Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 101 (23.12.1930)
- Date
- 1930-12-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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OsHuden, Mädchenhandel und ״ Wclibühnc" Einzelnummer 0£3 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Er scheint jeden Dienstag u. Freitag, Bezugspreis bei der Expedition Monatlich 2,— GoldmsrL, vierteljährlich 5.75 Goldmark. A««Un׳isabatw*1nent» werde□ ia dm Wlhma! dm einzelnen Linder berechnet. Asisarifenpreis: ft gesp. Nonpaieillezeile 0,50 G-M. Stellengesuch0,25 ל G.-M, Nummer lüi | Berlin, 23. Xll. 1930 Redaktion Verlag und Anzeigen-־Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.FJL, BerlinW15, Meinekestr.XO Telephon: J1 Bismarck 7165 -70. AnzetgeiiacUaS: Di•■•«»( and Fr«it•( nacbmitt•(• 4 Ubr RedaktionsschluS Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck Konten: Berlin t7392, Bete) V 9355b Bekrtd 68052. Brüssel 394 33, Budepeat 59693. Denzif )973, He« 140 470, Prag 594 10 Riga 4155. Strasbourg 164 30, Werecbea 190708, Wim 156 030, Bank>Kocten: Dartnstadter und Nationalbaak, Depositen Kasse Berlin, K.urKimendamm 52: Banca de Ett, Ceroauti (Rumänien); Anglo Palesüne Co. in HaÜa, ieruaala-m, Tel Aviv, ג, טבת תרצ״א.| xxxv.jahrg. Per Zionismus erstrebt tflr das jOdlsehe Volk die Schaffung einet Öffentlich - rectitllel» gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.«* Die Verhandlungen Die englischen Zeitungen melden am 20, Dezember: In einer am 15. November veröffentlichten Mitteilung der Regierung wurde bekanntgegeben, daß — da Zweifel über die Vereinbarkeit mancher Sätze des Weißbuches vom 21, Oktober mit gewissen Artikeln des Palästina-Mandates geäußert wurden und da andere Sätze sich zur Erzeugung von Mißverständnissen geeignet erwiesen haben, die Regierung Sr. Majestit Vertreter der Jewish Agency eingeladen hat, mit ihr über diese Angelegenheiten zu beraten. Gestern Abend wurde hierzu folgende Mitteilung vom Foreign Office ausgegeben: ״Gemäß der Ankündigung vom 15. November Ist ein Subkomltee des Kabinetts mit den Führern der Jewish Agency zu Beratungen zusammengetreten; eine weitere Zusammenkunft hat heute, Freitag (19. Dezember), in den Räumen des Auswärtigen Amtes stattgefunden. Die Beratungen sind noch nicht abgeschlossen und die Sitzungen werden Anfang Januar wieder aufgenommen werden.“ * .Wie der ״Jewish Chronicle“ mitteilt, hat in den letzten zwei Monaten Malcolm MacDonald, der Sohn des Primeministers, eine bemerkenswerte Rolle bei den Verhandlungen mit der Regierung gespielt. Der junge MacDonald ist ein Bewunderer und Freund Dr. Weizmanns und ist sehr gut informiert über alle Einzelheiten der Palästinafrage. Es heißt, daß er sich jetzt mit der Ausarbeitung eines Planes beschäftigt, der. einerseits das jüdische Volk zufriedenstellt, andererseits unnötige und unerwünschte Erschütterungen in Palästina vermeidet Malcolm MacDonald, schreibt ״Jewish Chronicle“, sei das einzige brauchbare Mitglied der zu dem Kabinett-Komitee gehörenden Gruppe; ob er jedoch stark genug ist, den Primeminister zugunsten des Zionismus entscheidend zu beeinflussen, müsse abgewartet werden. ״Jewish Chronicle“, dessen Berichte freilich sehr tendenziös sind, will erfahren haben, daß mit Rücksicht auf die weitere Verschleppung der Verhandlungen die Verschiebung des Zionistenkongresses erwogen werde. Außerdem behauptet das Blatt, daß noch vor Zusammentritt des Kongresses weitere Demissionen in der zionistischen Exekutive erfolgen und auch andere ״dramatische Entwicklungen“ erwartet werden. mmlsston der Jewish Afleney - - Ä & dm«äMr.' {Bidet fa Bim« #I«6 Sitzung des ftoan*rKopltee§ fle? Jewish Agency unter Vorsitz des Herrn Direktor Oscar Wassermann statt. An der Beratung nehmen die Mitglieder der Exekutive, Dr. Hexter und Dr. Bernhard Kahn, teil. Dr. Hexter trifft am Montag, dem 22. Dezember, In Southampton mit dem aus Amerika zurückkehrenden Dr. Bernhard Kahn zusammen, von dort werden beide Herren gemeinsam die Reise nach Berlin fortsetzen. Der Sitzung kommt die größte Bedeutung zu, weil Dr. Kahn sich in Amerika Uber die Aussichten der Palästina-Kampagne unterrichtet hat und demgemäß die Maßnahmen bezüglich des laufenden Budgets zu treffen sind. Dr. Sdimarfahu Levin in Berlin Dr. Schmarjahu Levin passierte auf der Rückreise aus Rumänien nach London Berlin, und ein Mitglied unserer Redaktion nahm Gelegenheit, Dr. Levin aufzusuchen und ihn über den Stand der Keren Hajessod-Aktion in Rumänien zu fragen. Dr. Levin hat nämlich in den letzten vier Wochen sowohl Alt-Rumänien wie auch Transsylvanien, Bessarabien und die Bukowina besucht und in den wichtigsten Orten Vorträge gehalten und an aus Anlaß seiner Anwesenheit einberufenen Keren Hajessod-Konferenzen teilgenommen. Ueber die politische Lage der Juden in Rumänien ist die jüdische Welt durch die Presse genügend informiert. Weniger informiert ist sie über den katastrophalen wirtschaftlichen Niedergang der rumänischen Judenheit, die besonders stark unter der schweren Krise leidet, der Rumänien als ausgesprochener Agrarstaat seit fast zwei Jahren ausgesetzt ist. Trotz dieser schweren wirtschaftlichen Situation ist aber die Arbeitsbereitschaft und Opferwilligkeit der rumänischen Zionisten und Palästinafreunde in keiner Weise gemindert. Zionisten und Nichtzionisten im Keren Hajessod sind gleicherweise bemüht, die Eingänge der laufenden Keren Hajessod-Kampagne nicht nur auf die gleiche Höhe wie im Vorjahre zu bringen, sondern den Ertrag der Sammlungen zu steigern. In allen vier Teilen Rumäniens haben die Vorsitzenden der Keren Hajessod- Komitees gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern förmlich die Garantie übernommen, daß trotz der Schwere der Lage und trotz der Kongreßvorbereitungen die Arbeit für den Keren Hajessod mit aller Energie fortgeführt werde und daß die Einginge keine Minderung erfahren. Besonders stark war Dr. Levin durch die zionistische Haltung derjüdisehen Massen in Bessarabien und in der Bukowina berührt. An den Versammlungen, in denen Dr. Levin sprach — in Czernowitz waren es fünf Abende —, beteiligten sich viele Tausende von. Zuhörern, und in besonders starkem Maße die Jugend. Aber auch in Transsylvanien und in Alt-Rumänien ist die palästinafreundliche Stimmung der jüdischen Bevölkerung durch die letzten politischen Ereignisse im Zusammenhang mit Palästina verstärkt worden, Dr. Levin begibt sich nach London und wird im Monat Januar in der Tschecho- Slowakei und auch in Deutschland die Keren Hajessod-Arbeit unterstützen. Die nächste Nummer der ״Jüdischen. Rundschau“ erscheint an 36« Dezember. Die KongreB-Diskussion Oscar Wassermann in Prag und Brünn (Von unserem Berichterstatter) hl, Prag, 19. Dezember 1930. Die Tagung des Zentral-Komitees der Radikalen Zionisten und die Anwesenheit Kurt Blumenfelds in Prajz und Mähr. Ostrau boten Gelegenheit, die Kongreßdiskussion vor einem größeren Forum zu eröffnen. An zwei Abenden hintereinander konnten die ״Allgemeinen Zionisten“ in Prag im großen Festsaale des Bet Haam einer überaus zahlreichen Zuhörer schar ihre Stellungnahme zum Kongresse vortragen. Die Tagung des Zentral-Komitees der Radikalen Zionisten war ursprünglich auf Drängen Strickers einberufen worden, der heftig gegen den Eintritt Goldmanns und Soloweitschiks in die Londoner Politische Kommission opponierte. Noch in der ersten Ankündigung des Meetings der Radikalen Zionisten prangte Strickers Name friedlich zwischen den übrigen Rednern. Er ist ganz knapp vor der Konferenz aus der Fraktion der Radikalen ausgetreten, deren Tagung dann auch nach dem ausgegebenen Bulletin ganz harmonisch verlief. — Am ersten Abend ging Kurt BIumenfeld von der allgemeinen Weltkrise aus, in welcher alle Probleme akut werden, darunter auch die Judenfrage. Wir stehen in einem wirtschaftlichen Uebergang, der für das Judentum verhängnisvoll wird: Dem Uebergang von der Individualzur Gemeinschaftswirtschaft. Der Jude fühlte sich wohl in der Individualwirtschaft, in welcher der Tüchtige vorwärts kam. In der Gemeinschaftswirtschaft dagegen, wo nicht Individuen, sondern Gruppen ringen, wird er isoliert und kann sich nicht durchsetzen. Zusammenschluß bedeutet für ihn hier Ausschluß. So ist heute eine objektive Judenfrage entstanden; es kommt nicht mehr auf Gesinnung und nicht mehr auf den Willen an, ein jeder Jude unterliegt, ob er will oder nicht, der objektiven Judenfrage, und das ist mit eine Erklärung dafür, daß so viele Menschen, welche uns vor Jahren noch so ungeheuer fern standen,, heute zu den unsri||B zahlen ׳oder ,'י •י״י*'»* die heutige ill&iBÄ In sa ,gäffT es' nur 'eigin wf!» de« der Realpolitik; man müsse unbedingt ■jede Politik ver. urteilen, welche auf politischen Pr0k|ä!»j1ticmen größeren Wert legt, als auf die Realisierung der nächsten Ziele. Weijmann wird — und das ist auch der Wunsch seiner nächsten politisehen Freunde — nicht mehr auf diesem Kongreß kandidieren. Niemand wünscht, daß ein Kampf um Weizmaim geführt werde. Wer fordernd auf diesem Kongresse auftreten will, müsse mit einem klaren Programme für unsere praktische Arbeit der nächsten Jahre kommen und den Weg weisen, der zu ihrer Verwirklichung führt. Die Situation müsse so weit geklärt sein, daß sich niemand mehr hinter große Proklamationen und große Gebärden verschanzen könne. Blumenfeld tritt für das System Weizmann ein, ohne Rücksicht auf die Person Weizmanns, weil ein anderes im realpolitischen Kampfe mit England für die Organisation von höchster Gefahr wäre. Der wahre Radikalismus bedeute nicht Versammlungsreden, sondern täglich bewährten Einsatz von kraft- und opfererfüllten Menschen, wie er sich in Palästina gezeigt hat. Am nächsten Abend antworteten so ziemlich alle Redner der Radikalen (Margulies, Soloweitschik und Goldmann) auf die Rede Blumenfelds. Diese Polemik trug leider stellenweise einen unsachlichen Charakter, da die Redner Blumenfelds Ausführungen nur vom Hörensagen kannten — sie selbst waren nicht bei seinem Vortrage anwesend gewesen — und so u. a. auch gegen Ausführungen Blumen felds ankämpften, die er gar nicht gemacht hatte. Die Redner betonten, daß es sich keineswegs bei diesem Kongresse um einen Kampf gegen die Person Weizmanns handelt, sondern nur gegen sein System. Nahum Goldmann wandte sich scharf gegen die den Radikalen unterschobene Ansicht, daß sie allzu sehr das Politische im Zionismus betonen und auf die praktische Arbeit weniger Gewicht legen. Die Radikalen seien sich vollauf der Wichtigkeit und Notwendigkeit der praktischen zionistischen Arbeit in Palästina bewußt und werden cs nie zulassen, daß diese Arbeit unterbrochen oderauch nur hintangesetzt werde. Aber es darf nicht vergessen werden, daß die politische Arbeit die Voraussetzungen für die praktische schafft und daß eine Unter- Fassung politischer Art schwere Folgen . zeitigen kann, die noch unsere Kinder und Kindeskinder an der Arbeit zu hindern vermögen. Die Ausführungen Goldmanns, der doch sozusagen mit einem Fuß in der Regierung steht, haben stellenweise einen ziemlich realpolitischen Anstrich; es kam dabei manchmal zu Konklusionen, die mit dem von den Radikalen , so sehr bekämpften ״KleinZionismus“ schon eine entschiedene Aehnlichkeit besitzen. So war des öfteren von einem weiteren zähen ״Kleinkrieg•‘ mit England die Rede, d. i. zähes Verhandeln mit der Regierung, rasches Ausnützen aller Möglichkeiten u. dgl. mehr, während man sonst von radikaler Seite (z. B. von Dr. Marguj lies) die Parole eines Abbruches der Beziehungen mit England; gehört hatte.; Die Kongreßdiskussion wurde durch diese beiden Abende l gleich von allem Anfang an in ziemlich sachliche Bahnen gelenkt. Momentan gehen die Beratungen innerhalb der einzelnen Gruppen vor sich; man weiß noch nicht recht, wdche Parteien wanlwerbend auftreten werden. Der Endtermin für die Einreichung der Wahllisten wurde Bit de» 10* Januar festgepetrt, die Wahlen s#t»1t «nerie» in der Tschechoslowakei * . . Einen neuen großen Impuls erhielt die Arbeit dii» J Keren Hajessod in der Tschechoslowakei durch die An- Wesenheit Dir. Oscar Wassermanns, der am 6• und 7. d. M. in Prag und Brünn vor einem größeren Kreise jüdischer Wirtschaftsführer über die Lage des Palästina-Aufbauwerkes der Jewish Agency sprach und mit seinen sachliche«, von ehrlichster Ueberzeugung erfüllten Ausführungen großejlL; ■ Eindruck bei allen Teilnehmern erweckte, ln Präg spram außerdem Dir. Wassermann in einem Presse-Empfang vor den Vertretern der tschechischen und deutschen Tagespresse über die politische Palästina-Situation. Seine Rede wurde .ausführlieh in den meisten Zeitungen kommentiert. Dir. Wassermann unterstrich besonders, daß es auch den nichtzionistisehen jüdischen Kreisen darauf ankomme, in Palästina ein zentrales, positiv-konstruktives Werk zu schaffen, das ein einigendes Band für die gesamte Judenheit bilden solle, in ן einer Zeit, wo sich alle anderen Bindungen im Judentume leider zusehends lockern. Das ist der Sinn des Palästinawerkes für sämtliche jüdische Schattierungen. Auch Kurt Blumenfeld benutzte seine kurze Prager Anwesenheit zur Unterstützung der Tätigkeit des Keren Hajessod. ....... Osijuden, Mädchenhandel und ״Wehbühne״ Von Alfred Berger ln der Nummer 49 der ״W e 11 b ü h n e" vom 2. Dezember d. J. ist ein Artikel ״Mädchenhandel“ von Julie Blasius erschienen. Die Verfasserin läßt sich zunächst über Mädchenhandel und Prostitution aus und vertritt dabei Anschauungen, die man vielleicht in stock-reaktionären Zeitschriften zu finden erwartet hätte, die man aber mit Erstaunen in der ״Weltbühne“ liest. Aus diesem Teil der Ausführungen, zu denen wir an dieser Stelle nicht Stellung zu nehmen haben, geht nur hervor, daß die Verfasserin von der Materie nichts versteht, daß sie die Flut von Veröffentlichungen, das große Material, das es hierüber gibt, nicht kennt, und daß sie das Wenige, was sie gelesen hat, oberflächlich verarbeitet. Wenn wir aber in einer jüdischen Zeitung zu diesen Ausführungen Stellung nehmen, dann deshalb, weil sich Julie Blasius besonders mit der Stellung der Ostjuden zur Prostitution und zum Mädchenhandel beschäftigt. Und da erfahren wir aus der ״Weltbühne“, daß es im allgemeinen keinen Mädchenhandel gibt, sondern nur ein Wandern und Verschiffen von Prostituierten von der einen Stadt zur anderen, von Europa nach Uebersee, aber keinen Handel mit unverdorbenen, jungen Mädchen. Mit einer Ausnahme. Mit Ausnahme der Ostjuden. Es heißt wörtlich : ״Hier sind es wirklich junge unschuldige Mädchen — die nicht etwa heimlich nach Buenos Aires verschleppt werden, sondern von ihren eigenen jüdisch-polnischen Eltern ganz regelrecht dorthin verkauft werden. Das geht folgendermaßen vor sich: Der jüdische Unterhändler besucht mit Vorliebe sehr arme und mit vielen Töchtern gesegnete Familien. Die erste wird von ihm geheiratet, die jüngeren Schwestern läßt er später, wenn sie fürs Geschäft zu gebraudien sind, nachkommen. Der Preis wird richtig ausgehandelt, imd der Vertrag, durch den sich der Händler veipflictoet, monatlich eine bestimmte Summe an die Eltern zu überweisen,• wird von beiden Parteien gezeichnet. Auch von der jungen Tochter, die von den Eltern dazu gezwungen wird, w׳enn sie es nicht freiwillig tun will. Ich halte es für vollkommen ausgeschlossen, daß die Eltern bei den sehr häufig vorkommenden Fällen dieser Art nicht wissen, was mit ihren Töchtern geschieht. Selbst wenn dies in einem einzelnen Fall zuträfe, muß der Rabbiner wissen, was los ist und müßte warnen. Auch das furchtbarste Elend in den polnischen Ghettos entschuldigt in keiner Weise die Handlungsweise solcher Eltern. Und die höhere Schuld trifft die offiziellen Vertreter und Verkiinder der jüdischen Religion, die die Leute in dem abscheuliehen nationalistischen Glauben lassen, es sei besser, sein Kind mit dem ersten besten jüdischen Schuft zu verheiraten als mit einem anständigen Andersgläubigen.“ Selbstredend bleibt Julie Blasius für ihre ungeheuere;heu Behauptungen jeden Beweis schuldig. Wenn dieser Arlikd im ״Völkischen Beobachter“ gestanden hätte, in irgendeiner Zeitschrift, in der täglich Lügen über Juden stehen, wir hätten davon keine Notiz genommen; daß sich die ״Weltbüline“ dazu hergibt, diese von Niemandem bewiesenen und nirgendwo nachweisbaren Behauptungen zu verbreiten, daß sie es ablehnt, eine Berichtigung zu bringen, kann nicht scharf genug gebrandmarkt werden. An diesen Behauptungen ist nichts, aber auch nichts zutreffend. Wir alle wissen, daß es in polnisehen Großstädten mit großer jüdischer Bevölkerung Dirnen, Zuhälter und Kuppler gibt, genau so wie in allen anderen großen Städten der Welt. Wir wissen auch, daß der asoziale Teil der Juden mehr zu Taschendiebstahl neigt als zu schwerem Einbruch, mehr zu Betrug als zum Raubmord und sicher in vielen Fällen zur Kuppelei und zürn Zuhältertum. Selbstredend gibt es unter 15 Alillionen Juden genügend Asoziale und Antisoziale, und wir wollen an dieser Stelle nicht in die Debatte eintreten, ob die Zahl der Verbrecher bei uns größer oder kleiner ist als in anderen Gemeinschaften. Aber es ist eine nachweisbare Lüge, daß ausgerechnet bei polnischen Juden dieser Handel mit jungen Mädchen vor sich geht, eine namenlose Verleumdung der ostjüdischen Familien, daß sie