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Jüdische Rundschau · 1931-01-23 · Heft 6 (23.1.1931) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 6 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 0, 23.11931 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 41 rimesvennögen einer in ihren historischen Grundlagen er• schotterten Maße eine neue Form und etwas wie dne neue Ideologie gibt. Und deshalb ist gegen ihn auch derselbe Einwand gestattet, daß nämlich das Beharrungsvermögen allem wohl die Grundlage einer Gegenwart von gewisser Dauer, aber nicht auch die einer nationalen Zukunft sein kann. Es ist bczeichnend, daß der Jiddischismus über keine Jugendbewegung verf'igt außer der erwähnten des ״Bund“. Aber das ist eine sozialistische Jugend mit einem sozialistischen Zukunftsziel, bei der das Jüdische als selbstverständlich nebenherläuft, während es doch gerade nicht selbstverständlich ist, sondern auch seinerseits eines geistigen Nährbodens bedarf, der Zukunftskeime in sich trägt Deshalb liegt die eigentliche Hoffnung bei der großen und starken Bewegung der zionistischen Ju• ״end. ich sehe sie jetzt in diesem Zusammenhang nicht in ihrer Bedeutung für den Aufbau Palästinas, ich sehe sie jetzt nur als Bewegung, also in der Bedeutung, die ihr Voraussichtlieh für die küniüge Diaspora-Entwicklung zukommt, und das heißt unter einem bisher gänzlich vernachlässigten, aber doch recht wichtigen Gesichtspunkt Wir haben schon gesehen, daß sie die stärkste Trägerin eines großen, alle Daseinsbezirke umfassenden Annäherungs- und Umgestaltwigsprozesscs darstellt, wir haben auch schon gesehen, daß das an sich nicht notwendig im Wesen des Zionismus liegt, sondern daß es sich hier um das Zusammentreffen der durch die Emanzipation bedingten historischen Situation mit dem nationalen Emeuerungswillen des jüdischen Volkes handelt Und das ist das Entscheidende: der Zionismus hat die mit der Emanzipation natumotwendig verbundene, durch die Erschütterung der alten Lebensgrundlagen liervorgerufene Assimilationsbewegung nicht nur aufgefangen, sondern sogar beschleunigt; denn er hat ihr von seinem Atem und seinem Tempo gegeben. Aber indem er dies tat, hat er ihr auch von seiner Art gegeben, und das heißt, daß er nun all das Neue, das von allen Seiten auch ohnedies auf eine sehnsüchtige und wissensgierige Jugend eingeströmt wäre, in die Richtung seines nationalen Willens eingelenkt und auf ihn bezogen hat. Der deutsche Jude hat die neue Welt der Probleme und Freiheiten, in die er sich gestellt sah, nur auf sich als Individtrum bezogen; er hat sich dadurch hoffnungslos nach beiden Seiten isoliert. Der junge, häufig genug dem Cheder entlaufene Zionist des Ostens aber sieht alles, was nun an ihn herantritt — die soziale Frage, das Sexualproblem, die Dinge der Kunst —■ unter dem Gesichtspunkt seiner Gemeinschaft, der Zukunftsgestaltung seines Volkes. Darin liegt auch der entscheidende Wert des Hebräischen, bezüglich dessen als einer Diaspora-Sprache man sonst skeptisch sein könnte: daß es nämlieh die Form hergibt, durch die alle Inhalte nationalisiert werden. Man unterschätze das nicht: Inhalte sind immer Gemeingut aller Völker, aber die Form, in der sie aufgenommen und vermittelt werden, ist das eigentlich nationale Gut. Sie gibt dem Inhalt Farbe und die Besonderheit jenes lang nachhallenden Klanges, der ein ganzes Leben zu bestimmen vermag. Das sollten auch die Jiddischisten bedenken, die im Hebraismus nur eine Störung ihrer Arbeit sehen, ohne zu berücksichtigen, daß sehr große Teile dieser jetzt hebräischen Jugend für sie ohnehin verloren wären, weil der junge Mensch, der aus dem Bannkreis des alten Lebens ln eine neue Welt tritt, auch im Jiddischen — ob nun mit Recht oder Unrecht — nichts als einen Teil dieses alten zu überwindenden Ghettodaseins sieht. Dazu kommt die persönliche Verbundenheit mit Palästina. Ich verkenne nicht, daß damit auch Gefahren verbunden sind. Palästina wird, wie die Dinge liegen, nicht imstande sein, alle die Tausende, die bereitstehen, und die Tausende, die mit jedem Jahrgang nachrücken, in solchem Tempo aufzunehmen, daß nun wirklich alle Berufenen auch auserwählt sein werden. Das kann bei vielen eine tiefe Enttiuschling und damit eine Abwendung geben, insbesondere bei den ganz linksgerichteten Kreisen, in denen der Gedanke des sozialen Aufbaus mindestens so stark wie der des nationalen im Vordergrunde steht. Diese Menschen können durch eine tiefgehende Enttäuschung leicht zum allgemeinen Kommunismus geführt werden wie andere in anderer Richtung. Und trotzdem kann der Umfang dieses Abfalls immer nur unbedeutend sein im Vergleich zu aen Verheerungen, die eine Emanzipation im nationalen Bestand ohne das Vorhandensein der zionistischen Bewegung notwendig hätte anrichten müssen. Denn bei allen, die zu der Sache halten, auch wenn die persönliche Uebersiedlung nicht gelingt, bleibt die Verbundenheit mit einem neuen Werden; es bleibt die persönliche Beziehung zu Menschen des gleichen Kreises, die drüben leben; es bleibt die Anteilnahme an dem geistigen Schaffen des neuen Landes, und so erhält die Gegenwart der Diaspora durch den Blick auf Palästina ständig ihre Zukunftsrichtung. Und darin allein, in diesem Blick einer Gemeinschaft auf ihre Zukunft, liegt die Gewähr der Dauer. Wie dn Individuum nur ist durch seinen vorwärtsdrängenden Willen, so hat auch eine Gemeinschaft nur Bestand, soweit sie will, und das heißt, soweit sie ein nationales Zukunftsziel vor Augen iiat, an dem dieser Wille sich entzünden kann. Nach Erschütterung der Orthodoxie ist der Wille der Gemeinschaft auf eine neue Generation übergegangen, die in anderer Form im Grunde doch nichts als das alte Ziel erstrebt: eine neue, freie, sozial geordnete Gemeinschaft Auch wir in Deutschland kennen die unverbrauchte Kraft und wilde Energie des Ostjuden. Aber wir kennen nur den einzelnen, der, losgelöst aus seiner Gemeinschaft, hier untertaucht, um dann emporzusteigen, um seine hemmungslose Kraft in den wenig sympathischen Formen zu betätigen, die eine individualistische Wirtschaftsordnung ihm bietet. In Polen bei den Jungen und Mädchen des Schomer habe ich die gleiche Kraft am Werke gesehen, aber nun gebunden durch Gemeinschaft und gerichtet auf ein überpersönliches Ziel besserer Menschheit, das im nationalen Ranmen verwirklicht werden soll. Es ist Ghettokraft, die sich befreit und zum erstenmal in der Geschichte nicht heraiistritt, um sich zu verlieren, sondern sich nur um so besser zu finden. Es ist ein langer Prozeß, der jetzt an* hebt und dessen Ende wir nicht übersehen. Aber mir scheint, daß wir vertrauensvoll sein können, weil wir eine Jugend haben, die berechtigt ist, sich neben die beste aller Völker zu stellen. Kurt Blumenfeld an Staatsrat TelteL Anläßlich der Feier des 80. Geburtstages des Herrn Staatsrat Teitel hat der Vorsitzende der Z. V. f. D., Herr Kurt Blumenfeld, folgendes Schreiben an den Verband der russischen Juden in Deutschland gerichtet: ״Haben Sie herzlichen Dank für Ihre liebenswürdige Einladung zur Feier des 80. Geburtstages Ihres Vorsitzenden, Herrn Staatsrat Teitel, und des 10jährigen Bestehens Ihres Verbandes. Ich bedauere lebhaft, daß ich an diesem Tage beim Zionistischen Gruppenverbandstag in Erfurt sein muß und daß es mir unmöglich ist, von dieser gerade Ira gegenwärtigen Moment wichtigen und nich' mehr zu verschiebenden Tagung fern zu bleiben. Ich bitte Sie aber herzlich, Herrn Staatsrat Teitel, den ich seit vielen Jahren aufrichtig verehre und dessen Frische ich bewundere, meine besten Glückwünsche zu übermittein. Ich hoffe, daß Staatsrat Teitel, in dem die Judenheit eine verehrungswürdige und charakteristische Persönlichkeit besitzt, Ihren Verband noch viele Jahre erfolgreich leiten wird. 111m selbst rufe ich zu: עד מאה ועשרים ענה• Mit der Gratulation für Herrn Staatsrat Teitel verbinde ich die besten Wünsche für die gedeihliche Entwicklung Ihres Verbandes.“ Die WIZO wächst Die erste Nummer der WIZO-Zeltschrfft für den neuen Jahrgang 1931 ist eben, ungewöhnlich pünktlich, eingetroffen. Sie ist eine regelrechte Ueberraschung. Aus einem bescheidenen, kunstlosen Oktavblättchen ist ein imposanter, gefälliger Großquart geworden — ein entsprechender Ausdruck des Wachstums der WIZO an Leistungen und Zielsetzungen. Nicht nur das Format, alles an der Publikation ihres Verbandsorgans stellt sich größer, bemerkenswerter, bedeutungsvoller dar: künstlerische Ausstattung, Anlage, Gegenständliches, Gehalt. Dem Künstler, der den gelungenen Umschlag entwarf, blieb es wohl unbekannt, welch symbolischer Wert dem von ihm ins Riesenhafte vergrößerten Z im Namen der WIZO zukommt, das er zum Rückgrat seiner Komposition gemacht hat Aber das vielumstrittene Z, das den zionistischen Charakter der viele nichtzionistische Mitglieder zählenden WIZO stets betonte, ist eben gefestigt aus den Beratungen der Siebenerkommission hervorgegangen, wie im Heft berichtet wird. In ihrer kürzlich in London abgehaltenen Sitzung scheint diese endlich die Lösung für die seit Jahren sich hinschleppende Frage der richtig organisierten Zusammenarbeit von Zlonistinnen und ״Neutralen“ innerhalb der WIZO gefunden zu haben, einer Frage, die sich nachgerade zu einer wahren Quadratur des Zirkels ausgewachsen hatte. Um so erfreulicher die Meldung, daß die gefundene Lösung eine so befriedigende sei, daß die nächste WIZO-Kanferenz sie ohne Zweifel ratifizieren und damit eines ihrer heikelsten organisatorischen Probleme endlich unter Dach und Fach bringen werde. Auch sonst nimmt die WIZO einen energischen Anlauf, um Zweitere wichtige, organisatorische Regelungen, wie vor allem ihre Stellung innerhalb der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, geordnet zu sehen. Die WIZO-Arbeit stand bisher eigentlich außerhalb der allgemeinen zionistischen Tätigkeit, was der Bedeutung ihrer Leistungen und der Größe ihrer Mitgliederzahl in keiner Weise entspricht Nach ihren letzten Angaben zählt de 34 angeschlossene La nd es gr u גן - jien, bemißt die Zahl ihrer Mitglieder mit 40000 und bringt ein Palästinabudget von 600 000 Mark auf. Der Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen zur ״Hadassah“ und eine engere Zusammenarbeit auf Grund eines gemeinsamen Arbeitsprogramms, wie es Henrietta Szold vorgezeichnet hat, bereitet eine Zusammenfassung und Ver- Stärkung der Frauenarbeit vor, welche die Forderung der Frauen nach einer organisatorischen Verbindung mit und Vertretung in der Agency und Eingliederung und Erweiterung ihrer Palästinatätigkeit im Rahmen der Jewish Agency als wohlbegründet erscheinen läßt. Diese kraftvollen und selbstbewußten Bemühungen der WIZO um ihren organisatorischen Standard, wie sie die Vorsitzende des Komitees für Organisation, Frau Romana Goodman, darlegt, finden ihre Ergänzungen in den Berichten über die Erfolge der WIZO-Arbeit in Palästina und im Galuth. Die prächtige, moderne Einrichtung der neuen Lehrküche des Hostels, in welcher der Unterricht für Schülerinnen und Lehrerinnen nun gleich erfreulich ist, die Einrichtung von Lehrkursen am Hostel tür Instruktorianen der Hauswirtschaftsfächer und einer Aufbauklasse in Nahalal zur Ausbildung von Instruktorinnen der landwirtschaftlichen Disziplinen, für die systematische Unterweisung der Chaluzoth, die erste Bananenernte der neuen Mädchenfarm von Ness Zionah, die gute Ent- Wicklung der Mädchenfarm von Afuleh, die Uebeniahme und Erweiterung des bisher privaten Säuglingsheims von Talpioth u. a. m, sind ebensolche Marksteine stillen, zähen Fortschritts wie die verstärkte Arbeit aller WIZO-Gruppen trotz und gerade wegen des Weißbuchs. Ke erfolgreichen Propagandadrives des lehrten Vierteljahres, die sich in Aegypten an dem Besuch de! Pariser Advokatin Yvonne Netter, in Belgien an den Aufenthalt von Frl. Dr. Sokolow, in Polen an die Vorträge von Dr. Mirjam Scheuer knüpften oder die Berichte aus Charbin, daß die dortige WIZO-uruppe trotz der unsicheren politischen Situation ihr Jahreskontingent von 1200 M. mit 400 M. überschritten habe, aus (Jpr Tschechoslowakei, daß neue Ortsgruppen gegründet und ein erhöhtes Budget angenommen wurde, aus England, daß ein Gartenfest im September 140000 M. einbrachte, aus Rumänien, daß noch vor dem Termin mit beispielgebender Pünktlichkeit die 40000 M. Jahresquote für Ness Zionah überwiesen wurden usw., das sind alles Etappen unentwegten Vorwärtsmarschierens. Im übrigen zieht das Heft seinen Schwung aus der Rekapitulation der Leistungen und Betrachtung der Persönlichkeit von Henrietta Szold anläßlich ihres 70. Geburtstags, aus den Berichten über die Jugendbewe §ung in Palästina und Im Galuth, die viel Erfreuches zu sagen haben, z. B. auch in dieser trüben Zeit die Er- Öffnung eines eigenen sehr hübschen Klubheims des der WIZO an geschlossenen Mädchen-Kontinentalbundesin seiner Wiener Zentrale melden können und aus zwei Publikationen, die unter der Aegide der WIZO erschienen sind und die ihr beide Ehre machen: der deutschen Uebersetzung des historischen Buchs von Ada Fisch* man ns: Arbeiterinnenbewegung in Palästina, in dem ein Stück dramatischer und In seinem heroischen Idealismus einzig dastehender Frauenemanzipation geschildert wird, und der WIZO-Festschrift zu ihrem zehnjährigen Bestand, die unter der gewandten Redaktion von Dr. Martha Hofmann eine Fülle interessanten Materials in geschmackvoller Ausstattung und gediegener Auswahl zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der WIZO-Arbeit vereinigt. Dankbar und bewundernd wird man es anerkennen, wie die WIZO in dieser seelenlähmenden, aushöhlenden Zeit mit verdoppelter Sorgfalt und verdoppelter Mühe tapfer und unverdrossen das Ihre tut, um anfeuernd und belebend zu wirken, wie viele Erfolge sie bei ihrer Energie und der guten Arbeits- Stimmung, die sie in den Reihen ihrer Frauen zu erhalten weiß, weiter verzeichnen kann, und wie sic es verstanden hat, in ihren beiden, rasch aufeinander gefolgten Publikationen das heute so seltene Erlebnis einer Stunde reiner zionistischer Freude zu bescheren. Dr. N adja Stein. Nattan S Irans ־ Gedenkfeier Jerusalem, 20. Januar. (J.T.A.) Anläßlich der Beendigung der siebentätigen tiefen Trauer um Nathan Straus fand im Straus-Gesundheitszentrum unter dem Vorsitz des Kanzlers der Hebräischen Universität Dr. J. L M a en es eine Gedächtnisfeier für Nathan Straus statt. Dr. Magnes gedachte des Besuches Nathan Straus’ in Palästina 1m Jahre 1911, der Eröffnung der ersten Gesundheitsstation in Caedera und der ersten Suppenküche in Jerusalem. Er erinnerte ferner daran, daß Nathan Straus in Talpioth ein Grundstück für die Hebritische Universität erworben hat. Der Bürgermeister von Tel-Awiw Mayer Dizengoff feierte das Andenken Nathan Straus’, den er als den Vater der Volkshygiene in Palästina bezeichnet«. Namens des Waad Leumi sprach David Y e 11 i n , der auf die philanthropische Arbeit von Nathan Straus und die durch ihn erfolgte Finanzierung der Kolonie der palästinensischen Landwirtssöhne ״Nathania“ hinwies. UetmdioB im Bndget von Tel-Awiw Die Stadtverwaltung von Tel-Awiw hat das Rechnungsjahr 1930 mit einem kleinen Ueberschuß abgeschlossen, Ihre Einnahmen betrugen 91 703 Pfund gegenüber 89 455 Pfund laut Voranschlag. Die Haussteuer ergab 22 432 Pfund gegenüber 19800 Pfund, Gewerbekonzessions-Gebühren 5446 Pfund gegenüber 5000 Pfund im Vorjahre. Auch bei einigen andern Posten waren Mehreinnahmen zu verzeichnen. Dagegen waren die Einnahmen geringer als erwartet bei den Posten Erziehimgs- und Gesundneitsabgaben, Einnahmen aus dem Besitz der Stadtverwaltung ti. a. (Ziko.) ln aller Kürze Nach einem Streit mit einem Orangenplantagenbesitzer, der nichtorganisierte Arbeiter beschäftigt, wurden 9 jüdische Arbeiter in Tel-Awiw verhaftet. Die palästinensischen Orangenplantagen haben in den letzten Tagen durch heftige Stürme schwere Schäden erlitten, so daß ein großer Teil der Ernte gefährdet erscheinl- Der Eisenbahnverkehr nach Aegypten ist durch Sandverwehung unterbrochen. Zahlreiche Dampfer konnten infolge des Sturmes in Jaffa und Haifa nicht landen. Das Palästina-Amt für Polen erhielt von der palästinensisehen Zionistischen Exekutive den Auftrag, sofort 170 C11 a - luzim nach Palästina zu entsenden, wo diese bei den Saisonarbeiten beschäftigt werden würden. Die palästinensische Regierung trifft Vorkehrungen für die zweite allgemeine Zählung der palästinensischen Bevölkerung, die im Laufe des Jahres stattfinden soll. Die erste Zählung wurde im Jahre 1922 durchgeführt. Der Prozeß gegen die 7 Mohammedaner, die an der E r m o rdüng des christlichen Redakteurs Dschetnal Baknri im Verlauf der Streitigkeiten zwischen christlichen und mohammedanischen Arabern um den Besitz des Haifacr Kriegsfriedhofs im September 1930 beteiligt waren, wurde am 19. Januar mit der Verurteilung der Angeklagten zu Geflngnisstrafen von einem bis zu neun Jahren abgeschlossen. Bialiks Vortrag im Orientalischen Institut der Londoner Universität. Wie bereits kurz gemeldet, hielt Bialik im Institut für orientalische Wissenschaften der Londoner Universität einen Vortrag über ״Agada und Halacha; ihr Rang in der Talmudforschung“. Die hervorragendsten Vertreter der jüdisehen Intelligenz Londons füllten den Saal, die englische und die jüdische Gelehrtenwelt waren im Auditorium stark vertreten. Beim Erscheinen Bialiks erhob sich das ganze Auditorium von den Sitzen und huldigte dem Dichter. Leon Simon richtete in Vertretung des durch die A.C.-Tagung am Erscheinen verhinderten Dr. Weizmann Worte der Bcgrüßung an den Dichter, woraufhin der Direktor des Instituts, Sir Dcnison Ross, in einer Ansprache ausführte, er empfinde es als eine große Ehre, Bialik hier zu begrüßen, dessen Name an das Institut durch zwei Preise in der hebräischen Abteilung desselben geknüpft ist. — Bialik sprach zu Beginn seines Vortrages dem Institutsdirekter Sir Denison Ross den Dank dafür aus, daß er gehotten hat, an dem Institut einen Lehrstuhl für Hebräisch, der den Namen seines großen Lehrers Achad Haam trägt, einzurichten. Zu seinem Thema übergehend, führte Bialik ungefähr aus: ״Unendlich war die Verehrung der Tanaim der späteren Epoche und der noch späteren Amoraim für die Tanaim der ersten Epoche, die Schöpfer der ״Thora sehe beal-pe“ (mündlich überlieferte Lehre). Rabb! ARjba wurde in einem Atem mit Moses genannt. Die Interpretation der Heiligen Schrift durch die ersten Tanaiten wurden als eine von Moses herstammende Ueberlieferung (Halacha lemosche mi-sinai) erklärt. Oft hilft die Agada, die talmudische Sage, die Halacha erklären. Wie kamen aber die großen Lehrer auf den Weg der Halacha? Durch philosophische Spekulation, philologische Analyse und Deduktion wurde das biblische Weltbild und die in Lehrsätzen und Geboten niedergelegte Weltordnung der Bibel weiter gesponnen. Die Halacha ist das Resultat des tieferen Nachdenkens über die Probleme: Leben, Mensch, Gott und Schöpfung. Sicher wurden in den großen Akademien von Schamai und Hille! zentrale menschliehe Fragen vom spezifisch jüdischen und vom allgemein schauung zu Gesetz gestaltet. Bialik führte für seine Theorie eine große Zahl charakteristischer Beispiele aus Halacha und Agada an und appellierte zum Schluß an die jüdischen Gelehrten, sich Intensiver dem Talmudstudium zu widmen, um auf diese Weise zu einer Bereicherung des menschlichen Denkens and der menschlichen Ethik beizutragen. Am 24. Teweth, dem 13. Januar, sind 20 Jahre verflossen, seitdem das Palästina-Amt unter Leitung von Dr. Ruppin in Emek Jesreel die Farn Merchawia gegründet hat. Ortsgruppen Gruppe Schmargendorf der B. Z. V. Mittwoch den 28. Jan., abds. 8y» Uhr, im Restaurant Gartenstadt, Rüdesheimer Platz 6, Dr. E. Mechner: Zionistische Tagesfragen (Nach der A.-C.- Sitzung], Anschließend Lichtbilderstreifen: ״Das Neujahrsfest der Bäume“. Frankfurt a. M. Auf Grund des zwischen den Parteien geschlossenen Kompromisses anläßlich der W a h I e n zur Gemeinde wurden von der jüdischen Volkspartei folgende Kandidaten gewählt: Rechtsanwalt Julius Simon, Hugo Hecht, Benno Kohn, Jakob Dränger, Dr. Paul Arnsberg, M. Rosenwasser, Ehrlich. — Am 23. Dezember sprach in der Zionistischen Vereinigung Dr. Fritz Millner über ״Die Juden in der deutschen Wirtschaft“, am 10. Januar Dr. Georg Landauer, Berlin, über ״Wechselwirkungen zionistischer Innen- und Außenpolitik“. Dieser entwickelte in gut durchdachten Ausführungen das Werden der Situation, die aas Weißbuch von 1930 verständlich macht, fixierte unsere Stellung zu England und wog die offizielle zionistische Politik gegen die revisionistischen Pläne ab. In der folgenden Diskussion ergriffen besonders revisionistische Redner das Wort. — Der Keren Kajemeth veranstaltete am 18. Dezember eine Chanukkah-Feier, die von weiten Kreisen besucht war. Das Programm umfaßte Gesangsvorträge, Rezitationen u. a. von Max Koninsky vom Frankfurter Schauspielhaus, einen von den K. J. V.ern flott gespielten Sketch, einen Trickfilm und als Clou des Abends eine von Moehl und Rochwerg arrangierte Jazz- Parodie über hebräische Niggunim usw. Der Abend brachte außer viel Spaß auch einen bemerkenswerten materiellen Erfolg. — Die neugegründete ״ZionistischeArbeitsgemeinschalt“, die mit den Gruppen der Allgemeinen Zionisten, Misrachi, Poale-Zion und vielen Jugendlichen an der Reorganisation des zionistischen Ortsgruppenlebens arbeitet, brachte am 30. Dezember einen Diskussionsabend über ״Fragen zionistischer Politik“, den Dr. Eugen Mayer durch ein gründliches Refcrat über dieses Thema einleitete. Die Möglichkeiten zionistischer Zielsetzung, Judenstaat oder binationaler Staat, standen im Zentrum der Aussprache, die, obwohl von gemeinsamen Gesichtspunkten geleitet, eine einheitliche Stellungnahme nicht ergab. Immerhin wußte sie sich von unfruchtbaren Schlagworten freizuhalten und manches Anregende zur Fragestellung beizutragen. Ph. M, HU;1%־1

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