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Jüdische Rundschau · 1930-10-10 · Heft 79-80 (10.10.1930) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 79-80 (10.10.1930)
Date
1930-10-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 79/80, 10. X. 1930 JÜßßfSCHE RUNDSCHÄO Seite 521 Sdiulnadirichlen Die Schule der jQdhchen Jugend beginnt ihre diesjährige Herbstarbeit mit einer Eröffnungsveranstaltung am Sonnabend, dem 18. Oktober, abends 8 Uhr, in der Aula der Mädchenschule, Kaiserstr. 29/30, in deren Mittelpunkt ein Vortrag von Dr. Gustav Krojanker: ״Eine Reise durch das jüdische Polen“ steht. Anläßlich des zweijährigen Bestehens der Institution und ihrer Uebersiedlung in den Neubau der Jüdischen Gemeinde, Auguststr. 11/13, erläßt die Schule folgenden Aufruf: Nach zweijähriger Arbeit, an der sich hauptsächlich die hündisch zusarnmengefaßte Jugend beteiligte, rufen wir Euch, die weiteren Kreise der jüdischen Jugend, zu uns. Kommt und helft uns weiter gewinnen! In dieser Zeit der inneren und äußeren Schwierigkeiten für junge jüdische Menschen sehen wir doppelt und dreifach die Notwendigkeit, zusammenzustehen, das jüdische Bewußtsein durch Wissen und Verstehen zu stärken. Lernet begreifen, was es mit Juden und Judentum auf sich hat, und Ihr werdet Euch innerlich von dem Druck befreien, der auf Euch lastet! Nicht nur Wissen und Bildung will Euch die Schule geben. Sie will darüber hinaus einen Lebens• raum schaffen, in dem sich die Gemeinsamkeit jüdischer Jugend in konkreten Formen verwirklichen kann. Die Kurse beginnen am 20. Oktober und werden Im allgemeinen bis zum 18. Oktober geführt. Es handelt sich um folgende Kurse: Zur ersten Annäherung an die jüdischen Probleme und zur Einführung in ihr Verständnis. Dr. Ernst Heinrich Seligsohn: Einführung in jüdische Probleme durch Besprechung aktueller Aufsätze in Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren. (Mittwoch, 810—״/י, Beginn 22. Okt.) — Dr. Nadja Stein: Jüdische Menschen unserer Tage, an Hand ausgewiihlter biographischer und autobiographischer Literatur. (Mittwoch, 51/3-71/2, Beginn 29. Okt.) — Dr. Moritz Spitzer: Wie die Juden wurden, was sie sind. (Dienstag, 6—8, Beginn 21. Okt.) — Zur geistigen Gestalt des Judentums (Sein und Sinn des jüdischen Volkes. Prophetie. Christentum. Chassidismus). — Hermann Gerson: Einige Entwicklungsstufen der jüdischen Theokratie in ihrer historischen und aktuellen Bedeutung. (Montag, 8—10, Beginn 20. Okt.) — Dr. Elias Auerbach: Die Prophetie in ihrer geschichtlichen und psychologischen Ent* Wicklung. (Dienstag, 6—8, Beginn 21. Okt.) — Dr. HansLewy: Entstehung des Christentums. (Dienstag, 8—10, Beginn 21. Okt.) — Erwin Loe wen son: Chassidische Ueberlieferung in ihrer Bedeutung für die westjüdische Jugend. (Montag, 6—8, Beginn 20. Okt.) — Hebräisch. Anfängerkurse zur Einführung: Josef Braslawski: Einfacher historischer Bibeltext. (Montag, 8—10, Beginn 20. Okt.) — Jizchak Efrati: Einfacher historischer historischer Bibeltext. (Montag, 5—7, Beginn 20. Okt.) — Derselbe: Das Buch Dewarim, V. Mos. (Dienstag, 8—10, Beginn 21. Okt.) — Dr. Carl Frankenstein: Das Buch des Propheten Jonah. (Montag, 8—10, Lützowstr. 16, Beginn 20. Okt.) — Für etwas Fortgeschrittene: Dr. Walter Mecklenburg: Heldengeschichte aus dem Buche der Rieh• ter und aus dem Buche Schmuei. (Dienstag, 6—8, Beginn 21. Okt.) — Dr. Moritz Spitzer: Simsongeschichten aus dem Buche Richter. (Mittwoch, 8—10, Lützowstr. 16, Beginn 22. Okt.) — Derselbe: Das Buch Esther. (Montag und Mittwoch, 5/4—'7, Lützowstr. 16, Beginn 20. Okt.) — Für weiter Fortgeschrittene: Dr. Walter Mecklenburg: Agnon: Aggadath Hassofer. (Donnerstag, 8—10, Beginn 23. Okt.) — Derselbe: Sefer ha• Aggadah, Bialik-Rawnitzki. (Dienstag, 8—10, Beginn 21. Okt.) Für weit Fortgeschrittene: Dr. Walter Mecklenburg: I)iw• res Poaloth. (Mittwoch, 6—8, Beginn 22. Okt.) — Josef Br aslawski: Sifruth Erez Jisraei Hazzeirah. (Donnerstag, 8!/» bis 10/4, Beginn 23. Okt.) — Tagesfragen (Jüdische Jugendbewcgung. Sozialismus. Palästina). Die jüdische Jugendbewegung in Selbstdarstellungen. (Montag, 8—10, Beginn 20. Okt.) — Dr. J. N. S t e i n b e r g: Sozialismus als Problem der jüdischen Gegenwart. (Donnerstag, 8—10, Beginn 23. Okt) — Dr. Georg Landauer -Dr. Robert Weitsch: Die politischen und wirtschaftlichen Grundlagen des Palästina-Aufoaus. (Donnerstag, 8—10, Beginn 23. Okt.) — Musik: Chemia Winawer: Singstunde, jüdische Volksmusik, traditionelle religiöse Gesänge, moderne jüdische Kunstmusik. (Dienstag, 8—10, Beginn 21. Okt.) — Werkunterricht: Hermann B0ne־Annie Sborowitz-Herzfeld: Arbeitsgemeinschaft für Werkarbeit. (Mittwoch, 8—10, Beginn 21. Okt., Zeit verlegbar.) ~ Sonderveranstaltungen: Prof. Dr. Martin Buber: Wege zum Verständnis der Schrift. (Freitag, 24. Okt., abends 8 Uhr). Die Veranstaltung ist als Freitagabend-Feierstunde gcdacht (nur für Angehörige der Schule). — Rabb. Dr. Joachim Prinz: Religiöse Gestalten der jüdischen Geschichte. (Donnerstag, 8—9, Beginn 6. Nov.) — Sämtliche Kurse finden, wenn nicht anders bemerkt, in der Auguststr. 11/13 statt. — Ein ausführlicher Lehrplan für das Herbsttrimester ist im Druck erschienen. Er enthält genaue Angaben über jeden einzelnen Kursus und über die Tetlnahmebedingungen und ist kostenlos in allen jüdischen Buchhandlungen, an den Theaterkassen Herrn. Tietz, Leipziger Str., Alexanderplatz, Frankfurter Allee, Kaut• haus des Westens und in der Geschäftsstelle der Schule erhältlieh. Schriftliche Auskunft erteilt die Geschäftsstelle der Schule der Jüdischen Jugend: Alice Goldmann, Yorckstr. 88, SW 61. Mündliche Auskunft und Rücksprache in der Sprechstunde des Leiters der Schule, Montag von 8—9, Auguststr. 11/13, ab 13. Oktober. Die Freie Jüdische Volkshochschule beginnt ihre Herbst- Vorlesungen mit einer Eröffnungsfeier in der Synagoge Prinzregentenstraße 69/70, am Donnerstag, dem 16. Oktober, abends 8 Uhr. Vortrag von Rabb. Dr. Max Wiener: Jüdische Bildung. Leo GoIIanin: Gesang, JüdischeOrchestervereinigung unter Leitung von Leo Kopf, Violine: Willy Frey. — Nächstbeginnende Kurse: Professor Georg Bernhard: Die Lage der Juden nach den Reichstagswahlen (Sonntag, den 19. Okt., vorm. 111/2, Kaiser-Friedrich-Schule, Knesebeckstr. 24,1. Vortrag desZyklus: jüdische Tagesfragen). Dr. Ernst Cohn-Wiener: Die großen Kulturzeitalter des Judentums, mit Lichtbildern. Montag, 20. Okt., 8—91/2, Synagoge Fasanenstr. 79/80. Studienrat Kurt Hammerstein: Vom lebendigen Hebräisch. Montag, 20. Okt., 9—10, Synagoge Fasanenstr. 79/80. Rabb. Dr. Felix Gold mann: Was steht im Talmud? Donnerstag, 23. Okt., 8—9/4, Synagoge Fasanenstr. 79/80. Rabb. Dr. Max Wiener: Geschichte des biblischen Schrifttums. Mittwoch, 29. Okt., 71/2—-8V3» Synagoge Prinzregentenstr. 69/70. Freie Ausspräche über religiöse Fragen, eingeleitet von Rabb. Dr. Max Wiener, Mittwoch, 29. Okt., 81/3—10, Synagoge Prinzregentenstr. 69/70. Sonderveranstaltung. Jiidischeund nicht jüdische Musik, Parallelen und Gegensätze, mit Schallplatten und Klaviervorträgen. Vortrag: Alice Jacöb-Loewenson. Sonntag, 26. Okt., abds. 8 Uhr, Kaiser-Friedrich-Schule, Knesebeckstr. 24. (Die Platten werden von der Kulturabteilung der Carl Lindström A.-G. zur Verfügung gestellt.) — Hörergebühr: Unkostenbeitrag für die Eröffnungsfeier 0,20 M. Jeder Vortragszyklus 2 M. Zum Kursus ״Jüdische Tagesfragen“ werden auch Karten für den Einzelvortrag ä 0,50 M. ausgegeben. — Vorlesungsverzeichnisse Wir bitten dringend, für die Redaktion bestimmte Sendungen nickt an Einzelpersonen, sondern an die Redaktion zu adressieren, da sich so&ii unliebsame Verzögerungen ergeben. Soeben erschien: Nr. 5 dar Schriftenralha dar JQdlachan Rundschau Dokumente zur Pansnna-Politik 1929-1930 Der Shaw-Bericht / Unsere Antwort auf den Shaw-Bericht / Politische Dokumente ★ Preis 1.— RM. zuzüglich 0.20 RM. für Porto und Verpackung (Ausland 0.25 RM.). Zu beziehen nur gegen Vorein- Sendung des Betrages oder per Nachnahme. Lieferung nach dem Auslande erfolgt der hohen Nachnahmespesen wegen nur gegen Vorauszahlung. ״Jüdische Rundschau“ Berlin tlf 1• / Meinekestra&e 10 Postscheck - Konto: Berlin Nr. 17392 mit näheren Angaben (im November beginnen weitere Kurse) sind kostenlos in allen jüdischen Buchhandlungen, an den Theaterkassen Hermann Tietz, Leipziger Straße, Alexanderplatz, Frankfurter Allee, Kaufhaus des Westens und im Sekretariat bei Goldmann, SW 61, Yorckstr. 88, Bergmann 472, erhältlich. בית מדרש לעבריתשל קהלת היהודים בברלין. Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 1. Charlottenburg, Grolmanstr. 36 (Beth Am). 2. Berlin N, Gr. Hamburger Sfr. 27. XXV. Semester. Am Anfang des Wintersemesters werden an der Hebräischen Lehranstalt neue Klassen für An• fänger und Fortgeschrittene eingerichtet. Der Unterrieht kann — entsprechend den Wünschen der Beteiligten — nachmittags oder abends abgehalten werden. Für Jugendb ü n d e, Vereine usw. werden auf Wunsch bei genügender Beteiligung besondere Klassen eingerichtet. — Das monatliche Schulgeld beträgt 2 RM., für Studenten, Schüler und Lehrlinge 1 RM. Auf Antrag wird das Schulgeld erlassen. Anmeldungen sind zu richten an N. Berggrün, Orunewald, Trabener Straße 2 (Telephon: H 5, Brabant 501). Hebräische Sprachkurse München. Am Montag, dem 8. September hat der hebräische Unterricht nach den Sommerferien begonnen. In sämtliche fünf bestehende Kurse für Erwachsene und die drei Kinderkurse, sowie auch in den Grammatik- und Bibelkurs werden neue Schüler autgenommen. Außer den bestehenden Kursen beginnen nach den Feiertagen folgende Kurse: 1. ein Anfängerkurs für Erwachsene, 2. ein Anfängerkurs für Kinder, 3. ein Mütterkurs, der es den Müttern ermoglicht, den hebräischen sowie den Religionsunterricht zu überwachen, 4. eine Bibel-Arbeitsgemeinschaft für Jugendliche. Gelesen wird das Buch Ruth. Es ist geplant, nach den Feiertagen einen hebräischen Klub in München zu eröffnen. nähere Auskunft erteilt. Gesuche um Ermäßigung des Schulgeldes sind zu richten an Herrn Paul Grünbaum, Rothmund- Straße 6, bis spätestens den 15. November. Der neue Stund enplan: Montag: 7,15 bis 8,15 Uhr Kurs II; 8,15 bis 10 Uhr Bibelarbeitsgemeinschaft; Dienstag: 7,30 bis 9 Uhr: Kurs V; 9 bis 10 Uhr Kurs I; Mittwoch: 4 bis 5,15 Uhr Kinderkurs III; 5,15 bis 6,15 Uhr Kinderkurs II; 7,15 bis 8,15 Uhr Kurs III und IV; Donnerstag: 7,15 bis 8,15 Uhr Kurs H; 8,15 bis 9,15 Grammatikkurs; 9,15 bis 10,15 Uhr Kurs 1. Der Unterricht findet nur nachmittags und abends statt. Die Unterrichtszeit für den Anfängerkurs für Erwachsene und Kinder sowie für den Mütterkurs wird noch bekanntgegeben. Der lesaia-Kurs fällt vorläufig aus. Leiter der Kurse: Dr. A Percilowitsch. Eine jüdische Friedenskundgebung. Am vergangenen Sonntag veranstaltete der Synagogenverein ״Oste n“ in seinen Räumen eine Friedenskundgebung, bei der sich trotz der ungünstigen Stunde alle Mitglieder des Vereins und viele Gäste eingefunden hatten. Nach dem Minchahgebet eröffnete der 1. Vorsteher, G. Israel, die Kundgebung, indem er auf die Notwendigkeit hinwies, den Gedanken der Friedenssendung des Judentums stärker als bisher in die Oeffentlichkeit zu tragen. Danach sprach Oberkantor Spandau den bekannten Prolog von Fritz Enge! ״Suche den Frieden und jage ihm nach!“ Jetzt ergriff der Vereinsrabbiner Dr. R os e n w a s s e r das Wort, um den im biblischen Schrifttum niedergelegten Begriff der jiidisehen Friedenssendung auseinanderzusetzen. Den Abschluß bildete ein Vortrag des Oberkantors Spandau, der die Not- Wendigkeit betonte, die öffentliche Meinung im pazifistischen Sinne zu beeinflussen, um so einen Gegendruck gegen die Kriegshetzer m schaffen. S. P. D. I1l11111111»11111111111111111111111m1111111m111111111111111111i1111m11111111111l1t1111111111m111m11111111111111111111111111111111m111mm1umu zu Beginn des Wintersemesters empfehlen wir allen hebräischen Sprachschulen und Kursen die Einführung des glanzend bewährten, von Hebräischen Wissenschaftlern und Pädagogen aufs Beste begutachteten Lehrbuchs von DAVID JOSEF BORNSTEIN Einführung in das Hebräisch der Gegenwart Broschiert RM. 7,50, ln eanzielnen geh. RM. , zuzüglich RM.0,50 für Porto und Verpackung. Ausland RM. 0,70. Lieferung erfolgt gegen Vorauszahlung oder per Naehnslniie. Verlag und Allein vertrieb: JÜDISCHE RUNDSCHAU G. M. B. H. Berlin W 15, MelnekestraBe 10. Postscheck - Konto: 173 92. IUMIIIM lllllt!l IIIOiniHlllllllllllllllllt!l HM imilltlllHIlliHllllltlllltUIIIUtlUillUHtlinmUlltllllll lUmUllUUIIIIIIlUintHUHMUU Tagore Iber den Zionismus Warschau, 29. September. (J. T. A.) Rabindranath Tagore, der sich aut der Durchreise von Moskau nach Berlin etwa eine halbe Stunde auf dem Warschauer Bahnhof aufhielt, und bei dieser Gelegenheit vom den Warschauer Deleperlen und Gästen des Weltkongresses für das arbeitende Palästina, die sich gerade auf die Reise nach Berlin begeben wollten, begrüßt wurde, äußerte sich gegenüber einem jüdisehen Journalisten über sein Verhältnis zur Palästina-Sache wie folgt: Noch vor zwei Jahren habe ich eine Einladung, nach Palästina zu kommen, erhalten, allein mein Gesundheitszustand hat es mir bisher nicht erlaubt, dieser Einladung Folge . zu leisten. Meine nächste Reise wird auch Palästina zum Ziele haben. Ich hege tiefe Sympathie für die Sache des Zionismus, der mir durchaus vertraut ist, und hoffe, im nächsten Jahre, wenn mir das Leben Ws dahin vergönnt sein wird, die Ent- Wicklung des Jüdischen Nationalheims persönlich beobachten zu können. Ortsgruppen Bamberg. Am 25. September sprach Franz B r ü 11 in einer von uns unter dem Motto ״Was ist zu tun“ «inberufenen und sehr gut besuchten Jugendversammlung. Ausgehend von der augenblicklichen Lage des deutschen und des Welt- Judentums gab der Referent einen Ueberblick über die heutige Einstellung der jüdischen Jugend in Deutschland. Er forderte die Jugend auf, sich in den Dienst des Zionismus zu stellen. An der sehr lebhaften Diskussion beteiligten sich mehrere nichtzionistische Jugendliche. Der Besuch und die Diskussion des Abends zeigte, daß auch bei der nichtzionistischen Jugend zurzeit ein starkes Interesse an der Erörterung jüdischer Fragen vorhanden ist. Dresden. Am 27. September d, J. fand der erste Heimabend der Zionistischen Ortsgruppe in diesem Winterhalbjahr statt. Der Vorsitzende, Herr Schocken, teilte die traurige Nachricht vom Ableben des langjährigen Vorstandsmitgliedes der Ortsgruppe, Dipl.-Ing. Joel Landau, mit. Hierauf erstattete er einen kurzen Pressebericht über die jetzige Lage in Palästina; Poliack über ״Völkerbund und Palästinamandat“. Der Referent gab einen geschichtlichen Ueberblick des Zionismus bis zur Balfour-Deklaration. Er wies auf die jetzige schwierige Lage der Engländer hin, die den Juden und Arabern gegenüber eme gerechte Politik treiben wollen. Die intensive Aufbauarbeit nach den traurigen Ereignissen in Palästina hat erwiesen, daß wir nicht gewillt sind, den Aufbau Palästinas aufzugeben, daß wir vielmehr bereit sind, noch mehr Opfer zu bringen und noch gestärkter unser Ziel zu erstreben. An der Aussprache betet- Rgten sich die Herren Schocken, Mednikow und Herr Rabinowitsch aus Palästina. Der letzte Diskussionsredner schilderte besonders interessant die Ereignisse in Palästina, die er selbst miteriebt hat. Er betont den Friedenswillen der Juden. Nur durch Frieden könnten wir Palästina aufbauen. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wurde der Abend geschlossen. Der erste schöne Heimabend bildete den Auftakt zu der von der Ortsgruppe vorgesehenen großen Winterarbeit auf dem Gebiete der jüdischen Kultur. Kassel. Der hiesige Jüdische Jugendring veranstaltete am 20. September gemeinsam mit der Zionistischen Ortsgruppe einen Vortragsabend. Dr. Walter Kassel sprach über das Thema: ״Meine diesjährige Palästinareise“. Der Vortragende, der bereits das zweitemal Palästina bereist hat, gab einen eingehenden Bericht über den heutigen Stand des Aufbauwerks. Er sprach von der Entwicklung aer städtischen und ländlichen Siedlungen, zeigte das Werden der Erziehung®* und Bildungsanstalten pis zur Ausgestaltung der Hebräischen Universität, schilderte die immer stärkere Vervollkommnung der sozialen Einrichtungen (Krankenhäuser, Beratungsstelle für Mütter usw.) und wies nach, daß das Siedlungswerk sich in einer aufsteigenden wirtschaftlichen Entwicklung befindet, die man im ersten Jahre nach den Unruhen kaum erwartet hatte. Es gibt keine Arbeitslosen mehr. Neben der Aufbringung größter finanzieller Opfer von der Judenheit der _ ganzen Welt liegt der Fortschritt des Werkes in der Stimmung begründet, die den Jischuw beherrscht. Trotz der schweren Unruhen im vorigen Jahre überall die selbstsichere Haltung der Menschen, die nicht einen Augenblick ihr Ziel verloren haben, die körperlich und geistig mit so starken positiven Kräften ausgerüstet sind, daß sie weder Zeit, Neigung noch die seelische Fähigkeit haben, ach der Resignation zu überlassen. An vielen Beispielen wußte der Vortragende seine lebendigen Schilderungen zu illustrieren. Die sehr zahlreiche Zuhörerschaft nahm neben dem Entwicklungsbild des heutigen jüdischen Palästina vom Vortragenden noch die starke Zuversicht, daß alle Hoffnungen, soweit sie durch das jüdische Volk zu erfüllen sind, ihrer Verwirklichung entgegengehen. Mit der Aufforderung, diesem einmaligen Beweise jüdischer Volkskraft stärkste Aufmerksamkeit und opferwilligste Unterstützung zuzuwenden, schloß der Redner seine mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Lichtbilder trugen zur Verdeut- Bchumg der Schilderungen bei. Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth. Die Winterarbeit unserer Ortsgruppe wurde mit einem am 25. September gehaltenen Vortrag des 2. Vorsitzenden unserer Ortsgruppe, Herrn Dr. W. Strauß-Reich, über: ״Unsere Stellungnahme zu der politischen Situation in Deutschland“ eröffnet. Nach einer Uebersicht über die politischen Ereignisse der letzten Monate ging der Redner zu einer eingehenden Analyse der augenblickliehen Situation der Juden in Deutschland über. Er kam zu dem Ergebnis, daß die Ideologie des C.-V.-Judentums, wie sich jetzt geschichtlich einwandfrei ergebe, als völlig erledigt anzusehen sei. Demgegenüber hätten sich unsere alten zionistisehen Erkenntnisse als durchaus richtig erwiesen, was selbstverständlich keinen Grund zu einem billigen Triumphe für uns darstellen könne. Es gelte vielmehr, die Konsequenzen aus der gegebenen Situation zu ziehen. Es handle sich vor allen Dingen darum, den entwurzelten deutschen Juden, die aufs schwerste von der antisemitischen Welle getroffen seien, einen festen Halt zu geben, Ihnen zu zeigen, daß die Palästina-Sache nicht nur geistig, sondern auch wirtschaftspolitisch heute einen für die Beurteilung der Gesamtsituation entscheidend wichtigen Faktor darstelle; vor allen Dingen aber die Juden aufzurichten und ihnen durch den Zionismus eine Idee zu geben, die geeignet sei, ihnen das Leben lebenswert zu machen. Der Zionismus müsse gerade in dieser Zeit die Führung im deutschen Judentum übernehmen. An der sehr regen Diskussion beteiligten sich B, Fleischmann, Dr. Offenbacher, Dr. Nußbaum.Oorski und S. Hamburger. Dr. Rand betonte, daß die Tätigkeit der zionistischen Führer sich nicht in der zionistischen Arbeit allein erschöpfen dürfe, daß vielmehr die Wirtschaftsprobleme des deutschen Judentums von ihnen ebenfalls durchdacht und in ihrer Lösung gefördert werden müßten. Dr. Liebstädter, der den ausgezeichnet besuchten Abend leitete, teilte mit, daß die Absicht bestehe, in einer Reihe von Veranstaltungen die Verbindung mit dem nichtzionistischen Judentum aufzunehmen und bat um rege ideelle und materielle Unterstützung durch die Mitglieder der Ortsgruppe. Zophim. Die Anschrift des Bundes lautet: Berlin-Char* loiteaburg 5, Oranienstr, 16, z. Hd. von Heinz Ostrowsky,

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