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Jüdische Rundschau · 1930-10-01 · Heft 77-78 (1.10.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 77-78 (1.10.1930)
Date
1930-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Unsere Forderung! Der Reichsverband Doppehmmmer0,40Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. At18Iandtsabonncro*nt9 werden m der Währung der etazelne&i Linder berechnet. Anzeigenpreis: 8 Reep. Nonpareillezeile 0,50 G.-M Stellengesuche 0,25 G.־M. Nummer Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15, Meinekestr.10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittag« 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck-Konten: Berlin 173 92, Basel V 9355, Belgrad 680J2, Brüssel 394 33, Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140470, Prag 59410 Riga 4155, Strassburg 164 30, Warschau 190 708, Wien 156030. Bi&k'konten: Darmstadter und Nationalbatik, Depositen - Kassa Berlin, Kurfürstendemm 52; Banca de Est, Cemauti (Rumänien); Anglo Palestine Co. in Haifa, Jerusalem, Tel -Aviv. ט' תשרי- תתנ״א | xxxv. jahrg Der Zionismus erstrebt tBr das jOdlsche Volk die Schaltung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm■»1 Der weitKongreo für Ein groBer Erfolg das ameilende Palästina des Arbeiter Zionismus Die Teilnahme der Arbeiterschaft hat dem Zionismus das uepräge gegeben. In der chaluzischen Aufbauarbeit sammelt sich wie in einem Brennpunkt, was in der jüdischen Bewegung Schöpferisches, Neues, Revolutionäres ist. Ohne die organisierte Beteiligung der mit revolutionärem Pathos geladenen, von tiefstem Verlangen nach Erneuerung erfüllten Arbeiterschaft wäre der Zionismus nicht die Renaissance-Bewegung des jüdischen Volkes in unseren Tagen, wäre der Aufbau Palästinas nicht das außerordentliche Geschehen, berufen, ein Volk zu regenerieren und in die Geschichte der Menschheit seine Spuren einzuzeichnen. Die in der jüdischen Geschichte noch so verschüttet wirksame messianische Sehnsucht des jüdischen Volkes, die mit dem Streben nach nationaler Erfüllung den Traum von einer vollkommeneren, eben messianischen Lebensgestalt verbindet, findet ihre Konkretisierung in dem nüchtern geführten Kampf um die Durchsetzung der besten Lebensideale der Zeit im Neuaufbau der jüdischen iesellschaft Palästinas, und ihre unmittelbare Verwirklichung in der persönlichen und kollektiven Lebenstat der Pioniere, die, mit dem Land ein neues Leben bauend, das ihrige einsetzen. Daß es diese Menschen gibt, daß sie den Zionismus verwirklichen, das ist die stärkste Quelle seiner Kraft, der tiefste Grund seiner Gültigkeit vor der Geschichte, die Gewähr seiner Fortwirkung. In der Front der Verwirklichung im Lande selbst stehend, den natürlichen und durch nichts in seiner Notwendigkeit zu ersetzenden politischen Kampf innerhalb der Bewegung führend, hatten die jüdische Arbeiterschaft Palästinas und br Nachtrupp in der Gaiuth noch eine dritte Front in der ,jüdischen Gasse“ zu bestehen: die öffentliche Meinung der sozialistischen Bewegung war gegen sie; dies ungewöhnirche Beginnen «Men im Rahmen ■ .der «psslisfticlen ä™ uer־WrllffifsölehÄ'’'"Iffeatjclien Meinung und nahm erbittert den Kampf auf gegen diese ״kleinbürgerliche“ Abweichung vom herrschenden Dogma. Daß die zionistische Arbeiterschaft fest blieb und in zäher, nunmehr fast 25jähriger Arbeit in Palästina, unbekümmert um alle Anfeindungen, den Weg der schöpfenden Tat ging, das hat ihren Sieg auch auf den anderen Fronten entschieden: nicht nur hat sich die Arbeiterschaft eine Autonomie innerhalb der Aufbauarbeit in Palästina erworben, die durch nichts mehr im wesentlichen zu erschüttern ist, nicht nur hat sie sich in der Gaiuth eine Bewegung geschaffen, die stolz ist, sich ihre Nachwuchsbewegung zu nennen, fast ohne Zutun aus Palästina, nur durch das Beispiel der Tat — sie hat chließlich auch die sozialistische Ocffentlichkeit erobert und große Teile der jüdischen sozialistischen Organisationen, die ihr vor noch gar nicht langer Zeit in erbittertster Feindschaft gegeniiberstand. Daß dem so ist, das zeigt der jetzt ,in Berlin tagende Erste Weltkongreß für das arbeitende Palästina, den einzuberufen ein Wagnis war. Noch ist die Aussprache bei Niederchrift dieser Zeilen nicht geschlossen, noch läßt sich nicht ibersehen, was der Kongreß an konkreten organisatorischen Ergebnissen bringen wird, aber schon der bisherige Verlauf der Tagung rechtfertigt das Wagnis. Es hat sich gezeigt, daß die jüdische Arbeiterschaft auf den Ruf der Histadruth, der palästinensischen Arbeiterschaft hört, wie Ben G urion mit Recht in seiner Eröffnungsrede hervorheben konnte. Ungefähr 210 Delegierte aus fast 20 Ländern nehmen an dem Kongreß teil. Bemerkenswert ist vor allem die Teilnahme der früher antizionistischen amerikanisch-jüdischen Arbeiterführer. Man wußte schon vorher, daß innerhalb der jüdischen Arbeiterchaft Amerikas eine Wandlung in bezug auf die Palästina- Idee Platz gegriffen hat. Man hörte von der Delegation, die gerade jetzt, vor dem Kongreß, in Palästina weilte. Die Wärme, mit der sich die neuen Verbündeten in die Front stellen, hat trotzdem etwas Ueberraschendes, Zukunftsversprechendes. Und dann: Die ״linken“ Poale Zion, zwischen zweiter und dritter Internationale stehend, jiddischistisch, der Zionistischen Weltorganisation feindlich, haben sich, nach anlänglichen Demonstrationen bei der Eröffnungssitzung, die Schlimmes befürchten ließen, dem Kongreß eingefügt. Noch fehlt der ״Bund“. Wird aber dieser Kongreß Erfolg haben, wird er imstande sein, eine Basis sozialistischer Solidarität für den konstruktiven Aufbau in Palästina herzustellen, dann werden sich auch die jetzt noch abseits stehenden Gruppen der Macht dieses Zusammenschlusses nicht entziehen können und es wird im jüdischen Leben eine neue Macht entstehen, die für die Verwirklichung des Zionismus, aber auch sonst für die jüdische Aufbauarbeit von unabsehbarer Bedeutung sein wird. Der Kongreß hat symptomatische Bedeutung. Endet er in Solidarität, dann wird seine Wirkung groß sein, selbst wenn seine unmittelbarea praktischen Ergebnisse nichts einschneidend Neues bringen sollten. Der Kongreß hat eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, eine, die mit Recht eine historische genannt werden kann. Die Eröffnungssitzung Schon lange vor Beginn der Sitzung war das Gebäude des ehemaligen preußischen Herrenhauses mit Delegierten oder Gäsjen erfüllt, die an der Eröffnung des Kongresses teilnehmen wollten. In den Reihen nächst dem Tisch des Präsidiums sitzen die Ehrengäste, unter ihnen der Vorsitzende der Zionistischen Exekutive Sokolow, Prof. Einstein, Legationsrat Sobernheim , Felix RosenbIüth, die Vertreter der verschiedenen sozialistischen Körperschaften, die gekommen waren, den Kongreß zu begrüßen oder an ihm teilzunehmen, zahlreiche Journalisten und Schriftsteller, unter denen der markante Kopf Arthur Holitschers auffällt. Rote Drapierung der Rednertribüne, ein großes rotes Transparent mit der Aufschrift des Kongresses in hebräischer, deutscher und jiddischer Sprache und der stilisierten Palästinakarte darauf erinnern sofort an die Eigenart dieser Versammlung. Die Angehörigen der Jugendbünde mit der roten Armbinde als Ordner, ein bewegtes Hin und Her, vergebliche Versuche, Einlaß zu finden, kurzum alle Merkmale des ״Großen Tages“ sind vorhanden. Ben Gurion, Sprinzak, Kap- Ia n s ky nehmen die Präsidentensitze ein, neben ihnen Eduard Bernstein, Jean Longuet und andere Ehrengäste. Schließlich erhebt sich Ben Gurion unter allgemeiner Spannung zur Eröffnungsrede, in der er ungefähr sagt: Die Histadruth übersendet dem Kongreß, den sie einberufen hat, ihren Gruß. Mehr als vierhunderttausend haben auf ihren Ruf geantwortet und ihre Boten hierhergesandt. Solche Beteiligung hat noch kein jüdischer Arbeiterkongreß gehabt. Die Delegierten aus Amerika können als die Väter dieses Kongresses angesehen werden; denn schon im Jahre 1918 hat in New York ein jüdischer Arbeiterkongreß für Palästina stattgefunden. In Polen haben sich fast 100 (WO Personen an der Wahl beteiligt. Mit Schmerz müssen wir feststellen, daß Tausenden treuer Freunde die Möglichkeit der Teilnahme an diesem Kongreß genommen ist; die Gefängnisse und Deportationslager Rußlands, sperren ihnen den Weg• hier- Mit Bedauern sehen wir, daß ein anderer Teil der» jildisehen •Arbeiterschaft in diesem Saale fehlt: der ״Bund“. Das Wachsen unseres Werkes und unseres Aufbaus wird auch den ״Bund“ in Polen veranlassen, einen neuen Weg einzuschlagen, wie dies seine besten Genossen, in Amerika getan haben. Der Kongreß ist in einer Zeit schwerer Prüfungen einberufen worden — nach den Ereignissen des August 1929. Diese blutigen Tage haben aus unseren Herzen nicht das Gefühl für die Schicksalsgemeinschaft gerissen, die zwischen den jüdischen, nach Erez-Israel zurückkehrenden Arbeitern und ihren arabischen Nachbarn in Palästina und den umliegenden Ländern besteht. Nach den August-Ereignissen kam ein zweites nicht weniger grausames Attentat auf unser Werk: die Mandatsregierung hat die Arbeiter-Immigration suspendiert, in einer Zeit, wo man neue Arbeitskräfte für das Land brauchte. Dieser Schlag traf uns um so schwerer, als an der Spitze der englischen Regierung gerade unsere Freunde standen. Nach 25 Jahren revolutionären Aufbaus hat der palästinensische Arbeiter sich berufen gefühlt, seine Anstrengungen auf das zersplitterte und zerstreute Volk in der Diaspora zu richten, in dem festen Glauben, daß die Zukunft des Volkes und das Schicksal des Landes von dem jüdischen Arbeiter bestimmt werden. Die Histadruth ist keine Partei. 'Wer von seiner Arbeit febt und keinen Nebenmeuschen ausbeutet, ist berechtigt, Mitglied der Histadruth zu sein. Sie ist trotzdem nicht lediglieh ein gewerkschaftlicher und wirtschaftlicher Organismus, denn nicht nur materielle Bedürfnisse oder Forderungen haben die palästinensischen Arbeiter zu einer entschlossenen Einheit zusammengeschmiedet, zu einer Einheit, die wohl in der ganzen jüdischen Arbeiterbewegung der Welt ihresgleichen nicht hat. Die Histadruth ist mit ihrem geistigen Wesen und mit ihrem' historischen Willen ein Bund von Staatsbegründern: nicht eines Staates, der Gewalt und Unterdrückung, sondern der Arbeit und der Gleichheit erstrebt, ln allem, was in Palästina geleistet und erstrebt wird, sieht der jüdische Arbeiter nur Etappen der Verwirklichung einer territorialstaatlichen Lösung des Judenproblems durch den vollen Einsatz der schöpferischen Kräfte des jüdischen Volkes in freier Arbeit auf eigenem Boden. Das Land, dem wir uns zugewandt haben und dem sich, davon sind wir überzeugt, das ganze jüdische Volk zuwenden wird, ist nicht das heutige Palästina, dies verarmte, wüste, ausgebeutete Land, das seine arabischen Bewohner in Armut ernährt. Ein Land hat drei Dimensionen: Zwei sind naturgegeben — die Länge und Breite des Landes. Es gibt aber noch eine dritte Dimension, die wichtigste, das ist seine Produktivität. Diese dritte Dimension zu vergrößern, ist iri unsere Macht gegeben. Durch Erhöhung der Fruchtbarkeit verwandeln wir einen Dunam in hundert. Das Endziel der jüdischen Renaissance — die territorial-staatliche Selbständigkeit des jüdischen Volkes in seinem Lande — wird verwirklicht durch den Aufbau, dessen Größe nur von der Arbeitsfähigkeit des jüdischen Volkes abhängt. Erez-Israel wird so jüdisch sein, wie das jüdische Volk es will. Unser Recht auf Palästina ist ein Recht auf Arbeit, das Kollektivrecht eines Volkes, sich selbst die Basis seiner Existenz durch seine eigene Arbeit zu schaffen. Und deswegen muß das jüdische Palästina ein arbeitendes Palästina sein. Und deswegen muß es ein Land des Friedens und der Zusammenarbeit mit den arabischen Söhnen des Landes sein. Es ist unmöglich, die Ruinen eines Landes wieder aufzubauen, ohne dabei gleichzeitig und bewußt die verfallene Siedlung seiner Einwohner mit aufzubauen, Fest und unerschrocken in den vorderen Reihen des Selbst- Schutzes und der Arbeit auch i!1 Jahren der Krise stehend, will der palästinensische Arbeiter die Wilienslosigkeit und die geistige Verwirrung im jüdischen Volk überwinden. Erfüllt von Unruhe um das Schicksal von Volk und Land und in dem festen Glauben an die Gerechtigkeit seines Werks und an seinen Sieg, will er die Quellen der Kraft öffnen, die im jüdischen Volke verdeckt sind. Drei Dinge: Di e bisherige Aufbauleistung, den Ausblick in die Zukunft, die Mobilisierung neuer Kräfte bringen wir zum 1. Kongreß für das arbeitende Palästina, den im Namen der Histadruth zu eröffnen ich die Ehre habe. (Stürmischer Beifall.) Die erste Hälfte der Rede wurde in hebräischer, die zweite Hälfte in jiddischer Sprache vorgetragen. Bei Beginn der' Rede demonstrierte die Gruppe der Linken Poale Zion gegen das Hebräische, jedoch trat bald wieder Ruhe ein. S. Kaplansky begrüßt die Gäste, insbesondere Eduard Bernstein, Professor Albert Einstein, Nachum Sokolow, Sassenbach, Jean Longuet, Knoll u. a. Eduard Bernstein wird stehend vom Kongreß begrüßt. Er spricht mit Pathos vom Baseler Programm, der Errichtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte der Juden in Palästina. Er spricht von seinen ersten sozialistischen Erlebnissen, wie er im Jahre 1872 in die Internationale sozialistische Bewegung eintrat und stets die Verbrüderung der Volksmassen erstrebte. Im Baseler Programm sieht er einen Ausdruck des Strebens nach Gleichheit und Brüderlichkeit in Erez-Israel. Ein solcher Zustand wird geschaffen sein, wenn sich die jüdische mit der arabischen Bevölkerung immer mehr verbinden wird. Professor Einstein hält, stürmisch akklamiert, von seinem Platze aus eine kurze Ansprache. Er ist nicht zum Kongreß gekommen, um zu lehren, sondern um zu lernen. Die Juden sind eine KipfargeaeliiKhaft» zwpj־, eto. V«'“ |¥’®iWllr 'KtiMrgetnansefaft gewesen. Üofer .... Gesichtspunkte müsse auch 1die Palästina-Arbeit betrachtet'״׳,, den. Es komme nicht auf die Zahl der Juden an, die hinüber■ gehen, sondern darauf, daß alles, was drüben entsteht, so beschaffen ist, daß sich die Judenschaft der ganzen Welt damit identifizieren kann und muß. Im Namen des Amsterdamer Internationalen Gewerkschaftsbundes begrüßt dessen Generalsekretär Sassen bach den Kongreß. < Seit 1923 ist die Histadruth der Gewerkschaftsinternationale als ein treues und aktives Mitglied angeschlossen. Die große gewerkschaftliche und kooperative Leistung der Histadruth ist von besonderer Bedeutung für Palästina und die cs umgebenden Länder. Die Werke der palästinensischen Arheiterschaft sind der Internationale teuer, sie haben ihren faktischen Nutzen auch für den arabischen Arbeiter im Lande bewiesen. Sassenbach versichert der Histadruth die aufrichtige Unterstützung der Internationale bei ihren Anstrengungen. Nachum Sokolow begrüßt den Kongreß im Namen der Zionistischen Exekutive. Als er in hebräischer Sprache seine Rede beginnen will, verlassen die Linke Poale Zion den Saal. Präsident Sokolow knüpft an ein Wort an, das Theodor Herzl vor 30 Jahren — in Abwandlung eines alten Satzes gesprochen hat: ״Durch Arbeit wird Zion erlöst werden“, — 30 Jahre später haben wir diesen Kongreß für Arbeit und Erlösung. Der Zionismus kann nur durch jüdische Arbeit verwirklicht werden, und er sorgt deshalb dafür, daß sein Nationalfonds Boden für die jüdischen Volksmassen beschafft. Mit Schmer/ hat daher die ganze Bewegung das Verhängnis der Sperrung der Arbeitereinwanderung aufgenommen. Wir können nicht ruhen, bis nicht der Strom der Arbeitereinwanderung sich neu ins Land ergießt. Jean Longuet begrüßt den Kongreß im Namen der sozialistischen Bewegung in Frankreich. Er spricht mit Wärme und irr temperamentvoller Weise über die Bedeutung des Werkes der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Zahlreiche bedeutende Führer der internationalen Arbeiterbewegung haben in diesen Jahren diesem Werk ihre Sympathie zugewandt. Nicht mit nationalistisch-chauvinistischen Tendenzen kann das nationale Heim der Juden aufgebaut werden, sondern nur in dem hohen Geiste von Spinoza, Marx, Lassallc und Einstein. Er zitiert Vanderveldes Buch über das schaffende Palästina, das keine Kolonie ist wie jede andere, sondern ein Feld reiner» sozialen Idealismus. Nicht nur eine jüdische Heimstätte will die jüdische Arbeiterorganisation schaffen, sondern einen sozialistischen Kern im jüdischen Volke und darum verfolgen wir mit so warmem Interesse und lebendiger Anteilnahme das große Werk unserer Kameraden in Palästina. Grüße des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes überbringt Genosse Knoll. Er spricht im Namen der stärksten gewerkschaftlichen Organisation der Welt, des A. D. G. B., der 5 000 000 Arbeiter und Arbeiterinnen umfaßt, im Namen all dieser überbringe er die wärmsten Glückwünsche für die Arbeiten des Kongresses. Dr. Weinberg begrüßt dann den Kongreß im Namen der sozialdemokratischen Fraktion der Berliner Stadtverwaltung. S. Rubaschow verliest eine Reihe von Begrüßungen, die telegraphisch und brieflich eingelaufen sind, u. a. von Chaim Nachman Bialik, Professor Sch. Dubnow. Weiter sind Begriißungen eingegangen von Leon Blum, Harry Snell, De Brouquere und Soukup (C. S. R.). Unter stürmischem Beifall wird in arabischer Sprache die Begrüßung des Haifaer arabischen Arbliterklubs vorgelesen. Das Wort wird dem Führer der amerikanischen Delegation zum Kongreß, Shipliakoff, erteilt. Er erklärt sich als Non-Zionist, noch richtiger als Non-Poalc-Zionist. Seine langjährige Arbeit gehöre der Arbeiterschaft und dem allgemeinen

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