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Jüdische Rundschau · 1931-05-15 · Heft 37 (15.5.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 37 (15.5.1931)
Date
1931-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 228 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37, IS. V. 1031 ist schwer zu sagen, wie diese Kinderwelt ist, wo sie hinwichst und was aus jhr wird; aber das eine sieht man schon heute: es ist eine eigene Welt mit eigenen Traditionen, Begriffen und Freuden. Sie schafft sich schon heute ihre besonderen Feste, vielleicht wird sie sich später auch ihre besondere und entsprechende Arbeit und Aufgabe schaffen. * Es war am Abend des Lag Beomer-Tages, als ich mich plötzlich entschloß, In die Komische Oper zu gehen. Seit Wochen hatte ich die Anzeigen einer Aufführung des ״Zigeunerbarons“ aushängen sehen, war aber nie in Versuchung gekommen, ihnen zu folgen. Schließlich sind wir Westeuropäer anspruchsvoll, man hat alles in ״bester Besetzung“ gesehen, man hat auch schon oft schlechte Erfahrungen mit palästinensischen Unternehmungen gemacht und ist sehr vorsichtig geworden. Aber schließlich, wir haben in Tel-Awiw nicht umsonst ein neues Opernhaus, und man muß doch einmal scheu, wie diese wieder einmal neu zusammengestellte Oper sich darstellt. Noch etwas furchtsam und zweifelnd geht man hinein — und erlebt eine ganze Reihe von Ueberraschungen, und fast alle sind angenehm. Zuerst einmal versinkt man tief in Jugenderinnerungen bei den Rhythmen Johann Strauß’scher Musik. Und gleich fängt man sich an zu wundern. Das Orchester hat Takt und Leichtigkeit und klingt erfrischend sauber. Es ist angenehm, auf die Bühne zu sehen. Die Dekorationen sind primitiv, aber gut anzusehen, lustig und leicht in den Farben. Die Solistenstimmen sind durchaus erfreulich, keine ״Orößen“, aber das ist auch völlig unnötig. Man hört ihnen gern zu, freut sich an den altbekannten Arien und läßt sich fröhlich vom Rhythmus tragen. Und man wundert sich noch mehr. Da ist ein ziemlich großer Chor auf der kleinen Bühne, und er singt gut und mit Freude an der Sache. Man sieht, wie es den Mitgliedern Spaß macht, und man hat seinen Spaß mit ihnen. Sie bewegen sich auf der Bühne — erstaunlich für einen Chor — mit großer Leichtigkeit, gestikulieren, tanzen und singen, als ob sie da zu Hause wären. Auch ein kleines Ballett gibt es, das ebenso lustig und ungezwungen auftritt. Und je weiter die Vorstellung geht, desto lustiger wird es oben und auch unten im dichtgedrängten Publikum. Gegen diese Musik und diese Lustigkeit ist kein Kraut gewachsen. Gute Laune wird da selbstverständlich. Diese Schilderung soB keine ״Opernkritik“ sein. Bekritteln läßt sich hier noch sicher sehr viel. Es handelt sich auch sicher nicht um eine Spitzenleistung. Was diese Aufführung bemerkenswert macht, ist etwas ganz anderes. Zuerst die Wahl der Oper. Bisher ist man dem palästinensischen Publikum immer mit hochdramatischem Stoff gekommen. Ich besinne mich nicht mehr auf alles, was es gab, aber ich denke noch an Aida, an Simson und -Dalila; der ״Barbier“ war schon eine gewisse Erholung. Und nun kommt plötzlich Strauß. Wie willkommen er ist, zeigt die Aufnahme durch das Publikum, das schon sechs Vorstellungen in Tel-Awiw gefüllt hat und immer befriedigt nach Hause geht und auf den Straßen die Melodien vor sich hinpfeift. Und weiter fragt man sich: wo kommt plötzlich von neuem diese Oper her mit einem Orchester, einen! Chor, Tänzerlnnen und Solisten? Man sieht sich die Darsteller näher an. Im Chor entdeckt man verschiedene bekannte Gesichter, Da finde ich plötzlich weinen Uhrmacher, der sich einen martialisch« Schnurrbart IftsUeSfcW geklebt hat; plötzlich fänrvnfarr aussieht und seine Sache ganz ausgezeichnet «ääW: Und noch andere Bekannte kann man entdecken. Es scheint hier also ähnlich zu gehen, wie im Tel-Awiwer Kabarett, dem ״Matateh“, wo eine der ersten Kräfte einer der Schutzleute der Stadt w ar... Ich erkundige mich also um Einzelheiten und erfahre folgendes: Diese palästinensische Renaissance von Strauß ist dem Operndirektor Golenkln zu verdanken, der schon mehrere Versuche In Palästina gemacht hat und nie müde wird, von neuem anzufangen. Wie diese Aufführung zustande kam, das wirkt etwas romanhaft, Der Chor wurde aus Leuten zusammengestellt, die sich auf eipe Zeitungsannonce meldeten. Das Orchester kam aus den Musikern der Kinos zusammen, die jetzt durch den Tonfilm arbeitslos geworden sind. Ein Ballett kam aus dem Studio der Schwestern Oreftstein, die in Tel- Awiw Tanz und Oymnastik lehren. Ein paar ausgebildete Stirnmen fand man auch, andere nahm man so wie sie waren. Kostüme gab es keine, also mußte man die Bestände der alten Oper ausgraben, die man in reichlich zweifelhafter Verfassung fand. Daß kein Geld da war, braucht man wohl nicht erst zu sagen. Die einzig festbezahlten waren die Orchestermitglieder, die anderen bekamen einen proportionalen Anteil am Ertrag. Acht Monate hat man an den Vorbereitungen gearbeitet. Das Resultat habe ich oben geschildert. Und jetzt, wo man schon etwas zu zeigen hat, wird auch eine Gesellschaft gegründet, die die Oper stützen soll. Das wichtigste an dieser Aufführung ist, daß man dieses Mal sich eine Aufgabe gestellt hat, die man lösen konnte. Es ist alles anspruchslos, gefällig und nicht überspannt. Es ist gute Musik, die jeder verstehen kann und die keine riesigen Kräfte fordert. Wie oft hat man im Lande erlebt, daß derartige Unternehmungen daran scheiterten, daß sie sich zu große Aufgaben stellten! Das wurde diesmal weise vermieden. Wenn die Oper auf diesem Wege weitergeht, kann sie noch viel Freude schaffen. Eine immer wieder wirkende Ueberraschung Ist die hebräische Uebersetzung. Gerade bei solchen leichten Themen wirkt sie noch fremd. Ich besinne mich noch auf mein Erstaunen, als ich Witze von Molnar in hebräischer Uebersetzung hörte. Man gewöhnt sich daran und findet schließlich nichts mehr dabei, eine Arie über das Schweinezuchten im Hebräischen zu hören. Vielleicht wird auch durch solche Benutzung der Sprache eine größere Elastizität erreicht. Wenn die Uebersetzung gut ist, natürlich! Der nächsten Generation werden diese Ueberlegungen wahrscheinlich schon ebenso fremd erscheinen wie mir die Uebersetzung des Zigeunerbarons! Wieder eine Ausweitung. Die Imralgrationsabteüung der Palästina-Regierung hat die Deportierung des in Kfar Jezechiel lebenden Fleischers Chajkel Bernstein, eines ehemaligen jüdisehen Legionärs aus Amerika, angeordnet. Anläßlich seiner wegen eines kleinen Vergehens erfolgten Verhaftung stellte sich heraus, daß er und seine inzwischen verstorbenen Eltern 1922 auf Grund von Touristenvisen nach Palästina gekommen und ohne dauernde Aufenthaltsbewilligung im Lande geblieben waren. Bernstein ist staatenlos und müßte, wenn die Aus- Weisung durchgeführt wird, als ehemaliger Russe nach Rußlane* deportiert werden. Pressesdiau Kongre^fragen Im ״Dawar4‘ vom 4. d. M. nimmt Josef Sprinzak, Mitglied der Zionistischen Exekutive, zu den Fragen des bevorstehenden Zionistenkongresses Stellung. Zunächst wendet er sich gegen diejenigen, welche die Frage des zionistischen Endziels zu einer Kernfrage des Kongresses machen wollen. Bekanntlleh besteht auf manchen Seiten die Absicht, dem Konfreß eine Resolution vorzuschlagen, daß der Judenstaat das iel des Zionismus sei. Sprinzak sagt dazu, der Kongreß versammle sich im Zeichen des Baseler Programms und müsse an diesem festhalten und über alle anderen Anträge zur Tagesordnung übergehen. Was die Frage der Leitung betrifft, so naben die palästinensischen Arbeiter durch ihre spontanen Kundgebungen keinen Zweifel daran gelassen, daß sie Weizmann auch weiterhin als Führer der Bewegung wünschen. Neben Weizmann müsse eine aktive, aus bestgeeigneten Persönlichkeiten und nicht nur nach Parteigesichtspunkten zusammengesetzte Koalitions-Exekutive gewählt werden, die die Bewegung wieder erneuern kann. Eine Koalition mit den Revisionisten komme nicht in Betracht. Der Verfasser spricht seine Hoffnung aus, daß der ״Brith TrumpeWor“ allmählich seinen Militarismus ablegen und mehr dem Namen Trumpeldors sich anpassen wird. Sprinzak meint, daß der Brith Trumpeldor den Weg zum arbeitenden Chaluz-Zionismus finden wird. Weiter spricht sich Sprinzak sehr entschieden für eine Förderung der Mittelstands-Kolonisation aus und verlangt, daß dem Kongreß ein bestimmter Plan zur Organisation einer großen Mittelstands-Einwanderung vorgelegt wird. In der Frage der palästinensischen Verfassung und des Gesetzgebenden Rates sollte der Kongreß keine Stellung nehmen, da. derartige Fragen sich ständig ändern je nach den jeweiligen Bedingungen. Die Hauptfrage des kommenden Kongresses müsse jedoch die sein, wie der Aufbau desNationalheims sich in Zukunft vollziehen soll. Auf diese Frage der Mobilisierung neuer Mittel für den Palästina- Aufbau müßte sich der Kongreß konzentrieren. Diese Frage erörtert der Verfasser ausführlich in einem zweiten Artikel, worin er seinen Antrag darlegt, eine große Aktion mit besonderer Hilfe der Jugendbewegung einzuleiten, um eine Million fest organisierter Mitglieder der Jewish Agency mit einem Beitrag von je einem Pfund jährlich zu schaffen. Dieses erst werde dem bisher mißglückten Versuch der erweiterten Agency einen Inhalt geben und das neue Instrument schaffen, das das Jüdische Nationalheim verwirklichen kann. * Jjzchak Grün bäum, der an den Beratungen der politischen Kommission ln London teilgenommen hat, äußerte sich zu einem Vertreter der JTA. u. a. nachstehend: ״Die Haltung der Revisionisten zur Frage der Verhandlungen und zu so vielen anderen Fragen ist meiner Meinung nach unricht lg. Man kann von der englischen Regierung nicht verlangen, daß sie, wie die Revisionisten es wünschen, keine Verhand- Iungen mit der Jewish Agency vor dem Zusammentritt des Zionistenkongresses führe, da doch die britische Regierung zweifellos zu der am 9. Juni stattfindenden Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes mit einer vollständigen Beantwortung der ihr gestellten Fragen kommen will. Die Antwort bezüglich des Landentwicklungsplans würde, wenn keine Verhandlungen stattfänden, ohne unsere Mitwirkung gegeben werden. . . . Bezüglich der Frage des Präsidiums er Zionistischen Organisation, die eine der Hauptfragen aut dem Kongreß sein werde, erklärte Grünbaum, es •’ «ttti e!ne|KaB»pflrt#^0e-Ff|ge:;ifaf־d«rt-'Kd«itstt^ zur Leitung hat sich nicht geändert, wann wir auch mit der Exekutive und Dr. Weizmann Zusammenarbeiten. Wir sind befriedigt darüber, daß Dr. Weizmann in richtiger Erkenntnis der Lage bereits zu wiederholten Malen erklärt hat, seine Kandidatur bei der Wahl des Präsidenten der Organisatlon nicht mehr aufstellen zu wollen. Wir akzeptleren diese Erklärung und zweifeln nicht an ihrer Aufrichtigkeit. Wir glauben, daß wir jetzt mit anderen Gruppen Zusammenkommen können, um die Frage der künftigen Leitung und des Präsidiums zu beraten. Wir treten für eine Koalition ein, an der sich alle beteilig« sollen, die die Last der zionistischen Arbeit in der Galuth und der Aufbauarbeit in Erez-Israel tragen. * Palästina-Politik Das Organ der palästinensischen Arbeiterschaft ״Dawar“ erklärt anläßlich der ״Schloschira“, des Ablaufes der 30tägigen Trauer für die bei dem Ueberfall in der Nähe von Haifa getöteten drei jüdischen Arbeiter aus der Siedlung Jadschur, ״der Eifer der Regierung scheine sich zu vertlüchtlgen, wenn es sich um die Sühne für die Vernichtung jüdischen Lebens handle“. Die Regierung trage die Verantwortung für die unschuldigen Opfer und dafür, daß das Verbrechen von Jadschur bisher ungesühnt blieb. ' * Im ״Haaretz“ veröffentlicht R.-A. Sch. Ussischkin, der Solm M. Ussischkins, eine Artikelserie über diejenigen polltischen Faktoren, die auf die Zukunft . Palästinas Einfluß nehmen können. Er spricht über England, die arabischen Linder, die Vereinigten Staaten, Frankreich, Italien, den Völkerbund, den Vatikan und Sowjet-Rußland. Was England betrifft, siebt der Verfasser die wichtigste Erscheinung in dem Aufhören des Pioniergeisles und des kolonisatorischen Gedankens, Daraus erklären sich die neuen Formen englischer Kolonialpolitik: in politisch reifen Ländern verbündet sich England mit den Führern der Nationalbewegung und gestattet eine weitgehende Selbstherrschaft der Linder, während bei unentwickelten Völkern England nur Beziehungen mit den Stammeshäuptlingen unterhält, denen es gestatte, Ihre Stämme unverändert nach alter Tradition m beherrschen. Englands Politik in Palästina befolgt die zuerst geschilderte Methode, in Transjordanien dagegen die zweite. Es ist klar, daß diese Politik durch den Zionismus gestört wird. Deshalb könne von einem wirklich« e n glisch*jüdlachen Bund nls nur die Rede sein, wenn England die Unanwendbarkeit dieser *einer kolonialen Methoden für Palästina begriffen hat und versteht, daß Palästina eine jüdische Masseneinwanderung braucht. Der Verfasser tritt für Wedgwoods Oedanken elines jüdisch-englischen ZUkunftsprogramms im Sinne eines ״Domln1en״*Paläs€na ein. Keinesfalls dürften wir uns durch ein nichtssagendes Dokument wie den MtcDonald-Brief täuschen last« und zufrieden sein, wenn der Zustand vor dem Weißbuch wieder* hergestellt worden ist. Zur arabischen Welt übergehend erklärt der Verfasser, wir seien an einer Verständigung inteessiert, aber es sei nicht wahr, daß die Möglichkeit unserer Welterarbeit von der vorherigen Verständigung mitden Arabern abhängig sei. Erst mit einer jüdischen Majorität werden die Araber zu wirklicher Versöhnung bereit sein, jetzt kann nur von einer Milderung der Feindseligkeit« die Rede sein. Der panarabischen Propaganda darf keine übertriebene Bedeutung beigemessen werden: Aegypten pflegt einen sperlfisch« Nationalismus, der an Palästina wraig interessiert ist; der expansive Nationalismus Iba Sauds ist für die Araber Palästinas, Syriens und des Iraks keine geringere Gefahrenquelle als für Europäer und Jud«. Die indisch« Mohammedaner propagier« heute panisltmische Gedankengänge, weil sie als eine Minderheit in Indi« Anschluß an die islamische Welt suchen. Ihr weiterer Einfluß auf palästinensische Dinge hängt von der indischen Entwicklung ab. Dagegen hat der Nationallsmus Palästinas, Syriens und des Irak eine europafelndllche Färbung und mißtraut den Jud« als Freund« Englands und Trägern westlicher Kultur. Aber auch sie wünschen kein« Abzug der Europäer, aus Angst vor Iba Saud. Eine wirkliche Feindschaft gegen den Zionismus ist auch in diesen Ländern, von Palästina abgesehen, nicht vorhand«. Die pantrabische Bewegung ist heute ein Produkt englischer Orientpolitlk, kann aber in der Zukunft erstarken. Im weiteren Verlauf seines Artikels teilt der Verfasser die europäischen Staaten und ander« politischen Mächte in zwei Gruppen ein 1 Anhänger des durch die Friedens vertrage geschaffenen Status quo, wie England und Frankreich und Gegner dieses status quo. Unser bisheriges Bündnis mit England stellte uns, die wir eine radikale Umwälzung Palästinas erstreben, in die Reihe der erhaltenden Mächte und machte aus den in Wahrheit reaktionär« arabischen Führern Fortschrittler. Wir haben heute unsere Handlung«• freiheji wiedergewonnen und sollten sie zur Korrigierung dieses Eindrucks benutzen. * Das zweite Heft des jetzt als Monatsschrift regelmäßig erscheinenden Organs des ״Brith Schalom“ ״Scheifotenu“ befaßt sich u. a. mit Dr. Weizmanns Versuch, in Palästina mit den Arabern zu verhandeln. Es sei eine sehr melancholische Tatsache, daß dieser erste ernsthafte Versuch der zionistischen Leitung zur Anbahnung eines Friedens mit d« Arabern, gerade in einem Augenblick gekomm« sei, wo dafür gar keine Hoffnung bestand. Dr. Weizmann habe jetzt ohne Zweifel erkannt, daß die Lösung der arabisch« Frage nur in der Richtung gesucht werd« könne, wie sie z. B. Dr. Magnes in seiner bekannten Broschüre vor einem Jahr vorgeschlagen habe. Aber dieses eine Jahr habe die Situation im arabischen Lager völlig gewandelt. In der äugenblicklichen Atmosphäre konnte kein arabischer Führer wagen, eine Einladung Dr, Weizmanns anzunehmen, ohne dabei den Verlust seines ganzen Einflusses auf die arabisch« Massen in Kauf zu nehmen. — An einer anderen Stelle desselben Heftes wird die Wahlplattform der Vereinigten Jüdischen Arbeiter- Partei Palästinas zur bevorstehenden landwirtschaftlichen Konterenz behandelt. Die Plattform enthält eine Reihe von Vor- Schlägen zur Besserung der jüdisch-arabisch« Beziehungen, wie gemeinsamer Schutz der Interessen der jüdischen und arabischen Landwirtschaft geg«über der Regierung, Beteiligung der Fellachen an den Kredit-Kooperativ« der Histadruth, der Krankenkasse usw. Aber aut der ander« Seite enthalte die Plattform mit allem Nachdruck das Prinzip der ausschließlich jüdischen Arbeit. Die vorsichtige Formulierung scheine zu zeigen, daß den Verfassern der Plattform der Gegensatz zwischen den auf einer Annäherung mit den Arabern ab zielenden Vorschlägen und der Parole der rein jüdischen Arbeit nicht ratgangen sei. ״Scheifotenu“ wendet sich auch dagegen, daß die nchtige Parole ״Tozereth Haaretz“ (Landesprodulction) in der Praxis im Sinne von ״jüdischer Landesproduktion״, d. h. gegen arabische Produktion, verstanden werde. * Im ״Dawar“ vom 30. April analysiert M. B. den arablsehen Proteststurin gegen die italienische Tripolis- Politik. Die Tatsachen rechtfertigt« durchaus die Proteste,;«Bd,;4ii anfUtdia# Äer «iparteifr scheh’Untersuchungskommission müsse erfüllt werden. Es sei aber auffallend, daß nur die syrischen und pallstlnehsisehen Araber sich wegen Tripolis erregten, während z. B. in Aegypten und im Irak keine Proteste zu hören seien. Der Verfasser sieht hier einen neuen Versuch des Jerusalemer Obermuftl, Jerusalem zum Zentrum der islamischen Welt zu machen. Außerdem kommt hier ein englisches Interesse in Frage: die letzten Jahre haben eine Annäherung der arabischen Staaten an England gebracht, von der nur der Jemen eine Ausnahme bildet. Jemen steht nun bekanntlich im Bündnis mit Italien, und es sei sehr wohl denkbar, daß England an dieser Erregung der Araber gegen Italien interessiert Ist. Die Arbeit am Toten Hem* Das von der Palästina-Regierung herausgegebene Commercial Bulletin“ enthält einen Bericht über die Arbeit der ״Paiestine Potash Co. Ltd.“, die bekanntlich für die Dauer von 75 Jahren die Konzession für die Oewinnung yon Kali und anderen mineralischen Salzen aus dem Toten Meer besitzt. Das Nominalkapital der Gesellschaft beträgt £ 400 (KW, eingeteilt in 380000 Aktien ä £ 1 und 400 000 Aktien k sh. 1, Das Konzessionsareal beträgt 4 qkm. Die Arbeiten der' Ge- Seilschaft sind soweit fortgeschritten, daß seit dem Ende des Jahres 1930 1 qkm mit Teichen für die Verdunstung und Konzentrierung des Toten Meer-Wassers bedeckt ist. Von den für die Arbeit benutzten Pumpen wurde die erste im Ausländ bestellt, während die weiteren Pumpen im Lande selbst hergestellt werden und von guter Qualität sind. Nach erfolgter Verdunstung wird Carnalit erhalten, aus welchem dann Kali und andere Salze wie Magnesium erhalten werden, wobei als Nebenprodukt große Quantitäten gewöhnlichen Salzes gewonnen werden. Kali wird auf lange Zeit hinaus das Hauptprodukt sein. Das für den Produktionsprozeß und für Trinkzwecke benötigte Süßwasser wird vom Jordan her über eine Entfernung von 3 km gepumpt und, soweit es für menschlich« Bedarf bestimmt ist, gefiltert. Die Fabriken für die Kali-Herstellung, den Trocknungsprozeß usw. werden zurzeit gebaut Zur Lösung des schwierigsten Problems, der Kommunikationsfrage, wird Jetzt von der Regierung eine Straße vom Toten Meer nach Jericho gebaut, von wo aus eine Chaussee nach Jerusalem führt. Der Transport der Produkte zur Eisenbahnstation Jerusalem erfolgt auf Lastautos der Gesellschaft. Der Plan der Gesellschaft sieht vor. daß, sobald die Produktion die nötige Größe erreicht hat, in Kooperation mit der Regierung eine Eisenbahnlinie vom Toten Meer durch das Jordantal nach Beth Sehan gebaut werden soll, von wo dann die Produkte auf der Eisenbahn zum Haifaer Hafen gebracht werden können. Es sind jetzt ca. 300 Arbeiter beschlftigt, für welche drei moderne und hygienisch eingerichtete zweistöckige Wohnhäuser von der Gesellschaft erbaut wurden. Ferner wurden für die Arbeiter Küche, Speiseraum usw. erbaut. Ebenso wurde «ine Radioeinrichtung geschaffen, in acht Mo naten des Jahres Ist die Sonnwhitze groß genug, um die Verdunstungsarbeit zu leisten. In dieser Zelt wird von früher Morgenstunde an bis 11 Uhr vormittags gearbeitet und um 3 Uhr die Arbeit wieder aufgenommen. Die Arbeit geht mit großer Beschleunigung vor sich und die Umgebung, die bisher eine nur von Touristen besuchte Wüste war, hat sich in einen PJstz lebhafter Arbeit verwandelt. Dem nach den August-Unruh« zu Zuchthausstrafe verur* teilten Juden Urfali wurden jetzt eine Reihe von Erl eich י terungen gewährt. Er erhielt in seiner Zelle ein Bett, darf ZiviUdcider anziehea und Essen von außerhalb empfangen.

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