Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-12-30 · Heft 102 (30.12.1930) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 102 (30.12.1930)
Date
1930-12-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653251--22058-2680229
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Kongreß mm fadennoi m*m*4י Bimebtammtrr 0£5 Goldmark Emtoint jed e n Dt *D«tag u. Frelu*. Bezugspreis bei dar Expedition monatlich;’״— Goldmazk vierteljährlich 5.75 GoMinerk. AwImdaalMeaaH•■»■ »mdm i* ■im WB»*1uj 4m mirtmlnm. Ltedar K«ectmM. Anumlmmpmd*■ § titw■ 0J0 G-M. SetllangwuelM 0,2$ QUM. N«unm6* 102 Berlin, 30, XIL 1930 RMektlon Verleg «ad Aanigat-Verwalttiiig: füdiache Randecheu Berlin W15, Mbtaekeetr. 10 Telephon: J t ßiemarck 7165 -70. A«T*!ii««tuidhk1& Ditatti! 084 l'reltag taehBltUi• 4 Ubf fUdakdanaadilaS Besäten osd Mittwoch nadanittif. P0it»ch«ck Ken•»: Berlin 17392, Baml V 9355, B*l*r*«l «»33, Brfi—I WH, SaA»pn« »693, D*a*% 1973, Hu« 140470, 994 *«*ו M> Ri** «SS, Stt iubra* 16430, VJamdwm 190 7«, VJtm 15« 03a B * nk > K o a t v > 0*rfM«fah«r ond Httiwu%w>k. DcpMiiaii- Kumm Botin, K«ria1׳,»m1t»1«i1 S— B*»c* 4m Eo, CowhiH (Rmniidae): Angfe PtüMtta• Cti, I« הבח חדצ״א •־t P•?. *10»»1•**g*•«,strebt tor das Jüdisch« Vdli dl• Schaffung •Int Bffntllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Oaljtins. ״Bender Programm.♦ Lord Melchell Aus London kam am 27. d. M. die ldder erwartete Nachricht vom Ableben Lord Melchetts im Alter von 62 Jahren. Lord Melchett, früher Sir Alfred Moritz Mond, ist eine repräsentative Figur der Zionistischen Weltorganisation und wir behalten uns vor, seine Bedeutung in einem besonderen Aufsatze zu würdigen. Lord Melchett kam zum Zionismus nach einem arbeitsreichen, von großen äußeren Erfolgen gekrönten Leben. In diesen Tagen ist ein Brief Theodor Herzls bekanntgeworden, in welchem Herzl anläßlieh von Angriffen, die gegen Max Nordau wegen dessen Ehe mit einer Nichtjüdin erhoben wurden, schrieb: ״Das ist ja übrigens eines der großen Verdienste des Zionismus, daß er die Juden wieder beimbringt, gerade die besten Juden, die weggefangen sind.“ Diese Worte paßten auch auf Lord Melchett. Er war dem Judentum völlig entfremdet gewesen. Durch eheliche Verbindung und durch die Erziehung seiner Kinder dokumentierte er, daß er der Tatsache seiner jüdisehen Abstammung in seinem Leben keine Bedeutung beimaß. Die zionistische Bewegung, vor allem aber die praktischen Aufgaben des Palästinawerkes veranlaßten Lord Melchett, sich mit allen Fasern seines Herzens wieder einem bewußten stolzen Judentum zuzuwenden. Lord Melchett erkrankte am Anfang des Monats Oktober an Venenentzündung, die schließlieh nach anfänglicher Besserung seinen Tod herbeiführte. Auf seinem Krankenlager wurde er von dem Weißbuch der englischen Regierung überrascht Der Demissions-Brief, den er auf die Nachricht von der Veröffentlichung des Weißbuches an Professor Weizmann schrieb, war ein Beweis von seiner leidenschaftlichen Hingabe an die Sache des Zionis- ®us. Der Satz ha Briefe, In welchem Lori Melchett schrieb, daß' Ehrenwort britischer Staatsmänner gefunden zu haben“, war Zeugnis von der inneren seelischen Verbundenheit Melchetts mit dem Schicksal seines Volk«. Melchetts Andenken wird im jüdischen Volke unvergessen Weihen. Lord Melchett unterstützte als Mitglied der englischen Regierung die später in der BaJfour-Deklaration verkörperte Palästinapoliäk Englands und hat seinen großen politischen und gesellschaftlichen Einfluß der Förderung der zionistischen Ziele gewidmet. 1918 wurde er Mitglied des von Herbert Samuel geleiteten beratenden Komitees für die Wirtschaftliehe Entwicklung Palästinas und später Vorsitzender des Economic Board for Palestine, Präsident des englischen Keren Hajessod-Komitees, sowie Ehrenpräsident der Englisb Zionist Federation. Melchett war wiederholt in Palästina und entfaltete Im öffentlichen Leben Englands eine energische politische und Wirtschaftspropaganda für Palästina, war an dem Zustandekommen der Jewish Agency hervorragend betelligt und wurde bei der ersten Tagung des Council der Agency (1929) zusammen mit Louis Marshall zum Präsidenten des Coundl gewählt. Vorher war er Präsident der Joint Palestine Survey Commission, deren Gutachten die Basis der Tätigkeit der Agency bildet Melchett hat dem Palästinaaufbau große Summa! in Form von Spenden und Investitionen zugewandt Nach der Veröffentlichung des Weißbuches legte Melchett sei» Amt in der Agency au» Zeichen des Protestes nieder.; Lei^lfÄrfiiithitateliit ehten* Sohn Sir Henry Mond, der Aktuelle Bemerkungen Von Kurt Blumenfeld. ln den letzten Wochen kam ich nach vielen Orten zu Veranstaltungen verschiedenster Art. In zionistischen Propagandaversammlungen, in Tagungen, die von der Jewish Agency und vom Keren Hajesod einberufen waren, gewann ich aufs neue ein Bild von der Ent- Wicklung, der zionistischen Idee im jüdisch«! Leben. Bel guter Vorbereitung erreichten wir fast überall neue Kreise. Boykottparolen von lokalen C.-V,-Leitungen (wie steht übrigens der C.-V. sonst zurrt, Kampfmittel des politischen Boykotts?) hielten zwar die ganz festgetegten Antizionisten vom Besuch ab, verfehlten aber int allgemeinen ihre Wirkung auf Menschen, die ihrer Art nach für den Zionismus und die Palistinaarbeit zu gewinnen sind. Der Widerhall, den unsere Ideen' zu erwecken versuchten, war überall spürbar; Die Behauptung, daß die Juden in Deutschland innerlich aufgelockert stftd, erwies sich als richtig. Es gibt tausende, die dem Geist ihrer bisherigen antizionistischen Führung mißtrauen und eine Neuorientierung für denkbar und־ möglich halten. Die politischen Abschnitte unserer Reden wurden mit Interesse aufgenommen, aber man verstand überall, daß die Entscheidung zum Zionismus von der politischen Konjunktur in hohem Maße unabhängig ist. Niemand wird Zionist, weil er die politischen Chancen für günstig hält, niemand kann sich der innerlichen Ent- Scheidung entziehen, auch wenn er mit großen politischen Schwierigkeiten in der palästinensischen Entwicklung in der nächsten Zeit rechnen muß. Die Erfahrung bestätigte, daß die Fragen nach dem politischen Endziel nur für die Innemonistische Diskussion erheblich sind. Für die werbende• Wirkung kommt es hingegen darauf an, den Nachweis zu «bringen, daß Palästina Juden in Tagung des FinanzkoniUees 4fer Jewish Agency Am 23. Dezember begann in Berlin eine Sttsnng des Finanzkomitees der Jewish Agency. Den Vcrsitz fUhrte Direktor Oscar Wassermann. An der Beratung nahmen *. a. teil: Ae Hantke, Dr. Georg H aIpern, Dr. Apgn Baftb. Lazarus Barth, Eitingon -Lodz, In«. Reit!Warschau, Dr. SHberschein-Lemberg, Leon L e v! t et - Warschau, Mr. E. S. Marks- London. Die Beratung, djgfc den Finanzfragen der Jewish Agenfcy gewidmet war, wurde am 24. Dezember fortgesetzt. ׳ - Abs den Berichten, die üb«*r die Situation in den einzelnen Ländern erstattet wurden? jfing hervor, daß die europäischen Linder v0mussictjf|*|f',§ft; Beträge aufbringen werden, mit deren Eingang def- Finanzausschuß gerechnet hat lieber die Vorbereitungen 4ines für das neue Jahr beschlossen«! Palästina-Drivei ff» Amerika wurde von Dr. Bernhard Kahn Bericht erstattet. Der Finanzausschuß hat einen Plan zur Erzielung vpj, Ersparnissen ina Budget der Jewish Agency in und äuftferhalb Palästinas ausgearbeitet, der der Exekutive der Jewf^n Agency vorgelegt werden wird. י r Bit Verhandlungen , * zwischen Regierung und Jewish Agency »־״ London, 23. Dezember. (J.T.A.) Am 21. Dezember fand in London eine Sitzung des Jewish Board of Deputies statt, die sich mit dim Fortgang der Verhandlungen zwischen Regierung und jewish Agency befaßte. Der Präsident des lewish Board of Deputies O. E. d’Avigdor Golds nid erklärte, diese Verhandlungen seien dadurch gerechtfertigt, daß die Regierung eben jene Stelle sei, von der Zugeständnisse in der Palisflnafrage erreicht werden müssen. Das ״Berliner Tageblatt“ meldet aus Londoh: Am 27, d. M., abends, wurde die Jahreskonferenz der Englteh Zionist Federation eröffnet Die Delegierten ehrten das Andenken Lord Melchetts durch dr« Minuten des Schwei- «ens. Die Versammlung gestaltete sich zu einem großen Protest gegen das neue Weißbuch. Mit Ungeduld erwarte man das Ergebnis der gegenwärtigen Verhandlungen mit der Regierung. Dr. Weizmann erklärte ta einer Botschaft über diese Verhandlungen, ** ■tri m hoff«, daß das Ergebnis die Jewish Agency In die Lage setzen werde, ihre Arbeit In Palästina fortzusetzen. Lloyd George und der.kanadische Premierminister Ben nett sandten der Konferenz beste Wünsche. in stoan im ״Doar H I onrtferscMeiiaiea offenen Brie! lehnt der Präsident des Waad Leoni, Hochas Ruthenberg, Jede Verantwortung «t die & gegenwärtig *wischen der britischen Regieren* «ndPÜhreni der Jewish Agency geführt werden, ab. RatiKttberg erkürt, ergehe nicht nach London, um an dies« Verhandlungen tellzunehmen. Weiter «iif Ruthenberg fest, dal B» niemand ab Kanadaten für den Präsidenten der JewW» Agency In Vorschlag gebracht tobe, und daß er׳ eine evtl. Autfordfnmg an Uebernahme dieses Amt« abiebaea Bekanntmachung Nr. 3 In Abänderung bzw. Ergänzung der in Nr. 98 der riMischen Rundschau“ veröffentlichten Wahlordnung hat die »uptwahlkortmisslon ln ihrer Sitzung vom 25. Dezember einstimmig folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Wahlen ln Deutschland finden am Sonntag, dem 28. Januar, statt. Wahlen, die vor oder nach diesem Termin vorgenommen werden, sind ungiftig. (Der ursprünglich in Aussiclii genommene zweite Wahltag entfällt) Die Wahlprotokolle (vgl. § 17 der Wahlordnung) müssen spätestens am Mittwoch, dem 28. Januar, nachmittags 6 Uhr, bei der Hauptwahlkommission eintreffen. 2. Nachdem de Exekutive den Stichtag vom 31. Dezember auf den 7. Januar verlegt hat müssen die GrtsgnippenMbagea und Ortsschekelkommisslonen ihre Anstrengungen verdoppln, um das Schekelergebnis In den nächsten Tagen noch erheblich zu verbessern. Für die Zahl der in Deutschland entfallenden Mandate kommen aiasdbllefiltch die Schekel In Befracht Ae von der Landesschekelkommlsskm in Berlin bis zum 7, Januar an die Exekutive In London abgeführt sind. In» Zusammenhang mit der Verlegung des Stichtages wird auch der in den §§ 10 und 11 der Wahlordnung angegebene Termin vom 10. Januar auf den 17. Januar verlegt. 3. Für die Einreichung von Wahlvorschlägen. die spätestens am 14. Januar, nachmittags 6 Uhr, bei der Hauptwahlkommission eingeh« missen, gelt« die Bestimm«*« der §§ 1 bis 6 der Wahlordnung. Kein Wahivorschlag darf mehr als 20 Kandidatennamen enthalten. 4. Um Mißverständnissen vorzubeugen, wird darauf hinfewlesen, daß Wahlorte nur solche Orte ui Deutschland sind, in enen mindestens fünf wahlberechtigte Schekelzahler ihren ständigen Wohnsitz haben, also nicht etwa ohne weiteres Orte* in denen mindestens 5 Schekel verkauft wurden. Wahlberechtigt sind nur solche Schekelzahter, die das 18, Lebensjahr vollendet und den Schekel für das Jahr 5691 ordnungsgemäß und rechtzeitig in Deutschland entrichtet haben, sofern die betreffenden Schekel rechtzeitig mit der LandesseheMkom mission verrechnet wurden. Die Hauptwahlkommission behält sich vor, in Zweifelsfällen den Nachweis der Voraussetzungen zu verlangen, die für die Erklärung eines Ortes zum Wahlort erfordei- Heh sind. 5. Die H auptwahlkommission macht mich «tonal darauf aufmerksam, daß in sSmtllchln Wahlorten unverzüglich Ortswahlkommissionen gemäß | 9 der Wahlordnung zu bik'en sind, da« Zusammensetzung und Adresse der ffntpfwahüocnmtsston spätesten• bis zum 7. Januar mitzHteiiea ist. 01• Nauptwaiilkommissiofi m die Ufaülen »w KVM.ZionistanKongreß ln DMtaeMann Rosenblüth. Mb nüchsfe Mnaater 4k f(Jidi1eitsa Rtt11daclt»u“ scheint tun 6. Jmuuu- 1931. Oie jüdische Welt yerstefct heilt«; reell gut fÄH# Darstellung von. der Entwicklung der. Judenfrage. Sie begreift, daß die allein subjektive Stellungnahme heute nicht mehr von derselben Erheblichkeit ist wie in der Vorkriegszeit Damals konnte ein Jude glauben, dil seine Anschauung über Judentum und Judesein von konstitutivem Wert ist. Die Judenfrage bestand für ihn nur insoweit, als. er sie fühlte und erkannte. Innerjüdische Diskussionen in Deutschland waren entscheidend Gesinnungskämpfe. Auch in der zionistischen Argutnentation lag das Argument von der Judennot im Osten mehr auf der philanthropischen als auf der nationalzionistischen Linie. Gewiß gab es auch damals schon eine objektive Judenfrage; sie wurde aber auch von uns in ihrer Bedeutung nicht erkannt. Heute können wir der jüdischen Welt zeigen, daß die Lage der Judenheit überall durch gleichartige Tendenzen der allgemeinen Entwichlung auf allen Gebieten des Lebens beeinflußt wird. Die unseren Freunden großenteils vertrauten Darlegungen von der Umwandlung des politischen Staat« des 19. Jahrhundert® In den modernen Wirtschaftestaat, in dem der Individualismus zugunsten der Verbeamtung, Vergenossenschaftung, Vergesellschaftung, Vertrustung immer mehr zurückgedrängt wird, muß zu einer Neuorientierung der Juden führen. Der Jude der hinter uns liegenden Entwicklungsperiode gelangte zu einem privatisierten Judentum bei weitgehender Ablehnung aller GemeinschaftsVerbindungen. Der Jude unserer Tage gehört unabhängig von seine» Denken und von seiner persönlichen Stellungnahme — oftmals wider seinen Willen — zur jüdischen Lebenseinheit, deren Schicksal er teilen muß. Es ist die Frage, wie weit die Juden Westeuropa!- scher Bildung die von uns verlangte zionistische Ent- Scheidung mitmachen oder mitmachen können. Wir nennen die zionistische Bewegung eine revolutionäre, ich glaube mit Recht, weil sie de» Charakter des jüdiseben Lebens grundlegend verändern will; und eine solche Bewegung kann ihr Ziel nar erreiche!, wen»! in der jüdischen Gemeinschaft freier Wille ,;nd Not, das heißt selbstverständliches Rechnungtragea einer die Juden zwingenden Lebensentwicklung, Qewaiter. von gleich großen» Gewicht sind. In den Massen des ,׳fUJisehen Ostet» gibt es eine elementare jüdische fcewegung, die zur Neugestatlung dringt, wenn sie/uch noch nicht überall die Bedeutung der zionisti׳ eben Lösung erkennt In Deutschi׳,nd, wo man s£n besonders ängstlich sträubt, kommende ungünstte Ent- Wicklungen rechtzeitig zu erkennen und die •!tabrauchbartelt von Abwehrwaffen, die für eine vergangene Zeit bestimmt waren, einzusehen, gelingt es ״fkute in gxößerem Umfang, als unsere ״Politiker“ •״oei, Juden׳ über Ihre wirkliche Stellung in der ׳»JaÄrm. Altes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.