Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 99 (16.12.1930)
- Date
- 1930-12-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Heinrich Stern and der Nobelpreis Einzelnummer 0£5 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU £r«cfae>mj«deo Dienstag «,Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark. AiMlandM ba«mem*r11» wwda Ul dar WBwui dar riMolaen Lindt? barcchnrt. Anj׳*ieeoprei*. *•׳ emp Noopwiflewile 0,50 G.-M. Stel1*t1£esit»dtas 0.25 G.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen - Verwaltung: f Attische Rundschau G.nub.H., Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70. As«aigex1sdt1h1&: Dleastag and Freitag oaehmitt «!1 4 Uhr Redaktionsschiu£ Sonntag and Mittwoch nachmittag. Poris check Kosito: Berlin!73 92. Basel V 9355. Belgrad 68032, Brüssel 39433. B«dap««t 596 93. Dawd* 1973, H**x!40470, Pr9* 594 10 Riga 4155, StraMfeur* 164 30, W.rachsa 190 708, Wien 156 030 Bank .Ronicn: Darmstidter und Nationalbsuak, DvpcmlMB Rtne Berlin, Kurfürstendamm 52; Banca de?>1, Cemaud (Rumlnien); Angl© PaleetiBe C©- in Haifa, fenwalem, lei Aviv כ״ו כסלו תרצ״א | xxxv. Jahrg, Par Zlonisttiu» erstrebt fflr «las indische Volk die Schaffung einer Oftentllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.«* XVII. Zionistenkongreg 24. Februar in Karlsbad Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat den XVII. Zionistenkongreß für den 24. Februar 1931 nach Karlsbad einberufen. Ob anschließend an den Kongreß auch der Council derJewishAgencyzu seiner zweiten Tagung zusammentreten wird, ist offiziell noch nicht bekanntgegeben. * Berliner Jüdische Gemeinde AbsddcdssHz₪g der Repräsenfanfenversanunlung Die jüdische Not in Berlin —יי Streit um die Ostjuden Die Exekutive richtet an alle zionistischen Landesverbände, Landesgruppen der Sonderverbände und Landesschekelkotn- Bilssionen ein Schreiben, in dem es u. a. heißt: Der XVII. Kongreß, den wir laut Beschluß des A.-C. gleichzeitig fir den 24. Februar 1930 nach Karlsbad einberufen haben, kann den Erwartungen, die wir und die gesamte Bewegung in ihn setzen, nur gerecht werden, wenn er die Stärke der zionistischen Bewegung im jüdischen Volke etreu widerspiegelt und durch die Zahl der Delegierten und chekelzahler, die diese vertreten, nach außen und innen repräsentativ wirkt Sowohl die Exekutive wie die Mehrheit des A.-C. und der gesamten Organisation verlangte die frühe Einberufung des Kongresses in der Voraussetzung und Ueberzeugung, daß trotz der kurzen Zelt die noch zur Verfügung steht die Mög- Ilchkelt vorhanden ist gerade im Hinblick auf die Erregung, die die letzten Ereignisse im jüdischen Volke hervorgerufen haben, eine imposante Zahl von SchekoUm in allen □Indem zu sammeln. Im A.-C. wurde der Standpunkt vertreten, daß es möglich ist Mr diesen Kongreß eine Million Scheko• Ilm zu erreichen. Die Exekutive teilt diesen Glauben und ist überzeugt daß der Erfolg gesichert Ist falls die Bemühungen um die Verbreitung des Schekels von den Zionisten ernst genommen und während der für diese Arbeit reservierten wenigen Wochen auf dieses Ziel konzentriert werden. Leider kann sich die Exekutive der Sorge nicht verschließen, daß in einzelnen Ländern die Schekelarbeit bagatellisiert wird. Wir sehen uns daher veranlaßt an Sie in elfter Stunde den Appell zu einer Verdoppelung und Verdreifachung Ihrer Energien im Dienste des Kongresses und des Schekels zu richten. Das Schreiben ist gezeichnet von dem Präsidenten der Exekutive: Nahum Sokolow. den * Zum Leiter des Kongreßbüros wurde Herr Dr. Franz Kahn, zum stellvertretenden Leiter Herr Dr. Fritz U11 m a n n bestellt Die Adresse des Kongreßbüros bis zu dessen Lieberführung nach Karlsbad lautet: Mähr.-Ostrau, Hviesdoslavova 29 (Telegr.-Adr.: Zioniburo Moravskaostrava). Die Tagesordnung des Kongresses wird demnächst veröffentlicht werden. Ussischkin 10 New York New York, 10, Dezember. (J. T. A.) In New York wurde anläßlich des Eintreffens M. M. Ussischkins eine vom jüdisehen Nationalfonds einberufe ne Massenversammlung abgehalten, die sich zu der größten Kundgebung für den Keren Kajemeth gestaltete, die jemals stattgefunden hat. Nach den Begrüßungsansprachen der Führer der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation Cyrus Adler, Robert Szold, Louis Lipsky, Rabbi Hillel Silver, Emanuel Newman und Ab. Goldberg und nach Verlesung der Begrüßungsschreiben Felix M. Warburgs und Stephen Wises hielt Ussischkin eine begeisterte Rede, in der er die amerikanische Judeuheit aufforderte, ihr Aeußerstes zu tun, um den Boden Erez-Israe! zu erlösen. Ein fünftausendköpfiges Auditorium brachte Ussischkin stürmische Ovationen dar, * In den ersten sechs Wochen nach der Veröffentlichung des Weißbuches haben die Nationalfondseingängc in Palästina die dreifache Höhe der Eingänge in demselben Zeitabschnitt des Vorjahres erreicht Es wurden 6700 Pfund auffebracht Dieses Ergebnis ist in erster Reihe der Opferwilligeit der palästinensischen Arbeiterschaft zu verdanken. Der jüdische Parlamenlsklob in Polen Dem jüdischen Parlamentsklub des neuen polnischen Sejm?ehören 4 Abgeordnete aus Galizien und 2 aus Kongreßpolen an. um Präsidenten des infolge Grippeerkrankung abwesenden Krakauer Oberrabbiners wurde Dr. T b o n, zum stellvertr. Vorsitzenden Abg. Dr. Rosmarin gewählt — Die drei auf der Regierungslisie gewählten iüdlscnen Deputierten gründeten eine jüdische Sektion innerhalb des Pilsudski-Klubs, der Agudist Rabbiner Lewin schloß sich keiner Fraktion an. Für den Jüdisehen Klub besteht wegen seiner Kleinheit keine Möglichkeit, sich in den Kommissionen vertreten zu lassen. Während im zweiten polnischen Sejm ein jüdischer Parlamentsklub mit mehr als 40 Abgeordneten bestand, ist heute die auf zehn zusammengeschmolzene jüdische Deputation in drei Gruppen getrennt. Im vorigen Sejm saßen die einen einheitlichen Klub bildenden jüdischen Deputierten an einem bevorzugten Platze, heute sitzen die sechs zionistischen Deputierten ganz weit hinten, die drei regierungstreuen jüdischen Deputierten sitzen versprengt zwisehen den Abgeordneten des regierungstreuen Klubs. Ein noch traurigeres Bild bietet die jüdische Repräsentanz im Senat, die aus dem einzigen auf der Regierungsliste gewählten Agudisten Mendelsohn besteht In der ersten Geschäftssitzung des neuen Sejm brachte Orünba u m im Namen des Jüdischen Klubs den Antrag ein, die noch aus der Zarenzeit stammenden rechtlichen Be- Schränkungen gegen die jüdische Bevölkerung abztischaffen. Weiter beantragte Grünbaum, dem Jüdischen Klub, trotzdem er nicht Frakiionsstärke besitzt, eine Vertretung in den Kommissionen zu gewähren. Am 14. Dezember, vormittags, fand die Abschiedssitzung der bisherigen Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdisehen Gemeinde statt Der öffentlichen Sitzung ging eine vertrauliche kurze Sitzung voran, in welcher laufende Angelegenheiten eine rasche Erledigung fanden, ln der öffentlichen Sitzung gedachte der stellvertretende Vorsitzende, Dr. Alfred Klee, zunächst der Verstorbenen, Frau Rabbiner Warschauer und Prof. Schaefer, und entbot dann den Mitgliedern der Versammlung Dir. Guttmann, Emil Pincus und Moritz Rosenthal anläßlich besonderer Gedenktage in deren Leben die Glückwünsche des Gremiums. Nach Erledigung der Tagesordnung (hervorzuheben ist die Bewilligung einer Subvention an den Hüfsverein der deutschen Juden, einer Subvention an die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge), entspann sich unter dem Vorsitz von Geheimrat Julius Stern eine ausführliche Debatte über drei Dringlichkeitsanträge, die nachstehend veröffentlicht sind. Diese Anträge sind der Ausdruck der ungeheuren, überhandnehmenden jüdischen Not in Berlin. Die Darlegungen Ministerialrat Goslars, die Erklärungen des Gemeindevorsitzenden Kar eski, der eine Fülle von Material vorbraclite, sowie die Ausführungen der einzelnen Redner boten ein erschütterndes Bild von der Notlage weiter jüdischer Kreise in der Reichshauptstadt. Einmütig kam die Bereitschaft der Versammlung und des Vorstandes zum Ausdruck, trotz der angespannten finanziellen Verhältnisse in der Gemeinde — in den letzten drei Monaten betrug der Steuerausfall 375 000 M, — angesichts des außerordentlichen Not- Standes außerordentliche Maßnahmen zu ergreifen. Die Versammlung bevollmächtigte den Vorstand, die für die spezielle Nothilfe notwendigen Summen in einer ihm ange- Die Führer der Jüdischen VotEpndalaair uS&alat hatten ein stillschweigendes Uebereinkommen getroffen, in dieser Abschiedssitzung der alten Rcpräsentantenversammlung sich der weitestgehenden Zurückhaltung in der Besprechung der Vorkommnisse während des Wahlkampfes zu befleißigen. Auf beiden Seiten kam auch dieser ernste Wille zum Ausdruck. Allerdings ließ es sich nicht vermeiden, daß die herrschende Gewitter- Stimmung sich dennoch gelegentlich entlud. Daß trotzdem die Aussprache in dieser Hinsicht verhältnismäßig friedlich verlief, ist in erster Linie der Zurückhaltung der Volksparteiler zu verdanken gewesen. Nachdem Hans Goslar die Dringlichkeitsan träge der Volkspartei begründet und der liberale Dr. Kurt Fleischer hierzu noch einige Bemerkungen gemacht hatte, erklärte Moses Waldmann, daß er als Ostjude es gern sehen würde, wenn in dieser letzten Sitzung der Repräsentanten- Versammlung die einmütige Auffassung aller Richtungen zum Ausdruck kommen würde, daß innerhalb der Gemeinde zwischen Juden und Juden, welcher Herkunft sieauchs ein mögen, fc einUnterschiedgemacht werde. Dies sei notwendig, weil leider schwere Monate zu erwarten seien und weil in weiten Kreisen der in Berlin lebenden Ostjuden eine vielleicht unbegründete Befürchtung bestehe, daß sich die in dem Wahlkampf zutage getretene Animosität gegen sie nach dem Erfolg der Liberalen im praktischen Leben auswirken könnte. Die liberalen Führer seien wohl mit der Verhetzung gegen die Ostjuden nicht einverstanden, was aus dem letzten Artikel von Moritz Rosenthal in der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ hervorgehe; man müsse sic jedoch der intellektuellen Urheberschaft der zutage getretenen Animosität beschuldigen, weil sie überflüssigerweise im jüdischen Wahlkampfe besonders stark die gar nicht zur Diskussion stehende Frage des Deutschtums hervorgekehrt hätten. Bis sich aber vornehme Aussprüche der Führer bis zu den letzten Anhängern der Partei fortgepflanzt hätten, dann nehmen diese Aussprüche Formulierungen an, wie ״Galizier hinaus“ und ״Sieg über die Grenadierstraße“. Es sei anzunehmen, schloß Waldmann, daß die kommenden Monate alle Schichten der Judenheit zur Einigkeit zwingen werden. Es wäre also von jedem Standpunkte aus zu begrüßen, wenn dieser Zwangseinigkeit eine freiwillige Bekundung der inneren Geschlossenheit vorausginge. Diese Ausführungen gaben das Stichwort für die weitere Diskussion, an der sich namens des Vorstandes Kareski, ferner die Liberalen Dr. Gut mann, Marcus, Frau Falckenberg, R.-A. Stern und F1 eisch er, von der Volbspartci Frau Wagner-Tauber, Dp. Klee und Goslar, sowie Frau Dr. Eschelbacher beteiligten. Alle liberalen Vertreter und in feierlicher Form der Fraktionsführer R.-A. Heinrich Stern gaben nun Erklärungen ab, daß sie niemals einen Unterschied zwischen Ost* und West Juden gern acht hätten und daß sie auch nicht bcabsichtigen, in Zukunft derartige Unterschiede zu machen. Mit Recht konnte Dr. Klee in einem Schlußworte feststellen, daß der Zweck der Waldnianaschen Interpellation erreicht sei. Die Repräsentantenversammlung habe, sozusagen spontan, einmütig kundgegeben, daß das Verbindende im jüdischen Leben stärker sei als alles Trennende. Besonders er-! treulich seien die Ausführungen des R.-A. Stern, des Vorsitzen-; den der Liberalen Vereinigung gewesen. Man könne also hoffen, ' daß R.-A. Stern auf die noch vorhandenen ungefähr 20 jüdischen » Gemeinden in Preußen, in denen die Liberalen die Mehrheit haben, Einfluß nehmen werde, damit diese Gemeinden das den Ostjuden noch immer vorenthaltene gleiche Wahlrecht schleunigst gewähren. Nach Annahme aller Dringlichkeitsanträge hielt,der Senior der Versammlung, Geheimrat Dr. Julius Stern, eine feierliche Ansprache, in welcher er einen Rückblick über seine dreißigjährige Tätigkeit in der Jüdischen Gemeinde gab. Geheimrat Julius Stern, der nicht mehr kandidiert hatte, nimmt von der aktiven Arbeit in der Gemeindeverwaltung Abschied. Seine vornehmen Worte, seine Mahnung zur Einigkeit und seine Ford©• rung, im politischen Kampfe die Regeln sportlicher Ritterlichkdt walten zu lassen, übten starken Eindruck. R.-A. Heinrich Stern hielt hierauf eine Rede, in der er die Verdienste der nicht mehr in die Rcpräsentantenversammlung zurückkehreuden Mitglieder würdigte, vor allem die Verdienste der Patriaudien Emil Pincus und Geh ein rat Stern, Dr. Weiße und Frau Eschelha eher. Mit freundlichen Worten gedachte er der ausschddenden Mitglieder Dr. Abraham Loeb und Frau Hamburger. Nachdem Emil Pincus, der 40 Jahre lang Mitglied der Gemeinde- Verwaltung gewesen war, gedankt hatte, entboten Dr. Klee namens der Volkspartei und Kareski namens des Vorstandes den gefeierten Mitgliedern der Versammlung ihre Glückwünsche. Die Beschlüsse Nach Erledigung der auf der Tagesordnung vorgesehenen Punkte gelangten die nachstehenden Dringlichkeitsanträge der Volkspartei und der Liberalen zur Behandlung und Annahme: 1. Die Fraktion der Jüdischen Volkspartei beantragt, die Repräsentanten-Versammlung wolle beschließen: Der Vorstand möge, uro keine Zeit zu verlieren, in der -.-Ribruntf am 14. erstatte«! ׳־■ ■ nahmen er eingeleitet resp. aurclrgeführt hit oder durchzuführen gedenkt, um den notleidenden Kreisen aus den Reihen der Gemcindemitglicder, insbesondere den Erwerbslosen und dem depossedierten Mittelstand, ehemaligen Rentnern usw. Hilfe für den Winter zu bringen. Uns interessiert insbesondere die Frage der Kohlenverteilung, die Verteilung von l cbcnsmitleln und das System der Geld- Unterstützung, sowie die Organisation der Volksküchen. Es möge weiter beschlossen werden, diesen Gegenstand nach Möglichkeit als einen der ersten auf die Tagesordnung zu setzen. 2. Die Fraktion der Jüdischen Volkspartei beantragt: Die Repräsentanten-Versammlung wolle beschließen, den Vorstand zu ersuchen, folgende neue Hilfsmaßnahmen für den Winter durchzuführen: 1. Die Schulaulen der der Gemeinde gehörigen Schulen und — da diese Schulen ausschließlich im Stadtinnern liegen — mindestens ein Saal im Gebäude Fasanen- Straße für den Westen — werden während der Wintermonate abends von 6—10 Uhr in geheiztem Zustand für alle Gemeindemitglieder resp. alle in Berlin lebenden Juden offen gehalten. Es soll nach Art der Toynbeehalleij dort allabendlich ehrenamtlich von Damen aus dem Kreise der Gemeindcmitglieder unentgeltlich warmer Tee verabreicht und, wenn aus Gemcindemitteln oder aus privaten Spenden möglich, auch noch etwas Gebäck in freundlicher Form dargeboten werden. Es soll unter Aktivierung ehrenamtlieher Kräfte aus allen Kreisen der Gemeinde für musikalische und Vortragsdarbietungen gesorgt werden, bei denen es natürlich wünschenswert wäre, wenn der jüdische Charakter in den Vordergrund gestellt würde. Darüber hinaus sollen Mittel bewilligt werden, um für diese vier resp. fünf Säle gute Radioanlagen mit Lautsprechern anzuschaffen, um je nachdem als zusätzliches Programm oder als Abendprogramm beim Fehlen anderer Vortragsmöglichkeiten die Besucher der Säle durch die Rundfunkdarbietungen musikalisch und vortragsmäßig zu unterhalten. Wir glauben, daß auf diese Weise einem erheblichen Kreise von wirtschaftlich schwer Kämpfenden oder sonst persönlich vereinsamten Menschen die sehr ersehnte Möglichkeit gegeben wird, die langen und kalten Winterabende einmal unter jüdischen Menschen und dann in einem hellen warmen Raum zu verbringen und noch dazu ihre wirtschaftliche Lage zeitweilig bei der gebotenen Unterhaltung zu vergessen. Bei richtiger Durchführung dieser Maßnahme, die auf keinen Fall die Form einer Armenunterstützung annehmen darf, sondern die einer gern geübten brüderlichen Gastfreundschaft, versprechen wir uns davon eine wesentliehe Milderung der verzweifelten Stimmung weiter Kreise der Gemeindemitglieder. 2. Durch eine Umfrage im jüdischen Arbeitsnachweis und auch durch das Gemeindeblatt soll sofort festgestellt werden, ob und in welchem Umfange ein Bedürfnis vorbanden ist, den jüdischen Erwerbslosen Mich tagsüber Räume zur Verfügung zu stellen. Je nachdem, ob es sich um schon ältere Menschen oder um junge Leute handelt, die noch durch Aneignung neuer Kenntnisse ihre Erwerbschancen verbessern können, würden diese Räume dazu bestimmt sein; im ersteren Falle nur als Wärmestube zu dierien, die mit einem Zeitschriftenraum und einer Buch- ,»»!־kihslelle, sowie mit einer Schreibmöglichkeit, für die Abfassung von Bewerbungsschreiben usw., zu verbinden wäre, oder im zweiten Falle direkt als Aufenthaltsräume für jüngere Menschen zu dienen, die dort Stenographie- «der Sprachunterricht zur Ausfüllung ihrer unfreiwillig [reim Zeit nehmen wollen. In letztem Falle würde dann