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Jüdische Rundschau · 1930-05-02 · Heft 34 (2.5.1930) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 34 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 240 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 34, 2. V. 1030 Pressestimmen Der Jerusalemer Mitarbeiter der Berliner Zeitschrift ״Der Deutsche Volkswirt“ schreibt seinem Blatte: Bei der Besinnung auf Ursachen, Verlauf und Folgen der Palästina-, Unruhen des letzten Sommers darf eine wichtige Tatsache nicht vergessen werden, die den Friedensbemühungen wesentlieh nützt: das Versanden der wirtschaftlichen Boykottbewegangen. Als die Unruhen ausbrachen, war das Land auf dem besten Wege, den unnatürlichen Zustand des Bestehens zweier mehr oder weniger voneinander getrennter Wirtschaftskörper, eines arabischen und eines jüdischen, zu überwinden. Palästina aber würde nicht in Asien liegen, wäre nicht augenblicklieh, noch im Höhepunkt der Unruhen, die große Waffe Asiens, der Boykott, eingesetzt worden. Die arabischen Kaufleute gründeten eine Boykottorganisation, die eine große Anzahl von Agenten besoldete, deren Aufgabe es war, arabische Käufer, gegebenenfalls auch mit Gewalt, von den jüdischen Geschäften fernzuhalten. Die arabischen Händler hatten bald ihre Lager ausverkauft und bezogen nächtlicherweile die Ergänzung — bei den jüdischen Großkaufleutcn. Daher litt in der Hauptsache nur der jüdische Kleinhandel schwer. Nach Monaten begann die Propaganda gegen die christlich-arabisehen Kaufleute in der mohammedanischen Presse, denen vorgeworfen wurde, daß sie die Preise maßlos erhöhten und große Gewinne aus diesem nationalen Kampf gezogen hätten. Die Antwort auf diesen sehr stichhaltigen Vorwurf, der sich allmählich in einen anticliristlichen Boykott verstärkte, war eine erhöhte Tätigkeit der Straßenagenten, die ihre Bezahlung von den arabischen Kaufleuten bezogen. Plötzlich aber bcmerkte man ein merkliches Nachlassen der antiiüdischen ßovkottbewegung, besonders in Jerusalem. Ein merkwürdiger, geradezu grotesker Zustand war eingetreten: es war zwicken den Kaufleuten und den Boykottagenten zu Lohndifferenzen gekommen, die zu einer Ärbeiteinstellung, zu dem wohl sonderbarsten Streik der Wirtschaftsgeschichte, führte. Dieser Zwischenfall wurde natürlich von den jüdischen Kaufleuten ausgenutzt, indem nun sie stellenweise die Bezahlung der Agenten übernahmen. Als dann endlich die Regierung schärfer zuzugreifen begann, hatte sic nicht mehr allzuviel zu tun, denn sie fand den Boykott, der von seiten der Juden de facto schon längst eingestellt worden war, im Verenden. Zu dem Zusammenbrechen der Bewegung trug neben dem steigenden Widerstand der Mohammedaner gegen die Christen und dem Abfall der um ihren Absatz besorgten Dorfbevölkerung die Drohung der Juden mit einer scharfen ökonomischen Waffe bei. Der Erste des Monats Muharram rückt heran, jener Tag, an dem alle Wohnverträge ablaufen. Der überwiegende Teil der jüdischen Bevölkerung in den Städten — ausgenommen Tel-Awiw — wohnt in arabischen Häusern. ״Verlaßt die arabischen Häuser!“ wurde plötzlich die Losung von Mann zu Mann weitergegeben, und gleichzeitig setzte eine geradezu beispiellose Baubewegung in den jüdischen Stadtteilen ein. Sofort begannen die nationalen arabischen Führer aus jenen paar großen arabischen Familien, die den Großteil der Häuser besitzen, abzublasen; der Boykott muß sofort abgebrochen werden, denn wenn die Juden Ernst machen, bedeutet dies für das arabische Jerusalem allein einen Verlust von mindestens 200 000 bis 300 000 Pfund. Aber die heute so billigen Wohnungen in den zu verlassenen Vierteln werden wieder in die Höhe gehen, da trotz der enormen Baubewegung in den neuen Staatsiedlungen, die leichter zu verteidigen sind, keine Möglichkeit bestehen wird, die ganze wandernde Masse unterzubringen. —- Der Korrespondenz kommt zu dem Schlüsse: ״Die Erfahrungen mit den Bovkottbewegungen in Palästina bestätigen den Satz, daß ein Binnenboykott nicht durchzuführen ist, da selbst die am schärfsten voneinander abgefrenzten Wirtschaftskörper im gemeinsamen Lebens- (und olI-)raum durch tausend unterirdische Fäden miteinander verbunden sind, die der sotäale oder nationale Kampf nur Augenblicke lang unwirksam machen kann.״ * Die ״Voss. Zeitung“ vom 29. v. Mts. behandelt im Leitartikel ״Grüne Revolution“ von Dr. Sven v. Müller die Frage der inneren Kolonisation in Preußen. Es heißt darin: ״ln den Jahren vor dem Kriege sind seit 1885 mit einem öffentlichen Kapitalaufwand von zwei Milliarden Mark 42000 Siedlungen geschaffen worden, die heute zum größten Teil an Polen . verloren sind. Immerhin wäre diese Vorkriegs- Siedlung eine nationale Tat gewesen, ,wenn nicht gleichzeitig mit polnischem Geld eine noch größere Fläche an Gütern aufekauft worden wäre. Was wir nach dem Kriege geschaffen aben, verdient angesichts der schwierigen Geldlage alle Achtung, ist aber doch nicht mehr als ein Tropfen auf heißem Stein. In den Jahren 1919—28 sind in zehnjähriger Arbeit im ganzen Reich 26 343 Neusiedlerstellen auf 259157 Hektar Siedlungsland geschaffen worden, von denen 20 <0/י auf Ostpreußen entfallen. Vergleicht man damit den Kapita'aufwand —■ im letzten Jahre hat das Reich 50 Millionen und Preußen 20 Millionen an billigen Krediten gegeben, zu denen noch 15 Millionen aus Hauszinssteuermitteln kommen —, so erkennt man, daß die Ausdehnungsfähigkeit der bisherigen Siedlungsmethoden finanziell eng begrenzt ist. Vor allem aber bieten durchaus nicht alle neugeschaffenen Siedlungen die Gewähr, daß sie trotz bemerkenswerter Widerstandskraft durch oft Mitleid erregende Einschränkung der Lebenshaltung in der schweren Zeit durchhalten werden. Auf der einen Seite ist durch den bürokratischen Apparat der Siedlungsgesellschaften viel gesündigt worden, auf der anderen aber verlangt das zunehmende Zusammenbrechen von Großbetrieben eine rasche Ueberführung in stärkere Hände, wenn nicht die Krise auch auf gesunde Wirtschaften übergreifen soll. Darum müssen neue Formen der Siedlung gefunden werden, deren Nutzeffekt bei geringerem Kapitalaufwand günstiger ist.“ Dr. Müller schlägt vor, daß man sich der Idee von Prof. Franz Oppenheimer als Grundlage einer Reorganisation bedienen solle. Prof. Oppenheimer bat in der Praxis erwiesen, daß seine Gedanken selbst unter schwierigen Leute- Verhältnissen sich bewähren. — Die Zahlenangaben Dr. Müllers verdienen in zionistischen Kreisen besonderes Interesse. Am 21. April waren 12 Waisenkinder aus dem Kownoer Kinderhaus in Berlin eingetroffen; sie wurden von der Jüdisehen Waisenhilfe Berlin in das Kinderdorf Ben Schemen in Palästina überführt. Die Fraktion der Nationalsozialisten im Thüringer Landtage hat einen Gesetzentwurf über die Regelung des Schlachtens von Tieren eingebracht. Die Annahme dieses Antrages käme einem Verbot des jüdischen rituellen Schächtens gleich. Das hebräischedramatlsche Stadlo Das hebräische dramatische Studio des ״Rats für hebräische Arbeit unter der Jugend“ trat am Sonnabend und Sonntag mit einer Aufführung von ״Bamidbar“ nach David Frischmann erstmalig: an die Oeffentlichkeit und erbrachte nicht nur den Beweis seiner Lebensfähigkeit, sondern holte sich sogar einen ungewöhnlichen Erfolg. Gleichzeitig bewies es die Richtigkeit des Weges, den der Rat für hebräische Arbeit nicht nur mit dem dramatischen Studio, sondern auch mit seinen anderen Einrichtungen, den hebräischen Heimabenden und Chorgesangabenden beschritten hat: Er hat erfolgreich die hebräische Sprache unter der Jugend verbreitet (und wird es, wenn sich erst weitere Kreise für die Aufführungen interessieren, noch in ganz anderem Maße tun) und somit den Grundstein für eine hebräische Atmosphäre außerhalb Palästinas gelegt. Von der Aufführung selbst sei berichtet, daß mit einer heiligen Inbrunst gespielt wurde, wie man sie selbst bei Berufssehauspielern selten findet. Selbstverständlich waren die Leistungen noch ungleich, die Schauspieler stellenweise hefangen und zu sichtbar vom Willen des Regisseurs abhängig, ganz gerundet und einheitlich, voll natürlicher Würde, nur die Schifra der Frau Danja Lcwin, sehr stark auch der Oberpriester des Herrn Ettinger. Trotzdem war der Eindruck von allen sehr stark. — Von der Regie Rafael Zwis muß gesagt werden, daß sie selbst für einen verwöhnten Berliner Theaterbesucher ein Erlebnis war, daß sich niemand der Gewalt dieses reinen Willens zur Kunst entziehen konnte, der unbeirrt von großen Vorbildern (und wie nahe hätte das hier gelegen!) seinen eigenen Weg geht und so die Geschlossenheit und Intensität des starken Gesamteindrucks hervorruft. Allerdings hatte er hervorragende kongeniale Helfer in Erich Walter Sternberg, der die wunderbare packende Begleitmusik geschrieben, und Jenny Berger, die die Kostüme und Dekorationen entworfen hat. Es wäre dem hebräischen dramatischen Studio zu wünscheu, seine Darbietungen auch weiteren Kreisen zugänglieh zu machen, und sich damit gleichzeitig die Mittel zu fruchtbarer Weiterarbeit zu sichern. T.W. * Die Musik zu dem Erstlingsversuch des Berliner hebräischdramatischen Studio wurde von E. W. Sternberg nach arahischen und orientalisch-sephardischen Volksmelodien kotnponiert oder — wie man wohl richtiger annimmt — skizziert. Auf ähnliche Weise, aus parallelen Absichten wie sie dem dramatischen Versuch selber zugrunde liegen. Diese Gesänge, Gebete, Volkslieder sind an und für sich außerordentlieh schön und fesselnd. Am stärksten ist ihre Wirkung natürlieh. dann, wenn sie von den Schauspielern aus dem dramarischen Geschehen heraus gesungen, gebetet, gejammert und getanzt werden. Jede (europäisierende) Begleitung oder Bearbeitung kann hier nur schaden. So war beispielsweise die Verwendung des Klaviers als tragendes Beg'eitinstrument ein mißlungenes Experiment, da es diese Melodik fälschlich auf unser Halbtonsystem reduzierte und man sich wieder in jene romantisch-impressionistische Epoche zurückversetzt fühlte, als man in Klavierphantasien westlicher Struktur orientalische Melodien ״frei verarbeitete“, d. h. sich ihre aparte Koloristik zunutze machte. — Man möchte annehmen, daß dieses Werk für Sternberg, der doch seine außerordentlichen Einsichten und Fähigkeiten auf diesem Gebiete hinlänglich bewiesen hat, nicht eigentlich ein ״Experiment“, sondern mehr eine ״Gelegenheitsarbeit“ darstellt. (Ein Experiment ist doch wohl eine ernstere Angelegenheit!) — Vielleicht stellte die Begleitung auch nur eine Art Klavierauszug dar, zu ״Studienzwecken“ hergestellt. — Es war jedenfalls schade, daß der Intensitätsausdruck des ganzen, das Barbarische und das elgentlieh Orienthafte dadurch flicht unterstützt wurde. Es würde mir ferne liegen, diesen Versuch, diese gleichsam ״pädagogische“ Musik einer prinzipiellen Kritik zu unterziehen, wenn ich nicht wüßte, wie ernst es auch dem Komponisten um die Wiedergeburt einer jüdischen Volksmusik ist und wie er sich auf jede erdenkliche Weise müht, die Vorbedingungen und Gesetzmäßigkeiten einer solchen zu ergründen. Alice Jacob-Loevvenson. Die Keren Hafessod Eingänge im März Auf der Sitzung des Administrativ Komitees der Jewish Agency in London wurde beschlossen, den Plan für das Palästina-Budget der Jewish Agency in seiner vollen Höhe durchzuführen. Da infolge des späten Beginns der Kampagne in Amerika die Ueberweisungen aus den Vereinigten Staaten noch nicht eingetrofien sind, wurde ein Vorschuß in Höhe von £ 100,000 zur Verfügung gestellt, der in den nächsten Monaten abgedeckt werden soll. Auf diesen Vorschuß ist bereits ein Betrag von £ 55,122 gezahlt worden, von dem für das allgemeine Palästina-Budget £ 40,000, für die hebräische Universität £ 3,500, für die Hadassah £ 9,462 und für den Misrachi £ 2,160 verausgabt wurden. Die Finanzlage der Exekutive der Jewish Agency ist jedoch nach wie vor sehr gespannt, da im Monat März keine Ueberweisungen aus den Vereinigten Staaten und auch aus einer Reihe anderer Länder nicht die erwarteten Beträge eingegangen sind. Die Einnahmen des Keren Hajessod für Monat März 1930 erreichten die Summe von £ 18,697.15.4. Davon kamen aus Südafrika £ 2,997.0.0, England £ 2,463.0.9, Holland £ 2,391.0.6, Polen £ 2,174.6.0. Deutschland £ 1,855.2.11, Rumänien £ 1,847.5.2 und aus der Tschechoslowakei £ 1,221.19.8. Die gesamten Einnahmen des Hauptbüros des Keren Hajessod bis 31. März 1930 betrugen £ 4,116,707. Aus den Gemeinden A111 20. April waren cs zehn Jahre, daß auf einer in Nürnberg abgehaltenen Sitzung die vorbereitenden Verbandiungen zur Gründung des Verbandes Bayerischerls־ raeiitischer Gemeinden mit der Annahme der vorläufigen Neumeyerschen Verfassung zum Abschluß gebracht werden konnten. Im Juni 1921 trat der erste Verbandstag (ebenfalls in Nürnberg) zusammen. Man hat den Verband damals mit großen Hoffnungen begrüßt, und heute dart man wohl auch sagen, daß er sich als eine wichtige und wertvolle Institution erwiesen hat, die für die bayerischen Juden außerordentliches geleistet hat und zweifellos auch in Zukunft noch leisten wird. ln Mülheim-Ruhr wurde im Wege der Einheitsliste der Vorstand des ostiüd. Kulturvereins, Herr Max Freudmann, in die Repräsentanz der jüdischen Gemeinde gewählt. Schluß dar Wetdah des Deutschen Hechaluz Am Montag, dem 28. April, wurde die Tagung des Hechaluz fortgesetzt. Zunächst wurde die Generaldebatte fortgeführt und abgeschlossen. Man beschäftigte sich u. a. mit den Fragen der Mädchenhachscharah und dem Problem der Stellung der Frau in der Kibbuzim. Es sollen Richtlinien für die Ausbildung der Mädchen geschaffen werden. Weiterhin spielte die Frage der Finanzierung der Alijah eine Rolle. Auch Fragen des Budgets wurden erörtert. Auf erzieherischem Gebiete liegt eine Schwierigkeit darin, daß die älteren Mensehen durch ihre Ueberstedlung nach Palästina den Hechaluz verlassen; es soll versucht werden, um geeignete Menschen herum Mittelpunkte der Erziehung zu schaffen. Für das Wachstum des Hechaluz in der Zukunft war man außerordentlich hoffnungsvoll. In der Nachmittagssitzung sprach zunächst I. T a b e n k i n, Ein Charod über Erziehung und Jugendarbeit des Hechaluz. Er behandelte in seinem umfangreichen und vielseitigen Referat die Voraussetzungen der Chaluziuth und ihre moralischen Wirklingen und beschäftigte sich mit einer großen Anzahl von pädagogischen und sozialen Problemen. Im jüdischen Volke sei nur der Wille zur Proletarisierung vorhanden und man habe dabei vielfach eine stark intellektualistische Einstellung zur Arbeit. Die Bewegung werde hauptsächlich von Kräften des Ver- Standes gespeist. Verwirklichung heiße niemals nur ein Wollen, sondern stets ein Tun. — An das Referat schloß sich eine Dis״ kussion, an der zahlreiche Teilnehmer der Tagung mitwirkten. Es kam der Wunsch zum Ausdruck, nicht allein die aktuellen Fragen zu betrachten, sondern sich auf die Ursprünge und Quellen der Bewegung zu besinnen. Die Konferenz wurde mit einer Schlußsitzung in der Nacht von Montag zu Dienstag beendet. Es wurden eine große Reihe von Beschlüssen gefaßt, u. a. begrüßte man die Histadruth und die Kibbuz-Bewegung. Man wandte sich gegen die Urteile über die Arbciterkolonisation im Bericht der Shaw-Kommission. Die Neuansiedlung von 1000 Familien wurde begrüßt und die Tat- Sache betont, daß von Festigung des Bestehenden und neuer Kolonisation auch das Wachsen der Hechaluzbewcgung abhängt. Die Verpflichtung zur verstärkten Arbeit für den KKL wurde erneut festgelegt. In der Frage der Eingliederung der orthodoxen Chaluzim wurde zwar eine weitgehende Ueberein- Stimmung, aber noch keine volle Einigung erzielt, so daß der neue Merkas die Verhandlungen fortführen soll. Die Schaffung von Snifim an verschiedenen Orten wurde beschlossen, um auf diese Weise dem Nachwuchs Gelegenheit zum Einleben in die Bewegung schon vor Beginn der Hachscharah zu geben. Einige notwendig gewordene Statutenänderungen wurden genehmigt. Nachdem dem alten Merkas Decharge erteilt worden war, wurde die neue Leitung gewählt; sie besteht aus A. I s r a e 1 o - witz, E. Liebenstein, M. Schapiro (engerer Merkas), M. Dormann, Sch. Groß, Sch. Oscherowitz, A. Rothstein, D. Tanne (erweiterter Merkas). Um 4(2 Uhr früh wurde die Tagung geschlossen. Die diesjährige Konferenz des Hechaluz hinterließ bei allen Teilnehmern das sichere Gefühl eines neuen Aufschwungs der Bewegung. Das kommende Jahr wird in immer engerer Verknüpfung mit den Chawerim in Palästina einen starken Vorstoß des Chaluzgedankens in der jüdischen Jugend Deutschlands bringen können. Die Beschlüsse und der Geist dieser Konferenz sind ein guter Anfang gewesen. Ortsgruppen Bamberg. Am 16. April hielt Rechtsanwalt Dr. S. Weichselbaum, Bamberg, einen Vortrag über ״Der Fall DrSyfus“. Dr. Weichselbaum schilderte den Verlauf des Dreyfus-Prozesses und anderer Prozesse der* Nachkriegszeit, in' welchen Juden unschuldig auf der Anklagebank saßen. Der Redner verstand es in ausgezeichneter Weise darzulegen, daß alle diese Prozesse durch die Zugehörigkeit der Angeklagten zum jüdischen Volk charakterisiert sind und damit einen Ausschnitt aus der Judennot der Gegenwart geben. Die ganz außerordentlich zahlreich erschienene Zuhörerschaft, welche zum größten Teil aus Nichtzionisten bestand, spendete den Ausführungen lebhaften Beifall. Am 28. April sprach hier Herr Dr. Nahum G o I d m a n n über ״Das Judentum nach dem Kriege“. Die Veranstaltung war trotz des schönen Wetters außerordentlich gut besucht. Der Redner schilderte die heutige Lage des Weltjudentums und kam zu dem Schlüsse, daß eine eigene jüdische Wirklichkeit nur in Palästina möglich sei. Die Anwesenden, hauptsächlieh Nichtzionisten, spendeten dem Vortrag, der nicht nur durch seine glänzende Rhetorik, sondern auch durch die Geschlossenheit und zwingende Logik des Inhalts der Ausführungen fesselte, lebhaften Beifall. Geschiitliche Mitteilungen Unseren Lesern wird das Cafö Kutschera, Charlottenburg, Bismarckstraße 109, am Schillertheater, bestens empfohlen; sämtliche in- und ausländische Zeitungen. * Volkstümliche Seereisen. Es dürft« feinem Zweifel unterliegen, daß von den verschiedensten Gattungen von Reisen eine Seereise, zumal wenn sie auf einem komfortablen Schiffe erfolgt und zahlreiche interessante Häfen anläuft, immer zu den Reisen zu rechnen sein wird, die dem reiselustigen und erholungsbedürftigen Publikum am meisten entgegenkomml. Während sich früher nur Bestbemittelte den Genuß einer Seereise erlauben konnten, ist es jetzt durch zeitweilige Einstellung der Eirihaitsschiffc der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrts-Ge- Seilschaft in den Touristendicnst auch der Allgemeinheit möglieh, sich eine längere Seereise zu gönnen. Man stelle sich vor, daß man jetzt sogar vom 30. Mai bis zum 15. Juni mit dem Ozeanriesen ״Monte Olivia“ von Hamburg aus eine Reise nach Genua für nur 340 RM. einschließlich voller Verflegung ausführen kann, bei welcher dis Touristen das aufblühende Barcelona, die tropisch-schöne Insel Palma de Mallorca, das südliche Spanien — Malaga, Granada, Sevilla, Cadiz —, das spanische Marokko (Ceuta, Tetuan) mit seinem unverfälschten orientalischen Lehen, und Lissabon kennenlernen. Es ist anzunehmen, daß diese interessante Reise recht regen Zuspruch finden wird, zumal sie auch in einer für diese Orte außerordentlich günstigen Reisezeit liegt. Frühling in HervorragendeVerixtfttltimgcn im Kurhaus und in den beiden Staatvtheetcrn /Golf, Tenni* und andere Sportarten Bevorzugt eie Wohnort Wies Holelverieichnhse (8000 Betten) durch das Städtische Verkehrsamt und die Reisebüros. 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