Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 38 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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v§m 1 1 Ißflr mm ®mm JUDAICA Soz. Internationale und Pal&stfna~Fragc Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljShrlieh 5,75 GoldmarL AutUndtabonnemaBt» werden im 4m Wihrtm* der ifcwdin■ Linder bereehset Anreipetiprets: 8 *•*p. Honpei-eillereÖ# 0,50 G-M. St«U«af«0adbe 0,25 G.-M. Nummer 38 | Berlin, 16. V. 1930 Redaktion Verlag und Anzeigen ■Verwaltung: Jüdische Rundschau G.nt. b. FL, BerlinW15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. AanismacUaA‘ Dia»ata§ «ari Frsitas ■ •thalita(• 4 Uhr RedaktionsschluS Sonntag und Mittwoch nadunittag. Paitaehsek ■K aata a! Bariia 17392, Basal V 9355, Belgrad 68032 BiÖaaal 39433k Badapa« 596% Daaxl« 1973, H•*« 140 470, Ra* 59410, Straasbur* 164 30, Waiadbao 190 708, Wien 156030. Baak Kaalsai Dananidlar and N«Hon»!Wk. Dercwiren K.»»* Berlin. KurKiratandainni J2; Baaea da lat, Camauti <Raminim1); Angln Pilaxina Co in Haifa, fanmlatn, Tal Aviv. snn *י״ח אייר | xxxv. jahrg. Per Zionismus erstrebt tOr da» JQdlscheVoik «He Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palletlna, ״Baseler Programווו,** Die Ar aber verlassen London Abbruch der Verhandlungen zwischen England und der arabischen Delegation Die Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der palästinensisch-arabischen Delegation sind am 13. ds. Mts. erfolglos abgebrochen worden. Die Delegation kehrt am 23• ds. Mts. unverrichteter Dinge nach Palästina zurück. Ueber den Abbruch der Verhandlungen hat das Kolonialamt folgendes offizielle Kommunique ausgegeben: Die Verhandlungen, welche ln London zwischen Mitgliedern der Regierung und der palästinensisch-arabischen Delegation stattgefunden haben, sind jetzt zu Ende, Die Delegation hat Ihre Anschauungen über eine Anzahl von Fragen, insbesondere über die Bodenfrage, Einwanderung und die Gewährung einer Konstitution, zum Ausdruck gebracht. Die britische Regierung hat von diesen Anschauungen Kenntnis genommen. Es wurde der Delegation mitgeteilt, daß die weitgehenden konstitutionellen Veränderungen, die von ihr gefordert werden, völlig unannehmbar sind, da sie es der Regierung unmöglich machen würden, ihre Verpflichtungen aus dem Mandate zu erfüllen. Es wurde klargestellt, daß keinerlei Vorschläge, die mit den Erfordernissen des Mandates unvereinbar sind, in Erwägung gezogen werden können. Die arabische Delegation teilt der Presse mit, daß sie am 23. Mai London verläßt und sich nach Palästina zurückbegibt. In einer Erklärung a n die Presse sagt die Delegation, sie habe an die britische Regierung folgende drei Förderungen gestellt; 1, daß die.EinWanderung nach Palistina Bodfcn durch gesetzliche Bestimmungen als unveräußerlieh erklärt Werden soll; 3.. daß eine demokratische Regierung in Palästina eingesetzt werden soll, an welcher alle Bewohner des Landes gemäß ihrer zahlenmäßigen Proportion Anteil haben sollen. Das Kommunique fährt fort: ״Wir glauben, daß die erneuerte Untersuchung über’Immigration und Boden, nachdem diese Fragen erschöpfend in dem Shaw-Bericht behandelt worden sind, nichts anderes bedeutet als daß unsere wohlerworbenen Rechte neuerlich in Frage gestellt werden sollen, was im Gegensatz steht zu Gerechtigkeit und Fair play. Infolge des Mißerfolges unserer Besprechungen verlassen wir England mit dem Eindruck, daß die englische Regierung die Araberfrage in Palästina nicht in ger echter Weise lösen kann. Denn die Zionisten üben einen so großen Einfluß auf die englische Regierung aus, daß sie diese verhindern, der arabischen Sache Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Da wir tief überzeugt sind, daß eine Fortsetzung der Usurpation unserer Rechte in Palästina zugunsten der Zionisten unsere nationale Ausrottung und unser Verschwinden aus unserem Lande bedeutet, und daher die Sache für uns eine Frage von Leben und Tod ist, glauben wir, daß unser Volk diese Politik mit allen ihm zu Gebote stehenden gewaltlosen Mitteln bekämpfen wird. Da die arabische und mohammedanische Welt unsere Partner sind, ist es unsere Pflicht, sie mit der gefährlichen Lage bekanntzumachen, welche die Existenz ihres Heiligen Landes und der dort wohnenden arabischen Brüder bedroht. Wir haben jeden Grund zu der Annahme, daß die edeldenkende britische Oeffentlichkeit unserer Sache mit Sympathie gegenübersteht, trotz der von der Regierung eingenommenen Haltung. Wir übermitteln ihr daher den Dank und die Dankbarkeit unseres , Landes.“ ...... . HämBkl' ״vir für allindischen Moslemkonferenz proklamierte Palästina- Tag in Palästina durch völlige Arbeitsruhe zu.begehen ist. Alle arabischen Häuser und Laden sollen an diesem Tage geschlossen bleiben. Mohammedaner Und Christen sollen sichln Moscheen und Kirchen zur Abhaltung besonderer Gottesdienste versammeln und von dort an den High Commissioner und an das Kolonialamt Telegramme senden, die die Aufhebung der Balfour-Deklaration und Errichtung einer nationalen Regierung fordern. Neue Einwanderungszertifikate Die Palästina-Regierung hat der Exekutive der Jewish Agency mitgeteilt, daß auf Grand des Gesuches der Jewish Agency, in welchem die Erforderlichkeit neuer Arbeitskräfte in Palästina an der Hand ziffernmäßiger Unterlagen nachgewiesen wird, für die Zeit von April bis September 1930 von der Regierung Zertifikate für 2300 männliche und 1000 weibliche Einwanderer erteilt werden. Diese Ziffern beziehen sich selbstverständlich nur auf die mittellosen Einwanderer, die als Arbeitsuchende ins Land kommen. Unabhängig davon wird an Einwanderungswillige der andern Kategorien (Personen mit Vermögen, Professionalisten, Angehörige von Palästinasiedlern, deren Unterhalt gesichert ist usw.) von Fall zu Fall die Einwanderungsbewilligung erteilt. Unsere Antwort auf den Shaw*Bericht In den letzten Wochen ist die politische Diskussion innerhalb der zionistischen und der übrigen an Palästina interessierten Welt wieder heftig aufgeflatnmt. Allgemein ist das Gefühl, daß in den nächsten Wochen schwerwiegende Entscheidungen über die nächste Zukunft Palästinas fallen werden. Die Betrachtung der Palästina-Probleme stützt sich gegenwärtig im wesentlichen auf den Bericht der Shaw - Kommission. Der Bericht ist von der jüdischen Oeffentlichkeit mit Enttäuschung aufgenommen worden und bildet den Gegenstand heftiger Kritik. Auch der Geschäftsführende Ausschuß der Z.V. f. D., der auf dem Jenaer Delegiertentag gewählt wurde, hat sich in mehreren Sitzungen gründlich mit dem Shaw- Bericht beschäftigt, und ist zu einer int großen ganzen einheitlichen Beurteilung gelangt, wobei natürlich von persönlichen Nuancen nach der einen oder anderen Riehtung abgesehen werden muß. In der Z. V. f. D. sind Angehörige verschiedener kongreßpolitischer Gruppen vereinigt, so daß in derartigen Fragen eine einheitliche Meinung des ganzen deutschen Zionismus nicht in Frage kommen kann. Obwohl also auch der G. A. sich dessen bewußt ist, daß seine Stellungnahme in einer solchen Sache keine verbindliche Kraft hat, war es doch die einmütige Meinung seiner Mitglieder, daß in einer so verantwortungsschweren Stunde der G. A. verpflichtet ist, den deutschen Zionisten die Orientierung über die Situation zu erleichtern, indem die Anschauung des G. A. in großen Zügen zusammenfassend dargelegt wird. Vier Punkte sind es, die in besonderem Maße die Aufmerksamkeit der zionistischen Welt verdienen. Zunächst die allgemeine Beurteilung des Berichtes und seiner Bedeutung; zweitens die in dem Bericht enthaltene Erörte* tung J|bgr s4die:j׳G13§11dl11ge1t der zu denen insbesondere die Einwanderung und Kolonisation (Bodenkauf) gehören; und schließlich viertens daß Problem der Gestaltung der palästinensischen Kon« stitution. I. Bei der Beurteilung der Bedeutung des Berichtes muß man davon ausgehen, daß — unabhängig von der Stellungnähme zu seinem Inhalt — der Bericht als solcher heute als politische Tatsache gewertet werden muß, die bei jeder Behandlung der Palästinafrage seitens politischer oder administrativer Instanzen in London und in Genf ins Gewicht fallen wird. Es sollte also in der zionistischen Diskussion nicht versucht werden, den Bericht zu bagatellisieren. Die Annahme, daß die Regierung seine Empfehlungen nicht beachten wird, ist durch die Entsendung von Sir John Hope Simpson bereits widerlegt. Bel einem gründlichen Studium des Berichtes muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß die Kommission keine tendenziöse Voreingenommenheit hatte, sondern das ihr unterbreitete Material gewissenhaft bearbeitet hat. Um dies anzuerkennen, muß man freilich den Ausgangspunkt der Kom« mission würdigen, die nicht eingesetzt war, um über die jüdischen Rechte zu urteilen, sondern um die Ursachen der Unruhen, die anerkanntermaßen von arabischer Seite ausgingen, zu untersuchen. Die jüdischen Rechte, die im Mandat verankfert sind, stehen über jeder Diskussion, da die Kommission das Material als Grundlage ihrer Betrachtung nimmt. Da die Kommission ausgesprochen hat, 11t Die Klagemauerkommission (Von unserem Berichterstatter.) Ky. Genf, 14. Mal. In seiner vertraulichen Sitzung von heute hat der Völkerbundrat auf Antrag Hendersons die gemäß dem Beschluß des Rates vom 14. Januar ds. Js. einzusetzende internationale Kommission zur endgültigen Regelung der Klagemauer-Affäre ernannt Die Kommission wird aus folgenden drei Mitgliedern bestehen: Eüel Loef gren (Schwede), ehemaliger schwedischer Außenminister, als Vorsitzender,‘Karl Barde, Richter am Genfer Zivil- und Strafgerichtshof (Schweiz), C. I. van Kempen (Holländer), ehemaliger hoher Beamter der holländischen Koionlalverwaltung. Alle drei Mitgiieder der Kommission sind Protestanten, zwei von ihnen hervorragende Juristen. Als Sekretär der Kommission wird möglicherweise ein Mitglied des Völkerbunds-Sekretariats fungieren. Als deutsches Mitglied der Mandats-Kömmission an Stelle des ausscheidenden Dr. Kastl wurde das Mitglied der Kriegslasten-Kommissfon, Dr. R u p p c 1, vom Völkerbundsrat In geheimer Sitzung ernannt. (Siehe «ich Letzte Nachrichten) Ein zweiter Band des Shaw-Berichtes Die Zeugenaussagen vor der Kommission. Nachdem vor einiger Zeit der Bericht der Shaw-Kommission, der in den bekannten Empfehlungen gipfelt, veröffentlieht worden ist, ist jetzt auch das um f a njrreic he Protokoll der Verhandlungen einschließlich aller Zeugenaussagen in Drufck gelegt worden. Man erwartet, daß dieser zweite Band des offiziellen Berichtes nöch; in diesem Monat erscheinen und dem Parlament als Material vorgelegt werden wird. Memoranden der Jewtsh-Ageney London, 12. Mai. (J. T. A.) Das bereits vor einiger Zeit angekündigte Memorandum, in dem die Jewish Agency zu den Grundfragen des Palästina-Aufhaus Stellung nimmt, Ist nunmehr fertiggestellt und wird dem Kolonialamt überreicht. Gleichzeitig wurde eine ausführliche, auf alle Einzelbeiten eingehende Antwort auf die Feststellungen und Empfehungeln des Shaw-Berichtes abgefaßt. Dieses zweite Memotafldum geht den Mitgliedern des britischen Parlaments und der Ständigen Mandatskommission beim Völkerbund zu. Kurt Blumenfeld in Palästina. Der Vorsitzende der Z.V. fiD., Kurt Blumenfeld, befindet sich auf einer Studienreise In Palästina. Er wird etwa zwei Monate im Lande zubringen. daß es sich um einen arabischen Angriff handelt, betrachtet sie es als ihre Hauptaufgabe, die Motive der Miß- Stimmung, aus der heraus der Angriff erfolgte, zu prüfen, und kommt dabei zur Erörterung der Gesamt- Probleme der Palästinapolitik. Sie stellt fest, daß auch die Unachtsamkeit der Regierung und die systematische Verhetzung durch die arabische Presse als wesentliche Faktoren bei der Entstehung der Unruhen anzusehen sind. Die Mitschuld der Regierung bezieht sich vor allem auf die Zeit vor dem Ausbruch. Sie liegt im wesentlichen darin, daß die Regierung nicht deutlich zu erkennen gab, daß sie eine klare Linie verfolgt, von der sie sich durch keine Pression abbringen lassen wird, ferner in dem Fehlen eines Nachrichtendienstes und in der Zulassung der schrankenlosen Pressehetze; dagegen findet die Kommission das Verhalten der Regierung nach Ausbruch der Unruhen in anbetracht der Umstände unanfechtbar. Die Haltung der palästinensischen Polizeimannschaft erfährt eine scharfe Kritik, doch fällt dieser Punkt außerhalb der Empfehlungen der Shaw-Kommission, da inzwischen — im Einvernehmen mit ihr — eine Spezial-Untersuchung dieses Problems durchgeführt wurde. Wenn die Kommission ferner feststellt, daß die gegen verschiedene Organe der Regierung vorgebrachten Beschuldigungen nicht bewiesen werden konnten, so hält sic sich damit im Rahmen der prozessualen Methode, die V;4־