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Jüdische Rundschau · 1931-03-06 · Heft 18 (6.3.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 18 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer OJt$ Goldmark Droht eine Jüdische Wirtsdmftskatastrophe? ._ JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint Jeden Dienstag!*•Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Atsslands*fe0saam«t1ts werden in dar WÖmmg der einzelnen Linder berechnet. A*»ttMg«mpreia: 8 *asp. NonpweÖl«*efl• 0,50 G^׳M. SteUangerocbe 0,25 G-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m.b.H״ Berlin W15, Meinekestr.lO. Telephon: ] I Bismarck 710570־. P01t1ch«ck - Konten t Berlin 17392, Base! V 9355, Belgrad 680 32, Brite«#! 39433, Budapest 59693. Daus« 1973, Ha•* 140470, Prag 59410. Riga 4155, Straasfeur* 16430, Warschau 190708י Wim 156030' Bank . Kefiian : Danoatadter« «ad Nation alhaak. Depoattea - Kaase Berlin, Kurfürsteodansm 52; Baue» da Eat, Caroaud CRumanian); An*!o Paletti«« Co. in Haifa, Teruaalean, Tel *Aviv. Nummer 18 | Berlin, 6. III. 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. י״ז אדר תרצ״א | xxxvi. Jahr*. Der Zionismus erstrebt für da■ jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm." schauHhai Alls Propaganda Jerusalem soll islamisches Zentrum werden Von Palästina hat sich Schaukhat Ali, der indische mos■ lemische Führer, nach Syrien und Irak begeben, von wo er nach Indien zurückkehrt. Bel dem gegenwärtigen Stand der politischen Entwicklung Indiens ist damit zu rechnen, daß Schaukhat Ali in nicht allzu ferner Zeit zu einer offiziellen politischen Position gelangen wird; schon darum verdient seine Aktion alle Aufmerksamkeit. Die Hoffnung, daß er als Vermittler zwischen Juden und Arabern fungieren könnte, hat sich aus verschiedenen Gründen nicht erfüllt; dennoch wird die zionistische Politik die Bemühung um eine Fühlungnahme mit diesem Führer, der — schon aus seiner religiösen Einstellung — immerhin Verständnis für die jüdische Verbundenheit mit Pa■ listina hat, nicht aufgeben dürfen. Die hebräische Presse Palästinas bringt eine Reihe von Zitaten aus arabischen Presseberichten über die Tätigkeit Schaukhat Alis in Syrien. Der Berichterstatter des ägyptischen Blattes ״Achram“ erzählt, daß Schaukhat in Beiruth den französischen Hochkommissar Ponsot und die führenden arabischen Notabein besucht hat. In dem mesopotamischen Klub im Irak habe er gesagt: Ihr redet viel über die Unabliängigkeit, aber,diese wird nur durch Blut erworben. Er forderte die Versammelten auf, für die moslemische Universität in Jerusalem zu spenden. Er warnte die Studenten vor den Einflüssen Europas und forderte sie auf, zu den Gebrauchen des Orients zurückzukehren. Bei einem Empfang in Beiruth kam es zu Verbrüderungsszenen zwischen Moslems und Christen. Ein moslemischer Führer hielt eine Ansprache, in der er die Verdienste der Christen um die Auferstehung der arabischen Wissenschaft und Literatur feierte. Bei anderer Gelegenheit erklärte Schaukhat Ali, er wolle sich nicht in Politik einmischen, sondern nur für das moslemische Glaubensbekenntnis werben. Trotzdem soll er auch bei dieser Gelegenheit gegen den Zionismus gesprochen haben. Weizmann habe ihm in Ländern gesagt, die Zionisten wollten alle arabischen Linder mit Ausnahme des Hedschas besiedeln, worauf Schaukhat erwidert haben soll: Wenn Ihr könntet, würdet Ihr auch Mekka 2« Eurem Zentrum machen. Schaukhat forderte die reich*■ Syrir «of, ft&fttt -f» PH-isSn* zu kaufen# dasätor nicht in die Hand der Zionisten fällt. Gemäß dem dhristiiclj-arabischen Blatt ״EI Carmel“ in Haifa solj Schaukhat An ge$igt HaMn, e's sei erfreulich, daß es den palästinensischen Moslems gelungen ist, die Sympathie der Christen zu gewinnen. ,Die Moslems allein und die Christen allein sind schwach, verbunden sind sie stark. in aller Kürze Dr. Weizmann ist in Begleitung der Tochter des versterbenen Lord Melchett, Lady Eneigh, auf der Reise nach Palästina in Alexandrien angekommen. Lady Erleigh und Weizmann bezbsichtigen, sich einige Zeit in Aegypten aufzuhalten. Wie jetzt bekannt wird, ist der von der Regierung desLibanon ausgearbeitete Vertragsentwurf mit der Irak- Petroleum-Company, der sich auf die Mündung des einen Arms der Röhrenleitung in Tripoli bezieht, von der Gesellschaft abgelehnt worden. Demnach ist vorläufig nur der* mit der Palästina-Regierung geschlossene Vertrag in Kraft und nur die eine Mündung der Röhrenleitung in H a i f a bisher gesichert. Am 26. Februar besichtigte Emir Abdullah von Trans- Jordanien in Begleitung seines Ministerpräsidenten Khaied Pascha die chemischen Werke am Toten Meer und brachte dem Direktor der Werke, Van Vriesland, gegenüber seine An- Erkennung für die erzielten Fortschritte zum Ausdruck. _ Die Exekutive der Zionistischen Organisation teilt nunmehr offiziell mit, daß die Leitung des Weltraisrachi an ihrem Beschluß, ihre Vertreter aus der Zionistischen Exekutive abzuberufen, endgültig festhält. Anläßlich des ll. Jahrestages von Tel Chaj (ll. Adar) veransfalteten sowohl die Revisionisten als auch die Arbeiterpartei einen Gang zum Grabe Josef Trtimpeldors. Auch in Bamath Hathel bei Talpioth, wo der Gdud Awodah angesiedelt Ist, fand eine Kundgebung statt, an der mehrere hundert Arbeiter Teilnahmen. Die Purim-Festlichkeiten wurden Sonnabend, den G. februar. abends, in Jerusalem durch einen Ball im ״Hotel Bönig David“ eingeleitct. ln Tel-Awiw fand am gleichen Abend eme Festbeleuchtung mit Feuerwerk statt. Am Montag, dem ״■ März, abends, zeigten die Sirenen der Feuerwehrbrigaden durch zweiminutenlanges Pfeifen den offiziellen Beginn der f urim-Feier an. In Tel-Awiw sind mindestens 15 große Veranstaltungen, darunter ein großer Karnevalszug durch die otraP.en, in Aussicht genommen. Im Laufe dieser Woche wird in Tel-Awiw der 70. Geb.llrMaß des Bürgermeisters Mayer Pizengoff gefeiert. Anläßlich seines 70. Geburtstages veröffentlicht Dizengoff seine > agebücher über Tel-Awiw während des Weltk r 1 e g e s. Der Ertrag dieser Publikation ist den Zwecken des ,ni Hause Dizengoffs zum Angedenken an seine vor kurzem verstorbene Gattin eröffaeten Palästina-Museums gewidmet. Bialik hat nach mehrwöchigem Aufenthalt in London Oie Rückreise nach Palästina angetreten. Der polnische Senat hat die Regierungsvorlage, betreffend Abschaffung der aus der Zare!t?eit stammenden gesetziichen Beschränkungen gegen die Juden in Polen, mit einigen Aenderungen angenommen. Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten hat die vegterungsvorlage, die die Einwanderung für die Dauer zon zwei fahren auf 10 % der gegenwärtig zugelassenen Konfingest« beschrlakt, angeuoramea. Schaukhat erklärt, er wolle nach Palästina zurückkehren, um an der Aktion teilzunehmen, die zum Siege führen soll. Er habe mit Dr. Weizmann und mit Col. Kisch gesprochen, beide haben ihn gebeten, als Vermittler zwischen Juden und Arabern aufzutreten. Als ich sie aber — fährt Schaukhat Ali fort — nach ihren Zielen fragte, verstummten sie. Zum Schluß fordert Schaukhat Ali die Palästinenser auf, der Führerschaft des Mufti zu folgen. ״Dawat* beklagt sich darüber, daß dem landfremden Schaukhat Ali gestattet wurde, frei in Palästina herumzureisen und antijüdische Agitationsreden zu halten, während Jabotinsky, der mit seiner ganzen Lebensarbeit mit Paiästina verbunden ist, die Einreisebewilligung nicht erteilt wird. Die arabische Zeitung ״A 1 Chajath“ schreibt, sie habe erfahren, daß in arabischen Kreisen eine Organisation aut breiter Basis gebildet wurde zu dem Zweck, alles, was von Zionisten kommt, zu boykottieren. Der Boykott solle in aller Stille, ohne überflüssigen Lärm durchgeführt wenden. Seine Resultate werden später klar zutage treten. Der ״Dawar“ vom 24. Februar beschäftigt sich mit den Gerüchten eines geplanten arabischen Boykotts und betont, daß die arabische Boykottaktion im Jahre'1929 den Arabern selbst großen materiellen Schaden gebracht habe. Haben die arabischen Führer daraus nicht gelernt, oder liegt ihnen nichts am Wohlergehen der arabischen Arbeiter und kleinen Leute? Die Juden werden jedenfalls nicht mit einer Kampfansage ant- Worten, da es sich doch nur um einen Versuch handelt, das wankende Prestige der arabischen Führer zu stützen. Das Organ des ägyptischen Wafd ״El Di]a“ bespricht in einem längeren Artikel den MacDonald-Brief und kommt zu _detn Schluß: der Abbruch der Beziehungen zwischen den palästinensischen Arabern und. England wird auch auf alle Lindervon E i n f lu ß sein, die an den Gefühlen der palästinensischen Araber Anteil nehmen. Daz« gehören tutlleftrt die irabiskhea Lflrfer,!täoilleh Syrien, fernen, Hedsfcbas und Irak, ferner alle dem Islam treue« LS«• der. Je mehr England auf die Juden Rücksicht nimmt, um so weniger darf es sich darüber täuschen, daß es dadurch hunderte Millionen Moslems gegen .sich, aufbringt. Das Blatt sagt zum Schluß voraus, daß die Absichten Dr. weizmanns, bei seinem Besuch in Palästina eine Verständigung mit den Arabern zu suchen, notwendigerweise zum Scheitern verurteilt sind. Aufforderung zu Pogromen Seit dem Exodus der Nationalsozialisten aus dem Reichstag führt deren Presse eine gegen die Juden gerichtete Hetzsprache, wie sie selbst in den schlimmsten Tagen der judenfeindlichen Propaganda der Nazis nicht gebraucht wurde. Anlaß zu diesen scharfen Hetzartikeln der Nationalsozialisten geben fast immer Aufsätze und Aeußerungen linksstehender jüdischer Literaten oder Politiker, die sich in den allermeisten Fällen längst vom Judentum losgesagt haben und dennoch von den Antisemiten als Repräsentanten und Interessenwahrnehmer der jüdischen Gemeinschaft erklärt werden. lieber diese Seite des Problems, daß jüdische Fahnenflüchtige die Situation der Juden erschweren, soll bei einer anderen Gelegenheit gesprochen werden. Wir wissen zwar sehr gut, daß den berufsmäßigen Judenhassern jeder Anlaß gut genug ist, am die Juden zu bedrohen und daß es, im Grunde genommen, einerlei ist, wie sich die Juden verhalten, wenn sie nur von den Antisemiten als ein Kollektivum unterschieden «׳erden können — immerhin müßte man auf jüdischer Seite diesen Sachverhalt scharf herausarbeiten, damit innerjüdisch Klarheit geschaffen werde. Sehen wir vom Anlaß ab (es handelt sich um ein geschmackloses Gedicht Theobald Tigers [KurtTucholsky) in der ״Weltbühne“ gegen Göbbels), so bleibt die Feststellung, daß die Nationalsozialisten offenbar im gegenwärtigen Augenblick bestrebt sind, ihre Agitation vornehmlich auf die Straße zu tragen und daß ihnen als bequemstes Angriffsobjekt die Juden erscheinen. In einer der letzten Nummern des Berliner ״A n g r i f f“, dessen zeitweiliges Verbot durch den Berliner Polizeipräsidenten Grzesinski vom Reichsgericht als unrechtmäßig erklärt wurde, weswegen Dr. Göbbels, der Herausgeber des ״Angriff“, Schadenersatzansprüche an den Polizeipräsidenten stellt, heißt es, ״man dürfe sich nicht wundern, wenn in Deutschland der Antisemitismus wächst und der Judenhaß in den breiten Massen Formen angenommen hat, die, ohne daß einer dazu aufzurufen brauchte, gewaltsam zu Entladungen drängen“. Diese Ausführungen sind eine direkte Aufforderung zu Pogromen. Es muß Wunder nehmen, daß die Behörden nicht mit einem neuerliehen Zeitungsverbot eingegriffen haben. Bedrohung so schwerer Art widerspricht zweifellos den bestehenden Gesetzen. Daß es sich nicht nur um Redefloskeln handelt, beweisen die Vorkommnisse während vieler Jahre. Oder steht man etwa auf dem Standpunkte, daß der Schreiber der zitierten Sätze, Dr. Göbbels, nach § 193 in Wahrung berechtigter Interessen handelt? Durch die neue Geschäftsordnung des Reichstages ist ja «He Immunität von Abgeordneten für straffällige Aeußerungen außerhalb des Reichstages aufgehoben. Wir hüten uns, immer wieder nach dem Kadi zu rufen. Wenn aber die Bedrohung solch greifbare und direkte Formen annimmt, wie in dem zitierten Aufsatz des ״Angriff“, dann ist das Eingreifen der Behörden deren gesetzliche und politische Pflicht 8. a. Der Reichsverband der deutschen Juden Zur bevorstehenden Tagung des Preußischen Landesverbandes Von Dr. Aron Sandler. In allen Schichten und bei allen Parteien des deutsehen Judentums findet der Ruf nach dem Reichsverbande der deutschen Juden lauten Widerhall. Zwar werden zwei wesentliche Arbeitsgebiete des Reichsverbandes, die Unterstützung leistungsschwacher Landesverbinde und die Schaffung und Erhaltung von jüdisehen Reichsanstalten und -einrichtungen, infolge der finanziellen Notlage der Gemeinden und Landesverbände voraussichtlich für längere Zeit zurücktreten müssen.״ Aber die Vertretung der deutschen Judenheit gegenüber der Oeffentlichkeit und gegenüber den Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und Justizbehörden wird in dieser Zeit, in der das Judentum und die Judenheit von Stürmen umtobt ist, in weiten Kreisen der deutschen Juden als dringendste und unaufschiebbare Aufgabe des zu schaffenden Verbandes empfunden. Der Reichsverband, eine Körperschaft öffentlichen Rechts nach Artikel 137 der Reichsverfassung, muß als Sprachorgan der deutschen Judenheit von stärkster Autorität getragen sein und daher in seinem Aufbau in der Gesamtheit der jüdisehen Bevölkerung wurzeln. Die Reichsarbeitsgemeinschalt der Verbände, die dieser Autorität entbehrt, stellt nur ein Provisorium dar, dessen Verewigung und ״Umgestaltung“ zu einer legitimierten Vertretung wir uns auf das energischste widersetzen würden. Zwei Verfassungsentwürfe sind von dem Delegiertentag des Preußischen Landesverbandes abgelehnt worden. Die Hauptgründe, die die Jüdische Volkspartei zur Ablehnung führten, sollen kurz wiederholt werden. Die Entwürfe sahen die Schaffung von zwei Gremien, eines Rates und einer Reichstagung, vor. Der Reichstagilffe war eine rein dekorative Roll« »gedieht, wihrend alle wesentlichen Kompetenzen in den Händen eines Rates vereinigt werden sollten, dessen Mitglieder von den Riten der einzelnen Landesverbände delegiert werden sollten. Die Volkspartei verlangte dagegen eine aus Urwahlen hervorgegangene Reichsvertretung der deutschen Juden als alleinige Trägerin aller wesentliehen Kompetenzen und als Hauptorgan des Verbandes. Dort wäre also kein Platz für Delegierte von Landesjudenheiten oder — nach einem anderen Wahlmodus — von Landesverbänden gewesen, in denen es demokratische Urwahlen überhaupt nicht gibt. Während die Entwürfe in dem Namen des Reichsverbandes seinen Charakter als eines Dachverbandes der einzelnen Landesverbände zum Ausdruck brachten, verlangte die Volkspartei die Schaffung eines ״Reichsverbandes der deutsehen Juden“. Die Pflege des Gesamtbewußtseins der deutschen Juden und die daraus folgenden Aufgaben galten uns als wichtigstes Arbeitsgebiet des neuen Verbandes. Während ferner die Entwürfe besondere Ausschüsse nur für ״die beiden religiösen Hauptrichtungen“ vorsahen, nahm die Volkspartei für sich das gleiche Recht in Anspruch. In Nr. 3 der ״Jüdisch-Liberalen Zeitung“ veröffentlicht nun Dr. Walter Breslauer einen neuen liberalen Entwurf, der allerdings noch keinerlei offizielle Zustimmung gefunden hat — nicht einmal bei den liberalen Mitgliedern der vorigen Landes- Versammlung — und daher im folgenden als Entwurf Br. bezeichnet werden soll. Wir übergehen die Einleitung, die Dr. Breslauer dem Entwurf Vorausgeschickt hat, gedenken also nicht, die vielfachen, schlecht gezielten Hiebe zu parieren, sondern wollen — in dem ehrlichen Streben, vorwärts zu kommen — untersuchen, ob und inwieweit uns dieser Entwurf dem Ziele einen Schritt näherbringt. Es sei von vornherein gesagt, daß der Entwurf mehrere Elemente_ enthält, die die Verständigungsbasis zu verbreitern geeignet sind. Zunächst führt der Entwurf Br. das Einkammersystem ein. Wir haben stets dieses System auch für den Preußischen Landesverband gefordert und haben hier und da sogar bei den Liberalen für diese Forderung Verständnis gefunden. Es muß verstanden werden, daß selbst diejenigen, die das Einkammei- System für Preußen ablehnen, weil sie eine besondere Vertretung der Gemeinden für notwendig halten, über deren Steuersäckel die Urwähler aus den Klein- und Mittelgemeinden nicht sollen frei verfügen können, doch für den Reichsverband das Einkammersystem konzedieren dürfen, weil dieser Verband über keine eigenen Einnahmen verfügen wird. Er wird seine Mittel von den Landesverbänden mit Zustimmung ihrer Räte erhalten müssen. ־ Der Entwurf Br. sieht jüdische Verbände als Mitglieder des Reichsvertamdes vor. Die Delegiertenversammlung soll sich im .wesentlichen aus Delegierten zusammensetzen, von denen ein jeder 10000 Seelen vertritt. Diese Delegierten ״werden von den Gemeindeverbänden ernannt“. Zunächst verschwindet alsoder Rat, und es sollte sich daraus ergeben, daß alle Kompetenzen, die ihm früher zugesprochen werden sollten, in vollem Umfange auf die Delegiertentagung übergehen. Das Präsidium der Versammlung stellt lediglich eine Exekutive dar, die die Beschlüsse der Ver- Sammlung auszuführen hat, sie stellt also nicht wie der Rat ein Gremium dar, dessen Zustimmung za den Beschlüssen der Delegjertentaguag erforderlich wäre.

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