Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 61 (5.8.1930)
- Date
- 1930-08-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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־ 4 ׳ I. 1930 8,30 ז T!r, 2rsan5Uhen; Synagogen ionstempc!ן lenstempol: ^oftesdiensi allen Svn - Svna״or׳r: .. O r> Synagogen י Synagoge iingen gesie finden 9/30, Hof der Aula חי : abends Synagogen )gen Münnit neuem Das Wort hat - Die Jugend und die Fron Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslandsabmmement» werden in der Wahrung der einzelnen Linder berechnet. Anzeigenpreis: 8 gesp, NonparedJereile 0.50 G.-ML Stellengesuche 0.25 C.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen - Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. PoMichtck -Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 394 33, Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 594 10 Riga 4155, Straaeburg 16430, Warschau 190708, Wien 156 030. Back.Konten: Darroa&Sdter und Natjcnalbank, Depositen - Kats« Berlin, Kurfümendaram 52; Banca de Ent, Cemauti (Rumlnien); Anglo Palestine Ca. io Halte, Jerusalem, lei ״Aviv, Nummer 61 | Berlin, 5, VIII. 1930 Redaktionaschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. י״א אב׳ תר״צ | xxxv. jahrg. Per Zionismus erstrebt tOr das jüdische Volk die Schaffung einer Mtantllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm■«■ ln aller Kürze ittenburg, npfohlen; 8 Bad Ems iter obiger ind Volks- 1. Geplant!Ihoven on Iiaydn, >ica“-Sym- Programm geben.!256 rErEN l!uns׳eD hr. reise: Uhr Mark nt. 5 Uhr Mark irieren iiiiiimims e.V. I ch? ן rrasse, s i 5 ״Jewish Chronide“ weiß zu berichten, daß Dr. Weizmann während seines Aufenthaltes in Paris in den letzten zwei Wochen eine Reihe von langen Unterredungen mit Führern der bisherigen zionistischen Opposition gehabt hat, deren Ergebnisse jedoch nicht bekannt sind. Die kürzlich in Deutschland verstorbene amerikanische Jüdin Mirjam Ooldschlag hat, wie jetzt bekannt wird, der j ü d ischen Arbeiterorganisation in Palästina letztwillig einen Betrag von 25 000 Dollar zur Errichtung einer Kooperative für Arbei terinnen in Palästina hinterlassen. Die soeben zu Ende geführte dritte Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation in Australien übermittelte in Kabeltelegrammen an die Zionistische Organisation, die britische Regierung und den Völkerbund ihre Protestresolution gegen die Immigrationssperre. Mordechaj Iwri, ein Führer der Linken Poale Zion in Polen und Mitglied des Stadtrates von Chelm, wurde in seiner Wohnung in Warschau von einem Raubmörder erschossen. Der Mörder ist entkommen. Der Ermordete war erst vor kurzem von einer Palästina-Reise zurückgekehrt. In der von Lord M e 1 c h e 11 in Palästina neu angelegten großen Orangenplantage wurde kürzlich mit der P a r z e l - lie rung und mit dem Verkauf von Orangenparzellen in der Größe von 10 Dunam begonnen. Der Kaufpreis kann in Raten im Laufe von 10 Jahren bezahlt werden. Lord Melchett hat bestimmt, daß das vom Verkauf dieser Orundstücke einlaufende Geld in seiner Gänze für weitere Anlage von Pflanzungen verwendet werden soll. Das unter Leitung Lord Melchetts stehende größte englische Industrieunternehmen für chemische Erzeugung, I m - perialChemical Industries Ltd., hat der Konsumgenossenschaft der jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina ״H a - M a s c h b i r“ den Alleinvertrieb seiner Produkte im nördlichen Palästina einschließlich des Gebietes von Haifa, Metulla, Emek Jesreel, Ober- und Untergaliläa übertragen. In T e 1 - A w i w fand eine von den rumänischen Juden einberufene Massenversammlung zum Protest gegen die judenfeindlichen Ausschreitungen in Rumänien statt. Es wurde ein Protesttelegramm an den Völkerbund in Genf gerichtet. Die Versammlung beschloß ferner, an die zionistischen Stellen in Rumänien die dringende Aufforderung zu richten, sich für eine ,stärkere 'A..as Wanderung rumänischer Juden nach Palästina einzusetien. Laut der fetzteij Berufszählung ist die Zahl der jüdischen ar b eitenden Frau eh von 11345 im Jahre 1926 auf 15 394 anfangs 1990 gestiegen. Davon sind 10 205 in städtischen, 5189 in ländlichen Berufen tätig. Laut Mitteilung der ״Official Gazette“ vom 16. Juli wurde die Arabische Bank Ltd. mit einem Kapital von £P 15 000 registriert. (Ziko.) Die Leitung der Anglo Palestine Company teilt mit, daß die Bank demnächst eine Filiale in Rechoboth eröffnen wird. ln Tel-Awiw wurde ein Komitee zur Errichtung eines Kunstmuseums organisiert. (Ziko.) »r*. 5 •ten | lllllllllll S 3 ue § >6/97 | dlem § rmes | Lift | brift § Iler I r. 43 S und £ imi OB, S *eher £ 316. £ ■ s £ ז Ultimi bang!3248 Ir. J0 Gnade für Urphali! Nachdem der Privy Council in London sich ebenso wie in den früheren Mordprozessen, wo die verurteilten Araber an ihn appelliert hatten, auch in dem Mordprozeß gegen den 'Juden Urphali, der in Palästina in zweimaligem Verfahren zum Tode verurteilt wurde, als unzuständig erklärt hat, ist das Todesurteil gegen Urphali in Rechtskraft erwachsen. Das Urteil gegen Urphali ist in der jüdischen Presse Palästinas außerordentlich scharf kritisiert worden. Es wird geltend gemacht, daß das Verfahren in diesem Prozeß sehr mangelhaft war und daß die Verurteilung Urphalis auf Grund unvollständiger Beweise erfolgt ist. Aber selbst wenn die Tötung erwiesen worden wäre, dann handelt es sich in diesem Fall klarerweise um einen Akt der Verteidigung. Vorausgegangen waren die Pogrome in Hebron und Motza, und als die arabisehen Massen sich drohend Tel-Awiw näherten, war der Täter zweifellos berechtigt, die eigene Gemeinschaft für gefährdet zu halten. Dies sollte als Milderungsgrund unbedingt berücksichtigt werden. Wie dem auch sei, wir hoffen mit Bestimmtheit, daß das Todesurteil nicht vollstreckt werden wird. Wir sind Gegner jeder Todesstrafe und haben auch gelegentlich der Verurteilung der Araber uns für eine Begnadigung ausgesprochen. Wir sind sogar dafür eingetreten, daß die jüdischen Instanzen sich offiziell gegen die Durchführung jeder Todesstrafe im Zusammenhang mit den Augustunruhen einsetzen. Selbstverständlich fordern wir auch, daß ebenso wie die 23 Araber auch der einzige Jude, der zum Tode verurteilt wurde, begnadigt wird. Wie gemeldet wird, haben die Verteidiger Urphalis alle erforderlichen Schritte unternommen. Der High Commissioner, dem allein das Begnadigungsrecht zusteht, ist gegenwärtig in London und wir hpffen, daß er ohne Verzug die Begnadigung aussprechen wird. * ... Jerusalem, 1. August. (J. T. A.) Die Arbeiter-Tageszeitung ״Dawar“ schreibt: Sollte Urphali hingerichtet werden, so wird die Exekutive nicht einen Mörder treffen, sondem einen vollkommen Unschuldigen, an dem der Staat ein Justizverbrechen begangen hat. — Die arabische Zeitung ״El Jamea. cl Arabia“ schreibt: Nachdem die Regierung drei unglückliche Araber hat hinrichten lassen, erfordert es die Gerechtigkeit, daß auch Urphali hingerichtet wird, leider der einzige von den jüdischen Mördern (!), der zum Tode verurteilt worden Ist. / & Shiels fährt nadi Palästina Das Shaw״ Protokoll veröffentlicht Wie uns aus London mitgeteilt wird, Wird der Uufersfaats- Sekretär für die Kolonien, Dr, Shiels, noch im Laufe dieses Monats Palästina besuchen. Das englische Pariament hat bekanntlich am vergangenen Freitag seine Session abgeschlossen und sich bis zum 28. Oktober vertagt Die Parlamentsferien wird Dr. Shiels teilweise für seine Reise benutzen, um — ebenso wie es sein Vorgänger Ormsby-Gore getan hat, — persönlich die Verhältnisse in einer Reihe von Ländern, die der Verwaltung des Kolonialamtes unterstehen, kennenzulernen. Nach den vorliegenden Nachrichten wird der Minister etwa am 15. August England verlassen. Auf der Reise nach Palästina wird er Malta, Aegypten und Cypem besuchen. Sein Aufenthalt in Palästina wird 10 bis 14 Tage dauern. Die Reise Dr. Shiels ist offiziell; er wird von zwei oder drei Beamten begleitet sein. Es scheint also, daß die englische Regierung es für richtig hält, eines ihrer Mitglieder persönlich nach Palästina zu entsenden, bevor sie ihre folgenschweren und verantwortungsvollen Erklärungen über die künftige englische Palästinapoütik abgibt. Es ist anzunehmen, daß erst nach der Rückkehr von Dr. Shiels die Ergebnisse der Untersuchung Simpsons von der Regierung behandelt werden, Dr. Shiels dürfte in Palästina sich auch besonders mit der Frage der Zusammensetzung der Beamtenschaft und der Verwaltungsmethoden beschäftigen. Vom zionistischen Standpunkt ist cs besonders za begrüßen, daß die Regierung ein verantwörtliches Mitglied nach Palästina entsendet. Soeben erschien im englischen Staatsverlag in zwei riesigen j Bänden das Protokoll der Verhandlungen vor der I Shaw-Kommission. In einem dritten Band ist ein vollständiger Index zu diesen Protokollen zusammengestellt, der die Benutzung außerordentlich erleichtert. Die MacMahon - Korrespondenz wird nicht veröHentticht London, 2. August. (J.T.A.) Am letzten Sitzungstage des Unterhauses gab, durch eine Frage des Unterhausmltgtiedes Cocks herausgefordert, der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Shiels, die lang erwartete Erklärung über die MacMahon- Hussein-Korrespondenz ab. Er sagte, daß die Regierung, durch das lebhafte Interesse des Unterhauses angeregt, die Korrespondenz in ihrem vollen Umfange neu geprüft habe und dabei zu dem Ergebnis gekommen sei, daß noch immer wichtige Gründe, die mit der Palästinafrage nichts zu tun haben, es als im öffentlichen Interesse höchst u n e r - wünscht erscheinen lassen, die Korrespondenzzuveröftentiiehen. Diese Gründe werden noch mehrere Jahre lang ihre Wirksamkeit behalten. Es gibt keine zureichenden Gründe für die Annahme, daß durch die Korrespondenz die britische Regierung das Versprechen zu geben beabsichtigt oder gegeben habe, Palästina In den projektierten arabischen Staat mltelnzubeztehen. Sir H. Mac Mahon selbst hat bestritten, daß dies seine Absicht gewesen sei. Zugegeben ist, daß die unbestimmte und nicht eindeutige Fassung der Korrespondenz dazu geführt haben mag, daß bei denjenigen, die in sie Einblick genommen haben, der Eindruck entstehen konnte, als hätte die Regierung eine solche Absicht gehabt. Polen und seine Juden Der Chef der Ostabteiluhg Im polnischen Innenministerium fordert eine positivere Haltung gegenüber den Juden. ln dem Organ der polnischen Regierung ״Gazcta P01 ska“ veröffentlicht der Chef der Ostabteilung im Innenministerium. Tadeusz Holubka, der zu dem engsten Kreise Marschall Pilsudskis gezählt wird, einen bemerkenswerten Aufsatz über die Juden in den polnischen Ost- Provinzen, in dem u. a. gesggt wird: ״Meiner Ansicht nach haben die Juden in den Ostgebieten große Fortschritte in der Abschwächung ihres nationalen Separatismus und in der Vertiefung des polnischen Staatsgedankens gemacht. Leider würdigen wir weder diese Erscheinung genug, noch auch die andere, daß die Juden in deh größeren und kleineren Städten der Ostgebiete die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung ausmachen. Russisch ist unter ihnen als Umgangssprache fast vollständig geschwunden. Die jüdische Jugend spricht untereinander polnisch oder j i d - disch und hebräisch. Die polnische Presse, das polnische Buch und das polnische Theater werden immer populärer. Das bedeutet aber nicht, daß die Juden sich assimilieren; das zeigt nur, daß die polnische Kultur bei ihnen gleichzeitig mit der eigenen — der jüdischen Kultur — immer mehr Verbreitung findet. Das nationale Bewußtsein der Juden in den Ostgebieten ist sehr stark. Am stärksten ist unter den Juden der'Ostgebiete, besonders in der jüngeren Generation, der Zionismus verbreitet. Auch die folkistische Bewegung ist stark. Hingegen spielen dort die orthodoxe Bewegung und die *Rabbinen nicht die Rolle, die sie in Kongreßpolen oder in Galizien innehaben. Wir führen indessen eine zu primitive Politik gegenüber den Juden der Ostgebiete. Wir verlangen von ihnen bloß Loyalität dem Staat gegenüber und diese Loyalität wird uns gewährt. Und wenn auch der Kommunismus dort einen gewissen Einfluß hat, so beschränkt er sich bloß auf einen Teil der jüdischen Jugend. Diesem Einfluß muß entgegengetreten werden, aber nicht ausschließlich durch Unterdrückungsmaßnahmen. Riehtiger wäre es, sich der Strömungen innerhalb der jüdischen Bevölkerung zu bedienen. So sammelt z. B. die zionistische Bewegung in den Ostgebieten in ihren Reihen die Intelligenz und die fortschrittlichen Elemente. Unsere Beziehung zum Zionismus neigt zur Ablehn u n g und wir entschließen uns eher, die Orthodoxen und Folkisten zu unterstützen. Aber wir müßten tiefer auf den Grund der Dinge blicken und unsere Beziehungen zum Zionismus einer Revision unterwerfen, wenn wir die russischen und kommunistischen Einflüsse in den Ostgebieten bekämpfen wollen. Für uns ist ein zionistischer Jude besser, als einer, der den ganzen Tag im Glieder sitzt oder In russischer Sprache kommunistische Propaganda betreibt. Es muß ganz offen gesagt werden, daß Zionisten und Folkisten, und sogar der ״Bund“, in den Ostgebieten einen positiven Faktor darstellen, während die um das Beth Hamidrasch und um den Cheder konzentrierten jüdischen Massen wohl voller Loyalität gegenüber der Regierung sind, aber zugleich vollkommen gleichgültig gegenüber allen Erscheinungen und Problemen des polnischen Staatslebens. Diese Masse lebt mit dem Talmud, die moderne Wissenschaft betrachtet sie als eine Sünde, und mit der polnischen Kultur hat sie nichts zu tun. Aus eigenen Kräften werden wir nicht dazu imstande sein, die Mauern dieses geistigen Ghetto zu durchbrechen. Der einzige Ausweg ist die Begründung von Grundschulen für ji'1dische Kinder, die Sabbat halten, mit jüdischen Lehrern, die in polnischer Unterrichtssprache lehren, aber auch gut hebrätsch können. Solche Schulen gibt es in den Ostgebieten bisher nicht und daher .erfüllen jlle privaten Schulen, ■sowahtdie hebräischen der Tarbut 11-Grgahisätiori, als auch die jiddischen der ״Schulorganisation“, eine wichtige kultu re Ile. Mission. Diese Schulen führen die jüdische Jugend aus den mittelalterlichen, finsteren Chadarim heraus. Da- 11er sollten diese jüdischen Schulen unter besondere Regierungsaufsiclit genommen werden. Die Schulen kämpfen jetzt mit großen materiellen Schwierigkeiten und man sollte von Regierungs wegen die Gehälter derjenigen Lehrer bezahlen, die polnische Unterrichtsgegenstände unterrichten. Manche von diesen Schulen stehen auf einer sehr hohen pädagogischcn Stufe und verdienen in vollem Ausmaß durch die Regierung oder die Städte unterstützt zu werden. Aber Grundschulen sind nicht alles. Wollen wir den Separatismus der Juden vermindern, dann gibt es keinen besseren Weg zu diesem Ziel als die Errichtung von Handiverkerschulen und technischen Schulen für jüdische Kinder. Die polnische Politik in den Ostgebieten müßte sich bemühen, die Juden zu einem aktiven Element für den polnischen Staat heranzubilden. Ohne Zweifel bedeutet das Gesetz über die Sonntagsruhe für die Juden einen schweren Schlag. Der jüdische Handwerker kann nicht verstehen, warum man von ihm verlangt, zweimal in der Woche zu feiern. In der Praxis führt das auch zum Bruch des Gesetzes über die Sonntagsruhe und das ist sowohl für die Juden wie für die Regierung nicht gut. Die jüdische Bevölkerung der Ostgebiete wird von der Wirtschaftskrise besonders schwer betroffen. Eine richtige Behandlung des jüdischen Steuerzahlers, Gewährung von Darlehen und Ermäßigungen würden sehr viel dazu beitragen können, die jüdische Bevölkerung für die polnische Staatsidee zu gewinnen. Wir machen uns auch darin eines großen Fehlers schuldig, daß wir uns nicht bemühen, mit der jüdischen Intelligenz zusammenzulcben, unter der es eine große Zahl von Personen mit höherer Bildung gibt. Es ist heute undenkbar, daß ein jüdischer Abiturient, der ein polnisches Staatsgymnasium besucht hat und die polnische Sprache ausgezeichnet beherrscht, einen Regierungsposten, sei es auch nur als ״Kanzelist“, erhält oder in diesem oder jenem Regierungsamt angestellt wird. Das alles ruft bei den Juden eine tiefe Niedergeschlagenheit hervor und bringt sie zu der Ansicht, daß sie von der polnischen Gesellschaft als Menschen betrachtet «׳erden, die irgendwie schlechter sind, als Bürger zweiter Klasse. Und doch handelt es sich darum, daß die Juden in den Ostgebieten nicht bloß passiv in ihrer Loyalität verharren, sondern warme Patrioten des polnischen Staates «׳erden; daß sie, ohne ihre nationalen und religiösen Besonderheiten aufzugeben, zu gleicher Zeit aktiv an der Befestigung des polnischen Staates mitarheiten.“ Das von Friedr. Wilhelm Leerster herausgegebene ״Organ für grundsätzliche Orientierung“, ״Die Zeit“, veröffentlicht 1m zweiten Juliheft 1930 als Antwort auf einen im Februar 1930 in der Zeitschrift erschienenen Aufsatz von A. Win ohr a d s k i über die Lage der Juden in Polen einen langen Artikel unter dem Titel ״Die Juden im neuen Polen“ von einem ungenannten Autor, hinter dem sich aber, aller Wahrscheinlichkeit nach, ein polnischer Offiziosus verbirgt. Der Aufsatz ist sehr geschickt, bringt eine Fülle von Material und versucht zu beweisen, daß die Situation der Juden in Polen infolge zahlreicher Ursachen nicht anders sein kann als sie ist. Der Autor bemüht sich darzutun, daß auf seiten der polnischen Regierung der beste Wille vorherrscht, daß man jedoch einer günstigen Ent- Wicklung Zeit lassen müsse. Die Ausführungen sind in einem unpolemischen Tone gehalten und können in einem Uninformierten leicht den Eindruck erwecken, daß die polnisch-jüdischen Verhältnisse eigentlich nur halb so schlimm sind, Der Kenner ״ 4: Uff!;14 :k4- 1