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Jüdische Rundschau · 1931-02-06 · Heft 10 (6.2.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 10 (6.2.1931)
Date
1931-02-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Wenn Meschen Nenmann Jüdin wäre Ehtzclnttmmtr 0&S Goldmmk JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u-Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. A1181« n dmbammm tmX» werden m Ser Währung dar einzelnen Länder her (»dann Anzeigenpreis: 8 ge*p. Nonpareillezede 0,50 G.*bi. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m. b. H-, Berlin W15, Meinekestr.lO. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. AnxeigenadhluA: Dienstag and Freitag nacbmi tf a g* 4Uhr Postscheck . Konten : Berlin 0392, Bwsel V 9355. Belgrad 68032, Brüssel 39433, Radapest 59693, Dirartg 1973. Haag 140470, Prag 59410. Ri*. 4155, Strs&bburg 16430, Warschau 190708, Wien 15603a Bank-Konten: Darmstädter־ nnd NationaiWik, Depositen - Kasse Berit«. KurHirstendamiu 52; Banca de Eat, Ornauti (RatnÄaien); Anglo Palestine Coin Haifa, Jerusalem, Tri-Aviv. Nummer 10 | Berlin, 6. II. 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. י״ט שבט תיצ״א | xxxvi. Jakrg. Per_zioni8nu1«_g!^fgbt_tBr_das_jOdIsche Volk dl• Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstitte In Palästina. ״Baseler Programm.״ Eine internationale Aufgabe Auflösung der Völkerbunds'Kommission für Griechenland — Das internationale Judenproblem —י Die Finanzierung und Verwaltung der Palästina'Siedlung — Perspektiven Ende Dezember hat (Be Völkerbunds-Kommission zur Repatriierung und Ansiedlung der aus der Türkei vertriebenen oder ausgewanderten Griechen ihre Tätigkeit eingestellt und die Führung des Siedlungswerkes der griechischen Regierung übergeben. Damit ist eine der größten, vielleicht die bedeutendste Leistung des Völkerbundes seit seinem Entstehen zum Abschluß gelangt. Mit Recht wird in der englischen Presse hervorgehoben, daß hier unter Kooperation da־ großen Nationen ein Werk der Humanität gelungen ist, das sonst wohl nicht durchzuführen gewesen wäre. Das Problem der nationalen Minderheiten, das heute di« Welt beunruhigt und eine Gefahr für den inneren und äußeren Frieden darstellt, wurde hier auf eine sehr radikale Weise gelöst: Durch Austausch der Minoritäten, Eingliederung der jahrhundertelang unter einem anderen Volke lebenden fremdnationalen Volkssplitter in das staatliche Gemeinwesen ihrer eigenen Nationsgenossen — eine Umsiedlungsaktion von Dimensionen, wie sie die Weltgeschichte wohl noch kaum gesehen hat Daß der zwischen Griechenland und der Türkei bestehende Zündstoff durch diese Aktion beseitigt wurde, beweist die jüngste Entwicklung, die aus den beiden Erbfeinden verbündete Nationen gemacht hat Wir stehen,Mg■ vor , einem Phänomen, bei den! sich In besonders aufSlüger Weise die Analogie zeigt zwischen der Rolle, die in unserem Zeitalter die Nationalität spielt, upd der, die vot drei oder vier Jahrhunderten in Europa der Religion zufiel Im Zeitalter der Religionskriege wurde gleichfalls vielfach das Problem der Minderheiten — relevant waren damals nur religiöse Minderheiten — durch gegenseitige Austreibung gelöst, so daß es zu Massenwanderungen von Protestanten in protestantische und Katholiken in katholische Länder kam. Später freilieh, nach einer zweihundertjährigen Entwicklung, setzte sich der Gedanke der Toleranz durch, dank dem der Staat das religiöse Bekenntnis der Bürger für Privatsache erklärte. Ob auch in diesem Punkt sich eine parallele Entwicklung im Bereich der nationalen Gegensätze vollziehen wird, ob wir durch die von uns durchlebte Zeit des exaltierten unduldsamen Nationalismus zu einem Zustand der nationalen Duldüng gelangen werden, bei dem innerhalb des Staates die einer nationalen Minderheit angehörigen Staatsbürger unter Achtung ihres nationalen Bekenntnisses als wirklich gleichberechtigt betrachtet werden, läßt sich schwer vorhersehen, obwohl jedem klar sein muß, daß nur ein solcher Zustand als befriedigende und befriedende Lösung des gefährlichen Problems angesehen werden könnte. Denn eine Nachahmung des türkischgriechischen Beispiels in anderen Teilen Europas würde die Welt in ein Chaos stürzen. Das griechische Beispiel ist jedoch gerade für uns Juden überaus interessant Denn was die jüdische Minorität betrifft, die seit Jahrhunderten überall unterdrückt ist und seit dem letzten halben Jahrhundert zwar nicht formell vertrieben, aber durch den sozialen Umbildungsprozeß der Völker aus deren Gefüge so ausgestoßen wird, daß ihr keine andere Wahl als die Aus- Wanderung bleibt besteht auch ohne Zwangsmaßnahmen ein natürliches Bedürfnis nach einer geregelten rettenden Umsiedlung, Millionen von Juden sind seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Westeuropa und über den Ozean gewandert; heute sind die meisten Länder verschlossen, das Bedürfnis nach Aus- Wanderung ist aber größer als je, die privaten jüdischen Emigrations-Gesellschaften können der Aufgabe nicht Herr werden, es ist ein großes internationales Problem — nicht 90 akut und plötzlich auftretend wie das griechische, aber in seiner latenten Zwangsläufigkeit nicht weniger dringlich und an Umfang noch gewaltiger. Wenn der Völkerbund und die für ihn vor allem verantwortlichen Mächte heute mit berechtigter Befriedigung auf ihre Leistung in Griechenland zurückblicken, so liegt die Anregung nahe, daß man die freigewordenen Energien jetzt dem jüdischen Problem zuwendet Wir übersehen dabei nicht die viel kompliziertere Sachlage, aber wir befürworten doch auch nicht eine einfache Uebertragiuw der griechischen Praxis auf das jüdische Volk, vielmehr gilt es hier eigene Wege zu gehen, mit großer Vorsicht und Voraussicht, mit konstruktiver Fähigkeit, Tatkraft und Energie. Es ist die Aufgabe für einen wirklichen Staatsmann, für Menschen von internationalem Format und Ueberblick, wie sie aus der zehnjährigen Erfahrung und Praxis des Völkerbundes hervorgehen sollten. * Als während des Krieges und unmittelbar nach ihm dem jüdischen Volk ein Nationalheim in Palästina versprochen wurde, haben die meisten Juden, wenigstens die naiven Massen, dies so aufgefaßt, daß dem jüdischen Volk bei der Errichtung dieser Heimstätte die internationale Unterstützung in ebenso positiver und konstruktiver Weise zuteil werden wird, wie es später bei den Griechen der Fall war. Inzwischen sind zehn Jahre vergangen und das jüdische Baron Rothschilds Hilfe ln einem offiziellen Connnunique teilt die J e w i s b AgeUcy'uyMVÄilS' Dr. W%| tn»itfti äriliß|!e| seteist Utöefeit Aufenthalts ln Paris lim Ehrenprlsldenten dfer Jewisl Agency, Baron Edmond de Rothschild, über die finanziellen Schwierigkeiten der Agency In Palästina Informiert und Ihn gebeten hat, der Jewish Agency In Ihrer, schwierigen Situation zu helfen. Baron Edmond de Rothschild habe dem Ansuchen Dr. Weizmanns entsprochen. Die Jewish Agency bringt Ihren Dank für die hochherzige Hilfe des Barons zum Ausdruck. Wie wir bereits vor längerer Zeit erfahren haben, hat Baron Rothschild £ 30000 zur Verfügung gestellt. Die Nachricht, die zuerst vertraulich behandelt wurde, ist inzwischen auch in weiteren zionistischen Kreisen bekannt geworden. Der alte Baron hat sich wieder als der aufrichtigste und wärmste Freund der jüdischen Palästinasache bewährt. Seit 50 Jahren ist dieser Mann in unverminderter Palästina-Liebe den Pionieren des jüdischen Aufbaus ein getreuer Eckard. Sein geschichtliches Verdienst werden erst künftige Geschlechter voll ermessen. Mehr noch als das Geld wirkt die Ermutigung, die aus diesem festen Glauben an die Palästina-Sache strömt. Das jüdische Volk besitzt — leider — nicht viele Männer von dem Weitblick und der Großzügigkeit des Barons Edmond. Die Pipe Line nach Haifa Der Vertrag In Jerusalem unterzeichnet Wie wir der ״Times4‘ vom 4. d. M. entnehmen, wurde soeben ln Jerusalem der Vertrag veröffentlicht, der zwischen der ״Irak Petroleum Company“ und der Regierung Palästinas unterzeichnet wurde, wodurch die genannte Gesellschaft eine Konzession zum Bau einer Röhrenieitung durch palästinensisches Gebiet mit der Mündung in der Bucht von Haifa-Akko erhält. Nach 70 Jahren wird der auf palästinensischem Gebiet liegende Teil der Oel-Leltung Eigentum des palästinensischen Staates. Die Vereinbarung enthält eine Bestimmung über Verwendung inländischer Arbeiter zum Bau, sowie über Zollbefreiungen für importiertes Material. Es scheint jetzt festzustehen, daß die Oel-Leitung von Mossul in der Form eines Y geplant ist, wobei die eine Abzweigung im syrischen Tripolis enden wird, die andere in Haifa. Falls die Gesellschaft nicht innerhalb drei Jahren zu ähnlichen Vereinbarungen mit den Regierungen der anderen beteiligten Länder kommt, hat der High Coriimissloner das Recht, den Vertrag zu annullieren. Obwohl bis zur Vollendung des Projektes noch eine geraume Zeit vergehen dürfte, ist doch die offizielle Veröffent- Ijchung der Pläne, die dem jahrelangen Rätselraten ein Ende macht, von außerordentlicher Bedeutung für die Entwicklung Palästinas. Es ist nicht zu bezweifeln, daß durch den Ausbau des Hafens in Haifa und der Röhrenleitung die wirtschaftliche Kapazität des Landes und damit auch seine Aufnahmefähigkeit für neue Einwanderer außerordentlich gesteigert wird. Besonders gewürdigt werden müssen die Verdienste der Weitblickenden Personen, die den Erwerb des Bodens der Haifa-Bay-Eböie durch jüdische Gesellschaften bewerkstelligt haben, so daß bei entsprechender wirtschaftlicher Initiative einem gebührenden Anteil der Juden an dem Aufschwung dieses Gebietes nichts im Wege stellt•. Volk hat aus eigener Kraft, ohne jede Unterstützung von außen, ein von jedem unvoreingenommenen Betrachter bestauntes Kolonisationswerk in Palästina vollbracht. Ohne Völkerbundshilfe und ohne Völkerbunds-Anleihe, ohne die in Griechenland naturgemäß für die , vertriebenen Nationsgenossen herrschende freundliche Atmospare, haben sich hunderttausend Juden in Palästina festgesetzt, indem sie durch Steigerung der Produktivität des Landes Platz ,für sich schufen, ohne die bisherigen Einwohner zu verdrängen. Gewiß ist nicht alles planmäßig verlaufen, gewiß wurden viele Fehler gemacht, denn eine solche Ansiedlung ist kein Rechenexempel, sie *ist wirkliches Leben mit all seinen Widersprüchen und Hindernissen. Aber das Geschaffene steht fest und muß fortgesetzt werden. Bis vor kurzem hat sich niemand für die natürlichen Bedingungen dieses Prozesses interessiert. In der letzten Zeit jedoch waren die Probleme Palästinas und die Landesverhältnisse Gegenstand mehrerer offizieller Untersuchungen, und es wurden Zweifel laut, ob das Land in seinem heutigen Zustand noch viele Neueinwanderer absorbieren kann. Einigkeit besteht darüber, daß die Aufnahmefähigkeit von dem Entwicklungszustande der Wirtschaft abhingt. Ep h§||felt sieh darum, durch Zuführung von KÄpftil^ *Mji sefae Zweckmäßige und rationelle Verwendung' die ji|- tensität der Boden Wirtschaft zu steigern, so daß die gleiche Bodenfläche ein Vielfaches der bisherigen Siedler ernähren kann. Dies ist eine Aufgabe, die, soll sie מ!- frieden stellend gelöst werden, die Organisätionskraft und Machtsphäre des jüdischen Volkes übersteigt. Es sind dabei nichtjüdische Interessen betroffen, und es ist ein großes internationales Problem, um das es geht. Und was die ״Menschlichkeit“ betrifft, von der bei Rühraung der griechischen Völkerbunds-Aktion jetzt so viel die Rede ist, so bedarf es wohl kaum eines Beweises, daß der heutige Stand des Judenproblems mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun hat und seine Milderung wohl geeignet wäre, Ideal einer echten Humanität zu sein. Von den Männern, die an der Spitze des griechischen Unternehmens standen, sind die wichtigsten keine Fremden für uns. Der erste Präsident der Kommission, der die große Flüchtlings-Anleihe zustande brachte, war Henry Morgenthau. Morgenthau lag oft im Kampf mit Zionisten, sei es wegen Palästna, sei es wegen der Judenfrage in Polen. Aber als er vor einigen Jahren in Palästina war, wußten manche Blätter zu melden, er sei stark beeindruckt gewesen und habe sich zur Mitarbeit gerade bei Bemühungen um eine internationale Anleihe bereit erklärt. Weiter hat man nichts davon gehört, und es scheint, daß Morgenthau sich wegen seines hohen Alters vom öffentlichen Leben zurückgezogen hat. Die Arbeit auf griechischem Boden aber wurde nicht vom Präsidenten der Kommission geleitet, sondern von den Vizepräsidenten. Als solche fungierten zwei Eng-!ander, Sir John Campbell und Sir John Hope Simpson. Diese beiden Männer sind also die eigentliehen Schöpfer der griechischen Flüchtlingskolonisation. Beide haben sich auch mit dem jüdischen Palästinawerk beschäftigt. Campbell erstattete 1927 auf Ersuchen der Joint Palestine Survey Commission der Jewish Agency׳ ein ausführliches Gutachten, und Hope Simpson wurde im Jahre 1930 von der englischen Regierung zur Untersuchung des gesamten Boden- und Ansiedlungsproblems nach Palästina entsandt. Beide Persönlichkeiten haben an der jüdischen Kolonisation, insbesondere an der Land- Wirtschaft, fachmännische Kritik geübt und eine Reihe von wichtigen und beachtenswerten Ratschlägen gegeben. Es ist keine Schande für das jüdische Volk, wenn dabei manche Fehler angekreidet wurden; das jüdische Volk verfügt nicht über eine kolonisatorische Erfahrung von Jahrhunderten, das Siedlungswerk in Palästina entstand nicht aus fachmännischer Berechnung, sondern aus der chaotischen Leidenschaft eines um seine Existenz ringenden Volkes. Die Vermischung wirtschaftlicher Aufbauarbeit mit ideellen, außerwirtschaftlichen Momenten, das Hineinspielen von Parteipolitik in die Verwattuaft

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