Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 31 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653281--22286-2680485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Palästina*Investments deutscher Juden Einzelnummer 0,35 GoMmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag (!.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. A114ancIsabo1mem*n|.-5 werden in der Wahrung der einzelnen Linder berechnet. Anreisenpreis: 8 gesp. Nonpareillered® 0,50 G.-M* Stellengesuche 0,25 G.-M. ד Nummer 31 I Berlin, 24. IV. 1931 Redaktion, Verlag und Anzeigen •Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Auzcigenschl uß: Dienstag und Freitag nachmittag« 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Po«t*check-Konten: Berlin 17392, Bauet V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 39433, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140470, Prag 59410, Riga 4155, Strawburg 16430, Warschau 190708, Wien 1560m Bank -Konten : Darmstldter- und Nationalbaak, Deponien - Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Banca de Ent, Cemauri (Rumänien); Anglo Paleatine Co. in Haifa, Teruaale-m, Tel -Aviv. ז, אייר תרצ״א | xxxvi. Jahrg. Der Zionismus •rslrebl für das JHdlstti• Volk die Schaffung einer öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.»» er Zeppelin Uber Jerusalem mmi lllilSlilfÄ Jj ÜlfgPii lltfllllS!!! 1« llllll Pfllilf' fgj^gll ״•״ י-י pp. Unser Bild zeigt den Zeppelin bei seinem Osterbesuch im Fluge über die Jerusalemer Altstadt Im Hintergründe tediis die berühmte ״Churwa“-Synagoge. Weizmann in Manchester Manchester, 21. April. (J.T.Ä.) Dr. Weizmann sprach am -Sonntag, dem 19. April, in Manchester, wo' er bekanntlich früher als - Hochschullehrer lebte. Auf dem Bahnhof hatten sich über 3000 Personen eingefunden, die den Führer hei seinem Eintreffen begrüßten. Aut dem Bahnsteig war eine Ehrenwache aufgestellt, gebildet aus ehemaligen jüdischen Soldaten, von denen die meisten am Palästina-Feldzug teil• genommen hatten. Nachmittags fand ein Empfang zu Ehren Dr. Weizmanns statt, bei dem etwa 200 persönliche Freunde und Bekannte Dr. Weizmanns, unter ihnen die Bürgermeister von Manchester und Salford mit ihren Gemahlinnen, zugegen waren. Den Vorsitz führte der Präsident der Palästina- Kommission des Jewish Board of Deputies Nathan Laski, der in einer Ansprache seine bereits anläßlich des Lloyd Oeorge-Banketts an Dr.. Weizmann gerichtete Aufforderung, weiterhin an der Spitze der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency zu bleiben, wiederholte. In meiner Eigenschaft als Vorsitzender der Palästina-Kommission des Board af Deputies, sagte Nathan Laski, und auf Grund ausdrück- Hcher Ermächtigung durch den Präsidenten des Board d’Avigdor Golds mid erkläre ich nicht nur namens der jüdischen Bevölkerung von Manchester, sondern im Namen der Juden des gesamten Reichs, daß es nur einen Führer geben kann, und zwar Dr. Weizmann. Auch Herr D. Kostoris, der Dr. Weizmann ein Album überreichte, das die Unterschriften der Vertreter jener Svnagogengemeinden, Institutionen, gesellschaftlichen Organiationen und literarischen Gesellschaften Manchesters und anderer Provinzstädte, sowie der Einzelpersönlichkeiten enthält, die Beiträge im Rahmen einer zu Ehren Dr. Weizmanns (ingeleiteten und mit einem Ergebnis von 5000 Pfund eben abgeschlossenen Sonderaktion für den Keren Ha- I e s s o d geleistet haben, erklärte, er habe sich anläßlich seiner?ammeiarbeit für den Keren Hajessod, die ihn von Haus zu Haus führte, vom uneingeschränkten Vertrauen, das allent- Halben in die Führung Dr. Weizmanns gesetzt wird, über- ׳,engen können. Wir Juden von Manchester, so schloß Herr D. Kostoris seine Ansprache, erklären, daß Dr. Weizmann sich in diesem Zeitpunkt nicht zurückziehen darf. Die Persönlichkeit und die Leistungen Dr. Weizmanns wurden ferner in Ansprachen der Abgeordneten Ben Tille t, K. M. OI i v e r, J. Tool e und A. W. Haycock, sowie von Prof. Alexander, Rabbi Yoffey und anderen Rednern gewürdigt. Begrüßungsschreiben waren u. a. vom Innenminister J. R. Clynes, dem Herausgeber des ״Manchester Guardian“ C. P. Scott, Nahum Sokolow und Dr. Eder ™gelaufen. Abends sprach Dr. Weizmann in einer Massenversammlung. Die zweifache Pflicht der Mandatarmachi Die Mandatarmacht, erklärte Dr. Weizmann, hat 1 i her in Palästina eine passive Rolle gespielt. Sie hat 'ich damit begnügt, dem Wachstum des Jüdischen Nationalhdms zuzusehen. Die Arbeit für den Aufbau dagegen hat sie zur Gänze den Juden überlassen und zum Teil auch c'-je arabische Bevölkerung vernachlässigt. •}' Folge davon war, daß die Araber mit der Entwicklung nicht Schritt halten konnten. Die Tatsache, daß das Nationalheim wuchs, erzeugt« bei ihnen Furcht und ■8«-. sqr.gnfs, so 4äß sie der jüdisctWf BfhWa»deru»g hartnackigen' Widerstand entgegensetzten.' “ Ich glaube, fuhr Dr. Weizmann fort, daß die Mandatarmacht nunmehr im Begriffe steht, zu einer aktiven Politik Qberzugehen. Meiner Ansicht nach muß von der Mandatarmacht die Erfüllung von zweierlei Verpflichtungen in Palästina erwartet werden. Zunächst ist es Pflicht der Regierung, die Lebensbedingungen der ihrer Obhut anvertrauten Bevölkerun g soweit als möglich zu verbessern; sodann ist es Pflicht der Mandatarmacht, den Aufbau des Jüdischen Nationalheims aktiv zu fördern. Diese Pflicht besteht nicht in bloßem Danebenstellen und Zusehen, wie andere ihre Arbeit tun. Trotz der jüngsten Berichte, trotz der durchgeführten Untersuchungen gibt uns eine rein Vernunftmäßige Betrachtung der Gesamtlage hinreichend Mut und Ermutigung, unser Werk im Bewußtsein, daß ein großes Aufbauprogramm vor uns liegt, fortzusetzen. Wir wurden durch autoritative Erklärungen, daß ein Drittel der in Palästina lebenden jüdischen und arabischen landwirtschaftlichen Bevölkerung, vorwiegend der arabischen (fast 30 000 Menschen), landlos sei, alarmiert. Wir wurden ■weiter alarmiert durch ein anderes autoritativ erlassenes Statement, in dem festgestellt wurde, daß das Ausmaß an kulturfähigem Boden in Palästina weit geringer sei als wir stets angenommen hatten, so daß der Umfang Palästinas plötzlich zusammenschrumpfte. Ich spreche im Bewußtsein vollster Verantwortung, wenn ich erkläre, daß durch Ausgestaltung der Landwirtschaft des ganzen Landes, die zu einer Hebung des Lebensstandards der Gesamtbevölkerung führen würde, sehr viel getan werden kann. Ich glaube, daß in Palästina für eine beträchtliche Zahl von Landwirten Raum ist. Wenn Palästina unter Zuhilfenahme moderner Methoden bearbeitet, wenn es bewässert und dräniert wird, bietet es noch für weitere 50000 landwirtschaftliche Familien Platz und die Einwanderung dieser Familien würde keineswegs das Leben und die wirtschaftliche Lage der gegenwärtigen Bevölkerung beeinträchtigen. Die Augen der zivilisierten Welt, erklärte Dr. Weizmann zum Schluß, sind auf Palästina gerichtet. Was immer mit Palästina geschehen, wie groß immer die endgültige Zahl der Menschen sein sollte, die nach Palästina kommen werden, wir hegen nicht den Wunsch zu herrschen, wir wollen aber auch nicht beherrscht werden. Wir gehen nicht nach Palästina als Kolonisatoren oder als Eroberer. Wir gehen da hin, um in Frieden und Gerechtigkeit zu leben. * Am Montag, dem 20. April, veranstaltete der Bürgermeister von Manchester einen Empfang für Dr. Weizmann im Rathaus. In Erwiderung der Begrüßungsansprache des Bürgermeisters erklärte Dr. Weizmann, er sei glücklich darüber, daß das Palästina-Mandat in den Händen Englands ruhe, und er hoffe, daß diese Bindung, die unter so glückliehen Auspizien eingegangen wurde, dauern werde zur Ehre und zum Ruhme Großbritanniens und der Judenheit der ganzen Welt. (S. auch ״Presseschau“.) Nyon Eindrücke eines Konferenzteilnehmers Von Hermann Badt Gern komme ich dem Wunsche der Redaktion nach, den Bericht über die Studententagung in Nyon, der in der ״Jüd. Rundschau“ bereits veröffentlicht war, durch Mitteilung einiger persönlicher Eindrücke zu ergänzen. * Wer nach Nyon in der Annahme gekommen war, daß die Konferenz zwar formell vom International Student Service, dem Weltstudentenwerk, einberufen sei, daß aber die Notwendigkeit einer solchen Aussprache vorwiegend in jüdischen Kreisen als brennend empfunden werde und daher auch diese Aussprache vermutlich von j ü d i - scher Seite angeregt worden sei, wurde schon durch das einleitende Referat des Mr. Parkes eines besseren belehrt, ln ihm, ebenso in dem Generalsekretär des I.S. S. Dr. Kotschnig und in dem Professor der Genfer Universität und Direktor des Instituts Jean Jacques Rousseau, Pierre Bovet, lernten die jüdischen Konferenzteilnehmer drei ganz besonders sympathische Nichtjuden kennen, die die Lösung des Problems des Hochschul-Antisemitismus — darüber hinaus des umfassenderen Problems des Zusammenlebens von Juden und Nichtjuden überhaupt — als ihre ureigenste Aufgabe empfinden. Ganz klar sehen sie den Reiz und die Größe dieser Aufgabe: Ueberall, wo Juden in nennenswerter Zahl in einer nichtjüdischen Umgebung leben, entstehen Spannungen, Reibungen, Kämpfe. Wertvolle Kräfte auf beiden Seifen werden durch diesen Kampf in Anspruch genommen und zum Teil zerrieben. Wenn es gelingt, eine Lösung zu finden, die diese Kräfte wieder für positive Leistungen frei macht, so würde die Menschheit unendlich gewinnen. Das Referat des Mr. Parkes, die verschiedenen Reden von ihm und Dr. Kotschnig in den Debatten dieser sechs Tage ließen klar erkennen, mit welcher sachlichen Leidenschaft hier Nichtjuden es sich zur Lebensaufgabe machen, um diese Lösung zu ringen. Dadurch unterschied sieb diese Konferenz vorteilhaft von ähnlichen, auf jüdische Initiative zarückgehenden,, Veranstaltungen, die erfahrungsgemäß nur zu leicht in ein apologetisches Fahrwasser geraten. * Mit der Apologetik in jüdischen Fragen ist es überhaupt ein eigen Ding. Es scheint, daß sie sich als Methode überlebt hat. Je mehr die Konferenz fortschritt, desto stärker gewannen wohl alle Konferenzteilnehmer den Eindruck: Wichtigste Aufgabe ist vor,allem das Erkennen dessen, was ist. Kein Verwischen, kein Zerreden, kein Ueberkleistern der Gegensätze auf den Gebieten, auf denen sie tatsächlich bestehen, hilft hier weiter. Therapeutische Versuche ohne vorhergehende richtige Diagnose rächen sich ganz besonders auf dem Gebiete der Judenfrage. Der objektive Beobachter muß anerkennen, daß unter diesen Umständen die Aufgabe für die nichtzionistischen jüdischen Konferenzteilnehmer und Referenten viel schwerer war als für die Zionisten. Selten ist wohl auf einer internationalen Aussprache über diese Probleme so deutlich geworden, daß jüdische Assimilation als Programm notwendig zur Verschärfung der Gegensätze führen muß, während die offene Darstellung unserer zionistischen Auffassung der Gesamtsituation den Gegner erst nachdenklich macht, ihm, auch wenn er sich anfänglieh dagegen sträubt, in zunehmendem Maße Achtung abringt und schließlich zur Entspannung führt und eine Lösung vorbereitet. Noch mehr als auf der Konferenz selbst kam das in den verschiedenen, oft bis in die späte Nacht geführten Gesprächen außerhalb des Sitzungssaales zum Ausdruck. Die Vertreter der judengegnerisch eingestellten ״völkisehen“ Gruppe, — die übrigens durchweg für ihre Person die Bezeichnung ״Antisemiten“ ablehnten und sich, soweit es sich um die deutsche und österreichische Gruppe handelte, als ״Jungkonservative“ bezeichneten, ■— argumentierten etwa folgendermaßen: ״Wir empfinden Euch Juden, Eure geistige Haltung, Eure Kultur als fremd. Als jüdisch und undeutsch erscheinen uns z. B. auch die Gedankengänge des Verfassungsentwurfes von Hugo Preuß, wie wir die Verfassung selbst als uns aufoktroyiert empfinden. Gerade weil wir nach dem großen Zusammenbrach von 1918 uns innerlich zu großem neuen Aufbruch bereit machen, ist das Bestreben bei uns besonders stark, uns aut den ureigensten Kern unseres Wesens zurückzuziehen und alles Fremde auszuschalten. Das neue Werk, das wir in Angriff nehmen, muß ein wirklich echtes deutsches Werk werden.“ Darauf konnten die Vertreter des nichtzionistischen Judentums, also etwa der Richtung, wie sie für Deutschland im C.-V. maßgebend ist, ungefähr folgendes ant- Worten: «Es ist ein Unrecht, wenn Ihr uns als fremd und