Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 39 (20.5.1930)
- Date
- 1930-05-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 272 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 39, 20. V. 1930 Gesellschaft zur Erforschung der Musik des Orients Auf Grund der Initiative des Komponisten Mordechai Sandberg hatten sich vor mehreren Monaten eine Reihe prominenter Berliner Musikwissenschaftler zu einer ״Oesellschalt der Freunde eines Musik-Forschungs- und Lehiinstitutes“ zusammengetan. Der Plan scheiterte jedoch, wurde aber unlängst von den Herren Professoren Franz Schreker und Georg Schünemann in erweiterter Form wieder aufgenammen. Die Gesellschaft heißt jetzt: ״Gesellschaft zur Erforschung der Musik des Orients“. Ihre erste Veranstaltung fand Ende April in der Hochschule für Musik statt. Das zahlreiche Auditorium bestand aus den namhaftesten Berliner Musik- Wissenschaftlern und Pressevertretern. Das einleitende Referat hielt Professor Johannes Wolf. Er betonte darin mit Nachdruck die Notwendigkeit einer Rettung der bodenständigen Musik des Orients. Durch Forschungsreisen, Schall- Plattenaufnahmen und Publikationen sollen die praktischen und theoretischen Aufgaben gelöst werden. Die Dringlichkeit dieser Aufgaben ist ja von Sandberg immer wieder und wieder gepredigt worden und es scheint, als ob die Einsicht in diese Dringlichkeit, die der j'ü di sehen Oeffentlichkeit wohl _ angestanden hätte, vorderhand mehr auf seiten der allgemeinen europäischen Musikwissenschaft liegt. — Das Hauptreferat hielt Dr. Robert Lachmann, bekannt u. a. durch sein Büchlein über die Musik des Orients (das wir in unserer letzten Musikbeilage würdigten). Lachmann gab eine gemeinverstindliehe Uebersicht über Wesen und Ziele der orientalischen Musik, die bekannterweise der europäischen Musik diametral entgegengesetzt und daher von allen Zweigen der Musik der Forschung am schwersten zugänglich sind. Wir haben es hier mit einer ganz jungen Wissenschaft zu tun, deren Ergehnisse von Lachmann folgendermaßen angedeutet wurden: Die Melodik des Orients ist linear — ohne scharfe Trennung der einzelnen Töne. Der Gebrauchswert dieser Musik ist nicht — wie in Europa — das Artistische. Am sorgfältigsten wurde bisher die jüdische Musik des Orients untersucht (durch Idelsohn, dessen Schriften bereits wissenschaftliches Gemeingut sind). Nach kurzer Schilderung der bekannten Fakten ging Lachmann etwas auf die übrige Musik des Orients ein. Zu den allgemeinen Merkmalen der Musik von Marokko bis Indien gehört die von vornherein festgelegte Thematik, die die schöpferische Phantasie in einer für den Europäer ungeahnten Art in Fesseln legt. In Indien lebt noch der Glaube an die magische Wirkungskraft der Musik z. B. an die Glück oder Unglück bringende Wirkung bestimmter Musiktypen, wie wir es von der Musik des Altertums (China!) kennen. Es wurde dann noch die Musik der Berberei und der Beduinen ־ kurz gestreift. Zum Schluß gaben zwei Orientalen sehr interessante Proben tunesischer Gesangsmusik unter eigener Begleitung der dort üblichen Volksinstrumente Ud (Zupfinstrument) und Tarr (Schlaginstrument). Der Klang dieser Instrumente ist zither- und peitschenartig. Die Begleitung besteht in einer sehr lebhaften und kunstvollen Figuration, Die fremdartig-schöne Melodik spielt sich innerhalb eines geringen Tonumfanges ab. Für das Formale sind kleine Perioden, lange Fermaten und große Pausen charakteristisch. Die Rhythtnik ist asymmetrisch; Taktstriche in unserem Sinne gibt es nicht. Trotz geringer äußerer dynamischer Erhebungen vollzieht sich in diesen kleinen Liedformen ein starkes dynamiscjhes Geschehen. Am Ende führte Herr Muhammed Lagrebf, einer der beiden Ausführenden, witzig und überzeugend vor, wie seine europäischen Schüler diese selben orientalischen Lieder interpretieren: mit völliger Verschiebung des Tempos, Europäisierung der tonaien Verhältnisse, Verzerrung des Ausdrucks, Alice Jaeob-Loewenson. Ueber ״Die Malaria und deren Bekämpft!!» in Palästina“ schrieb jüngst Dr. Sigismund Peiler im ״Zentralblatt für Bakteriologie, Parasitenkunde und Infektionskrankheiten" (I. Abt., 116. Bd., Heft 2/3). Er bespricht und kritisiert die bisherige Malariabekämpfung, die sich auf ״Therapie, Brutstättenkontrolle und Bodenassanierung“ beschränkt hat, während man den ״Schutz des Individuums" (mechanischer Schutz der Wohnungen gegen Anopheles-Fliegen, keine Wohnungsprovisorien, kein Kampieren in Zelten in verseuchten Gegenden, ausreichende Ernährung, Erziehung zur persönlichen Prophylaxe) vernachlässigt har. Eine ständige Gefahr bietet auch die Nachbarschaft malariaverseuchter Araberdörfer, deren Sanierung in gemeinsamem jüdischen und arabischen Interesse liegt. So ist auch der Rückgang der Malaria 1923—1925 nicht auf deren bessere Bekämpfung, sondern auf den ״meteorologischen Faktor" zurückzuführen, wie auch die Morbiditätszunahme nach dem regenreichen Winter 1925/26 beweist. An unsere Abonnenten! Die Post verlangt die Anmeldung der vom 1. Juli 1930 an zu liefernden Exemplare jetzt bereits 3 Wodien vor Quartalsbeginn. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebühren von denjenigen Abonnenten, die die Jüdische Rundschau" direkt bei uns abonnieren, in den ersten Junitagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zweck Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, im eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, dab diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst UnregelmÄbigkeiten in der Zustellung der ״Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im Mai 1930. Verlas ,jüdische Rundschau" Berlin W15, MelnekestraBe 10 Me Wahlen zum österreichischen Zionistentag Die am 13. Mai stattgefundenen Wahlen des Kreises Wien zum Delegiertentag der österreichischen Zionisten hatten folgendes Ergebnis: 1. Allgemeine Zionisten (Listenführer Dr. Jacob Ehrlich) 1524 Stimmen; 2. Demokratische (radikale) Zionisten (Listenführer Robert Stricker) 864; 3. Revisionisten (Listenführer Dr. Karl Pollack) 317; 4. Hitachduth (Listenführer Dr. Gelbard) 256 Stimmen. Von den 60 Wiener Mandaten entfallen auf die Allgemeinen Zionisten 31, auf Hitachduth 5, auf die Liste Stricker 18, und auf die Revisionisten 6 Mandate. Die Wahlresultate in der österreichischen Provinz sind noch nicht bekannt. MIsrachlstlsche Arbeitsgemeinschaft Am 11. und 12. Mai fand in Köln eine Sitzung der ״Arbeitsgemeinschaft misrachistiscber Verbände“ statt. Die Zusammenkunft war von den Landeszentralen Belgien, Deutschland und Holland beschickt. Die Verhandlungen wurden von dem Vorsitzenden des Misrachi für Deutschland, Alexander Adler, geleitet. Bezüglich der Abhaltung einer Weltkonferenz des Misrachi wurde folgender Beschluß gefaßt: ״Die in Köln versammelten Vertreter der Misrachi-Landsmannschaften von Belgien, Deutschland und Holland verlangen vom Merkas Ölami die Abhaltung einer Weltkonferenz laut den Bestimmungen in dem Statut des Weltmisrachi. Sollte aus technischen Gründen die Weltkonferenz im Laufe der nächsten vier Monate nicht einberufen sein, ist der späteste Termin zur Einberufung Ende Dezember 193©.“ Der Italiener Dr. Bernardo Ronafdi, der nach Beend!- gung seines Studiums an der Universität Neapel 1927 nach Palästina kam und als Chaluz in Petach Tikwah arbeitete, trat zum Judentum über; die Beschneidungsfeier fand im Hadassah- Hospital statt. Ortsgrappenverband Ostpreußen. Sonntag, den 25. Mat, —Im—^fcrtnn^luu)j!shdBT^in..———i « h c e!r, OltJefcsfr, 10/12, eine Tagung des Gruppenverbandes statt. Tagesordnung: 1. Nach den Londoner Sitzungen und dem Berieht der Shaw-Kommission; Referent: Alfred Berger - Berlin. 2. Aussprache. 3. Gruppenverbandsarbeit. Gruppenverband Sachsen-Anhalt. Sonntag, den 25. Mai, vorm. 11 Uhr, findet im Gemeindehaus in Halle, Germarstr. 12, eine Tagung des Gruppenverbandes statt. Tagesordnung: 1. Nach den Londoner Sitzungen und dem Bericht der Shaw- Kommission; Referent: Alexander A d I e r- Berlin. 2. Ausspräche. 3. Besprechung der Landesverbandswahlen. Referent Rechtsanwalt Dr. Feiixbrodt -Halle. Jiddisches Wissenschaftliches Institut. Donnerstag, den 22. Mai, um (49 Uhr abends, wird in den Räumen der Jüdischen Gemeinde (Rosenstr. 2/4) die ordentliche Vorlesung des Kursus stattfinden. Herr Prof. D. Brutzkus wird einen Vortrag über ״Das Problem der jüdischen Kolonisation“ halten. Gäste sind willkommen. Vermischtes Hebräisches Sommerlager. Von Herrn Dr. Landsberg-Wiesbaden ist uns folgende Anregung zugegangen: Es sollte etwa für die Zeit vom 15. Juli bis 15. September ein hebräisches Sommerlager an einem kleinen Platze in Thüringen oder im Schwarzwald in der Form errichtet werden, daß sich etwa 20 Teilnehmer mit entsprechender hebritischer Vorbildung bereit finden, die Unterhaltskosten und Honorare für ein bis zwei hebräische Lehrer zu bezahlen. Die Teilnehmer dieses Sommerlagers würden dann neben ihrer Sommererholung die Möglichkeit zur hebräischen Konversation unter der Leitung von hebräischen Lehrern haben. Wir bitten alle Interessenten, sich bei uns zu melden: Z.V.f.D., Berlin W15, Meinekestr. 10. Schule der jüdischen Jugend. Ara Stundenplan haben sich folgende zeitliche Aeoderungen notwendig erwiesen: Die Singstunde von Chemia WJenlawer findet Montag abends 8—10 Uhr statt; der hebräische Kurs von Walter Mecklenburg (Diwre Poaloth) am Montag nachmittags von 4(4—6(4 Uhr; der hebräische Kurs von Josef H o r o v i t z (biblische Prosa) Dienstag und Donnerstag, 614—734 Uhr. Der Kurs von Dr. Georg Lubinski: ״Grundbegriffe der Wirtschaft“ beginnt Mittwoch, 21. Mai, 8—10 Uhr; der Kurs über jüdische Kunstgeschichte von Rachel Wischnitzer-Bernstein beginnt Dienstag, 20. Mai, (49 bis 10 Uhr; Kurs Dr. Georg Landauer über politische und wirtschaftliche Probleme des Palästina-Aufbaus Donnerstag, 8—10 Uhr. Der Beginn des Kurses über jüdische Wohlfahrts• pflege mußte bis nach Pfingsten verschoben werden. Sprechstunden des Leiters: Montag und Mittwoch, 6—8 Uhr. Verband Jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit. Während der Sommermonate findet der Verkauf palästinensischer Handarbeiten fKinderkleider, Sommerkleider und -biusen für Damen, Teegedecke, Buntstickereien, Spitzenarbeiten, Barchesdecken, Mazzothtaschen) jeden Donnerstag, von 3—6 Uhr, in der Wohnung von Frau Rechtsanwalt Cohn, Potsdamer Str. 991 (zwischen Kurfürsten- und Bülowstraße), statt. Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina. Gemeinsame Veranstaltung der Gruppen Lichterfelde und Grünewald am Mittwoch, dem 21. Mai, nachittags 4(4 Uhr, bei Frau Kreschower, Steglitz, Schlußstr. 67. Vortrag mit Lichtbildern von Herrn Dr. Ernst Mechner: ״Eindrücke von einer Palästinareise“. Gäste willkommen. — Gemeinsame Veranstaltung der Gruppen Nord west und Nord und Ost am Donnerstag, dem 22. Mai, abends 8(4 Uhr, im Tiergartenhof, gegenüber Bahnhof Tiergarten, Klubzimmer (Eingang durch das Cafö). Dr. Nachum Goldman n spricht über ״Judentum in der Diaspora und in Palästina“. Gäste willkommen. — Gruppe Nord und Ost. Der nächste Studienzirkel findet am Montag, dem 26. Mai, abends 8(4 Uhr, statt. Thema: Der jüdische Sozialismus. Leitung: Frau Dr. Freier. Gäste willkommen. Die Paneuropa-Unfon veranstaltete Sonntag und Montag abend zwei große Kundgebungen in der Singakademie. Es sprachen u. a. Reichsminister Wirth, der Präsident der Union Ccrudenhove-Calergi, Staatssekretär a. D. Amery, Thomas Mann, Loucheur usw. Die Redner und insbesondere der Präsident der Union konnten mit Recht darauf hinweisen, daß durch den Sonnabend den europäischen Regierungen überreichten Fragebogen Briands ihre Idee plötzlich in das Stadium realer Politik getreten ist Die Redner setzten sich für den Gedanken der Völkern!־ jdindiguog..«it! und erhoffen, voa. Paneuropa eine Neuordnung Ser weit; di« die Völker aufreibenden Konflikte unmöglich machen. Dr. Wirth wies darauf hin, daß eine solche Politik der Völkerverständigung, die von der deutschen Reichsregierung mit vollem Herzen angestrebt wird, auch eine entsprechende Innenpolitik notwendig mache, eine Ausschaltung des radikalen Klassen- und Rassenhasses. Von besonderem Interesse war der Vortrag Mr. Amerys, der seine Sympathien für den Gedanken Paneuropa kundgab, aber die Sonderstellung des britischen Wettreiches betonte. Amery gab eine Darstellung des neuen britisehen Reichsgedankens, der auf dem Bündnis gleichberechtigter Staaten beruht, wobei nur der freie Wille der Gliedstaaten das einigende Band ist Um «inen solchen Zustand zu erreichen, muß im Innern volle Freiheit der Sprache, Kultur und Religion gegeben werden, die selbständige, vom Staate nicht kontroilierte Lebensbezirke bilden. Nur auf einem derartigen Grundgedanken der Toleranz könne auch Paneuropa aufgebaut werden. Es braucht nicht betont zu werden, daß gerade für den zionistischen Zuhörer diese Schilderung des Geistes der britisehen Völkergemeinschaft besonders wichtig war. Konkurs Zur Besetzung gelangt die Stelle eines für die Bukowinaer Sammelstelle des iüdisdten Nationalfonds. Offerten sind is zum l.Juni zu richten an das Präsidium der Sammelstelle Cernauti, strada Lascar Lujia 3/27 unter Angabe der bisherigen Erfahrungen' auf diesem Gebiete der Keren Kajemeth-Arbeit und der Spracbkenntnisse, wobei die Kenntnis der hebräischen und deutschen Sprache Grundbedingung ist. 14<W%IU צו empfiehlt ■ich rar Anfertigung eleganter and einfacher Damen י Garderoben zu souden Preisen Berlin W62 Lutherstraöe 47 Garth. Fernsprecher: (6 5) Barbarossa 7838 Doktor-Examensarbeiten Diktate, Abschriften, Uebersetrung-en Vervielfältigungen jeder Art Aushilfen such außer dem Hause. Brati Clara CUnano *früher WoUrtrfo) FlotowstraBe 5 unmittelbar am Bahnhof Tiergarten Tel.: Hansa 5305. Anmeld. 5 bis 1/*9 Uhr morg. ©d. 3-7 nachm. J^OCXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX^ LE VC I M Schweiz § ■ ■I ■ ■ 1400 ■י m ü. M. ö nein a. Formen v. KnocnenKrankheiten S JÜD. KLINIK ״LES GHRVSAHTHfUflES“ א unter der pers. med. Leitung v. 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