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Jüdische Rundschau · 1931-05-01 · Heft 33 (1.5.1931) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 33 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 208 Nr. 33, 1. V. 1P31 » JUEDISCHE RUNDSCHAU Dr. S. Friedländer -Mjnona Zu seinem 60. Geburtstag. Maximilian Harden würde sagen, daß wir am 4. Mai 1931 den 60. Geburtstag des deutschen Voltaire feiern. So nannte er den jüdischen Philosophen und Groteskenschriffsteller S. Fricdländer-Mynona. Mit Recht —- denn mit Voltaire ist dieser sprühende, mokante und malitiöse Witz der Grotesken Mynona’s am ehestep vergleichbar, aber auch die tief ethische philosophische Geistigkeit dieser Grotesken. Das bedeutendste philosophische W^rk Dr. S. Friedländers ist seine ״Schöpferische Indifferenz“, ein Werk, das in bestimmten philosophischen Kreisen als von großer bahnbrechender Bedeutung betrachtet wird. Friedländers Säulen der Philosophie sind Kant und der vor ungefähr zwei fahren verstorbene Essener Philosoph Ernst Marcus. Dr. Friedländer befrachtet es als seine wichtigste Aufabe, die Bedeutung von Ernst Marcus, dieses noch nicht ge- Ohrend erkannten und gewürdigten Philosophen, zu enthüllen. Hier nur diese ganz oberflächlichen Angaben über das Werk Friedländers-Mynona, das sehr umfangreich und mannigfaltig ist. Von tiefer ethischer und sittlicher Verantwortlichkeit erfüllt, weicht er keinen Schritt von dem Wege der von ihm efh.«1nten Wahrheit ab, der er jede opportunistischen Vorteile opfert, ja der gegenüber er sich selbst in den Hintergrund bis zur Selbstentäußerung stellt. Es ist darum nicht erstaunlich, daß ein solcher Mensch, Denker und Künstler keinen leichten Lebensweg hat und daß er, was das praktische Leben anlangt, weit hinter Voltaire steht. In dieser Beziehung ist Friedländer-Mynona der groteskeste Gegensatz zu Voltaire. Wir aber, seine vielen Freunde und Verehrer, wünschen ihm zu seinem 60. Geburtstag alles Herzliche und Gute und daß er uns und der Welt in aller Frische noch lange erhalten bleibe. Wir wollen optimistisch hoffen und wünschen, daß, wenn er das äußere Leben nicht meistern kann, das Leben ihn erkennt und gebührend ehrt und sichert. Arthur Segal. Ans den Gemeinden Kassel. Aus Kassel ■wird uns berichtet: In der Kasseler Jiidlschen Gemeinde sind Unstimmigkeiten zutage getreten, die einen Rücktritt des volksparteilichen Vertreters Dr. Kuelmann zur Folge hatten. In Kassel bestehen noch die alten urhessischen Verordnungen aus dem fahre 1823 mit dem Amte eines Kreisvorstehers. Regelrechte Wahlen, wie in anderen preußischen Gemeinden, finden nicht statt. Die Sitzungen der Gemeindegremien sind nicht öffentlich. Die ganze Struktur der Gemeindeverwaltung verlangt im Hinblick auf die überall zum Durchbruch gelangten modernen Grundsätze in der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde und der Zusammensetzung der Gemeindekörperschaften dringend eine Reform. Um die jüdische Oeffentüchkeit Kassels über das Wesen eineT modern geleiteten jüdischen Gemeinde zu informieren, hielt dieser Tage Direktor K a r e s k i, Berlin, im beängstigend überfüllten Saale der Landesbibliothek in Kassel einen Vortrag über Demokratie in der Jüdischen Gemeinde. Seine Ausführungen, gestützt auf die Erfahrungen seiner Tätigkeit in Berlin, wurden von den Zuhörern stürmisch akklamiert. In der Diskussion erläuterte Dr. Kugelmann die Gründe, die ihn zur Niederlegung seines Amtes veranlaßt haben. An der Diskussion beteiligten sich noch einige Redner, worauf Kareski das Schlußwort hielt. Die Lage in der Jüdischen Gemeinde Kassel bedarf dringend einer Klärung. Es wird ohne Einführung einer demokratischen Ordnung in Kassel wohl zu keiner abseitigen Befriedung kommen. Wiedersehen mit dem Juden auf der Leinwand. ״Ein Jude sieht dich von der Leinwand an.“ So überschrieb Ich vor einem Jahre die Schilderung eines ungewöhnlich starken künstlerischen Erlebnisses, das ich hatte, als ich den wundervollen Russenfilm ״Das Lied vom alten Markt“ zum erstenmal sah. Ich habe den Film jetzt in einer Neuaufführung in der Kamera Unter den Linden noch einmal gesehen. Der Eindruck ist beim Wiedersehen womöglich noch hinreißender. Beim erstenmal war man gepackt und 1m Innersten aufgewühlt von der Handlung. Man fühlte alle Schrecken der Pogrome im zaristischen Rußland. Die Kischinew-Zeit lebte unheimlich grauenhaft auf. Das Schicksal des kleinen, armen, getretenen, verspotteten, um seinen ehrliehen Lohn geprellten Juden, mit dem unendlichen Leid in den klugen, verstehenden Augen, erschütterte bis zu Tränen. Beim Wiedersehen erlebt man das alles wieder, aber darüber hinaus kommt man noch mehr dazu, das Künstlerische, die Details zu genießen. Wenn dieser kleine jüdische Handwerker, mit dem Drang nach Geistigem im Herzen, sich auf die Erde hockt, in der schmutzigen Pfütze auf den Knien rutscht, um die zerfetzten, zertretenen, mit Kot bespritzten Blätter seines Buches aufzüklauben;.wenn er diese Blätter zärtlich streichelt, mit dem Ellbogen abwischt, vom Schmutz reinigt und wieder zu einem Buch zusammenfügt, so hat diese Szene Symbolkraft. Der Charakter der jüdischen Rasse ist damit gezeichnet. Man begreift Heine, wenn er sagt: ״Ein Buch war ihre Heimat: Biblia.“ Man wird gewahr, daß der Jude nicht der Schacherer, der aut Vorteil. bedachte Händler, der gierige Geldraffer ist, sondern der geistige Mensch, dem ein gutes Buch kostbarer ist, als alle Edelsteine der Welt, der für das Buch, also für das Geistige, kämpfen und leiden kann. Wenn dieser arme Jude, mit den Augen eines gehetzten Wilds, in der Schenke durch Stockschläge gezwungen wird, zur Belustigung des betrunkenen Pöbels zu tanzen, wenn er, nachdem er erst beschämt und unter Qualen der Angst langsam eine Fußsohle nach der anderen kaum bewegt, unter den Drohungen und Fußhieben der Pogromhelden immer mehr in einen Tanz der Verzweiflung hineingehetzt wird, bis sich dieser Tanz zu einer Ekstase, zu einem Seelenaufschrei steigert, bis er bewußtlos zusammenbricht, dann hört man piötzlieh die urewigen jüdischen Intenjektionen. Man hört: ״Schma Jissroel!“ Man hört: ״Zachreni wechaskeni ach liapaom!“) (Gedenke mein und stärke mich nur noch einmal!) Aber ein Golus- Jude, ein körperlich schwacher Simson mußte vor den Pogrom- Philistern tanzen. Der starke Simson, der herrliche große Goj, dem der kleine Jude das Leben gerettet hat, kommt eben zur Tür herein und hält Abrechnung mit dem feigen Gesindel, das einen Wehrlosen martert. Und jetzt beginnt eine grandiose Szene, daß einem der Atem stockt. Szenen von solcher künstkrischen Höhe erlebt man nur bei Eisenstein und Pudowkin oder jetzt bei Granowsky in seinem Film ״Das Lied vom Leben“. Aber ״Das Lied vom alten Markt“ sollte sich jeder, gerade vom jüdischen Standpunkt aus, ansehen. GleichzeLig mit diesem Film läuft jetzt der ebenfalls herrliche Film ״Erde“ in der Kamera. Meinhart Maur. Ortsgruppen Gruppenverband Rechtsrhefnland and Westfalen Während des Sokolow-Monafs sprach im Auftrag der Z. V. f. D. Redakteur Moses Wald mann aus Berlin in fo!־ genden Städten von Rheinland und Westfalen: München- Gladbach, Recklinghausen, Duisburg, Oelsenkirchen Bielefeld, Münster Osnabrück, Oberhausen, Hamborn, Herne, Mülheim, und Bonn. Der Referent ging in allen Versammlungen, die zumeist sehr gut, besonders von jüngeren Elementen besucht waren, von einer Analyse der gegenwärtigen wirfschaftlichen Situation der Judenheit in der ganzen Welt aus und legte an Hand der Entwicklung des deutschen Judentums die Tendenzen dar, denen die Juden in der ganzen Welt in ihrer wirtschaftlichen Funktion unterliegen. Dem Sonderdasein der jüdischen Gemeinschaft entsprach zu allen Zeiten der jüdische Drang, auch wirtschaftlich sondergestellt zu sein. Bestimmte Berufsarten sind darum von den Juden bevorzugt bzw. von der umgebenden Welt den Juden aufgezwungen worden. Im Zeitalter der kapitalistischen Individualwirtschaft erlebten die Juden in Westeuropa und in Uebersee infolge der vorherrschenden ungehemmten Konkurrenz eine Zeit der Blüte, bemühten sich aber auch in diesem Zeitraum in bestimmten Berufsgebieten die Vorherrschaft zu behalten bzw. durch zusätzliche Leistung konkurrenzlos bestimmte Erwerbszweige zu monopolisieren. Dies geschah aus dem Bewußtsein, daß nur Selbständigkeit oder jiidlsch-monopolartiger Beruf die Voraussetzung für die Wahrung der eigenen Lebensform bilden. Im gegenwärtigen Zeitalter des Spätkapitalismus, der voraussichtlich entweder zur gebundenen Wirtschaft oder zur Planwirtschaft führen wird, vollzieht sich eine Konzentration auch des Handelskapitals. Dadurch wird das von den Juden bevorzugte Gebiet des Handels und Verkehrs konzerniert und rationalisiert. Die Juden verlieren ihre Selbständigkeit und treten mit den nichtjiidischen Arbeits- und Erwerbsuchenden in eine aussichtslose Konkurrenz, da im Zeitalter der gebundenen und Planwirtschaft selbständige Arbeit und qualifiziertere persönliche Leistung sich nicht mehr durchzusetzen vermögen. Pauperisierung der Juden ist die vorläufige Folge dieser Entwicklung und eine wiinschenswerte Proletarisierung für die Juden ist außerordentlich erschwert. Die Juden verarmen und sind nicht mehr imstande, ihr jüdisches Sonderdasein, das Aufwendungen verschiedenster Art erforderte, zu bezahlen. Abhilfe liegt nur in geschlossener Proletarisierung oder in der Schaffung von geschlossenen Siedlungen. In dieser Beziehung erlangt, soziologisch gesehen, das Palästinawerk als Schrittmacher der kommenden Entwicklung überragende Bedeutung. Die Zuhörer folgten in allen Orten diesen Ausführungen mit lebhaftestem Interesse, weil sie die Wurzeln der jüdischen Existenz bloßlegten und die wahrscheinliche Entwicklung der Judenheit in allen Ländern der Diaspora aufzeigten. In allen Orten war insbesondere in den jugendlichen Kreisen ein sehr starkes Interesse an den Fragen der Produktivierung und Um- Schichtung und demgemäß an der Chaluzbewegung festzustellen. Diese indirekte Art, für die zionistische Auffassung der Judentrage zu werben, erwies sieh während der durch die Plßachteiertage in zwei Abschnitte geteilten Tournee des Referenten als besonders wirksam. Gruppenverbandstag für Niederschlesien. Am 19. April fand in Görlitz eine Tagung des Gruppenverbandes Niederschlesien statt. Sie erhielt ihre besondere Note durch die Anwesenheit des Präsidenten der Z.V.f.D., Herrn Kurt Blumenfeld. Am Abend vor der Tagung fand bereits eine öffentliche Ver- Sammlung statt, die aus allen Kreisen der Görlitzer Gemeinde gut besucht war und in der Herr Blumenfeld einen mit lang anhaltendem Beifall aufgcnominenen außerordentlich geistreichen Vdttrag über das Thema: ״Das Leben der deutsehen Juden und ihre Zukunft“ hielt. Auf der Tagung selbst hielt Herr Blumenfeld am Vormittag das Referat ״Ueber die Lage im Zionismus“. Der Nachmittag der Tagung blieb der Erörterung der Arbeit in den kleinen Ortsgruppen Vorbehalten, welche Herr Dr. Friedländer, Görlitz, mit einem kurzen Referat einleitete, und in der auch Herr Blutnenfeid eingehend zum Wesen und Richtungspunkt dieser Arbeit Stellung nahm. Die Tagung war sehr gut besucht, so gut, wie bisher noch keine unseres Gruppenverbandes. Erfreulicherweise waren aue’h Gesinnungsgenossen aus den Nachbarstädten Sachsens und der Mark Brandenburg in größerer Zahl erschienen. Im Interesse einer freundnachbarlichen Zusammenarbeit benachbarter Ortsgruppen in Zukunft wurde dies besonders herzlich begrüßt und eine gemeinsame Unterstützung bei der nächsten Winterarbeit durch Redner und Besuche von zionistischen Veranstaltungen von Nachbargruppen verabredet. — Ein gemeinsames Mittagsmahl verband fast alle Teilnehmer der Tagung zu kurzer Geselligkeit zwischen den mit großem Ernst und angespanntester Aufmerksamkeit gepflogenen Verhandlungen am Vor- und Nachmittag. Alle Teilnehmer gaben ihrer Freude an der wohlgelungenen Tagung, an der Herr Blumenfeld an überragender Stelle durch seine Referate ein Verdienst hat, sichtbaren Ausdruck durch eine Zeichnung von 20 Oelbäumen auf den Namen des Herrn Blumenfeld. Chemnitz. Schon lange fehlte den national-jüdischen Organisationen in Chemnitz ein geeignetes Heim. Den Bemühungen des 1. Vorsitzenden der Zionistischen Ortsgruppe, Dr. Holzer, ist es gelungen, einen Wirtschaftsausschuß zu bilden, der die Finanzierung, Ermietung, Ausstattung usw. vornahm. Ain Sonnabend, dem 18. April, hatte das Wirtscliaftskomitee zur Eröffnung dieses neuen, in der Lindenstr. 1 gelegenen H e i m s eingeladen. Das Heim besteht aus einem großen Saal, der ca. 130 Personen faßt und durch eine Schiebetür für kleinere Veranstaltungen in zwei Räume geteilt werden kann, aus einem Leseraum, der für ständig von der Jüdischen Lesehalle ermietet worden ist, und in dem eine ganze Anzahl jüdischer sowie allgemeiner Zeitungen ausliegen,ferner aus einem Sitzungszimmer. Die Räume bieten einen überaus behaglichen und Jiarmonischen Anblick. Eine große Zahl von geladenen Gästen hatte sich zu dieser Eröffnungsfeier eingefunden. Nach den Begrüßungsworten Dr. H o 1 z e r s las Frl. Minka Rosenkranz die Schöpfungsgeschichte in der Buber-Rosenzweigsehen Verdeutschung vor. Dann hielt Herr Rabb. Dr. Blum- Emden die Festrede. Es folgten jüdische Lieder, gesungen von Dr. Adler, am Klavier Kapellmeister Kitzinger. Zum Schluß las Herr M. Birnbaum Briefe von Scholem Alechem vor. — Da der Zionistischen Ortsgruppe von nun an regelmäßig Räume zur Verfügung stehen, konnte sie gleich im Anschluß an die Eröffnung der neuen Räume eine Sokolow-Woche veranstalten. Im Verlauf dieser Sokolow-Woche sprach am Sonntag vormittag Herr Rabb. Dr. Blum, Emden, über ״Orthodoxie und Zionismus“. Gerade die orthodoxen Kreise der Chemnitzer Judenheit, die Herrn Rabb. Dr. Blum aus seiner früheren Tätigkeit in Chemnitz verbunden sind, waren recht zahlreich erschienen, und wir hoffen, daß die Ausführungen des Redners, der zeigte, daß es gerade Aufgaben des traditionstreuen Judentums sei, sich zionistisch zu betätigen, ihren Einfluß auf diese Kreise nicht verfehlt haben. — Am Dienstag, dem 21., fand eine Veranstaltung der Wizo-Gruppe statt, zu der sich uns Frau Jenny Blumenfeld aus Berlin zur Verfügung gestellt hatte. Frau Blumenfeld sprach über die Autgaben der jüdischen Frau im Galuth und in Palästina. Die Wirkung ihrer warmherzigen und interessanten Ausführungen kam in der Anmeldung neuer Mitglieder der Wizo-Grunpe zum Ausdruck. — Donnerstag, den 23., sprach Dr. Sally Hirsch, Berlin, über: ״Unsere gegenwärtige politische Situation“. Er zeigte, daß unsere wichtigste politische Aufgabe die Verständigung mit den Arabern sei. Seinen sachlichen und klaren Ausführungen folgte eine längere Diskussion. — Am Sonntag vormittag fand vom Bar Kochba ein Schauturnen aller Abteilungen statt, als letzte Veranstaltung der Sokolow-Woche. Etwa 200 Zuschauer waren Zeuge von dem Können und den Leistungen des Bar Kochba. Dr. Franz Kohner sprach zur Jugend über die Lebensfreude, und Herr Dr. Lei e we r sprach in einer begeisternden Rede über die neuen Typen der jüdischen Jugend, den Chaluz und den Makkabi. — Wir glauben, daß die Zentralisierung des national-jüdischen Lebens eine Erstarkung unserer Arbeit und eine größere Verbundenheit der einzelnen Organisationen herbeiführen wird. Leipzig. Am 21. April sprach im Rahmen unserer Wcroe- Aktion Herr Rabb. Dr. Blum, Emden, auf Veranlassung der Zionistischen Vereinigung Leipzig und der Ortsgruppe MIsrachi Leipzig über das Thema: ״Religion und Zionismus“. Der Redner verstand es, die durch die jüdische Lehre und das Gesetz gebotene Verpflichtung zum Aufbau Palästinas, der Zuhörerschaft klar vor Augen zu führen, ln der Diskussion nahmen der Gemeinderabbiner Dr. Carlebach und Herr Werczberger das Wort und stimmten den Darlegungen des Referenten fast durchweg zu. Leipzig. (Poale-Zion.) In der Freitag-Versammlung der Poale-Zion berichtete Selinger über das Entstehen des jüdischen Erwerbslosenausschusses und seine Arbeit, Das anschließende Referat von Gen. Fritz Naftali war sehr informativ. Die Weltwirtschaftskrise wäre auch an Palästina nicht vorbeigegangen. Die Kapitalzuflüsse müßten stärker werden. Die sich im Gefolge der Lage entwickelnde politische Hysterie wäre im Abflauen begriffen. Die politische Entscheidung stände auf diesem Kongreß bevor, im Mittelpunkte stände die Personenfrage. Eine revisionistische oder revisionismusfreundliche Mehrheit auf dem Kongreß wäre nicht zu erwarten. Von der Demagogie der Revisionisten gab Naftali pehrere Beispiele, ln Palästina präge sich der faschistische Charakter der Revisionisten immer deutlicher aus. Öle Prager Revisionistenkonferenz mit dem Beschluß der Gründung gelber Gewerkschaften zeige auch manchem bürgerlichen Zionisten, wohin der Weg gehe. Der Bericht der letzten Brith Trumpeldor-Konferenz habe Erinnerungen an die Militärzeit wachgerufen. Bei der Gründung der Weitliga für das arbeitende Palästina hätte wohl vorgeschwebt, eine Einheitsfront aller jüdischen Sozialisten und aller Freunde des arbeitenden Palästina gegen diese reaktionären Tendenzen zu schaffen. Die Verständigung mit den Arabern wäre eine zentrale Frage der zionistischen Außenpolitik. Die Basis hierfür müsse gefunden werden und werde auch gefunden, nur gewisse englische imperialistische Kreise und von Moskau gespeiste Kräfte versuchen dies zu verhindern. Wo zwei Völker in einem Lande wohnen, wäre die Verständigung eine innere Notwendigkeit. Die Ausführungen von Gen. Naftali wurden mit Beifall aufgenotnmen. — Vereinskalender: Am 1. Mai demonstrieren die Mitglieder der Poale-Zion zusammen mit der SPD. und den Gewerkschaften. Am Abend ist im Heim eine öffentliche Versammlung. — Dienstag, den 5. Mai, spricht Gen. R.-A. Alfred Jacoby über Wehrgedanke und Judentum. Pünktlich 81/2 Uhr im Heim, Eberhardstr. 13, Hof. — Sonnabend, den 9. Mai, veranstalten wir eine große öffentliche Versammlung der jüdischen Eltern im großen Saal des jüdischen Jugendheims. Es referiert Lehrer Walter Z e i 1 e r. Beginn 8 Uhr. Wegen der Bedeutung der erhöhten Schulgelder für die nichtreichsdeutschen Eltern und wegen der Erfüllung der in der Reichsverfassung ausgesprochenen Forderung von der Unentgeltlichkeit der Lernmittel halten wir diese Versammlung vor den Elternratswahlen für sehr wichtig. — Dienstag, den 12. Mai, spricht Chawer Birnbaum, Gera, über den Giftgaskrieg. — Sonnabend, den 16. Mai, große öffentliche Ver- Sammlung mit Gen. Ing. Kaplansky. Vermischtes Lehrgänge für jüdisch-soziale Ausbildung und Fortbildung, 3. Lehrgang, Sommer 1931. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden veranstaltet gemeinsam mit der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und dem Wohlfahrts- und Jugendfürsorgeamt der Jüdischen Gemeinde Berlin während ues Sommersemesters, beginnend am 12. Mai, den 3. Lehrgang für jüdisch-soziale Ausbildung und F ortbildung. Es werden folgende Themen behandelt werden: Die Familie im jüdischen Schrifttum (Rabb. Dr. Wiener), Einführung in die jüdische Wohlfahrtspflege (mit bes. Berücksichtigung der Jugendwohlfahrt; Dr. Ollendorf), Grundlagen der jüdischen Sozialpolitik (Dr. Kreutzberger), Ausgewählte Kapitel aus der Gesundheitsfürsorge für die jüdische Jugend (Dr. Stahl). Die Kurse sind bestimmt für Sozialarbeiter, Rabbiner, Lehrer und in der Ausbildung zu diesen Berufen stehende Personen. Sie finden im Sommersemester in den Räumen der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, statt. Anmeldungen, Auskünfte, Prospekte durch die Zentralwohlfahrtsstelle. — Zur Eröffnung des Lehrgangs findet am 11. Mai, abends 8 Uhr, im Vortragssaal der Synagoge, Fasanenstraße 79/80, ein öffentlicher Vortrag von Fritz Naphtali statt über: Wirtschaftskrise und jüdische So• zialarbeit. Die Teilnahme.am Lehrgang und am Eröffnungsvortrag ist unentgeltlich. ״Kaftan“, Jüdische Kleinkunstbühne. Das Gastspiel im ehemaligen Saale des Kabaretts der Komiker am Kurfürstendämm 197 fand am 30. April seinen Abschluß. Während der Gastspielzeit im Westen erfreute sich der ״Kaftan“ eines starken Zuspruches. Der Leiter und die Seele des Unternehmens, SaKaschansky, begibt sich nunmehr auf eine Tournee, die ihn durch die größten Städte Deutschlands führen wird. In seiner Begleitung befindet sich Fräulein Ruth K1 i 11 g e r, welche in der abgelaufenen Saison bei Publikum und Presse djfaMtemeftkfatüuadm, Vkfotx! Sk GEWÄHLT SEN FREUNDEN OBS NEUEN KAJEMETH VERSPARtf/$$E UND VEkQÜNSr/GUNGEN BERUM W9* FRIEDRICH EBBRT*TRAS*E 2/5״ TELBFOJt; KUR FÜRS T *464

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