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Jüdische Rundschau · 1931-04-01 · Heft 25-26 (1.4.1931) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 25-26 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 164 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 25/?6, 1. IV. 1931 zur Erholung nach Europa begebenden und von dort zurücklehrenden Juden. Diese Zeitschriften trageu überhaupt den Charakter eitler Familien- und Gcmcindc-Chronik. Die inter• essanteste Feststellung, die man in Amerika macht, Ist die, daß die Anglisicrung eine fast vollkommene ist Die jüdische Jugend in Amerika strotrt von Gesundheit und Energie, bloß sie ermüdet etwas zu schnell, weilt! man von geistigen Dingen spricht. Und wenn schon das Betreten geistigen Gebietes unvermeidlich ist, dann so!! cs Psychoanalyse sein. Gute Juden sind sie, aber der Ausdruck dieser Zugehörigkeit und Schicksalsgemcinschaft liegt hauptsächlich in der Organisation tnaterieiier Hilfe und machtvoller Kundgebungen, die vom Solidariiätsgefühl für das gesamte Judentum Zeugnis ablegen. Und nun nähern sich die Juden Amerikas dem vierten Stadium ihrer Entwicklung. Schon 16 Jahre ist es her, seitdem der Strom neuer Einwanderer aufgehört hat Die erste Einwanderer-Generation stirbt allmählich aus. Noch vor dem Kriege gruppierten sich die Juden in Amerika nach den Orten, aus welchen sie ausgewandert waren. Man konnte in den Zeitungsannoncen immer lesen: Ein Ball der Satanower, der Priluker, der Poitawer. jetzt nicht mehr. Diejenigen, die im 40. bis 30. Lebensjahre stehen, tragen noch fest die Erinnerung an ihre frühere Heimat im Herzen und erzählen viel darüber. Die neue Jugend kennt diese Namen nicht, keimt nicht diese starke Verbundenheit. Inzwischen wächst die jüdische Bevölkerung ip Amerika. Jedes Jahr kommen in Amerika ungefähr 75000 jüdische Kinder zur Weit. Allmählich wird sich Amerika der Gestaliung seines eigenen jüdischen Lebens widmen müssen. Daß der Unterschied zwischen den ״deutschen Juden“ in Amerika und den Juden, die aus dem Osten gekommen sind, immer mehr schwindet und bald aufhören wird, ist klar. Ich habe absichtlieh über die ״deutschen Juden“ in Amerika nicht gesprochen. Diejenigen, die vollständig untergeiaucht sind, stehen außerhalb dieser Betrachtung. Der Roman von Ric.hmond Barret ״Die Tore des Feindes“ gibt einige Auskunft von dieser Gruppe, und was die Seelcnnötc, die in Lewisohns Buche ״Das Erbe im Blut“ geschildert werden, betrifft, so ist bekannt, daß der Hauptheld nach langem Ringen seinen Weg gefunden hat. Er hat sich der Delegation, die sich nach Rumänien begibt, um die Lage der dortigen Juden zu studieren, angeschlossen. Die jiddische Kaltor In Amerika (S. Niger in der Berliner Sektion des Wilnaer Wissenschaftliehen Instituts.) Es ist schade, daß Niger bei der Behandlung seines obigen Themas, das er als , Der jiddische Schriftsteller und der jiddische Leser“ spezialirierte, nicht in die Tiefe der gesamten kuT turellen Problematik gestiegen ist, sondern nur an der Oberfläche mancher, soziologisch bedingten, kulturellen Er cheinung blieb. In seinen recht interessanten Ausführungen ging Niger zuerst auf die im amerikanisch-jüdischen Leben vorhandenen zwei, sich voneinander unterscheidenden literarischen Orientierungen ein. Die eine nimmt ihren Ausgangspunkt vom Schriftsteller, von der Literatur, die andere aber vom Leser, vom Publikum. Für die eine ist der rein literarische, mehr subjektiv-künsll erische Gehalt entscheidend, während die zweite Richtung sich lediglich von objektiven, sachlichen und zweck- ‘mäßigen Gründen leiten läßt. Niger berührte dann die Uterarische Bewegung in ihrer Entstell ungsZeit, in den' 80er nnd 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der jiddische Schriftsteiler in Amerika harte damals, in dieser ersten Periode, eine physiognomielose Masse, ohne irgendeine persönliche Kultur vor sich. Die Aufgabe des Schriftstellers war damals eine rein aufklärende,, eine erzieherische und sozial-propagandistische gewesen. Dazu diente ihm dort die jiddische Presse, die für r'ie Entwicklung der gesamt-jiddischen Publizistik von entscheidender Bedeutung gewesen ist Erst später folgt die Periode des sog. literarischen Schriftstellers, der auch das amerikanisch-'ürische Leben durch künstlerische und kulturelle Werte bereicherte. In der letzten Zeit, führt Niger aus, läßt sich aber wieder eine Tendenz in gewissen Kreisen der jüdischen Arbeiter- Presse, speziell unter den Schriftstellern, die im ״Prolet Pen“ zusammen;־; :schlossen sind, wahrnehmen, die zu den Idealen der sog. ersten Periode, der Dichter Wint chewski, Edelstadt u. s. f. zurückzukehren bestrebt Ist. Man beginnt sich wieder am Leser, am Publikum zu orientieren. Im allgemeinen ist die jiddische Literatur Amerikas eine Zeitungsliteratur, alles geht durch die Presse. Während die Zeitung der ersten Periode eine aufklärerisch-erzieherische Aufgabe halte, will sie heute den Leser lediglich unterhalten und zerstreuen. Nur durch die Zeitung ist es dem Schriftsteller möglich, zum Leser zu gelangen, da sonst die Amerikaner keine Zeit für das ernste Buch‘’finden. Niger ist aber von den künstlerischen Qualitäten und dem schöpferischen Können des jüdischen Schriftstellers Amerikas überzeugt und hofft, daß sie bald zum Durchbruch kommen werden. Dann wird die jetzige bloße Immigranten- Literatur zu einer reinen und schöpferischen amerikanischen Literatur werden. Dr. M. Der jiddische Autorenklub ״J. L. Pcrez“ in New York hat für die Zeit vom 3. bis 5. April eine Landeskonferenz einberufen, die sich mit den Fortschritten der jiddisehen Sprache und Kultur in Amerika in den letzten 50 Jahren im Zusammenhang mit dem 5Öjähri״en Jubiläum der jüdischen Masseneimvanderung befassen solL Dr. Chaim Schitlowskv wird die Tagung mit einem Vortrag über die nationale Bedeutung der jiddischen Sprache für Amerika er- Öffnen. Es wird mit der Teilnahme von ungefähr 200 Delegierten gerechnet. Verballung David Bergeisohns In Riga Riga, 26. März. (J. T. A.) Der jiddische Dichter David Bergeisohn, dem bei seinem Eintreffen in Riga von der jüdischen Oeffcntlichkeit ein ehrender Empfang zuteil wurde, hielt in dem Wintschewskl-Klub (Wintschews'u ist der älteste jüdische Arbäterdichter), dessen Mitglieder sich meist aus kommunistisch gesinnten Arbeitern zusammensetzen, eine Vorlesung ans eigenen Schriften. Während der Veranstaltung drang Polizei’in dm Klubraum ein und verhaftete 15 Anwesende, darunter auch Bergelsohn. Dem Abgeordneten Dubin gelang es, durch sofortige Intervention bei den Behörden die Freilassung Bergeisohns und 14 seiner Mitverhafteten zu erwirken. Nur ein Teilnehmer an der Versammlung wurde in Haft behalten. Amtlichen Verlautbarungen ist zu entnehmen, daß in der /zweiten Hälfte des Jahres 1930 5991 jüdische Ausländer zur Landung in die Vereinigten Staaten zugelassen wurden. Davon waren 4026 Einwanderer und 1965 Personen, die zu vorübergehendem Aufenthalt kamen. In dem gleichen Zeitraum haben 1151 Juden die Vereinigten Staaten verlassen, davon 992 zeitweilig und 159 dauernd. Bücherschau Hundert Autoren gegen Einstein. Herausgegeben von Dr. Hans Israel, Dr. Erich Ruckhaber, Dr. Rudolf Weinmann. Leipzig, R. Voigtländer 1931. 104 S. Vielleicht noch schwieriger als das Verständnis der Relativitäfstheoric selbst ist das Verständnis des merkwürdigen Schicksals, das diese Lehre in unserer Zeit hat Hier liegt ein tiefes, schwer lösbares Problem der Massenpsychologie vor. Eine Lehre, deren Inhalt nur wenigen Menschen verständlich gemacht werden kann, die als solche keinerlei Konseouenzen weder für das praktische Leben noch für die Weltanschauung hat, wird zum Gegenstände des Interesses breitester Massen, wird ein Beuteobjekt der Sensation und Sensationsspekulation. Warum ist gerade die Relativitätstheorie und nicht etwa der Streit um die Grundlagen der Mathematik, der heute die Fachminner aufs tiefste erregt, Gegenstand der Neuigkeitsiäger geworden? Eine kaum zu beantwortende Frage! Der Schreiber dieser Zeilen hat vor Jahren in einem (hebräisch im ״Hapoel- Hazair“ erschienenen) Aufsatz zu zeigen versucht, daß Einsteins Judentum und Deutschtum Grund der merkwürdigen soziologischen Errcheinungen sein mögen, zu denen seine Lehre Anlaß gab. Die Einstcinscnsation entstand zur Zeit des Versailler Vertrags: war nicht die Verehrung, die in den Sieger- Staaten der Lehre des Juden und Deutschen Einstein entgegengebracht wurde, etwas wie Kompensation des Sieggefühls, Wiedergutmachung begangenen Unrechts? Die Judenfrage spielte in der' Einstein-Diskussion eine große Rolle, unbewußt (in der Haltung der liberalen Presse) und bewußt fin der antisemiti sehen Agitation). — Wie dem auch sei, es ist Zeit, daß die Lehre Einsteins der Entscheidung der Fachmänner überlassen werde. Einstein selbst leidet zweifellos schwer an einer Popularität, die er sicherlich nicht gewollt hat. Und es ist zu bedauern, daß Schriften, wie die vorliegende, dem Kamel um Einstein eine Form geben, die bisher in der Wissenschaft nicht üblich war. Hätten die Herausgeb er des Buches sich der Mühe unterzogen, alle Einwände gegen Einsteins Theorie zu sammeln, systematisch zusammenzustellen, zu sagen, was die Verteidiger der Theorie an Argumenten vorbrachten, zu zeigen, wfo Lücken der Beweisführung vorliegen, so hätten sie sich ein hohes Verdienst erworben. (Rezensent hat dies vor einigen Jahren in einer in den ״Kant- Studien“ erschienenen Arbeit für eine Anzahl von Argumenten und Gegenargumenten zu tun versucht.) Aber welchen wissenschaftlichen Wert soll es haben, wenn hier neben einer Anzahl sehr sachlicher und ernster Arbeiten das Gutachten eines Professors — auf 3(4 Zeilen — veröffentlicht wird, Einsteins Bezugssystem ,,ist nicht mein Geschmack“, ein anderer in einem Aufsatz von fünf Zeilen erklärt, die Relativitätstheorie widerspreche .,der unbezweifelbaren Kant- Schopenhaüerschen Lehre von Raum und Zeit“? Und ,was soll man dazu sagen, daß die Herausgeber den Beitrag eines Dr. Arvid Reuterdranl aufnehmen, der Einstein ״wegen der bombastischen Reklame seiner närrischen Einfälle als den Barnura der Wissenschaft“ bezeichnet? Auch wenn Einstein nicht die ehrfurchtgebietende, schlichte, aller Reklame abgeneigte Persönlichkeit wäre, die er ist, müßte man diese Art von Polemik aufs tiefste bedauern. Ich glaube, daß sich so mancher Gegner Einsteins, der sachliche Bedenken gegen die Relativitätstheorie vorzubringen hat, in solcher Umgebung nicht wohl fühlen wird. Jerusalem. Hugo Bergmann. Willy Steiger, Mit Hurra zum Sinai. Irrfahrt einer Jugend. Carl Reißner Verlag, Dresden. 5 M. Rudolf de Haas, Der Orangennflanzer von Sarona. Mit Bildem von Karl Mühlraeister. Eußün 8? Laiblins VerlagsbuchhäliäWlHg, Reutlingen. 2 M. In diesen zwei Kriegsbüchern werden die Schicksale zweier junger Deutscher erzählt Der eine erlebt an der Palästinafront alle Schrecken, Enttäuschungen und Gemeinheiten des Krieges, der andere muß als gebürtiger Palästinenser das Land bei der englischen Besetzung verla-sen und kehrt später wieder zurück. In dem Buch von Steiger Ist Palästina nur Schaunlatz; aber die Eigentümlichkeiten gerade des Krieges an der Suezfront mit ihren Strapazen treten hier gut hervor. Der Held des Buches, Hans Jürgen, wird von jeder Kriegsbegeisterung gründlich geheilt und di« menschlichen Worte, mit denen ihn schließlich ein Australier nach tapferer Gegenwehr gefangen nimmt, erwecken ihn zu dem Bewußtsein der Sinnlosigkeit der Menschenschlächterei. Das Buch gehört zu den Kriegsbüchem Remarque’schen Typs. — Auch der junge Templerkolonist Johannes aus Sarona hat grau'.ige Kriegserlebnisse, als er sich aut der Flucht nach Syrien durchschlägt und nach abenteuerliehen Fahrten nach Deutschland gelangt Dezember 1920 schlug für die Palästinadeutschen ״die Stunde der Erlösung“, sie kehrten ins Land zurück. Nun ist es interessant, die Geschichte Palästinas in dieser Epoche mit den Augen dieses Deutschen zu sehen. Der Verfasser ist über den Zionismus sehr gut informiert, er schildert die Vorgänge und zeigt die politischen Probleme, auch die wichtigsten Dokumente werden zitiert, z. B. Herbert Samuels wichtige Rede vom 3. luni 1921, sein erster Jahresbericht. We'zmanns Rede vom Karlsbader Kongreß 1921. Daher ist die Kenntnis dieses Buches für Zionisten recht nützlich, zumal es immer gut ist, Charakter und Denkweise palästinensischer Mitbürger kennenzulemen. Colin Roß, Die Welt auf der Waage. Der Querschnitt von 20 Jahren Weltreise. F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig. 4 M. Derselbe, Der Unvollendete Kontinent. Mit 104 Abbildungen und einer Karte. Ebenda. 8 M. Das Gefühl, daß unsere politischen und wirtschaftlichen Maßstäbe längst überholt sind und die Völker, mit Fragen von gestern beschäftigt, für die eigentlichen Probleme der nächsten Zukunft blind sind, wird durch den zusamraenfassenden Bericht eines kühnen und erfahrenen Weltreisenden, der als begabter Journalist bekannt ist, bestätigt. Das Buch, in dem Colin Ross das Fazit seiner Reise zieht, verdient ungewöhnliches Interesse und seine Gedanken sollten bei jeder politischen Betrachtung berücksichtigt werden. Die Weit ist in rapider Umwandlung, das magische Zeitalter wird von dem technischen abgelöst, ueue Mächte drängen an die Oberfläche und kleinere Reibungsflächen innerhalb der großen natürlichen Komplexe mücsen beseitigt werden, wem! diese Gehilfe sich behaupten wollen. Die Mächte der Zukunft sind Amerika, Rußland, China — und Europa nur im Falle seines Zummmen- Schlusses. CHe eigentliche ״Gefahr“ droht von dem neugeborenen, erstarkten und technisierten China, dessen Kraftfülle in Europa unbekannt ist. Als Beweis für die Kraft der chinesischen Nation führt Ross u. a. au. daß sie als ernzige imstande war, Juden und Araber restlos zu assimilieren. Die ״islamische Gefahr“ wird von Ross be-tritteu, die islamische Welt, weit entfernt von Solidaritätsbewußtsein, flache vielmehr in Struktur und Mentalität dem zerrissenen uropa: ein neuer geistiger Impuls sei für sie heute höchstens von Rußland zu erwarten. Ueber Kolonialpolitik, Rassinfragen, Gesellschaftsformen, Arbeiterbewegung und vieles andere macht Ros beachtenswerte Bemerkungen, die aus dem Leben geschöpft sind nnd die Brüchigkeit der meisten landläufigen Theorien beleuchten. Ob man nun seinen gewagten metaphysischen Perspektiven zustimmt oder nicht, man wird dieses Buch bereichert und nachdenklich aus der Hand le^eu. Ein Einzelprobleni unserer he :tigen Welt-Stru.it ir behaudelt das Australien-Buch, das zwar vor allem fesselnde Reisebeschreibung ist, aber doch viele weit über den ״unvollendeten“ Erdteil hinausreichende Fragen aufwirft Das Buch ist erschienen, bevor die jetzige schwere Finanz- und Wirtschaftskrise ausbrach; um so lehrreicher Ist es, hier das Schicksal eines von der Natur begünstigten Koloniallandes zu studieren. Erst kürzlich hat der auf der Heimreise von der Empire-Konferenz befindliche Prime-Minister Australiens, Mr. Scullin, ln Italien wegen seiner Einwanderungspolitik zu verhandeln gehabt; bei aller Courtoisie bleibt das Einreiseverbot für Italiener, von deren Unbeliebtheit — sie gelten nicht als ״Weiße“ — schon Ross berichtet, weiter bestehen. Ganz Australien hat bisher 6 Millionen weiße Einwohner, nach 150 Jahren Siedlung, die zum Teil mit Verbrecherkolonicn begann, nach harter Arbeit und zum Teil mit ausgiebiger Staatlieber Unterstützung. Bekanntlich wurden in den letzten Jahren wiederholt trotz der großen Unterschiede die neuen Siedlung«- versuche in Australien mit denen in Palästina verglichen, wobei die relativ hohen Kosten in Australien bei zweifelhaftem Erfolg festgestellt wurden. Aber für Zionisten ist die Bekanntschaft mit Australien, wie sie das Buch von Ross vermittelt, auch darum interessant, weil hier Größen Verhältnisse in ein helles Licht gerückt werden; und so sehr dadurch die Leistung in Palästina in der Bewunderung steigt, so werden doch auch gewisse Entwickltmgsphascn kolonisatorischer Expansion verstündlicher. Uebrigens sieht Ross in der Attraktionskraft, des dünn besiedelten ״unvollendeten“ Kontinents auf die übervölkerten Gebiete Asiens eine der großen Konfliktsgefahrcn der nahen Zukunft sch. Carl Grimberg, Weltgeschichte. Leben und Kultur der Völker. I.—III. Band: Altertum. Für Deutschland bearbeitet von Dr. Fritz Eberhard. R. Voigtlände.rs Verlag in Leipzig, 1930. 25 M. Der Vorzug dieser Weltgeschichte liegt darin, daß sie vor allem Kulturgeschichte ist und eine Einführung in die Geistesweit der Völker des Altertums, ihre Literatur, Kunst und sozialen Einrichtungen, gibt. Der erste Band, in welchem vor allem die Darstellung der Aegyptcr und Babylonier, der mit׳ Palästina so eng verknüpften Großmächte des frühen Altertums, bemerkenswert ist, enthält auch das Kapitel über die Juden, worin die Frage des Einflusses der Nachbarkulturen erörtert und in großen Zügen die jüdische Geschichte umrissen wird. Grimberg ist selbst sehr zurückhaltend ln bibelkritischen Ffypothesen und berichtet nur über die begehenden Meinungen. Mit großer Ehrfurcht behandelt Grimberg die Propheten: über Jeremias zitiert er ein Wort von Henrik Schücli, daß dieser vielleicht die gewaltigste Persönlichkeit des Altertums gewesen ist. Ueber die Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil zitiert Grimberg folgende charakteristischen Sätze des amerikanischen Historikers Breadsted: ״In der ganzen Welf ist nichts dem vergleichbar, was hier erzählt wird: wie ein Volk einfacher Hirten aus der Wildnis der arabischen Wüste auszog, uin im Gelobten Land zu wohnen, und dort und in fremdem Lande Erfahrungen sammelte, die es zum Religionslehrer der zivilisierten Welt machten. Eine der wichtigsten Taten, für die wir dem großen Perserkönig Cyrus dankbar sein müssen, war also, daß er das jüdische Volk nach Palästina zurückkehren ließ.“ Wenn mail diese Sätze liest, wird man unwillkürlich Parallelen mit unserer Zeit der ״dritten Rückkehr“ ziehen; denn auch zu Cyrus’ Zeiten war sich die Menschheit der Bedeutung dieses Ereignisses für die Zukunft kaum bewußt. — Der zweite Band des Werkes behandelt die Griechen, der dritte die Römer. Die drei Bände haben zusaramen etwa 550 Abbildungen. Das Buch ist gut lesbar und anregend geschrieben und auch für Jugendliche (z. B. afS Bar Mizwa-Geschenk) ausgezeichnet geeignet. ״Daher Iwrit!“ (Sprich Hebräisch!) — Sammelschrift, redigiert von Dir: M. J a rd e n i, Kowno. Herausgegeben zum lOjfihrigen Jubiläum der hebräischen Schule in Litauen. Das kleine Litauen mit seinen dreihunderttausend Juden ist unter allen Galuthländem die festeste Burg der hebräischen Sprache und die beste Pflanzstätte hebräischer Kultur. Nur in diesem Lande, das mit einem Netz hebräischer Volks- und höherer Schulen überzogen ist, konnte ein Mann es wagen, den Imperativ: Sprich Hebräisch! aufzustellen. Dr. Jardeni, der selbst Direktor eines hebräischen Gymnasiums in Litauen ist, richtet seinen Ruf an die breiten Vofksmassen, besonders aber an die Jugend. — Das Samraclheft enthält Beiträge von Simon Bernfeld, Josef Klausner, Hille! Slatopolski und Chawa Schapira: ״Die Verbreitung des Hebräischen unter den Frauen“. L. Schön haus erzählt seine Erinnerungen aus der ersten ״Konferenz für hebräische Sprache und Kultur“, die vom 19.—21. Dezember 1909 unter Teilnahme von Achad Haam, Sokolow, Ussi chkin und anderen in Berlin stattgefunden hat. Joset Lin gibt in seinem Aufsatz ״Zur Geschichte der hebräischen Bewegung in Deutschland“ interessante Daten über das Entstehen des Gedankens einer hebräischen Kulturkonferenz und die Vorbereitungen zur Einberufung derselben in Berlin. Wenn er aber meint, daß der von ihm begründete Verein ״Safa Berurah“ für hebräische Unterhaltung der erste in Berlin gewesen sei, so muß demgegenüber angeführt werden, daß noch vor diesem Verein ein studentischer hebräischer Sprechverein unter demselben Namen In Berlin bestanden hat, an dem auch Schreiber dieser Zeilen mitgewirkt hat Den Schluß des Heftes bildet der Artikel von Frau Beatrice Mirjam Samuel, der Frau des ersten High CommUsioners: ״Wie ich Hebräisch lernte“, Freunde der hebräischen Kultur und des Hebräischsprechens werden in diesem Sammelhefte manches Interessante finden. Zu wünschen ist nur, daß in den folgenden Heften des Sammelwerkes der Druckfehlerteufel nicht mehr so wütet, wie im vorliegenden. B. S. ,.Die tanzenden Männchen“. Wir erhalten folgende Mitteilung: Kaum einen Monat nach Erscheinen des ״Statist!- sehen Bilderbuches Erez-Israel“ kann schon die Herausgabe einer zweiten Auflage angekündigt werden. Selten hatte eine zionistische Publikation einen solchen Erfolg. Er ist aber nicht überraschend, denn diese 26 Bildtafeln und die gediegene Einleitung bieten dem aufmerksamen Leser wirklieh außerordentlich viel Vor etlichen Jahren gab es einen spannenden Roman, in welchem eine Reihe aufregender Tat- Sachen ans Licht gebracht wurde, indem man den Sinn geheimnisvoller Symbole der ״Tanzenden Männchen“ enträtselte. Nicht aus einem Kriminalroman, sondern aus einem entzückenden kleinen Bilderbuch marschieren auch heute wieder tanzende Männchen vor uns auf, nadi einem bestimmten neuen System gruppiert, dem ״Statistischen Mengenbild“ und infortnie־en uns jeweils auf einen Blick über irgendein interes'antes Faktum aus Palästina und aus der Entwicklung des Aufbauwerkes. Es ist dem Keren Kajemeth sehr zu danken, daß er neben das große Tabellenwerk des Keren Hajessod, welches ja doch ein Handbuch für wissenschaftliche Arbeit eines kleinen Kreises bleiben muß, dieses lehrreiche und zugleich volkstümliche Werk gestellt hat, dessen Material von Dr. Si man -Jerusalem ausgewählt wurde, während die ganz moderne, in der zionistischen Literatur bisher unbekannte Art der Darstellung dem Gra׳- phiker Otte Wal lisch oblag. Wir zweifeln nicht daran, daß auch die zweite Auflage in kurzer Zeit weite Verbreitung gefunden haben wird, denn das Eüchlein, das gebunden nur 1,70 M. kostet, eignet sich ausgezeichnet für Palästina-Kurse und als kleines Geschenkwerk. Heinrich Barczynski veranstaltet eine Kollektivausstellung von Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen in der Kunsthandlung Hugo Graetz, Berlin W 50, Achenbachstr. 21.

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