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Jüdische Rundschau · 1930-10-17 · Heft 81-82 (17.10.1930) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 81-82 (17.10.1930)
Date
1930-10-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 81/82, 17. X. 1030 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 531 Der Weltkongreß für das arbeitende Palästina Die politische Resolution Der Weltkongreß für das arbeitende Palästina nahm die folgende politische Resolution an: I. Der Erste Kongreß für das arbeitende Palästina gibt seinem festen Glauben an die revolutionierende Rolle einer freien jüdischen Gemeinschaft der Arbeit in Palästina für die nationale Befreiung und die sozialistische Erneuerung des jüdisehen Volkslebens auf demokratischer Grundlage Ausdruck. Diese Ueberzeugung wird getragen von den hunderttausenden jüdischen organisierten Arbeitern und Freunden des arbeitenden Palästina aus 24 Ländern Amerikas, Europas und Palästinas, die auf dem Kongreß vertreten sind. Sie alle sind dem Rute der Histadruth in einem Augenblicke gefolgt, in dem die poütische Reaktion und die wirtschaftliche Not der jüdischen Massen der ganzen Welt die Tragik der Heimatlosigkeit des jüdischen Volkes aufs neue dargetan haben. II. Der Kongreß weist die — auch im Bericht der Mehrheit der Mitglieder der Shaw-Kommission zum Ausdruck gekommene — Verleumdung seitens der arabischen Grundbesitzer, der englischen Kolonial-Bürokratie und der kommunistischen Feinde des Palästina-Aufbaus, daß die Einwanderung und Kolonisation *ler jüdischen Massen in Palästina den wirtschaftlichen Interessen der arbeitenden Massen des arabischen Volkes in Palästina Schaden bringen, zurück. Der Kongreß gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß Millionen jüdischer arbeitender Menschen auf dem ungeteilten Gebiete Palästinas ein Heim und die Mögliclikeit eines produktiven Lebens finden können, ohne dadurch die Lebensmöglichkeit der arabischen Ein woh nerschaft des Landes zu beeinträcht i g e n. Die jüdische Arbeitereinwanderung mit ihrem höheren Lebensstandard, mit ihren gewerkschaftlichen und genossenschaftliclien Methoden, hat schon jetzt bewirkt, daß der Lohn der arabischen Arbeiterschaft Palästinas sich bedeutend über das Niveau des Lohnes in den Nachbarländern erhoben hat. Die jüdische Arbeitereinwanderung entwickelt die Produktionskräfte des Landes, zerstört die bestehende feudale Wirtschaftsform und schafft dadurch neue Lebensmöglichkeiten auch für die arabischen Arbeiter und Fellachen. III. Der Kongreß erklärt, daß kein dauernder Oegensatz zwischen den Interessen der jüdischen und arabischen Massen besteht. Ein autonomes und nationales Leben von Juden und Arabern in Palästina, frei von jeder Form der Beherrschung eines Volkes durch das andere, kann nur erreicht werden durch die gemeinsame Anstrengung und Klassensolidarität der jüdisehen und arabischen arbeitenden Massen in Palästina. IV. Der Kongreß erklärt sich mit dem Memorandum der Histadruth an die Untersuchungskommission solidarisch una erinnert die Mandatarmacht an ihre Verpflichtung gegenüber dem jüdischen Volke und der Bevölkerung Palästinas. Die Geschehnisse des August 1929 haben die Unterlassungen der Mandatarmacht kraß dargetan; die Mandatarmacht hat die ihr durch das Mandat auferlegte doppelte Aufgabe nicht erfüllt: sie hat die Schaffung der Jüdischen Heimstätte nicht gefördert, sondern sie sogar oftmals behindert; sie hat die wahren Interessen der arbeitenden Massen zugunsten der herrschenden Klasse im Lande geschmälert. Der Kongreß macht sich die folgenden von der Histadruth erhobenen Forderungen zu eigen: Die Regierung muß aktiv an der Vergrößerung der jüdisehen Einwanderung mitarbeiten, sie muß eine genügende Landreserve für eine intensive Kolonisation schaffen, den entspreehenden Anteil des jüdischen Arbeiters «1 den Kommunal» ani Regierungsarbeiten sichern, den Fellachen bei der Entwicklung ihrer Wirtschaft Hilfe leisten, die Steuerlast der Landwirtschaft verringern, ein progressives Steuersystem einführen, die Agrar- Gesetzgebung reformieren und Land für jüdische und arabische Arbeiterkolonisation freigeben, sie muß einen Arbeiterschutz, sowie Schutzgesetze für die arbeitende Frau und die arbeitende Jugend schaffen und die Arbeitsbedingungen im Rahmen der Regierungswirtschaft verbessern. V. Der Kongreß bringt seinen Schmerz und seine Erbitterung darüber zum Ausdruck, daß gerade unter der Regierung der Labour-Party die jüdische Arbeiterschaft und die jüdische Gemeinschaft in Palästina eine Reihe von Niederlagen erlitten haben, di« sich am kritischsten in dem Einwanderungsverbot ausdrücken. Der Kongreß erklärt feierlich, daß alle Versprechungen, das Mandat zu erfüllen, keine reale Basis haben können, solange nicht vor allem eine stetig wachsende jüdische Einwanderung in dem vollen Ausmaß der Aufnahmefähigkeit Palästinas und entsprechend den Fortschritten des jüdischen Aufbauwerkes gesichert ist. Der vom Weltkongreß für das arbeitende Palästina gewählte Hauptrat (bekanntlich besteht der Rat aus 28 Mitgliedern, von denen 13 durch den Kongreß gewählt wurden und 15 durch die einzelnen Länder nominiert werden sollen) hielt in Berlin seine erste Sitzung ab. Anwesend waren Bin Gurion, Berger, Dobkin, Dr. Hellmann, Silberthal, Oskar Cohn, Latzki-Bertholdi, Mereminski, Neustadt, Funt, Kaplan, Sprinzak, ferner Rudel (Deutschland), Raschisch (Litauen), Hoffmann (Tschechoslowakei), Schafrir (Rumänien), Arditi (Bulgarien), Dr. Melzer (Ostgalizien), Tiger (Polen), Butkowski (Belgien). Nach längerer Aussprache wurde beschlossen, außer dem Palästina-Zentrum der vom Kongreß proklamierten Weltliga auch ein zeitweiliges europäische s Sekretariat der Liga mit dem Sitz in Berlin zu schaffen. Hauptaufgaben dieses europäischen Sekretariats werden sein: Propagierung der Ideen der Liga in allen Ländern durch planmäßige Berichterstattung über den Kongreß in Versammlungen und in der Presse, Herausgabe des Kongreßberichtes in Buchform; organisatorischer Ausbau der Liga in den einzelnen Ländern; energische finanzielle Tätigkeit für das Palästina-Arbeiterwerk in den Ländern Europas. Erörtert wurde auch die Frage der Schaffung einer Liga- Presse. Die hebräische Tageszeitung in Palästina ״Da w a r“ und ihre Beilagen in englisch und deutsch wurden als die offiziehen Organe der Liga erklärt, wobei der Wunsch ansgesprochen wurde, daß der ״Dawar״ eine zweimal wöchentlich erscheinende jiddische Beilage als das jiddische Organ der Liga herausgeben soll. Die Leitung der Liga wird sich aus acht Personen zusammensetzen, von denen vier vom Rate gewählt und vier von der Exekutive der Histadruth ernannt werden sollen. Der Rat entsandte in die Hauptleitung D. Bloch (Poale Zion), B. West (Hitachduth) und M. Jaari (Haschomer Hazair); als Stellvertreter J. Idelson, Ch. Schure r und B._ Linkowski. Ein viertes Mitglied und ein stellvertretendes Mitglied des Rates werden die Ligen in Amerika nominieren. Der Rat erklärte sieh mit der Stellungnahme des ״Dawar“ in der Frage der revisionistischen Demonstration gegen den jiddischen Tonf ilm in Tel-Awiw solidarisch. Die nächste Sitzung des Hauptrates wird in sechs Monaten stattfinden. Nach Beendigung des Weltkongresses für das arbeitende Palästina wendet sich das Zentralkomitee der Jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion mit folgender Erklärung an die jüdischen Sozialisten in Deutschland: Der wichtigste Erfolg des soeben beendeten Kongresses für das arbeitende Palästina besteht in dem Bekenntnis eines BERLINER KALENBER 3m ®«tyWm. Äm ©ortnaBenb, ben 18. Cffober, 8V2 Ußr aBenbS, finbet im ®etlpÜlm ein ®orttag beS §errn Dr. <S. fftamibotoic} über ba§ SEfjetna: ״Sdjicffal unb gufunft be6 jüMfdjen ®djaffenß in bet ©iaßpora* ftatt, ©elfte roiäfommen. בבית־העם! במוצאי שבת. 18. לאוקטובר. בשעה 8 וחצי בערב. ירצה ה ד" ר שמעון רבידוביץ על הנושא: "גורלה ועתידה של ספרותנו בגולה" אורחים רצויים! £anbe«0er6anb ber 3ioniflen<8et>ifioniflen, Ort«• gruppe ®erlin. SPlittroocf), ben 92. Dfto&er, abenbß 81/* Uljr, im ®adjfaal, Süfeoroftrajje 76. SBIabimit 3a60iinSftj (®räfibent ber rent• fioniftifcfjen SÖeltorganifation): ״ffinglanb, Staber unb bie 3uben*. Harten non ÜJlarf 1.— biß 8.- bei ®ote & ®odf, Ißeaterlaffe SBertbcim unb an ber Sben&faffe. sehr starken Teils der nichtzionistischen Arbeiterschaft zu dem sozialistischen Palästina-Aufbau und in der Sammlung großer Teile der jüdischen Arbeiterschaft der Welt im Zeichen des sozialistischen Palästina. Diesen starken Ruf der Sammlung nehmen wir auf und richten ihn erneut an alle Gruppen und Genossen im sozialistischen Zionismus. Die Gewinnung neuer Volkskreise für das arbeitende Palästina kann nur durch eine geeinte, starke, zionistisch-sozialistische Partei erreicht werden. Oie realen Notwendigkeiten des Palästina-Aufbaus haben bereits vor einem Jahr die palästinensische Arbeiterschaft zur Schaffung dieser einen großen Arbeiterpartei geführt. Die wirtschaftliche und politische Gefahr des jüdischen Volkes in Palästina und in der Galuth, das Vordringen reaktionärer Tendenzen in der ganzen Welt verlangt aucn hier die Sammlung aller zionistisch-sozialistischen Kräfte und ihre Zusammenfassung in einer einzigen Partei. Wir sind der Ueberzeugung, daß trotz des Bestehens ideologischer Verschiedenheiten in den einzelnen Gruppierungen des sozialistischen Zionismus, der Bestand an gemeinsamen Grundanschauungen, der besonders auf dem Kongreß für das arbeitende Palästina zutage getreten ist, breit und stark genug ist, um die Grundlage für die geeinigte zionistisch-sozialistische Partei zu bilden. Aus den Gemeinden Sitzung der Berliner Repräsentantenversainmlung. In der Sitzung der Berliner Repräsentantenversainmlung am 9. Oktober wurde zunächst von dem Aufruf der Berliner Rabbiner Kenntnis gegeben, der die Parteien zum Frieden ermahnt. Dieser Aufruf ist nur von den ausgesprochen politisch liberal organisierten Rabbinern (Weil, Galliner, Blumenthal) nicht unterzeichnet worden. Ueber die gegen die Richtigkeit der Wählerliste für die Repräsentantenwahlen erhobenen Einsprüche berichtete R.-A. Heinrich Stern. Nach längerer Aussprache wurden die vom Ausschuß als berechtigt bezeichneten zirka 14 000 Einsprüche anerkannt. Die Wählerliste umfaßt jetzt etwa 136000 Wahlberechtigte. Die Umlegung in einen anderen Stimmbezirk ist auch jetzt noch zulässig. Die Einteilung der Wahlbezirke wird im Verwaltungswege vom Gemeindevorstand noch endgültig geregelt werden. — Neben der Erledigung einer Reine kleinerer Vorlagen wurde ein Betrag von 500 RM. für die durch den Brand in Bor sc ha (Rumänien) geschädigten Juden zu Händen des Joint bewilligt. R.-A. Dr. Klee begründete diesen Antrag und sprach unter dem Beifall der Versammlung den durch den antisemitischen Ueberfall am 4. Juli und den Brand von 120 Häusern schwer getroffenen Juden von Borscha das Mitgefühl der Berliner Gemeinde aus. — Dem Hilfsverein der Deutschen Juden wurde für das Jahr 1930 eine Beihilfe von 5000 RM. gewährt. — In den Schul- und Talmud-Thora-Vorstand wurde auf Vorschlag der Volkspartei Alfred Markus gewählt. Nach Erledigung einiger weiterer Vorlagen bzw. von Wünschen der Versammlung an den Gemeindevorstand schloß sich um 8/410 Uhr hieran eine geheime Sitzung an. L. Wir haben in der vorigen Nummer von der Friedensanregung des Kollegiums der Berliner Gemeinderabbiner Mitteilung gemacht. Auf diese Anregung antwortete Dr. Alfred Klee als Vorsitzender der Jüdischen Volkspartei am 5. Oktober und führte u. a. folgendes aus: ״Wir erkennen dankbar die Beweggründe an, die die Herren Rabbiner zu ihrem Schreiben veranlaßt haben. ... Ich brauche nicht zu betonen, daß die Jüdische Volkspartei verhandlungsbereit ist und die angebotene Vermittlungstätigkeit durchaus begrüßt. An dieser Auffassung ändert auch selbstverständlieh nicht die Tatsache, daß es ein Irrtum ist, wenn es heißt, daß durch den Wahlkampf jüdisches Geld für unproduktive Zwecke verwendet wird. Umgekehrt darf ich darauf hinweisen, daß etwa 90 0/0 der Ausgaben des Büros der Volkspartei dadurch durchaus produktiv wirken, daß wir Arbeitslose Monate hindurch beschäftigen können aus Mitteln, von denen es sehr zweifelhaft ist, ob sie der Wohlfahrtspflege zur Verfügung gestellt worden wären. Auch die erteilten Sachaufträge sind durchweg schwerringenden jüdischen Mittelstandsexistenzen wie Druckereien usw. zugute gekommen. Auffällig erscheint es freilich, daß unter dem 1ms freundlichst übermittelten Schreiben nur die Unterschriften der Herren Rabbiner unserer Weltanschauung oder solcher, die unserer Arbeit mit besonderem Wohlwmlen gegenüberstehen, sich befinden. Es fehlen die Herren, die parteimäßig der liberalen Organisation sich zuzählen wie u. a. Herr Dr. Galliner, von dem uns überdies bekannt ist, daß er ein Gegner der von Ihnen gewünschten Friedensaktion Ist“ Der Vorsitzende der Jüdischen Rcformgemeinde zu Berlin, Herr Paul Pinctis, vollendete am 7. Oktober d. J. sein 70. Lebensjahr. Am 7. Oktober verstarb im 77. Lebensjahre m Berlin Geheimer Justizrat Dr. Hermann Ober neck, der Vorätzende des Berliner Notar-Vereins. Geheimrat Dr. Oberneck widmete sich auch intensiv jüdischen Dingen, er war Stellvertretender Vorsitzender des Krankenhausvorstandes der Jüdischen Gemeinde. Anläßlich einer Gemeindeversammlung in Dortmund, die der Vorstand als Ausspracheabend zum Sonnabend, dem 4. Oktober, einberufen hatte, gab der Vorsitzende die Erklärung ab, daß die Dortmunder Gemejnde rein religiöser Natur sei und nurdeutscheStaatsbftrgerjüdischcnGlaubenskenne. Als Zuhörer überlegte man sich eindringlichst aber vergeblich, wie die fast 50 Prozent der Gemeinde darstellende Ostjudenschaft aus dem Dilemma, in das sie der Vorsitzende versetzte, herauskomme und wie sich die vielen anderen Juden zu verhalten haben, die nicht die Ansichten des Vorsitzenden teilen. Dr. B e r 1 forderte Proportionalwahlrecht, Ab- SChftffHOg des Stemwam, tet Karenzzeit, Aflßbatt der. G§- meindebibliothek und Verwaltung der Gelder ohne Bevorzugung einer Richtung. Darin aber erblickte der Vorsitzende eine gewollte Zionisierung der Gemeinde. Manchem bedeutet eben gleiches Recht für jeden bereits die fluchwürdige Abkehr von den altehrwürdigen Prinzipien patriarchälisehen Gnadentums und gütigen Wohlwollens und den Anfang der verhaßten ״Zionisienmg“, Briefe an die Redaktion Unter dem Titel ״Schluß mit den Formeln und der formalen Polemik“ schreibt uns Dr. Salli Hirsch, Berlin: Dr. Elias Auerbach behandelt in seinem Aufsatz ״Formein und kein Ende“ (״Jüdische Rundschau“ Nr. 79/80) die beiden entgegengesetzten politischen Anschauungen der Revisionisten und des Brith Schalom und glaubt, sie beide erledigen zu können, indem er ihre ״Theoreme“ der ״Palästinensischen Wirklichkeit“ gegenüberstellt. Es soll hier nicht in eine sachliehe Diskussion mit Dr. Auerbach eingetreten werden: Zum Verteidiger des Revisionismus fühlt sich der Unterzeichnete nicht berufen und mit der Auseinandersetzung mit Dr. Auerbach über die Grundanschauungen des Brith Schalom und der Verständigungspolitik wird zweckmäßig gewartet, bis der angekündigte besondere Artikel vorliegt, der hoffentlich die eigenen Anschauungen Auerbachs klar erkennen läßt. Hier soll nur gegen die von Herrn Dr. Auerbach angewandte Methode grundsätzlich Widerspruch erhoben werden. Dr. Auerbach sucht die politischen Grundauffassungen einer zionistischen Gruppe zu Formeln zu destillieren und weist dann die Unzulänglichkeit dieser Formeln nach. Das ist nicht angängig. Man darf nicht Vogelscheuchen aufstellen und dann als große Enthüllung ihre Fleischlosigkeit aufweisen. Will man gegen eine bestimmte /ionistische Auffassung polemisieren, so muß zunächst der gedankliehe Kern dieser Auffassung klar dargestellt und der Angriff gegen diesen Kern der Anschauung gerichtet werden, somit bleibt die Polemik Spiegelfechterei. Wenn.Auerbach insbesondere sagt, die Sprecher des Brith Schalom bezeichneten sich gern als ״Realisten“ und ihre Politik als ״realistisch“, so will er offenbar als Sprecher des Brith Schalom den deutsch-rionistisehen Kreis der Realpolitiker treffen. Die Polemik gegen diese Gruppe stellt Auerbach frei, aber er darf bei seiner Polemik dann nicht von solchen Nuancen und Abwandlungen der Verständigungspolitik ausgehen, die gerade im Kreise der Real- Politiker nie vertreten worden sind. Kein ernsthafter Zionist glaubt, daß man die tatsächlichen Schwierigkeiten zionistischer Politik durch Formeln beseitigen kann, aber man glaube auch nicht, die Problematik der zionistischen Politik durch eine formale Polemik erledigen zu können. Gruppenverband Bayern Am Sonntag, dem 19. Oktober, vormittags 10 Uhr pünktlieh, findet in München, Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Str. 1, eine Sitzung der Gruppenverbands-Vorstandschaft mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht über die politische Lage: Referent: Kurt Blumenfeld-Berlin. 2. Verbands- und Gemeindewahlen; Referent: Dr. j. Barnberger-Niirnberg. 3. Reichsverband; Referent: Justizrat Dr. Elias Straus-München. 4. Verschiedenes (hebräische Arbeit usw.). Zionistischer Gruppenverband Rcchlsrhcinland — Westfalen Am Sonntag, dem 19. Oktober, findet in Essen Im Kammermusiksaal des städtischen Saalbaus, Huyssenallee, ein Gruppenverbandstag statt. Tagesordnung: Vormittags: Beginn 10 Uhr, Referat über Ortsgruppenarbeit, voraussichtlicher Referent: Oberregierungsrat Dr. J. Marcus, Düsseldorf (101/3 Uhr bis 1114 Uhr. Diskussion 11(4 Uhr bis 12(4 Uhr. Redezeit 10 Minuten. Sprechzeit des Gruppenverbandsbüros von 12(4 Uhr bis 1(4 Uhr. Nachmittags: 2(4 Uhr Referat: ״Die weltpolitische Frage des Judentums und die Situation im Zionismus“. Referent: Alfred Berger, Berlin (2(4 Uhr bis 3(4 Uhr). Diskussion 3(4 Uhr bis 6 Uhr. Redezeit 10 Minuten. Abends: 8(4 Uhr: Oeffentliche Versammlung. Referat: ״Das deutsche Judentum und die Reichstags wählen“. Referent: Altred Berger, Berlin. Die zionistische Winterarbeit hat im rheinisch-westfälischen Industriegebiet mit einem erfreulichen Auftakt begonnen. In Recklinghausen wurde zum erstenmal nach einem mit großer Begeisterung aufgenommenen Referat über jüdische Gegenwartsprobleme (Referent Herr Oberreg.-Rat Dr. Marcus, Düsseldorf) eine zionistische Ortsgruppe gegründet. Aus der einmütigen Diskussion und dem sofortigen Beitritt von 25 Mitgliedern war mit Deutlichkeit zu entnehmen, daß das Interesse für den Zionismus und für Palästina schon seit langem nicht so stark war wie im jetzigen Zeitpunkt. Diese Tatsache sollte allen Zionisten einen Ansporn zu verstärkter Aktivität geben. Wir wollen hoffen, daß die neuen Gesinnungsfreunde in Recklinghausen sieh opferwillig der zionistischen Arbeit in allen ihren Teilen zur Verfügung stellen werden. Chemnitz. Am 9. Oktober fand die Generalversammlung der Z.O.G. statt. Herrn Dr. Sichel, der seine Wiederwahl in den Vorstand ablehnte, sprach Dr. Holzer für seine langjährige aufopfernde Mitarbeit den Dank der Ortsgruppe aus. Im verflossenen Jahre sind von auswärtigen und hiesigen Rednern zahlreiche Vorträge über politische und kulturelle Fragen gehalten worden. Mit der Arbeit konnte man im ganzen zufrieden sein, da die Beiträge für den Keren Hajessod und KKL nicht hinter dem vorletzten Jahre zurückstanden, ln diesem Jahre soll alle 14 Tage eine größere Veranstaltung stattfinden, außerdem wird eine Bezirkstagung in Chemnitz stattfinden. Vermischtes Jüdisches Kabarett ״Kaftan“. Das jüdische Kabarett ״Kaftan“ hat seine Wintersaison in dem Etablissement ״Orienta“, Wittenbergplatz 5, eröffnet. Man hat wieder Gelegenheit, amüsante und anregende Abende jüdischer Kleinkunst zu erleben. Besondere Anerkennung gebührt den Initiatoren dieses Unternehmens, Maxim Sakaschansky, Ruth Klinger und O. Ebelsbacher, die in dieser politisch und ökonomisch schwierigen Zeit den selbstverständlichen Mut und Verve haben, eine spezifisch jüdische Kleinkunstbühne in Berlin zu unterhalten. Unbeschadet einiger Leerläufe — der ״arabische Tanz“ hätte wegbleiben können, auch wäre eine Dämpfung und Kultivierung des allzu unverwüstlichen Humors und der lärmenden Heiterkeit des sonst fesselnden Kabarettisten Moschkowitz und seiner Partnerin erwünscht — ist die künstlerische Leistung durchaus befriedigend, im Mittelpunkt steht Maxim Sakaschansky mit seinen jüdischen Liedern und Songs, die er mit chassidischer Innigkeit, ״Der Lubawitscher redt mit Gott“, und mit überzeugender Gestik vorträgt. Er ist ein Chansonier von europäischem Format, dennoch bis in die letzte Faser seinem QSjiWiscIien Ursprung treu. Ein eigenartiger Reiz haftet dein

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