Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 54 (14.7.1931)
- Date
- 1931-07-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653301--22449-2680668- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Seite 334 JÜDISCHE RUNDSCHAD Nr. 54, 14. VII. 1931 Haus zur Beratung. Bei den Organisations-Anträgen hat Jabotinsky — übrigens diesmal irr einer erstaunlich unseriösen Weise — die ״Kündigung der Agency“ beantragt, was natürlich mit allen gegen die revisionistisehen Stimmen abgelehnt wurde. Sonst gab es nur noch bei der Besprechung des Wirtschaftsprogramms einige Auseinandersetzungen, aber bei weitem nicht so leidenschaftlich wie dereinst. ♦ Nachstehend der Verhandlungsbericht: Donnerstag, 0. Juli vormittag, stand auf der Tages- Ordnung: I. Das Referat von S u p r a s k y über Handel und Industrie in Palästina. 2. Der Bericht der Oesundheitskommission. Nach einem Referat von Miß Pearl Franklin (Hadassah, Amerika) wurden folgende Anträge der Gesundheitskommissfon zum Beschluß erhoben: I. Der Kongreß begrüßt die Bemühungen und Erfolge der Hadassah, einen Teil ihrer Institutionen auf den Jischuw zu übertragen. Der Kongreß gibt der Meinung Ausdruck, daß diese Bestrebungen in der gleichen Richtung weiter geführt, werden sollen. Der Hadassah soll hierdurch die Möglichkeit geschaffen werden, andere, neue notwendige Gebiete des Gesundheitswesens für den wachsenden Jischuw weiter zu entwickeln. 1F. Der Kongreß begrüßt den Antrag, das Gesundheitswerk auf die Knesseth Israel gemäß den Grundsätzen, wie sie gemeinsam vom Waad Habriuth, der Assefath Han iwcharim und der Exekutive der Jewish Agency ratifiziert wurden, zu übertragen, fordert aber, daß die Uebertragung in der Weise erfolge, daß die normale fortschreitende Ent- Wicklung des Gesundheitswesens in Erez-Israe! gewährleistet werde. Der Kongreß ersucht die Exekutive der jewish Agency, die weiteren Unterhandlungen bezüglich der liebergäbe des Gesundheitswerkes der Knesseth Israel und der Hadassah zu überlassen. III. Der Kongreß nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die Knesseth Israel sich mit £P 3500 an dem Budget der Hadassah beteiligen wird, und ersucht die Exekutive, die Knesseth Israel aufzufordern, diesen Betrag aufzubringen, damit das Gesundheitswerk in Erez-Israel nicht gefährdet und der Beginn seiner Uebergabe an die Knesseth Israel ermög- Ifcht werde. IV. Der Kongreß stellt mit Bedauern fest, daß die Palästina-Regierung auf dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge, z. B. bezüglich der Unterbringung von Infektionskranken (einschließlich von Tuberkulösen) sowie Geisteskranken in Krankenhäusern, ihre Pflichten nicht erfüllt hat. Der Kongreß erklärt erneut, daß die Palästina-Regierung verpflichtet ist, diejenigen jüdischen Institutionen finanziell zu unterstützen, die, wie z. B. das Esrath Naschim-Spital für Geisteskranke in Jerusalem und das Tuberkulose-Spital der Hadassah in Safed, einen Teil der Arbeit auf diesem Gebiete freiwillig übernommen haben. Der Kongreß fordert die Exekutive auf, die von ihr ln dieser Richtung unternommenen Schritte fortzusetzen. Die nächste Plenarsitzung, Freitag, den 10. d. M., nachmittag, faßte eine Reihe von Beschlüssen zur Organisationsfrage wovon wir folgende anführen: f. Stärkung der Organisation. Der Kongreß hält das folgende Programm für den Ausbau der Zionistischen Organisations- und Propagandaarbeit für zweckmäßig: 1. Die Organisation und Propaganda soll mehr in den Vordergrund der Arbeit der Zionistischen Exekutive gerückt werden. Die Zionistische Exekutive soll bei Verteilung ihrer Ressorts hierauf Rücksicht nehmen. 2. Das Organisations-Departement der Zionistischen Exekutive soll zu einer Zentrale für Organisation und Propaganda ausgebaut werden, welche die Tätigkeit der zionistischen Verbände aktiv und systematisch anregt und unterstützt. 3. Die hauptsächlichsten Außenaufgaben des Organisations-Departenients sind: a) Anregung und Ueberwachung der organisatorischen und propagandistischen Tätigkeit der zionistischen Landes- und Sonderverbähde sowie sonstiger Organisationen, vor allem der zionistischen Jugendverbände, ständige Fühlungnahme mit ihren Zentralen, bzw. Landesstellen, und zwar sowohl durch die Aufrechterhaltung eines schriftlichen Kontaktes als auch durch Pflege persönlicher Beziehungen im Wege der Ent- Sendung von Mitgliedern und Delegierten der Exekutive nach den einzelnen Ländern. b) Organisierung direkter Organisations- und Propaganda- Aktionen mit dem Ziele der Vermehrung der Zahl der Schekelzahler und der ständigen Mitglieder der zionistischen Verbände, sowie zum Zwecke der inneren organisatorischen Festigung der Verbände. c) Beratung der Verbände auf organisationstechnischem Gebiet. Vermittlung des Austausches organisations- und propagamlatechnisdier Erfahrungen. d) Beratung der Verbände bei der Schaffung der Propaganda-Literatur. e) Sorge für die Herausgabe von Standardwerken zionistischer Ideologie und Propaganda, Maßnahmen für die Schulung von Propagandisten, Veranstaltung von Aussprachen über Fragen der zionistischen Ideologie. f) Ueberwachung und Förderung des zionistischen Pressewesens, 4. Ständige Sorge der Exekutive und insbesondere des Organisations-Departements muß es sein, die Tendenz zur Zusammenfassung der in den einzelnen Ländern bestehenden zionistischen Verbände zu stärken, die Zionisten in den Lätidern zu gemeinsamer organisatorischer Tätigkeit zusammenzufassen und die an sich gesunden Meinungskämpfe auf das Maß einer gedanklichen Auseinandersetzung zurückzuführen, die das Solidaritätsbewußtsein aller Zionisten innerhalb der Organisation respektiert. If. Die Exekutive wird beauftragt, in! Einvernehmen mit fern A.-C.-F'räsidium eine aus neun Mitgliedern bestehende Ständige Kommission für Angelegenheiten der Organisation und Propaganda einzusetzen, deren Aufgabe es sein wird, der Exekutive in den Fragen der Organisation und Propaganda zur Seite zu stehen. Die Ernennung der Kommission hat innerhalb von drei Monaten nach Schluß des Kongresses zu erfolgen. Albert Thomas beim Kongreß In der Sonntag-Sitzung am 5. Juli erschien, wie schon kurz gemeldet, der Leiter des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, beim Kongreß in Basel. Er wurde in herzlicher Weise von Motzktn und Sokolow begrüßt und ergriff sodann das Wort zu folgender Ansprache: Ich bin tief gerührt von dem Empfange, den Sie mir bereitet haben. Ich sandte Ihnen schon am ersten Kongreßtag durch meinen Freund und Mitarbeiter Weawer eine Begrüßung, aber schon drei- oder viermal wollte ich persönlich zum Kongreß kommen. Leider war es mir bisher nicht möglich und darum tue ich es heute auf die Gefahr hin, Ihre Diskussion zu stören. Ich komme, wie Freund Sokolow sagte, nicht, um Ihnen einen banalen Gruß zu bringen, sondern um als Ihr Freund mit Ihnen zusammen zu sein. (Beifall.) Wie fern sind die entschwundenen Tage, wo Ihre Bewegung ihre ersten Schritte in die Verwirklichung machte! Ich gedenke unserer ersten Berührung. Es war in Bordeaux, die französische Regierung weilte dort und ich war Generalsekretär des Arbeitsministeriums, Unter einer Menge von Besuchen kam damals Ruthenberg zu mir, den ich aus den revolutionären internationalen Kämpfen der Vorkriegszeit kannte, und forderte die Hilfe Frankreichs für die Befreiung des jüdischen Volkes und die Verwirklichung des zionistischen Ideals. In jenen Tagen unserer schwersten Sorgen, unserer fast verzweifelten Lage klang dieses: ״Frankreich muß helfen“ etwas messianistisch, etwas paradox. Aber wie der Krieg fortschritt und sein Sinn, sein Ziel uns zu größerer Klarheit aufstieg, da kristallisierte sich der Gedanke, der alle moralischen Kräfte Frankreichs fibrieren ließ, der Gedanke, daß das Opfer der Befreiung alfer Unterdrückten dienen müßte. Unser Frankreich, dieses großmütige und altruistische Frankreich, scheint manchmal nicht alle seine Pflichten zu verstehen, scheint manchmal zu schlafen, aber Frankreich findet sich immer wieder. Und deswegen komme ich hierher, um mit Ihnen Erinnerungen aufzufrischen. Erinnern Sie sich mit mir an das kleine Büro in der Rue de 1’Universitö, wo sich die Vertreter und Vorkämpfer aller unterdrückten Völker trafen und wo wir mit Freund Sokolow arbeiteten! Und diese Erinnerung soll Sie, wie mein Besuch, mitten in Ihren Schwierigkeiten und Sorgen und Leiden darauf aufmerksam machen, daß alle Menschen von Herz und Gewissen da und bereit sind, Ihnen zu helfen. (Lebhafter Beifall.) Ihr Kongreß ist vielleicht das Größte und Schönste und Vornehmste, was es in der nationalen Bewegung gibt. Mein Land war in der Weltgeschichte der Vertreter des nationalen Gedankens, sowie ein großes Nachbarvolk Vertreter des Gedankens des Weltreichs ist. Der Klassiker der Nationalidee, Michelet, hat den Sinn der Menschheitsgeschichte in der Entfaltung des nationalen Gedankens aus den Bedingtheiten der unvollkommeneren Entwicklungsstufen gesehen. Sie haben in Ihrer Bewegung diese Entfaltung in großartiger Weise gezeigt. Und während die Führer und Politiker und Diplomaten der ״arrivierten“ Völker ängstlich und zaghaft waren, haben Sie den Mut gehabt, einen neuen Begriff der Nationalität zu schaffen. Dieser Kongreß, zusammengesetzt aus Angehörigen aller Nationen und doch Verkörperung einer Nation, ist das Symbol dieses neuen Begriffes. Und darum bin ich hierher gekommen, um nicht nur in Gedanken, sondern sozusagen auch in Fleisch und Blut mit Ihnen Bekanntschaft zu machen. Ich bin nicht gekommen, um Ihnen zu schmeicheln, aber ich muß feststellen, daß ich alter Parlamentarier hier meine Freude erlebt habe. Was seid Ihr doch für eine merkwürdige Versammlung! Diese Heftigkeit der Explosion, dies Aufelnanderprallen der Leidenschaften, diese Offenheit, ja Rücksichtslosigkeit gegeneinander, und dabei doch diese Zurückhaltung und diese tiefe Empfindung für das gemeinsame Ideal, dem alle dienen! Ich beglückwünsche Sie, möge es so bleiben! Vielleicht darf ein alter Freund sich auch die Freiheit nehmen, Ihnen einen Rat zu geben. Ich will und kann nicht Stellung nehmen zu Ihren Problemen und werde mich hüten, in Ihre Debatte einzugreifen. Aber, als Mitglied internationaler Institutionen und als ein Mann, der sein Lebensideal in der Verwirklichung des nationalen Gedankens in internationaler Solidarität sieht, bitte ich Sie, den Gedanken immer im Herzen zu tragen: es gibt keine lebendige Politik in unserer heutigen Zeit, und auch keine lebendige nationale Politik, ohne die Idee der Gerechtigkeit und des Friedens. Sie haben eine große herrliche Tradition, an welcher die ganze Menschheit teilnimmt, ln der Geschichte Jerusalems finden Sie Gründe genug, die Sie hinweisen auf die Wichtigkeit der Hochhaltung dieses Gedankens. Oft, wenn ich an Sie denke, denke ich an die große romanische Tradition, denke ich an die Aeneide, an jene Manner, die durch so viel Leiden und Wechselfälle den heiligen Funken hinübertrugen an das neue Gestade, sicher im Glauben, sicher in der Hoffnung auf Gerechtigkeit. Das Schicksal findet seinen Weg. Gehen Sie den Ihren durch alle Kämpfe, durch alle Schwierigkeiten mit der Zuversicht auf die Verwirklichung Ihres Ideals in Frieden und Gerechtigkeit. (Stürmischer Beifall, die Delegierten erheben sich.) Die Badgetlage der Jewish Agency Der Treasurer der Jewish Agency, Dr. Werner Senator, erklärt über die Finanzlage der Agency folgendes: Die Gesamtverpflichtungen der jewish Agency und des Keren Hajessoa betragen zirka £ 700000. Ich wähle absichtlich den Ausdruck Verpflichtungen, da die Bezeichnung Defizit irreführend ist und den Eindruck erwecken könnte, daß die Schuldenlast der Jewish Agency und des Keren Hajessod den obengenannten Betrag erreicht hätte. ln der Summe von .£ 700 000 sind Beträge von zirka £ 300 000 für zukünftige ökonomische Investments und gewisse Landkäufe enthalten. Ein beträchtlicher Teil der re stliehen Verpflichtungen ist langfristiger Natur, insbesondere die Verpflichtungen an einzelne führende Persönlichkeiten der Jewish Agency. Die Rückzahlungsverptlichtungen der Jewish Agency und des Keren Hajessod für alle anderen in Anspruch genommenen Kredite belaufen sich auf zirka £ 300 000. Dem steht gegenüber ein Aktivum von Außenständen an Anleihen an Handel und Industrie, an eine Reihe von Institutionen und vor allem die sehr bedeutenden Investitionen in unseren landwirtschaftlichen Siedlungen. Der Wert dieser Aktiva übersteigt mit über £ 800000 weit unsere Gesamtverbindlichkeiten im oben erwähnten Sinne. Selbstverständlich erfordern der Ausbau der Siedlungen, die ja permanente Investments und nicht momentan liquide Asseis darstellen, und die Weiterführung unserer Arbeit froße Mittel und es ist kein Geheimnis, daß wir uns infolge er allgemeinen Wirtschaftskrise und insbesondere auch wegen der Lage in Amerika in einer schwierigen Situation befinden, um unsere Ausgaben unseren Einnahmen anzupassen. Wir hoffen, daß wir, wie in früheren Jahren, durch die Optervviiligkeit des jüdischen Volkes die augenblickliche schwierige Situation überwinden werden. Dai KoogreBgerlebt zum Fall Grossmao Wie schon kurz gemeldet, fand in Basel die öffentliche Verhandlung des Kongreßgerichtes als Disziplinargericht gegen den Vizepräsidenten der revisionistischen Wcltunion, Meier Orossman, der von der Zionistischen Exekutive erstens des Vertrauensbruches, begangen durch Mißbrauch eines offiziellen Dokuments, und zweitens des Bruchs der Parteidisziplin angeklagt worden war, statt. Im Hinblick darauf, daß es sich bei diesem Verfahren um Vorgänge hinter den Kulissen der Veröffentlichung des Weißbuches handelte, stand die Verhandlung im Mittelpunkt des Interesses der Delegierten und Gäste des Zionistenkongresses. Als Richter fungierten Gronemann, Dr. Wolfsberg und Dr. Ringel, als Kongreßanwalt Dr. Aron Barth, als Vertreter der Exekutive Felix Rosenblüth, als Verteidiger Jabotinsky. Dr. Weizmattn wurde als Zeuge einvemommen. , Grossmati hielt zu seiner Rechtfertigung eine lange Rede, in der er austührte, er habe sich aus zwei" Gründen zur vor• zeitigen Veröffentlichung des Inhalts des Weißbuches für verpflichtet gehalten. Erstens well er dadurch der britischen Regierung Gelegenheit geben wollte, den verfrüht miteeteilten Inhalt des Dokuments zu dementieren und das Weißbuch zurückzuziehen oder zu modifizieren; zweitens, weil er wünschte, daß in der allgemeinen Presse ein von jüdischer Seite ausgearbeiteter Auszug des Weißbuches erscheine, bevor ein von der englischen Regierung ausgearbeiteter Auszug, in dem versucht wurde, der Sache einen harmloseren Charakter zu geben, veröffentlicht werden konnte. Jabotinsky erklärte in seiner langen Verteidigungsrede, Grossman habe recht gehandelt. Wenn ein Pogrom drohe, müsse jeder Jude sein Möglichstes zur Abwehr beitragen. Das Weißbuch aber sei wie ein Judenpogrom zu werten. Außerdem gebe es im Zionistischen Organisationsstatut keinen Paragraphen, der dem einzelnen Zionisten Disziplin zur Pflicht macht. Einen solchen Paragraphen gebe es nur im revisionistischen Statut. Nach sechsstündiger Verhandlung wurde das Verfahren geschlossen. Die UrteilsVerkündigung erfolgte am folgenden Tage. Das Urteil des Kongreßgerichts spricht Grossman von der Anklage wegen Vertrauensbruchs frei. Bloß wegen Disziplinbruchs wird ihm ein Verweis erteilt. Der Haifa-Bay- Prozeß gewonnen Jerusalem, 7. Juli. (J.T. A.) Das Halfaer Gericht für Angelegenheiten betreffend den Grundstücksverkehr hat nach 16tägigem Prozeß das Eigentumsrecht jüdischer Korporationen an den durch sie von der arabischen Großgrundbesitzerfamilie Sursuk erworbenen Terrains Im südliehen Teil des Gebiets an der Haifa-Bucht bestätigt. Die arabischen Pächter wurden zur Räumung des 2135 Dunam umfar enden Geländes sowie zum Ersatz der Prozeßkosten verurte.lt. Eine Reihe anderer Prozesse, in denen über das strittige Eigentum an Grundstücken Im nördlichen Teil des Gebiets an der Haifa-Bucht entschieden werden soll, sind noch 1m Gange. Die Fußballspiele am Sabbat Jerusalem, 8. Juli. (J.T.A.) Das Oberrabbinat von Palästina hat an die Jewish Agency, den Jüdischen Nationalfonds, den Keren Hajessod und den Waad Leumi die schrittliehe Aufforderung gerichtet, Angestellte, die an den Fußballwettspielen an Sabbattagen teilnehmen, zu entlassen. Vertreter der Agudas Jisrael haben beim G ro ß m u f t i vorgesprochen und ihn ersucht, das ägyptisch - tnohammedänische Team, das an einem der nächsten Sabbattage ein Wettspiel gegen den Jerusalemer Makkabi austragen soll, telegraphisch aufzufordern, das Wettspiel abzusagen. Der Großmufti hat sieh hierzu bereit erklärt. Vom Ifldischen Parlamentsklub in Rumänien Bukarest, 0. Juli. (J. T. A > Im Verlauf der Debatte über die Botschaft des Königs im Parlament stellte Deputierter Dr. Theodor Fischer im Namen des jüdischen Parlamentsklubs die folgenden M i n i m a 1 f o r d e r u 11 g e n der Jüdischen Partei auf: 1. Abänderung des Staatsbürgergesetzes von 1024 in der Weise, daß es in vollem Einklang mit den Bestimmungen des Pariser Vertrages von 1019, der von Rumänien ratifiziert wurde, gebracht werde. 2. Aufhebung des die jüdische Gemeindeautonomie schädigenden Artikels des Kultusgesetzes von 1929. 3. Erhöhung der Subvention für den jüdischen Kultus in dem Maße, daß das Verhältnis pro Kopf das gleiche sei wie bei den anderen Konfessionen. 4. Sicherung der Sabbat- und Feiertagsruhe der jüdischen Schüler an Staatsschulen. 5. Errichtung einer staatlichen jüdischen Lehrerbildungsanstalt. 6. Aufhebung jener Be- Stimmungen aus dem Upterrichtsgesetze, durch welche Eltern gehindert werden, ihre Kinder in Privatschulen erziehen zu fassen. 7. Modifizierung des Kooperative-Gesetzes von 1929 in der Weise, dal? die jüdischen Kooperativen unter der Verwaltung einer eigenen Zentrale, funktionieren können. 8. Errichtung einer Sektion für jüdische Angelegenheiten beim Unterstaatssekretariat für die Minoritäten. Kleine Nachrichten Wie JTA. meldet, hat namens der palästinensisch-syrisehen Delegation Schekib Arslan aus Genf eine offizielle Botschaft an den Kongreß gerichtet, in der dieser gewarnt wird, Schritte zu ergreifen, die den Antagonismus zwischen Juden und Arabern verschärfen könnten. In der Botschaft wird daraut hingewiesen, daß Palästina vierzehn Jahrhunderte lang ein arabisches Land gewesen ist. Anläßlich des Todestages Theodor Herzls wurde im Gebäude des Hauptbüros des Jüdischen Nationalfonds zu Jerusalem am Sonntag, dem 5. Juli, ein Herz!- Gedenkzimmer eröffnet, das die Einrichtungsgegenstände des Arbeitszimmers Herzls enthält. In New York fand am 5. Juli eine vom jüdischen Nationalfonds veranstaltete Herzl-Gedenkfeier statt, an der über 2000 Personen teilnahmen. Der Vorstand des Weltverbandes für religiösliberales Judentum tagte am 7. und 8. Juli 1931 unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Mattuck in Berlin. Er entwickelte die Pläne, für die Weiterarbeit und beschloß, die nächste Weltkonferenz, welche ursprünglich im Jahre 1932 in Hamburg abgehalten werden sollte, wegen der Wirtschaftsläge um ein Jahr zu verschieben. Im Alter von 63 Jahren verstarb Jn Paris der ehemalige Kommandant des 4. Artilleriekorps, General Gedeon Cieismar. Er war Ehrenpräsident des Keren Kajemeth in Frankreich und hat an dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina lebhaften Anteil genommen.