Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1930)
- Date
- 1930-11-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653237--21937-2680094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« 580 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 88. 7. XL 1930 Keren Hajessod-Jubiläum Zehn Jahre Schöpfer und Schrittmacher In allen Dokumenten offizieller Stellen, Kommentaren und Aeußerungen der palästinafreundlichen und der dem jüdischen Palästinawerke gegnerischen Welt der letzten Tage kann man immer wieder die dem Inhalte nach gleichlautende Feststellung finden: die jüdische Gesamtheit hat in den letzten zehn Jahren im Palästinaaufbau ein unvergleichlich großartiges Werk geschaffen. Es gibt zwar Stimmen, die das Tempo im Werden des Palästinaaufbaus für zu rasch halten. Es gibt Stimmen, die an manchen Methoden der Arbeit, mit Recht oder Unrecht, Kritik üben. Einmütig ist jedoch die ganze Welt in der Anerkennung der opferbereiten jüdischen Leistungen, die das Werk ermöglicht haben. Diese Leistungen sind zweifacher Art: Das Werk der Gesamtheit und die Erfolge der Privat- Wirtschaft. Wenn man aber mit redlichem Bemühen versucht, das in Palästina bisher Geschaffene zu analysieren, so muß man zu dem Ergebnis gelangen, daß das nationale Kapital, die öffentlichen jüdischen Mittel, Schrittmacher für alles gewesen sind, was in Palästina vollbracht wurde. Das jüdische Palästinawerk ist nicht die Unternehmung einer Company, die durch Anlage von Kapitalien in einem Kolonialland Mehrwert gewinnen will. Es soll vielmehr ein Jüdisches Nationalheim schaffen, und der mit aller Seelenkraft ersehnte Erfolg ist nicht Kapitaldividende, sondern die Wiederverwurzelung der Entwurzelten, der neue jüdische Mensch und ein geistig-moralisch er Mittelpunkt, auf den die Augen der über die ganze Welt zerstreuten Juden gerichtet sein sollen. Es hat innerhalb und außerhalb der Reihen der Palästinafreunde Kritiker desKerenHajessod gegeben. Man wandte ein, es sei unmöglich, durch Spenden ein großes Kolonisationswerk durchzuführen. All diese Bedenken und Einwände werden durch die Tatsachen widerlegt. Was der Keren Hajessod in den letzten zehn Jahren geleistet hat, entkräftet alle Einwände, denn Tatsachen sind stärker als Worte und Absichten. Darum hat der Keren Hajessod das Recht, den bisher beschrittenen Weg fortzusetzen. Wer an die jüdische Zukunft glaubt, wem das Palästinawerk heilig und teuer ist, der wird dem Keren Hajessod aus vollem Herzen auch im nächsten Dezennium große Erfolge zum Wohle der jüdischen Gesamtheit wünschen und sich in den Dienst dieses zentralen Finanzinsirtutes der Jewish Agency als Gebender und Werbender stellen. Der Augenblick erfordert angestrengte politische Arbeit. Daneben aber muß, unbeirrt durch die politische Konstellation und unabhängig von den politischen Anstrengungen der Jewish Agency, aber auch zu ihrer Förderung, die Arbeit für den Keren Hajessod mit aller Kraft fortgesetzt werden. Dazu rufen im Nachstehenden in beredten Worten die bewährtesten Keren Hajessod und des Palästinaaufbaus werden diesem von hoher Verantwortung getragenen Appell Folge leisten. Chaim Weizmann: Es bedarf nicht erst meiner Worte, um Zeugnis abzulegen für die wertvolle Arbeit, die der Keren Hajessoa während der ersten zehn Jahre seines Bestehens geleistet hat. Der Keren Hajessod hat In ausschlaggebender Weise und in einem sehr hohen Grade zu der wichtigen Entwicklung beigetragen, die in Erez-Israel vor sich ging. Die Früchte seiner Arbeit sind in allen Teilen des Landes sichtbar. Der Keren Hajessod war es, der die Einwanderung von hunderttausend neuen Menschen, die Gründung von Dutzenden neuer Siedlungen, die Erhaltung unserer Schulen und die Förderung unseres Gesundheitswesens ermöglicht hat. Ich, der ich mich selbst an der Aufbringung seiner Mittel in der Alten und Neuen Welt beteiligt habe, kann die mit der Arbeit verbundenen Schwierigkeiten abschätzen, aber auch den Erfolg würdigen, der allgemein erzielt wurde. In einer Zeit begonnen, in der der Enthusiasmus alle weit und breit in Bann schlug, ln der es unmöglich war, die Hindernisse vorauszusehen, die sich später in den Weg stellten, ist der Keren Hajessod seither zum wichtigsten Kolonisationsfonds geworden, der die Idee der Jüdisch-Nationalen Heimstätte zur Wirklichkeit macht. Von der Dauer und Beständigkeit seiner Erfolge wird das Maß unseres Fortschrittes in Zukunft abhängen. Diejenigen, die dieses Maß vergrößern wollen — und wer will es nicht? — haben es in ihrer Hand, eine Aenderung zu erzielen. Ich hoffe, daß die große Schar der Mitarbeiter, die während des vergangenen Jahrzehnts auf verschiedene Weise so energisch und hingebend für den Keren Hajessod gewirkt haben, m den kommenden Jahren Ihre Anstrengungen verdoppeln werden, ״um unseres Volkes un a unseres Landes willen“. Oscar Wassermann: Zehnjähriges Jubiläum des Keren Hajessod! Welch gewaltiges Vertrauen, welch tiefer Glaube muß jene Konferenz im Jahre 1920 bewegt haben, die den Beschluß faßte, durch freiwillige Spenden für einen zentralen Fonds dem jüdischen Kolonisatfonswerk in Palästina seine materielle Grundlage zu geben. Sonst kolonisieren Staaten mit Ihren Machtmitteln; für uns Juden war der Keren Hajessod Grundlage und Symbol für die Neubesiedlung unseres alten Stammlandes. Die zerstreuten Kinder Israel unternehmen es, getrftben von uralter Sehnsucht, ihr nie vergessenes, uraltes, ihnen in allen Zeiten ihres Daseins gegenwärtiges Mutterland neu zu erbauen, ohne Waffen und im Vertrauen auf ihr Recht und auf die eigene Opferwilligkeit. Dem Fonds gab man den Namen Keren Hajessod, das heißt: Fonds für das Fundament. Wie wir mit Freude die verheißungsvollen Namen unserer ältesten Siedlungen als Zeichen für das Gelingen unseres Werkes empfinden: Petach Tik wah, das Tor der Hoffnung, RoschPinah, den Eckstein, so trägt das Wort Keren Hajessod für uns und sicherlich noch mehr In ferner Zukunft die Kraft einer Zauberformel ln sich. Die vor zehn Jahren ausgegebene Parole ist von den Jaden ehört worden. In der ersten Begeisterung gaben die dem Geanken der Erneuerung des jüdischen Volkes ln Palästina verbundenen zionistischen Kreise, was sie geben konnten. Aber so wenig der Palästinagedanke Parteisache ist, so wenig blieb der Keren Hajessod auf Beiträge der Parteigänger beschränkt. In rasch wachsendem Maße warb er sich Freunde unter den nichtzionistischen Juden überall. Besonders in den östlichen Ländern wetteiferten alle Schichten der Bevölkerung miteinander an Opferwüligkeit. Wer kein Geld geben konnte, brachte Stücke alten ererbten Famillenschmuckes. jeder wollte nach seinen Kräften zur Erfüllung alter Hoffnungen beitragen. Es galt, den elementaren Strom jüdischer Begelsterung zu organisieren und für die Dauer nutzbar zu machen. Nach zehn Jahren dürfen wir sagen, daß die Keren Hajessod- Parole ihre nachhaltige Wirkung bewahrt hat. In unermüdlicher Arbeit wurden von Jahr zu Jahr neue Freunde gewonnen, und die Werbung war um so schwerer, als sie nicht immer von frohen und glücklichen Nachrichten aus Palästina begleitet wurde. Der Keren Hajessod hatte die Aufgabe, dann am stärksten zu sein, wenn die Lage in Palästina besonders schwer erschien. Er mußte wachsen, als es 1921, schon kurz nach seiner Gründung, schwere Unruhen im Lande gab, als in den Jahren 1926 und 1927 eine ernste Wirtschaftskrise entstanden war, von der man damals in den Zcltungen lesen konnte, daß sie notwendig den Untergang unseres Werkes herbeiführen müsse, er mußte da sein und wachsen, als im vorigen Jahre wiederum blutige Zusammenstöße stattfanden, und er wird auch in Zukunft stärker sein müssen als alle Wechselfälle, die mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung notwendig verbunden sind. Die Garantie für seine Unerschütterlichkeit erblickt er in der ursprünglichen und u n - gebrochenen Zionsliebe der jüdischen Gemeinschaft, die gewohnt war, schwerste Schicksale zu erdulden, ohne jemals den Glanz Ihrer Zukunftshoffnungen sich verdunkeln zu lassen. Dem Keren Hajessod-Gedanken ist es gelungen, die Judenheit zu gemeinsamem Tun zu einen. Unser Fonds war der Vorläufer der Jewish Agency, Ist ihr heute eingegliedert als wichtigstes Finanzinstrument. Wie bei der Gründung des Keren Hajessod vertrauen wir auch Wüte auf die freiwillige Leistung der Juden. Uns stärkt in diesem Augenblick der Gedanke, daß die Einnahme des Keren Hajessod in diesem Jahre, in dein wir uns gleichzeitig mit der Sammlung für einen Hilfsfonds zur Linderung aktueller Not an die Judenheit wenden mußten, gerade in den Ländern gestiegen ist, in denen die jüdischen Massen am meisten unter wirtschaftlicher Not zu leiden haben. Mit dem Gefühl von Glück und auch mit etwas Beschämung empfinden wir die echte Opfer- Willigkeit der Juden in den östlichen Ländern Europas. Der Idealismus der jüdischen Massen läßt sie geben, auch wenn sie vom Schicksal schwerster eigener Not entgegengeführt werden. Der Keren Hajessod soll alle Juden der Welt lehren, daß nichts sie näher angeht als die Erhaltung und Erneuerung des Judentums, daß sie hei allen Nöten des Tages ihre «chhnste Befriedigung in der volten,Mitarbeit.,iai Palästinawerk finden können. ׳ ' Mix M. Warbnrg: Zehn Jahre sind seit der Gründung des Keren Hajessod verstrichen. Während dieser Zeit war der Keren Hajessod nicht das Finanzinstrument der Zionistischen Weltorganisation allein; seit der denkwürdigen Sitzung in Zürich im Jahre 1929 ist er auch der Apparat zur Aufbringung der Fonds der erweiterten Jewish Agency geworden. Die Erfolge des Keren Hajessod legen in weitestem Sinne die Fundamente zu einem Erfolg der Jewish Agency. Jedem Mann und jeder Frau, die tiefer mit dem Aufbau Palästinas verbunden sind, ist durch diese verzweigte Organisation die Möglichkeit gegeben, auf mannigfache Art ihre Hingabe und Loyalität für die große jüdische Sache zu bezeugen. Indem wir dem Keren Hajessod und seinen Komitees dienen, dienen wir der Sache Palästinas, verknüpfen wir die Bande, die alle Teile des jüdischen Volkes miteinander verbinden, enger und inniger. Auf manchen von uns lastet die schwierige Aufgabe, den Plan der Ausgaben, die poetischen Grundlagen unserer gemeinsamen Arbeit zu bestimmen. Was den Keren Hajessod angeht, so kann es keine Frage, keine Meinungsverschiedenheit geben; hier gibt es nur eine Antwort: Die Bereitschaft zum Dienste und zum Opfer. Wir leben in einer Zeit schwerer Prüfung. Viele Probleme drängen nach einer Lösung, sowohl in Palästina selbst, als auch im Hinblick auf unser Verhältnis zur Mandatarmacht. Nie vorher war die Notwendigkeit klarer Gedanken und Entschlüsse so dringend als jetzt, nie vorher der Wille, unsere Pflichten ruhig und in einem Geiste der Toleranz und des gegenseitigen Verständnisses zu erfüllen, nötiger als heute. Dem Werke des, Keren Hajessod, der der Lebensnerv aller unserer Unternehmungen Ist, der das Bestehen der Jewish Agency und den Fortbestand unseres historischen Werkes ermöglicht und dem sich unsere Brüder in allen Teilen der Welt widmen — diesem Werke, so hoffen wir, werden die Juden aller Ueberzeugungen und an allen Orten mit ganzer Kraft ihre Unterstützung leihen. # Zum zehnjährigen Bestehen des Keren Hajessod Von E m i 1 e V a n d e r v e 1 d e. Vor Antritt einer langen Reise in den Fernen Osten stehend, möchte ich dennoch nicht das zehnjährige Jubiläum des Keren Hajessod vorübergehen lassen, ohne dem Fonds den Ausdruck meiner herzlichen Sympathie zu übermitteln. * Ich habe von meiner Palästina-Reise, die jetzt drei Jahre zurückliegt, eine unauslöschliche Erinnerung mitgenommen. Man kann verschiedener Meinung über die Möglichkeiten einer vollkommenen Verwirklichung des Zionismus und über die Mittel zur Sicherung eines friedlichen Zusammenlebens der durch Religion und Sitten so differenzierten Bevölkerung sein, die sich im Laufe von Jahrhunderten auf dem Boden Israels niedergelassen hat. Aber ich wage zu sagen, daß es niemanden, der guten Willens ist, daß es vor allem keinen Zionisten gibt, der, wenn er erst mit eigenen Augen an Ort und Stelle das Werk des Keren Hajessod, seine ideellen und konkreten Bemühungen, freie Menschen auf freier Erde s e ß - haft zu machen, gesehen hat, diesem Werke nicht seine Ehrfurcht zollte, diesem Werke, das Respekt und Bewunderung verdient. Oft genug hat sich die europäische Kultur mit Gewalt und Gewalttat ihren Weg über die Welt gebahnt. Dies gerade ist der Ruhm des Zionismus, daß er dem jüdischen Volke eine Heimstätte geben will, ohne jemandem etwas zu rauben, ohne sich anderer Mittel als der friedlichsten zu bedienen, ohne den Boden, den er in Besitz nimmt, von den Nachkommen derjenigen, die ihn früher mit Gewalt okkupiert haben, wegzunehmen. Und trotz alledem hat die grausame Erfahrung der letzten Zeit gezeigt, daß sich dem jüdischen Volke in Palästina schwere Hindernisse in den Weg stellen: Von der einen Seite ist es die Unruhe der arabischen Bevölkerung, die glaubt oder zu glauben verführt wird, daß der Tag kommen wird, wo sie von der Welle der neuen Ankömmlinge überflutet wird. Auf der anderen Seite ist es die Unzulänglichkeit der Mittel, die die Juden veranlassen könnte, ihr freies und soziales Kolonisationssystem aufzugeben und zu den bekannten Methoden kapitalistischer Kolonisation zu greifen. Um diese Unruhe, an deren Fortdauer leider so viele ein Interesse haben, zu beseitigen, genügen Worte allein nicht. Allen, die sich für den Wiederaufbau des Jüdischen Nationalheims verantwortlich fühlen, liegt die große Aufgabe ob, der arabischen Bevölkerung durch Taten zu beweisen, daß auf palästinensischem Boden Platz für sie und die Juden vorhanden ist, daß die arabischen und jüdischen Arbeiter keine entgegenesetzten Interessen haben, daß eine gedeihliche Zukunft von er fruchtbaren Zusammenarbeit der Völker, die sich im Laufe der Jahrhunderte diesseits und jenseits des Jordans angesiedelt haben, abhängt. .... ז Die Rechte an der gemeinsamen Scholle für die Gemeinschaft zu schützen, den Arbeitern den ungeschmälerten Ertrag ihrer Arbeit zukommen zu lassen, ohne den Menschen durch den Menschen auszunutzen, eine Zusammenarbeit für die gemeinsamen Aufgaben, die der Einzelne nicht allein bewältigen kann, herbeizuführen, dieses sind die Ziele, die Sozialismus und Zionismus gemein haben. Dieser Ziele wegen wünsche ich dem Keren Hajessod aus ganzem Herzen, daß er wachsen und gedeihen möge. Die Arbeit des Keren Hajessod in Deutschland Unmittelbar nach der Gründung des Keren Hajessod im Juli 1920 in London wurde auch in Deutschland eine Keren Hajessod-Organisation ins Leben gerufen. Der Appell des Keren Hajessod fand bald ein lebhaftes Echo in weiten Kreisen des deutschen Judentums. Der ״Verband Neutraler Jüdischer Jugendvereine“ und der ״Allgemeine Rabbinerverband in Deutschland“ unterstützten seine Arbeit schon im * ersten Jahre. Ein gemeinsamer Aufruf führender Persönlichkeiten fast aller jüdischen Gemeinden Deutschlands im Januar 1922 zeigte bereits, daß die Möglichkeit bestand, Zioidsten. und Nichtzjenisten ■im., Rahmen <Jer, Keren.־׳Hajessod- Arbeit für <3en Palästina-Aufbau zti vereinigen. Eine Folge dieses Zusammenschlusses war die Gründung des Überparteiliehen ״Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E. V.“. Die konstituierende Versammlung fand am 21. Februar 1922 statt Sie wählte ein Präsidium des Keren Hajessod in Deutschland. Vorsitzender wurde Herr Direktor Oscar Wassermann, zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden die Herren Generalkonsül Eugen Landau und Dr. Arthur Hantke gewählt. in unermüdlichem Eifer hat gerade Herr Direktor Wassermann seinen großen persönlichen Einfluß und seine starke Arbeitskraft dem Ausbau des Keren Hajessod gewidmet. Ihm gelang es, wichtige Persönlichkeiten zu gewinnen, in Versammlungen auf weite Kreise zu wirken und die Einnahmen des Keren Hajessod zu steigern. Auch nachdem er vom Administrative Conünittee der Jewish Agency zum Vorsitzenden des Keren Hajessod-Dircktoriums, das die K. H - Arbeit in allen Ländern führt, gewählt worden war, hat er unsere Arbeit in Deutschland mit gleicher Energie weiter gefördert. Herr Rechtsanwalt Felix Ros enblüth, der dem Keren Hajessod-Präsidium angehört hatte, und Herr Dr. Arthur Hantke schieden bei ihrer Uebersiedlung nach Palästina aus dem Präsidium des Deutschen Keren Hajessod aus. An Stelle von Herrn Dr. Hantke wurde Herr Kurt Blumenf e 1 d zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Dem Präsidium des Keren Hajessod in Deutschland gehören außer den bereits genannten Persönlichkeiten noch an: Dr. Alfred Apfel, Rabbiner Dr. Leo Baeck,' Dr. Aron Barth, Alfred Berger, Dr. Friedlich Brodnitz, Willy Drey fus, Dr. Bernhard Kahn, Fritz N a p h t a 1 i, Dr. Martin Rosen blüth, Leo Simon (sämtlich Berlin); Alfred Lisser (Hamburg), Fritz Sondheitner (Frankfurt/Main), Julius Schindler (Hamburg), Dr. h. c. Alfred Leonhard Tietz (Köln). Das Präsidium hat den Tod seiner Mitglieder Justizrat Ludwig Cahen (Köln), Prof. Salomon Kalischer, Prof. Carl Lcwin (Berlin) und Kommerzienrat Albert Moos (Stuttgart) zu beklagen. Die Mitglieder des Präsidiums haben stets in dankenswerter Weise die Arbeit des Keren Hajessod durch Rat und Tat unterstützt. Von entscheidender Bedeutung für die Arbeit des Deutsehen Keren Hajessod war der Ausbau seiner Organisation in den Anfangsjahren. Die Arbeit lag damals in Händen von Herrn Walter Turnowsky, dem im Jahre 1923 Herr Alfred Berger folgte. Nach seinem Ausscheiden übernahm Herr Dr. Martin Rosenblüth als geschiftsführendes Präsidialmitglied die Leitung der Keren Hajessod-Zentrale in Berlin. In den wichtigsten Gemeinden bildeten sich überparteiliche Komitees, an denen hervorragende Persönlichkeiten der Politik, des Gemeindelebens und der Wirtschaft beteiligt waren. Zahlreiche Freunde des Keren Hajcssod-Gedankens stellten sich tätig in den Dienst der Sache und warben in großen Versammlungen oder in kleinerem Kreise für den Pa- . lästina-Aufbau. ' Bereits am 15. Februar 1922 hatte die deutsche Regierung durch ein Schreiben des damaligen Außenministers Walter Rathenau ihre Sympathie für die jüdischen Palästina-Bestrebungen ausgedrückt und mit Interesse von der Gründung des Keren Hajessod Kenntnis ge-