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Jüdische Rundschau · 1930-06-17 · Heft 47 (17.6.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 47 (17.6.1930)
Date
1930-06-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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/ Nr. 47, 17. VI. 1930 Presseschan ״Sunday Times“ veröffentlichte vor einigen Tagen einen Leitartikel, in welchem der Erwartung Ausdruck gegeben wurde, daß die Arbeiterregierung durch freiwillige Zurück» Ziehung des Verbots der jüdischen Einwanderung nach Palästina sich vor der Mandatskommission des Völkerbundes und der Gesamtwelt rehabilitieren wird. Die Suspendierung deT Einwanderung hat in drei Erdteilen leidenschaftliche Proteste hervorgertifen, die für England, das genug mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, untragbar sind. Die Verhältnisse in Palästina rechtfertigen ein solches Verbot in keiner Weise. Es gibt keine Arbeitslosigkeit, alle Einwanderer werden von der Industrie lind der Landwirtschaft absorbiert. Der Verlauf der Ereignisse ist mehr als sonderbar. Erst werden Juden in ihrem Nationalheim massakriert, dann geht eine Kommission in das Land, die, anstatt die unmittelbare Verantwortlichkeit festzustellen, ihre Agenden überschreitet, das Mandat, die Juden und jeden angreift, nur nicht die Mörder. Die Regierung aber, statt diesen nachlässig aufgesetzten parteilichen Bericht in den Papierkorb zu werfen, hängt derweil das Mandat an den Nagel, bis irgendein anderer kommt und berichtet. Dieses Vorgehen muß nicht allein die Juden, sondern alle, die um unseren internationalen Ruf besorgt sind, empören. Die Regierung sollte um jeden Preis ein Verbot, das uns auf internationalem Boden soviel Schaden verursacht hat, zurückziehen. Zionistische Jugendkonferenz in Budapest Auf Initiative der Zionistischen Jugendorganisation von Ungarn (Hitachduth Hanoar Behungaria) fand am 8. und 9. Juni in Budapest eine Konferenz der parteipolitisch nicht festgelegten zionistischen Jugendverbände Europas statt. Die Konferenz war außerordentlich gut beschickt, und zwar von zionistischen Jugendverbänden folgender Länder: Kongreß-Polen, Galizien, R11minien, Oesterreich, Tschechoslowakei, Ungarn, Deutschland und Holland. Verbände aus Italien und Jugoslavien haben neben Begrüßungsschreiben auch Zustimmungserklärungen für die gemeinsame Arbeit, die auf der Konferenz beschlossen wird, übersandt. Der erste Tag war dem Thema ״Zionistische Er- Ziehung“ gewidmet Dr. Werner Bloch, Berlin, hielt ein umfangreiches Referat, in dem grundsätzliche Fragen zionistischer Erziehung behandelt wurden. An dieses Referat schlossen sich kurze Korreferate von M. Ehrenfeld (Holland) und J. Rundstein (Krakow). In den Referaten und auch in der Debatte wurden im wesentlichen die Erziehungsprobleme der allgemeinen zionistischen Jugend herausgearheitet, und zweifeilos dienten das Referat und die gesamte Debatte stark zur Anregung für die weitere Arbeit in den Verbänden, die Delegierte entsandt hatten. Der zweite Tag war dem Thema ״Organisierung zionistischer Jugend“ gewidmet. Zu dieser Frage erstattete das Referat Dr. Theodor L a n tos (Budapest). An das Referat schloß sich eine Debatte, an der sich sämtliche Delegierten beteiligten, in welcher einmütig die Ueberzeugung zum Ausdruck kam, daß die zionistische Jugend, die parteipolitisch nicht festgelegt ist, einen ständigen Kontakt miteinander haben müsse. Auf der Konferenz wurde neben einer Protestresolution gegen die Suspendierung der Einwanderungszertifikate folgende Resolution angenommen: Die Konferenz vom 8. bis 9. Juni in Budapest beschließt die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft zionistischer Jugendverbände, die sich auf der Grundlage folgender Richtlinien bildet; 1. Die Arbeitsgemeinschaft erstrebt die Erweckung und Stärkung des jüdischen nationalen Willens zur Teilnahme an der Arbeit für die Lösung der Judenfrage durch den Aufbau eines freien jüdischen Palästina auf Grundlage jüdischer Majorität. 2. Die Arbeitsgemeinschaft erstrebt den Zusammenschluß aller Verbände, die auf dem Standpunkt des bedingungslosen Zionismus stehen. 3. Die der Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Verbände sehen cs als ihre Aufgabe an, an der Erneuerung und Stärkung der Zionistischen Weltorganisation aktiv mitzuarbeiten. 4. Die zionistische Erziehung in den der Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Verbänden hat so zu sein, daß die Ent- Scheidung für die persönliche Teilnahme für die Mitglieder am Aufbau Erez-Israels gefördert wird. In diesem Sinne bedeutet Chafuziuth die freiwillige individudle Entscheidung junger Juden, nach Palästina zu gehen, in einem Beruf, zu dem sie persönlich geeignet und fachlich gut vorbereitet sind. Die Zentralstelle der Arbeitsgemeinschaft zionistischer Jugend befindet sich in Holland (Adresse: Joodsche Jeugdfederatie, Amsterdam, Deurlvostraat 106). Watdei für die Vertreterversammlnng der B. Z. V. Der Hauptvorstand der Berliner Zionistischen Vereinigung hat beschlossen, die Neuwahl der Vertreterversammlung aus zuschreiben. Der Wahltermin wird noch bekanntgegeben. Wahlberechtigt sind alle männlichen und weiblichen Mitglieder der B. Z. V., die mindestens 18 Jahre alt sind, soweit die Rechte der Mitgliedschaft nicht ruhen, d. h., wenn ein Mitglied trotz dreimaliger Mahnung mit inehr als einein Quartalsbeitrag im Rückstände bleibt. Das passive Wahlrecht ist an die Vollendung des 20. Lebensjahres gebunden. Es sind 42 Mandate zu vergeben. Die Wahlen erfolgen geheim nach dem Proportionalsystem und dem Prinzip der gebundenen Listen. Die Wahlvorschläge sind spätestens am Dienstag, dem 1. Juli, vormittags 10 Uhr, im Büro der B. Z. V., Meinekestr. 10, einzureichen. Der Wahlvorschlag muß mindestens von 30 wahlberechtigten Mitgliedern der B. Z. V. eigenhändig (mit Ruf- und Familiennamen) unterzeichnet sein, von denen einer als für weitere Verhandlungen bevollmächtigter Vertreter zu bezeichnen ist. Kein Wähler darf mehr als einen Wahlvorschlag unterzeichnen. Von jedem Vorgeschlagenen muß die schriftliche Zu- Stimmung zur Aufnahme in den Wahlvorschlag und ein Schriftliches Versprechen der pflichtmäßigen Ausübung des Amtes beigefügt werden. Bewerber dürfen auf mehr als einem Wahl- Vorschlag kandidieren, jedoch nur auf einem an erster Stelle. Die Bewerber sind mit Ruf- und Familiennamen und in erkennbarer Reihenfolge aufzuführen. Ein Wahlvorschlag darf auch mehr oder weniger Bewerber enthalten als Delegierte zu wählen sind. Mehrere Wahlvorschläge können miteinander verbunden werden. Die Verbindung muß von den Vertretern der betreffenden Wahlvorschläge ebenfalls spätestens am Dienstag, dem 1. Juli, vormittags 10 Uhr, dem Büro der B. Z. V. gegenüber übereinstimmend schriftlich erklärt werden. Wir fordern hierdurch zur Einreichung von Wahlvorschlagen auf. Der Hauptvorstand der Berliner Zionistischen Vereinigung. Max Baer, Wahlkommfssar. JUEDISCHE RUNDSCHAU Sette 323 Die Schekelsammluns 5690 Die Zionistische Exekutive teilt telegraphisch mit, daß sie den Schlußtermin für die Schekelsammlung mit Rücksicht auf die Möglichkeit eines Kongresses auf den 31. Juli d. J. festsetzt. Wir fordern daher alle Gruppen und Schekelvertrauensleute dringend dazu auf, die Schekelsammlung zu beschleunigen und die gesammelten Schekelgelder unter Aufgabe der einzelnen ScheKclzahler schnellstens an uns abzuliefem. Postscheckkonto: Berlin 8091. Bankkonto: Darmstädter und Nationalbank, Depositenkasse De, Berlin W 15, Kurfürstendämm 52. zionistische Vereinigung tor Deutschland Landesschekeihomtnlssion ״Die sozialpolitischen Strnklunvandlungen in Palästina“ Unter diesem Titel veröffentlicht AlfrcdBonne — schon bekannt durch verschiedene Arbeiten über palästinensische Finanzwirtschaft und Statistik — den ersten Teil einer größeren Studie, der sich mit dem Thema ״Einfluß der jüdisehen Einwanderung“ beschäftigt. Diese Frage ist ja heute besonders aktuell nach den Unruhen, nach dem Bericht der Shaw-Kommission und der sich gegen ihn richtenden Polemik. Da ist es mir zu begrüßen, daß unabhängig von der politischen Diskussion und von präsumierten Thesen das reine Tatsachenmaterial in einer gründlichen Weise beigebracht wird. Der Verfasser untersucht den Prozeß der Umf o r m u n g, der sich heute durch die jüdische Kolonisation in Palästina abspielt und zunächst, als wichtigstes, eine Transformation der Bevölkerung selbst herbeigeführt hat. Hier ist das Ergebnis: Zunahme des jüdischen Bevölkerungsteils von 9 ׳״!> vor dem Kriege bis etwa 20 1928 0׳,״, —- sodann jedoch Zunahme der städtischen Bevölkerung im allgemeinen, teils durch die jüdische Einwanderung, teils durch arabische Binnenwanderung. Die Zusammensetzung der Immigration und das Wachstum Tel Awiws werden weiter beleuchtet. — Hieran schließt sich eine Erörterung über die Wandlungen im Lebensstandard der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Einströmen großer Mittel für militärische Zwecke und für die Neuinvestierungen der jüdischen Immigranten. Das Preisniveau im Lande verschob sich außerordentlich nach oben: die Preissteigerung im Vergleich zu 1914 um 80—100 ״/» (Index des Großhandels 240, des Kleinhandeis 200 gegenüber 1914) ist höher als in vielen anderen Ländern. Eine der wichtigsten Ursachen ist hierbei die Ver- Schiebung des Konsumbedarfs — hauptsächlich hinsichtlich der Wohnweise: Behausung und Hausrat, besonders auch bei der arabischen Bevölkerung, zeigt sich die Niveauerhöhung — mit wichtigen Wirkungen für den Import; eine wichtige Folge ist die Umschichtung der Einkommensverteilung mit einem Steigen der Löhne. Aus jüdischen Quellen allein sind bis 1929 etwa £ 35 Millionen in das kleine Land geflossen. — Sodann untersucht Bonn 6 die Wirkung der Einwanderung auf die Landwirtschaft, auf ihre äußeren Formen (Arbeitsmethoden, Geräte, Stallbau u. dgl.) und ihre innere Struktur (Ent- Wicklung neuer Zuchtgebiete, Einführung künstlicher Düngemittel, erhöhte Mannigfaltigkeit der Kulturen) vor allen Dingen durch die Initiative der jüdischen Kolonisation. Ziffernmäßig wird die Vergrößerung der Anbaufläche im allgemeinen, der Pflanzungskulturen, der Waldbestände, auch die Schwächung der bisherigen Großgrundbesitzungen durch die jüdischen Bodenkaufe auseinandergesetzt. — Der Schluß dieses ersten Teils befaßt sich mit den Wandlungen im Verkehrswesen. — Vergrößerung des Eisenbahnnetzes um 300 «•0׳ gegen 1913, Einführung des Telefons, Verdoppelung des Brief* Verkehrs, Einführung des Automobils: 1928 gab cs 2627 Personenwagen, Autobusse, Lastwagen und Motorräder gegenüber 1 (einem!) im Jahre 1913. Charakteristische Wandlungen hat die Umsatzsteigerung im Außen- und Binnenhandel hervorgerufen. 1912 betrug die Einfuhr £ l 500000, die Ausfuhr £ 1 150 000; 1928 dagegen £ 7 Millionen, bzw. 2 Millionen, also ein Wandel zu Lasten der Handelsbi- 1 a n z von 100:30! Der Einfuhrwert pro Kopf betrug 1913 40 Mark, 1927 160 Mark. Dies wirkte natürlich auch auf das Steuersystem, besonders durch das Steigen der Importzolle ein. Industrielle Entwicklung, Banken und Hypothekenwesen werden kürzer behandelt. Der Verfasser kündigt einen zweiten Teil an, der sich mit den politischen und nationalen Wandlungen in Palästina beschäftigt. _ Ausstellung Flechtheim. Bei Flechthcim, Lützowufer 13, ist jetzt eine der interessantesten Ausstellungen zu sehen, die man je zu Gesicht bekam. 51 Maler und Bildhauer wetteifern in der Portraitierung einer merkwürdigen Frau, der Schau- Spielerin Maria L a n i, die vermutlich ungarischer Abstammung ist. Soweit unsere Kenntnisse reichen, sind von den 51 Malern vier Juden, und zwar Marc Chagall, Max Band, Chaim Soutine und Pascin, der ehemals Pincas hieß, aus Rumänien stammte und vor einigen Tagen in einem Anfalle von Melancholie in Paris Selbstmord beging. Auffallend die vielen Portraits von Sur-Realisten. Starken Eindruck hinterlassen eine Skizze von Matisse und ein Portrait des Japaners Foujita. Wieviel Juden sich unter den übrigen 47, französische und exotische Namen tragenden, Künstlern verbergen, ist nicht durchsichtig. Man ewinnt aber den Eindruck, daß sich hinter mancher wohllügend romanischen Firma Künstler jüdischer Abstammung verbergen. . . . Die Ausstellung ist sehenswert und ihr Besuch lohnend. s. בית־העם העברי, המועצה לעבודה עברית בין הנער. אגודת המורים לעברית עורכים במוצאי שבת. 21. ליוני, ביצעה 9 בערב בבית־העם (רחוב גרולמן 36>. - נשו* א. של ו נם ק י. בתכנית: א. הרצאת א. שלונסקי על הספרות העברית החדשה. ב. הקראת משיריו על ידי המחבר. ג. דקלומים משירי א. ש לוג ס קי ע״י יוסף גול נ ד (חבר ה״אהל״>. מחיר הכניסה 50 es. Berliner zionistische uereinlgung Vortragszyklus Dr. S. K a n 0 w i t z ״Das deutsche Judentum“ im K. J. V., Bleibtreustraße 50 Der 4. Vortrag: ״Der Antisemitismus und seine Wirkung auf die Juden“ ist vom Mittwoch, dem 18. Jom. auf Mittwoch, den 25. «Juni, abends 872 Uhr, verlegt werden Ortsgruppen Beuthen O.-S. Am 29. Mai fand im Kaiscrhofsaale von der Zionistischen Ortsgruppe und der revisionistischen Fraktion eine Protestversammlung gegen die Einwandmmgssperre statt. Nachdem der 1. Vorsitzende, R.-A. Dr. Frankel, die Ver- Sammlung eröffnete, sprach als Vertreter der Ortsgruppe Herr Wachsmann - Beuthen. Er wies darauf hin, daß vor den August-Unruhen Palästina eine sehr erfreuliche Aufwärts«!twicldung zeigte, die nicht nur den Juden, sondern auch den Arabern zugute kam. Die Krise, die sich seit den August-lJnruhen in Palästina zeigte, führte er auf die falsche englische Politik zurück. Herr Wachsmann betonte, daß, was auch immer kommen möge, man unbedingt auf dem Standpunkt des Baseler Programms, der Nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina stehen und als Voraussetzung dafür unbeschränkte Einwanderung fordern müßte. Der Hauptreferent des Abends, Herr Nußbaum־ Breslau, wies darauf hin, daß die Sperre zu einer Zeit geschehe, in der wirtschaftlich Palästina eine beson- ״ders starke Einwanderung benötige. Unser Protest sei bisher stets zu leise gewesen. Die Jewish Agency habe unsere Forderungen nicht stark genug betont. Der Zionismus sei Volks- Wille und diesen Volkswillcn müsse England anerkennen und danach seine Politik richten. Nach Schluß des Vortrages wurde seitens der Ortsgruppe folgende Resolution cingcbracht: ״Die am 29. Mai 1930 im Kaiserhofsaale zu Beuthen versammelten Zionisten erheben aufs schärfste Protest gegen die Suspendierung der Einwanderung nach Palästina; sie erblicken in dieser politischen Maßnahme eine Verletzung der von der englischen Regierung im Mandat übernommenen Verpflichtungen und der heiligsten Gefühle des jüdischen Volkes. Sie fordern die sofortige Freigabe der Einwanderung nach Palästina als der unerläßlichen Grundlage des jüdischen Aufbau- Werkes.“ Seitens der Revisionisten lag noch eine zweite Rcsolution vor, die einen neuen Kongreß mit Neuwahlen forderte. Von der Versammlung wurde jedoch die Abstimmung über diese Resolution abgelehnt. Herr Arnold Wiener-Beuthen richtete dann noch einige Worte an die Versammlung, indem er darauf hinwies, daß unsere Leitung hinsichtlich unserer Forderung nicht nur an die englische Regierung, sondern an andere Regierungen sich wenden sollte, in deren Ländern Juden besonders stark vertreten sind. Insbesondere dachte er an die po I ni s c h e Regierung, die man darauf hinweisen wollte, wie notwendig es auch für ihr Land wäre, wenn bei der schweren wirtschaftlichen Lage den Juden ihres Landes die Möglichkeit gegeben wäre, teilweise auszuwandern. H. W. Revisionistische Protestkundgebungen. Es wird uns berlchtet: Die Partei der Zionisten-Revisiomsten, Breslau, veranstaltete am 4. Juni 1930 eine zionistische Protestkundgebung anläßlich der Suspendierung der Einwanderung nach Palästina. Es sprachen Dr. Herrmann Cohn, Dr. Fritz Becker und M. N u ß b a u m. Hierauf wurde die nachstehende Resolution einstimmig angenommen: ״Die am 4. Juni 1930 von der revisionistischen Ortsgruppe Breslau einberufene^ Zionistenver- Sammlung protestierte aufs schärfste gegen die Einwanderungssperre in Palästina und betrachtet dies als Verletzung des Mandats. Sie verlangt in Uebereinstimmung mit der öffentlichen Meinung der meisten Länder die sofortige Durchführung von Neuwahlen für den alsbald einzuberufenden 17. ordentlichen Kongreß.“ — Eine analoge Protestresolution wurde von der revisionistischen Gruppe in Beuthen angenommen. Dresden. Am 3. Juni fand eine stark besuchte Protestkundgebung gegen die Suspendierung der Einwandererzeiüfikate statt. Nach einem längeren Referate von Moses Waldmann (Berlin), der ausführlich die Entwicklung der letzten Ereignisse schilderte, wurde auf Vorschlag Dr. Le vys eine Protestresohrtion angenommen. In dieser heißt es am Schluß: ״Wir haben die nötigen Mittel zum Aufbau Palästinas aufgebracht, weil wir volles Vertrauen in die britischen Regierungen setzten, und wir wünschen dieses Vertrauen weiter zu bewahren. Wir verlangen deshalb die Annullierung des Einwanderungsverbotes.“ Mit einer Ansprache des ersten Vorsitzenden, Herrmann Schocken, schloß die eindrucksvolle Versammlung. Essen. Am 29. Mai fand hier im Gemeindesaal eine gut besuchte Protestversammlung gegen die Ein wanderungssperre statt, in der die Herren Oberregierungsrat Dr. Marcus (Diisseldorf) und Agronom Huterer sprachen. Zum Schluß schlug Herr Dr. Mansbach eine Protestresolution vor, die angenommen und dem Essener englischen Vi/ekonsul zur Weiterleitung übergeben wurde. Frankfurt a. M. Anfang April sprach Dr. Leibowitz, Bad Homburg, innerhalb des Vortrags-Zyklus ״Zur Soziologie und Geistesgeschichte des Mittelalters“ über ״Jüdische Aerzte im Mittelalter“. — Ende April berichtete Dr. M. Solo weltschik, Berlin, über die Londoner Tagungen des A.-C. und der Jewish Agency. — Am 19. Mal gab Dr. Emst Simon, Jerusalem, einen Bericht über die politische Entwicklung Palästinas. Er führte aus, daß eine neue Zielsetzung notwendig sei: Verzicht auf die Forderung des Herzischen Judenstaates, auf die Hoffnung einer Erlösung der jüdischen Massen durch Palästina und die Hoffnung, dort die Mehrheit bilden zu können. Das Zahlenverhältnis zwischen Juden und Arabern werde gleichgültig, sobald der Wunsch nach einem jüdischen Macht- Staat falle. — Im Verband jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit referierte Frau Löw-Taehauer am 20. Mai über ״Orientierung zur Ortsgruppenwahl“. — Die diesjährige General- Versammlung der Zionistischen Vereinigung fand am 22. Mai statt. Bei der Neuwahl des Vorstandes ergab sich ein Wahlkampf zwischen einer revisionistischen und einer Einheitsliste. Es wurden in den Vorstand gewählt: Dr. Arthur Rosen- Watt (Allg. Zion., 1. Vorsitzender), Dr. S. Auerbach (Allg. Zion., stellv. Vors.), Hugo Hecht (Allg. Zion., stellv. Vors.), R.-A. Julius Simon (Allg. Zion.), Jacob Dränger (Radikal), Paula Frenke! (Allg. Zion.), Konsul E. Mokrauer (Misrachi), Ernst Kahn (Poale Zion), Jacob Wodovvski (Radikal), Alfred Adler (Allg. Zion.), j. Weichselbaum (Zerre Misrachi), Dr. Paul Arnsberg, Ernst Hamburger, Dipl.-Ing. Richard Jacoby, Henrik Lissauer (sämtlich Revisionisten). Die Generalversamm- Jung nahm einen Protestantrag gegen die Suspendierung der Zertifikate und einen Antrag auf Einberufung eines außerordentlichen Kongresses an. Ph. R. Gießen. Hier sprach am 19. Mai Dr. Werner Bloch vor einem hauptsächlich aus Nichtzionisten bestehenden Publikum über das Thema ״Der junge Jude der Gegenwart“. Zahlreiche aufmerksame Zuhörer nahmen seine Ausführungen, die stellenweise die Form eines Bekenntnisses annahmen, mit Beifall auf. ln der nachfolgenden Diskussion eroberte sich der Redner durch seine gründliche Ehrlichkeit besonders die Sympathien der Jugendlichen. Schade ist nur, daß bei den Juden manchmal der ״Verdrängungsapparat“ so gut und schnell arbeitet. Noch einige ähnliche Veranstaltungen ■werden die Eindrücke befestigen und uns neue Freunde gewinnen. Etwas mehr Mut bei den hiesigen Zionisten und eine Ortsgruppe könnte florieren. Notwendige und hinreichende Voraussetzung ist aber, daß die großstädtischen Ortsgruppen einen gesunden Expansionsgeist entfalten. Karlsbad. Auf seiner Tournee durch Nordwestböhmen kam Herr Prof. Dr. Heinrich Loewe, Berlin, der in Bodenbach, Aussig und Komotau bereits gesprochen hatte, auch nach Karlsbad. Donnerstag, den 22. Mai, sprach er in der Zionistischen Ortsgruppe über ״Jüdischen Humor“. Sein mit lebhaftem Beifall aufgenommener Vortrag zeichnete sich durch gediegene Sachkenntnis, verständiisvnfte« EinffihUs» in die Materie (hier

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