Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-06-02 · Heft 42 (2.6.1931) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 42 (2.6.1931)
Date
1931-06-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653290--22361-2680569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Der Palästina - Pavillon auf der Kolonial - Ausstellung Einzelnummer 0,2S Goldmark CHE RUNDSCHA Erscheint jeden Dienstag u.Freitag.Bezugepreisbei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslandsabonnements werden in der Währung der einzelnen Lander berechnet. Anzeigenpreis: 8 ge»p. Nonpareillezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M Nummer 42 | Berlin, 2. VI. 1937־ Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 716570־. AnzeigensdhJuS: Dienstag und Freitag nachmittag* 4Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Po.teeheck . Kontun: Berlto 17392, Buel V 9355. Beigred 68032, Brüeeel 39433, Bud.pwr 596 93, Dann* 1973, Ha•« 140470, Prag 59410, Ri*. 4155. Straekburg 16430, Werschau 190708, Wien 156 030. Bank .Konten: Dertnstädtar׳ und Natiotmlbank, Depositen ״ Kasse Berlin, Kurfiirstendmnm 52: Rumänische Kredhb.uk, Cemauti (Rumänien); Anclo Palestine Co. in Haifa, leruaalem, Tel -Aviv. י״ז סיון תרצ״א | " xxxvi. jahrg. Der Zionismus erstrebt fOr das fticflsctie Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.“ Die Agency-Tagung Großer Wahlsieg der Arbeiter-Partei io Palästina Jerusalem, 30. Mai. (J. T. A.) An den Kongreßwahlen In Palästina haben sich von 36 000 Schekelzahlem 29 500 (85ס/י) beteiligt. Die Wahlbeteiligung war somit um 14°/0 höher als anläßlich der Wahlen zur Assefath Haniwcharim. Von den abgegebenen Stimmen entfallen 61 0« auf die Vereinigten Arbeiterparteien, die hierdurch 24 Mandate erlangt haben. Die Revisionisten erhielten 17 »/ס der Stimmen und entsenden 7 Delegierte. Den Allgemeinen Zionisten, die 7 ״/o der Stimmen erhalten haben, wurden 3 Mandate zugesprochen, Misrachi erhält 1 Mandat und Hapoel Hamisrachi 2 Mandate. Eine neue Pädiiersdiutzverordnung Jerusalem, 31. Mai. (J.T.A.) Am Sonntag, dem 31. Mai, hat der stellvertretende High Commissioner Young eine Pächterschutzverordnung mit einjähriger Geltungsdauer erlassen. Nach ihren Bestimmungen darf kein Gerichtsbefahl zur Entsetzung aus Bodenbesitz erfolgen, wofern das Gericht nicht zur Ueberzeugung gelangt ist, daß für die Versorgung der Pächter entsprechend Vorsorge getroffen wurde. Besitzentsetzung erscheint nur gerechtfertigt, wenn der Pächter es verabsäumt hat, den Pacht- Schilling zu entrichten oder den Boden zu bebauen. In d i e s e m Falle hat er keinen Anspruch auf Entschädigung. Das Gericht kann auch keinen Räumungsbefehl gegen Weideberechtigte erlassen, die fünf Jahre ununterbrochen das Weiderecht besitzen, wofern nicht der High Commissioner die zur Sicherung ihres Lebensunterhalts getroffenen Vorkehrungen als befriedigend befunden hat. Der stellvertretende High Commissioner hat die neue Ver- Ordnung unter Hinweis darauf, daß er sie im öffentlichen Interesse für unentbehrlich hält, durch Unterzeichnung und Veröffentlichung im Amtsblatt sofort in Kraft treten lassen. Die Veröffentlichung erfolgte am letzten Tage seiner Amtsführung. Montag, den 1. Juni, trifft High Commissioner Sir John Chancellor wieder In Jerusalem ein. * Es handelt sich hier um eine Art. ״Notverordnung“, die von der Regierung schon lange geplant war. Den unmittelbaren Anlaß boten ule Vorkommnisse bei 'den BodveSäufai des Jüdischen Nationalfonds in Wadi Chawarith, worüber im Shaw-Bericht ausführlich gesprochen wird, sowie verschiedene andere Fälle der letzten Zeit. Durch diese Verordnung wird den Klagen der Araber, die Regierung lasse sie von den Juden von ihrem Baien vertreiben, vorgebeugt; da der Jüdische Nationalfonds ohnedies — wie ja Shaw- und Simpson- Bericht gleichfalls anerkennen — die anderweitige Versorgung der durch seine Bodenkäufe entsetzten Pächter nicht verweigert, wird der jüdische Bodenkauf bei gerechter Handhabung dieses Gesetzes nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Durch das Gesetz wird der antizionistischen palitischen Agitation eines ihrer in England wirksamsten Agitationsmittel entzogen. Wir haben uns zu dieser Frage bereits im Leitartikel der Nr. 37/38 geäußert, da der Gegenstand bereits seit längerer Zeit im Mittelpunkt der politischen Diskussion steht. ln aller Kürze Das Befinden Dr. W e i z m a n n s, der sich Ende voriger Woche einem kleinen operativen Eingriff unterziehen mußte, ist, wie uns auf unsere Anfrage unmittelbar vor Blattschluß telegraphisch mitgeteilt wird, zufriedenstellend. Harry Sacher, dessen schwere Erkrankung in Jerusalern vor mehreren Wochen zu ernsten Besorgnissen Anlaß gab, ist vollkommen wiederhergestellt und hat am 28. Mai eine Reise nach Europa angetreten. Die Arabische Exekutive bereitet eine Antwort auf den MacDonald-Brief in Form eines Memorandums vor, das der Mandatskommission eingereicht werden soll. Der Präsident der Arabischen Exekutive, Muza Kazim Pascha, hat dieser Tage demissioniert, sich dann aber auf die dringenden Bitten der Mitglieder der Exekutive hin entschlossen, seine Demission zurückzuziehen. Er erklärte, er tue dies hauptsächlich deshalb, weil die Juden behauptet hätten, der Rücktritt sei auf eine Spaltung im arabischen Lager zurückzuführen gewesen. Die syrischen Behörden haben die Erteilung eines Visums für den Großmufti von Jerusalem, der die Absicht hatte, sich nach Damaskus zu begeben, um dort mit Emir Adel Arslan eine Besprechung abzuhalten, abgelelmt. Im Laufe dieser Woche kehrten abermals zehn sephardische Familien nach Hebron zurück. Am 20. Mai fand in Paris zu Ehren des Bürgermeisters von Tel-Awiw, Mayer Dizengoff, ein vom französischen Keren Hajessod-Komitee veranstaltetes Bankett statt, auf dem u. a. Jabotinsky, Schalom Asch und Dr. Alexander Goldstein Ansprachen hielten. Es wurden 35 000 Frcs. für den Keren Hajessod aufgebracht. Laut Mitteilungen des ״Dawar“ haben die Vorarbeiten in Ramath David, der neuen Siedlung, die nach Lloyd George benannt ist, begonnen. Der hebräische Dichter Saul Tschernichowski, der mehrere Jahre in Berlin gelebt hat, ist zu dauerndem Aufenthalt in Palästina eingetroffen. Die Palästina-Exekutive ist nunmehr in ihre neuen Büros übersiedelt. Die Exekutive hat ihre alte Wohnung im ״Hotel Hughes“ 13 Jahre lang bewohnt. Die neuen Büros liegen in einem neuen Gebäude des Herrn Jizchak Cohen aus Jerusalem in der Mamiriahstraße, nahe dem Handelszentrum von Jerusalem. ln das lettfändische Staatsbudget wurde eine Summe von 50 000 Dollar für das jüdische Schulwesen eingesetzt. Für die zweite ordentliche Tagung des Council der Jewish Agency (Mustermesse Basel, den 14. bis 17. Juli 1931) wird folgende Tagesordnung verlautbart: Erste Sitzung, Dienstag, 14. Juli, ä Uhr abends. (Eröffnungssitzung) 1. Ansprache des Vorsitzenden des Council Herrn Dr. Cyrus Adler; 2. Gedächtnisrede zu Ehren der verstorbenen Mitglieder des Council; 3. Begrüßungen; 4. Ansprache des Präsidenten der Jewish Agency: ״Das Jüdische Nationalheim und die politischen Ereignisse der letzten zwei Jahre“; 5. Wahl eines Legitimationsausschusses. Zweite Sitzung, 15. Juli, 10 Uhr vorm. 6. Bericht des Legitimationsausschusses; 7. Bericht der Exekutive über: ,,Die Tätigkeit der Jewish Agency in Palästina während der Periode 1929—1931“, erstattet vom Mitglied der Exekutive Herrn Dr. Arthur R u p p i n; Die Londoner ״Time s“ veröffentlichte am 27. und 28. Mai eine zusammenfassende Darstellung der gegenwärtigen Lage in Palästina in der Form von zwei Artikeln ihres Jerusalemer Korrespondenten. Der erste Artikel ist der arabischenHalt u n g gewidmet, der zweite der zionistischen. Wir geben nachstehend den Hauptinhalt dieser in vieler Beziehung sehr interessanten Darstellung wieder. Die arabische Haliung Die Führerschaft der palästinensischen Araber, so schreibt die ״Times“, steht jetzt vor einer schwierigen Entscheidung. Die britische Regierung hat — ebenso wie jüdische — auch arabische Vertreter eingeladen, Vorschläge für einen sich aus den Empfehlungen des Simpson-Berichtes ergebenden großzügigen Plan systematischer landwirtschaftlicher Erschließ u n g mit Hilfe einer neuen Anleihe zu diskutieren. Die Mehrheit der Arabischen Exekutive hat abgelehnt, Vertreter nach Europa zu schicken, aber sie war bereit, Verhandlungen mit der Regierung in Jerusalem oder mit nach Jerusalem entsandten Vertretern des Kolonialamtes zu führen, unter bestimmten Bedingungen, nämlich daß sie weder mit jüdischen Vertretern zusammen verhandeln, noch die Balfour-Deklaration oder die ״schwarze Interpretation“ (das ist der MacDonald-Brief) anerkennen müsse. Gemäß einer Mitteilung des Kolonialamtes vom 23. April waren damals die Verhandlungen zwischen dem High Commissioner und Funktionären der Arabischen Exekutive bereits im Gange, aber diese Nachricht wurde sofort mit allem Nachdruck von der Arabischen Exekutive dementiert. Bisher hat sich die konsequente arabische Politik des Protestes und der Verweigerung der Zusammenarbeit in allen das Jüdische Nationalheim mit seinen wirklichen oder erfundenen gegenwärtigen und künftigen Folgen betreffenden Angelegenheiten, im Lauf e der Zeit mehr und mehr er■ f olgre ich erwiesen. Trotz großer Schwierigkeiten vermochten die arabischen Führer die antijüdischen Gefühle zu g e - festigterEntschlossenheitzu organisieren, und diese Bewegung erreichte ihren Höhepunkt nach den Unruhen von 1929 und zeigt noch heute wenig Anzeichen des Abflauens, obwohl die gefährliche Spannung jener Zeit vorbei ist. Die Umstände haben mitgeholfen, die arabischen Beschwerden zu unterstützen. Die Ergebnisse der Shaw-Kommission, des Simpson- Berichtes und insbesondere das Weißbuch von Oktober 1930 haben ihnen neue und wirksame politische Munition geliefert. Die Araber glauben auch (und in diesem Punkt stimmen die Juden mit ihnen völlig überein), daß die lokale Beamtenschaft jede Sympathie mit dem Zionismus, die sie vielleicht früher gehegt hat, verloren hat. Die ״schwarze Interpretation“, welche alle Araber und die meisten Juden als eine völlige Zurücknähme der Weißbuch-Politik betrachten, hat von neuem die arabische Kampfeslust geweckt und ihren Glauben an die weitgehende Wankelmütigkeit derbritischen Regierung verstärkt Der Klagemauer-Streit und die Unruhen von 1929 haben der arabischen Sache ein größeres Maß öffentlichen Interesses gebracht als der Zionismus mit seinen wohlüberlegten und technisch vollkommenen Propagandamitteln je zu erzielen vermochte. Sie glauben, daß 8. Bericht des Vorsitzenden des Administrative Committee; 9. Referat des Vorsitzenden der ständigen Subkommission für Finanzen und Budget, Herrn Direktor Oscar Wassermann, über: ״Die finanziellen Aspekte und Probleme der Jewish Agency“. Dritte Sitzung, 15. Juli, 3 Uhr nachm. 10. Debatte über die erstatteten Berichte; 11. Wahl folgender Ausschüsse: a) Politischer Ausschuß; b) Ausschuß für Einnahmen und Ausgaben (Budget); c) Organisationsausschuß; d) Ausschuß zur Vorbereitung der Wahlen. Vierte Sitzung, 16. Juli, 10 Uhr vorm. 12. Fortsetzung der Debatte. (Donnerstag nachmittags und abends finden Beratungen der Ausschüsse statt.) Fünfte Sitzung, 17. Juli, 11 Uhr vorm. 13. Berichte der Ausschüsse und Beschlußfassung über die vorgelegten Anfrage; 14. Wahl der verschiedenen Organe der Agency; 15. Schluß der Tagung. die Gefahr, die einem den Moslems heiligen Land droht, endlieh der ganzen moslemischen Welt zum Bewußtsein gekommen ist. Und all dies vollzieht sich gerade zu einer Zeit, wo der Elan der zionistischen Bewegung Zeichen des Erlahmens zeigt. Nun tritt an die arabischen Führer die Aufforderung heran, ihre negative Taktik zu ändern und an positiven Vor• s c h 1 ä g e n , die der Verbesserung der ökonomischen Lage des arabischen Landwirts dienen, mitzuarbeiten. Während der letzten zwei Jahre hat die Arabische Exekutive keine Gelegenheit versäumt, um auf die furchtbare Lage der Fellachen hinzuweisen, die nach der Darstellung der Araber direkt oder indirekt durch die Mißwirtschaft der Mandatarmacht und durch die Begünstigung des Jüdischen Nationalheims verursacht vvorden ist. Wenn die arabischen Führer jetzt ihre Mitarbeit an einem Plan der Besserung der Lage des Fellachen ablehnen, dann ist damit gesagt, daß entweder die Not des Fellachen nicht wirklich so schwer ist, wie man die Außemvalt glauben machen wollte, oder daß sie es vorziehen, daß lieber Palästina ein unentivickeltes Land mit elenden, den Geldwuchcrern hilflos ausgelieferten Bauern bleiben soll, als daß sie ihre Stellung als nationale Führer aufs Spiel setzten. Beide diese Schlußforderungen wären aber unrichtig. Was der Weigerung der arabischen Führer, sich in eine Teilnahme an dem neuen Plan hineinziehen zu lassen, zugründe liegt, ist gewiß nicht Mangel an Patriotismus, sondern die Furcht, daß die Entwicklungs-Anleihe die zionistische Position in Palästina stärken \v i r d. Einer der Führer der Arabischen Exekutive hat gefordert, man müsse unter allen Umständen die Anleihe ablehnen, weil die finanzielle Last der Anleihe unvermeidlich auf die arabische Majorität fallen wird, während das einzige für Entwichlung geeignete Land bereits in jüdischen Händen ist. Eine andere Ansicht arabischer Kreise ist die, daß der kaum verhüllte Zweck des Erschließungsplanes darin besteht, durch intensive Kultur das für den Unterhalt der arabischen Bebauer notwendige Landausmaß zu verkleinern und dadurch größere Bodenflachen für jüdischeSiedlung freizumachen, also die Tore noch weiter für die jüdische Immigration zu öffnen und den Prozeß der Uebereignung des Landes an die Juden zu bcschleunigen. Dennoch erheben sich manche arabischen Stimmen gegen eine kurzsichtige Politik der Non-Cooperation, und man begreift, daß, wenn das Parlament die Anleihe bewilligt, der Erschließungsplan durchgeführt werden wird, ob nun mit oder ohne Unterstützung der gegenwärtigen arabischen Führer. Im weiteren Verlauf seines Artikels weist der Verfasser darauf hin, daß die arabische Kampagne in der letzten Zeit sich neuer Mittel bedient, indem sie an Stelle der nur negativen Parolen des Boykottes jüdischer Waren den Versuch einer Entwlcklung der arabischen Industrie setzt. Freilich hat z. B. die Fabrikation einer neuen nationalen Kopfbedeckung, an Stelle des aus Europa importierten Tarbusch, bald ein Ende gefunden, da sich herausstellte, daß der Hauptimporteur von Tarbuschs ein arabischer nationalistischer Führer war. Noch mehr Bedeutung mißt der Verfasser der Gründung eines ״arabischen Nat i on a 1 f o n d s“ nach Muster des Jüdischen Nationalfonds zu; man erwarte davon ein jährliches Einkommen von 40 000 Pfund. Der Verfasser schließt diesen Teil seiner Ausführungen mit fol- IHlllllHllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllinilllllllllllllllinilllllllllllllllinillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllinillllllllllllllllllllllinilllllllllllllinillllllllllllyilllllllllllltllllllllllllllllllilllllllllllUlllllnilHIIIIIIIIIIIIIIIIIHnilllllllllllllllllinillllin Zur Lage in Palästina Zwei Artikel cter .,Times"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.