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Jüdische Rundschau · 1931-08-18 · Heft 64 (18.8.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 64 (18.8.1931)
Date
1931-08-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 304 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 64, 18. VUL 1931 in der Hand, und es lag ihr nicht im geringsten darin, d«B ihre Landsleute von der Chester-Gruppe ihr die Beteiligung an der Mossul-Konzession wegschnappten. Die Kreditgewährung an die Chester-Leute wurde daher von der Standard Oil in Wallstreet hiutertriehen. Chester wurde ausgeschaltet. Auf der?weilen Konferenz: von Lausanne im Jahre 1923 wurde dann die Schlichtung des immer verworrener werdenden Konfliktes vom Völkerbünde direkten Verhandlungen *wischen den Kontrahenten übertragen. Der Völkerbnndsrat behielt sich aber die Festsetzung der Grenzen zwischen der Türkei und dein Irak vor. Im Dezember 1923 fällte er sein Urteil zugimsten Großbritanniens. Mossul wurde dem Gebiete des Königreichs Irak cinvcrleibt, die Engländer erhielten ein 25jahriges Mandat hierfür. Die Türken ratifizierten den Grenz-' vertrag im Juni 1926 und erhielten eine Abfindung in Höhe von 2,5 Millionen Dollar. Es wurde dann zwischen dem Königreich Irak und der Turkish Petroleum Company ein auf 75 Jahre berechneter Konzessionsvertrag geschlossen. Eine französische Gruppe, bei der freilich auch wieder englisches Kapital beteiligt war, und eine amerikanische wurden zunächst mit je 25 0״, dann aber nur mit je 21,25 0/0, an der Konzession beteiligt. Die Standard Oil spielte in der amerikanischen Gruppe die Hauptrolle. Der bekannte armenische Petrokuniiiidiistrielle öulbenkian, der auf englischer Seite steht, erwarb 5 <>/0. Wie weit die Mossulfrage noch in allerjüngster Zeit dazu geeignet schien, nicht nur zu politischen Verwicklungen, sondem auch zu kriegerischen Wirren mit unübersehbaren Folgen zu führen, beweist eine Aeußerung des früheren framäsischen Überkomnrissars in Syrien, de Jouvenel, der erklärte, daß zu Beginn des Jahres 1926, als die Entscheidung des Völkerbundes beinahe einen englisch-türkischen Krieg verursaeht hatte, England den Italienern die Besetzung Ciliäens, also türkischen Gebietes, nahegelegt hätte. Nur die Furcht hiervor habe die Türken dazu veranlaßt, das Abkommen schließlich zu unterzeichnen. Diese Verhältnisse sind im obigen deshalb mit einiger Ausführlichkeit dargetan worden, weil hiermit gezeigt werden soll, daß die Einbeziehung Palästinas in den ganzen wirtschafts- und militärpolitischen Komplex, den die Mossul- Konzession darstellt, nicht so ohne weiteres als ein erfreuliches Ereignis von zionistischer Seite zu betrachten sein wird. Die Führung einer Erdölleitung nach Haifa ist aber eine solche Einbeziehung, und man muß sich daher unbedingt Rechenschaft darüber ablegen, was es für die jüdßche Arbeit in Palästina bedeuten kann und bedeuten wird, daß jetzt der direkte Kontakt zu dem politischen Explosionsherd von Mossul auch für Palästina hergestellt wird. Wir müssen uns zunächst jn diesem Zusammenhänge noch einmal mit der amerikanischen Beteiligung an der Mossul- Konzession und deren politischen Auswirkungen befassen. Kommt cs aus irgendwelchen Gründen in Mossul selbst, im Irak oder in Syrien an irgendeiner Stelle, welche die Oelleitungeu berühren, zu einem Konflikt, so wäre, wie das Beispiel Mexikos zur Genüge gezeigt hat, auf Grund der amerikairischen Anteilnahme an der Konzession die diplomatische Intervention der Vereinigten Staaten an sich zu erwarten. Das gleiche gilt natürlich für England und Frankreich, welche ja noch viel größere Interessen zu schützen haben als die Amerikaner. Nun können zwar Engländer und Franzosen ihr Kapital, welches in den Sonden von Mossul und in pipe-lines durch Syrien oder Palästina investiert ist, durch eigene militärische Macht schützen, die Amerikaner sind aber nach menschlichem Ermessen hierzu nicht in der Lage. Ein psychologisches Moment kommt hinzu: Auf der Konferenz von San Remo war das stärkste Argument von britischer Seife gegenüber dem amerikanischen Standpunkt der Hinweis, daß Großbritannien für Mossul gekämpft habe, die Vereinigten Staaten aber nicht, daß Großbritannien auch die Möglichkeit dazu habe, das Gebiet militärisch zu verteidigen, die Vereinigten Staaten aber nicht. Mit der Uebernahme des Anteils an der Turkish Petroleum Company haben nun freilieh auch die Amerikaner — wenigstens nach der vorherrsehenden Auffassung — die Verpflichtung übernommen und die Berechtigung dazu erhalten, in Konfliktsfällen politisch und militärisch zu intervenieren. Die Frage ist, ob die amerikanische öffentliche Meinung dies zuließe. Diese Frage kann man wohl verneinen. Erweist sieh das als richtig, so würden die Engländer die amerikanische Interessenvertretung zu übernehmen haben — oder die Franzosen. Auf jeden Fall kann zum mindesten die Sympathie der Vereinigten Staaten, also eines der wichtigsten Faktoren jeder weltpolitischen Ent- Wicklung, durch die englische oder durch die französische Gruppe im Konfliktsfalle in irgendeiner Weise erkauft werden. Das heißt mit anderen Worten, daß hier in einem solchen Falle wieder ein Tauschhandel mit allen möglichen Objekten aufgetan werden würde, zu denen infolge der Hindurchführung der einen pipe-line durch palästinensisches Gebiet leider auch Palästina gehört. Es ist in dieser Hinsicht sehr bezeichnend, daß der Vertrag zwischen der Iraq Petroleum Co. einerseits lind der Regierung des Irak andererseits, der am 18. Mai 1931 von dem irakischen Parlament trotz heftigster Opposition der völkischen Parlamentsgruppe ratifiziert worden ist, und der auf 70 Jahre berechnet ist, einen Passus enthält, wonach die syrisch-französische Verwaltung sich dazu verpflichtet, in den nächster! 25 Jahren keine Eisenbahnlinien von Palmyra oder Ed Deir nach Abu Kemal oder in noch weiter südlich verlaufender Richtung zu bauen und daß andererseits die Hauptlinie der Oelleitung in einer ziemlich erheblichen Entfernung von der syrischen Südgrenze verläuft. Hier tritt der rein strategische Gesichtspunkt bereits ganz deutlich in die Erscheinung. Betrachtet man die nachstehende kleine Kartenskizze, so drängt sich ganz unmittelbar der Eindruck auf, daß die Linie Kerkuk— Haifa eine strategische Position allerersten Ranges darstellt (in dieser Beziehung nicht minder wichtig als der Suez-Kanal) und daß Haifa als Kopf der Oelleitung und englischer Kriegsbafen den einen Endpunkt einer strategischen Zange darstellt, deren anderer durch Port-Said gebildet wird. Inmitten dieser Zange liegt dann Palästina. Es ist klar, daß der Bau der Oelleitung in dieser Weise zusammen mit gewissen Eisenbahn-Bauplänen, die hier nicht näher erörtert zu werden brauchen, den Engländern ein nördliches Glazis für die Verteidigung des Suez-Kanals schafft. Die Tatsache, daß unmittelbar vor diesem die französische Zweiglinie gelagert ist, will nicht allzu viel besagen. Sie ist auch ölpolitisch nicht entscheidend. In dem Augenblick, in welchem der Ausgangspunkt der pipe-line bei Kerkuk nicht mehr mit Oel versorgt wird, liegt natürlich auch der französische Zweig mit dem Kopf Tripoli still Andererseits aber verläuft die Hauptlinie derart, daß die Franzosen zwar den strategischen Vorteil der inneren Linie für sich haben, daß aber die Engländer über eine Umfassungsmöglichkeit verfügen, deren Vorteile doch wohl überwiegen dürften. Selbstverständlich können die wirtschaftlichen Vorteil« der endlichen planmäßigen Erschließung der Mossul-Ofl-Vorkommen hinter derartigen militärpolitischen Gesichtspunkten nicht völlig /uriiektreten. Für die Motorisierung des Vor, deren Orients und damit Palästinas kann von Mossul am natürlich sehr viel getan werden. Die Versorgung der palistinensischen Wirtschaft mit Rohöl und den Anschluß hieran mit Treibstoffen leichtölartigen Charakters ist, sobald einmal die pipe-line fließt, unter ungleich günstigeren Fraehtbedinfiingen möglich als dies heute der Fall ist. Gerade die Frachten aber spielen bei derartigen Erzeugnissen eine außerordentliche Rolle. Nach dem neuen Vertrage wird der Bau der Röhrenleitungen bis zum Jahre 1935 durchgeführt sein. Der nördliche Arm, der in Tripoli endet, wird wahrscheinlieh etwas früher fertig werden als der südliche, da die Iraq Petroleum Company vertraglich dazu verpflichtet ist, die süclliehe Leitung spätestens sechs Monate nach der nördlichen in Betrieb zu nehmen. Politisch wichtig ist übrigens auch die Vertragsbestimmung, wonach die Konzession der Iraq Petro• leum Company nicht, wie dies in den alten Abmachungen vorgesehen war, nach Westen über den Tigrjg hinausgeht, •ngli*ch ■ paMkstlnaniiscHa Nawptlaitung fr«n*ö«1seh - *yriten» Zwttigialtuna m "־ — — sondern durch diesen Strom begrenzt wird. Das Gebiet zwischen Tigris und Euphrat steht somit von jetzt ab zur freien ״Verfügung der Irak-Regierung. Selbstverständlich wird diese ohne ausländische Hilfe die Petroleum-Vorkommen im eigentlichen Mesopotamien kaum erschließen können. Um diese zu gewährende Finanzhilfe und technische Hilfe, mit anderen Worten um den entscheidenden Einfluß in dem von der Iraq Petroleum Company nicht zu erschließenden Ciebiet wird man sich natürlich zanken. Praktisch werden aber die Dinge wahrscheinlich so verlaufen, daß auch hier England die Vorhand behält. Damit würde der nach Südwesten verlaufende Teil der pipe-line bis zur Abzweigung der syrisch* französischen Linie an Bedeutung für die Engländer noch gcwinnen. Es ist wohl kein Zufall und scheint bereits in Rücksicht auf derartige Gesichtspunkte erfolgt zu sein, daß dieser Teil von Kerkuk ab ziemlich genau parallel der syrischen Ostgrenze verläuft. Ohne solche Gesichtspunkte und rein wirtschaftlieh betrachtet, ist die Linienführung mit ihrer Abzweigung nach Nordwesten hin, die ja einen beträchtlichen Umweg darstellt, ziemlich, unverständlich. Es muß in diesem Zusammenhänge auch darauf verwiesen werden, daß das Gebiet des Emsk durch die Linienführung der Erdölleitung zum mindesten indirekt eine Bedeutung erhält, die ihm bisher — glücklicherweise — nicht zugesprochen werden konnte. Innerhalb der palästinensischen Grenzen wird nämlich dieses Gebiet nach der Fertigstellung der Erdölleitung zum Vorfeld aller der Anlagen und Handlungen, welche dem Schutz dieser Leitung zu dienen haben werden. * Palästina als Petroleum •Depot des Empire? Aus London wird uns geschrieben: Ein gewisses Aufsehen erregte eine Serie von Artikeln in der hiesigen ״Oil N e ws“, dem Blatt der Erdöl-Interessenten. Am 24. Juli schrieb Arthur Wade, kurz nach den Interpellationen im Unterhaus über die Tote-Meer-Konzession, daß schon viel Geld und Zeit durch die Suche nach Petroleum am Toten Meer vergeudet worden sind und meinte, daß die Weigcrung der verschiedenen Konzessionäre weiter zu arbeiten als Beweis gewertet werden kann, daß sich weitere Bohrungen nicht lohnen würden. Er erwähnte noch verschiedene geologische Faktoren zur Bestätigung seiner Ansicht, wie z. B. den Einfluß von Salz auf das Erdölvorkommen und anderes. Ueberaus interessant vom zionistischen Standpunkt ist die Antwort in den ״Oil News“ von A. Homer. Dieser bestreitet die historischen Einzelheiten und auch die Schlüsse, die Wade gezogen hat. Er führt aus, daß die E i n s t c 11 u n g der S t a n - dard Oil-Operationen gar nichts mit technischen Schwierigkeiten zu tun hatte. Die amerikanischen Experten arbeiteten am Toten Meer von 1914 bis zu dem Eintritt Amerikas in den Weltkrieg, und kehrten nach Palästina gleich nach Kriegsschluß zurück. Aber bis zum endgültigen Friedens- Schluß mit der Türkei verhinderten die britischen Behörden die Wiederaufnahme der Arbeit. Trotzdem hielten die Amerikaner, unter großem Kostenaufwand, ihre Experten in Palästina, bis die amerikanischen Petroleum- und politischen Interessen in Mossul geregelt waren. Daraufhin gaben sie die Tote-Meer-Optioncn zurück. In der Zwischenzeit hat die Angfo-Persian Co. auch einige Optionen erhalten und entsandte Experten zur Untersuchung. Die Ergebnisse waren äußerst günstig und wurden an die britischen Behörden weitergeleitet, die aber, aus irgendwelchen Gründen, ihnen keine Publizität gaben. Trotz des Rates der Experten, sofort Bohrungen zu unternehmen, hielt sich die Anglo-Persian vollständig passiv, und als die Standard Oil Co. bekanntgab, daß sie auf ihre Palästina-Optionen verzichten wird, folgte die Anglo-Persian diesem Beispiel. Daraufhin wurden die Konzessionen an die ursprünglichen Besitzer zurückgeleitet. Diese fanden nun, daß alle ihre Anstrengungen (seit dem Jahre 1927), Kapital für Bohrungen zu finden, sabotiert wurden durch geschickt publizierte Andeutungen, daß die großen Konzerne in Palästina nicht weiterarbeiteten, weil Erdöl in ausbeutungswürdiger Menge nicht vorhanden sei. Die britische Regierung hat diese Andeutungen ebenfalls verbreitet. Homer bestreitet die Ansicht, daß man die Tote-Meer-Erdöl- Vorkommen brach liegen ließe wegen des Ueberschusses der Weltproduktion, und weist darauf hin, daß die großen Konzerne seit ihrem Rückzug aus Palästina Bohrungen in verschiedenen Teilen der Welt begonnen haben. Homers Meinung nach trägt die finanzielle Verbindung der Anglo-Persian an Mbsstil und Persien, an denen ja auch die britische Regierung stark beteiligt ist, in größerem Maße die Schuld, und er weist auch auf die nicht-technischen Motive hin, die die britische Regierung veranlaßt haben, weitere Palästina-Bohrungen zu verhindern. jedenfalls, so schreibt Homer, was auch die wahren Gründe• sein mögen, so scheint es, als ob zwei wichtige Punkte der Regierung entgangen seien. Daß 1. die britische Regierung im Mandat sich verpflichtet hat, die Ausbeutung der natürlichen Schätze (Natural Resources) des Landes im Interesse der Bew'olmer des Landes m fördern, und 2. daß im Falle eines Kriege* die Versorgung der englischen Schiff- und Luftfahrt mit Petroleum rasch in große Schwierigkeiten geraten würde. Im Mai 1931 kamen ca. 10 °/0 des eingeführten ״Motor-Sprit“ nach England aus Persien, und nur 5 <y0׳ aus britischen Be- Sitzungen. Homer schließt nun: wenn auch diese Zahlen im Kriegsfälle erhöht werden können, zeigen sie doch, daß die Petroleum Versorgung von England einen günstigen Angriffspunkt darstellt. Dagegen wären Erdölvorkommen am britisch kontrollierten Toten Meer, mit einer kurzen Rohrleitung nach Oaza oder zum Kanal, leicht zu verteidigen und würden jederzeit für die Versorgung der Schiffahrt auf der See und in der Luft aut dem Wege nach Indien und dem weiten Osten außerordentlich nützlich sein. Weltkongreß jüdischer Pfadfinder (Von unserem Berichterstatter.) -m. Colleville sur Orne, 13. August. In den Sitzungen der letzten Tage des Weltkongresses jüdischer Pfadfinder, über dessen zielsetzende Sitzung wir in Nr. 62 vom 11. August berichtet haben, wurden zunächst die Fragen der technischen und finanziellen Verwaltung der Liga erledigt. Der Stoff der zweiten Sitzung war die Erörterung des Arbeitsprogramms der Union. Bei seiner Erörterung wurde im vorhinein festgestellt, daß in dem angenommenen Plan ein Maximalprogramm zu erblicken sei, dessen Bewältigung die Arbeit mehrerer Jahre sein wird. Neben den Programmpunkten statistischer und pfadfinderischer Natur sind von besonderer Wichtigkeit u. a.: Wettbewerbe unter den Bewegungen im Studium des Hebräischen, der -jüdischen Geschichte und der Arbeit für Palästina; Aussclireiben zur Schaffung eines jüdischen Erziehungsspieles, Herausgabe eines hebräischen Liederbuches und einer Welt-Zeitschrift usw. Das Programm für das Jahr 5692 sieht neben verschiedenen organisatorischen Dingen u. a. vor die Vorbereitung einer großen jüdischen Jugend-Ausstellung; die Durchführung eines Jamborees (pfadfinderischen Welttreffens) von mehreren tausend jungen Juden; die Durchführung eines jüdischen Er- Ziehungsprogramms und praktische Palästina-Arbeit. In den sieben das Wesen der Union grundsätzlich festlegenden Artikeln, die hierauf Annahme fanden, wird u. a. bestimmt, daß die Union frei von einer politischen oder gesellscliaftlichen Tendenz (tendancc politique ou sociale) ist, daß die Union in die Weltunion der Pfadfinder eintreten werde, daß alle Unions-Mitglieder, gleichgültig, welches im einzelnen auch ihre jüdischen Ziele seien, sich verpflichten, mit allen ihren Kräften mitzuwirken an einer Renaissance des Judentums und des Hebräischen; das Studium der jüdischen Geschichte und Literatur zu betreiben, die Tradition des Judentums «zu ,respektieren uiici‘-sich ihrer Aufgab« für Palästina zu entledigen. Schließlich'‘wird liier noch die friedliche Zuliehe Zusammenarbeit mit allen jüdischen Jugendorganisationen von allen Unions-Mitgliedern gefordert. Im 6. Kapitel wurden Fragen eines gemeinsamen Brauchtums festgelegt. Hervorhebung verdient der einstimmig angenommene Beschluß, den Oha mischah-assar-b’sch wat-Tag als einen lnter nationalen Jüdischen Pfadfindertag zu begehen, an dem Feste und Kundgebungen (Reisen, Entsendung von Austauschdelegatioiien u. v. a. m.), die Einheit der jüdisehen Jugend betonen sollen. Die letzte Sitzung legte die Statuten der Union fest und bestimmte ihre Leitung und Sitz. Bei der Besprechung dieser Fragen wurde vom Vertreter des Hanaar Haiwri eindringlich die Forderung erhoben, daß bei der Behandlung der Fragen jüdischer Bildung vorzüglich seine Organisation herangezogen werde; in diesem Sinne beschloß die Delegiertenversammlung, einem Vertreter des Hanaar Haiwri einen besonderen Platz einzuräumen in dem Referat für jüdische Bildungs- und Erziehungsarbeit. In den Statuten wird u. a. bestimmt, daß im Falle der Unions-Auflösung deren Vermögen zu gleichen Teilen zufalle an den KKL und die Hebräische Universität in Jerusalem. Der Sitz der Union wurde nach Erez- Israel gelegt, befindet sich jedoch vorläufig, d. h. bis die derzeitigen technischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwunden sind, im Galuth, und zwar für die nächsten zwei Jahre in Paris. Die Wahlen für das Zentralbüro ergaben u. a. als Leiter der Union (Commisairc Central) Robert Oainzon, den Leiter der französischen jüdischen Pfadfinder- Organisation, als Leiter der Außenarbeit Sigmund Hirsch und als Leiter der inneren Arbeit S, Halt. Außerdem gehören dein Zentralbüro noch an ein Generalsekretär und ein Schatzmeister, sowie technische Sachverständige mit beratender Stimme. Die Annahme dieser Vorschläge bildete den offiziellen Abschluß der Beratungen des ersten Weltkongresses jüdischer Pfadfinder; die Gründungsurkunde, deren Inhalt wir kurz zu skizzieren versuchten, wird in den nächsten Tagen von den Vertretern fast aller jüdischen Jugendorganisationen auf pfadfinderischer Grundlage noch unterzeichnet werden. Als einziger Bund von Bedeutung wird nur der Hascliomer Hazair außerhalb der Union verharren; die in unserem letzten Bericht genannten Gründe hindern ihn am Eintritt, Feine weitgehende Mithilfe an der Unionsarbeit wird er, wie der Vertreter dieses Bundes, Budkowski, der erst vor einigen Tagen das Lager verließ, mehrfach betonte, nicht versagen. Am Nachmittag des letzten Kongreßtages fand als Tagungsabschluß von symbolischer Bedeutung eine schlichte H e r z I - F e i e r statt. Die vielen hundert Lagerteilnehmer hatten sich inmitten des Lagerplatzes in einem großen Viereck vor einem Herzl-Bild aufgestellt und lauschten den Worten des Präsidenten G a m z o 11 und hierauf des palästinensischen Delegierten Gamsou, in denen erster in französischer, der Pa- Iästinenser in hebräischer Sprache die Gestalt Herzls erstehen ließen und auf die überzeitliche Bedeutung Herzls für die Jugend in der Galuth und in Erez-Israel hinwiesen. Der Leiter der Delegation des Z i r e 11 u aus Wien erinnerte an die Opfer, die genau vor zwei Jahren in Palästina für Herzls Werk gefallen seien. In zwei Minuten stummer Trauer gcdachten die jungen Menschen jener Toten und zogen dann im langen Zug vorbei an dem Bilde Theodor Herzls, wo sie ihre Blumen und Wimpel niederlegten. Der gemeinsame Gesang der Hatikwah schloß die eindrucksvolle Stunde des Gedenkens. — Das Lager, das bisher einen harmonischen und die Beziehungen der jüdischen Jugend aller Länder untereinander wesentlich vertiefenden Verlauf nahm, wird am 18. August geschlossen werden.

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