Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Außenpolitische Umschau Einzelnummer 0£S Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Austsncisabanjaemems werdea in dm Wahrung der einzelnea Linder berechnet. An7ei*enpr«Jt: ** stesp Nonpareillereil• 0,50 G.-M. Stelleneesuche 0,25 G.-M. Nummer 25 | Benin, 28. ■II. 1930 Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: J üdische Rundschau G.m.b. H., Berlin W15, Meinekeatr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Anz«igensdb)a&: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. PoMscht« fc Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 680 32 Brüssel 394 33, Budapest 596 93, Danrig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Stra«burgJ64 30, Warschau 190708, Wien 156030. Bank .Kanten: TDarmstÄdter und Nationalbank, Depositen Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Basca de Eat, Cemauti (Rumänien); Anglo Pliestin® Go• m Haifa, terusalem, Tel Aviv ב״ח אר^ תי״צ | xxxv. Jabrg. Per Zionismus erstrebt lür das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Basaler Programm.‘» Zum Landesverbandstag Die neue Agency-Exekulive Die Sitzung des Administrative Committee ging Donners* tag zu Ende. In der letzten Sitzung wurde eine neue Exekutive der Jewish Agency gewählt. Diese wurde 80 gebildet, daß die N i c h t z 0 נ• nisten drei Mitglieder benannten, und zwar Dr. H e x t e r, Dr. Werner Senator, Julius Simon, ferner wird von den Nichtzionisten als ״Mitarbeiter der Exe* kutive“ Pinchas Ruthenberg, der Präsident des Waad Lcumi, nominiert. Von zionistischer Seite bleibt die io Zürich gewählte Zionistische Exekutive, aus der jedoch 101gende Mitglieder ausschciden: Barth, Lipsky, Sacher, Henr. Szold. Sonach bleiben von zionistischer Seite: W e i z m a n n, Sok o10 w, Brodetsky, Rosenblfith, Kaplansky, Kisch, Rabbi Berlin, Sprinzak, Dr. R u p p i n. Diese Exekutive soll bis Oktober im Amt bleiben, da* nach scheiden weitere vier Mitglieder aus. Ob die Ausgeschiedenen Mitglieder der Z i o n 1 s t i * sehen Exekutive bleiben, ist bisher nicht bekannt. Dies ist eine interne Frage der Zionistischen Organisation. Donnerstag Vormittag wurden die meisten Resolutionen vom Administrative Committee erledigt. Die Resolutionen über Politik wurden einstimmig angenommen, ebenso die Beschlüsse betreffend Finanzen. Das in Zürich bcschiosscne Budget bleibt aufrecht Zur Deckung der Rückstände wurde ein Vorschuß von 100.000 Pfund im Kreditwege beschafft. Ein weiterer Beschluß betrifft den sofortigen Beginn neuer Ansiedlung in der Pflanzungszone; für die Finanzierung dieser Aktion bestehen gute Aussichten. Die Beschlüsse der Organisationskommission, die mit allen gegen 2 Stimmen angenommen wurden, wahren die Stellung der Exekutive gegenüber dem Administrative Committee und betonen die Notwendigkeit der Be- Stellung permanenter sachverständiger Departcments-Direktoren in Palästina, die der Palästina-Exekutive verantwortlich sind. Einzelheiten stehen bei Schluß des Blattes noch aus. 2. April Balfour - Gedenkfeier (Anzeige 3. Seite). Warburgs Reformprogramm Wirtschaftlicher Aufbau durch selbständige Institutionen — Die Exekutive soll von administrativer Kleinarbeit befreit werden und sich nur der politischen Führung und der Koordinierung der einzelnen Agenden widmen L o n d o n , 24. März. (J. T. A.) Am Sonntag, dem 23. März, vormittags, eröffnete Herr Felix M. War bürg, New York, als Präsident des Administrative Committee der Jewish Agency die Tagung des Committee bei Anwesenheit der Mitglieder der Executive der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, einer Anzahl amerikanischer und englischer Mitglieder und fast aller kontinentalen Mitglieder des Administrative Committee. Lord Melchett, der Vorsitzende des Council der Jewish Agency, war bei der Eröffnungssitzung nicht anwesend, da er von seiner Südafrikareise noch nicht zurückgekehrt ist; man erwartet, daß er am Mittwoch, dem 26. März, in London eintreffen und dann noch an den Schlußberatungen des Committee teilnehmen wird. Bevor die Versammlung an die Erledigung des Beratungs- Programms schritt, hielt der Vorsitzende, Herr W a r b u r g, während sich die Anwesenden von den Sitzen erhoben, dem verstorbenen Lord Balfour einen ehrenden Nachruf. Er schilderte Balfour als Staatsmann, Denker und Mensch und sagte, mit den Engländern und Juden trauert die ganze Welt um den Hingang dieses großen Mannes. Hierauf erteilte Herr Warburg das Wort dem Präsidenten der Jewish Agency, Weizmann, der ebenfalls Balfour Oedenkworte widmet und auch der Toten der Bewegung, in erster Reihe Leon Reichs, ehrend gedenkt. Wenn wir auch, führte Weizmann weiter aus, über das Verhalten gewisser Engländer gegenüber unserer Sache enttäuscht sind, so wird die Erinnerung an Balfour und an das, was er für uns getan hat, das Band zwischen uns und dem englischen Volke festigen. Durch unser Werk in Palästina errichten wir Balfour ein Denkmal, das ewig bestehen wird. Warburgs Programmrede Felix Warburg hielt nun die Programmrede, in der er in großen Zügen die Arbeitsgebiete der Executive und des Administrative Committee der Agency umgrenzte. Er führte u. a. aus: Unsere Tagung ist beschattet durch die tragischen Ere i g ni s s e, die sich kurz nach Schaffung der erweiterten Jewish Agency ereignet haben. Die jüdische Bevölkerung Palästinas war brutalen Angriffen, Raub und Gewalt ausgesetzt. Unser Mitgefühl wendet sich den unglücklichen Opfern und ihren Familien, unsere Bewunderung den mutigen Verteidigern von Heim und Herd zu. Wir identifizieren nicht die gesamte arabische Bevölkerung von Palästina mit den brutalen Angreifern, auch machen wir nicht die Irregeleiteten unter den Angreifern voll für die furchtbaren Taten, die sie begangen haben, verantwortlich. Ich sage ״Irregeleiteten“, weil in unserer Arbeit und in unseren Zielen keinerlei Anlaß zu irgendwelcher Befürchtung seitens der Araber gegeben ist. Unser Wunsch ist es, Palästina Schulter an Schulter mit den anderen Teilen der Bevölkerung als friedliches und unparteiisch gerechtes Gemeinwesen aufzubauen. Es ist in Palästina Raum genug für die Söhne Ismaels und die Söhne Israels; sie haben durchaus die Möglichkeit, Palästina zu einem Lande auszubauen, das der Stolz beider Rassen in gleicher Weise werden soll. Ein anderes tragisches Ereignis, das scharf in unser Leben und in unser Werk einschnitt, ist der Tod von Louis Marshall dem Mitschöpfer und Präsidenten des Council der Jewish Agency, dessen großer Geist und dessen machtvolle Personlichkeit für Palästina bei der Durchführung des Werkes der erweiterten Agency von enormem Nutzen hätten sein können. Mit der politischen Lage, fuhr Warburg fort, werde ich mich nicht befassen, unser Präsident, Dr. Weizmann, fährt fort, sich dieser Aufgabe mit Hingabe und wirklichem staatsmännischem Geist zu widmen. Der Erfolg dieser seiner Arbeit hängt am Ende von unseren praktischen Leistungen in Palästina ab, wie dies Oberrichter B r a n d e i s formulierte, der folgendes sagte: ״Politische Probleme mögen künftighin von Wichtigkeit sein, aber meiner Meinung nach liegt faktisch die ganze Auswirkung der Politik darin, wirksam Ln dem Aufbau Palästinas fortzufahren; es ist dies der einzige politische Akt, der ein sichtbares Ergebnis zeitigen und es bewirken kann, daß die uns gegebene Gelegenheit zu einem Erfolg und nicht zu einem Fehlsehlag führt. Auch die sozialen und kulturellen Werte des jüdischen Lebens in Palästina könnten nur dann von einer dauernden Vitalität sein und zur vollen Reife kommen, wenn eine feste wirtschaff lieh 5 Grundlage gelegt ist. Die Jewish Agency muß es möglich machen, daß eine wachsende Zahl von Juden, durchdrungen von hohen j'üdischen Idealen, auf einer selbsttä igen wirtschaftlichen Basis in Palästina leben. Diese Aufgabe ist auch im günstigsten Fall eine schwierige, weil ihre Durchführung immense Anstrengung und Disziplin erfordert. Soll aber diese Aufgabe dennoch zur Verwirklichung gelangen, so müsse eine wirksame Maschinerie geschaffen werden; ein konstruktives Jnstrument für eine durchschlagende Entwicklung der Arbeit. Als Vorsitzender des Administrative Committee der Jewish Agency halte ich es für meine Pflicht, ihnen folgendes Programm vorzulegen, nicht als Vertreter der Nichtzionisten, sondern als Leiter eines Committee, in welchem Männer sitzen, die in ihrem Glauben und in ihrer Denkweise in bezug auf Palästina verschiedenen Richtungen angehören, die aber geeint sind auf einer gemeinsamen Plattform und in dem Vorwärtsblicken in der Richtung auf ein Ziel. In erster Reihe muß die Agency sofort Mittel und Wege finden, um sicherzustellen, daß die von ihr sanktionierte und unterstützte Aufbauarbeit durch erprobte und qualifizierte Instrumente sich vollzieht. Theodor Herzl hat von Anfang an scharf unterschieden zwischen der Gesellschaft jener Juden, die die moralischen und rein idealistischen Kräfte der Bewegung darstellen und einer anderen jüdischen Gesellschaft, die ihre finanziellen und wirtschaftlichen Kräfte in den Dienst der Sache stellt; er war bestrebt, eine separate Körperseftaft zur Führung der wirtschaftlichen Arbeit zu schaffen. (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Von Georg Kareski. Sonntag mittag um 1 Uhr tritt im ehemaligen Herrenhaus der Verbandstag des Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden zu seiner diesjährigen Tagung zusammen. Die Beratungen werden voraussichtlich bis Montag abend dauern. Der Sonntagnachmittag wird nach der Uebung, die sich allmählich herausgebildet hat, neben den Berichten der Ratsvertreter die erste Garnitur der Parteiredner zu Worte kommen lassen. Es handelt sich diesmal um die letzte Tagung des gegenwärtigen Preußischen Parlamentes, das nach einem nahezu sechsjährigen Bestehen am Ende dieses Jahres sich einer Neuwahl zu unterziehen hat. Infolgedessen dürfte die Generaldebatte diesmal ein besonderes Interesse beanspruchen, da die einzelnen Parteien sicherlich das Bedürfnis haben werden, das Fazit aus dieser sechsjährigen Arbeitsperiode zu ziehen und insbesondere zu prüfen, ob und in welchem Umfange die Erwartungen, die bei Begründung des Landesverbandes an sein Wirken geknüpft wurden, erfüllt worden sind. Es würde der Sachlage nicht gerecht werden, trotz der vielfach im Lande vorhandenen Stimmungen, festzustellen, daß der Landesverband völlig versagt habe. Er hat zweifellos auf einer Reihe von Arbeitsgebieten Nützliches geleistet. Er hat die Rabbiner- und Lehrerbildungsanstalten, wenigstens für einen erheblichen Teil ihres Etats, von den Ergebnissen der Sammeltätigkeit unabhängig gemacht. Er hat zahlreiche ehemalige Rabbiner, Kantoren und Lehrer und deren Angehörige, die teils infolge des Verschwindens, teils wegen böswilliger Nichterfüllung sozialer Pflichten ihrer Gemeinden keinerlei Ruhegehalt bekamen, durch allerdings nicht aus• reichende Ruhegf.hlltet' vor der Mieröte« Not b;•: :hilft. Er hat eine Reihe von Kleingemeinden durch Herab- Setzung unerträglich gewqrdener Steuerzuschlägevpr dein Auseinanderbrechen bewahrt und dadurch vielfach wenigstens Zellen jüdischen Lebens erhalten. Er hal darüber hinaus auch sozial arbeitende Organisationen gefördert, ir d auch die Jugendarbeit ist von ihm, wenn auch mit bescheidenen Mitteln, subventioniert worden. Die Wirksamkeit des Landesverbandes und der Nutzen, den er gestiftet hat, ist daher unstreitig erheblich größer als die öffentliche Meinung gemeinhin annimmt. Trotzdem ist auch in diesem Falle die öffentliche Meinung instinktiv auf dem richtigen Wege, wenn ein weitgehendes Gefühl der U n z u f 1׳ i e d e n h e i t mit den Ergebnissen der Landesverbandsarbeit vorliegt. Es soll in diesem Augenblick auf die einzelnen Dinge nicht näher eingegangen werden, insbesondere soll hier auch nicht untersucht werden, auf welche Ursachen das unbefriedigende Ergebnis zurückzuführen ist. Tatasache ist aber, daß in all den sogenannten großen Fragen der Landesverband in sechs Jahren so gut wie gar nicht vorwärts gekommen ist. Es ist ihm nicht gelungen, seine Anerkennung als Körperschaft des äffe ntliehen Rechts durchzusetzen. Das J u d e 11 g es e t z, für das viel Arbeit aufgewendet worden ist, schlummert in den Schubladen des Ministeriums. Der Reichsverband, der die Organisierung des deutschen Judentums über die Landesgrenzen hinaus bringen sollte, ist nicht geworden und durch das klägliche Surrogat einer ״Arbeitsgemeinschaft“ ersetzt. Das sind die großen Dinge, die die jüdische Oeffentlichkeit sieht und die ihr negatives Urteil über den Landesverband begründen und bis zu einem gewissen Grade auch rechtfertigen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die Verstimmurtg über die geringe Ausbeute eines an sich sehr umfangreichen und anspruchsvollen Apparates auch in den Debatten des Verbandstages ihren Ausdruck finden wird, zumal auch die Unzulänglichkeit der materiellen Leistungen des Landesverbandes in seiner unzulängliehen rechtlichen Konstruktion ihre letzte Begründung hat. Dazu kommt, daß nicht einmal der bisherige Umfang der kulturellen und sozialen Arbeit des Landesverbandes als gesichert angesehen werden kann. Ein erheblicher Teil der kulturellen Arbeit beruht auf den Subventionen der Staatsregierung. So unzulänglich diese Subventionen sind, gemessen an dem, was das preußische Judentum nach den Grundsätzen der Parität zu fordern hätte, .so sind selbst die bisherigen unzulänglichen Leistungen des Staates durch Quertreibereien von jüdischer Seite auf das schwerste gefährdet. Hierüber wird auf dem Verbandstage ein deutliches Wort gesprochen werden müssen. Nicht ganz so gefährdet, aber auch nicht über jeden Zweifel erhaben, ist der Eingang der Gelder, über die der Landesverband aus deh