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Jüdische Rundschau · 1930-05-06 · Heft 35 (6.5.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 35 (6.5.1930)
Date
1930-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 35, 6. V.!030 JOEDISCH1 RONÖSCHÄW Seite 245 Zur Frage der Todesurteile Eine persönliche Anregung Nachdem der Gerichtshof des Privy Council in London sich in der Frage der palästinensischen Mordprozesse unzuständig erklärt hat, sind die in Palästina gefällten Todesurteile rechtskräftig geworden. Die Vollstreckung hat nunmehr auf Anordnung des High Commissioners zu erfolgen, dem allein ein Recht auf Begnadigung der Verurteilten zu steht. Schon vor mehr als einem halben Jahre, nachdem die ersten Todesurteile gefällt waren, sind in jüdischen und zionistischen Kreisen Stimmen laut geworden, die sich dafür aussprachen, daß von jüdischer Seite eine Intervention gegen die Vollstreckung der Urteile erfolge. Die ״Jüd, Rundschau“ hat, solange die Prozesse schwebten, sich einer Meinungsäußerung enthalten, zumal wir der Ansicht waren, daß die Initiative in dieser Sache der Exekutive der Jewish Agency zusteht. Nunmehr aber ist die Frage in das Stadium unmittelbarer Aktualität getreten und ein weiteres Schweigen ist unmöglich. Da die Frage im zionistischen Lager controvers ist, muß der Unterzeichnete ausdrücklich bemerken, daß er nur im Namen seiner engeren Freunde reden kann und keine offizielle Stelle vertritt. Daß wir, die wir überall und allgemein Gegner der Todesstrafe sind, diese Anschauung auch dort gültig sein lassen, wo wir direkt und am nächsten betroffen sind, ist so selbstverständlich, daß darüber wenig ,Worte gemacht werden müssen. Auch das Argument, man dürfe an ein orientalisches Land keine europäischen Maßstäbe anlegen und die Araber könnten nur dadurch eiageschüchtert werden, daß sie ein paar der ihrigen hängen sehen, überzeugt uns nicht, denn immer noch hat in der ganzen Welt die Reaktion Argumente gefunden, die ihr Verhalten im Interesse der Ordnung sehr plausibel erscheinen ließen. Wir sind Gegner der Todesstrafe, also auch in Palästina gegen die Vollstreckung der gefällten Todesurteile. Aber wenn dies gesagt ist, dann gilt es noch den politischen Aspekt der Sache zu überlegen. Seit den Unruhen sind nunmehr 9 Monate verstrichen. Wenn auch die Wogen des politischen Kampfes noch hoch gehen, so ist doch Im Lame selbst da und dort wieder eine Beruhigung, eine Anknüpfung alter Beziehungen, eine leichte Entspannung der mit Haß und Feindschaft überladenen Atmosphäre zu bemerken. Eine Hinrichtung von 20 oder 25 Menschen ift diesem Zeitpunkt müßte aufs neue die Erregung bis zunt Siedepunkt erhitzen. Wenn auch infolge der ständigen Bereitschaft von Polizei und Militär eis Ausbruch von Unruhen sehr unwahrscheinlich ist und jedenfalls im Keime erstickt würde, so ist ein solches Schauspiel der Hinrichtung ein Erlebnis, das ein Volk nicht so leicht vergißt. Auch wir Juden werden die Toten von Hebron und Safed nicht vergessen, aber wir verstehen, daß die Hinrichtung von ein paar Arabern nicht die Genugtuung ist, auf die es uns ankommt. Und bei nationalen Konflikten muß eine Seite den Anfang einer Annäherung machen, sonst kann es niemals zu einem Frieden kommen. Nun wird eingewendet, die Araber würden die Aufhebung der Todesurteile als ein Zeichen der jüdischen Schwäche und als Parteinahme Englands für die Araber deuten. Sie würden, so sagt man, dadurch in ihrer intransigenten Ablehnung des Zionismus bestärkt werden; das Prestige der gegenwärtigen arabischen Führer, die die Aufhebung der Todesurteile als ihren Sieg darstellen würden, würde steigen. Die Araber hätten dann durch die August-Exzesse ohne Verluste alle ihre politischen Ziele erreicht. Dies birgt die Gefahr einer Wiederholung in sich, und wer jetzt für die Annullierung der Todesurteile eintritt, mache sich mitverantwortlich für etwaige künftige neue Morde. Wir verkennen nicht das Gewicht dieser Einwände, wenn sie auch nur zum Teil richtig sind, denn erstens haben auch die Araber im August mehr Verluste an Menschenleben gehabt als die Juden; zweitens haben die Araber noch lange nicht ihre politischen Ziele erreicht. Aber wie dem auch sei, wir glauben, daß die von uns befürwortete Intervention zugunsten der Nichtvollstrekkung der Todesurteile politisch (immer abgesehen vom rein prinzipiellen) nur dann ihren vollen Sinn hat, wenn siealseinWendepunktinderGeschichte der jüdisch-arabischen Beziehungen erscheint. Nachdem die Situation so gründlich verfahren ist, daß kaum mehr Anhaltspunkte für eine jüdisch-arabische Aussprache übriggebiieben sind, nachdem die politischen Repräsentanten beider Teile in ihren Kundgebungen in fntransigenz wetteifern, so daß nach der wohlbekannten Art von auf ihr Prestige vor allem andern bedachten Gruppen jeder Teil sich schämt, als ״verhandlungsbereit“ zu erscheinen, nachdem nun auch die Araber auf allen Fronten der öffentlichen Meinung der Welt zur Offensive übergegangen sind, — bei dieser Situation glauben wir, daß gerade die Angelegenheit der Todesurteile einen Stützpunkt bilden kann, von dem aus d i e s e eiserne Wand durchbrochen wird. En jüdisches Eingreifen in dieser Sache wäre eine Tat, die in der ganzen Welt Resonanz wecken würde. Eine Vollstreckung der Todesurteile, oder aber eine Begnadigung ohne Zutun oder gegen den Willen der Juden, Würde dazu beitragen, die schon jetzt uns nicht freundliche öffentliche Meinung gerade der fortschrittliche» Kreise der Welt noch weiter von uns abzudrängen. Die jüdische Intervention in der Sache der Todesurteile muß verbunden sein mit einer Erklärung, die sich von den bereits?ur Formel erstarrten Wendungen freihält und die menschlichen sowie die natioaalen und politischen Gesichtspunkte in ein neues Licht rückt. Es muß darin zum Ausdruck kommen, daß es unser Wille ist, unter die Vergangenheit einen dicken Strich zu machen, daß wir keine Rache wollen, daß das große Unglück, das Palästina im vorigen Jahre befallen hat, den Beginn einer neuen Aera für Palästina bringen und als ein Zeichen der Notwendigkeit der Verständigung der beiden Völker angesehen werden muß. Von jüdischer Seite muß die Initiative für eine fruchtbare Kooperation beider Völker ausgehen. Eine jüdische Intervention für die zum Tode verurteilten Araber wäre eine gute Geegenheit, auch den breiten Massen des arabischen Volkes die jüdische Haltung und die zionistischen Absichten zu erklären; denn gerade diese Sache betrifft das Volk mehr als die Führer. Man müßte in Palästina und in den Nachbarländern eine intensive Aufklärung in Wort und Schrift beginnen. In einer Angelegenheit, die so viele Menschen nicht nur politisch, sondern rein menschlich so tief beWegt, könnte und müßte das Gehör der arabischen Massen für uns gefunden werden. Diese Vorschläge setzen freilich eine grundsätzliche Aenderung des jetzigen zionistischen Kurses und der in der Bewegung vorherrschenden Stimmungen voraus. Es ist uns daher sehr fraglich, ob un^re Anregung eine Resonanz im zionistischen Lager und in der jüdischen Welt finden wird. Auch ist die Langsamkeit, mit der solche Fragen bei uns behandelt zu werden pflegen, ein gewaltiges Hindernis. Eile tut not! Bevor man sich überlegt hat, ob man etwas tun will, wird die Sache vielleicht schon entschieden sein. Trotzdem halten wir es für unsere Pflicht, mit dieser Anregung vor die zionistisehe Oeff entlichkeit zu treten. RobertWeltsch. Segen die TSIigkeit des Brith Schalom Jerusalem, 2. Mai. (J.T.A.) Das Zentralkomitee des Misrachi und des Hapoe! Hamisrachi und eine Anzahl unparteilicher im öffentlichen Leben tätiger Persönlichkeiten haben in ierusalem eine gemeinsame Versammlung cinberufen, in der eschlossen wurde, eine Kundgebung an Dr. Weizmann zu senden. in der dieser aufgefordert wird, der Tätigkeit des Brith Scnalom und anderer eine separatistische Politik treibender Gruppen ein Ende zu machen. In der •Kundgebung wird diese Tätigkeit als ״schändlich und verräterisch“ bezeichnet. In einer zweiten Resolution wird der gesamte Jischuw aufgefordert, fegen die Tätigkeit des Brith Schalom zu kämpfen. Dieser rötest richtet sich vor allem dagegen, daß Persönlichkeiten aus dem Kreise des Brith Schalom Unterschriften unter eine dem High Commissioner Sir John Chancellor zu überreichende Petition sammeln, in der dieser aufgefordert wird, von seinem Recht, die gegen Araber ausgesprochenen Todesurteile zu annullieren, Gebrauch zu machen. Der Feldzug gegen die Heuschrecken L o n d o n, 2. Mai. (J. T. A.) Offiziell wird mitgeteilt, daß der Feldzug zur Vernichtung der Heuschrecken in Palästina und in den benachbarten Ländern,positive Erg.ebni.s.5e ,ge, zeitigt hat. Die Schwierigkeiten erhöhen sich infolge der Entfernung der Operationszentren voneinander, der Feldzug wird darum wahrscheinlich bis zum Juni andauern. Das Jordangebiet ist bereits von Heuschrecken frei, in den Gebieten Beer Scheba und Auja nähert sich der Feldzug seinem Ende. Auch die Gebiete um Hebron und Jerusalem sind bereits frei, im Nablus- Gebiet aber hat das Ausschlüpfen der Larven bereits begonnen, dort sind JO 100 Dunam von der Invasion betroffen. Das Sa-׳ makh-Gebiet ist zum Teil frei, in den Gegetfden von Migdal, Rosch Pinah, Nazareth, Afuleh, Acre und Gaza sind gewisse Gebietsteile betroffen, fn Trans Jordanien konnten 2648 Tonnen Heuschrecken und 360 168 kg Eier vernichtet werden. Die Krisis nähert sich dort ihrem Ende, in wenigen Wochen wird ganz Transjordanien wohl von Heuschrecken frei sein. In Syrien dagegen ist die Lage kritisch, da neue Schwärme in die Gebiete von Aleppo, Damaskus, Horns, Homa und andere Gegenden ein gedrungen sind. In Aegypten sind das Nildelta, das Niltal und die Kairogegend von aus dem Sinai und aus Arabien eingedrungenen Heuschreckenschwärmen heimgesucht worden. _ Die Jaden Indiens Bombay, 2. Mai. (J.T.A,) Die Juden Indiens, die etwa 25 000 Seelen stark sind, haben dem Vizekönig von Indien, Lord Irwin, ein Memorandum überreicht, in welchem sie den Wunsch aussprechen, bei der Round Tabie-Konferenz zwisehen der Regierung und den Vertretern der verschiedenen Völkerschaften Indiens vertreten zu sein. Sie berufen sich hierbei auf die von der letzten aliindischen Minderheitsvöl■ kerkonferen z aufgestcliten Grundsätze, laut denen jede Minderheit im Lande ein Recht auf Vertretung hat. Bisher waren die luden Indiens, obwohl sie seit vielen Generationen in Indien leben, als ״Europäer“ klassifiziert. Sir David Ezra aus Kalkutta und Herr M e y c r N i s s i m, der soeben sein Amt als Oberbürgermeister von Bombay niedergelegt hat, haben sich nach London begeben, um die Sache der indischen Juden vor der britischen Regierung zu vertreten. ״Jakobs Kampf mit der Erde“ Nicht ein Jude, nicht ein Zionist hat hier gesprochen. Es war der Mensch Armin T. Wegener, der wenige Stücke Lebens aus der Fülle seines Gesehenen uns schenkte. Daher war jedes Wort, das er sprach, jeder Mensch, den er uns sehen ließ, jedes Bild, das er vor uns aufrollte, von einem warmen, echten Hauch belebt. Viele, fast allzuviele Reiseberichte warden in den letzten Jahren von Berufenen und Unberufenen über Palästina geschrieben. Aber von keinem noch war dieser schmale, grausame Landstrich mit solch warmen, lebendigen, aufnahmegierigen Augen gesehen. Hier sprach kein Anwalt der zionistischen Sache, kein Propagandist unserer Idee. Ein Mensch hat hier gesprochen, ein Freund aller Welt und ein Kämpfer um die gerechte Sache der Unterdrückten. Mit der gleichen Wärme und dem gleichen fanatischen Einsatz seiner Persönlichkeit, mit welcher er während der tollsten Kriegsjahre den Notschrei der hingemetzelten, geschändeten Armenier in die Welt hinaus trug, packt er nun und offenbart die stille, aufopfernde Größe unserer Arbeit. Nur kurze Zeit weilte er im Lande, nur knapp sind seine Berichte, aber wie stark und lebendig ist seine Einfühlung! Und wenn er sagt, daß er sich einem Lande wie einer geliebten Frau hingibt — so wird es glaubhaft gemacht seines Bildvermögens, seiner feinen dichterischen Intuition. Der Tourist, der nur dagewesen sein will, der Journalist, der nach der schreienden Reportage rast, sie alle sehen mir die Oberfläche. Um tiefer zu dringen, um in ein Land, in seine Eigenart, seine Problematik, sein Alltagsleben tiefer eindringen zu können, ist ein dichterisches Auge nötig. Und ein menschlich schlichtes, unversiegeltes Herz. Und beides hat Armin T. Wegener. Und so sah er dieses heroische, verzweifelte, aufzehrende, den ganzen Menschen fordernde Ringen. Es ist ein Kampf um die Erde. Um die harte, widerspenstige, ausgesaugte Erde. Unbestochen, unvoreingenommen kam er zu uns. Er wollte nichts als sehen. Und rang nach Verstehen. Daher legt sein Wort und Bild das echteste, ehrlichste Zeugnis ab von der Kraft, Würde und Notwendigkeit dessen, was uns alle erfüllt. Es ist staunenswert, wie treffsicher sein Blick war, wie unvermittelt er die Scheinwerfer seiner menschlichen Intuition mitten auf das nackte Herz der Menschen und Dinge zu werfen versteht. Sei es wenn er von einem arabischen Fischer am Tiberiassee spricht oder vom herben, wehmütigen Humor eines malariakranken Chaluz — überall ist es der Bruder, der sieht und spricht. Er sieht Schatten, ahnt Abgründe, wittert Schicksale. Aber aus allem klingt die starke Bejahung aus wie die mächtigen Akkorde einer Menschensymphonie. Und wahrlich, wie warme, lebendige, innige Musik steigt Mensch und Leben aus der nervösen Hand dieses Dichters hervor. Er habe Dank für sein unmittelbares Menschtum und seine treue Brüderlichkeit. Schlichte Worte, knappes Tatsachenmaterial ließ uns Frau N. M a r g ul i e s aus Palästina hören. Die Zahlen und die Fakta, die sie vorbrachte, fügen sich still den Visionen des Dichters. So sprachen unsere Frauen, die um den Ernst und Härte unserer Aufgabe wissen. Edles Frauentum sprühte *us jedem ihrer Worte, In ihrer Schlichtheit lag Würde. Der Abend war von der Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina veranstaltet. Eleasar Lubrany. Begine Nachemsohn Jüdische Musik in der Berliner Fankstude Da_ _ , seiner Oper ״Columbus“ in Berlin weilt, in der Berliner Funkstunde unter Mitwirkung des Bariton Fred Drissei» eigene Werke. Zunächst hörte man die zweite symphonische Suite. Ein zartes, pastorales, leise romantisches Werk von typisch französischem Orchesterklang. Auffallend gut nahm «ei jut Radio der Anfang des zweiten Satzes'mit einer Art HW»•! melodie aus. Formal recht interessant war auch der dritte Satz, in dem merkwürdig zwischengeworfene Glockenmotive die Vehemenz der Hauptthematik bewußt zurückhalten. — Als zweites Werk folgten die in Berlin schon vielfach aufgeführten ״Chants populaires Hebraiques“, zum erstenmal mit Orchesterbegleitung und — in Deutschland wohl auch zum erstenmal — in französischer Sprache. Was diese Orchesterbearbeitung anlangt, so scheint sie mir, da sie diese volkstümlichen Lieder etwas zu sehr in die Sphäre des Kunstliedes hebt, die klanglichen Details auch nicht so zur Geltung bringt, hier nicht ganz so angemessen zu sein wie die Klavierbearbeitung. Einen ganz seltsamen Eindruck machte die französische Uebersetzung der jiddischen Texte. (״Bonne semalne“ statt ״Oit Woch“, ״Notre Dieu est un et un est notre Dieu“ statt ״Gott ist Einer und Einer ist doch Gott“.) Dadurch wurden diese Lieder, deren Melodik ja vielfach durch das Jiddische noch stark verjüdischt wird, absolut französislert. In diesem Lied (״Mu adabru“) kam auch das wesensnotwendige Rezitativ, das ״Gabrabbel“, naturgemäß nicht richtig heraus. Auf diese Weise ging der eigentliche Charakter der Gesänge fast völlig verloren. Dagegen war es immerhin interessant, diese Musik einmal losgelöst von ihrer speziellen Stimmungs- und Sprachatmosphäre, bis zu ihrem rein-musikalischen Kern entblößt zu hören. — Als drittes Werk hörte man eine Folge von Tänzen aus ״Saudades do Brazil“. Ergebnisse eines Iangen Aufenthalts in den Tropen. Darius Milhaud ist ein wunderbarer Interpret für seine Kompositionen: alles klang klar, zart, leicht, voll Verve und Charme. Alice Jacob-Loewenson. Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: Am 1. Mai 1930 verlor der Jüdische Nationalfonds eine seiner besten und treuesten Mitarbeiterinnen. Mit dem Skandinavischen Zionismus ist der Name Nachemsohn so unlöslich verbunden, daß Alles, was in Skandinavien national- und bewußt-jüdisch denkt und fühlt, um den Tod von Frau Regine Nachemsohn tief und aufrichtig trauert. Eine schlichte und bescheidene Frau, welche bis an ihr viel zu frühes Lebensende -— sie wurde nur 56 Jahre alt — Ahawath Torah mit Chibath Zion verband, war sic unermüdlich und beharrlich in der gro- Ben und in der Klein-Arbeit für den Keren Kajcmeth, der es ihr zu verdanken hat, daß er in allen Kreisen der dänischen Judenheft, auch in solchen, die dem politischen Zionismus ablehnend gegenüberstehen, Popularität gewonnen und Förderung erfahren hat. Und was diese Frau als mütterliche Fürsorgerin Bedrängter und Hilfsbedürftiger war, wissen jene zahllosen Freunde, welche, heute wieder über die Welt zerstreut, das Haus Nachemsohn aus der Zeit des Krieges und den Folgejahren in Erinnerung haben als eine zentrale Stätte jüdisehen Lebens und jüdischer Hilfsbereitschaft. Das Ableben von Frau Nachentsona hinterläßt eine schwere Lücke für die Familie, für den großen Kreis dankbarer Freunde und für die jüdische Sache in Dänemark. Ihr Andenken soll durch die Fortsetzung ihrer jüdischen Lebensarbeit in Ehren gehalten werden, L, L, Maifeier der Poale Zion. Die Berliner Poate-Zlon-Ortsgruppe veranstaltete im Gemeindehaus, Rosenstraße, eine Malfei er, die sehr stark besucht war. Besonders die Jugend war zahlreich vertreten. Die Veranstaltung wurde mit der hebräisehen Internationale eröffnet. Hierauf begrüßte der Vorsitzende, Lipschütz, die Anwesenden. I. Tabenkin, Ein Charod, schilderte die besondere Bedeutung des 1. Mai für die poale-zionistische Bewegung. Das vergangene Jahr hatte für die Arbeiterschaft Palästinas wichtige Ereignisse gebracht: die Unruhen, die Auseinandersetzungen mit den reaktionären Teilen der Kolonistenschaft. Die Klassengegensätze in der ziouistischen Bewegung haben jetzt den Zusammenschluß der Arbeiterparteien gebracht. Wenn es heute In Palästina 30000 organisierte jüdische Arbeiter gibt, so muß sich diese Zahl in Zukunft vervielfachen. — Als zweiter Referent sprach Fritz Naphtali, Berlin. Er schilderte Entstehung und Entwicklung der Maifeier in den letzten 40 Jahren. Wir haben die Hoffnung, daß die Spaltung der Arbeiterbewegung überwunden werden wird. Partei und Gewerkschaft sind eine Einheit; die palästinensische Arbeiterschaft ist gewerkschaftlich und jetzt auch ideologisch vereinigt. Auf uns liegt die historische Aufgabe, daß sozialistische Verwirklichung und nationaler Aufbau zusammenfallen. Wir müssen in Gemeinschaft mit den anderen Teilen des Volkes arbeiten, wissen aber, daß wir ein Glied der Internationale sind. Die Maifeier ®oll diesen Zusammenhang stärken. — Mit Schlußworten des Vorsitzenden Lipschütz, in denen er auf die Bedeutung der hiesigen Arbeitsgebiete in Partei und Gemeinde hinwies, und einigen Liedern schloß die Veranstaltung- In der Berliner Jüdischen Gemeinde besteht die Absicht, im Herbst 1930 eine Ausstellung von Werken jüdisch erKtinstler zu veranstalten, die als eine Art von Gene* ralschau des zeitgenössischen Schaffens gedacht ist.

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