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Jüdische Rundschau · 1930-06-27 · Heft 50 (27.6.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 50 (27.6.1930)
Date
1930-06-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 50. 27. VT. <930 JUEDISCRE RUNDSCHAU Sehe 341 ' Die Todesurteile von Lemberg Vor einigen Tagen verurteilte das Lemberger Geschworenengericht drei angeklagte jüdische Kommunisten wegen Hochverrats zum Tode. Die Verurteilten, ein Student der Chemie und zwei Handelsangestellte, standen im Alter von 22 bis 24 fahren. Es ist das erstemal, daII in Polen Koramu• nisten lediglich auf Grund ihrer Gesinnung, ohne daß sia irgendwelche mit anderen Paragraphen des Strafgesetzes kollidierende Taten begangen hätten, zum Tode verurteilt wurden. Leider ist die Welt dermaßen verhetzt, daß matt sich nicht traut, ein offenes Wort m sagen auch in solchen Fällen, wo dies iin Interesse von Menschen liegt, die des Kommunismus verdächtig sind. Auch auf jüdischer Seite ist man durch die dauernden Vorwürfe von antisemitischer Seite, daß die Juden Träger der kommunistischen Zersetzungsarbeit sind, dermaßen verschüchtert, daß man leider schweigt, wenn ein Jude in seiner Eigenschaft als Kommunist himmelschreiendes Unrecht erleidet. Denn es ist ein himmelschreiendes Unrecht, wenn man irgendeinen Menschen wegen seiner politischen Ueberzeugung mit dem Tode bestraft, abgesehen davon, daß die Todesstrafe überhaupt niemals von einem Gericht verhängt werden sollte. Natürlich protestieren wir als Menschen gegen jedes Unrecht, das anderen Menschen durch ungerechte Staatliehe oder außerstaatliche Gewalt zugefügt wird. Stärker noch ist unsere Verpflichtung aber, Protest zu erheben, wenn die vom Unrecht Betroffenen Juden sind. Denn die Erfahrung lehrt, daß in solchen Fällen bei der nichtjüdischen Umwelt die Neigung in nur geringem Maße vorhanden ist, initiativ in der Abwehr des. einem Juden »!gefügten Unrechts vor/.ugehen. Die Verschärfung in der Bekämpfung politisch Andersdenkender I1at in der ganzen Welt zugenommen, und die seinerzeit auf das schärfste verurteilten und berüchtigten zaristischen Praktiken werden heute von sehr vielen Staaten überboten, die sich demokratisch nennen. Allerdings muß man feststellen, daß der furchtbare Massenterror gegen politische Gegner, der sich erfrecht, in dem Kleid des Rechtes aufzutreten, von Sowjetrußland ausgegangen ist. Dort wurden zuerst Zehnlausende von politischen Gegnern kurzerhand vertilgt. Die Wahrheit gebietet, zu erklären, daß der Zarismus niemals so rasch mit der Todesstrafe bei der Hand war wie die Sowjetregiearng. Das zaristische Regime schickte in die Verbannung, was sicherlich furchtbar und unmenschlich gewesen ist. Die Sowietregierung erachtet die Verbannung nicht als die normal höchste Strafe, sondern als eine milde Verurteilung. Der vieljährige Terror der Sowjetregierung hat willige Nachahmer in der Weit gefunden. Gewalt gebiert Gewalt! Es läßt sich natürlich nicht nach weisen, daß die Verruchtheiten des weißen Terrors in Ungarn und die schreckliehen Justifizierungen in den Baltischen Staaten sowie die vor einigen Tagen in Lemberg verhängte Verurteilung zum Tode nicht erfolgt wären, wenn Sowjetrußland nicht mit seinem, Jahre hindurch praktizierten, Beispiel vorangegangen wäre. Sicherlich haben aber die Tscheka, die G. P. U. und die Sowjetrussische Justiz durch ihre Massentötungen zur Verrohung der politischen Sitten und der politischen Rechtsprechung in der ganzen Welt beigetragen. AH das kann nicht verhindern, daß man in schärfster Weise egen das Schreckensurteil von Lemberg protestiert. Als in alästina 26 Araber wegen scheußlicher Morde, die in vielen Fällen nichts anderes als Raubmorde waren, zum Tode verurteilt wurden, haben sich unter den ersten Menschen, welche gegen die Vollstreckung der Todesstrafe protestierten, viele Juden und Zionisten gefunden. Dieses jüdische Beispiel veraniaßte auch weitere Kreise, sich dem Proteste anzuschließen. Es ist jetzt wieder eine Gelegenheit für Gegner der Todesstrafe gegeben, ihre protestierende Stimme zu erheben. Noch eine Bemerkung: Als Zionisten sind wir weder für noch gegen den Kommunismus. Es tut uns aber in der Seele weh, daß sich jüdische junge Menschen in ihrer Verzweiflung •— denn in den meisten* Fallen handelt es sieh ׳um einen ^Zustand des Verzweifeins über die Lage der Juden und über die Weitordnung — sq hemmungslos der kommunistischen Propagandatätigkeit hingeben. Wir haben vor einiger Zeit die psychologischen Hintergründe aufzuhellen versucht, aus denen heraus Juden auf der Flacht vor der Not des Judeseins sich in radikale Bezirke drängen. Wir verstehen, daß Juden ebenso wie Nielitjuden an Verschwörungen teilnehmen, und sich für ideale opfern, die allgemein menschlich genannt werden. Was uns bedenklich stimmt, ist die übermäßige Zahl solch jüdischer Adepten der Weltrevolution und die Intensität, mit der diese Adepten glauben ihre Sache vertreten zu müssen. Das soll kein Tadel sein, aber eine Feststellung, welche dartun soll, daß diese Juden mehr als sic es selbst wissen und wahr haben wollen, in ihrem Verhalten durch die anormale Situation des jüdischen Volkes bestimmt werden. Auch daß unter den schwersten und ersten Opfern der radikalen Parteien in der ganzen Weit so viele Juden an hervorragender Steile stehe!!, auch das ist ein Symptom der Judenfrage. m. w. Tagung des Konlinentalbnndes zionistischer Mädchenvereintgangen Man schreibt uns: Vom 27. Juni bis zum 2. Juli L J. findet in Prag der fünfte Bundestag des Konfinentalbundes zionistischer Mädchenvereinigungen statt. Der Kontinentalbund hat im vergangenen Jahre eine bedeutsame Veränderung erfahren. Während er bis vor kurzem eine reine Galuthorganisation darstellte, die es sich zur Aufgabe machte, Mädchen, besonders aus assimilierten und dem Judentum entfremdeten Kreise heranzuziehen und sie dem jüdischen Leben und dem Zionsgedanken nahezubringen, ist in letzter Zeit hauptsächlich unter den Mädchen des Kontinentalbundes in Polen eine junge Hachscharabewegung entstanden, in deren Konsequenz einige Mitglieder des Konfinentalbundes auf der Chaltizfarm in Komorau (C. S. R.) als Gruppe des Konti nentalbund es bereits ihre landwirtschaftliche Ausbildung erhalten. Für die Entwicklung des Bundes ist es von Wichtigkeit, daß im Sinne der Zusammenarbeit mit der zionistischen Frauenorganisation und der Zusammenfassung aller Mädchengruppen unter eine einheitliche Führung Verhandlungen mit der ״Wizo“ geführt wurden, die noch vor dem Bundestag abgeschlossen werden sollen. Der Kontinentalbund hat das von der Palästina-Exekutive der ״Wizo“ empfohlene Projekt praktischer Palästinaarbeit ״Schaffung von Fachbibliotheken für die Schülerinnen der Mädchenfarmen der ,Wizo‘ in Palästina“ in Angriff genommen. Derzeit steht die Londoner Zentrale der ,,Wizo“ wegen Aufnahme der in Hachscharah befindlichen Mitglieder des Kontinentalbundes in die Institutionen der ״Wizo“ mit der Palästina-Exekutive in Unterhandlung. Die effektive Zusammenarbeit ist somit eingeleitet. Diese und andere Probleme, organisatorischer und ideologischer Natur, sollen bei dem bevorstehenden Bundestag des Kontinentalbundes zur Sprache gelangen, um die Struktur und Arbeit des Bundes für das kommende Jahr festzulegen. Die Sitzungen des Kontinentalbundes werden durch eine Freitagabend-Feier, die von der Prager Kultusgemeinde für die Teilnehmerinnen der Tagung veranstaltet wird, eingeleitet werden. An den Bundestag schließt sich die Bundesreise, die heuer in den Böhmerwald führt und mit einer Donaufahrt ihren Ab- Schluß findet. Alle jene, die sich für den Kontinentalbund und seine Arbeit interessieren, sind eingcladen, an dem Bundestag und an der Bundesreise teilzunehmen. Diesbezügliche Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an das Sekretariat des Kontinentalbundes Wien, II״ Praterstraße 66/30. Berliner ZionistiscHeVereinigung Montag, den 30.3unl, abends 8H Uhr im Gartenual der Loge, Kieiatatraße 10 Dr. Imst Simon, Jerusalem ״Der Zionismus in Palästina“ Freie Ansprache Ostjudentagung in Rheinland-Westfalen Am 15. Juni fand in Essen eine Tagung des Gruppenverbandes des Ostjudenverbandes für Rheinland und Westfalen statt, an der zahlreiche Delegierte sowie zwei Mitgliedcr der Exekutive, Dr. Taubes Und Benzion Fett und als Ehrengäste die Rabbiner Dr. Samuel und Dr. Hahn, sowie Dr. Epstein- Duisburg und als Vertreter des poinisehen Konsulats Sekretär Pi ec hock i teilnahmen. Die Tagung wurde geleitet von Dr. Büschel- Essen und Fuchs- Oberhausen, ln den Eröffnungsansprachen wurde auf die Wichtigkeit der Tagung hingewiesen, die die Notwendigkeit einer Zusammenfassung und Zusammenarbeit aller Ostjuden dartun sollte, sich mit der gegenwärtigen Notlage zu befassen habe und über die zukünftige praktische Arbeit bcraten müsse. Von Rabb. Dr. Samuel wurde die Bedeutung der Ostjuden im jüdischen Leben, von Dr. Epstein- Duisbürg wird die unbedingt notwendige rechtliche Gleichstellung von Ost- und Westjuden betont. Dr. Taubes- Berlin referierte über ״Unsere Aufgaben״. Besonders beachtenswert waren die Ausführungen, die Dr. Taubes in bezug aut die Stellung des Verbandes zum Nationaljudentum machte. Benzion Fett, dessen Referat sich mit den Fragen der Gemeindearbeit und der Stellung des Ostjudenverbandes hierzu beschäftigte, kam im Laufe seiner Ausführungen, noch einmal auf die Vorgänge bei der letzten Landesverbandslagung, auf der man seine Worte, zu denen er auch heute noch stehe, falsch ausgelegt habe. Er habe das Wort ״degradieren״ in dem Zusammenhangf gebraucht, die Ostjuden würden dagegen kämpfen, daß die jüdischen Gemeinden zu Nur-Religionsgemeinden verwandelt werden. Von den Diskussionsrednern sei erwähnt, daß Dr. Epstein noch einmal darauf hinweist, daß Fett das Wort ״degradieren“ im Sinne von ״verengen“ gebraucht habe und nichts anderes unter seinen Ausführungen zu verstehen sei. Er betonte ferner, daß die Ostjuden mehr als bisher ihre Rechte selbst vertreten müßten, was er besonders bei dem Ministerialerlaß vom August 1929 vermißt habe. Rabbiner Dr. Hahn bat, nicht nur Zionisten und Liberale gegeniiberzustellen und sich für die Zionisten zu entscheiden, sondern die Gruppe derer nicht unter den Tisch fallen zu lassen, die sich der Jewish Agency angeschlossen haben und vielleicht als zukunftsweisend zu betrachten seien. Sie vertreten die Interessen der Ostjuden ebenso stark wie die Zionisten und stimmten, obwohl sie teilweise noch 1'n den Reihen der Liberalen fungieren, doch nicht mit deren politischer Tätigkeit überein. Man war sich allgemein darüber einig, daß versucht werden müsse, der W i r t s c 11 a f t s 11 o t, die besonders die Ostjuden treffe, zu steuern durch Gründung von Darlehns- Lassen und Kreditgenossenschaffen und daß der Aufgabenkreis der Gemeinde heute ein weit umfassenderer sei als früher; in die Arbeit sei all das aufzunehmen, was positiv jüdisch sei. Es sei selbstverständlich für den Ostjudenverband, in jeder Beziehung sich den Gruppen anzuschlicßcn, deren Hauptarbeit in der Schaffung positiv-jüdischer Werte bestehe. All die Gedankenginge wurden zusammengefaßt in verschiedene Resolutionen, deren wichtigste hier folgen. Antrag Brodinger-Duisburg: Der 8. Delegierteuf,1g des Gruppenverbandes Rheinland und Westfalen des Verbandes ostjüdischer Organisationen legt einstimmig■ Protest gegen die Sperrung der bereits bewilligtet! Zertifikate zur Einwanderung nach Palästina seitens der Mandatarmacht ein und sieht darin einen Verstoß gegen die durch die Balfour- Deklaration übernommenen Verpflichtungen. — Es wurde beschlossen, diese Protest-Resolution dem englischen Konsulat in Essen zu übergeben. Antrag Brodinger: Der Delegiertentag möge eine Kommission wählen, die mit dem Zionistischen Gruppenverband über die Landesverbandswahlen zu verhandeln hat, sowie mit allen dem Verband nahestehenden positiv-jüdisch eingestellten Gruppen. Antrag: Der Deiegiertentag des Gruppenverbandes stellt, um Mißverständnisse zu vermeiden, fest, daß der Verband ostjüdischer Organisationen nach wie vor eine überparteiliche, positiv jüdisch eingestellte Organisation ist. Unter Bezugnahme juf die in der letzten Reichskonferenz gefaßten Resolutionen bezüglich des Palästinaaufbaues, fordert der Delegiertentag die Mitglieder des Verbandes auf, ihr Bestes herzugeben, um die Bildung eines gefestigten jüdisch-nationalen Zentrums in Erez-israei zu ermöglichen. Antrag 1. Die wirtschaftliche Notlage, die alle Gruppen des deutschen Judentums drückt, lastet besonders stark auf den Ostjuden. Der Deiegiertentag ersucht die Exekutive, die notwendige Hilfe anzustreben, a) durch Schaffung einer Antralstelle für soziale Arbeit bei der Exekutive bei möglichster Wahrung der Autonomie der Ortsgruppen, b) durch Gründung von Daiiehnskassen in den einzelnen Gruppen auf genossenschaftlicher Basis, c) durch engste Zusammenarbeit mit den örtlichen Gemeindewohlfahrtsstellen und Zentralstellen für Durchwandererfürsorge. Als Vorsitzender der neuen Exekutive wurde Dr, B ü s c h e F Essen gewählt, zu Mitgliedern der Exekutive die Herren Fuchs-Oberhausen, Brodinger -Duisburg, Feidmann- Bochum, J e Jin- Düsseldorf, K rak o wski-Barmen, Presch el-!Dortmund, Hirsch-Gelsenkirchcn, als Vertreter der Jugend Le ine r t - Düsseldorf. Berliner Zionistische Vereinigung Vortragszyklus Dr. S. Kanowitz ״Das deutsche Judentum“ im K. J. V., Charlottenburg, Bleibtreustrafie 50. 4. Vortrag: Mittwoch, den 2. Juli, ahtnds av,uhr: ״Der Antisemitismus und seine Wirkung auf dieJuden“ 5. Vortrag: Mittwoch, den 16, Juli: Die Jugendbewegung des deutschen Judentums Briefe an die Redaktion Hamburg, den 13, Juni 1930. Verehrliche Schriftleitung der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W. Unter der Ueberschrift ״Die koschere Verpflegung der Palästinareisenden“ veröffentlichen Sie in Nr. 44/45 ihres gesch. Bfattes eine Beschwerde von jüdischen Passagieren des Schiffes ״Carnaro“ vom Lloyd Triestino. Auch wir haben Anlaß, uns der Beschwerde vollinhaltlich anzuschlicßcn, wenngleich es uns scheinen will, als ob die von uns bereits im April an den Lloyd Triestino gerichtete Beschwerde immerhin zu einer relativ bedeutenden Besserung geführt hat, denn unser Gewährsmann bekam während der ganzen Seefahrt nur eine halbe Dose Ficisehkonserven, während die Passagiere des ״Carnaro“ ganze zweimal Würstchen bekamen. Auf unsere erwähnte Beschwerde antwortete der L. T., er werde für eine Besserung Sorge tragen. Selbstverständlich würde es für die jüdischen Passagiere am besten sein, wenn eine rituelle Küche geführt würde, wie es vor mehreren Jahren schon der Fall war. Allerdings müßte die ganze Sache erheblich anders aufgezogen werden als damals, denn die von uns vermittelten Ritualköche haften soviel Schwierigkeiten zu überwinden, daß wir schließlich ־die Verantwortung für die Entsendung des Küchenpersonals nicht mehr tragen konnten. Auch die Beschaffung von zuverlässig koscherem Fleisch in Triest hat seinerzeit große Schwierig- Leiten gemacht. Etwaige Schritte ־zuständiger Stellen müßten u, E. auch diesen Punkt ins Auge fassen. Wir bitten Sie, die obigen Zeilen in Ihrem gesch. Blatte zu veröffentlichen. Hochachtungsvoll Verein zur Förderung ritueller Speisehluser e. V., Hamburg 11. * llldfsehe Gaststätten Der ״Centraiverein“ bringt wie alljährlich ein Verzeichnis von judenfeindlichen Gaststätten. Meines Erachtens wäre es nützlicher, wenn er seinen Mitgliedern die Adressen von jüdischen Gaststätten bekanntgeben und deren Besuch empfehlen würde. Wohl existiert ein ״Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser“ in. Hamburg, der ein Verzeichnis herausgibt, das jedoch nur dessen Mitglieder erhalten und welches viele Lücken aufweist. Namentlich bei den Orten außerhalb Deutschlands. So findet dieser Verein z. B, in Preßburg (Bratislava) kein einziges Speisehaus, obwohl dort dutzenae streng rituell geführte Restaurants vorhanden sind. Für Wien sind nur drei oder vier Lokale angegeben. Das Restaurant Hermann Kohn in Salzburg, wolf-Dittrichstr. 14, fehlt, ebenso das gute rituelle Restaurant Heller in Eg er, Marktplatz 28. Auch das Restaurant Weißberg, Venedig, Calle S. Gallo ist ausgelassen. ln Nizza fehlt das Restaurant Arras, Rue Baequis 7, in Triest Pension Weißmann, Corso Vittorio Emanuele 83 usw. Mit einem Wort, die Zusammenstellung ist sehr dürftig. Es wäre nun meines Erachtens ein verdienstvolles Unternehmen, wenn ein wirklich vollständiges Verzeichnis von jüdischen Gaststätten (wo zumeist Sammelbüchsen des KKL. sind) als Beilage zum Kalender des Keren Kaj e m c t h erscheinen könnte, zumindest für Mittel- und West- Europa, wodurch nicht nur die betreffenden Speisehäuser, die mitunter auf exponiertem Posten sich befinden, eine Förderung erfahren, sondern auch die Einnahmen des Keren Kajemeth gesteigert würden, da man den betreffenden Kalender öfter zur Hand nehmen dürfte und auch die Wirte sich erkenntlich zeigen würden. Wien, 24. Juni 1930. B. Grünhut Ortsgruppen Frankfurt a. M. Am 15. Juni 1930 fand eine stark besuchte Generalversammlung der Zionistca-Revisionisten, Ortsgruppe Frankfurt a. M. statt. Aus dem Jahresbericht ergab sich eine außerordentlich umfangreiche Versammiungstätigiceit der Par* tei. Alle Wahlen, an denen die Gruppe teilgenommen hat, zeigten den außerordentlichen Aufschwung der revisionistisehen Bewegung. Die Zahlen der Mitglieder haben sich im Laufe eines Jahres versechsfacht. Durch die Tätigkeit der Gruppe entstanden zwei revisionistische iugendorganisationen (Zeire-Misrachi-Revisionistcn und Brith Trumpefdor), die sich beide in guter Entwicklung befinden, im Laufe der nächsten Beit finden größere öffentliche Veranstaltungen statt. Weiterhin wird eine Herzi-Feier als Treffahrt der drei Frankfurter revisionistischen Organisationen in den Taunus geplant. Die Neuwahl des Vorstandes ergab Wiederwahl des 1. Vorsitzenden, Herrn Dr. Paul Arnsberg und die Wahlen der Herren Fritz Selka und Ing. Richard Jacoby als stellv. Vorsitzende. Weitere Mitglieder des Vorstandes sind die Herren: Jakob Feder (Zerner), Samuel Kornreich, Leopold Rotholz, O. Drfalowsky (Brith Trumpeldor), cand. jur. Marcus Schimmel (Brith Trumpeldor), S. Sturm, Ernst Hamburger, Henrik Lissauer (Zerner). Hindenburg (O.-S.) Am 23. Juni sprach in einer Ortsgruppensitzung Herr Karmi aus Erez-lsracl über die Ereignisse daselbst seit August 1929. Herr K. wies auf die besondere Notwendigkeit einer Unterstützung der KKL.-Aktion für den Balfour-Wakl hin. ln der Diskussion beleuchtete Herr Gold die Situation vom revisionistischen Standpunkt. Ferner spraehen Herr Rabb. Dr. Kaatz, Dr. Weinstein, Herr Schallamach und R.-A. Müller. Für die Balfour-Wald-Aktion wurden Vorbereitungen getroffen, die das Gelingen derselben gewährleisten. Die Synagogen&chlndung am Kottbusser Ufer. Am 23. Juni elangte vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte die Schändung er Synagoge am Kottbusser Ufer durch Nationalsozialisten zur Verhandlung. Von den sechs angeklagten jungen Burschen wurden fünf zu je fünf Monaten Gefängnis ohne Bewährungsfrlst verurteilt, während das Verfahren gegen den sechsten ausgesetzt wurde. Der Staatsanwalt hatte eine Strafe von neun Monaten beantragt, was den nationalsozialistischen Verteidiger veraniaßte, demonstrativ den Saal zu verlassen. Die Angeklagten benahmen sich zunächst rüpelhaft, wurden jedoch vom Vorsitzenden Steinhaus zur Ordnung gewiesen, worauf sie kleinlaut wurden und sich gegenseitig als die Hauptschuldigen bezeichneten. In der Verhandlung wurde festgestcllt, daß die jungen Leute von langer Hand Sammlungen zur Beschaffung von Farbmaterialien zu Propagandazwecken eingeleitet hatten. Allerdings redeten sich die Burschen heraus, daß sie eine Propaganda auf dem Pilaster beabsichtigt hätten. Da jedoch die Ausführung der Pflasterpropaganda durch den allzu lebhaften Verkehr behindert war, entsclilossen sie sich zur Aktion auf den Mauern der Synagoge. Allerdings seien sic alkoholisiert gewesen. — Die jungen Burschen haben die exemplarische Bestrafung verdient. Schade, daß man die wirklich Schuldigen, die Hetzer in der nationalsozialistischen Presse für diese und andere Untaten nicht vor Gericht zur Verantwortung ziehen IfifMtft• .. PWBi

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