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Jüdische Rundschau · 1930-11-18 · Heft 91 (18.11.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 91 (18.11.1930)
Date
1930-11-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die zionistische XVinicrarbeii Einzelnummer 0,25 Goldmark DDISCHE RUNDSCHAU Fracheint jedenDienstag u. Freitag. Bezugapreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark Vi-riandss bonnenn *ח» werdeiä m der WKhrtifie dar gizu!«!l»«s L11)d«? berechne! י-' Notipareilltpycn« G M. StellenRemich* 0,?.S G.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen Verwaltung: lüdische Rundschau G.m.b.H.. BerlinW 15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. P o B 1 * c h e c k - K o u ז ** rt : Berlin 173 92, Basel V 935S, Belgrad 68032, Brüssel 194 33, BudhprMt 93, Danzi* 1973, Haag 140470, Praß *>94 IO Riga 4155, Siru'-sburg 16430, Warschau 190706, Wien 156 030. Bank-Konten I >ar®nsttidter und Nationalbank, Depositen Kassa B«di*U Kurfuratendamro S2 Bane# de Est, Cernsuti (Humanien); Paleatin« Co. in Haifa.!frugalem, Tri. Aviv Nummer 91 | Berlin, 18. XL 1930 Redakrionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ז סי־ חשון תרצ״א ( xxxv. Jaferg. Der Zionismus erstrebt fOr da« jüdische Volle die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm^* Palästina-Debatte im Unterhaus Die Debatte über die Palästina - Politik der englischen Regierung begann am Montag, dem 12. d. Mts., 4 Uhr nachmittags und dauerte bis in die späten Abendstunden. Näheres siehe unter ״Letzte Nachrichten/* Verhandlung der Regierung mit der Jewish Agency Die englische Presse veröffentlicht folgendes am 14. November, abends, von der englischen Regierung offiziefl ausgegebenes Communiquü: ״Da Zweifel geäußert wurden, ob manche Sätze des Weißbuches vom 21. Oktober mit gewissen Artikeln des Patästinamandates vereinbar sind, und da andere Sitze, wie sich gezeigt hat, Mißverständnissen ausgesetzt sind, hat die Regierung Vertreter der Jewish Agency eingeladen, über diese Fragen mit ihr zu verhandeln• Da die an dem Mandat interessierten Parteien den stärksten Wunsch haben, seine richtige Interpretation und unparteiische Verwaltung zu sichern, besteht die Hoffnung, daß über alle etwaigen Differenzpunkte eine Einigung erzielt werden wird. Sodann wird eine weitere Erklärung bezüglich dieser Fragen abgegeben werden.“ * Aus dem vorstehenden Communiqu^ geht hervor, daß die Regierung am Vorabend der Unterhausdebatte über Palästina die Vertreter der Jewish Agency zu einer Konferenz elngelade» hat» 1 pl ejea ganzen Umfang des Patästinaprobtem« mit ihnen ׳die Jttdtyrite* Auffa*1ng-*0«׳A»1fe:la־«ifi«.• zhtfer 1Sj3׳se''entgegen'zaBeliiBwi. Das GomnuMcprf er*'•' ׳ selbst, daß gewisse Partien des letzten Weißbuches als u nvereinbar mit dem Mandat betrachtet werden, unJ schließt mit der Ankündigung der Absicht, nach Abschluß die: Verhandlungen eine neue Regierungserklärung zu veröffc liehen. > Daraus geht hervor, daß die Regierung das Weißbuch nicht als unabänderlich ansieht und die Verhandlungen mit der Jewish Agency unabhängig von de Inhalt des letzten Weißbuches zu führen bereit ist. Man wird die Ergebnisse dieser Verhandlungen abwarten müssen, bevor man ein Urteil über die dadurch geschaffene neue. politische Situation fällen kann. * Wie wir weiter erfahren, hat das britische Kabinett ein aus Ka binettsministern bestehendes Sabk o mi t e e eingesetzt, um die Palästinafrage weiter za prüfen. Dieses Komitee wird wahrscheinlich die Verhandlungen mit der Jewish Agency führen, wobei bemerkenswert ist, daß der Außenminister Henderson den Vorsitz führt und nicht der Kolonlalminister Lord Passfield. Es verlautet sogar — eine Nachrieht, die wir nicht nachprüfen können — daß Lord Passfield dem Kabinett bereits vorige Woche den Entwurf einer neuen Erklärung zur Palästina frage vorgelegt hat, daß aber das Kabinett seinen Entwurf ablehnte, mit der Begründung, er sei nicht geeignet, die in jüdischen Kreisen entstandenen Befürchtungen und den schlechten Eindruck des ersten Weißbuches zu beseitigen. Die Anregung zur Einsetzung des Kabinetts-Komitees ging von dem Ministerpräsidenten Mac Donald aus, der am 7. November eine längere persönliehe Unterredung mit Dr. W e i z m a n n hatte. Zum letzten Male ist die Palästinafrage im Jahre 1922 (unter der Koalitionsregierung Lloyd George) von einem Kabinetts-Komitee bchandelt worden. Dieses Komitee hat damals Dr. Weizmann vorgeladen und es ist ihm gelungen, die zu einem antizionistischen Kurs hinneigende Haltung einiger maßgebender Minister zu korrigieren. Die Einsetzung eines Kabinett-Komitees bedeutet jedenfalls eine weitgehende Aufrollung des ganzen Palästinaproblems, das durch diese Prozedur für einige Zeit der rein departementalen Behandlung entzogen Ist. Daß die Regierung diese Eile in Anbetracht auf die Nachwählen in Whitechapel entwickelt, haben wir bereits mehrfach erwähnt. Auch ln der letzten Woche haben mehrere prominente Führer der Arbeiterpartei, u. a. Minister Lansbury, ,fe.3IJsiffShlP.fLjb|.Jips^lten. Versammlungen, gesprochen und «Ä bemüht» ^n.*i«hi«eft*'’';'Bn'ÄcI'’der/Pai#'ltiIlpo!itlk dar Reperung zu verwischen. . In einer Besprechung des Regierungscommuniqufis schreibt ״Manchester Guardian", die von der Regierung vorgeschlagene Konferenz habe die Aufgabe, Zweifel zu lösen und Mißverständnisse zu beseitigen; es sei jedoch unwahrscheinlich, daß die Führer der Juden zufriedengestellt sein werden, solange nicht durch eine Regierungserklärung eine entsprechende Interpretation des Weißbuchs gegeben sei. Angesichts der Tatsache, daß die Regierung nunmehr bereit sei zuzugeben, das Weißbuch sei seinem Inhalt wie seiner Form nach ein Mißgriff gewesen, müsse darauf hingewiesen werden, daß es besser gewesen wäre, wenn Lord Passfield dem Verlangen Dr. Weizmanns, sich mit ihm vor Veröffentlichung des Weißbuches zu beraten, entsprochen hätte, Dadurch wäre der Oeffentlichkeit das unerfreuliche Schauspiel einer dauernd schwankenden und unentschlossenen Regierung erspart geblieben. Der jetzige Schritt der Regierung sei klug, wenn er auch vielleicht etwas zu spät komme. 1wt1n11H111>HM(111M111ui1111n11Mn1>11111111111111n1111u1t11B11t1B11mH1111i1H1[(111Bn11[M11UK11t11t1m11nt1u111t1»H111fH1t1111m11H1n1111(H11Hir()111(H1f1ti811t1H1Ht1(11u11tH11Htu1HtiH»1111H1{(M>11»tww11(1iHiH11[H(11H111tHH1»11(1HnH11)1)1HHHnt»)mH1111mK11n Aufruf In dieser Stunde richten wir anseren Ruf an alle treuen Freunde, an alle, die unser Land und die jüdische Zukunft bauen, an unser ganzes Volk! Stellt fest und sicher bei Eurer Arbeit! Keine Verzagtheit, keine Unterbrechung der Anstrengungen! Stärker und fräßer sei unsere Tat, groß and ernst, wie die Prüfung, die ber uns gekommen ist. Wir werden unsere Hoffnung, unser Recht auf Palästina, unsere Arbeit im Lande nicht von zeitweiligen politischen Schwankungen und Beschlüssen abhängig machen. Keine Kraft der Welt kann das vernichten, was in Jahrtausenden der Sinn unseres Lebens und unserer Geschichte war, und was wir in den letzten Jahrzehnten auf den Feldern und den Bergen Erez Israels mit Leib und Seele neu besiegelt haben. In der Stunde des Leides und der Prüfung steht unser Volk geeinigt, stark, kampfes- und opferbereit. Und so, stark und würdig, wird unser Protest vor dem Gewissen Englands und der ganzen Welt sein. Uncrschfltterf and entschlossen werden wir für unser Recht, für unser Land und unsere Zu* kunft kämpfen. Unsere weitere Arbeit für Palästina, mit nngeschwächtem Glauben geführt und von ungebrochenem Mut durchdrungen, wird den Willen des Volkes und seine Entsehlbsscnheit dokumentieren. Das Land ruft nach schöpferischer Arbeit und viel kann und muß getan werden. Unsere Positionen ln Erez Israel müssen gefestigt und endgültig konsolidiert werden. Die Entwicklang der jüdischen Stadt, des jüdischen Dorfes, der jüdischen Schule und der jüdischen Industrie muß von uns gesichert and gefördert werden. Jede Spanne Bodens, die sich In jüdischen Händen befindet, muß besetzt, alle wirtschaftlichen Energien müssen fruchtbar gemacht werden; mit Anspannung aller Kräfte muß die Arbeit für die Erlösung des Bodens und die Vergrößerung des jüdischen nationalen Besitzes fortgesetzt und verstärkt werden. ' Und wie das Land das Volk als Ganzes zur Tat aufruft, s<r auch jeden Einzelnen; mit seinem Unternehmungsgeist, seinem Kapital und seiner Arbeitskraft zur Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie das seine zu tun. Der Weg muß geebnet werden, und wir müssen bereit stehen für den Moment da die äußeren Hindernisse und Schwierigkeiten weggeräumt werden. An alle unsere Freunde, alle Zionisten in der ganzen Welt eigeht der Ruf zu einer großen opferwilligen Arbeit für unsere Fonds, die der Erlösung des Bodens und dem Wiederaufbau des Landes dienen! Akflons - Comitö der Zionistischen Organisation Leo Mo t z k I n, Vorsitzender. Die Mitglieder der Exekutive: Dr. Chaim Weizmann; N. Sokolow; Lazarus Barth; Meir Berlin; Prof. S. Brodctsky; S. Kaplansky; €01. F. H. Kisch: Felix Rosenblüth; Harry Sacher; Josef Sprinzak. Die Vertreter der Zentralinstitutioaen: Joseph Cowen; Dr. Arthur Hantke; Leib Jaffe. Die Vertreter des W a a d Leumi: Josel Baratz; M. Dizengoff. Der Vorsitzende de* Kongreßgerichtes: S. Gronemann■ Der Kongreßanwait: Dr. Aron Barth. Die gewählten Mitglieder und Ersatzmitglieder des A. -C.: Dr. Chaim Arlosoroff; Dr. M. Bilcski; Kurt Blumenfeld; II. Farbstein; Dr. ßerthold Feiwel; Rabb. J. L. Fischmann; Rev. J. K. Goldbloom; Dr. Nachum Goldmann; Dr. A, Goldstein; Meir Großmann; A. Herzfeld; Dr. J. Hellmann; M. Hindes; Dov Hos; Dr. V. Jacobson; M. Jarblum; B. Katznelson; Prof. M. Lazersons; Dr. Schmarja Levin! Leon Lewite; Lewi Lewin- Epstein; Richard LicMheim! Simon Marks; Dr. Nathan Melzer; Dr. Benzion Mossinson; I. 4. Naiditsch; Joachim Neiger; Abg. M. Nurok; Dr, I. Olsvanger; Ing. Anselm Reiß; David Rcmez: Dr. Martin Rosenblüth; Israel Sieff; Dr. S. Soskin; J. Suprasky; Dr. Arjeh Tartakower; Rabb. A. Teitelbaum. London, 9. November 1930. Die Ctemeindewahlen Je näher man dem Wahltage kommt, um so klarer schält sich der eigentliche Gegensatz heraus, der bei den jüdischen Wahlen in Berlin eine Rolle spielt. Insgesamt sind zehn Wahl« Vorschläge eingebraclit; im eirunde genommen, geht aber der Streit um die Prinzipien: Assimilation®Judentum oder volksbewußtes Judentum. Darum spielen im Wahlkampfe, nicht nur wegen ihrer zahlenmäßigen Bedeutung,sondern wegen ihrer klar formulierten Programme, zwei Listen die Hauptrolle: Jüdische Volks« Partei und Liber;»1 e. Die anderen in der Wahl miftretenden Richtungen sind ,־!!)geschwächte Varianten dieser Grundrichtungen. (Abgesehen von der Naumann-Liste, der ״Deutschen Liste“, weiche den Assimiiationsgcdanken auf die Spitze treibt und sich als Exponenten des Deutschtums innerhalb der jüdisehen Gemeinde betrachtet.) Die in unserer vorigen Nummer erwähnte linksdemokratische Volksparteiliste, als deren Spitzenme Partei des Aulbaus Jüdische volKspartel Listen!2 Kandidat Dr. Sin g a 1 o w $ k y angegeben war, ist auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft worden. Hierbei wurde festgestelH, daß der Kandidatenrevers des Dr. Singalowsky nicht von ihm persönlich unterschrieben war. Da eine Stell- Vertretung bei der Leistung der Unterschrift auf einem Kami־ 10 wskys als an gütig frklärt ®ii'ljil dieser sich nunmehr ״Jüdisch-Demokratischer Block4‘ nennenden Liste ist Heinrich Feigenbaum. Das Gemeindeblatt der Berliner jüdischen Gemeinde ist im Wahlkampfe selbstverständlich neutral und gewährt allen Riehtungen in einer demnächst erscheinenden Wahlnumnrer die Möglichkeit, sich in Aufrufen an die Wählerschaft zu wenden. Nach unseren Informationen hat der Gemeindevorstand beschlossen, alle Aufrufe zu veröffentlichen mit Ausnahme des Aufrufes der ״Deutschen Liste״ der Naumann- Leute. In diesem Aufruf nämlich sind Wendungen enthalten, die man nicht anders als jüdisch-antisemitisch be/eichnen kann. Die ״Deutsche Liste“ entblödet sich nicht, von ״Jüdisch-VöIkischen" zu reden, von einem Bestreben, in ein ״neues Ghetto zurückzukehren“, von einem ״fremden“ Volk innerhalb des deutschen Volks, von einer ״gesetzwidrigen Verwendung der Steuergelder“ und ähnlichem. Die Neutralität und die Loyal!- tlt der Gemeindeverwaltung gegenüber allen jüdischen Riehtungen muß gewahrt bleiben. Die Naumann-Richtung kann aber nicht als eine jüdische Richtung betrachtet werden. * IMe Liberalen machen die größten Anstrengungen, um ihre schlechten Aussichten zu verbessern. Mit Musik und Gesang versuchen sie, die Wählerschaft, vor allem die jüdisch wenig Interessierten und in jüdischen Fragen leider wenig Informieden, einzufangen. Sie versenden ein Flugblatt, auf dessen erster Seite die Bilder von Moses Mendelsohn, Abraham Geiger und Hugo Preuß (der letzte sieht auf dem Konterfei Stalin ähnlich), so daß man zunächst glaubt, einen Reklamezettel einer Buchhandlung bekommen zu haben, in Aussprüchen von Hugo Preuß, Abraham Geiger und Moses Mendelsohn wird dreierlei zu beweisen versucht. Erstens, was das Mittel für Deutschlands Rettung־ ist (Hugo Preuß). Gegenfrage: Ist die Jüdische Gemeinde Berlin die zuständige Steile, Deutschlands Rettung zu betreiben? Zweitens: Daß Jerusalem eine wehmütige Erinnerung, ein Gedanke, aber keine räumlich begrenzte Stätte ist (Abraham Geiger). Gegenbemerkung: Jerusalem, das heißt das jüdische Palästina, ist eine Realität, von der die ganze Welt spricht, mit der sich die hohe Politik, Völkerhund, die mächtigsten Regierungen der Erde, Großbritannien, die Vereinigten Staaten usw. beschäftigen. Für die Liberalen ist es nur eine wehmütige Erinnerung. Habeant sibi! Drittens: Man soll die Tugenden der Nationen nachahmen, deren Untugenden man nachahmen zu müssen glaubt. (Moses Mendelsohn). Diese Warnung kann sich nur auf die Liberalen beziehen. W1 r sind für Fortschritt, den wir aber zunächst bei uns selbstdurchführen wollen. Denn Fortschritt bei anderen ist kein Heil im eigenen Hause. Ja, wir wollen die Tugenden der anderen Nationen nach ahmen. Die Liberalen aber haben bisher durch ihre Rückwärtserei in jüdischen Dingen bewiesen, daß sie sich mehr an die Untugenden der anderen halten. * Im übrigen sind wohl die letzten günstigen Nachrichten von der politischen Arena des Zionismus den Liberalen ziemlieh in die Glieder gefahren. Sie haben den Wahlkampf haupt-

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