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Jüdische Rundschau · 1930-09-02 · Heft 69 (2.9.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 69 (2.9.1930)
Date
1930-09-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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(Vr. f Seite 454 ferner Verständnis dafür gezeigt, daß Geldmittel nötig sein werden für den Ankauf von Land zu Siedlimgszwecken und daß die Regierung diese Mittel vielleicht durch eine Art Oa rantie des Britischen Schatzamtes werde beschaffen müssen. Das wird uns aber nicht der Notwendigkeit entheben, die Mittel der Regierung zu ergänzen, um die vollständige Durchführung dieser Pläne sicherzustellen, und zwar ganz unabhängig von den Mitteln, die wir werden bereitstelle״ müssen für die Besiedlung des Bodens, der sich in unserem Besitz befindet Lord Passfield äußerte sich auch hoffnungsvoll mit Bezug auf die wichtige Erweiterung des Eisenbahnnetzes, die van der Regierung zwar gefördert, aber aus Pri va t q 11 e 11 en finanziert werden soll. Das würde Vielen Arbeitsgelegenheit verschaffen, aber noch weittragender wären die wirtschaftlichen Kon- Sequenzen dieses Projekts. Er sagte aus, daß sein Ressort auf Grund sachverständiger Prüfung davon unterrichtet ist, daß Truppen in ge-!lügender Stärke und eine vergrößerte Polizeimacht die Sicherheit aller Einwohner Palästinas gewährleisten. Er teilte uns ferner die Ansicht der Regierung mit, daß es möglich sei, bessere Beziehungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsteilen in Palästina zu fördern und daß die Regierung im Begriff sei, Schritte in dieser Richtung zu unternehmen. Er erwähnte, daß die Regierung zurzeit beginne, die Frage der Arbeitereinwanderung — die sogenannte ״labor immigration schedule“ — für den nächsten Zeitabschnitt zu prüfen. Andererseits konnte er sich nicht entschließen, solange die jetzige Arbeitslosigkeit bei uns und unter den Arabern andauere, weitere Ein- Wanderungszertifikate vor Kenntnis des Berichtes von Hope Simpson freizugeben. Das hindere aber nicht, wie er wohl verstanden wissen wollte, daß schon jetzt eine ernste Prüfung der neuen Sehedule, in der, wie er hofft, eher ländlichen als städtischen Siedlern der Vorzug gegeben werden wird, erfolge. Unter diesen Umständen glauben wir, daß die mühevollen Anstrengungen von Weizmann und anderen von Erfolg gekrönt waren und daß unser Schiff, das in dem Sumpf von Beschuldigungen steckengeblieben ist, wieder flott ist und sicherem Hafen zusteuert. Die Aufgaben der Tagung Wenn es zu Plänen für die Zukunft kommen wird, werden das Administrative Committee und die Unterausschüase, die gebildet werden sollen, so lebenswichtige Probleme zu erwägen haben wie die Finanzen und das Budget der Agency, und zwar nicht nur für das laufende und das nächste Finanzjahr, sondern auch die Frage eines Planes für die Tilgung und Rückzahlung der Schulden und Verpflichtungen der Agency. Zweitens werden wir die Frage der Organisation und des Pers o n a 1 s sowie die der Koordinierung der Beziehungen zwischen unseren Büre« und Abteilungen weiter und sorgtältiger zu prüfen haben. Drittens wird unser Komitee darüber zu beraten haben, wie unsere Tätigkeit mit den Funktionen und der Arbeit anderer wirksam arbeitender Organisationen, die für Palästina tätig and, in Einklang gebracht werden soll. Soweit es sich um Fragen grundsätzlicher Politik handelt, werden wir bestimmen müssen über unsere Stellungnahme zu den Beschlüssen der britischen Verwaltung in Palästina, über unser Verhältnis zu der britischen Regierun g und zu dem Völkerbund in wichtigen Fragen, über unsere Einstellung zu eventuellen Vorschlägen für die Neuregelung des Verkaufs von Boden und für die Reorganisatjon auf dem Gebiete der Gesetzgebung lind drt־ Verwfältühg in Palästina; über das wichtige Problem der Zusammenarbeit mit der arabischen Bevölkerung auf staatsbürgerlichem, wirtschaftlichem, sozialem Gebiet und anderen Gebieten; und endlich werden wir uns darüber schlüssig werden müssen, wie wir über die schwere Zeit der finanzielten Spannung und des politischen Druckes hinwegkommen werden und wie wir für eine kluge, ruhige und sachliehe Beratung und Leitung für die Zeit bis zu unserer nächsten Sitzung Vorsorge treffen sollen. Der Redner schließt mit folgenden Worten: Es war der einmütige Wunsch des jüdischen Volkes, daß das Mandat für Palästina Großbritannien an vertraut werden sollte. Die Juden waren der festen Zuversicht, daß diese Treuhänderschart einer großen, gerechten und erfahrenen Nation, die unter der Aufsicht des Völkerbundes ausgeübt wird, eine neue und höhere Verwaltangsform zur Folge haben würde, die nicht nur Palästina, sondern auch anderen Teilen der Welt zugute kommt und die ein ausschließlich auf das Wohl der Bevölkerung des Landes gerichtetes System schaffen wird. An dieser Hoffnung halten wir noch fest. Wir möchten Palästina zum Vorbild für andere Länder machen — zu einem Land, in dem Jedermann Gerechtigkeit widerfährt, zum Ruhme nicht nur derjenigen, die an seinem Wiederaufbau mitarbeiten, sondern auch zum Ruhme der britischen Regierung, die die Verpflichtung, das Land zu verwalten, übernommen hat, und zum Ruhme des Völkerbundes, dem diese Sache besonders nahe geht, wegen der feierlichen Abmachungen, die getroffen wurden, und des Interesses, das das Heilige Land bei allen zivilisierten Menschen erweckt. tyir hegen die Zuversicht, daß das britische Volk und die aufgeklärte öffentliche Meinung der ganzen Welt die Gerechtigkeit unserer Sache und unsere Bereitwilligkeit zur Mitwirkung an der Lösung dieser großen Probleme anerkennen wird. Wir werden keine ehrenhafte Anstrengung scheuen, um diese Ziele zu erreichen. Das Mandat kann und soll durchgeführt werden, im Interesse der Völker von Palästina, die lernen müssen, als gute Nachbarn und Freunde zusammenzüleben. Hierauf nimmt das Wort der Präsident der Jewish Agency, Dr. Weizmann. Dr. Weizmanns Ansprache Alle Organe der Jewish Agency, führt Dr Weizmann aus, haben sich in den letzten Monaten mit den Vorgängen zu beschattigen gehabt, die infolge der Ereignisse in Palästina, die uns vor einem Jahr schwer getroffen haben, eingetreten sind. Dr. Weizmann rekapituliert den Gang der Ereignisse seit der letzten Sitzung des Administrative Committee im März 1930, von dem Erscheinen des Berichtes der Shaw-Kommission bis zur Tätigkeit Sir John Hope Simpsons und der Suspension der Immigrations-Zertifikate. Es sei nicht richtig, wenn man jetzt nachträglich die Suspension der Zertifikate aus den ökonomisehen Umständen ableiten will. Ein großer Teil der ökonomischen Spannungen, die in Palästina fühlbar zu werden be- , ginnen, ist dadurch entstanden, daß man die Immigration abgestellt hat. Dadurch entstand die Unsicherheit, die den Fortgang der Investitionen und Sammlungen geschädigt hat. Redner bespricht sodann im Bericht der Mandats-Kommission die Antwort der englischen Regierung. Wir warten nun mit Hoffnung und Sorge auf das konstruktive Programm, das die Regierung in Aussicht gestellt hat. Bei seiner Beurteilung Werden wir fragen, ob es ein Programm im Geiste des Mandates ist, das uns die Weiterarbeit möglich macht. Wir haben in den letzten zehn Jahren keine öffentlichen Klagen gegen die Mandatarmacht erhoben, weil wir uns sagten, es müsse eine Probezeit vergehen, wir kannten auch die Schwierigkeiten, und vor allem wußten wir, was von unserer Leistung abhängt Wir haben unseren Teil JUEDISCHE RUNDSCHAU des Vertrages durchgeführt und darum können wir verlange», daß die Regierung auch ih ren Teil tut. Was die Araber betrifft, will ich sagen: dies Ist ein Pro• blem, welches uns immer vor Augen stehen muß, auch wenn man vielleicht nicht eine einheitliche Lösung sofort finden kann. Wir können unsererseits vieles tun, was in der nahen oder fernen Zukunft eine Verbesserung der Beziehungen herbei führen wird. Wir werden Anstrengungen machen, uns an die Araber anzunähern, aber das setzt voraus, daß sie unser Recht auf Palästina anerkennen, genau so, wie wir ihr Recht auf Palästina anerkennen. Zunächst müssen jetzt Schritte gemacht werden, um eine ökonomische und soziale Zusammenarbeit der beiden Völker herbeizuführen. Dazu gehört auch die Erkenntnis im arabischen Lager, daß wir in Palästina kraft eigenen Rechts sind und nicht als Eindringlinge. Im Bericht der Mandats-Kommission steht ein wichtiger Satz, der auch den Arabern zu denken geben sollte; es heißt dort: ״Das Mandat hat zwei Teile, einerseits die Politik des Jüdischen Nationalheims und andererseits die Errichtung von Selbstverwaltungs- Institutionen. Die zwei Teile gehören zusammen. Wer das eine negiert, kann sich nicht auf das andere berufen.“ Wir werden diejenigen sein, die mit Freude eine Betel- Hgung der Araber an der Führung der polltisehen Geschäfte Palästinas begrüßen werden, wenn die Araber verstehen, daß diese Institutionen nicht dazu da sind, um unsere Arbeit zu behindern, sondern daß sie dazu da sind, die Zusammenarbeit zum Wöhle des Landes zu fördern. Hope Simpson hat versucht, sich ehrlich in dio Probleme Palästinas zu vertiefen. Wir haben ihm dargelegt, daß bei Modernisierung der Landwirtschaft Palästina nicht nur Platz genug für Juden und Araber hat, sondern daß noch neue 50000 Familien angesiedelt werden können. Itn Vertrauen auf die Erklärungen der Regierung, sie wolle das Mandat durchführen, wenn man ihnen die Möglichkeit einer Durchführung aut Grund der Realitäten zeigt, glaube ich, daß wir manche Schwierig* ketten überwunden werden. Dr. Weizmann bespricht dann die Komplikationen, die sich für unsere Sache aus der allgemeinen Weltlage ergeben. Die Welt ist heute von verschiedenen Krisen erschüttert und es ist selbstverständlich, daß in diesem Wirbel auch unser Schiff ins Schaukeln gerät. Wichtig aber ist nur eines: was immer sein wird, ausschlaggebend für unser Vorwärtsdringen ist u n s e r e eigene Anstrengung. Wenn wir nicht die Leistung der letzten zehn Jahre hinter uns hätten, hätten wir nicht so standhalten können, wie wir es getan haben. Der Jischuw hat allen Stürmen standgehalten, ja in diesem kritischen Jahr seine Position gefestigt und vergrößert. Die Politik ist nur die Helferin, auf die direkte jüdische Aufbauarbeit kommt es an. Wenn das Judentum außerhalb Palästinas sich so bewährt wie der Jischuw, dann bin ich sicher, daß wir jede Schwierigkeit überwinden werden. Die Aufgabe dieser Sitzung ist es, dem Jischuw und dem ganzen Weltiudentum ein deutliches Zeichen zu geben, daß wir in der Arbeit fortfahren, mit größerer Festigkeit und Entschlossenheit als bisher. 'Weitere Berichte Dr. Ruppin berichtet über die Tätigkeit der Exekutive während der Anwesenheit von Sir John Hone Simpson in Palästina. Redner hat persönlich Simpson das Material über unsere bisherige Siedlungsarbeit vorgelegt und ihm eine Reihe detaillierter Vorschläge gemacht, wie die Ansiedlung der Juden ohne Verdrängung oder Schädigung der Araber erfolgen könne. Es läßt sich an Beispielen zeigen, daß Baden, der für den Fellachen fast wertlos ist, für uns von größtem Werterem kann, w׳enn wir das zu seiner Entwicklung notwendige Kapital investieren. Aus dem Kaufpreis, den wir für einen Teil des Bodens dem Fellachen zahlen, kann er sich entschulden und seine Wirtschaft intensivieren. Wichtig ist auch die Frage der Schaffung von Kreditinstitutionen, die gleichfalls mit Simpson diskutiert wurde. Im zweiten Teil seines Referates berichtet Dr. Ruppin über die Fortschritte der palästinensischen Landwirtschaft, die eine ganze Reihe neuer Produkte in den jüdischen Siedlungen eingeführt hat. Leider wurde im letzten Jahre die Landwirtschaft von versdiiedenen Plagen heim gesucht, z. B. haben die Mäuse erhebliehen Schaden verursacht. Von größter Bedeutung ist die Auf- Stellung eines entsprechenden Kolonisationsbudgets für die nächsten Jahre. Nach Dr. Ruppin referiert Bernard FI e x n e r über die Palestine Economic Corporation und Dr. Hext er über den Palestine Emergency Fund. Sodann wird die Vormittagssitzung 1,30 Uhr geschlossen. In der Freitag-Nachmittag-Sitzung referiert Dr. Yaski über die soziale und Gesundheitsarbeit, Dr. Berkson über Erziehungswesen und Bawli über landwirtschaftliche Kolonisation. Wassermanns Finanzbericht (Sitzung vom 31. August, yormlttags) Direktor Oscar Wassermann erklärt, daß er nur einige grundsätzliche Bemerkungen zu den Problemen des Keren H a j e s s od machen wolle, dessen gesamte Einnahmen während 4 und im zweiten Jahrfünft auf 2 290 000, woraus die sichtbaren Fortschritte dieses wichtigsten Finanzinstruments des Palästina- Aufbaues hervorgehen. In den neun Monaten seit 1. Oktober 1929 bis Ende Juni 1930, die unter dem Drucke der Ereignisse in Palästina, unter der Einwirkung der ungünstigen politischen Situation und der Weltwirtschaftskrise standen, sind 244 000 Pfund aufgebracht worden, wovon 182 500 Pfund auf die Länler außer den Vereinigten Staaten entfallen. Es ist ein erhebiches Mindereinkommen gegenüber unseren Vorschlägen in Zürich. Dies läßt sich aus den wirtschaftlichen Verhältnissen in den einzelnen Ländern, aber auch aus der Ta tsach e der Sondersammlungen erklären. Der Emergency Fund hat große Summen aufgebracht. Keren Hajessod und Emergency Fund beweisen, nicht in Ihrer wirtschaftlichen Verwemfimgsmöglichkeit, aber in der Idee der Geber, ein starkes Anwachsen des Interesses an Palästina In der jüdischen Gesamtheit. Besonders verdient Südafrika Anerkennung, wo die guten Ergebnisse auf die Mitwirkung Lord Melchetts, Wedgwoods und Dr. Mossinsohns zurückzuführen sind. Besonders hervorzuheben sind die großen Fortschritte in Polen, was ein glänzender Beweis für die Gesinnung der dortigen Judenheit ist. Auch in Bessarabien, der Tschechoslowakei und Ostgalizien ist mehr aufgebracht worden als in den früheren Jahren, was mit großer Bewunderung erfüllen muß. In Jugoslawien, Italien, der Schweiz, Kanada und Frankreich sind die Einnahmen gestiegen, erreichen aber noch nicht den Stand, den sie in jenen Ländern haben könnten. Die Erntedürre in Amerika ist auch von einer Keren Hajessod-Dürre in jenem Lande begleitet. Die Juden Amerikas sind nicht schuldig. Sie haben 450 000 Pfund für den Emergency Fund aufgebracht, was ein Beweis für ihr Palästinainteresse ist. Hierzu kommt das Miß- Verständnis wegen der Termine. Der Keren Hajessod rechnet nach seinem Finanzjahr von Rosch Haschanah bis Rosch Haschanah, während in U.S. A. für die Allied Campaign das bürgerliche Jahr zugrunde gelegt ist. Solange die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse andauern, läßt sich nicht sagen, ob durch eine Trennung bessere Resultate erzielt werden können. Das Fazit ist: Palästina hat im vergangenen Jahre eine größere Anziehungskraft auf die Juden In der Welt ansgeübt, wenn auch weniger Geld in die Kassen des Heren Hajessod geflossen ist Deswegen mußten starke Kürzungen an dem in Zürich angenommenen Budget vorgenommen werden, und ich glaube, daß noch viel mehr Abstriche gemacht werden müßten, um die Ausgaben und Einnahmen in Einklang zu bringen. Das Defizit der Pa- “*11"®:Exekutive und des Keren Hajessod hat sich um mehr als 100000 Pfund erhöht. Der Keren Hajessod hat sonst nur eine geringe Unterbilanz gehabt. Da trat vor zwei Jahren die NotweiKtigkeit heran, zurStützung von zwei Positionen groBare Verpflichtungen einzugehen. Hierzu kommen die Verpflichttmgen des laufenden Jahres, so daß die Schuldenlast einen Umfang angenommen hat, der nach Meinung der Verwaltung zu der Ueberlegung führen muß, wie ein Weg zu finden wäre, daß die Eingänge des Keren Hajessod für das ordentliche Budget Verwendung finden. Die Finanzkommission wird sich mit Vorschlägen in dieser Hinsicht zu beschäftigen haben. Trotzdem wir mit den Ergebnissen nicht zufrieden sind, so muß man doch sagen, daß das Land auf dem Wegedcr Konsolidie rung Fortschritte gemacht hat. Alle Besucher berichten, daß die Verhältnisse sich wesentlich gebessert haben. Auch in bezug auf Ausdehnung sind unsere Wünsche nicht erfüllt. Aber es ist doch ein Wachstum feststellbar. Im abgelaufenen Jahr sind 5971 Juden eingewandert, in einem Jahre, das noch 1m Zeichen drohender Lebensgefahr stand, in einem Jahr des arabischen Boykotts und in weichem die Mittel außerordentlieh knapp gewesen sind. Daß die Einwanderung die Auswanderung überstieg, ist ein Zeichen von Vertrauen, das die Judenheit in die Entwicklung Palästinas setzt. Es wäre zu wünschen, daß die Wohlhabenden und Reichen in Palästina Anlagen machen. Die Anfänge sind vorhanden, und wir hoffen, daß noch sehr viel in dieser Richtung geschehen wird! Mr. Flexners Berieht über die Economic Corporation zeigte, welche Erfolge unter seiner Leitung in Palästina erzielt werden konnten. Man genügt nicht seiner Pflicht, wenn man für den Keren Hajessod, gibt, es besteht auch die Verpflichtung der Kapitalsanlage in Palästina. Palästina ist für die heutige Judenheit das, was der Tempel einst für die Juden gewesen ist. Palästina ist der Tempel des modernen Judentums. Ein Tempel ist keine Kapitalsanlage. Er wird von freiwilligen Gaben unterhalten und nicht nur durch die Großherzigkeit einzelner reicher Juden. Durch die Ausgaben für Erziehungswesen, Hygiene und Verwaltung ist das Budget für Kolonisation gekürzt worden. Das ist ein großer Verlust. Denn es stellt dieWirtschaftdes armen Mannes dar, der alles teurer bezahlt. Diese Reduktion der landwirtschaft- ,liehen Ausgaben bedeutet, daß man in den kommenden Jahren zum Zwecke der Konsolidierung für diesen Posten Verhältnismäßig mehr wird ausgeben müssen. Redner bespricht dann die einzelnen Posten des Budgets und betont, daß die nationalen Mittel unbedingt zur Leistung dieser in allen anderen Ländern von den Staatsregierungen unterhaltenen Institutionen verwendet werden sollen. Referent erklärt sich mit Entschiedenheit gegen die Sondersammlungen, wovon jedoch der KKL. auszunehmen ist. Es geht nicht an, daß wichtige Institutionen nur darum, weil sie nicht schnorren können, weniger Einnahmen haben sollen als andere verhältnismäßig unwichtigere Institutionen, die aber besser zu schnorren verstehen. In den Werbekosten des Keren Hajessod liegen ja nicht nur die Spesen für die Aufbringung der Eingänge, sondern auch die Anlagespesen bei der 1Gewinnung neuer Interessenten für den Palästina-Aufbau. Dq! Keren Hajessod öffnet nicht nur die Tasehen, sondern auch die Herzen der Juden. Wir durchleben, jetzt eine Krisis, welche beweist, daß Fehler und IrrtümSr begangen wurden, die nicht notwendig waren. Krisis ist aber keine Katastrophe, denn nur diese bedeutet einen Zusammenbruch. In gewissem Sinne ist die Krise wohltätig gewesen, denn sie wird nach ihrer Ueberwindung Platz für neue Leistungen schaffen. Drei Dinge sind notwendig entsprechend dem hebräischen ״Zorn“, ״Kol“ und ״Momon“, um eine Besserung der Lage herbeizuführen. ״Zorn“ heißt Selbstbeschränkung, ״Kol“ bedeutet die Proklamierung dessen, was man als gerecht und durchführbar erachtet und ״Momon“ heißt tätige Opferbereitschaft. Der Keren Hajessod tritt jetzt in das zweite Jahrzehnt seiner Existenz. Das Direktorium des Keren Hajessod hat sich an die Mitglieder des Administrative Committee und des Council um Mithilfe gewendet. Nach den bisherigen Erfahrungen ist anzunehmen, daß wir im nächsten Jahre einen Schritt vorwärts kommen werden. Redner schloß seine Ausführungen mit dem traditionellen Wunsehe einer ״Ketuwa w’Chatimah Towah“. Die Debatte Levlte (Polen) erinnert an die Züricher Besprechungen betreffend die Schaffung einer Investment Corporation, die er für außerordentlich wichtig hält. Er verweist auf die Einwanderer aus Polen, die eine Industrie ins Leben gerufen haben, welche mehr Menschen Beschäftigung gibt als die Institutionen des Keren Hajessod. Neben der beschlossenen Ansiedlung von 1000 Arbeiterfamilien darf man nicht an die Möglichkeit der Ansied- Jung von Mittelständlem vergessen. Usslschkin: Tempel bedeutet Himmel, wir aber brauchen in erster Linie Boden. Das Einvernehmen zwischen Keren Ka• jemeth Lejisrael und der Economic Corporation ist ausgezeichnet gewesen und durch die Unterstützung der Economic Cor• poration war es möglich, wichtige segensreiche Transaktionen auf dem Gebiete des Bodenerwerbs durchzuführen. Bezüglich des Emergency Funds bedauert Ussischkin den Entschluß, auf einen Wiederaufbau Hebrons zu verzichten. Hebron ist 600 Jahre älter als Jerusalem. Der Aufbau Hebrons bedeutet, daß wir nicht gewillt sind, dem Terror zu weichen. Rubaschow warnt davor, auch das nächste Budget so klein zu gestalten wie das vorjährige. Wenn die Jewish Agency die Hoffnungen, die die Judenheit der Welt in sie gesetzt hat, nicht erfüllen sollte, wäre das eine Katastrophe. Die Jewish Agency muß sich zum Ziel setzen, das von Ruppin aufgestellte Programm der Ansiedlung von 50000 Familien in der nächsten Zeit durchzuführen. Die palästinensische Arbeiterschaft ist bereit, mit allen Teilen der Agency beim Aufbau mitzuwirken, aber man muß Taten sehen und der jüdischen Welt das sichtbare Wachsen des Aufbauwerkes zeigen können. Twerski erinnert daran, daß das ursprüngliche Manifest der Agency ein Jahresbudget von einer Million Pfund vorgesehen hat. Die Zionisten naben bis zum Jahre 1929 durchschnittlich eine halbe Million Pfund aufgebracht und man erwartete, daß die neuen Partner die gleiche Summe aufbringen werden. 1922 gab es auch eine Stop-Immigration, aber die Eingänge nach 1922 wuchsen. Die gesteigerten Einnahmen des KKL. beweisen, daß auch eine Steigerung des Keren Hajessod möglich ist. Redner verlangt, daß alle Institutionen, Economic Corporation, Emergency Fund usw. 1*1ter die Kontrolle und die Leitung der Jewish Agency gestellt werden. Die Zersplitterung bringt dem Aufbauwerk Schaden. Felix M. Warburg! Die Berichte von Flexner über Economic Corporation und von Dr. Hexter über Emtrgency Fund stehen nicht zur Diskussion, sondern sind lediglich zu informativen Zwecken erteilt worden. An der weiteren Debatte beteiligten sich noch H a r z f e 1 d , Dr. Soloweitschik, Dr. Cyrus Adler, Farbstein, Dr. Baeck, Blumenfdld, Ruppin und Dr. Schleieher (Polen). Der Bericht über die einzelnen Reden sowie über die vorangegangenen Referate wird aachgetragen werden. Di In c Anträge Ausspra! tdligten Nach E: verlas I zum 29 wonach knupfun gemäß c und Dr. zuset; ab, daß lic h k < sehen. I Posten 5 keit und umgängl einerlei Hie: geschlos Wir über de weiterer I. 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