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Jüdische Rundschau · 1931-08-04 · Heft 60 (4.8.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 60 (4.8.1931)
Date
1931-08-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die Interview - Seuche Bbmtbmmmer OßS Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag-Bezugspreis bei dar Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. A^aot^botmements werden in der Wirrung der elmnlnfto Under berechnet. Anneigenpreis; 8 gesp. Nnnpereillezeüfl 0»5O G־*M« StelUsngwticb• 0,25 C״M. Redaktion, Verlag und Anreigen ■Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H-, Berlin W15. Meinekestr-IO. Telephom J 1 Bismarck 716570־. Anwtawuihlag: Di.sttag und Freitag nachoittaga 4tJhr Redakttonsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. im■■—aaimms 1 וי■■■——■—— Poetscheck - Konten: Berlin 17392, Basel V 9355. Belgrad 68032, Brüssel 39433. Budapest 59693. Danzig 1973, Haag 140470. Prag 59410. Riga 4155. StriaOrors 16430. Warschau 190708, Wien 156030. Bank ״Kontent Darmatadter- «nd Nationalhank. Depositen -Kasse Berlin, Kurfürst ©ndamm 52־, Rumänische Kreditbank, Cemtuti (Rumänien); Angl» Palestine Ca. in Haiia. feruaalem. Tel •Aviv, ןב״א אב תרצ״א xxxvi. Jahrg. Der Zionismus erstrebt fOr das jüdische Volk die Schaffung einer dffantllch ■ rechtlich gesicherten Heimstatt# Iw Palästina, ״Baseler Programm.» Newman über seine Aufgaben Organisation — Mittelstandseinwanderung — Kontakt mit Amerika London, 31. Juli. (J.T.A.) Das neugewählte amerikanische Mitglied der Zionistischen Exekutive, Etnanuel Newman, äußerte sich in einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter über die besonderen Aufgaben, die er in der neuen Zionistischen Exekutive zu erfüllen haben werde, und entwickelte hierbei auch Richtlinien einer künftigen Palästina-Politik der Exekutive. Er wies zunächst auf die verschiedenen schwierigen Problenie hin, deren Lösung der neuen Exekutive zufällt, und bezeichnete es als dringendste Aufgabe der Leitung, eine Stärkung der Zionistischen Organisation und eine größere Geschlossenheit der Bewegung herbeizuführen. Es ist wesentlich, erklärte Herr Newman, daß wir sobald als möglich die Spaltungen und Konflikte des XVII. Kongresses überwänden. Ein Teil der Organisation, die Revisionisten, iiaben bereits der neuen Exekutive schärfste Opposition angekündigt. Ich verzweifle jedoch nicht an der Möglichkeit, Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit aller Parteien in den praklischen Aufgaben zustandezubringen. Selbst gegenüber einer so intransigenten Gruppe wie den Revisionisten wird es Aufgabe der neuen Exekutive sein, sie zur Entfaltung konstruktiver Kräfte im Dienste des Aufbaus des N^tionalheims zu ermutigen, ohne natürlich erwarten zu dürfen, daß sie ihren abweichenden Standpunkt in politischen Dingen aufgeben werden. Ebenso wird die Exekutive sich in jeder Weise bemühen müssen, die Mitarbeit jener Elemente, die das Ausscheiden Dr. Welzm a n n s aus der Leitung besonders schmerzlich empfinden, zu sichern. Mein Hauptinteresse an der Arbeit der Exekutive, fuhr Emanuel Newman fort, gilt der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas nach den von der amerikanischen Delegation auf dem Kongreß vorgeschlagenen Grundsätzen. Wir sind tief davon überzeugt, daß die Verwirklichung unserer Ziele in Palästina die Meranziehung der jüdischen Hilfsquellen in einer Weise und in einem Ausmaß erfordert, wie dies bisher noch nicht versucht wurde. Wir schlagen vor, in Palästina eine aus Fachleuten zusammengesetzte Organisation zu bilden, die die in Industrie und Handel tätigen Palästinenser beraten und unterstützen, den Juden in der Diaspora verläßliche Informationen über wirtschaftliche Verhältnisse und Möglichkeiten in Palästina liefern und im Wege der in verschiedenen Ländern der Diaspora za errichtenden wirfschaftlichcn Palästina-Komitees (Palestine Economic Committees) die Wechsel im Colonial Office Der bisherige Dezernent für den Mittleren Osten im englischen Kolonialamt, Sir John Shuckburgh, ist zum stellvertretenden Unterstaatssekretär ernannt worden. Damit scheldet Sir John Shuckburgh aus seinem bisherigen Tätigkeit»- gebiet, dem auch die Kontrolle der Verwaltung Palästinas unterstand, aus. Shuckburgh war mehr als ein Jahrzehnt für die englische Palästina-Politik maßgebend, und mit ihm mußten in allen wichtigen Fragen die Verhandlungen mit der Jewish Agency geführt werden. Wenn auch Sir John Shuckburgh in seiner neuen Stellung Immer noch einen Einfluß auf das Dezernat für den Mittleren Osten haben dürfte, so ist doch die direkte Leitung dieses Gebiets von nun ab nicht mehr in seinen Händen. Sein Nachfolger, Mr. Parkinson, wird als ein Mann von großer Fähigkeit und persönlicher Tüchtigkeit gerühmt. Weltkonferenz der Poale Zion Wien, 30. Juli. (J. T. A.) ln Wien fand anläßlich der Tagung des Internationalen Sozialistenkongresses eine Weltlonferenz der Poale Zion statt, an der Delegierte aus Palästina, Polen, Amerika, England, Litauen, Oesterreich und der Tschechoslowakei teilgenommen haben. Die Verbandhingen wurden unter Ausschluß der Oeffcntlichk eit geführt. Neben Berichten über die Lage der poalezionistischen Verbände in den einzelnen Ländern stand nur die Frage des ״lehud“, der Vereinigung mit der Hitachduth, auf der Tagesordnung. Ueber den Verlauf und die Ergebnisse der Konferenz hat der JT.A.-Vertreter folgendes erfahren: Ueber die Notwendigkeit einer Vereinigung der zionistischsozialistischen Parteien waren sich die Teilnehmer an der Konferenz grundsätzlich einig. Meinungsverschiedenheiten gab es nur bezüglich der Form, in der diese Vereinigung durchgeführt werden soll. Schließlich wurde beschlossen: Als programmatische Grundlage für den neu zu schaffenden gemeinsamen Welfverband der poale-zionistischen und der Hitacbduih-Gruppen gelten folgende Grundsätze: 1. Gleichberechtigung der jiddischen und der hebräischen Sprache in Kultur und Erzichungswerk und Anerkennung der jiddischen Sprache als Minderheitssprache in Ländern mit jüdischer Massensiedlung; 2. Kampf um die nationalen Minderheitsrechte; 3. Anerkennung des Klassenkampfprinzips und Eintreten für eine sozialistische Politik in allen Ländern; 4. Verstärkte Anstrengung für den Aufbau Palästinas aut sozialistischer Grundlage. Die Mitgliedschaft in der neuen Organisation setzt die Zugehörigkeit zur sozialistischen Internationale und zur Zionistischen Organisation voraus. (Diese Bestimmung bedeutet praktisch die Unmöglichkeit eines Anschlusses der linken Poale-Zionisien, die weder 4er Internationale, noch der Zionistischen Organisation angehören.) Es wurde ferner be- Einwanderung von Mittelstandssiedlcrn und die zur Durchführung eines wohldurchdachten Wirfschafts- Programms erforderliche Kapitalsaufbringung fördern soll. Ich freue mich, mitfeilen zu können, daß unsere Pläne bei zahlreichen prominenten Persönlichkeiten, mit denen wir seit dem Abschluß des Kongresses konferiert haben, eine sehr günstige Aufnahme gefunden haben. Diese Tatsache hat mich äußerst ermutigt und ich hoffe, bereits im Herbst die Arbeit in der dargestellten Weise aufnehmen zu können. Es wird auch mrine Aufgabe sein, erklärte Emanuel Newman weiter, die Verbindung zwischen der Zionistischen Weltorganisation und der großen amerikanischen Landesorganisation aufrechtzuerhalten. Wenn wir auch nicht hoffen dürfen, geographische Entfernungen vollständig überwinden zu können, so können wir sie doch durch persönlichen Kontakt verringern und ein weit innigeres Einvernehmen pflegen als es in vergangener Zeit bestanden hat. Ich habe noch eine weitere Funktion zu erfüllen: Die neue Exekutive ist eine Koalitions-Exekutive. Sic umfaßt Vertreter von Gruppen, die auf dem Kongreß verschiedene Standpunkte vertreten haben. Ich hoffe, daß die Exekutive bald eine eigene Politik entwickeln wird, die eine gewisse Synthese dieser verschiedenen Standpunkte darstellt. Hierbei wird es meine Aufgabe sein, den Standpunkt meiner Gruppe in Uebereinstimraung mit den Revisionisten des Kongresses zur Geltung zu bringen. Ich schließe mich von Herzen Jenen an, die nach dem Kongreß ihrer tiefen Würdigung von Dr. Weizmanns historisehen Leistungen, seiner unvergleichlichen Hingabe an unsere Bewegung und seiner glänzenden Gaben, die, wie wir alle hoffen, auch fernerhin dem jüdischen Volke zur Verfügung stehen werden, Ausdruck verliehen haben. Die Diskussion darüber Jedoch, ob die neue Exekutive eine ״Weizmannistische“ Exekutive ist oder nicht, halte ich für müßig. Die Resolutionen des Kongresses deuten eine bestimmte Politik, einen bestimmten politischen Zug ah. Die Exekittive ist an die Entscheidung des Kongresses gebunden und wird nicht nur den Wortlaut, sondern auch den Geist seiner Resolutionen zu berücksichtigen haben. Ich vertraue darauf, daß die gesamte Exekutive unter der Führung von Nahum Sokolow sich bemühen ־wird, den ihr vom XVII. Kongreß gegebenen Auftrag durchzuführen. Ich sehe eine schwere Zeit kommen, die aber trotzdem neues Leben und die Wiederaufnahme unseres Vormarschs zur Verwirklidmng des Nationalheiras bringen wird. schlossen, alle Anstrengungen zu machen, um innerhalb der nieteten sechs Monate die Vereinigung der beiden Weltorganisatianen zum Abschluß zu bringen. Für den Fall, daß sich hierbei ernste Schwierigkeiten ergeben sollten, soll die Veranigung der Poale-Zion mit der Hitachduth aut Grundlage der beschlossenen programmatischen Leitsätze zunächst länderweise in Angriff genommen werden. Spätestens nach zwei Jahren soll eine Weltkonferenz der vereinigten Parteien stattfinden. — Nach Annahme einer Reihe Beschlüsse organisatorischer Art wurden die Wahlen 1n die Leitung des Weltverbandes yorgenommen. Gewählt wurden: Kaplansky, Locker, Ben Gurion, Katzenelson, Singer, Ing. Reiß, Sokal, Neustadt u. a. * Wien, 30. Juli. (J.T. A.) Aut dem in Wien tagenden Kongreß der sozialistischen Arbeiterintemationale ist die Poale-Ziondurch zehn, der jüdische ״Bund“ durch sechs Delegierte vertreten. Die Palästinafrage als solche stand nicht auf der Tagesordnung. Die Liga für das arbeitende Palästina veranstaltete anläßlich des Sozialistenkongresses eine große Versammlung, in der die neugewählten Mitglieder der Zionistischen Exekutive, Dr. Chaim Arlosorotf und Berl Locker über die Ergebnisse des XVIL Zionistenkonresses sprachen. Während der Versammlung erschien, vom ublikum lebhaft akklamiert, der französische Sozialistenführer Longu et, ein Enkel von Karl Marx, im Saale und hielt eine Ansprache, in der er in warmen Worten für den Palästina-Aufbau eintrat. Wien, 30. Juli. (J.T. A.) Wie wir bereits mitgeteilt haben, nahm an dem Festzug (80 000 Arbeitersportler), mit dem die Wiener Arbeiter-Olympiade ihren Abschluß fand, auch eine Gruppe jüdischer Sportsleute aus Palästina teil. Die palästinensischen Arbeitersportler waren Gegenstand lebharter Ovationen seitens des hunderttausendköpfigen Publikums, das dem Festzuge auf der Wiener Ringstraße zusah. Beim Vorbeimarsch der Palästinenser erschollen stürmisch Begrüßungsrufe ״Schalom“ und ״Bravo Palästinens e r“. Bei dem am Vorabend des Festzuges veranstalteten Fackelzug bildeten die jüdischen Arbeitersportler aus Palästina <fie Spitze. — An dem im Wiener Stadion veranstalteten Massen turnen nahmen auch 36 jüdische Turner aus Palästina teil. Ein Match gegen die starke dänische Arbeiterfußballmannschaft wurde von den jüdischen Fußballern Palästinas mit 3:2 gewonnen. Warschau, 30. Juli. (J.T.A.) Am 30. Juli sind aus Warschau 60 Auswanderer nach Palästina abgereist. Es handelt sich durchweg um MitteistSndier oder Angehörige bereits in Palästina ansässiger Personen, da die letzten Zertifikate für Cbaluzim, die in Polen nach zur Verfügung standen, an die Teilnehmer des letzten, vor einem monat abgegangenen Aiiswanderertransportes ausgegeben worden sind. Der Jude und die Politik der Zeit Von Rabbiner Dr. Ignaz Maybaum- Frankfurt a. d. Oder. Infolge der durch den Basler Kongreß verursachten übermäßigen Inanspruchnahme unteres Blattes können wir die folgende Auseinanderseteang mit Wilhelm Stapel, dessen Bede bereits vor einiger Zeit erschienen ist, erst heute veröffentlichen. Wir sehen in dem Versuch Dr. Majbaums. die Diskussion aut flacher, politischer Tages - Polemik in eine geistige Sphäre emporzuheben, den wichtigen Beginn einer Klärung, die nur durch freie Aestßerung individueller Anschauungen denkender Persönlichkeiten, die nicht notwendig abgestempelte Parteimeinungen sein müssen, gefördert werden kann. Red. Wilhelm Stapel veröffentlicht im Maiheft der Zeitschrift ,,Der Ring“ seine Rede, die er in Nyon auf der vom Weltstudentenwerk veranstalteten zweiten Konferenz zur ji'sdisehen Frage gehalten hat. In einer Fußnote erklärt er: ״Der zweistündige Vortrag ist hier auf Grund der schriftlichen Stich- Worte aus dem Gedächtnis rekonstruiert. Er enthält zwar den Gedankengang unverändert, nicht aber den Wortlaut. Es ist unvermeidlich, daß sich mir auf Grund der Debatte das eine oder andere im Gedächtnis verschoben hat. Also gibt diese Niederschrift den Vortrag nicht so, wie ich ihn gehalten habe, sondern wie ich ihn gehalten haben möchte. Auf der Konferenz wurde eine stenographische Nachschrift angefertigt, allerdings eine unvollständige, die nicht den vollen Wortlaut wiedergibt. Diese Nachschrift soll in einer Publikation des Weltstudentenwerkes erscheinen.“ Es handelt sich also in dieser Veröffentlichung um eine Formulierung, die unsern jüdischen Vertretern, die in Nyon waren, in dieser Form vielleicht neu sein wird. Aber auch wenn dies nicht der Fall sein sollte, ist die Auseinandersetzung mit dem nun vorliegenden Vortrag selbst schon deshalb geboten, weil die einem Vortrag sofort folgende Diskussion in ihrer Gefechtshaltung nicht den Weg gehen wird, den die Uebcrlegimg der folgenden Zeilen zu gehen die Absicht hat. Der Disluissionsredner wird die schwächsten Punkte des Gegners hervorheben. Das ist nicht die Absicht der folgenden Zeilen. Die folgenden Uebcriegungen wollen keinen Gegner widerlegen oder überzeugen, sondern Selbstbesinnung sein. Die Ansichten des Gegners sollen uns hier beschäftigen, nicht, weil sie von einem Gegner stammen, sondern weil sie sich mit der jiidisehen Situation befassen. Erst diese Gleichgültigkeit schafft die Ruhe und Klarheit, die zur richtigen Urteilsbildung führen können. Ist aber der Sachverhalt geklärt, so ist er gültig für Freunde und für Feinde. Der stärkste Punkt der Stapelschen Rede ist die Fest- Steilung der geringen jüdischen Begabung auf dem Gebiete politischen Denkens. Dieser starke Punkt sei zunächst herausgestellt. Die schwachen Punkte scheinen uns die zur Bekräftigung politischer Thesen herangeholten Formeln aus Biologie und Religionswissenschaft zu sein. Im Punkte der Biologie kan״ der Verfasser dieser Zeilen als Nichtfachmann nur sagen, er vermute Pseudo-Wissenschaft. Im Punkte der Religionsvvissen- Schaft ist er selbst in der Lage, Pseudo-Wissenschaft als tatsächlich vorliegend festzustellen. Aber hiervon sei — abgesehen von dieser notwendigen Feststellung — weiterhin nicht mehr die Rede. Wir wollen die fairness unserer Haltung so weit treiben, daß wir den starken Punkt der Stapelschen Position zunächst sogar verstärken. Und zwar dadurch, daß wir dem einleitenden Geplänkel eine viel prinzipiellere Bedeutung bei-׳ messen. In dieser Einleitung stellt Stapel dem jüdischen (?) Vorwurf, die Deutschen seien ein unpolitisches Volk, den Gegenvorwurf gegenüber, der Gleiches auf jüdischem Gebiet feststellt. ״Wenn ein hervorragender (verstorbener) jüdischer Schriftsteller gemeint hat, der Mangel an politischer Begabung habe sich schon bei den Vorfahren der heutigen Deutschen gczeigt; die germanischen Vorfahren der Deutschen hätten sich auf den Wanderzügen just an der geopolitisch bedenklichen Stelle zwischen Kelten und Slawen angesiedelt, so möchte ich auf eine merkwürdige Uebereinstimmung der politischen Nichtbegabung der Deutschen mit der der Juden hinweisen: Moses hat die Juden just an der geopolitisch bedenklichsten Stelle zwischen Mesopotamien und Aegypten angesetzt. Aber im Ernst: die jüdische Geschichte dürfte nur aus einem eigeufümliehen Mangel an spezifisch politischer Begabung der Juden zu erklären sein. Die Begabung der Juden zeigt sich in ihren Hauptinteressen. Diese Hauptinteressen sind — nächst der Religion, auf dem religiösen Gebiete haben sie ja ihre große Menschheitsleistung vollbracht — Familie, Wirtschaft, Kultur. Das sind unpolitische, volksmäßige und gesellschaftliche Interessen. Mit ganz seltenen Ausnahmen pflegen die jüdischen Schriftsteller, Gelehrte wie Journalisten, ohne Verständnis für das spezifisch Staatliche und Politische zu sein. Sie mache!» die Politik zu einer Politik ״des Geistes“ — und das ist das sicherste Zeichen politischer Unfähigkeit — noch lieber, sic deuten politische Begriffe, oft mit entwaffnender Naivität, in wirtschaftliche Begriffe um. Es ist, als ob sie blind seien gegenüber dem originär Politischen.“ Was bedeutet dies ״aber im Ernst“? Der Ernst beginnt schon bei den vorhergehenden Sätzen. Es besteht tatsächlich eine Gleichheit deutscher und jüdischer Situation. Palästina ist tatsächlich eine ״Mittelmacht“ zwischen den beiden Großmachten gewesen, die einerseits vom Zweistromland, andererseits vom Nil her Palästina in ihren Interessenkreis einbezichcn mußten. Diese geographische Lage ist schicksalsbedeutend gcwesen. Mittelmacht bedeutet nicht eine die Größe betreffende Feststellung, sondern schließt den ganzen geistigen Komplex ein, d e n e I n e v o n d e r n a t ü r I i c h e n F. 111 f a 11 u n g s - möglichkeit abgedrängte Aktivität in ihrer Wandlung zur Passivität darstellt. Die ungeheuren nationalen Energien — Palästina war der stärkste Gegner von Assyrien und Babylonien und dann von Ron! — haben dieses Schicksal nicht ändern können. Der verstorbene protestantische Theologe Greßmann hielt an der .,Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ einen Vortrag, in dem er diese llllllillllllllilllllllllllllillllllllllllllimiMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIllllllllllllllllllllimillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllinillllllllllllllllllllllllllllllllllilllHIIIIIIIIH'lllllinilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilCIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIllllllliniinillimillllllllllllllll

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