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Jüdische Rundschau · 1930-11-07 · Heft 88 (7.11.1930) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 88 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 584 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 88, 7. XI. 1930 Der Wahlkampf In Berlin hat begonnen Warum es dazu kommen mußte, beweist untenstehender, im Faksimile veröffentlichter Brief des Großpräsidenten des deutschen Ordens ״Bne Brith“, des Vorsitzenden des deutschen Rabbinerverbandes und der Zentralwohifahrtsstelle der deutschen Juden,. Rabbiners Dr. Leo B ae ck, der sich bis zum letzten Moment um den Frieden in der Gemeinde bemßht hat. Aus dem Briefe geht hervor, wer den Kampf wollte. Die Liberalen tragen die Verantwortung für diesen Wahlkampf. Die Jüdische Volkspartei wird ihn, siegesgewiß, vornehm führen. Eabb. Dr. Baedcs Brief Berlin,♦.Horanba r SO. V.6z,Bürge imfenatr.19« Sehr geehrter Herr Doktor! Ich erlaube oir,8io daton in Kenntnis zu aetzen,daee der »on mir an die Perteien gerichtete Hlnlcungeeorechlag,der »on den ree Parteien angenommen wurde ,zu meinen aufrichtigen Bedauern ton der liberalen Partei abgelehnt worden let. S» let mir ein BedUrfnie,Ihnen herzlichen Dank für das VetatSnd« nie auazueprechen,dae Sie meinem Voreohlage entgageiigebraoht haben, durch den ich auf deutlicher Hlttlerer Linie einen *eg zur Vennel«• düng echweror Kampfe ln ernster Zelt aufsuweleen Buchte. Hit vorzüglicher Hochachtung Via Ich Ihr ergebener Herrn K.A. H.H. fr. Alfred Klee 67» Altonaerstr.7 . .# Die Ablehnung der von Rabbiner Baeck noch in letzter Stunde angeregten Friedensvorschläge durch die Liberalen machte den Wahlkampf für die Berliner Jüdische Gemeinde unvermeidlich. In welchem Geiste er von den beteiligten Parfeien geführt wird, lehren die Vorkommnisse des ersten Tages des Wahlkampfes. Von der liberalen Partei ist ein Flugblatt verschickt worden, in welchem sich Behauptungen finden, die zu der Wahrheit in striktem Gegensatz stehen. Es heißt darin, daß die Höhe der Steuern, welche von den Juden in Berlin an die Jüdische Gemeinde gezahlt werden müssen, eine Folge des Regimes der Jüdischen Volkspartei ist. %nÄ,i? t.e SJ.114« ״?T > H,M.k ״ ו *t .J!»ß 4s.r j ü.di s c h e ׳ Steuersatz in Berlin der niedrigste a 11 er jüdIsehen Gemeinden in Deutschland ist und daß er weit unter dem Steuersatzder anderen religiösen Gemeinschaften in Berlin liegt. Ferner wird im Flugblatt behauptet, daß durch die Verwendung der Gemeindegelder für ״gemeindefremde*‘ Zwecke nicht genügend Mittel für das Wohlfahrtswesen der Gemeinde zur Verfügung stehen. Diese Behauptung ist durchaus unwahr. Der Wohlfahrtsetat der Gemeinde hat sich während des entscheidenden Einflusses der Volkspartei in der Jüdischen Gemeinde Jahr um Jahr gesteigert. Der Spitzenkandidat der Liberalen, Direktor Kleemann, ist Vorstandsmifglied der Berliner Jüdischen Gemeinde. Er muß es ganz genau wissen, wie unwahr diese Behauptungen im liberalen Flugblatt sind. Wenn nun in seinem Namen, denn er ist der Spitzenkandidat, derartige Entstellungen der Wahrheit publiziert werden, so bedeutet das, daß auch sein guter Namen in den Schmutz gezerrt w i rd. Wir sind neugierig, ob Direktor Kleemann seinen liberalen Gesinnungsgenossen in den Arm fallen wird. Das schlimmste aber, was sich das liberale Flugblatt leistet, ist die Behauptung, daß die Verstärkung der antisemitischen Welle auf die Politik der Volkspartei zurückzuführen ist, die eine Herstellung eines guten Verhältnisses zu den Christliehen Volksgenossen verhindert. Diese Behauptung qualifiziert sich als eine ausgesprochene Verleumdung. Sie liegt auf dem Niveau der Behauptungen der letzten Nummer des Mitteilungsblattes der ״Nationaldeutschen Juden“, *welches an leitender Stelle die Frage an die «jüdischen Wähler stellt: ״Wollt Ihj ins Ghetto?׳“‘ und behauptet, daß die Zionisten ,,undeutsche“ Propaganda betreiben. Die Liberalen haben sich anläßlich einer Sitzung des großen Rates des Landesverbandes der Preußischen Gemeinden nach der famosen ״Erklärung Deutscher Juden“ im vorigen Jahre im Anschluß an eine großzügige Rede Dr. Baecks und nach einer, einei^vollen Tag dauernden, Diskussion in einem G e n tl e m e n - A g r e e - ment verpflichtet, sich in Zukunft dieser gegenstandslosen, durch nichts begründeten Verdächtigungen der Zuverlässigkeit jüdisch-politischer Gegner in staatsbürgerlicher Hinsicht zu enthalten. Es ist sogar ein formeller Beschluß des Landesverbandes zustande gekommen, dem die Liberalen zugestimmt haben. Lind nun erlebt man es wieder, daß die Liberalen diese nicht genug niedrig zu hängenden Verdächtigungen und Dummheiten wiederholen. Angesichts des 1 ones und des Inhaltes des erwähnten Flugblattes muß man sich sagen, daß die während der ersten Tage der Einigungsverhandhingen von den Liberalen behauptete Friedensbereitschaft nicht ernst gemeint war. Wir haben bis. zum Ueber־ drusse stets betont, daß wir in keiner Weise einen Wahlkampf wünschen und die Auseinandersetzungen zwischen uns und unseren liberalen Gegnern nur sachlich, ohne Schärfe führen wollen. Wir werden uns auch in Ztikunft von diesem Vorsatze nicht abbringen lassen trotz des liberalen Flug- Mattes, das menschlich und jüdisch eine Entgleisung schlimmster Art darstellt. Im Gegensätze zu den liberalen Wahlkampfmethöden stand die erste große Veranstaltung der Jüdischen Volkspartei im gegenwärtigen Wahlkampfe am 5. d. M. in der großen Versammlung am Friedrichshain. Ueber 1603 Personen füllten den großen Raum. Die Spitzenkandidaten der Volkspartei, Dr. Klee, Direktor Kareski, Ministerialrat Goslar, Prof. Loewe und Prof. Pick, beschränkten sich auf die Darlegung der in den letzten 2(4 Jahren unter der Aegide der Volkspartei in der Jüdischen Gemeinde Berlins vollbrachten Leistungen. Die Ausführungen der Redner wurden vom Publikum mit größter Aufmerksamkeit und mit ehrlicher Begeisterung aufgenommen. Einhellig war die Empörung über das Verhalten der Liberalen. Als der Brief Dr. Baecks, den wir nebenstehend wiedergeben, zur Verlesung gebracht wurde, erschollen lebhafte Protestrufe. Besonders entrüstet war die Versammlung, als sie von dem Inhalt des besprochenen liberalen Flugblattes Kenntnis erlangte. Die Entschlossenheit der Versammelten, mit allen Kräften die Jüdische Volkspartei zu Wählen und für sie zu werben, äußerte sich in dem begeisterten Beifall, den alle Redner fanden. B. A. * Landesverbandswahlen Ober- und Niederschlesien. Für die Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden im Wahlkreise Ober- und Niederschlesien konnte die Vereinbarung einer Einheitsliste nicht erreicht werden. Bei dieser Situation bleibt nichts übrig, als die Wähler zu befragen. Die am 2. November 1030 in Kandrzin stattgefundene Vertrauensmännerversammlung der Jüdischen Volkspartei hat folgende Kandidatenliste aufgestellt: 1. Kaufmann Arnold Wiener (Beuthen, Oberschi.); 2. Rabbiner Dr. Simonsohn (Breslau); 3. Kaufmann Hermann Aronheim (Gleiwitz); 4. R.-A. und Notar Friedrich Adler (Oppeln); 5. prakt. Arzt Dr. med. Leo Cohn (Waldenburg i.Schl.); 6. R.-A. und Notar Alexander Müller (liimlcnlnirg); 7. Zahnarzt Dr. Block (Ratibor); 8. Frau Ingenieur Frankel (Liegnitz); 9. Zahnarzt Dr. Warschawsky (Görlitz). Als Wahlbüro für die Provinz Oberschlesien ist das zionistische Geschäftszimmer in Beuthen' (O.-S.), Fr.-Wilhelm-Ring 9, als Wahlbüro für die Provinz Nieder- Schlesien das zionistische Büro in Breslau 1, Karlstr. 15, bestimmt. Alle Informationen und Entscheidungen im Wahlbezirk werden von diesen Stellen entgegengenommen. An der'Spitze der Wahl-Aktionen der Jüdischen Volkspartei stehen unsere Gesinnungsgenossen R.-A. Dr. Weißmann (Beuthen), Dr. med. Leo Cohn (Waldenburg i. Schl.) und Arnold Wiener (Beuthen). * Anläßlich des Friedensschlusses in der Dresdener Oemeinde, nach welchem alle Juden das gleiche aktive und passive Wahlrecht erhalten, veranstaltete die Jüdische Volkspartei am Ausgang des Simchath-Thora, im großen Saale des Künstlerhauses, eine Friedensfeier, bei der Führer der Liberalen, der Zionisten und der Orthodoxie vertreten waren. Die Versammhing war von zirka 800 Personen besucht. Nach einem Konzertstück der Kapelle Reifler eröffnete der Vorsitzende, Dr. M. Schornstein, die Feier. Er wies in zu Herzen gehenden Worten, auf die Bedeutung des Tages hin, dankte den Liberalen, insbesondere ihrem Führer, Herrn R.-A. Salinger, die zu dem dauernden Frieden in der Gemeinde beigetragen haben. Herr R.-A. Salinger dankte in warmen Worten und gab ebenfalls über den abgeschlossenen Frieden seiner Freude Ausdruck. Herr W e i n r e i c h dankte Herrn Rabb. Dr. Wolf, der in mutigster Weise für unsere Ziele eintrat. Rabb. Dr. Wolt dankte allen herzlich, die an dem Friedenswerk mitgewirkt haben. Verschiedene Parteien hat es immer im Judentum gegeben, denn die sind Träger der Gedanken und der Lebensanschauungen, er fordert aber, daß man die andersgeartete Meinung respektiere und schloß mit den Worten: ״Chasak, chasak w’nischasak (Sei stark, sei stark, damit wir erstarken). Dr. A d 1 e r beglückwünschte imNawien der Jüdischen Volkspartei Chemnitz; Herr Hermann Schocken sprach im Namen der Zionistischen Ortsgruppe Dresden und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, dankte an dieser Stelle dem verewigten, langjährigen Vorstandsmitglied und Ehrenpräsidenten der Ortsgruppe, Herrn Saliy H u r w i t z, dem als ersten es gelungen war, das aktive Wahfrecht zu erlangen, und dadurch wurde der Weg freigemacht für die volle Gleichberechtigung. Dr. Lehrfreund •.überbrachte Grüße und Glückwünsche der Jüdischen Volkspartei Leipzig. Er würdigte ganz besonders die Verdienste Herrn Dr. M. S c h o r ns tein s. Im Namen der Orthodoxie und insbesondere der Vereine Tomrhe nizrochim und Machsike Thora dankte Herr Neumaier der Jüdischen Volkspartei und den Liberalen für den zustandegekommenen Frieden. Herr Vogel dankte im Namen der Jüdischen Volkspartei den Wortführern der Fraktion, Herrn Bochner, Herrn Weinreich und Herrn Weiger, die sich in vorbildlicher Weise für unsere Ziele einsetzten. Am Schluß sprach im Namen der Jugend Herr Peter Blachstein. Er überbrachtc die Glückwünsche der gesamten Jugend, die schon viel eher den Frieden innerhalb der Jüdischen Gemeinde gewünscht hat. In dem Zusammenschluß aller jüdischen Jugend- Vereinigungen im lugendring hat die Jugend schon bekundet, daß sie zwischen Ost und West keinen Unterschied kennt. Er spricht die Hoffnung aus, daß die' Jugend Gelegenheit haben wird, an der Entwicklung der Gemeinde mitzuarbeiten. Die Festreden waren umrahmt von einem künstlerischen Programm, das. zum Gelingen des Abends beigetragen hat. Frl. Berta Friedmann sang mit schöner Altstimme zwei Lieder und dann gemeinsam mit Frl. Lia K a t z zwei Duette. Beide ernteten Beifall. Einen besonderen Genuß bereiteten zwei Arien, die von der Konzertsängerin Frau Herta Mautner-Falk vollendet gesungen wurden. Stürmischen Beifall erntete Kapellmeister Josef Goldstein für seinen Vortrag ״Kommt ein Vogel geflogen“ im Stile älterer und neuerer Komponisten von S. Ochs. Zum Schluß konnte Kantor Haimos durch schöne jüdische Lieder die Herzen erfreuen. Herr Leo L ö w e n k o p t hat durch seinen gesunden Humor alle Anwesenden auf das Beste unterhalten. Einer so selten schönen und großen Feier vermag sich keiner in Dresden zu erinnern, sie wird allen Anwesenden lange in der Erinnerung haften. Mögen den vielen schönen Worten auch die Taten folgen. B. K. Am 9. November 1930 findet in Chemnitz eine Tagung der Jüdischen Volksparteien Sachsens statt, die sich in der Hauptsache mit der Beseitigung des reaktionären Wahlrechts in verschiedenen sächsischen Gemeinden befassen wird. Die Tagung wird durch eine große Volksversammlung eingeleilet, die um H11 Uhr vormittags-im großen Museums- Saal stattfinden wird, und bei der der Vorsitzende des Verbandes der Jüdischen Volksparteien Sachsens, Dr. Schornstein (Dresden), sowie Vertreter aus den anderen sächsischen jüdischen Gemeinden sprechen werden. Vorträge ßlumenteld Kurt Blumenfeld hat gerade in den Tagen der Veröffentlichung der englischen Regierungserklärung und nach der Veröffentlichung in München und Nüm b e r g in großen Veranstaltungen über das Thema ״Weltjudentum und Zionismus“ gesprochen. Beide Veranstaltungen waren außerordentlich stark besucht und fanden das intensivste Interesse der jüdischen Bevölkerung in den genannten Städten. Die jüdische und zionistische Wirkung der Veranstaltungen war außerordentlich und trug in erheblichem Maße dazu bei, die zionistische Arbeitswilligkeit und Opferbereitschaft zu erhöhen. Wir werden über den Inhalt der grundlegenden Darlegungen Kurt Blumenfelds ausführlich berichten. Der hebräische Unterricht im Westen Am 12. d. M. fand in den Räumen des Beth-Ain ein hebräischer Vortrag, veranstaltet von dem hebräischen Lehrerv e 1* e i n statt, in welchem der Referent Dr. Max Mayer über das Thema: ״Der hebräische Unterricht im Westen“ sprach. Dieser Unterricht müsse von ganz anderen Vorausetzungen vor sich gehen, als der im Osten und in Palästina. Abgesehen von dem fast gänzlichen Fehlen einer hebräischen Lebens- und Kulturatmosphäre zeigt der westcuropäishee Schülertypus im allgemeinen eine schwächere Begabung für praktische Spracherlernung als der im Osten. Ferner ist speziell der Deutsche und in Deutschland Erzogene an eine manchmal au Pedanterie grenzende Gründlichkeit der Spracherlernung gewöhnt, so daß es ihm schwer fällt, eine Sprache auf ״leichtem“ Wege zu erwerben. Die Verkennung dieser psychologischen Eigenart hat zu einem großen Teil Schuld an den bisherigen unleugbaren Mißerfolgen des hebräischen Unterrichts in Deutschland. Nur sehr wenige haben die hebräische Sprache in einem beachtenswerten Maße erlernt. Sehr groß ist die Zahl derer, die nach vielmaligem Beginnen dieses Studium hoffnungslos autgaben. Der Referent gibt hier eine gedrängte Ucbersicht über die Entwicklung des hebräischen Unterrichtswesens in Deutschland, soweit es sich aut die hebräischen Sprachschulen bezieht. Er schildert seinen eigenen hebräischen Entwicklungsgang, der für viele Lernende typisch sei. Das Kriterium für erfolgreichen Unterricht sei die Fähigkeit, sich das hebräische Buch zu erobern. Ziel des Unterrichts müsse Anschluß an die hebräische Kultur in Vergangenheit und Gegenwart sei«. Ein auch nur oberflächlicher Blick zeigte, daß der Konsum hebräischer Eücher in der Galuth minimal ist. Der Unterricht müsse deshalb gründlich, humanistisch betrieben werden. Die Sprache dürfe nicht als bloßer Selbstzweck, das Sprechen nicht als Hauptsache, sondern nur als Mittel zur Erreichung eines lebensvollen hebräischen Kulturbewußtseins betrachtet werden. Interesse für die hebräische Sprache müsse vom Interesse an hebräischer Kultur getragen sein. Dabei soll selbstverständlieh die Sprache selbst als Mittel zur Erkenntnis jüdischer Denk- und Ausdrucksformen in ihren lautgesetzlichen, syntaktischen, phraseologischen und stilistischen Eigentümlichkeiten gründlich erlernt werden. Als L e h r st of f e"sollen in erster Linie solche verwendet werden, die religiös, kulturhistorisch oder künstlerisch wertvoll sind. Die bloße hebräische Konversation und ihre Uebung entspricht dieser Forderung nicht. Auch nicht die bloß sprachliche und nicht weitgehend inhaltliche Behandlung des Stoffes. Dort, wo die hebräische Sprache zur Erfassung des Inhalts, zur vertiefenden Dar- Stellung der kulturhistorischen Momente und der Realien wegen der noch zu geringen Sprachkenntnis des Schülers nicht verwendbar ist, muß unbedenklich die Muttersprache des Schülers zu Hilfe genommen werden. Iwrith be-iwrith um jeden Preis, aych auf Kosten der inhaltlichen Vertiefung, ist verwerflich. Es ist, abgesehen von anderen dafür sprechenden Gründen, schon deshalb nötig, daß der hebräische Lehrer die Muttersprache des Schülers in genügendem Maße beherrsche. Die ״leichte“ und ״schnelle“ Methode des Sprechens ist als Notlösung bei Chaluzim nicht zu umgehen, die in kurzer Zeit zur Alijah kommen. Die Vertiefung ihres Hebräischen müßte im Lande selbst später nachgeholt werden. Die An- Wendung der Berlitz School-Methode jedoch als allgemeines hebräisches Erziehungssystem in der Galuth bedeute bewußte kulturelle Verelendung. Das Sprechenkönnen, das anfangs häufig ״solchen Spaß“ macht, führt mit der Zeit zu vollkommenem Desinteressement gegenüber der Eprdentng eines ernsten Studiums, versumpft in flachem Plauder- Levantinistnus. Diese Methode erzeugt falsche Vor- Stellungen über die ״Leichtigkeit“ der, hebräischen Sprache und «Jas .Maß.״#r,״gu einem wahren .Kulturbewußtsein ertoederliehen Kenntnisse. Im Schüler die Illusion einer ״leichten“ Sprache zu erzeugen, rächt sich in einem späteren Stadium. Hebräisch will ebenso schwer und ernst genommen werden wie jede andere alte klassische (nicht tote 1) ‘ Sprache. Die Methode des Hebräisch-Lernens wird häufig als eine parteipolitische Frage angesehen und das gedankenlose Schlagwort herrscht auch hier. Die Iwrith be-Iwrith-Methöde wird unverständlicherweise häufig als zionistischePaterit-Met h o d e gepriesen. In Wahrheit ist diese Frage eine hervorragend pädagogische und kulturpolitische. Häufig versteckt sich der unzulängliche Lehrer hinter Prinzipien der Methode, die mit Pädagogik und Kulturpolitik wenig« öder nichts zu tun haben und lediglich dazu dienen, seine eigene Unzidänglichkeit zu verdecken, Der Vortrag, von den Anwesenden mit großem Interesse aufgenommen, gab zu lebhafter Diskussion Anlaß. Während ein Teil den Ausführungen zustimmte, meinten andere, Zweck des hebräischen Unterrichts sei in erster Linie die Verbindung mit dem neuen Leben Palästinas und dem ״lebendigen“ Hebräisch. Folgerung: als Lehrstoff entspreche diesem Zweck am besten die moderne Publizistik und Journalistik. Es gab auch Meinungen, die beide Richtungen gutheißen: Humanistischer Unterricht für die zahlenmäßig kleinere Schicht, die sich dem Studium gründlich widmen kann, und die leichte ״Massenm ethode“ des praktischen Sprechens für solche, die nur beschränkte Zeit und Geldmittel besitzen. In seinem Schlußwort betonte Dr. Mayer, daß das Studium der Bibel und der späteren Nationalliteratur bis aut unsere Tage mit dem neuen Palästina nicht weniger verbinde, wenn der Lehrer nur die Verbindung herzustellen versteht, als die Lektüre von palästinensischen Zeitungen und Zeitschriften, die an sich nicht prinzipiell ausgeschlossen werden müsse, und als das leichte Sprechenkönnen, dessen beschränkten Wert er ebenfalls nicht leugne, Hauptziel müsse aber die Erfassung und Verlebendigung jüdischer Kulturwerte bleiben. Er habe kein Verständnis für die stark verbreitete Meinung, daß Buchkenntnisse ״tot“ und kümmerliches Sprechen können ״lebendig“ sei. Die Kriterien für Leben und Tod einer Kultursprache seien ganz andere. U. A. Wie wer erfahren, beabsichtigt Dr. Max Mayer, in den nächsten Tagen nach Palästina zu übersiedeln. Die wärmsten Wünsche seiner zahlreichen Freunde begleiten den verdienten Vorkämpfer für die hebräische Sprachbewegung in Deutschland in die Heimat seiner Sehnsucht. Jerusalem, 3. November. (J.T.A.) Im Monat September 1930 sind 323 Juden nach Palästina eingewandert und 115 Juden aus Palästina ausgewandert. Die Zahl der christlichen Einwanderer betrug 94, die der mohammedanischen Einwanderer 19. 109 Christen (darunter 53 in Ihre Heimat zurückkehrende englische Polizisten) und 53 Mohammedaner sind im September aus Palästina ausgewandert. Nach Sd11u$ der Redaktion Nach der JTA. soll Oberkommissar Chancellor die Anforderungen für neue Zertifikate dem Colonial Office in London eingeschickt haben, weil er sich nicht mehr der Eventualität aussetzen will, daß die von ihm erteilten Bewilligungen annulliert werden. Am 2. November wurden wegen des Flaggenverbotes in Palästina an Stelle der verbotenen nationalen Fahnen und Enblemen in T el-1 wiw von revisionistischen Organisationen schwarze Fahnen gehißt f •%

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