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Jüdische Rundschau · 1931-02-24 · Heft 15 (24.2.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 15 (24.2.1931)
Date
1931-02-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummrr 0,23 Goldmark Die Wanderungen der Juden JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag «.Freitag, Bezugspreisbei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AusUndsA!־tocm<*m«3t* wwrdes m d«? Wihrong d«r «in2«121et1 Lander ber«dbsw*t« Auxwig^npreis 8 צ ß#׳«p. NonparpüJezeile* 0,50 G.-M. StaHcrnfMudb« 0,25 G.-M. Wammer 15 | Berlin, 24. II. 1931 Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische RundachauG-m.b.H., Berlin W15, Meinakeatr.10. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Anz*%«nscjb311£: Di«B*t«K and Frriug nachtnitfjg« 4 U b r RedalttionaschluK Sonntag und Mittwoch nachmittag. Poitichrci - Konten: B«rUu 17392, B«*«l V 9355, B#skr«<il 68032. Brüssel 39433. Bud*p^t 59693. V*rai* 1973. Ha»g 140 470. Prag 59410, Ri« 4155, Str**s>burg 16430, Wuntckati 190708, Wi«n 156030. Rank ־ K o n t n J Darm»täde׳*r. und Na00n*lh»r»]k, D*posiu*n -K*«•* Berlin. Kurftir־*t«ndajnOT 52; Bsaca de E*f, Cernauti (Rumänien); Anglo Palestie** Gain Haifa, J*ru«aJ**tn, Tel -Aviv. Volfc <He Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.*‘ ln #ller Kürze Am 20. Februar hat Dr. Weizraann seine Reise nach Palästina angetreten. Vor seiner Abreise gab Dr. Weizmann einem Vertreter der ״Jewish Times“ die Erklärung ab, er werde auf keinen Fall über den Zionisten kongr? ß hinaus die Führung beibehalten. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird der Bericht der Internationalen Klagemauer-Kommission, die auf Ersuchen der britischen Regierung vom Völkerbundsrat eingesetzt wurde, um die Frage der Ansprüche von Juden und Mohammedanern auf die Klagemauer zu klären, am 26. Februar gleichzeitig in Jerusalem und in London veröffentlicht werden. Ussischkiri verläßt am 25. Februar Amerika, um nach Palästina zurückzukehren. Colonel Kisch und David Je 11in haben sich nach Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, begeben, wo sie auf Einladung Emir Abdullahs an einem Bankett teilnehmen wtrden, bei dem der 80jährige Vater des Emirs, Exkönig Hussein von Hedschas, anwesend sein wird. ' ־ Infolge von Wolkenbrüchen Im Hauran-Gebiet ist Im Jarmuk plötzlich Hochwasser eingetreten. Die reißenden Fluten haben den Zuleitungs-Obergraben des Ruthenberg-Kraft- Werkes in einer.Breite von 30 Metern durchbrochen, und den äußeren Transformator der Station beschädigt. Dadurch wird die Eröffnung des Kraftwerkes etwas verzögert werden. Wie die Leitung des American Joint Distribution Committee mitteilt, wird die amerikanische Kampagne zur Aufbringung von 2»/* Millionen Dollar für das Wiederaufbauwerk in Osteuropa in den nächsten Tagen aufgenommen werden. Pie Repräsentanz der Jewish Agency in Polen gab zu Ehren des früheren polnischen Generalkonsuls in Palästina, Herrn Titus Zbyszewski, der jetzt als Generalkonsul nach Chicago geht, ein Bankett. Dr. Zbyszewski erklärte, die hingebuttgsyolle Arbeit der Chaluzim habe ihn zu einem ergriffen«! Verehrer des jüdischen Palästinawerks gemacht. Der Gothaer Stadtrat hat einen nationalsozialistisehen Antrag auf Erlaß eines Schächtsverbots für Qotha mit 17 gegen 14 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen angenommen. Für das Verbot stimmten die Nationalsozialisten, die Deutschnationalen und die Wirtschaftspartei, dagegen stimmten die Sozialdemokraten, die Demokratische Partei und die Kornmunisten, Die Deutsche Volkspartei enthielt sich der Stimme. Nach den .soeben veröffenJUchten Zahlen d§f VfÄszahl leben :in- Prag^ gegenwärtig 468'§3־' Israeliten (fegen 3I7JJ! |jn Jahre. 1921). uef prozentuale Anteil an der Oesamtbevölkerung beträgt 4,18 ״/o. D'ert; nationalen Bekenntnis nach sind 6 731 (gegejt.5 0» L J- 1421) Juden.., Palästinafragen im Unterhaus London, 20. Februar. (J.T. A.) Anläßlich der Vorlage des Ergänzungsetats für den Kolonialdienst und den Dienst im Mittleren Osten erklärte der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond S h i e 1 s, im Unterhaus, Palästina habe, wie alle anderen Agrarländer, schwer unter, der Wirtschaftskrise gelitten und könne daher ohne Beihilfe der englischen Regierung zu den erhöhten Kosten der Landesverteidigung sein Budget nicht ausbalancieren. Die Regierung Sr. Majestät, fuhr Unterstaatssekretär S hi eis fort, hat beschlossen, in Palästina gegenwärtig eine Streitkraft von zwei Infanteriebataillonen aufrechtzuerhalten. Außerdem wurden in Palästina und Transjordänien zwei Flugzeuggeschwader und vier Panzerautomobil-Abteilungen stationiert. . Dr. Shiels legte sodann eine Reihe von Nachtr.agskrediten für Palästina und Transjordan i e n vor. In der darauffolgenden Debatte erklärte der ehemalige Staatssekretär für die Kolonien, Am ery, es herrsche allgemeine Uebereinstimmung darüber, daß die Palfstina-Politik auf Grund der wohl überlegten Meinung der Regierung geführt werden müsse und durch lokale Unruhen nicht beeinflußt werden dürfe. Commander Kenworthy sprach über die hohen Kosten, die Transjordänien verursacht, und trat für die Besiedlung Transjordaniens durch Palästinenser ein. In ähnlichem Sinne äußerte sich Major Hopkin fLabour), der Trans- Jordanien als ein Land von großen Möglichkeiten bezeichnete. Bezüglich Palästinas, fragte Major Hopkin, wie weit das System der den jüdischen Kolonisten erteilten Erlaubnis, verschlossene Waffenlager zu haoen, ausgebaut worden sei, und schlug vor, das Netz dieser Waffenlager zu vergrößern. Zahlreiche jüdische Kolonisten seien ehemalige Soldaten und es müsse in Erinnerung gebracht werden, daß bei den letzten Unruhen kein einziges arabisches Dorf von Juden angegriffen wurde. Major Ross (Kons.) erklärte, jedermann, der ein aktives Interesse an der schwierigen Situation in Palästina habe, müsse die Tatsadie der Aüfrechterhaltung einer stärkeren Militärmacht in diesem Lande begrüßen. Das konservative Mitglied der Shaw-Kommission, Sir Henry Bett ertön, erklärte, Palästina habe eine große Dankesschuld gegenüber dem transjordanischen Grenzkörps. Die Tätigkeit des Grenzkorps wahrend der Unruhen sei in Dankschreiben des Jüdischen Natioftalrats und der jüdischen Arbeiterorganisation anerkannt worden, wobei hervorgehoben werden muß, daß es im ganzen Verlauf der militärischen Operationen weder Tote noch Verwiindete gab.; In seinem Schlußwort erklärte Dr. Shiels, Ueberfälle und Gegenaktionen seien, insbesondere an der Südgrenze Transjordaniens, eine alltägliche Sache geworden, es sei jedoch zu hoffen, daß durch das Einsetzen mobiler Streitkräfte und durch Verbesserung der Transportverhältnisse ruhigere Zustände herbeigeführt werden können, die die Besiedlung und Entwicklung Transjordaniens ermöglichen. Dies sei ein Gegenstand, mit dem sich das Kolonialamt stets befaßt habe. Das Haus bewilligte sodann den Ergänzungsetat für den Mittleren Osten. Dm die engüsdic Panarabischer Boykott? Jerusalem, 18. Februar. (J.T. A.) Eine Delegation der Palästinensisch-Arabischen Exekutive, bestehend aus dem Präsidenten der Exekutive, Muza Kazim Pascha, Yakoub Faradsch, Auni Bey Abdul Hadi, Dsdiamal Husseini und Moghapan Effendi hat dejn High Gommissioner Sir- John Chancellor den Protest der Arabischen Exekutive gegen die Aenderung der britischen Politik in Palästina überreicht. In dem vom Präsidenten der Palästinensisch-Arabischen Exekutive, Mu?a Kazim Pascha, Unterzeichneten Dokument wird erklärt, die im Brief der Regierung gegebene Interpretation der Palästina-Politik widerspreche voll kommendem Weißbuch. Es werde, eine neue Politik inauguriert, die sich über,die politischen Rechte der arabischen Bevölkerung hinweggesetzt und sich ini Interesse der Errichtung des Jüdischen Nationalheiins bloß auf die Sicherang der bürgerlichen und wirtschaftlichen Lage der arabischen Bevölkerung beschränkt. Dagegen sei der Forderung nach Beteiligung jüdischer Arbeiter an öffentlichen Arbeiten entsprochen worden. Während das Weißbuch festgestellt habe, daß in Palästina kein Boden zum Verkauf und kein Raum für weitere EinWanderer vorhanden sei, werden auf Grund der Interpretation des Weißbuches Bodentransaktionen und heterogene Einwanderung zu gelassen. Schließlich schreibt!Muza Kazim Pascha : Ich sehe mich genötigt, den Arabern als Gegenmaßnahme gegen den jüdischen Boykott der arabischen Arbeit vorzuschlagen, die Juden auf allen Gebieten ju bo y - kottieren. ״Die Politik des Schwankens ist eine höchst ernste Angelegenheit und kann dazu führen, daß dadurch, daß die Araber ihrVertrauenzurbritischenRegierung verlieren, eine tiefe Kluft zwischen der arabischen Bevölkerung und der Regierung Seiner Majestät entsteht, Ich versichere Eurer Exzellenz, daß Ministerpräsident MacDonafd durch diesen Brief jede Hoffnung auf eine Politik der KooperationzwischenArabernundJuden, wenn jemals eine solche Hoffnung bestand, zerstört und eine Verständigung zwischen den beiden Parteien absplpt unmöglich gemacht ist. Ich überlasse es der Exekutive des 7. arabischen Kongresses, jene politischen Riehtliniert vormzeiduien, die sie im Hinblick auf die im Briefe des ÄBfttawÄideuten.. MaeDctoald pi ■Dr....Weizmann festzefcgte. Poh’fik der britischen Regierung als den Interessen des Landes förderlich erachten wird“ , ׳ , _ ■ - 1 * '.'. . ־ ז י Jerusalem,’ 22. Februar (J.T. A.). Die Ar*bische Exekuiive veröffentlichte ejnen Aufruf an die arabische und mohamm.edanische Welt, in dem die Mohammedaner aufgefordert werden, sich zu vereinigen und sich einzig und allein auf die eigene Kraft zu verlassen. In dem Aufruf wird gegen MacDonald der Vorwurf erhoben, daß er die Rechte der Juden erweitert und aufs neue die dem arabischen Volk gegebenen feierlichen Versprechungen gebrochen habe. Der Regierungsbrief habe gezeigt, daß nicht länger Gerechtigkeit von seiten der britischen Regierung erwartet werden könne. MacDonald habe den letzten Rest des Vertrauens der Araber zerstört. Schließlich werden in dem Aufruf die Araber Syriens und des Irak aufgefordert, sich dem Boykott gegen die J uden an zuschließen und ihn durchzuführen, bis die große jüdische Gefahr endgültig beseitigt sei. Wie die arabische Zeitung ״Felestin“ meldet, hat der indische Mohammedanerführer Schaukat Ali, der vor kurzem aus Palästina nach Syrien abgereist ist, an den Kolonienminister Lord Passfield ein Schreiben gerichtet, in dem er sich ausführlich mit den Verhältnissen in Palästina und der Wirkung des Briefes MacDonalds an Dr, Weizmann auf die.mohammedanische öffentliche Meinung befaßt. Unmittelbar nach dem Beiram-Feste wird die Palästinensisc 11- Arabische Exekutive zusammentreten, um über die im Hinblick auf die neue englische Regieruhgserklärung gebotenen Maßnahmen zu beraten. In manchen arabischen Kreisen wird die Forderung aufgestellt, daß in Palästina, Transjordanien und Syrien Demonstrationen gegen die neue Regierungserklärung organisiert werden sollen. Die arabische Tageszeitung ״A I C h a j a t“ erklärt, der neue Brief der englischen Regierung über die Palästina-Politik habe mit einem Schlage das Vertrauen der Araber zur Mandatarmacht erschüttert. Das Blatt zieht einen Vergleich zwischen dem Weißbuch vom Oktober 1930 und dem Briefe MacDonalds, der sehr zu Ungunsten des neuen Regierungsdokuments ausfällt. Viele Araber, schreibt ״AI Chajat“, sind der Meinung, daß die Arabische Exekutive, der Oberste Moslemische Rat, die leitenden arabischen Regierungsbeamten und die arabischen Richter ihre. Aemter zum Zeichen des Profestes gegen den Rückzug der Regierung von der im Weißbuch festgelegten Politik niederfegen sollten J&disdies Für und Gegen ־ Die En gl i sh •Z-ionist Federation hat in einer Sondersitzung ihres Exekutiv-Komitees einstimmig eine Resolufion angenommen, in der die Genugtuung der englischen Zionisten über das Resultat der Verhandlungen zwischen der Regierung und der Jew ish Agency zum Ausdruck gebracht wird. Die Zionisten der ganzen Welt, so heißt es weiter in der Resolution, hoffen, daß die Interpretation der britischen Politik durch den Primeminister auch ihren Niederschlag in der Verwaltung Palästinas finden wird. Schließlich wird Dr. Wejzmann und seinen Kollegen die Anerkennung für ihre staatsmännische Vertretung der jüdischen Interessen ausgesprochen. ״Jewish Chronicle“ beurteilt in seinem Leitartikel vom?0• Februar den neuen MacDonald-Brief scharf ablehnend. In diesem Briefe, so sagt das Blatt, wird das Weißbuch nicht zurückgezogen, sondern in jeder wesentlichen Einzelheit bekräftigt und wiederholt. Des geschieht freilich Palästina-PoHtih in einem Nebel schöner Worte und Zusicherungen, die zum , Teil gut gemeint sind,'aber mit soviel Bedingungen versehen, daß sie in der Praxis wenig bedeuten. De Regierung hat nicht ein Jota dessen, was im Weißbuch anfechtbar war, zurück-• gezogen. Das Blatt richtet einen heftigen Angriff gegen. Dr. Weizmann, der offenbar den Kongreß vor ein mit accompli, stellen wollte. An anderer Stelle des Blattes wird insbesondere gerügt, daß über die Frage der-Errichtung eines Gesetzgeben-, den Rates und über die neue Erschließungs-Anleihe, die dein Arabern auf Kosten der Juden unschätzbare Vorteile •gibt, in dem-Brief nichts gesagt wird. . : , ' Nach einer Meldung des ״Jewish Chronicle‘♦ aus' New York sollen die Führer des amerikanischeii Zionismus von dem MacDonald-Brief schwer enttäuscht sein. Bisher habe man eine öffentliche Aeußerung überden Brief vermieden.' Die Zionistische Organisation Amerikas hat ein Komitee' eingesetzt, welches eine offizielle Kritik des'Briefes abfassen S6H. Es heißt, daß in diesem Zusammenhang auch. Weizmann für. seine den MacDonald-Brief billigende Kundgebung getadelt werden soll. Aber auch ״Jewish Chronicle“ gibt zu, daß ein Teil der öffentlichen Meinung Amerikas über den Brief befriedigt ist. Dies geht im übrigen auch aus den Aetißerungen der großer* jüdischen amerikanischen Presse hervor. Das Londoner Büro des Weltverbandes der Revisionisten hat eine Kundgebung veröffentlicht, die ,sich scharf gegen den MacDonald-Brief ausspricht. ■ New York,19. Februar. (J.T. A.) Im Ambassador-Hotel zu Los Angeles fand zu Ehren Professor Einsteins und seiner Gattin ein von Vertretern der Jüdischen Gemeinde von Los Angeles veranstaltetes Bankett statt, dessen Erträgnis auf Wunsch Einsteins Palästina-Zwecken gewidmet wurde. Prof. Einstein hielt auf diesem Bankett eine Rede, In der er seiner Anerkennung für die mühevolle Arbeit Dr, Weizmann*' bei den Verhandlungen mit der britischen Regierung und den durch diese Arbeit erzielten Erfolg Ausdruck verlieh. Weitere Prcssestimmen De ״Times“ nimmt am 20. Februar In einem kurzen Leitartikel zu MacDonalds Brief Stellung. Aus den kurzen Bemerkungen in der Palästina-Debatte gelegentlich des Nachtrags-;Budgets <fe* Kolonial-Amtes am 19. d. M. im Unterhaus hatte nt#»' den' Eindruck,-daß die neue Erklärung ■ der ' RegierVSgs« ■ politik bei der Majorität auf beiden Seiten des Hauses Ä « ־ klang gefunden hat. Obwohl?in Unparteiischer m■#»־; Richtlinien der Politik des Weißbuches keinen Anstoß nehmet» konnte, waren dochmehrere Absätze so unklar formuliert, daß sie Mißverständnisse hcraufbeschworen. Des bezieht sich z. Bauf die Frage der anzusiedelnden landlosen Araber und der neuen Bodenpolitik. Dese sind durch den neuen MacDonald- Brief aufgeklärt worden. Auch diejenigen, schließt das Blatt, die die meisten jüdischen Deutungen des Weißbuches als übermäßig pessimistisch betrachten, werden Weizmanns Erklärung, daß die Basis der Kooperation zwischen Mandatartnacht und Zionistischer Organisation wieder hergestellt ist, mit Genugtuung aufnehmen. Unglücklicherweise sind aber die Folgen der schlechten Formulierung des ursprünglichen Staatsdokumentes noch nicht beseitigt Denn so wie die Juden dieses zweideutige Dokument ablehnten, so deuteten es die arabischen Politiker Palästinas optimistisch als einen Angriff auf den Zionismus, und so sind sie jetzt in derselben bitteren pessimistischen Stimmung wie ihre jüdischen Rivalen im Oktober waren. * ״The N e a r East and lndia“ nimmt in seiner Nummer vom 19, Februar in einem zwei Seiten langem Leitartikel1 zu dem MacDonald-Brief und der neuen Wendung der britischen Palästina-Politik Stellung. Opportunismus, so führt das Blatt aus, kann in der Politik ganz nützlich sein, aber seine Anwendüng im Nahen und Mittleren Osten in der Nachkriegszeit ist sehr wenig erbaulich und geradezu beschämend. Das Problem des islamischen Orients wurde niemals grundsätzlich erfaßt, sondern man treibt Augenblicks -Politik von der Hand in den Mund. Kein Land im Orient hat von dieser Methode so viel gelitten wie Palästina. Das Blatt zählt nun die Ereignisse des letzten Jahres und die verschiedenen im Zusammenhang herausgegebenen offiziellen!Dokumente auf, deren letztes das Weißbuch war, welches — im Zusammenhang mit dem Simpson-Bericht — für das abschließende Wort der Regierung über dieses höchst delikate Problem autgefaßt wurde. Der Aufschrei in jüdischen Kreisen war ebenso cchl wie gut organisiert, aber eine zeitlang schien es, daß die Regierung diesem Ansturm standhalten werde. Es kam jedoch nicht so. Der Briet des Primeministers vom 13. Februar bedeutet einen Triumph Dr. Weizmanns, dessen Demission im Vorjahre wie es scheint ebenso unwirklich wie effektvoll war. Der MacDonald-Brief hat nach den Angaben des Primeministers im Unterhaus faktisch den Rang eines Weißbuches ■und ist als autoritativer Kommentar zu betrachten Warum er nicht direkt als Weißbuch veröffentlicht wurde, ist ziemlich klar: Der Primeminister konnte nicht so offen sein früheres Weißbuch über den Haufen werfen — was die Jewish Agency forderte: Aber was nicht zurückgezogen wird, kann offenbar hin weg kommentiert werden, und für die prakrischen Zwecke bieibt diese fetzte Erklärung der Ausgangspunkt des Verhaltens in Palästina. Ob die Regierung, indem sic einseitig mit jüdischen Vertretern verhandelte, von den hochsten Motiven bestimmt wardst hier nicht zu erörtern; testzustellen ist jedoch, daß Dr. W e i z m an n 'mit der Klugheit und Ausdauer, die ihm zu eigen sind, einen bedeutenden Sieg errangen hat. Seine Stellung und sein Prestige sind wieder hergesteht; die jüdische Mitarbeit bei der Finanzierung des ״Autbaus Palästinas“ ist jetzt gesichert und die britische Regierung mag jetzt geneigt sein, zu glauben, daß der Sturm der . Kritik, der nach dem Weißbuch über sie hereinbrach, für immer verflogen ist. — Die Zeitschrift analysiert dann den MacDonald- Brief, stellt den einzelnen Paragraphen des Weißbuches den neuen Kommentar vergleichend gegenüber, und kommt dann zu dem Ergebnis: Der Hauptunterschied zwischen dem Weißbuch

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