Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 17 (3.3.1931)
- Date
- 1931-03-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653269--22192-2680379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
- Riga 2× ep/1000826
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
Purim * Erinnerungen Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag «.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark, Au5Uncta«b©nnem«mts werden ia der Währung: der einzelnen Länder berechnet. Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareillexeil© 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Nummer 17 Berlin, 3. III, 1931 Redaktion, Verlag und Anzeigen*Verwaltung: Jüdische RunJschauG.tn.b.H.,BerlinW15, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß; Dienetag and Freitag nachmittag« 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Poiuthetl Konten: Berlin 17392, B»»*I V 9353, Belgtsd 68032, Briiteel 39433, Budapwit 5969.3, Danzig 1973. Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155, Straiabur* 16430, Warschau 190708, Wien 156 0301 Bank *Konten: Darmstitdter- und Naüotialbank, Depoaiten -Kaas« Berlin, Kurfünttendatntn 52; ßanra de Est, Cemauli (Rumänien); Angln Paleitine Co. in Haifa, ieruaaletn, Tel *Aviv. "ד אדר חרצ״א IjmCVLJftfcrg. . Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm." in aller Kürze Dem Generalsekretariat des Völkerbundes ist soeben seitens der britischen Regierung der vom Premierminister an Dr. Weizmann gerichtete Brief, der eine autoritative Interpretation des Weißbuches vom Oktober 1930 enthält, zugestellt worden. Abschriften sind allen Mitgliedern des Völkerbundsretes und der Mandatskonimission gesandt worden. Wie die JTA. mitteilt, wurde die Veröffentlichung des Berieht es der Klagemauerkommission, die für den 26. Februar in Aussicht genommen war, vorläufig zurückgestellt. Professor Einstein hat sich bereit erklärt, am 4. März an einem großen Bankett im Hotel Astor inNewYork zugunsten der Palästina-Kampagne teilzunehmen, in derselben Nacht tritt Einstein die Rückreise nach Deutschland an. Die Judenheit Palästinas wird in diesem Jahre das Purimfest wieder durch einen Karneval in Tel-Awiw, wie er in früheren Jahren regelmäßig veranstaltet wurde, feiern. Wie wir bereits berichtet haben, hielt Herr Leib J a f f e , Direktor des Keren Hajessod, am 21. Februar im Warschauer Rundfunk einen Vortrag über Palästina in hebräischer Sprache. Der Redner brachte den Hörern zunächst einen Gruß der Juden Palästinas und schilderte dann das Erwachen dieses Landes unter dem Einfluß der jüdischen Arbeit. In der ihm eigentümlichen poetisch beschwingten A.rt gab er in wenigen Strichen ein eindrucksvolles Bild des neuen jüdischen Lebens im alten Lande der Väter. Wie wir erfahren, hat die Rede Jaffes einen außerordentlichen Eindruck auf die Rundfunkhörer Polens gemacht. Die Hauptkommission des polnischen Senats hat jetzt mit allen gegen die Stimmen der Nationaldemokraten die von der Regierung eingebrachte Gesetzesvorlage über Ab- Schaffung der noch aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung a n g e n 0 m - m e 11. An der Annahme der Vorlage durch das Senatsplenum wird darum nicht mehr gezvveifelt. Das Administrative Committee der Zionistischen Organisation von N e w Y o r k hat unter dem Vorsitz von Louis Lipsky nach einer Debatte, die einen vollen Tag in Anspruch nahm, eine Resolution gefaßt, in der der Befriedigung der New Yorker Zionisten über die in dem Brief der englischen Regierung an Prof. Weizmann gegebene Interpretation des Weißbuches Ausdruck verliehen wird. Dr. Weizmann und seinen Kollegen wird vollste Anerkennung ausgesprochen. Komzet, kündigt folgendes Kolonisation *programm für das Frühjahr 1931 an: 3200 jüdische FämJ&ett sollen in der Krim angesiedelt werden, davon 1400 in dem kürzlich eröffneten •jüdischen autonomen Rayon Freidorf, 1000 im Distrikt Eupatoria, 300 im Sinforopoler Distrikt, 275 im Konkoi-Distrikt, 75 im Seitler-Rayon und 50 in Korosubazar. Nach Biro-Bidschan werden insgesamt 450 Familien gesandt werden. Professor Sossis, der an der weißrussischen Universität in M i n s k Vorlesungen über die Geschichte der jüdischen arbeilenden Klasse hielt, wurde als ״unverbesserlicher nationaler Opportunist‘‘ aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen, u. a. weil er in seinen Vorlesungen und Schriften die ״konterrevolutionäre menschewikische Organisation Bund“ idealisiert, in freundschaftlichen Beziehungen zum Jiddisch-Wissenschaftlieben Institut in Wilna gestanden, jüdischen Historikern, die bourgeoise Tendenzen verfolgen, Anerkennung gezollt habeusw. Die in Riga in jiddischer Sprache täglich erscheinende Zeitung ״Frimorgn“ beging in diesen Tagen das Jubiläum ihres fünfjährigen Bestehens und gab aus diesem Anlaß eine reichhaltige illustrierte Festnummer heraus. Die Lehre von Braunsdiweig Zu den dortigen Gemeinde- und Kreistags wählen Die Kampagne!Br den N.-F. in Amerika New York, 26. Februar. (J.T.A.) Zu Ehren des Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds, Ussischkin, wurde in New York am Tage vor seiner Rückreise nach Palästina ein Abschiedsbankett veranstaltet, an dem über 2500 Vertreter jüdisclier Organisationen teilnahmen. Ussischkin hielt eine Anspräche, in der er erklärte, der Brief der englischen Regierung über die Palästina-Politik habe den Juden das Gefühl der Sicherheit nicht wiedergegeben. Die Zukunft Palästinas könne nur dann sichergestellt werden, wenn die Zionisten alle Anstrengungen machen, um das Nationalheim aufzubauen. Auf dem Bankett wurden 12 500 Dollar in Beträgen zu 25 Dollar für den jüdischen Nationalfonds gesammelt. Dieser Betrag stellt die erste Teilzahlung zu dem von der New Yorker Nationalfondsliga beschlossenen Ankauf von 40 000 Dunam Palästina- Roden für eine neue Siedlung unter dem Namen Nachlath New York dar. Am 24. Februar ist Ussischkin an Bord der .,Bremen“ nach Europa abgereist. — Agronom Ettinger begibt sich nach Amerika, um die Kampagne für den Keren Kajemeth fortzusetzen. Die Kongreß - Schekelsammlnng Alle Ortsgruppen und Schekelvertrauensleute werden hierdurch dringend dazu aufgefordert, die nächsten Wochen In erster Linie für die Schekelsammlung auszunutzen. Es muß in dieser Zeit durch intensive Kleinarbeit, die vor allem auch darin bestehen muß, die Schekelzahler früherer Jahre wieder zu erfassen, erreicht werden, das bisher sehr unbefriedigende Schekelergebnis wesentlich zu verbessern. Es gilt, ein zehntes Kongreß-Mandat zu erreichen! Wir bitten alle Gruppen und Schekelvertrauensleute dringend darum, über den Fortgang der Sammlung zu berichten und uns ihre Wünsche für die Unterstützung der Sammlung zu unterbreiten. Die Landesschekelkommisslon der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin W15, Meinekestraße 10, Die Gemeinde- und Kreistagswahlen in Braunschweig, einem deutschen Bundesstaat von 500 000 Einwohnern, bildeten in den letzten Tagen den Brennpunkt des allgemeinen politischen lnteresses in Deutschland, ln Braunschweig sitzen seit den Reichstagswahlen am 14. September 1930, an welchem Tage dort auch der Landtag gewählt wurde, die Nationalsozialisten in der Landesregierung und Dr. Franzen hat bereits in seiner Eigenschaft als Polizei-Minister sehr viel von sich reden gemacht. Bei den Wahlen am 1. Marz sollte sich nun zeigen, ob die Bevölkerung Braunschweigs mit dem nationalsozialistischen Regime zufrieden ist und ob die dauernd steigende Flut der nationalsozialistisehen Wählermassen eine Zu- oder Abnahme erfahren wird. Das Ergebnis liegt nun vor. Trotzdem die Matadore der Regierungsparteien, also der Sozialdemokraten, Staatspartei und der anderen bürgerlichen Parteien, nach Braunschweig geeilt waren und dort eine außerordentlich lebhafte Propagandatätigkeit entfaltet hatten, ist es doch nicht gelungen, die Stimmenzahl der Nationalsozialisten gegenüber den Reichstags- und Landtagswahlen vom September 1930 zu verringern. Nach den vorläufigen Zählungsergebnissen vom 2. März morgens haben die Nationalsozialisten in den einzelnen Kreisen Braunschweigs 85 (KW Stimmen erreicht, während sie bei den Landtagswahlen am 14. September 1930 nur 83 (WO Stimmen aufzubringen vermochten. In der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Braunschweig haben die Nationalsozialisten nunmehr 10 Sitze, während sie in der alten Stadtrepräsentanz nur einen Vertreter hatten. Gegenüber den Reichstagswahlen erhöhte sich die Zahl der nationalsozialistischen Stimmen in der Stadt Braunschweig um fast 2000. Die Zahl der sozialistischen Stimmen ging um 13 000 zurück, dafür erhöhte sich die Zahl der kommunistischen Wähler beträchtlich. Aus diesen Zahlen geht unzweideutig hervor, daß der Anhang der nationalsozialistischen Partei noch immer im Wachsen ist, während sich die Zahl der Wirgerlftfien Stimmen dauernd vermindert. Die Wählerzahl der sozialistischen Arbeiterparteien, Sozialdemokraten und Kommunisten, bleibt ungefähr gleich, nur daß sich das Kräfteverhältnis zwischen Sozialdemokratie und Kommunismus zugunsten der Kommunisten verschiebt. Natürlieh ist der Wahlausgang in Braunschweig nicht unbedingt ein Beweis, daß der Nationalsozialismus unwiderstehlich vorwärts schreitet. Sicher aber sind die braunschweigischen Wahlen kein Zeichen dafür, daß sich der Einfluß dieser Partei auf die deutsehen Wählermassen vermindert hätte, wie einzelne Pressestimmen zu behaupten wagen. Derartigen Auffassungen widersprechen die festgestellten Wählerziffern für die Nationalsozialisten, wobei zu bemerken ist, daß trotz der gegenüber den Reichstagswahlen geringeren Wahlbeteiligung sich die Zahl der nationalsozialistischen Stimmen in Braunschweig nicht unerheblieh vergrößert hat. Für uns Juden ergibt sich auch aus den braunschweigischen Wahlen eine Bestätigung der allgemein empfundenen Situation: die nationalsozialistischen Schlagworte haben sich in der Oeffent- Iichkeit durchgesetzt und sind nicht nur bei der nationalsozialistischen Partei, sondern, weit über diese hinaus, auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens in Geltung. Wenn man die Rechtssprechung in Deutschland unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, so findet man, wie Theodor Wolff am 22. Februar im ״Berliner Tageblatt“ in seinem Aufsatz .,Gelehrte Richter“ eindrucksvoll ausgeführt hat, daß sehr viele Urteile, welche jetzt in Deutschland gefällt werden, im Geiste der Güntherschen Rassenlehre abgefaßt sind. Fast jede Partei in Deutschland beugt sich dem Terror der nationalsozialistischen' Rassentheorie und zieht es vor, sich vom Vorwurf reinzuhalten, eine Judenschutzpartei zu sein. Das heißt, man hütet sich sehr oft, für eine gerechte Sache einzutreten, wenn mit dieser Sache irgendein Jude in Verbindung steht. Die Nachgiebigkeit in der Judenfrage ist ein Symptom dafür, daß die Nationalsozialisten mit ihren antijüdischen Programmpunkten die Linie des geringsten Widerstandes in der deutschen Oeffentlichkeit cingeschlagen haben. Gegen das außenpolitische Programm der Nationalsozialisten, gegen ihre wirtschaftspolitischen Phantastereien wenden sich nüchterne Parteien und nüchterne Politiker mit allergrößter Entschiedenheit und erklären die Nationalsozialisten wegen dieser Programmpunkte als regierungs- und bündnisunfähig. Das antijüdische Bekenntnis und die radau-antijüdische Betätigung der Nationalsozialisten spielen bei der Beurteilung dieser Partei durch die anderen Parteien eine nur sehr untergeordnete Rolle. Der unerbittliche Judenhaß der Nationalsozialisten ist eben nur für die Judenheit in Deutsch-!and eine zentrale Angelegenheit, für die Nichtjuden ist er im besten Falle ein Schönheitsfehler der Nazis, in den meisten Fällen eine Sache, die man mit Gleichgültigkeit und Stillschweigen übergeht. Dieser Auffassung ist auch Friedrich Franz von Unruh, welcher in der ״Frankfurter Zeitung“ eine sehr lesenswerte Artikelserie über den Nationalsozialismus veröffentlichte. Er beschäftigt sich mit der Möglichkeit einer Wandlung im Programme und in der Taktik der Nationalsozialisten und kommt 8* dem Ergebnis, daß die Nazis bereit sind, mit sieb über tüte* Mögliche reden und handeln zu lassen, nur in zwei Punkten gibt es für sie keinerlei Umkehr, das ist de/ Kampf gegen den Young-Plan und der Kampf gegen die Juden. Denn diesem Kampfe verdanken sie ihren Aufstieg und sie können nicht, wenn sie ihren Einfluß bewahren wollen, den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Man muß auf jüdischer Seite die Tatsache im Auge behalten, daß aus sehr vielen Gründen, die mit dem Judentum gar nichts zu tun haben, ein ungeheurer Teil des deutschen Volkes der nationalsozialistischen Partei Gefolgschaft leistet und daß ein großes Maß des Seelenaufschwungs, welcher die Gefolgschaft hinter Hitler bedingt, der Judenhaß ist. Friedrich von Unruh bemerkt, offenbar auf genauer Kenntnis fußend, in seinen Aufsitzen auch, daß sich unter den Mitläufern der Nationalsozialisten viele jüdische Typen befinden, ״Menschen, die jedem Verdacht durch Hakenkreuzschlagen begegnen“ wollen. Wir sind nicht in der Lage, diese Angabe nachzuprüfen. Möglich ist das aber schon. Hat doch das Organ der Nationaldeutschen Juden sich ernstlich mit der Frage befaßt, ob ein Jude Nationalsozialist sein kann und sich in einer Zuschrift eines Nationalsozialisten bescheinigen lassen, daß dies unter gewissen Umständen doch möglich sei. $. n. Presseschau Was plant England Im Mittleren Osten? Die ״G ermania* vom 26. Febniar bringt einen Leitartikel ihres Haifaer Korrespondenten, der von einer ״überraschenden Wendung“ in der Finanzierungsfrage der Eisenbahn Haifa — Bagdad und der Pipeline Haifa—Mossul zu berichten weiß. Der Hauptinhalt des Artikels, den man trotz des sonst seriösen Charakters der ״Germania“ wohl nicht für durchweg fundiert wird halten dürfen, geht dahin, daß das Colonial Office plane, die riesigen finanziellen Lasten, die sich aus der Durchführung jener beiden Unternehmungen ergeben müssen, den Mandatsländern — also Irak, Transjordanien und Palästina — aufzubürden, während man bisher gar nicht daran gezweifelt habe, daß nicht nur die Mittel zur Realisierung der Projekte aus englischen Quellen fließen würden, sondern daß England auch die Verantwortung für die Verzinsung und Amortisation des Kapitals übernehmen würde. England wolle also die armen Mandatsländer zur Bezahlung zweier Unternehmungen zwingen, die ganz vorwiegend dem strategischen Interesse des Empire und dem wirtschaftlichen der englischen Petroleumgesellscnaften dienten. Das sei aber nur ״die konsequente Weiterführung eines von Anfang an von England in seinem vorderasiatischen Mandatsbereich angewandten Systems“. Einen Präzedenzfall bilde z. B. die Sinaibahn, die während des Krieges zur Unterstützung des Allcnbyschen Vorstoßes gegen Palästina gebaut worden sei — und zwar mit Material und Zwangsarbeit aus Aegypten —, die England aber nachher nicht nur zu einem ihren Realwert weit übersteigenden Satz in die englischen Kriegskosten habe aufnehmen und von Deutschland bezahlen lassen, sondern die das Colonial Office durch ein besonderes Kunststück bei der Uebernahme der Bahn, durch die palästinensische Eisenbahnwaltungsich nocheinmalhabebezahlenlassen, und zwar aus der von Palästina aufgenommenen Anleihe von 4/4 Millionen Pfund, die eigentlich nur zu konstruktiven Zwecken, für den Aufbau des Landes, bestimmt war! Durch die Nachlässigkeii der Mandatskommission, die die Berechtigung der englischen Forderung nicht nach geprüft habe, sei damals das Manöver geglückt! — Jetzt wolle man offenbar ähnlich vorgehen. Das Baugebiet der Pipeline und der Bagdadbahn werde in drei Zonen eingeteilt, deren erste an das irakische Bahnnetz angegliedert werden solle. Die auf zirka 6 Millionen Pfund geschätzten Baukosten würden als eine von der Bahnverwaltung des Irak kontrahierte Anleihe betrachtet werden, Zinsendienst und Amortisation sollten aus den Einnahmen der irakischen Eisenbahnen erfolgen. Weitere 3 Millionen Pfund entfielen sodann auf die sogenannte Wüstenbahn zu Lasten Transjordaniens. Da die Kassen des Emirates völlig leer seien und der Staatshauslialt nur mit Hilfe namhafter Zuwendungen a u s d e m p a - lästinensischcn Budget aufrechterhalten werde, so solle die Garantie für Kapital und Zinsen des transjordanischen Anteils in den ersten Jahren gemeinsam von Palästina, dem für besondere Zwecke bestimmten Middle Eastern Votes Fund und dem Sicherheitsfonds der Petroleumgesellschaffen übernommen werden. Die restliche Baurate von 3'׳j Millionen Pfund sollten in den palästinensischen Etat hineinfrisiert werden, — wie, darüber habe der Bevollmächtigte der Irak Petroleum‘ Co., namens Scleros, mit der palästinensischen Regierung gewisse Abmachungen getroffen, die zurzeit noch in Downingstreet nachgeprüft würden. — Die Folgen dieser eigentümlichen ״finanziellen Entlastungsoffensive“, die von den englischen Staatsstellen zusammen mit den Petroleumgesellschaften unternommen worden sei, machten sich bereits in sämtlichen betroffenen Mandatsländern in einer unerhört scharfen Kritik bemerkbar. Selbst bisher durchaus englandfreundliche Politiker, wie der ehemalige Premierminister des Irak, Yassin Pascha el Haschimi, kündigten schärfste Opposition bei der Beratung der Verträge im Parlament an. Vor allem aber würde die aufgeregte Stimmung der arabischen Welt von den Bolschewisten gut ausgenützt, die zur Durchkreuzung der englischen Pläne eine ihrer geschicktesten Agentinnen, Frl. Sachnowska alias Neumark, nach dem Mittleren Osten entsandt und durch sie bereits Verbindung mit einer Reihe von einflußreichen arabischen Persönlichkeiten hergestellt hätten, die bisher bolschewistischen Einfltissen unzugänglich waren. Die ganze, unter bolschewistischer Führung stehende Aktion stehe unter der Parole: ״Gegen die