Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 674 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 100, 1®. XE 1830 jetzt aiich in der Linken seine politische Energie. Aber ein Präsident der Bewegung muß noch andere, ge* wisse suggestive Eigenschaften besitzen, die dem we* nigstens äußerlich englisch frisierten Sacher vielleicht nicht in genügendem Maße eignen. Auch ist nicht bekannt, ob er überhaupt auf die Führerschaft aspi* riert Es mag ein zufälliger Einfall eines Journalisten gewesen sein, seinen Namen in die Debatte zu werfen. Der Kandidat, der heute bereits am stärksten und systematischsten lanciert wird, ist Ruthenberg. Der Londoner ״Jewish Chronicle“, der freilich das Organ eipes Außenseiters ist und auf die zionistische Ent- Wicklung wenig Einfluß hat, tritt seit einiger Zeit geschickt für Ruthenberg ein. Man macht geltend, daß er in allen maßgebenden Lagern Anhänger hat. Er gilt als ״starker“ Mann, vermag mit der Waffe umzugehen, war im Krieg Anhänger der jüdischen Legion und ist daher bei den Revisionisten beliebt Zugleich genießt Ruthenberg aber auch eine besondere Vertrauens- Position bei der diametral entgegengesetzten Gruppe, nämlich den amerikanischen Nichtzionisten (Felix Warbürg), die den Revisionisten als national besonders unzuverlässig gelten und eine Zeitlang sogar der Sympathien für Magnes verdächtig waren. Auch die Brandeis-Gruppe steht In guten Beziehungen zu Ruthenberg, und in manchen Kreisen der palästinensischen Arbeiterschaft ist dieser alte russische Soztalrevolutiofiär sehr angesehen. Für die breiten Massen des Volkes ist Ruthenberg׳, der Elektrifikator Palästinas, mit einem mystischen Glanz umgeben. Ruthenberg hat als Präsident des Waad Leumi auch den Jischuw hinter sich. Man wird also bei objektiver Betrachtung zugeben müssen, daß seine Kandidatur rein parlamentarisch gewisse Chancen hätte. Politisch freilich ist Ruthenberg ein unbeschriebenes Blatt Ob die Erfahrungen, die er im ersten Halbjahr 1930 in London sammeln konnte, ausreichen, um ihn den rechten Weg der Politik finden zu lassen, muß sich erst zeigen. Gerade dieses politische Debüt Ruthenbergs sowie seine Haltung als Präsident des Waad Leumi haben ihn bereits zu einer umstrittenen Figur gemacht Viel wird davon abhingen, zu welchen politischen Grundsätzen und zu welcher Methode Ruthenberg sich vor dem Kongreß bekennen wird. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß in manchen zionistischen Kreisen der Oedanke eines Kollegiums erörtert wird, etwa in der Art, wie es nach Wolffsohns Abgang 1911 eingesetzt worden ist Ob sich dieses System heute durchführen läßt,, müßte erst untersucht werden, zumal da durch die erweiterte Jewish Agency gerade dem Präsidenten eine besondere Funktion zufällt. Der Präsident der Zionistischen Organisation ist auch Präsident der Jewish Agency, und man wird daher die Präsidentenfrage nicht ohne Berücksichtigung dieses jsllktu^lfiiu 4ie*E«»üudiilt eines Kollegium * durchaus ins Auge zu fassen. Es liegt uns fern, hier einen der vorgeschlagenen Auswege von vornherein zu diskreditieren, da mit allen Möglichkeiten gerechnet werden muß und der künftigen Führung nicht bereits vor ihrer Geburt die Arbeit erschwert werden darf. Es wäre überhaupt zu wünschen, daß in unserer heutigen schwierigen Situation alle zionistischen Gruppen in ihren den Kongreß vorangehenden Auseinandersetzungen darauf Rüdesicht nähmen, daß der Tag nach dem Kongreß kommen wird, an welchem es darum gehen wird, wieder zionistische Arbeit zu tun, den ganzen zionistischen Einfluß einzusetzen. Wer immer dann der Träger dieser Arbeit und dieses Einflusses sein wird, — er darf nicht durch Nachwirkungen des Wahlkampfes und der Kongreßkämpfe so ramponiert sein, daß er nicht mehr im vollen Sinn seine Aufgabe erfüllen kann. Es wäre zu wünschen, daß gerade die Leitungsfrage, die alle unsere Kongresse und Tagungen seit 1920 verdorben hat, diesmal schon vor Zusammentritt des Kongresses geklärt wird, damit der Kongreß sich der Unterhaltung mit dem oder den Kandidaten und der Bewältigung der sachlichen Arbeit widmen kann. Daß diese sachlichen Aufgaben nicht gering sein werden, weder auf politischem noch auf wirtschaftlichem Gebiet, wurde schon eingangs dieser Ausführungen hervorgehoben. Von einigen Einzelfragen der Politik und Wirtschaft, der Ideologie und Organisation soll ein andermal noch die Rede sein. Eta )ttdlsdter Bank-Krach in New York Wie ״Manchester Guardian“ berichtet, sind durch den Zusammenbruch der ״Bank of the United States“ in New York vor allem Juden betroffen worden. Die Bank hatte in Groß-New York 59 Filialen. Sie war hauptsächlich von Juden geleitet, und auch die Mehrzahl Ihrer Klienten waren Juden. Fustonsverhandlungen mit drei anderen ebenfalls jüdischen Bankinstituten, und zwar der Manufacturers' Trust Company, der Public National Bank und dem International Trust sind gescheitert Die Bank of the United States ist im Jahre 1913 von Josef Marcus gegründet worden, der schon im Jahre 1908 eine Bank für Lohnempfänger Ins Lehen gerufen hatte. Das Gründungskanltal betrug 100 000 Dollar, nach dem Kriege jedoch wurde die Tätigkeit der Bank durch eine Reihe von Fusionen erweitert. Als die Nachricht von der schwierigen Situation der Bank bekannt wurde, setzte tm New Yorker Ghetto ein Run der Einleger auf die Filialen ein. Unter der Menge von 20000 Menschen, die sich vor den Filialen der Bank angesammeJt hatten, soielten sich bis in die Morgenstunden Szenen wilder Verzweiflung ab. Es handelt sich um einen der grüßten Bankkrachs, die jemals in New York vorgekommen sind. Die Passiven betragen 200 Millionen Dollar. ★ Wie wir nach RedaktionsschluS erfahren, soll es gelangen sein, eine Sanierung der States-Bank durchzuführen. Einzelheiten stehen noch aus. Leib Jaffe in Polen Seit einigen Tagen weilt Leib Jaffe, der Direktor des Keren Hajessod, in Polen, wo er wieder die diesjährige Keren Hajessod-Kampagne organisiert Schon im vorigen Jahre — ebenso in den vorangegangenen Jahren — Übernahm es Leib Jaffe trotz der schweren Wirtschaftskrise, unter der die polirischen Juden vielleicht am stärksten von allen Juden in Europa leiden, in Polen für die unaufschiebbaren Zwecke des Keren Hajessod an den Opfersinn und an die ßteuerverpfljchtung der Zionisten und Palästinafreunde zu appellieren. Es gelang ihm immer dank seiner Energie und dank seinem Optimismus, der ihn nrit Recht an die Jüdischen Massen glauben llßt, Ergebnisse zu erzielen, die die übrige Judenheit in der Welt in Erstaunen setzten. In der Sitzung des Administrative Committee in Berlin konnte Direktor Oscar Wassermann im August 1930 mit Ergriffenheit feststellen, daß die polnischen Juden ungeachtet ihrer schweren Notlage ihre Leistungen für den Keren Hajessod Im vergangenen Jahre außerordentlich gesteigert haben. Daß dieses geschah, ist neben der mustergültig« Haltung der Ziotrist« & Polen in der Arbeit für unsere Fonds und neben der tief verwurzelten Paltstinaliebe der jüdisch« Massen in erster Linie der unermüdlichen Arbeit Leib Jaffe« und Dr. Alexander öoldstelns zu verdanken gewesen. Diesmal hat Leib Jaffe wiederum dieses schwerste Arbeit»- gebiet für den Keren Hajessod übernommen und schon in d« erst« Tag« seiner Aawes«hdt in Pol« gelang es ihm, die Hauptaufmerksamkeit der polnisch« Judenheit, obwohl die politische Situation in Pol« und auch die politische Situation im Zionismus aufregend genug sind und ein« groß« Teil des allgemein« Interesses beanspruchen, auf d« Keren Hajessod zu lenken. Leib Jaffe veranstaltete Presse-Empfänge, hielt Besprechung« ab, organisierte das Zentral-Komitee des Ker« Hajessod und verstand es, alle fraktionell divergierenden Zionisten wiederum im Dienste des Keren Hajessod zu einigen. Die dgratliche Arbeit setzt nach der großartig« Akademie dn, die für den 17. Dezember in den groß« Saal des Theaters ״Nowosd“ in Warschau dnberuf« war. Der Vorsitzende des Ker« Hajessod-Komitees, der Präsident der Warschauer Oemdnde H. Farbstein leitete die Kundgebung. Dr. J. Gottlieb sprach über ״Das Weißbuch und das Biau-WeiB-Buch“. Der Nichtzionist Dr. S. G old - flam referierte über ״Unsere Pflicht gegenüber Palästinas“. Abgeordneter Jizchak Grünbaum sprach über das Thema ״Nach zehn Jahren“ und umriß ein Bild der bisherigen Leistengen des Keren Hajessod. Maurycy ״M a y z e 1“ sprach über d« ״Anteil der polnischen Judenheit am Palästinaaufbau“. Im Mittelpunkt der Referate stand eine großangelegte Rede Leib Jaffe« über ״Zehn Jahre Arbeit im Volke und in Palästina“. Ehe Kundgebung verlief außerordentlich harmonisch und war von Delegiert« der Keren Hajessod-Komitees aus ganz Polen besucht Trotz der Not der Zeit gab« alle Abgesandten der einzelnen Orte die Versicherung ab, daß sie die größte Energie aufwenden werden, damit das diesjährige Ergebnis der Keren Hajessod-Leistungen in Polen hinter dem vorjährigen nicht zurückbleibe. Man kann mit G«ugtuttng feststellen, daß die Ker« Hajessod-Arbeit unter den Koogreß-Vorfcerdtungen, die natfirleiden wird. Man kann von einem zionistischen gratlemras agreement sprechen: daß die Arbeit für die Fonds über Fraktion und politisch-zionistischen Meinungsverschiedenheiten zu stehen habe. Ohne Uebertreibung läßt sich behaupten, daß Pol« geradezu der Prüfstein für die allvveltüche jüdische Opferbereitschaft im Interesse Palästinas ist Denn ein Körper ist genau so gesund wie sein schwächstes Organ. Die polnisch« Juden sind unter all« Judenheit« der Welt gegenwärtig von den drückradsten Sorg« erfüllt, somit das wirtschaftlich schwächste Organ des jüdisch« Volkskörpers. W«n dieses schwächste Organ seine Leistungsfähigkeit aufs neue beweis« wird, dann wird der Beweis erbracht sein, daß der große Körper der Zionist« und Pallstinafreunde in der Welt gesund Ist und alle Schwierigkeit« überwind« wird. ra. f. Ende der Quarantäne-Plage? Nach einer Mitteilung des Immigrations-Departements der Jewish Agency hat die palästinensische Regierung einer wichtigen Verbesserung in der Abfertigung von Schiffspassagieren, die in palästinensisch« Hat« ankomm«, zugestimmt. Von jetzt ab müssen die Gepäckstücke von Reisend« einschließlich der der 3. Klasse nicht mehr desinfiziert werden, wenn sie während der Schiffsreise nicht geöffnet Word« sind. Was die Desinfektion der Reisenden selbst angeht, so sind diejenigen der 3. Klasse, die sich bisher der Desinfektion unterziehen mußten, künftig ebenfalls von dieser Verpflichtung frei, w«n der Schiffskommissar bestätigt, daß sie in besonderen Kabin« untergebracht waren. Im allgemein« hat der Quarantäne-Arzt das Recht, an Ort und Stelle zu entscheiden, ob die Notwendigkeit einer Desinfizierung besteht oder nicht Diese Verordnung bedeutet eine wesentliche Verbesserung In der Abfertigung der Schiffsreisenden, von den« bisher die Passagiere der dritten Klasse einer sehr unangenehm« Prozedur in der Quarantäne unterworf« waren. (Ziko.) Die Arbeitskentlikte in den OrangenplaDtagen Jerusalem, 16. Dezember. (J.T.A.) We jüdisch« Pflanzer von Ness-Ziona, wo kürzlich im Zusanun«nang mit der Forderung der jüdischen Arbeiter nach erhöhter Bescnäftigung während der Erntezeit Arbeitslosenunruben ausgebroch« sind? haben die Vermittlung von Vertretern des waad Leumi und der Jewish Agency in dem entstanden« Konflikt akzeptiert In aas Gefängnis von Ramieh wurd« weitere vier jüdische Arbeiter eingeliefert, so daß die Gesamtzahl der Häftlinge nunmehr auf 16 gestiegen ist Britische und palästinensische Polizei wurde zur Verhütung weiterer Unruhen in Ness-Ziona stationiert. Sechs Demonstrant« ward« bereits zu je drei Wo• chen Gefängnis verurteilt Der Bericht der KIagemaaerlc0M11lss!0n London, 16. Dezember. (J. T. A.) Der Bericht der Klagemauerkommission Ist bereits beim Kolonialamt eingelangt Da das Kolonialamt bisher keine Gelegenheit hatte, den Be• riebt zu überprüfen, konnte auch bezüglich einer eventuell« Publikation noch keine Entscheidung getroffen werden. Auf alle Fälle wird jedoch eine Kopie des Berichtes demnächst dem Völkerbund übermittelt werden. Die OZET״ Konferenz In Moskau Am 10. Dezember, abends, wurde in Moskau ln Gegen• wart von 150 Delegierten und über 600 Olsten die Konferenz von OZET (Vereinigung privater Gesellschaft« für jüdische Ko Ionisation) und KOMZET (Regierungskommission iür jüdische Landansiedlung und Zuführung der Jud« zur Industrie) für das Gesamtgebiet der Sowjetunion in Moskau eröffnet Moskau, 15. Dezember. (I. T. A.) Die Beratung« der OZET-Konferenz in Moskau wurd« durch ein von Dtroanstein erstattet« Referat über die Tätigkeit und die organisatorische Lage von OZET eingeleitet Dfmanstdn erklärte u. a.: ScnwereFehler.dieinder Vergangenheit begangen wurdra, seien nunmehr wieder gut gemacht worden, unter diesen Fehlern sei in erster Reihe jene auf der vor vier Jahr« stattgefund«en OZET-Konferenz abgegeb«e Erklärung zu nennen, wonach die Bekämpfung des Zionismus nicht zum Aufgabenkreis von OZET gehöre, indessen sei die Abgabe dieser Erklärung bloß aus taktischen Gründen erfolgt, um die ausländisch« bourgeoisen Kreise, auf der« finanzielle Unterstützung man angewies« war, nicht abzustoßen. Wie an Hand einer Reihe von Tatsachen nachgewies« werden könne, habe in Wirklichkeit OZET schon damals den Zionismus bekämpft. We Arbeit mit den ausländisch« Organisationen, insbesondere nrit dem Agro• Joint werde fortgesetzt werd«, doch müss« Organisationen, die für die KoIIefclivisicrungstendenzen der Sowjets kein Verständnls zeig«, «tsprech«d überwacht werd«. Scharfe Angriffe geg« die kommunistischen Leiter von OZET und KOMZET richtete Abraham Bragin, der darauf hinwies, daß während der 13 Jahre des Sowjetregimes das Problem des jüdisch« Selbstbestimsmmgsrechtes, die Frage eines jüdischen Territoriums, kein einziges Mal vom Zentralexekutivkonritee oder vom Parteikomitee berat« worden sei. Die territoriale Lösung der jüdisch« Frage könne nur in der Krim, keinesfalls in Biro-Bidschan erfolgen. Bragin wurde in seiner Rede wiederholt durch Zwischenrufe radikaler Kommunist« wie: ״Weizmanns zionistischer Agent,־־ ״Einen Ordnungsruf für den Konterrevolutionär!“ unterbrochen. In dreistündiger Rede kritisierte Mereschindie Anschauungen der rechten und link« Opposition und entwickelte das Aktionsprogramm von OZET una KOMZET für die nächste Zukunft. Bis zum Abschluß des Fünfjahresplanes sind alle deklassierten jüdischen Elemrate in die staatliche Industrie, die Bauarbeiterschaft, in das Transportwes« und in die Gewerbekooperativen einzugliedern. Die Zahl der Selbsttätigen, von denen mindestens 65«/» Lohnarbeiter sein sollen, muß die der Nichtselbsttätigen übersteig«, ebenso die Zahl der Arbeiter die der Angestellten. Der Großteil der jüdisch« Arbeiter, der« Zahl doppelt so groß werden muß wie die der selbständig« Landwirte (Kustars), ist in die metallurgische, chemische und Bergbauindustrie überzuführ«. Zur Landwirtschaft sind nur die ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung zuzulassen. Im Verlauf des nächst« Jahres ist die jüdische Landwirtschaft zu 100 0/0 zu kollektivisier«, — Zur Diskussion über Mereschins Referat sind 97 Redner vorgemerkt. Der Präsident des Z«tralexekutivkonütees der Sowjetunion, Michael Kai inin, hielt eine Ansprache, in der er die Entstehung eines jüdischen Bauernstandes als eine außerordentlich wichtige Erscheinung bezeichnete. Wenn man bedenkt, daß die Jud« unter dem zaristisch« Regime durch Zwang von Grund und Bod« ferngehalten wurd«, müsse die .. repubilk 5ewiesen haben, höchste Befriedigung auslösen. Die fJ1ifet;-hjhsr, JmmJm■ gxWM« M- Mpftta׳׳ Jaiwt hiben im Rahmen des Furifjahresplans neue Betltigungsgebiete ge• funden. Am Schlüsse seiner Ansprache gab Kalinin der Hoffnung Ausdruck.daß es den Juden gelingen werde, innerhalb der Sow״ jetunion eineeigeneRepublikzu schaff«. Hierfür käme ln erster Reihe Biro-Bidschan im Femen Sibirien in Betrachi Gleichzeitig aber sei es notwendig, die jüdisch« Kolonien in der Krim, wo bereits große Fortschritte erzielt worden seien, zu erhalten und auszubauen. Mangel an Wflrde Der ««gewählte Vorsitzende der Deutschen Bankenverdnigung, Herr Dr. Solmssen, ehemals Salomonsohn, hielt nach seiner Wahl eine Rede, in der er namens der Bankfürst« den Versuch machte, sich d« National- Sozialisten anzubiedern. Wenn auch bei Solmssen, was ja verständlich ist, in erster Linie die Sorge um die Dividende und Tantiem« mitsprechen mag, so ist sein Bekenntnis zur ״nationalen Ideologie“ der Nationalsozialisten im Grunde genommen nur ein weiterer Schritt über die vor Jahrzehnten vollzogene Taute. Die nationalsozialistische Thtorie, auf dem Rassenantisemitismus fußend, anerkennt die umwandelnde Kraft des Taufwassers nicht Ebensowenig^ eine Namens-Metamorphose von Salomonsohn in Solmssen. Dieser Tatsache muß ein vorsorglicher, getaufter Bankgewaltiger Rechnung tragen. Er geht also um einen Schritt weiter und läßt sich noch einmal ■m nationalsozialistischen Sinne taufen. Wir glauben nicht, daß es Herrn Solm&s« gelingen wird, Gnade vor den Augen der Herr« Hitler und Goebbels zu finden. Ob ihm diese Haltung bei seinen jüdischen und nichtjüdischen Kollegen eine Mehrung seines menschlichen Ansehens bringen wird, wollen wir bezweifeln, denn unkonvertierte Juden und Nichtjuden haben für derartige Saltimortaie vom Juden zum Täufling und vom Täufling zum nationalsozialistischen Adepten wenig Verständnis. In diesem Zusammenhänge können wir mit Befriedigung feststen«, daß Solmssens Anbiederungsversuch auch Beim ״Berliner Tageblatt“ eine gebührende Zurückweisung gefand« hat m. w. Jfldendebatte Im nmiliiisdien Parlament Im rumänischen Parlament fand eine längere Debatte über die letzt« antisemitisch« Exzesse in Rumänien statt Deputierter Dr. Michael Landau wiederholte eine bereits vor einiger Zeit von ihm elngebrachte Interpellation an dra Innenminister, in welcher er die Exzesse schilderte, die sich an den Studentenkongreß in Breila angeschlossen hatten. Insbesondere wandte er sich geg« die Verfügung, wonach den Studenten aut der Eisenbahn freie Fahrt bewilligt wird, sodaß sie gewissermaßen aut Regienragskosten umherfahren und die jüdische Bevölkerung belästigen. Der Rektor der Bukarester Universität, Prof. Jorga, erklärte, er sei überzeugt, die Exzedenten seien keine Stud«t« gewes«. Im weiter« Verlauf der Debatte sprach auch der bekannte Antisemitenführer Prof. C u z a, der sich in Schmähungen gegen die Juden erging. Während seiner Rede kam es zu erregten Zwischenfällen, als er ein lobiied auf Hitler sang und d« Versailler Vertrag als Jud«-Vertrag bezeichnete. Eine Reihe von Abgeordneten wies« in Zwisch«rufen darauf hin, daß Rumänien diesem Vertrage seine Größe verdanke. Die meisten Abgeordneten verließ« während Cuzas Rede den Saal. Eine Beantwortung der Interpellation Landau seitens des Ministers ist jedoch bisher nicht erfolgt