Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 29 (17.4.1931)
- Date
- 1931-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Thema: Äbwchrarbcit Einzelnummer 0£5 Goldmark DDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag uJFreitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark, AoslandiMhenaeffieEt* werden ia der Währung der einzelnen linder berechnet. Anzeigenpreis: 8 gesp. Ncmpereiilezefle 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G--M. \N^mer29^J^Be^^l7r^l93r^ Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische RundschauG.tn.b.H., Berlin W15, Meinekestr.lO. Telephon: J 1 Bismarck 716570־. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittags 4 U h r Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Po.11ch1ek.Kot1«»: Berlin 17392, B***l V 9355. Belrrad 68032, Bn]«*l 39433, Budapest 59693, Daniig 1973. Hu! 140470, Pr»K 59410. Ri«» 4155, Str«»l>tjrt «54 30, Wirecha« 190708, Wien 156030. H *n 1 Kontra 1 Darrastäclter- und Nadonall>*nk, Depoaitrtn. K um« Berlin, Kiufiintraduam 52; Bane* d« E«a, Cenuuti (Ruminien)i Anglo Palmtin« O. m Hail», ToruMlem, Tel ״Aviv. Per Zionismus erstrebt fOr da» JOdlscha Volk dl« Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstitte In Palästina. ״Baseler Programm.» Einladung der Araüer Der Beginn der Londoner Verhandlungen verschoben יי— Die Araber lehnen ab? London, 13. April. (J.T. A.) Der Beginn des zweiten Teils der Verhandlungen zwischen Vertretern der Jewish ACency und der englischen Regierung, der für den 13. oder 1(. April angesetzt war, wurde im letzten Augenblick verschoben. Ein genaues Datum für die Eröffnung der Verhandlangen wird erst festgesetzt werden, wenn eine Antwort c'er arabischen Exekutive auf die Einladung der brithdien Regierung, eine Delegation nach London zu entsenden, eingetroffen sein wird. Auch hat die englische Regierung noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob der Plan einer jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz verwirklicht werden soll. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, berichtet die arabische Presse, daß die arabischen Führer der Regierung mitgeteilt haben, daß sie der Einberufung einer jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz nicht zustimmen. Daraufhin habe die Regierung ihnen gegenüber die Versicherung abgegeben, daß die Verhandlungen nicht auf der Grundlage des MacDonald-Briefes geführt werden würden, und daß die Teilnahme jüdischer Vertreter an ihnen nicht unbedingt notwendig sei. (?) Die arabische Presse bringt die Meinung zum Ausdruck, daß es für die arabische Sache vortciüiafter wäre, die Verhandlungen mit der Regierung in Palästina statt In London zu führen. (Die von der arabischen Presse mitgrfeitte Aeußerung bedeutet wohl, daß die Regierung die Möglichkeit ins Auge faßt, die Verhandlungen über den Landentwicklungs-Plan nicht gemeinsam, sondem mit jeder der beiden Parteien gesondert zu führen. — A. d. R.) Die englische Regierung scheint entschlossen zu sekij, Jcm Verlangen der arabischen Exekutive, die Konferenz in Paiüstina abzuhalten, nicht zu entsprechen. Falls es überliaupt zu einet Round Table-Konferenz kommen sollte, wird sie in London stattfinden. * In London sind die Mitglieder der vom Aktions-Comite eingesetzten P o litisch en K om mission eingetroffen. Die Kommission hat eine Sitzung abgehalten, in der neben den Londoner Mitgliedern auch Grünbaum und Motzkin teilnahmen. Vor den neuen Verhandlungen Weidmanns Rede Im Waad Letuni iVi'r haben über die politische Rade, die Dr. Webmann am März im Waad Lenmü in Palästina hielt, bereits telegraphische Berichte veröffentlicht, die die wichtigsten Teile dieser Rede wiedergibrn. Durch mehrere Anfragen über den genaueren Inhalt von Ikcic- Manns Ausführungen veranlaßt, bringen wir nachstehend nochmals d-n ganzen Gedankengang dieser Rede gemäß dem vom ,Jewish Xgcncy-Bulletin“ verbreiteten Text zum Abdruck. Dr. Weizmann hat 'ich in dieser Rede auch über die Eigenart des zweiten Teils der Verhandlangen geäußert, bei dem auch die Mitarbeit der Araber notwendig sei. Diese Darlegung ist gerade infolge der inzwischen von Bcf/icrungsseite an die Araber ergangenen Einladung beachtenswert. Red. Dr. Weizmann begann mit Worten warmer Anerkennung tiir den Heldenmut des Jischuw in den Tagen der Prüfung und ging dann zu einer Schilderung der Verhandlungen mit der Regierung in London über. Unter allen Protesten, die das Erscheinen des Weißbuches auslöste, machte den stärksten Eindruck auf die Regierung der Brief von John Simon und Lord Hailsham, worin der Widerspruch des Weißbuches zu den im Mandat übernommenen legalen Verpflichtungen nachgewiesen wurde. Zwei Tage nach diesem Brief erhielten wir die Einladun g des Premierministers zu Verhandlungen. Wir stellten in unserem Antwortbrief zwei Bedingungen für unsere Teilnahme: daß wir nur als Privat- Personen verhandelten und daß das Weißbuch nicht die Grundlege der Verhandlungen sein werde, sondern daß die Prinzipien der Palästina-Politik zu prüfen seien. In seinem Antwortbrief erkannte der Premier an, daß er unseren Standpunkt verstehe, daß die Regierung andererseits das Weißbuch nicht zurücknehmen könne und daß in den Verhandlungen nicht über das Weißhuch gesprochen zu werden brauche. An den Verhandlungen, Sühne für den Zwischenfall von Nabalal Jerusalem, 13. April. (J.T.A.) Der Mukhtar und die Weitesten des Dorfes Malul, aus dem die Araber stammen, die vor kurzem nachts in die Kolonie Nahalal eindrangen und d'n Kolonienwächter durch einen Revolverschuß verwundeten, ,mtteti sich in Nazareth vor dem Distriktspolizeichet MacLaren /n verantworten. Der Polizeichef hielt den Verhafteten vor, 11׳iß die Uebeltäter von Nahalal von den Bewohnerndes '׳orfes vor der Polizei verborgen gehalten werden. Er verhängte über den Mukhtar und sieben der Aeltesten '1! Strafe einjähriger Verbannung aus dem Hein ׳: t $ d o r f, außerdem hat jeder der Verurteilten eine Kau- ח on v on 50 Pfund für künftiges Wohlverhalten zu erlegen. Je zweien der Verbannten wurde Safed, resp. Akko, je einem die wir dann mit Zustimmung des Aktions-ComiWs einleiteten, nahmen vier Kabinettsmitgüeder teil. Dr. Weizmann schildert den Verlauf der Verhandlungen im einzelnen sowie die Schwierigkeiten, in denen sich unsere Unterhändler durch die ständigen immer nur Negatives enthaltenden Telegramme aus Jerusalem und New York befanden. Hätten wir sie befolgt, so hätten wir in den Verhandlungen nicht den Mund auftun dürfen. So taten wir, wozu wir bevollmächtigt waren: wir verhandelten und bemühten uns, das Wesen unserer Sache klarzumachen. Wir gelangten zu dem Ergebnis, daß, nie auch immer die Haltung der palästinensischen Beamtenschaft zu erklären sein mag, jedenfalls die Haltung des Ministeriums nicht aus Feindschaft gegen unsere Bewegung, sondern aus mangelnder Kenntnis heraus zu erklären ist. Wir haben im Anfang der Verhandlungen versucht, wirklschcs Verständnis für die Lage des jüdischen Volkes, die Bedeutung Ercz-Isracls für die Judenfrage und Verständnis für die Beziehungen von Engländern, Arabern und Juden zueinander zu wecken und haben dann im zweiten Teil jede Einzelfrage gründlich durchgesprochen. Das Resultat liegt in Gestalt des Briefes des Premier vor. Wer zu lesen versteht, wird sehen, daß wir mehr erreicht haben als nur den Status quoante. Wir hätten diese ganze Diskussion mit der Regierung vor der Balfour-Erklärung haben müssen, aber damals, während des Krieges, war es nicht möglich. Klar aber war, daß diese Piskussion einmal kommen mußte. Die Frage der öffentlichen Arbeiten, das Bodenproblem, die Angelegenheiten der Staatsländereien werden in befriedigender Weise geregelt werden. Alle diese Fragen haben zunächst nur eine theoretische Regelung gefunden und müssen im zweiten Teil der Verhandlungen praktisch geregelt werden. In diesem zweiten Teil der Verhandlungen haben wir nicht mehr mitder Kabine11sköra*nission m tun, sondern - mit einer ״i nterdepariemfentaleR“ - Kom« tnf ssion, an der Vertreter des Foreign Office, des Colonial Office, der Treasury und einige Teilnehmer der ersten Kommission mitwirken werden. In gewissem Sinne ist dieser zweite Teil der Verhandlungen wichtiger als der erste. Der Simp* son’sehe Development-Plan kann nur ausgeführt werden, wenn eine Verständigung der drei beteiligten Faktoren, Regierung, Juden und Araber darüber zustande kommt. Ich weiß nicht, ob die Araber zu gemeinsamen Besprechungen darüber bereit sind, aber die Regierung wird sich mit allen Mitteln bemühen, die Verhandlungen zustande zu bringen. Vorläufig ist noch ganz unklar, was die Aufgabe der Landesentwicklungs-Kommission sein soll, wie das Geld der Anleihe zu verteilen ist usw. Es ist vielleicht gut, daß diese erste große Frage, die die Regierung mit Juden und Arabern regeln muß, nicht politischer, sondern wirtschaftlicher Natur ist Lange Verhandlungen stehen auch vor uns in. bezug aut die Fragen der palästinensischen Administration, Trans- Jordaniens, der Sicherheit, der Industrie usw. Es ist eine Lüge, wenn man behauptet, wir hätten bereits einem ״arabischen Parlament״ zugestimmt. Wir haben wiederholt erklärt, daß, wenn konstitutionelle Reformen in Palästina nötig sind, diese nur mit Zustimmung beider V ö 1 - ker zustande kommen können. Ich will («tonen, daß ich nicht an die Möglichkeit glaube, daß diese Frage noch sehr lang ein der Schwebe bleiben kann. Dr. Weizmann spricht dann von der wirtschaftlichen und finanziellen Situation und betont, wie schwer es für ihn ist, nach Amerika zu gehen und dort an das Volk zu appellieren, nachdem er immer wieder in so heftiger Weise vor der ganzen jüdischen Oeffentlichkeit angegriffen wurde. Aber trotzdem ist es möglich, daß ich nach Peßach nach Amerika fahre. Wenn der zweite Teil der Verhandlungen beendet sein wird, wird die ganze Zukunft von uns abhängen. Ich glaube au eine neue Epoche der Einwanderung und des Aufbaus, wenn nur der Wille dazu vorhanden ist. * Anläßlich der bevorstehenden Wiederaufnahme der Verhandlungen veröffentlicht das Exekutiv-Komitee der Weltunion der Zionisten-Revisionisten eine Erklärung, in der der Exekutive das Recht abgesprochen wird, die Verhandlungen zu führen. Einzig der Zionisten-Kongreß sei berechtigt, die Riehtlinien der künftigen Politik zu bestimmen. Die Revisionisten betrachten die gegenwärtigen Verhandlungen und etwaige darauf beruhende Vereinbarungen als nicht bindend und nicht verpflichtend für die Zionistische Organisation. Tiberias resp. Beisan, Nablus und Tulkarem als Zwangsaufenthalt zugewiesen. Den elf übrigen Angeklagten wurden gegen Erlag einer Sicherstellung von je 25 Pfund der weitere Aufenthalt in Malul gestattet _ Ahroni in Kirjatcn eingetroffen Jerusalem, 13. April• (J.T.A.) Dr. Schlössinger, der stellvertretende Kanzler der Hebräischen Universität, hat von dem Zoologen Ahroni, der eine wissenschaftliche Expedition In die syrische Wüste unternommen hatte und seit einiger Zelt als verschollen galt, e!n Schreiben erhalten, aus dem hervorgeht, daß c'er Gelehrle und seine Gattin wohlbehalten ln K i r jäten eingetroffen sind. Politische Umschau Welzmanns Palästina - Reise - Die Bluttat von Jadschur — Die Finanzlage der Jewish Agency — Vor dem XVII. Kongreß RW, Berlin, 16. April Während der Pause, die durch den Zwang der Feiertage im Erscheinen der ״Jüdischen Rundschau“ cingetreten ist, hat sich im zionistischen Leben so manches zugetragen, was erhöhter Aufmerksamkeit der Berichterstattung wert ist. Die Peßachtage sind für Palästina stets eine bewegte Zeit. Die Touristensaison ist auf ihrem Höhepunkte, die Feiertage aller drei Religionen erzeugen in einem Lande, das ein spezifisches Land der Religion ist, starke Vibrationen, und auch politische Ereignisse pflegen sich in diesen Wochen, die das bürgerliche jüdische Jahr eröffnen, zu konzentrieren. Vor secb־- Jahren feierte man auf dem Skopus die Begründung der Hebräischen Universität unter Teilnahme Lord Balfours, dessen Todestag sich nun bereits zum ersten Male gejährt hat. Dr. Weizmann, der in der großartigen Eröffnungszeremonie der Universitat einen Gipfel seines Werkes sehen konnte, war in diesem Jahre wieder Peßaehgast im Lande. Diesmal galt es nicht, Feste zu feiern, sondern aus tiefer Sorge um das Schicksal des Werkes und seinen künftigen Kurs ist der Führer in das Land gekommen, um die Verhältnisse an Ort und Stelle zu studieren, bevor er seine Entschlüsse für die nächste Arbeitsperiode faßt, die nach seinen eigenen Erklärungen — und auch nach der Meinung eines großen Teiles der Bewegung — nicht mehr unter seiner Verantwortung stehen soll. Dr. Weizmann, der 15 Jahre die Schicksale des Zionismus geleitet hat, kennt die Erfordernisse der Situation besser als irgendein anderer. Er hat in diesen 15 Jahren große Hindernisse zu überwinden gehabt, vielleicht mehr als die meisten Außenstehenden ahnen, aber seine Führerqualität hat sich darin bewährt, *Süß 'er atictrfuei velje^ricenfitnis der Schwierigkeiten und. trotz der hjttferen fedipfindung mangelnder Einsicht bei seinen eigenen Anhängern, den Optimismus nicht verloren hat. Auch diesmal hat er in seinen zahlreichen Reden in Palästina immer wieder seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, daß wir auf der Schwelle einer neuen Epoche des Aufschwungs und des Fortschritts der jüdischen Arbeit stehen. Er weiß, daß der entscheidende Faktor hierbei das jüdische Volk selbst ist, dessen Haltung letzten Endes für Gelingen oder Mißlingen des Werkes ausschlaggebend sein wird. Damm fühlt er sich am stärksten hingezogen zu jenen Schichten des Volkes, die unmittelbar im produktiven Leben stehen; und mit Recht hebt der ״Dawar“ hervor, daß Weizmann gerade in diesen Kreisen — wohl als Demonstration gegen die hämische Art vieler gegen ihn geführten Angriffe — mit herzlichen Kundgebungen des Vertrauens empfangen worden ist. Es handelt sich dabei keineswegs nur um die Arbeiterschaft, die auch kongreßpolitisch in den letzten Jahren eine Stütze des Weizmann-Blockes gewesen ist, sondern auch um eine ״bürgerliche“ Gruppe, die Pflanzer-Kolonisten, deren geistige Führung in der Kolonie Rechowoth liegt. Diese Gruppen zeigten sich bestrebt, Weizmann fühlen zu lassen, daß die unfreundlichen Aeußerungen, die er in der letzten Zeit aus Palästina und gerade auch von repräsentativen Organen des Jischuw hören mußte, keineswegs die Meinung des ganzen palästinensischen Judentums darstellen. Unverhohlen forderte man in Reden und in der Presse sein Weiterverbleiben auf dem Führerposten. * Weizmann ist in Palästina mit Spannung erwartet worden. Manche glaubten, er werde sensationelle politische Mitteilungen mitbringen. Diese Erwartung, die seitsamervveise seit vielen Jahren an jedes Auftreten Weizmanns geknüpft wird, konnte sich natürlich nicht erfüllen. Weizmann konnte in seinen Reden nicht viel mehr sagen als ohnedies bekannt war. Und die geheimnisvollen Gerüchte von hochpolitischen Aktionen, die sich in Jerusalem während seiner Anwesenheit vollziehen sollten, waren den Tatsachen weit vorausgeeilt. Bekanntlich sprach inan viel von dem Plane einer Verständigungskonferenz mit den Arabern. Hierzu war aber der Zeitpunkt nicht günstig, und jeder, der bedenkt, daß bei Beurteilung der Chancen einer Verständigung zwischen zwei Partnern die Anschauungen in b e i d e n Lagern beachtet werden müssen, konnte leicht vorhersehen, daß es zu keinen derartigen Verhandlungen in Jerusalem kommen wird. Die große Publizität, die mit diesen Gerüchten getrieben wurde, kann man auch nicht gerade als förderndes Moment ans eben. Es ist ein altes Sprichwort, daß angesagte Revolutionen nicht stattfinden. Bei aller Abneigung gegen Geheinidiplomatie muß man doch anerkennen, daß politische Aktionen, die Erfolg haben sollen, im stillen vorbereitet werden müssen. So leicht wie manche es sich jetzt plötzlich vor-