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Jüdische Rundschau · 1930-10-28 · Heft 85 (28.10.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 85 (28.10.1930)
Date
1930-10-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Widerhall in der Welt Einzelnummer 0£S Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDienettg u. Freitag. Bezugsprei« bei der Expedition monatlich 2»— Goldmark, vierteljährlich 5*75 Goldmark. Auslandw1bo1m«xn«Bt» *׳erden in der WÜming der «mxelnen Limdeur berechnet. Anzeigenpreis: 8 pesp. Nonpareillezeile 030 G.-M. Stellengesuche 0,2$ G.-M, Nummer 85 | Berlin, 28. X. 1930 Redaktion Verlag und Anzeigen - Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinWlS, Melnekestr.10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70. A1>»ig«n1»eMu4: Di■s• t«! and Freit»! nachmittag» 4 Uhr Redaktionssch'uß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck Konten: Berlin 17392* Beeel V 9355* BeljTed 68Ö32» Brüssel 394 33* Budspest 596 93* Da&dg 1973, Hssr 140 470. Pm 594 10 Rif* 4155. Strasshurg 164 30, Warschau 190708, Wien 156 030 Bank - Konten: Dsmnstädtwr und Nationalhank, Deposit»» Kasse Berlin, Kurlürsteadsuaim 52; Bane« de Bst, Ceraauti (Rumänien); Anclo F'alftstise Co. in Haifa, Isruaalem, Tel -Aviv. י מי חשון תרצ״א | xxxv. Jahrg. Per Zlonlatwu« erstrebt tOr das indische Volk die Schäftung einer CtfentHch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Der Protest der lOdlschen Ulen Felix Werburgs Demissionsschreiben New York, 24. Oktober. (J. T. A.) Anläßlich *eines Rücktritts als Obmann des Administrative Committee der Jewish Agency übergab Felix M. Warburg nachstehende Erklärung zur Veröffentlichung: Durch das Palästina-Mandat wurde England zum Treuhlnder eingesetzt für die Errichtung des Jüdischen Nationalheims, die von England selbst, wie aus der während des Krieges erlassenen Balfour-Deklaration hervorgeht, angestrebt wurde. Lord Passfields Erklärung bedeutet einen Einzelnen mit einer verantwortlichen Untersuchung, von der die künftige Entwicklung des Jüdischen Nationalheims abhängig gemacht werden sollte, eine Gefahr bedeutete, haben wir von der Entsendung Sir John Hope Simpsons, den der Minister- Präsident mir gegenüber als einen für diese Aufgabe besonders geeigneten Mann hingestellt hatte, das Beste erwartet. Es fehlte auch nicht an Protesten und Kundgebungen der Ungeduld und Enttäuschung angesichts der Untätigkeit und des Zögerns des Kolonialamtes. Doch wurde uns auch Unverändert bleibt meine Ergebenheit für die jüdischeSacheundfürPaläsiina. Ich werde weiterhin meine besten Kräfte dem Werke widmen, das unsere tiefsten Interessen berührt, ln einem Zeitpunkt voll Hoffnung und Enthusiasmus haben sich Zionisten und Nichtzionisten gefunden, um Palästina aufzubauen. Sie werden noch inniger verbunden bleiben,angesichts dieser tragischen Enttäuschung. grausamen und unfairen Verrat während dieser Zeit wiederholt veran der England übertragenen Aufgabe. Wir Amerikaner haben England bei der Erfüllung dieser Aufgabe stets nach Kräften unterstützt. Das Palästina-Mandat sieht eine Jewish Agency als öffentliche Körperschaft für Beratung und Mitarbeit mit der Palästina-Regierung in jenen wirtschaftlichen sozialen und sonstigen Fragen vor, die auf die Errichtung des Jüdischen Nationalhelms bezug haben. Die Mandatskommission des Völkerbundes nat die Mandatarmacht ausdrücklich davor gewarnt, ״die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in ihrem jetzigen Stadium erstarren zu lassen“. Das Palästina-Mandat hat an die Zionistische Organisation die Forderung; gestellt, sich die Mitarbeit aller jener Juden, die zum Aufbau des Jüdischen .Nationalhehns beitragen wollen, zu sichern. Nach eifrigen Bemühungen und dank der Führerschaft des verstorbenen Louis Marsh all sind Nichtzionisten aller Linder J1! die im Vorjahr geschaffene erweiterte JeivÄ Agfucy ׳«tatöwhp« ״ ׳*■**־'״ ׳־ "־־ sichert, daß die Regierung das Mandat vollinhaltlich auszuführen beabsichtige. Infolge der Suspendierung bereits erteilter Einwanderungsr bewilligungen erhielt unser Vertrauen zur Reglerung neuerlich einen Stoß, wurde aber durch abermalige Versicherungen der englischen Regierung wiederhergestellt, die mir in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Administrative Committee der Jewish Agency gegeben wurden. Laut Mandatsbestlmmung und wie die englische Regierung auch im Wege Ihrer amerikanischen Vertretung bestätigt hat, ist die Jewish Agency die verantwortliche und bevollmächtigte Repräsentanz des Judentums bei Unterhandlungen mit der Mandatarmacht und hat die Aufgabe, gemeinsam mit der Palästina-Regierung an der Entwicklung des Landes mitzuarbeiten. Dessen ungeachtet wurde sie stets geflissentlich übergangen uni vor vollendete Tatsachen' AateBt. Es wurde Dur sogar und ein gewaltige! Maß von Arbeit Mt Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse, Aufbau jüdischer Kolonien, Förderung von Landwirtschaft, Industrie und des Erziehuitgswesdns, dal von der Hebräischen Universität gekrönt wird, geleistet. Ausrottung der Malaria, Verbesserung der Lebensverhältnisse, Straßenbau, wissenschaftlich betriebene Landwirtschaft, Entwässerung und Aufforstung, industrielle Entwicklung durch Werkstätten und kleine Fabriken, Ausbau der Elektrizltätskräfte und Verwertung der Naturschätze des Toten Meeres — alle diese Errungenschaften sind zur Gänze den durch jüdischen Enthusiasmus aufgebrachten Summen oder den vorwiegend von den Juden Palästinas entrichteten Steuern zu verdanken. Der Fortschritt Im Lande ist in hohem Maße der arabischen Bevölkerung zugute ekommen und wir freuen uns darüber, denn es ist uns klar, aß ein Land nicht gedeihen kann, wenn es in ihm nur einem Teil der Bevölkerung wohlergeht. Tatsächlich hat sich der Lebensstandard der Araber seit dem Beginn des jüdischen Aufbauwerkes wesentlich gehoben. Zu den gesamten Kosten der Kolonisation, Bodenverbesserung, Aufforstung und Bewässerung hat der englische Steuerzahler keinen Penny beitragen müssen. England hat das Land bloß als Mandaisferritorium verwaltet. Den bisherigen High Commissioners kann Begünstigung der Juden nicht zum Vorwurf gemacht werden. Sie naben alle verfügbaren Staatsländereien den Arabern ge geben, den Juden aber nicht einen einzigen D u n a m. Sogar die Fürsorge für die unschuldigen Opfer der Unruhen im August 1929 wurde fast ausschließlich der jüdischen Wohltätigkeit überlassen. Die Regierung hat für dieses Hilfswerk einen jämmerlich geringfügigen Beitrag geleistet. Der englische Ministerpräsident hat von der Tribüne des Völkerbundes aus vor aller Welt erklärt, England würde sich durch Mord und Gewalttat nicht von der Erfüllung seiner Verpflichtungen in Palästina abschrecken lassen. Zur Untersuchung der Ursachen der Unruhen wurde die Shaw-Kommission nach Palästina entsandt. Diese Kommission hat einen Bericht erstattet, der vom englischen Ministerpräsidenten im Verlauf Der Inhalt der Regierungserklärung steht in krassem Widerspruch zu den Versicherungen, die Lord Passfleld mir am 22. August in einer zweistündigen Unterredung gegeben hat, zu der ich auf seine persönliche Einladung nachLondon gekommen war. Er ermächtigte mich damals, in seinem Namen vor dem Administrative Committee der Jewish Agency, das einige Tage später in Berlin tagte, gewisse Erklärungen abzugeben, ift meinem Bedauern sehe ich mich auf Grund der von Lord Passfield jetzt veröffentlichten Dokumente genötigt, zu sagen, daß ich irregeführt wurde und unschuldigerweise selbst zum Werkzeug der Irreführung meiner Kollegen in der Jewish Agency geworden bin. Ich sagte meinen Koilegen, die Regierung würde Obligationen für die Zwecke der landwirtschaftlichen Entwicklung ausgeben. Jetzt erfahre ich, daß ein vorwiegend die Interessen aer arabischen Bevölkerung berücksichtigendes Agrarprogramm durch Steuern tinanziert werden soff, die naturgemäß zum größten Teil von Juden Palästinas aufzubringen sein werden. Die jüdische Ein- Wanderung soll weitestgehend eingeschränkt und der Landkauf so erschwert werden, daß Transaktionen selbst bei Be- Zahlung hoher Bodenpreise fast unmöglich erscheinen. Gerade diejenigen von uns, welche hinsichtlich des Aufbaus Palästinas einen gemäßigten Standpunkt eingenommen haben, empfinden heute bitterste Enttäuschung. Ich habe alle Welt aufgefordert, Vertrauen zur englischen Regierung zu haben. Ich habe mitgeholfen, die Jewish Agency zu schaffen. Ich habe in der Erwartung, daß andere meinem Beispiel folgen werden, über eine Milfion Dollar in Palästina investiert. Wir haben unser Bestes getan. Heute ist Dr. Weizmann, der Jahre hindurch einen selbstlosen englischen Patriotismus an den Tag gelegt hat, körperlich und seelisch gebrochen und hat demissioniert. Zu meinem tiefen Bedauern muß ich den Vorsitz im Administratlve Committee der Jewish Agency niederlegen. Ich habe den Erklärungen, die Lord Paßfleid im Namen der englischen Regierung mir gegenüber gemacht hat, vertraut — das jüdische Volk ist dadurch irregeführt worden. Die Aufrechterhaltung jener Beziehungen zur englischen Regierung, die die Stellung eines Vorsitzenden des Administrative Committee bedingt, ist mir weiterhin unmöglich. Ich schlage die Einsetzung eines interimistischen Komitees zur Fortführung der Geschäfte der Jewish Agency vor. einer mit mir geführten Unterredung und von der Mandatskommission des Völkerbundes einer scharfen Kritik unterzogen worden ist, da er Vorschläge enthält, die eine Ueberschreitungder Befugnisse der Kommission bedeuten und auf Grund unzureichender Untersuchungen unter Vernachlässigung der Im englischen und amerikanischen Gerichtsverfahren üblichen Methoden zur Klarstellung des richtigen Sachverhalts erstattet worden sind. Eine neuerliche Untersuchung des palästinensischen Boden- und Wirtschaftsproblems durch den ehemaligen indischen Verwaltungsbeamten Sir John Hope Simpson sollte das Gefühl der Enttäuschung über den Shaw-Bericht mildern. Obwohl wir «1» dessen bewußt waren, daß die Betrauung eine Aktions-Comifee am 4. November in London Die Zionistische Exekutive hat nach einer Beratung mit Leo M o t z k i n, der zu diesem Zwecke nach London berufen vvorden war, den Beschluß gefaßt, eine Sitzung des Aktions- Comltfs für den 4. November nach London elnzuberufen. * Es besteht die Möglichkeit, daß im Falle einer starken Beschickung der Aktions-Comite-Sitzung der für Februar einberufene Kongreß auf einen späteren Termin verlegt werden wird; dies im Hinblick auf den Widerstand, der sich in manchen Kreisen gegen die Abhaltung eines Kongresses im Februar, in der Zeit der Winterkanrpagne des Keren Hajessod, geltend macht. (Der zweite Teil der Meldung, der von der JTA, verbreitet wird, bedarf noch der Bestätigung. Red.) Wir vertrauen darauf, daß der Sinn des englischen Volkes für Recht und Billigkeit und die verständnisvolle Einsicht der öffentliehen Meinung in allen Ländern es uns ermöglichen wird, die gegenwärtigen Hindernisse zu überwinden. * New York, 23. Oktober. (J.T. A.) Unmittelbar nach Bekanntwerden des Inhalts der Regierungserklärung über Palästina versammelten sich am 21. Oktober die zionistischen und nichtzionistischen Führer der Jewish Agency zu einer Beratung, die einen vollen Tag in Anspruch nahm. Den Vorsitz führte abwechselnd Robert Szold und Cyrus Adler. Gegen Mittag erschien Felix Warburg und gab seinen Entschluß bekannt, von der Leitung des Administrative Committee zurückzutreten. Gleichzeitig erklärte Warburg, sich auch weiterhin an der Arbeit, die fortgeführt werden müsse, beteiligen zu wollen. Ungeachtet seines schwer leidenden Zustandes nahm Stephen Wise an der Konferenz teil. 'Er gab der Vermutupg Ausdruck, daß der .Simpson-Bericht vom. Kolon!ul amt bcar b1 je itet und uogtinsU g ךerä״dert wo־׳d ea als zynisch und 1?iTste r'* Ein ehrlicher offener Bruch, sagte er, wäre schlimm genug ,gewesen,, aber dieser Bruch hat nicht einmal den Vortug 4# Aufrichtigkeit. Die englische Regierungserklärung sei Blut auf Englands Wappenschild. in heftigen Worten verurteilten auch James Marshall, ein Sohn des verstorbenen Louis Marshall, Robert Szold und andere führende jüdische Persönlichkeiten die britische Regierungserklärung. Auf dem Protestmeeting im Mecca-Tempel, worüber wir bereits kurz berichtet haben, das an Stelle des abgesagten Empfanges für Harry S n e 11 stattfand, riet Rev. Dr. John Haynes Holmes, Prediger an der Community Church in New York, der als Vertreter von Nathan Straus das Straus- Gesundheitszentrum in Palästina eröffnet hat, den Juden, gemeinsam mit den Arabern den britischen Imperialismus zu bekämpfen. Der Protest des Jiscbaw Jerusalem, 23. Oktober. (J. T. A.) Der W a a d Le um i und die Exekutive der Jewish Agency in Palästina haben gemeinsam die nachstehende Proklamation erlaasen: Die Deklaration der Mandatsregierung ist eine Verletzung des historischen Gelübdes, welches das englische Volk gegen- Uber den Juden abgelegt hat. Das Statement entbehrt eines konstruktiven Charakters und verleugnet das feierliche Ver* sprechen, das nicht nur dem palästinensischen Jischuw, sondem dem gesamten jüdischen Volk gegeben wurde. Ein Nationalheim ohne Einwanderung und Boden ist ein grausamer Scherz und eine politische Heuchelei. Der Jischuw verwirft die Regierungserklärung und hegt die Hoffnung, daß es nicht der Wiile des englischen Volkes fit, den die Regierung In diesem Falle zum Ausdruck gebracht hat. Das Recht des jüdischen Volkes zum Aufbau des Jüdischen Nationalheims ist vom Völkerbund und den Vereinigten Staaten von Amerika anerkannt und von allen englischen Regierungen seit der Balfour-Deklaration bekräftigt worden. Die konstruktfven Leistungen der Juden rechtfertigen diesen Anspruch, der stärker ist als irgendeine Macht, die von irgendeiner Regierung mißbraucht wird. Der Jischuw wird an keiner parlamentarischen Institution feilnehmen, die darauf abzielt, die Errichtung des Jüdischen Nationalheims zu hemmen. Wohlfahrt und Entwicklung der arabischen Bevölkerung hängen von der jüdischen Einwanderung und Kolonisation ln höherem Maße ab als von allen Maßnahmen der englischen Palästinaverwaltung. Wir erblicken in der Zusammenarbeit mit unseren arabischen Nachbarn die hoffnungsvollste Gewähr für dauernde Wohlfahrt und Frieden im Lande. Wir appellieren an das englische Volk und die ganze zivilisierte Welt, unsere Rechte zu verteidigen, und fordern das jüdische Volk in allen Ländern auf, standhaft zu bleiben. # Jerusalem, 24. Oktober. (J. T. A.) Der Führer der Agudas Jisroel, Rabbi Blau, erklärte, die Agudah werde die jüdische Einheitsfront nicht sprengen und sich, entgegen ihrer ursprünglichen Absicht, an den Wahlen zum Legislative Couneil nicht beteiligen. Der Brith S c ha 10m hat dem Waad Leumi formell bekanntgegeben, daß seine Mitglieder sich weder an der .Wahl zum Legislative Council beteiligen, noch einer Berufung in diese Körperschaft Folate lasten werden.

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