Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 46 (16.6.1931)
- Date
- 1931-06-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Sensationeller Kommnnisicnprozcß in Palästina Einzelnummer O^tS Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugapreisbei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. A usi a ndsaboonem«*nM» wutrden in der Wahrung der einzelnen Länder hereehnet. AnreigPDprcis: 8 gesp. Nonpareillezeile 0,50 G.*M. Stellengesuche 0,25 G.*M. Nummer 46 | Berlin, 16. VI, 1931 Der Zionismus erstrebt für das indische Volk die Redaktion, Verlag und Anzeigen ■Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b.H., Berlin WJ.5, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 716570־. AnieieenncHuB: Dl m out * g »nJ Fr*ii1j n 1 c 11 ml t r 4 Uhr Redaktionsgchlu.ß Sonntag und Mittwoch nachmittag. P0»t«eh»ek.Konten: Berlin 17392, B*«el V 9353, Belgrad 68032, Brüssel 39433, B״d*p«■« 59693, D.mig 1973, Ha»! 140470, Prag 59410, Ri« 4155, Su-MkburE 16430, W.rechau 190708, Wien 15603a Bank - Konten: Darmstädter- und National bank, Oepoütan - Kum Bette». KnrfurMendamm 52: Rumittiich« Kreditbank, Certiaud (Rtn»ini*n): Angle Palästina Co. in Haila, leruaalem, Tel-Aviv. ן א תמוז תרצ״א xxxvl Jahrg. SeheWuwg einer 6ffentllch ■ rechlIKh gesicherten Heimstätte In PalBstlna. ״Baseler Programm.“ Die deutschen Vertreter im Jewish Agency - Council Landeskonferenz des Keren Hajessod für Deutschland Die Wahlen in den Berliner Gemeindevorstand Wie wir bereits in der vorigen Nummer nach Schluß der Redaktion kurz berichten konnten, sind am 11. d. Mts. von der Repräsentantenversammlung die Wahlen in den Oemeindevorstand vorgenommen worden. Die Sitzung war für 8 Uhr angesetzt, begann jedoch erst um 10 Uhr, woraus schon für die in ungewöhnlich großer Zahl erschienenen Galeriebesucher hervorging, daß ״hinter den Kulissen“ irgend etwas nicht stimmen müsse und daß fieberhafte Anstrengungen gemacht werden, zu einem Ausgleich zu gelangen. Und in der Tat waren die Stunden von 7 Uhr abends bis zum Sitzungsbeginn voll von Spannungen. Die Liberalen hatten bereits in dem für die Vorbereitung der Vorstandswahlen eingesetzten Elfer-Ausschuß mitgeteilt, daß sie der Volkspartei trotz ihres rechtmäßigen Anspruches auf vier Sitze im Vorstand nur drei gewähren werden, während sie für ihre Partei die auf sie entfallende volle Zahl von sieben Sitzen beanspruchen. Der elfte Sitz sollte ursprünglich nach dem Willen •der Liberalen mit einem ausgesprochenen kämpferischen Orthodoxen besetzt werden, damit, wie die Liberalen sagten, die orthodoxe Richtung, welche im Wahlkampf kein Mandat zu erringen vermochte, im Vorstand vertreten sei. Der Hinweis der Volkspartei, daß in ihrer Mitte viele konservative Parteigänger vorhanden sind, und daß zweifellos die Mehrheit der Berliner Konservativen für die Volkspartei votiert habe, machte auf die Liberalen keinen Eindruck. Hinsichtlich der Präsentierung der konzedierten drei Volksparteiliehen Sitze im Vorstand wichen die Liberalen von der Selbstverständlichkeit ab, daß die Auswahl dieser Persönlichkeiten einzig und allein Sache der Volkspartei ist. Die Liberalen erhoben dagegen Einspruch, daß Direktor Georg K a - r e s ki als Kandidat für einen Vorstandssitz aufgestellt werde. Sie motivierten dieses Verlangen mit einem Hinweis auf das angeblich unkorrekte Verhalten Kareskis bei der Behandlung der gegen die Wahlen vom November 1930 eingebrachten Wahlproteste. Sie warfeh**Kareski vor, daß er in dieser Angelegcnheit einen ״unzulässigen“ Brief an einen hohen jüdisehen Beamten geschrieben, und daß er sogar beim Polizei- Präsidenten von Berlin vorgesprochen habe, um sich über den Polizei-Vizepräsidenten Bernhard Weift, welcher bekanntlich einer •der . Hauptpftpagaodilten der Liberalen bei den JH®־ vemberwablen gewesen war, zu beschweren. Es bedurfte langer Verhandlungen, um diese Auffassung der Liberalen sowohl in bezug auf den Brief Kareskis, wie auch itt bezug auf die an seinen Besuch beim Polizei-Präsidenten von Ber-!in geknüpften liberalen Unterstellungen zu entkräften. Schließlich gelang dies doch am Vortage der Vorstandswahlen. Am 11. Juni aber ergab sich wieder eine schwierige Situation. Trotz gütlicher Beilegung der mit dem Besuche bei Grzesinski im Zusammenhang stehenden Meinungsverschiedenheiten erhob der intransigente Flügel der Liberalen nach wie vor die Forderung, daß die Volkspartei die Kandidatur Kareskis fallen lasse. Es gab lange Beratungen; Deputationen der Liberalen Fraktion erschienen bei der Volkspartei, eine Abordnung der Volkspartei gab in der Liberalen Fraktion Erklärungen ab, und schließlich beschloß die Liberale Fraktion, bei der Wahl Kareskis leere Stimmzettel abzugeben und an dieses Vorgehen eine Erklärung zu knüpfen, in welcher zum Ausdruck gebracht wird, daß die Liberale Fraktion ״Kareski aus politischen Gründen für den Posten eines Mitgliedes im Gemeindevorstand ungeeignet halte und die Verantwortung für seine Wahl restlos der Volkspartei überlasse“. Die Volkspartei kündigte ihrerseits eine Erklärung an, daß sie ״voll und ganz hinter Kareski stehe“ und die Vcrantwortung für seine Wahl gern übernehme, denn Kareski habe in seiner jahrelangen Gemeindearbeit bewiesen, daß er Außerordentliches zum Nutzen der Gesamtheit zu leisten vermag. Nachdem diese Abmachungen getroffen waren, konnte die Sitzung beginnen. Der Vorsitzende der Liberalen Fraktion, Dr. Kurt Fleischer, der sich während der Verhandlungen loyal und gentleman-like benommen hatte, gab die vereinbarte Erklärung ab; Goslar verlas die angekündigte Erklärung der Volkspartei, und nun meinte man, daß die Wahl vor sich gehen könne. Aber da erhob sich Bruno Woyda, der Führer der intransigenten Gruppe bei den Liberalen, um eine lange Rede zu halten, in welcher er leidenschaftlich gegen Kareski Stellung nahm. Schon bei den ersten Worten wurde er von Dr. Kurt FleischermitderBemerkung unterbrochen, daß Woyda nicht mehr Mitglied der Liberalen Fraktion sei Damit war Woydas Rede, eine verbohrt-fanatische Auslassung, ln ihrer politischen Bedeutungslosigkeit gekennzeichnet, so daß sich für die Volkspartei die Ueberflüssigkeit ergab, auf Woydas Anzapfungen zu reagieren. Ob Woydas Trennung von den Liberalen endgültig Ist, kann man nicht Voraussagen. Sicherlieh wäre es für die Liberalen eine große Erleichterung und für die Gemeinde eine fühlbare Entlastung, wenn Woyda sich tatsächlich auf die Dauer isolieren würde. Nachdem man tagelang alles Für und Wider der ״Affäre“ durchgehechelt hatte und mühselig zu einem Einvernehmen gelangt war, mutete Woydas Husarenritt wie eine Kinderei eines trotzigen jungen an, der mit dem Fuße aufstampft, weil ihm etwas vorbeigelungen ist. Nach diesem Intermezzo fanden die Wahlen statt, und Kareski wurde mit den volksparteilichen Stimmen gewählt. 23 Stimmzettel waren leer, darunter auch der Stimmzettel des Mittelparteilers, des C. V.-Syndikus Dr. Alfred Wiener. Die Sensation der Wahl war somit vorüber, und alles übrige vollzog sich programmgemäß. 111 der Erklärung zu Kareskis Wahl erhoben die Volksparteiler neuerdings Einspruch gegen die schwere Betuch- Sonntag, den 14. d. M., fand in Berlin die Landeskonferenz des deutschen Keren Hajessod und die Tagung des Initiativ- Komitees der Jewish Agency für Deutschland unter dem Vorsitz von Direktor Oscar Wassermann unter starker Beteiligung nichtzionistischer und zionistischer Mitglieder aus dem ganzen Reiche statt. Direktor Wassermann begrüßte die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agencv, Dr. Bernhard Kahn und Dr. Arthur Ruppin, und den geschäftsführenden Direktor des Keren Hajessod, Dr. Arthur Hantke, Herr Wassermann schilderte in seiner Eröffnungsrede die Schwierigkeiten, mit denen das Palästinawerk in dieser Zeit der großen Weltwirtschaftskrise zu kämpfen hat. Gerade in einer solchen Zeit aber, so führte der Redner aus, komme es darauf an, die als richtig erkannte Sache nicht im Stiche zu lassen. Vielmehr müssen immer weitere Kreise von Juden für den Palästina- Aufbau gewonnen werden. Man dürfe nicht vergessen, daß diese Sache heute bereits mit dem Schicksal einer großen Zahl von Menschen verknüpft ist. Waren wir früher gewohnt, in erster Linie das Werk zu sehen und erst in zweiter Linie die daran beteiligten Menschen, so müssen wir heute die Rangordnung umstellen. Das Werk könnte vielleicht warten, denn es ist nicht an den Tag gebunden; die Menschen aber, die in Palästina leben und arbeiten, können nicht pausieren, und ihnen auch in schwerer Zeit zur Seite zu stehen, ist ebenso jüdische Pflicht, wie die Sorge um die Menschen und jüdische Gemeindeinstitutionen in Deutschland. Zum Schlüsse seiner Rede betont Wassermann eindringlich die Notwendigkeit eines innigen Kontaktes in der Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten. Die Konstitution der Jewish Agency ist so aufgebaut, daß keiner der beiden Partner den anderen zu beeinflussen oder sich in seine Angelegenheiten einzumischen versucht. Immerhin muß es erlaubt sein, darauf hinzuweisen, daß eine fruchtbare gemeinsame Arbeit nur dann möglich ist, wenn nicht innerhalb des einen Partners Strömungen.die Oberhmd gewinnen;'#«־ dfc Grundlage, auf der die׳ Jewish Agency zustande gekommen ist, zu verrücken drohen. Er habe alles Verständnis für die Berechtigung radikaler Strötfttmgen innerhalb jeder Partei, aber man müsse sich doch bewußt sein, daß — wie schon die Erzählung der Bibel über den Auszug aus Aegypten beweist — eine kritische Situation dann entsteht, wenn ein Teil der Arbeiter an dem gemeinsamen Werk der Führerschaft die Gefolgschaft aufsagt. Redner bittet um Entschuldigung, wenn er mit diesen Bemerkungen sich in _ innerzionisüsche Verhältnisse eingemischt habe, aber es sei ein Grundsatz der Jewish Agency׳, daß freie Meinungsäußerung auch dem anderen Partner gegenüber erlaubt ist. Es liegen eine Anzahl von Begrüßungen vor, darunter ein Telegramm von Felix Warbur g, worin dieser auf die Notwendigkeit verstärkter Arbeit für das Heilige Land hinweist und zugleich die entscheidende Wichtigkeit einer neuen Methode der Politik im Sinne der Zusammenarbeit von Juden, Arabern und Mandatarmacht hervorhebt. Als erster Punkt stand auf der Tagesordnung ein Referat von Dr. Arthur Hantke Direktor des Keren Hajessod, über ״Die Situation In Palästina und die Arbeit des Keren Hajessod“. Der Referent streifte kurz die politischen Sorgen und ging dann auf die wirtschaftliche Situation und die Entfaltung des jüdisehen Lebens in Palästina ein. Das palästinensische Judentum hat heute das Gefühl, daß die Führer der Judenscnaft, Zionisten und Nichtzionisten, sich der Größe der Aufgabe nicht ganz bewußt sind. Die Einnahmen des Keren Hajessod haben in den letzten zwei Jahren viel zu wünschen übrig gelassen. Die Krise wurde erst im laufenden Jahre in ihrer ganzen Schärfe teiligung, daß man ihnen nur drei Sitze im Vorstande zugebilligt habe. Als konservatives Vorstandsmitglied wurde auf Anregung der Volkspartei und auf gemeinsamen Antrag beider großen Fraktionen Herr Adolf Schoyer gewählt. * Sonntag, den 14. d. M., fand die Einführung des neu gewählten Vorstandes statt. Diese formelle Sitzung wurde von Bruno Woyda dazu benutzt, um einen Dringlichkeitsantrag einzubringen, in welchem Woyda die Ent- Ziehung der Studenten-Seelsorge von Rabbiner Dr. Joachim Prinz und die Uebertragung dieser Aufgabe an einen Gemeinderabbiner forderte. Bruno Woyda ist der Ansicht, daß Joachim Prinz die akademische Jugend ״politisiere“ und in nationalem Sinne beeinflusse. Die Dringlichkeit des Antrages fand nicht die notwendige Stimmenzahl, und wie wir erfahren, ist er in der gestellten Form bereits zurückgezogen worden. Die Konstituierung des Gemeindevorstandes soll heute, den 16. d. M., erfolgen. Wenn wir gut unterrichtet sind, wird die Volkspartei im Präsidium des Gemeindcvor- Standes nicht vertreten sein. Erster Vorsitzender soll Direktor Kleemann werden und seine Stellvertreter werden Kammergerichtsrat Wolff und Herr Adolf Schoyer sein. Die Liberalen erklärten sich wohl bereit, Dr. Kollenscher zum ersten Stellvertreter des Vorsitzenden zu wählen. Doch da dieser mit Rücksicht auf Kareski voraussichtlich das an gebotene Amt nicht aunehmea würde und die Liberalen andererseits fühlbar, weil im Vorjahre noch der nach den Unruhen 'gesammelte Hilfsfonds zur Verfügung stand, der der jüdischen Wirtschaft zugute kam. Der Keren Hajessod hat aber nicht nur direkte Aufbauarbeiten zu finanzieren, sondern er ist auch der vorbereitende Faktor für das PrivatkapifaL Redner schildert die guten Chancen, die heute in Palästina für ertragbringende private Investitionen bä verständiger Anläge bestehen. Auch sonst sei die Wirtschaftskrise in Palästina nicht im europäischen Sinne akut, die Arbeitslosigkeit m relativ gering, aber man dürfe nicht diesen Maßstab anlegen, son* dern müsse sich stets vor Augen halten, was wir in Palästina "׳ollen. Die Hauptbedingung für jeden Fortschritt ist eine starke Immigration, für diese aber gibt es nur eine Voraussetzung, nämlich die Leistungsfähigkeit von Keren Hajessod und Keren Kajemeth. Der Redner beschäftigt sich dann mit dem Rückgang der Sammelergebnisse für den Keren Hajessod in den einzelnen Ländern. In Amerika, dem wichtigsten Land, sei zweifellos die Wirtschaftskrise, die gerade die für uns in Betracht kommenden Mittelschichten schwer betroffen hat, der Hauptgrund für das Versagen, dazu treten aber noch andere Gründe, vor allem die Führerkrise der Zionistischen Organisation Amerikas. In den europäischen Ländern beträgt der Rückgang durchschnittlich 25—30 ״/o, das sei eigentlieh nicht als Rückgang zu bezeichnen, sondern entspricht nur den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen, die den •Wert des Geldes erhöht haben. Wenn die Zahlungen jedoch um ein Drittel zurückgehen, dann ist es Aufgabe des Keren Hajessod, für den Rest neue Zeichnerzu gewinnen. Die Sammel- Spesen des Keren Hajessod sind im letzten Jahre verringert worden. In allen Ländern wurde der Sammelapparat verkleinert. Eine weitergehende Verringerung der Spesen wird aber erst dann möglich sein, wenn sich freiwillige Mitarbeiter in genügender Zahl zur Verfügung stellen. Redner appelliert in diesem Sinne auch an die Ttewige Ver- ' sattlung. Es folgt ein Referat von Dr. Rappln ״Wirtschaftliche Probleme in Palästina“. Ruppin betont, daß er nicht das gesamte Wirtschaftsproblem darstellen, sondern nur einzelne, in letzter Zeit aktuelle Fragen herausgreifen will. Zunächst befaßt er sich mit dem Bericht von Simpson und wendet sich scharf gegen Simpsons Dar- Stellung der Fassungskraft Palästinas, die nicht den Tatsachen entspreche. Ueberaus irreführend war auch Simpsons Dar- Stellung der Zahl der ״landlosen“ Araber im Anschluß an den Bericht der Johnson-Crossbie-Kommissio«, wobei völlig übersehen wurde, daß auch Pächter und Arbeiter fälschlich & landlos bezeichnet wurden, obwohl sie nur im Sinne des juristisehen Eigentumsbegriffs als landlos gelten können, in Wahrheit aber Boden bearbeiten. Das schlimmste war, daß Simpson dunkle Andeutungen fallen ließ, als ob diese 29,4«/« Landlosigkeit mit jüdischem Bodenerwerb zusammen hi t^e, was natürlieh nicht der Fall ist. Das Weißbuch der Regierung hat jedoch diese falsche Anschauung sich zu eigen gemacht, Simpson berücksichtigt auch bei Berechnung des für eine Familie nötigen Bodenausmaßes nicht die Tatsache, daß der Fellache 87 ס/י׳ seines Getreides selbst verzehrt, also nur mit 13 <0/י von dem Marktpreis des Getreides abhängig ist Im weiteren Verlauf seines Referates bespricht Ruppin noch eine Reihe für die Landwirtschaft wichtiger Fragen. Er erwähnt die erfolgreiche Bekämpfung der Mäuse plage, die dank der Arbeit des Entomologen der jüdischen Versuchsstation, Dr. Boden hei in er, mit Hilfe eines deutschen chemischen Fabrikates gelungen ist. Eine Aufgabe von großer Dringlich- Kareski zu wählen nicht gewillt seien, so haben sie sich entschlossen, die Volks pa r tei bei der Besetzung des Vorstands- Präsidiums zu übergehen. Ferner ist vorauszusehen, daß man den drei volksparteilichen Vorstandsmitgliedern weniger wichtige Dezernate anvertrauen wird. Kareskis große Erfahrung auf dem Gebiete der Finanzen und der allgemeinen Verwaltung soll sich nach dem Willen der Liberalen von nun ab in der Bibliothek auswirken. Ob cs in der gegenwärtigen Situation für die Jüdische Gemeinde tragbar ist, daß man den zweifellos besten Mann auf ein Nebengeleise schiebt, ist eine Frage, die wir nicht zu beantworten brauchen. Somit ist das neue Regime installiert. Es tritt seine Wirksamkeit nicht unter günstigen Auspizien an. Es beginnt mit einer Benachteiligung der Volkspartei durch Minderung der ihr zustehenden Zahl von Vorstandsmandaten. Es brüskiert weiter die Opposition durch Ausschaltung aus dem Präsidium des Gemeindcvor- Standes. Es ist entschlossen, die Kenntnisse und die Erfahrung der seit vielen Jahren in der Gemeindearbeit stehenden führenden Männer der Volkspartei nur in allerbescheidenstem Maße zu nutzen. Daß unter diesen Umständen die liberale Mehrheit der Volkspartci eine gedeihliche und loyale Mitarbeit erschwert, ja fast unmöglich macht, liegt auf der Hand. Vorläufig wollen wir noch abwarten und sehen, ob der ״scharfe Kurs“ der Liberalen anhalten wird. Die Volkspartei, in sich geschlossen, zur Mitarbeit bereit, wird mit zähester Energie ihre bewährten Grundsätze im Interesse ihrer Wähler und der gesamten jüdischen Gemeinde Berlins vertreten. s. xu