koalitionsfähig hielten. Eben diese Zwiespältigkeit der Gruppe B ist es, die es eigentlich verhindert hat, daß der Kongreß die natürlichen Konsequenzen aus der parlamentarischen Situation bei der Bildung der Exekutive zog. Es ist nur unverständlich, wieso diese Gruppe es mit ihrem commonsense für vereinbar hielt, weiter, noch «ach Anbahnung der Koalition mit der Linken, unentwegt Resolutionen gegen diesen Partner durchzusetzen. Jedoch auch der Jmke Flügel des Kongresses hat die endlich entstanden« Koalition von der Arbeiterfraktion bis zum Misracf» einer einseitigen Rechtskoalition von den Radikalen bis zu | den Revisionisten vorgezogen. Man war der Meinung, daß eine Exekutive mit der Linken jedenfalls für die Politik, für I die Weiterarbeit und das Durchhalten in der schweren Finanz- | krisis und für die Agency besser und produktiver ist als eine Verbindung mit den Revisionisten an Stelle der Linken. Die Gruppe A hat diese Haltung unterstützt, indem sie Brodetski als ihren Vertrauensmann reklamierte. Ich glaube, daß wir in diesem Versuch der Linken, durch ihren Eintritt die Situation zu halten, für ein großes Opfer ansehen müssen, das die Linke um der genannten wichtigen Gründe willen gebracht hat trotz des Verhaltens der Recntsmehrheit auf dem Kongreß. Der innere Widerspruch aber, der in diesem Ergebnis des Kongresses liegt, berechtigt zumindest zu einer gewissen Skepsis. Sokolow wurde als Präsident von der Rechtsmehrheit gewählt, mit dem die Wahl herabwürdigenden Kommentar, daß man auf diese Weise wenigstens einmal Weizmann beseitigt habe. Ich halte die Regierungserklärung der neuen Exekutive für sehr wichtig. Sie verliert dadurch an Wert, daß die Kongreßbeschlüsse bestehen bleiben. Sie kann aber dadurch an Wert gewinnen, daß die neue Exekutive diese Grundsätze verwirklicht. Aber wird sich dies wirklich bei einem Gegensatz wie Arlosoroff — Farbstein oder gar bei einem Kompromiß zwischen beiden durchsetzen lassen? Wie die Endziel-Resolution zusammen mit der Mißtrauenskundgebung gegen Weizmann, so bedeuten die Wahlerklärungen der Exekutive zusammen mit den Beschlüssen des Kongresses etwas Klares und doch etwas Unklares. Man kann in dieser Unklarheit keinen Vorzug sehen. Es ist nötig, daß sich eine der beiden politischen Richtlinien, die ich eingangs als die Fragestellung des Kongresses charakterisiert habe, durchsetzt. Kompromisse sind dabei kaum möglich und für die zionistische Arbeit nicht nützlich. — Verlangt man nicht seit den Verhandlungen über die Balfour-Deklaration, seit Weizmanns Auftreten in Versailles, seit Dr. Eders Auftreten vor der Haycraft-Commission, dem Churchillschen Weißbuch bis zu Sachers Verhör vor der Shaw-Kommission und dem neuen Weißbuch eine Erklärung über den politischen Zustand, den der Zionismus in Palästina zu begründen, und das Rechts- Verhältnis zwischen Juden und Arabern, dem er zuzustreben wünscht? Vollzieht sich nicht seit der Balfour-Deklaration die arabische Offensive gegen den Zionismus, gestützt auf revisionistische Erklärungen über die zionistischen Ziele in Palästina und unterstützt durch die Unklarheit, die viele Verantwortung»- bewußte Zionisten über unserem Ziele schweben lassen wollen? Der Zionismus muß sich in dieser Frage deutlich erklären. Aber nicht im revisionistischen Sinne, sondern, wenn er die Schwierigkeiten, die unsere Arbeit heute bedrängen, beseitigen will, im Sinne der programmatischen Darlegungen Weizmanns. Ich halte es daher nicht für begrüßenswert, daß der Kongreß einer klaren Aussage auf diesem Gebiet ausgewichen ist. Jedoch hat der Ausgang des Kongresses auch eine positive Bedeutung in dieser Lebensfrage des Zionismus. Der Prozeß der Aufklärung, der Umbildung der öffentlichen Meinung, der Neuorientierung im Zionismus, der bis zum Kongreß von einer verhältnismäßig kleinen Gruppe betrieben •wurde, spielt sich nunmehr an einer viel breiteren Front ab. Die Entwicklung der nächsten zwei Jahre wird daher schneller gehen, als die der letzten Zeit. Und unsere Front wurde weit vorgeschoben. Der nächste Kongreß freilich wird einer klaren Entscheidung nicht mehr ausweichen können. Die großen politischen und kolonisatorischen Aufgaben, die in der nächsten Zeit an uns herantreten, besonders die Ausführung des Landentwicklungsplanes der Regierung, werden auch nach innen wirken und den Klärungsprozeß weiter treiben. Wir haben an dieser innerzionistischen Auseinandersetzung kein anderes Interesse als das, der schnellen Verwirklichung des Zionismus zu dienen. Damit aber unsere Politik und unser Jischuw im Leben des Landes sich erfolgreich weiter entwickeln können, muß der Zionismus auf eine ganz andere, neue Weise an die politische Welt, an die Araber in Palästina, und nicht zuletzt an das jüdische Volk herantreten. Dieser Erneuerung des Zionismus wird unser Kampf in der nächsten Zeit gewidmet sein. Zur Wizo-׳Konferenz ifn Nachwort Von Dr. Margarete Turnowsky. Wir, die wir nicht auf der Wizo-Konferenz in Basel waren, hören jetzt seit Wochen auf die Erklärungen von all den Frauen, die dort verantwortlich gearbeitet haben — und es ist fast unmöglich für uns, uns ein Urteil über den Ablauf der Konferenz zu bilden. War diese Konferenz eine der zielsichersten, klarsten in der Geschichte der Wizo oder war sie nur leidenschaftlich und in dieser Leidenschaft bedeutsam, aber irrend? Waren ihre Ent- Scheidungen grundsätzlicher Art oder nur budgetärer und damit zufälliger Natur? Ist der Rücktritt bester führender Menschen aus der Exekutive aus persönlichen Spannungen, aus der Verwirrung übererregter Stunden, oder aus programmatischen Gegensätzen heraus erfolgt? Wahrscheinlich wird es unmöglich bleiben, diese Fragen endgültig zu entscheiden. Die Arbeit vollzog sich ausschließlieh in Kommissionssiizungen. Es gibt keine maßgebliche protokollarische Niederlegung. Wir sind darauf angewiesen, Meinung neben Meinung zu setzen. Darum ist der historische Ueberblick über den Ablauf dieser Konferenz nur bedingt wertvoll. Die Leidenschaftlichkeit unserer Delegierten hat für uns keinen Wert, wenn sie nicht in uns selbst die Leidenschaft des Arbeitswillens erzeugt. Nicht die Geschichte, sondern das Resultat der Konferenz ist für uns entscheidend. Fassen wir dieses zusammen: Es ist beschlossen worden, das alte Wizo-Programm ungeschmälert fortzuführen und — soweit die gesteigerte Geldaufbringung dies möglich macht — die 3 Mischke-Hapoaloth, für welche die Wizo bisher die Lehrkräfte bezahlte, zu konsolidieren. Dieser Beschluß wurde in der letzten Council-Sitzung dahingehend abgeändert, daß diese (£ 5000 erfordernde) etwaige Konsolidierung von einer Auseinandersetzung mit der Jewish Agency abhängig gemach! werden soll, zu deren Verpflichtungssphäre die Mischke-Hapoaloth bisher gehörten. Die Jewish Agency, die unter dem Zwang ihres zu kleinen Budgets eine Reihe von Verpflichtungsgebieten abstoßen muß, soll entscheiden, ob diese Konsolidlerung der Meschakim im Augenblick zu den wichtigsten Frauenaufgaben gehört. Weitere Resultate waren: Die Moazath Hapoaloth affiliierte sich der Wizo. Die Institutionen der ״Histadruth Naschitn“ (die Tageskrippe in Tel-Awiw und das Säuglingsheim in Jerusalem) werden weiter budgetär von der Wizo erhalten; die auf der Züricher Konferenz angestrebte Entscheidung über die Aftiliierung der ״Histadruth Naschim“ wird aber um ein Jahr verschoben. Das Programm wird durch eine Palästina-Exekutive, unter Führung der Vertreterinnen der Moazath Hapoaloth, die zugleich die Leiterinnen der größten Wizo-Institutionen (Nahalal und Ness Zionah) sind, durchgeführt werden. Frau P e r s it z , die auf der Züricher Konferenz in die Exekutive gewählt wurde und dort zu einer dominierenden Stellung kam, scheidet aus. Die Londoner Exekutive, verliert die Majorität ihrer Mitglieder, vor allem Mrs. S i e f f, eine der Begründerinnen und wesentlichsten Führerinnen der Wizo. Die Leitung liegt in den Händen der Damen Weizmann, Goodman und Irwell. Dieses rein tatsächlich zusammengefaßte Resultat würde die Begeisterung über den Ausgang der Konferenz, die in vielen der Delegierten fühlbar war, unbegreiflich machen, wenn man nicht glaubte, daß auch das scheinbar Zufällige und Persönliche auf der Konferenz durch eine ideelle Entscheidung bedingt war: Die Mehrheit der Delegierten bejahte damit entschieden Wesen und aufbauenden Willen der Arbeiterschaft und wehrte sich gegen eine Abbiegung im Wege der Wizo zu den Leistungen, die sie als ״Hilfswerk“, als nur notbedingt und damit als mehr zufällig empfand. Diese leidenschaftliche Bejahung machte Kritik fast unmöglich, und übertönte das Bedauern über das Ausscheiden bisher verehrter und geliebter Frauen. Vor den besten der so entscheidenden Delegierten stand das Bild einer Frauenbewegung, deren Zentrum im Galuth chaluzische Mädchengruppen bilden und die sich an der Verbundenheit mit der aufbauenden Frau Palästinas steigert. Die Mehrheit der Wizo verwarf damit indirekt, ohne daß es ganz klar ausgesprochen wurde, das Resultat der Züricher Konferenz. Die Hinausschiebung oder Aufhebung der in Zürich eingeleiteten Affiliierung der Histadruth Naschim wurde dadurch notwendig, auch wenn sie von der gleichen Mehrheit aus organisatorisch-zusammenfassenden Gründen gewünscht wurde. Beschlüsse einer Konferenz sind Mncrencre. Es besteht aber für jede Gruppe das Recht, sie zu durchdenken, um die Weiterentwicklung aktiv mitzubestimmen. Die Wizo war in ihren wesentliehen Teilen bisher Frauenverein, nicht Bewegung; die große Masse der Mitglieder war passiv, nicht mitverantwortlich. Delegationen entstanden im allgemeinen zufällig, schon deshalb, weil die Kosten für Delegierte nicht gezahlt wurden — eine Tatsache, gegen die trotz der budgetären Belastung unbedingt anzukämpfen ist. Das Recht zum selbständigen Neudurchdenken der Probleme wird diesmal Pflicht, weil die Konferenz wertvollste Kräfte ausschied. Respekt und Dank erzwingt die weiter^ Klärung. Kommt die Wizo bei sorgfältiger, von den Erregungen und Zufälligkeiten einer Konferenz unbeeinflußten Prüfung zur Bejahung der Konferenzbeschlüsse, so müssen sich die ausgeschalteten Führerinnen beugen. Zeigt sich, daß die Mehrheit der Wizo dem Resultat der Konferenz nicht ganz zustimmt, so wird der Weg zu gewissen Abänderungen eine speziell bevoU-!nächtigte Counciltagung, eine außerordentliche Konferenz, oder vielleicht sogar schon durch einen Akt der bestehenden Exekutive selbst zu finden sein. Es scheint Möglichkeiten zu geben, die zurückgetretenen Exekutivmitglieder noch jetzt zur Widerrufung ihrer Demission zu veranlassen. Aber gerade der Respekt vor den ausgeschiedenen Frauen und noch mehr der Respekt vor unserer Arbeit bedingt sorgfaltigste Prüfung, uud Entscheidung, nicht ein schnelles, durch einseitige Information oder rethorische Eindrücke bedingtes Urteil. Dieselbe Pflicht zur Neuprüfung besteht auch gegenüber der ״Histadruth Naschim Iwrioth“. Diese größte palästinensische Frauen-Organisation hat das Recht, Klarheit für ihre weiteren Entschlüsse zu fordern. Voraussetzung für diese Klärung und die Stellungnahme der Wizo-Föderationen zu der Konferenz ist genaue Kenntnis der Tatsachen und Probleme des heutigen Palästinas. Diese Kenntnis muß durch Arbeit erworben werden; Leben und Bedingungen des Aufbaus sind vielfältig. Es ist gefährlich, sich dem Eindruck des Augenblicks so zu ergeben, daß man das Endziel aus den Augen läßt, aber es ist ebenso gefährlich, starr auf das Endziel gerichtet die Erscheinungen der Stunde zu vergessen. Die verantwortungsvolle Entscheidung verlangt volle Klärung des Ziels, und genaue Orientierung über die Situation und die Möglichkeiten, sich dem Ziel zu nähern. Wir haben kein Recht, zuviel Zeit zu verlieren — in einigen Monaten wird eine Entscheidung in den einzelnen Föderationen fallen müssen — aber wir dürfen noch weniger voreilige Resolutionen fassen. Diese festgelegte A.ufgabe darf und wird die Werbun_g neuer Menschen in diesem Winter nicht hemmen. Die Konzentrierung auf Ziel und Probleme unserer Arbeit und die tiefgehende ehrliche Orientierung über Palästina wird wertvolle Frauen enger mit uns verbinden, als jede leuchtendere Form der Propaganda. Ebenso darf und wird die Geldaufbringung nicht leiden. Die wirtschaftliche Krisis in der Welt wird uns bisherige Geldquellen rauben. Der bisher gern gegangene Weg der gesellschaftlichen Veranstaltungen wird fast verschlossen sein. Es wird der Weg des größeren Widerstandes, der aber zugleich der reinere und sicherere Weg ist, mehr als bisher gegangen werden müssen; Erfassung der Mitglieder bis zum Opfer willen, persönliche Werbung. Wenn die bisher so passiven Mitglieder der Wizo verantwortungsbewußt werden, wenn sie die Bedingungen Palästinas erfassen, wenn aus dem Wort das Bild von Menschen und damit aus loser Berührung tiefe Verbundenheit entsteht — so würden die Frauen auch Geldmittel aufbringen können, die weit über das jetzt geplante Budget hinausgehen. Wäre diese Ueberzeugung falsch, so würde allerdings jede weitere Diskussion über die Aufgaben der Wizo sinnlos. Denn dann wären in dieser schweren Zeit alle Kräfte erforderlich, um auch nur das engste Programm zu befriedigen. Zollfreie Einfuhr von Industriezucker י Die ״Official Gazette“, das palästinensische Amtsblatt, teilt mit, daß auf Zucker, der zu industrieller Verwertung in der Fruchtsafterzeugung bestimmt ist, kein Einfuhrzoll erhoben werden wird. Die neue Bestimmung Ist für die Entwicklung der jüdischen F r u c h t s a f 11 n d u s t r i e von außerordentlicher Bedeutung. Ders״F alest in“ hat am 1. August die Regierung wegen der hohen Preise lebenswichtiger Konsumgüter in Palästina angegriffen und darauf hingewiesen, daß der Zucker-Zoll 30 Mils per Rotl beträgt, während z. B. in Aegypten ein Rotl Zucker weniger als 30 Mils kostet. Es scheint aber, daß die Regierung aus fiskalischen Gründen den Zoll auf Konsum- Zucker vorläufig nicht her*hzusetzen gedenkt.

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