Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1930)
- Date
- 1930-11-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 0,40 Qotdmark Stenographischer Bericht der Unterhäm - Debatte JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Ausland&aha!menB»ßta »erden in de? Wihnrag de? einzelnes Linder berechnet. Anreicenrreit: ** ce&p NemperefHezefle OSO G.-M. Stellen!׳tetitfce 0,25 G.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwalmng: Jüdische Rundschau G.m-b.H-, BerlinW15, Meinekeatr.lO Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Poiuchtck Kosten: Berlin!7392» Base! V 9355» Belgrad 68032, Brüssel 394 33» Budapest 59693» Diazig 1973» Haag 140 470» Prag 594 10 Riga 4155» Stra*#hurj? 164 30, Warschau 190708, Wien 156 030. Bank .Roiteg! Darmstädter tmd National bank» Depositen Kasse Berlin, KurfürsteBdamm 52; Baaca de Eat» Cemauti (Rumänien): Aaglo Palwtin# Co. in Haifa, terusalem, Tel Aviv Nummer 92 | Berlin, 21. XI. 1930 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. א׳ כסלו חרצ״א , | xxxv. Jahxg. Der Zionismus erstrebt »Br da» jOdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich ■» rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.» Die Unterhaus ־ Debatte Wir geben in der heutigen Nummer den vollen Text der am 17. d. M. im englischen Unterhaus gehaltenen Reden zur Palästina!rage wieder. Ohne einer Würdigung im Einzelnun vorzugreilen, darf wohl gesagt werden, daß diese lange erwartete Debatte zwar die von vielen aul sie gesetzten Hoffnungen nicht ganz erfüllt hat, daß sie aber in höchstem Maße das Interesse und die genaue Aufmerksamkeit aller Zionisten und Palästinafreunde verdient Die englische Regierung war in keiner beneidenswerten Lage, als sie ihre Weißbuch-Politik zu verteidigen hatte. Einerseits will sie an dem Weißbuch formell f es (halten, um das Prestige zu wahren und die Araber nicht zu erbittern, andererseits will sie die Juden beruhigen, indem sie die angefochtenen Stellen als ״Mißverständnis® e“ erklärt. Die Erklärung, daß die Regierung am Mandat festhält, wird angesichts ihrer Zweideutigkeit für sich aliein wenig Beruhigung schaffen. Das praktisch wichtigste Ergebnis der Debatte ist die Mitteilung der Regierung über die geplante 2'/i Millionen Pfund -Anleihe für Landentwicklung im Sinne des Simpson-Berichtes, wobei nicht, wie man früher annahm, die von Simpson erwähnten ״SO 000 landlosen Araber“ Vorzugsstellung genießen, sondern nur ״die von den Juden depossedierten Araber“, also ein paar hundert Familien. Die politisch und geistig fundierteste und eindrucksvollste Rede war zweifellos die von Sir Herbert Samuel, die jüdisches Empfinden mit staatsmännis'chem Geist verband. Die Debatte bietet im übrigen sehr lehrreichts Material, das jeder studieren muß, der sich über die Möglichkeiten einer richtigen jüdischen Palästina-Politik ein Urteil bilden wilL Die Londoner Presse ist im allgemeinen der Regierung günstig, wenn sie sie auch vielfach der Ungeschicklichke.it zeiht. Manche Blätter (z. B. ״Tim«»“) stellen fest, daß die Zionisten von der Debatte enttäuscht sein dürften. Ein Brief ohne Antwort Unser Gg. Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt richtete am 8. November an Heinrich Stern', den Vorsitzenden der Liberalen Vereinigung, einen Brief, in welchem den Liberalen folgender Vorschlag gemacht wurde: Die großen Parteien, die sich im bevorstehenden Wahlkämpfe um die Stimme des Wählers bewerben, wollen, wie ich höre, allemehrere große Massenversammlungen veranst alten. Wie wäre es, wenn sie von vornherein folgende Vereinbarungen träfen: Jede Versammlung beginnt nicht damit, daß ein Referent mehr oder weniger lange die Zuhörer ״bepredigt“; auf dem Podium »st nicht ein Rednerpult, sondert ein T»ch, an dem di« der . dlMfa den Gespflchspattner ritzen: Da* sind :-»■ Je «•ihdem^meto Vorschlag nur von den beiden größten Parteien oder auch nur von andern angenommen׳ werden wird — zwei, drei oder vier 'HÄ#ei:*in* der 'H8ger*.Wftfdrfl׳־es. nur zwei 'sein, da die Haupiauseinandefsetzung ja, wie Sie mir. zugebfen werden, zwischen der Liberalen und der Jüdischen Volkspartei erfolgen wird, den Parteien also, zwischen denen die größten und heftigsten Gegensätze bestehen. Das Thema kann immer das gleiche sein:• ״Probleme des Wahlkampfes“. Und mm spielt sich die Disputation in der Form eines round-table-Gespräches ab. Was wäre erreicht? 1 ׳. Endlich einmal würden sämtliche Veranstaltungen von den Anhängern der einander bekämpfenden Richtungen gemeinsam besucht werden. Endlich einmal wären also die äußeren Vorbedingungen für das Ringen um die Stimme des Wählers geschaffen. Denn das ist ja unser großes Unglück: wir sind so hoffnungslos in verschiedene Lager gespalten, so hoffnungslos in vorgefaßten Meinungen verstrickt, daß zurzeit die Stimme aus dem gegnerischen Lager in der Mehrzahl der Fälle gar nicht erst 1ns andere Lager dringt 2. Die Form des Kampfes würde von selbst unendlich gewinnen. Wo unrichtige Behauptungen tatsächlicher Art aufgestellt werden, können sie sofort widerlegt werden. Aug’ in Auge mit dem Gegner wird der Kampf vor dem Forum der wähl« mit blanken Waffen ausgefochten, denn jeder Versuch eines unfairen Kampfmittels würde entweder gleich von der Wählerschaft, die — dank der heute weit verbreiteten sportlichen Schulung — ein sehr feines Empfinden dafür hat, abgelehnt werden, oder er würde zum Nachteil dessen ausschlagen, der diese unlauteren Kampfmittel anwendet 3. Es tritt eine weitgehende Rationalisierung des Wahlkampfes ein. Die Parteien, die auf den Boden meines Vor- Schlages treten, werden mit der Hälfte oder auch nur einem Drittel der vorgesehenen Versammlungen auskommen. Ich brauche wohl nicht erst darauf hinzuweisen, wie segensreich gerade in der heutigen Zeit jede ersparte Mark ach auswirken kann, wenn gleichwohl alle Parteien gewiß sein können,' ihre Pflicht zur Aufklärung der Wählerschaft erfüllt zu haben. 4. Endlich als erwünschte Nebenwirkung: Alle Versamra- 1 tragen werden von dem oben gekennzeichneten Zufallsdiskussionsredner. der die Diskussion nicht zu fördern pflegt, entlastet Alle Parteien werten ein Interesse daran naben, zu diesen Diskussionen nur wirklich legitimierte Vertreter zu entsenden, so daß die Versammlungsteilnehmer sicher sind, das wirkliche Programm der Parteien zu hören. Daß alle Versammlungen überfüllt sein werden, glaube ich garantieren zu können. Denn das Bedürfnis, den Gegner zu hören, Ist, wie ich mich oft überzeugt habe, überall sehr groß. Aber man vermeidet heute naturgemäß, die gegnerischen Versammlangen aufzusuchen, wenn man befürchten muß, durch stillschweigendes Anhören mindestens den Eindruck zu erwecken, als billige man die Ausführungen des Referenten, da ja heute die Möglichkeit fehlt, ihm in der Diskussion mit ausreichender Redezeit gegenübertreten zu können. Bei meinem Vorschläge hat jeder Wähler von vornherein die Gewißheit, daß auch seine Anschauung richtig vertreten werden wird. Die Folge also: Erhöhter Besuch, erhöhtes Interesse,, erhöhte Spannung an dem Ausgang des Wahlkampfes. ich schreibe diesen Brief, ohne mit irgendeinem maßgebenden Mitgliede der Jüdischen Volkspartei oder der Liberalen Partei darüber gesprochen zu haben. Gleichwohl glaube ich, Ihnen für di e Jüdische VoIksparteidieErklärungabgebenzukönnen, daß sie, falls ,Ihre Partei sich auf den Boden dieses gentlemen-agreement stellt, selbstverständlich das gleiche tun wird. Eile tut not. Ich wäre Ihnen ganz besonders dankbar, wenn ich Ihre Antwort schon morgen oder übermorgen haben könnte. Ich hatte ursprünglich vor, diesen Vorschlag in einem *offenen Briefe“ an alle Parteien zu richten. Ich bin davon abgekommen, weil Ich Ihnen ermöglichen wollte, Ihre Entscheidung ohne jeden Druck der Oeffentlichkeit zu fällen. Stimmen Sie mir zu, so werte ich mich sofort auch an die anderen Parteien wenden, und ich mache mich dann anheischig, die technischen Einzelheiten mit Ihnen binnen weiterer drei Tage ins Reine zu bringen. Wir schreiben heute den 8. November; bis zum 15. November kann alles fertig sein. Die dann noch verbleibenden zwei Wochen würden eine Form des Wahlkampfes zeitigen können, die vielleicht vorbildlich auch für die nächsten deutschen politischen Wahlen werten kann..... * Jta Jh$$f Ist m haben, der eine Beantwortung in Aussicht stellte. Wir heben bis heute vergebens auf die Antwort gewartet. Kommentar überflüssig! . . unbean Initiativkomitee äer Jewish Agency Am 18. November fand im Logenhaus ru Berlin unter Vorsitz von Direktor Oscar Wassermann eine gut besuchte Konferenz des Initiativkomitees der Jewish Agency in Deutsch* land statt, zu der Mitglieder aus allen Teilen des Reiches, sowie eine Anzahl von geladenen Gästen erschienen waren. Dr. Nahum Goldmann, Mitglied der Ständigen Politischen Subkommission der Jewish Agency, erstattete ein außerordentlieh eindrucksvolles Referat über die durch die Veröffentlichuhg des englischen Weißbachs geschaffene politische Situation und berichtete ausführlich über die Londoner Tagung der Jewish Agency und des zionistischen Aktions-Comitös, sowie über die gegenwärtigen politischen Maßnahmen der Leitung. An der Aussprache beteiligten sich die Herren: Dr, Franz W 01 f f - Frankfurt a. M., Rabb. Dr. Baeck, Dr. Alfred Wo 1 ff• Breslau, Dr. Oscar Wolfsberg• Berlin, Dr. Hermann B e r 1 a k - Berlin, R.-A. Meyersberg• Bochum, Dr. Eduard Strauß-Frankfurt a. M., Dr. Max Soloweit• schik• Berlin, Rabbiner Dr. Horowitz -Frankfurt a. M., R.-A. Felsehthal -Düsseldorf, Kurt Blamenfeld, sowie der Vorsitzende, Direktor Oscar Wassermann. Felgende Resolutionen wurden einstimmig angcnominen: L Das Initiativkomitee der Jewish Agency in Deutschland nimmt Kenntnis von den Resolutionen und Beschlüssen der Ständigen Politischen Sabkommissien der Jewish Agency in Sachen des Weißbaches der englischen Regierung und hofft, daß die auf Wunsch der englischen Regierung nunmehr be* gonnenen Verhandlungen mit der Leitang der Jewish Agency zu Ergebnissen führen werden, die geeignet sind, das Vertraaensverhältnis zwischen der Jewish Agency und der englischeu Regierung auf der unabänderlichen Grundlage des Palästinamandates wiederherzustellen. 2. Das Initiativkomitee der Jewish Agency in Deutschland gibt einmütig seiner festen Entschlossenheit Ausdruck, die Arbeit unbeirrt und mit verstärkter Energie fortznsetzen. Die gegenwärtige Lage des jüdischen Kolonisationawerkes in Palästina stellt die Jewish Agency vor große Aufgaben! begonnene Siedlungen müssen vollendet werden! eine erhebliene Bodenreserve, die in den letzten Jahren erworben wurde, ist zu bearbeiten und mehrere tausend jüdischer Landwirte, die nach jahrelanger Vorbereitung aul ihre Ansiedlung warten, sollen auf diesen Böden angesiedelt werden. Da die wirtschaftliche Festigung und der Ausbau unserer Positionen in Palästina auch politisch von entscheidender Bedeutung ist, erwartet das Initiativkomitee, daß auch die deutsche Judenheit, trotz der eigenen Wirtschaftsnot und unbeschadet der Verpflichtung zur Erfüllung der jüdischen Aufgaben in Deutschland, in brüderlicher Verbundenheit mit dem Jischuw in Palästina erhöhte materielle Anstrengungen machen wird, um das große überparteiliche Werk des jüdischen Palistinaaufbaas nach Kräften zu fördern. Acußcre Schwierigkeiten werden den Aufbau der jüdisehen Heimstätte nicht verhindern. Die im Mai verfügte Sus- , pendicrung von Einwanderungszertifikaten ist aufgehoben, eine neue Einwanderung hat bereits begonnen. Das Gelingen unscres Werkes hängt ausschließlich davon ab, daß die Jadenheit mit unbeugsamer Entschlossenheit und erhöhter Opferwillig• keit die Arbeit für Palästina weiterführt. 8. Nach dem Beispiel von Frankfurt und Köln ist die Gründung regionaler Arbeitskreise für das Palästiaawerk von . der Berliner Zentralstelle aus sofort in Angriff zu nehmen. Die Mitglieder des Initiativkomitees sind zu aktiver Mitwirkung in diesen Arbeitskreisen verpflichtet» Gemeindewahlen — ein zionistisches Ereignis Von Dr. Siegfried Moses. 1. Als Herzl die Parole der Eroberung der Gemeindestuben ausgab, stellte er eine Forderung auf, die damals kaum weniger utopisch erschien als die Forderung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. In Deutschland zum mindesten waren die Gemeinden damals ~~ zur Zeit des zweiten Zionistenkongresses, also im Jahre 1898 — unstreitiger, unanzweifelbarer Besitz jüdischer Notabein, meist überaler, teilweise auch konservativer Prägung, und die Zionisten waren ein kleines Häuflein, das in die Gemeindestuben kaum als Zühörer Eintritt erlangte; die seiten stattfindenden Repräsentantenversammliingen waren großenteils nicht öffentlich. Die Utopie ist zur Realität geworden. Freilich haben wir, bei diesem Realisierungsprozeß ähnliche Erfahrungen gemacht wie bei dem Prozeß, durch den uns Palästina eine Realität wurde. Erst in harter langdauernder Arbeit ist nach und nach ein Stück wichtiger Gemeindearbeit, bedeutsamen Gemeindelebens entscheidend von unserem Geiste beeinflußt worden. Eine Eroberung der Gemeindestuben nur in dem Sinne, daß an Stelle liberaler Verwalter zionistische Menschen treten, die die gleichen Verwaltungsarbeiten erledigen, war nie unser Ziel. Worauf es uns ankam und ankommt, ist die Verlebendigung und Demokratisierung der jüdischen Gemeinden. Wir sind gewiß, daß die Gemeinden, wenn sie zu jüdischem Leben erweckt werden, sich als Träger des jüdisehen Ganzheitsgedankens empfinden und betätigen und damit auch zwangsläufig sich an der Arbeit für den Aufbau Palästinas beteiligen. Wir wissen andererseits, daß es entscheidend dem Zionismus zu danken ist, wenn die Gemeinden zu jüdischem Leben erwachen. Die Gemeinden brauchen die Mitarbeit der Zionisten; die zionistische Bewegung braucht die Gemeinden als die wichtigsten Träger jüdischen Lebens im Qaluth, ■ ' •'■״II. ' ’ . 1; . ■ ' Gewiß hat manchmal bei Zionisten die Vorstellung geherrscht, daß das Wort von Herzl wörtlich genommen werden dürfe und daß die Eroberung der Gemeindestuben direkt der Errichtung der Heimstätte in Palästina, ־ der Erreichung des zionistischen Endzieles dienen soll. Im Laufe der Arbeit haben alle Zionisten erkannt, daß auch hier andere Maßstäbe angelegt werten müssen. Die lebendige demokratische jüdische Gemeinde, der Ausdruck lebendigen wirkliehen Judentums, wird unweigerlich , aus der Erkenntnis der jüdischen Situation heraus die Bedeutung des zionistischen Endzieles erkennen und ihre Arbeit mit den großen Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben des gesamten Judentums verknüpfen. Das zionistische Ziel im Galuth, jüdische Menschen zur Erkenntnis ihrer wahren Situation zu bringen, die, jüdische Arbeit unter diesen Gesichtspunkt zu stellen, findet seinen Widerhall und Niederschlag in der zionistischen Arbeit innerhalb der jüdischen Kehillah. Es gab stets Zionisten, die etwa folgenden Standpunkt einnahmen: Verschiedene Mittel sind zur Erreichung des zionistischen Endzieles erforderlich. Der Grundsatz der Arbeitsteilung macht es notwendig, daß die eine zionistische Gruppe dieses, die andere Gruppe jenes Mittel für sich mit Beschlag belegt. Wenn die einen etwa die kulturelle Arbeit, die anderen die körperliche Ertüchtigung sich zur Aufgabe setzen, so muß es wieder andere geben, die sich mit der Geraeindearbeit befassen. Keine Gruppe darf die Arbeit der anderen stören; im Gegenteil, die Gruppen müssen einander auch bei dieser mittelbaren zionistischen Arbeit fördern; als eigene zionistische Arbeit aber braucht jeder Zionist nur die unmittelbare zionistische Arbeit und jenen Teil der mittelbaren Arbeit zu empfinden, den er sich als Arbeitsgebiet ausgewählt hat. Aus dieser Einstellung ergab sich eine kritische Haltung gegenüber den Leistungen und Ergebnissen der in der Getneindearbeft tätigen Zionisten, die — das liegt in der Natur der Dinge — sich zuweilen als die schöpferische Kritik des über der Sache Stehenden, zuweilen als die lieblose Kritik des der Sache Fernstehenden darstellte. Auf der anderen Seite konzentrierte sich ein Teil der Zionisten, die die Gemeindearbeit als ihr spezielles Arbeitsgebiet ausgewählt hatten, in solchem Maße auf diese Arbeit, daß sie eine ähnliche kritische Haltung gegenüber den anderen zionistischen Arbeitsgebieten einnahmen. Alles in allem war das Verhältnis der in den •Gemeinden wirkenden Zionisten zu den übrigen Zionisten in jener Periode vielfach durch eine gewisse Entfremdung gekennzeichnet. Die in der Gemeindearbeit tätigen Zionisten hatten das Gefühl, daß ihrer Tätigkeit nicht das rechte Verständnis entgegengebracht werte, die anderen Zionisten befürchteten ,Von der Konzentration jener auf die Geraeindearbeit eine Benachteiligung der zentralen zionistischen Arbeitsgebiete. III. Es ist zu einem guten Teil das Verdienst des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, auf die Unhaltbarkeit dieser Situation hingewiesen zu haben. Seine Bemühungen um eine Eingliederung der in der Gemeindearbeit tätigen Zionisten in die zionistische Gesamtarbeit wurden wirksam durch die Tatsache unterstützt, daß erfreulicherweise die Gemeiadearbeit von Jeher durch eine Anzahl von Zio-