Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1930)
- Date
- 1930-03-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 025 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,—־ Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Aualan<isabo1m«fnMMs werden In dm der •IngnhMHa Linder berechnet Anreicenprei«: 8 »Mp• NmipereiMereile 0,50 GUM Stel!en*e«1ch© Ö.2S G.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen - Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerUnW15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarth 7165-70. ABZ*i««Mehlu£: Diesdag and Freitag naebmittag• 4 Uhr Poilithttk - K o d t a d : Berlin 173 92, Bual V 9355, Bel Brüaaai 394 33. Budapa« 596 93. Drarfg 1973. Haag 140 470, Straaiburi 164 30, Wtracbaa 190 708, Wien 156 030. Bank-Konten: Dennatidter und National bank, Depositen Kawa Berlin, Kurfri ratend emm 52: Banca da Eat, Cernauti (Rumänien): Angjo Palästina Co, in Haifa, leruaaletn, Tel Aviv grad 680 32 Prag 59410, Nummer 24 Berlin, 25. III. 1930 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ה אדר׳ תר״צ iXXXV^Jahrg. per Zionismus erstrebt fOr das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.» Die Trauer Die Kundgebung der A.-C. lieber die Trauersitzung des zionistischen A.-C. in London wird noch gemeldet: Die Nachricht vom Ableben Balfours erreichte das Aktions- Comitö in der Mittwoch-Sitzung bereits während der Debatte. Der Vorsitzende des Aktions-Comifds, Motzkin, unterbrach den Redner und machte der Versammlung die Mitteilung. Sofort erhoben sich die Mitglieder des Aktions-Comites und verharrten eine Minute lang in stummem Gedenken. Nachdem der Vorsitzende eine kurze Traueransprache gehalten hatte, sagte Dr. Weizmann: ״Es ist für mich nicht leicht, das, was wir in diesem Augenblick fühlen, in Worte zu kleiden. Balfour ist tot! Erst vor drei Tagen hatte ich das Glück, bei ihm zu weilen und ihm in Ihrem Namen die Grüße und die besten Wünsche für seine Genesung zu überbringen. Schon damals wußte ich, wir wußten es ja alle, daß wir ihn nicht mehr lange zu den Lebenden werden zählen können. Dennoch erschüttert uns die harte Tatsache, daß Balfour nicht mehr unter uns weilt, auf das tiefste. Sein Tod bedeutet für uns alle den Abschluß einer Zeit großer Wünsche und Hoffnungen, Balfour wurde uns zu einer Zeit genommen, in der wir ihn am meisten brauchen. Es ist jetzt noch nicht die Zeit, über all das zu sprechen, was ihn an uns gebunden hat. Sie wissen, daß er erst vor ein paar Wochen alles, was in seiner Macht war, für uns getan hat. Balfour wird in der Geschichte der Juden gleich dem König Cyrus von Persien fortleben. Auch in den Tagen von Cyrus kehrten nur die Armen und die Schwachen in das Land ihrer Väter zurück. Aber ihnen entstanden Führer, die das Volk zu neuer Größe empor und zur Bildung des jüdischen Staates führten. Auch Feinde entstanden zu jener Zeit dem Volke. Aber die Führer haben die Feinde überwunden und das Werk zur Vollendung gebracht. Ich hege die Ueberzeugung, daß das Andenken an Balfour uns zu einer Einheit zusammenschmieden wird, daß wir enger als je Zusammenhalten und so unser Werk zu einem glücklichen Abschluß bringen werden.“ Als Dr. Weizmann seine Rede, die er tief erschüttert und mit Tränen in den Augen sprach, beendet hatte, wurde beschlossen, die״SJtzuf g zum Zeichen der Trauer zu unterbreche» Eine Botschaft von Batlonrs Sterbebett Während der Donnerstag-Sitzung des A.-C. erschien die Nichte Lord Balfours, Mrs. D u g d a 1 e. Präsident Motzkin teilte mit, daß Mrs. Dugdale den Wunsch geäußert habe, einige Worte an das A.-C. anläßlich des Ablebens von Lord Balfour zu richten. Der Vorsitzende wiederholt, was schon in der Trauersitzung des vorhergehenden Tages ausgesprochen worden war: daß Lord Balfour ein dauerndes Denkmal in der Geschichte des jüdisehen Volkes haben wird. Mrs. Dugdale sagte: Ich komme zu Ihnen von Lord Balfours Totenbett. Ich hatte das Bedürfnis herzukommen, weil ich weiß, daß jeder in diesem Zimmer mit uns fühlt an diesem Tage. Und als Dr. Weizmann mir gestern erzählte, wie Sie die Nachricht vom Tode Balfours aufgenommen haben, hatte ich den Wunsch, Ihnen eine Sache zu sagen: Wir dürfen bei allem großen Schmerz über diesen Verlust, die große Gelegenheit nicht versäumen, die wir jetzt haben, das Werk fortzuführen, das ihm so sehr am Herzen gelegen war. Seine Gefühle für das jüdische Volk beruhten auf dem Glauben an das jüdische Volk. Er war völlig überzeugt, daß Ihre Sache Erfolg haben wird, denn er glaubte, daß Sie alle einig sein werden, und Einigkeit werde die Sache zum Sieg führen. Dieses sein Vertrauen dürfen wir nicht enttäuschen. Das ist alles, was ich zu sagen habe. Ich danke Ihnen noch in meinem und der Familie Namen über die Art und Weise, wie Sie von ihm gesprochen haben. Dr. Weizmann dankte der Rednerin für ihre Worte und für die Dienste, die sie dem Zionismus geleistet hat. Nach einer kurzen Antwortrede des Präsidenten Motzkin wurde die Arbeitssitzung des A.-C. wieder aufgenommen. Uoj d George Aber die Balfour - Deklaration In beiden Häusern des englischen Parlamentes wurden am 20. März eine Reihe von Nachrufen für Balfour von den Führern aller Parteien gehalten. Im Unterhaus sprach nach MacDonaid und Baldwin als dritter Redner Lloyd George, der ebenso wie die andern Redner einen Rückblick auf Balfours Leben und Leistungen warf. Dabei sagte er u. a.: ״.... Noch zwei andere Ereignisse sind mit seinem Namen verbunden, die jedoch noch umstritten sind, und darum will ich nicht lange dabei verweilen. Nicht umstritten aber ist die Tatsache, daß sie ihren Platz in der Geschichte haben werden und daß sein Name immer damit verbunden sein wird. Das eine ist die Balfour-Deklaration bezüglich Palästinas, welche stets einen Platz haben wird in der Geschichte eines der größten historischen Völker dieser Welt. Das andere ist die Balfour- Note, das einzige Angebot, das je von einem Gläubigerstaat gemacht wurde, die ungeheuren internationalen Kriegsschulden zu streichen....“ Die andern Redner haben die Balfour-Deklaration nicht erwähnt. ,Auch die englische Presse geht in befremdlicher Weise über diese größe Tat Lord Balfours hinweg. Die Trauer des Jüdischen Volkes Die Nachricht vom Tode Balfours hat bei der jüdischen Bevölkerung in allen Ländern große Trauer hervorgerufen. Die Zionistisch en Organisationen haben überall Trauer- Sitzungen abgehalten oder Trauerkundgebungen erlassen. Die Exekutive erhielt eine Fülle von Kondolenztelegrammen aus allen Teilen der Welt. Die zionistische Presse aller Länder widmet Balfour große Nachrufe und betont, welchen schweren Verlust das jüdische Volk durch den Tod seines großen Freundes erleidet um Balfour Kondolenz der Z.V.LD. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland sandte folgendes Telegramm an die Exekutive: Weizmann Zioniburo, London Geschäftsführender Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland beschloß einstimmig folgende Kundgebung: Die deutschen Zionisten vereinigen sich mit Ihnen In tiefer Trauer Uber den Verlust des großen Staatsmannes und unvergeßllchen Freundes des Zionismus. Die unvergängliche Baifour-Deklaration, die Basis unseres Nationalheims, verbürgt ewiges treues Andenken Balfours im jüdischen Volke. An die Berliner englische Botschaft wurde folgende Zuschrift gerichtet: Ew. Exzellenz, Die Zionistische Vereinigung für Deutschland gestattet sich, Ihnen, und damit der ganzen britischen Nation den Ausdruck tiefster Trauer der deutschen Zionisten anläßlich des Ablebens von Lord Balfour zu übermitteln. Der Name Balfour, der unter dem für das jüdische Volk so bedeutungsvollen Dokumente der Deklaration vom 2. November 1917 über die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in Palästina steht, wird im Gedächtnis unseres Volkes mit tiefer Dankbarkeit und Verehrung hewahrt bleiben. Die Figur Lord Balfours ist für uns das bleibende Symbol britischer Großherzigkeit und des Verständnisses für das Schicksal des jüdisehen Volkes, dessen nationale Wiedergeburt unter dem Schutze der britischen Mandatarmacht sich vollzieht. Wir bitten Sie, von dieser unserer Beileidskundgebung Ihrer Regierung Kenntnis zu geben und sind, Eure Exzellenz mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Der Vorsitzende der Z. V. i D. I. V.: Kanowltz. # Am Mittwoch, dem 2. April, findet in Berlin eine Trauerkundgebung der Z. V. f. D. für Lord Balfour statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. In Palästina Jerusalem, 20. März. (J.T. A.) Die Nachricht vom Tode Balfours wurde von den hebräischen Zeitungen durch Extra-Ausgaben im ganzen Lande verbreitet und weckte überall tiefe Trauer. Alle jüdischen Ladenbesitzer schlossen spontan zum Zeichen der Trauer ihre Läden. Pie Zionistische Exekutive Palästinas und der Waad Leunii traten zu einer gemeinsamen Beratung über die Arrangierung einer nationalen Trauer der Judenheit Palästinas zusammen. Im Büro der Exekutive wurde sofort nach Eintreffen der Todesnachricht eine Trauerkundgebung abgehalten, der auch die Mitglieder des Waad Leumi beiwohnten. Die Gedenkrede hielt Colonel Kisch, der u. a. sagte: ״Leider haben die Ereignisse im August 1929 eine Trübung der bis dahin klaren Beziehungen zwischen dem jüdischen Volk und England gebracht. Ich hoffe, daß die gemeinsame Trauer um den Mann, der für England wie für uns Juden so viel bedeutet hat, etwas von dieäfem Fleck wegwaschen wird.“ Alle jüdischen Aemter in Palästina waren am Mittwoch, dem Todestage Balfours, geschlossen. Die Zionistische Exekutive und der Waad Leumi ersuchten das Oberrabbinat von Palästina, zu veranlassen, daß am Sonnabend, dem Tage der Beerdigung Lord Balfours, in allen Synagogen Gedenkgottesdienste stattfinden. In den zionistischen Schulen werden die Lehrer Ansprachen an die Schulkinder halten, in denen Balfours Leben und seine Rolle in der jüdischen Geschichte dargestellt werden. Die Zionistische Exekutive und der Waad Leumi haben Trauerkundgebungen an Dr. Weizmann nach London gesandt und ihn ersucht, der Familie Lord Balfours die Trauer und das Beileid der Judenheit Palästinas zu übermitteln. Am Donnerstag, dem 20. März, begaben sich die Mitglieder der Zionistischen Exekutive und des Waad Leumi zum Oberkommissar Sir John Chancellor und übergaben ihm eine Beileidskundgebung zur Weiterleitung an die britische Regierung. Wie die J. T. A. erfährt, sind sich die jüdischen Behörden in Palästina darüber einig, daß Kundgebungen unter freiem Himmel im Zusammenhang mit dem Tode Balfours, beson- ders in Städten mit gemischter arabisch-jüdischer Bevölkerung, nicht stattfinden sollen. * General Smuts, der frühere Premier der südafrikanischen Union, sandte der J. T. A. folgende Aetißerung: Ich habe die Ueberzeugung, daß, wenn auch der Zionismus mit Balfour seinen aktiven Befürworter verloren hat, er doch schließlieh siegen wird. Die jetzige schwierige Phase wird vorübergehen und der Zionismus wird sein Ideal, den Aufbau des Jüdischen Nationalheims, verwirklichen. Der Name Balfours wird für immer untrennbar mit dem Sieg des Zionismus verbunden bleiben. Balfour war nicht allein Verfasser der Deklaration von 1917 betreffend das Jüdische Nationalheim, sondern er glaubte auch an die Rechtsbasis des Zionismus und an seinen endlichen Sieg. Er gab Beweise dieses seines festen Glaubens bei vielen Anlässen. Erst vor wenigen Monaten, als er schon sehr krank zu Bette lag, Unterzeichnete er mit Lloyd George und mir ein Dokument, in welchem die Aufmerksamkeit der britischen Regierung auf die ernste Lage in Palästina gelenkt und die Regierung an den feierlichen und bindenden Charakter der Verpflichtung erinnert wird, welche Großbritannien Hinsichtlieh der Förderung des jüdischen Nationalheims in Palästina übernommen hat. Von der A.- C- Sitzung Politische Debatte Ueber die Londoner A.-C.-Sitzung, die bekanntlich mit Aus- Schluß der Presse stattfindet, liegen bisher fast keine Berichte vor. Wir bringen nachstehend einige Details, die die J. T. A. meldet und die wahrscheinlich auf offiziellen Mittelungen beruhen. Auch die J. T. A. beklagt sich in ihrem Bulletin darüber, daß die offiziellen Berichte mit so großer Verspätung ausgegeben werden, daß sie für die Presse praktisch wertlos sind. Da aber — was angesichts des Charakters der Sitzung verständlich ist — die Kommuniques ohnedies nur Nebensächlichkeiten enthalten, kann auf die Wiedergabe verzichtet werden. Zu der von uns veröffentlichten Präsenzliste, die nach der ersten Sitzung zusammengestellt worden war, ist nachzutragen, daß die deutschen Mitglieder des A.-C., Blumenfefd, Dr. Klee, Dr. Rosenblüth sowie Dr. Hantke, erst am Montag in London eingetroffen sind. Ueber die politische Debatte am 18. und J9. d. M. meldet die J. T. A. u. a.: Im Verlauf der politischen Aussprache wurde von einzelnen Rednern Beschwerde darüber geführt, daß ein Mitglied der Exekutive Aeußerungcn tut una Handlungen begeht, die im Gegensatz zu dem Geiste und dem Willen der gesamten Exekutive stehen. Die Angriffe zielten auf den Vertreter der Arbeiterschaft in der Exekutive, Kaplansky, von dem behauptet wurde, daß er ohne Ermächtigung seitens der gesamten Exekutive der britischen Regierung ein Memorandum überreicht hat. Dr. Weizmann sah sich veranlaßt, noch vor Abschluß der Aussprache das Wort zu ergreifen, um dieser Kritik zu begegnen Er wies mit größter Entschiedenheit die gegen Kaplansky erhobenen Vorwürfe zurück und bezeichnete die Behauptung, Kaplansky hätte eigenmächtig ein Memorandum der britischen Regierung überreicht, als Verleumdung. GroBmän (Revisionist) führte aus, die Exekutive hätte entweder als Demonstration gegen die Palästina-Administration vor dem Angesicht der ganzen Welt zurücktreten sollen, oder aber sie hätte sich zum Kampfe gegen diese Administration mit der Opposition vereinigen und eine vereinigte starke zionistische Front schaffen sollen. Stricker (radikal) kritisierte scharf die gesamte Politik der Exekutive und kam zu dem Schlüsse, daß die Palästina-Ereignisse vom August 1929 ein Ergebnis des schlechten staatsmännnchen Vorgehens des Fihrtfta .seien- F arbstein (Misrachl) druckte tone UßBifrlfSäÄ heit mit den Aussagen der jüdischen Zeugen vor der brlti״ sehen Untersuchungskontmission in Palästina aus. Ussischkln wandte sich gegen den Ton, der in die Kritik eingerissen ist. Es sei verbrecherisch, in diesem Augenblick etwas zu sägen, das dazu angetan wäre, Zwiespalt in der Bewegung zu schaffen. Er teile die von üroßman und anderen Rednern vertretene Meinung, daß die Exekutive sich in der Vertretung des jüdisehen Falles vor der Untersuchungskommission nicht bewährt hat. Ussischkin wandte sich auch gegen die Politik des ״Brith Schaiom“. Berl Kazenelson führte aus, die von der Exekutive in den letzten sieben Monaten geleistete politische Arbeit sei lobenswert. Der• Redner hält es für nötig, vor allem die Frage der Einwanderung und der jüdischen Beteiligung an der Verteidigungsmacht beschleunigt zu behandeln. Kazenelson trat jenen Kreisen entgegen, die sich der Ideen Achad Haaras zu einer Verkleinerung der Aspekte des Zionismus bebedienen. Dr. Chaim Arlosoroff, Glückson und Dr. Alexander Goldstein verteidigten die Maßnahmen und die Politik der Exekutive. Arlosoroff führte noch aus, man habe den Juden ein großes Unrecht getan, als man Transjordanien, das in das Palästina-Mandat einbegriffen ist, von Palästina ab• schnitt und auf diese Weise die jüdische Ansiedlungsmöglichkeit einschränkte. Dr. R u p p i n verlas vor dem Aktions-Comite den genauen Wortlaut seiner Aussage in der vertraulichen Sitzung der britischen Untersuchungskommission und trat der von den Revisionisten gegen ihn erhobenen Beschuldigung, er hätte in dieser Aussage das Problem der jüdischen Kolonisation in Palästina verkleinert dargestellt, scharf entgegen. Kurt B I u m e n f e 1 d trat den Ausführungen jener Redner entgegen, die zwischen Zionisten nach Ländern unterscheiden. Blumenfeld sagte, er sei erstaunt darüber, daß trotz der vom Delegiertentag in Jena gefaßten Resolution einige Redner im A.-C. auch weiterhin behaupten, die deutschen Zionisten huidigten einer verkleinernden Politik. In der Politik nach außen müsse jetzt Nachdruck gelegt werden auf die freie Einwanderung. In der innerjüdischen Politik besteht jetzt die Hauptaufgabe des Zionismus darin, diejenigen Juden, die bereits den Prozeß der Assimilation durchgemacht haben, zu gewannen, ferner erhöhte Mittel für die praktische Arbeit zu sichern. J. Grünbaum (Polen) analysierte die von Dr. Weizmann in den letzten zwölf Jahren befolgte Politik und kam zu dem Schlüsse, daß eine Systemänderung eintreten müsse. Es sei nutzlos, über Vergangenes zu diskutieren, aber von nun an müsse ein neues System Platz greifen. Notwendig ist, daß die Zionisten selbst und die gesamte Welt sich über die Ziele des Zionismus klar werden. Die jetzige Politik ermangele der initiative; das Ergebnis ist ein Zurückweichen von dem Zionismus, wie HerzI ihn begriff. Der Achad Haam’sche Zionismus ist' steril; Achad Haam war zu rationalistisch, um fruchtbar zu sein. Er bedurfte der beflügelten Einbildungskraft von HerzI, um den Zionismus au einer Bewegung zu machen, wie er es heute ist. Grünbaum legte dar, worin er fundamental von der revisionistischen Auffassung abweiche. In seiner Antwort ging Weizmann auf einige im Verlauf der Debatte aufgeworfene Fragen ein. Er sei immer der Meinung gewesen, daß je größer die Leistungen in Palästina seien, um so stärker die politische Position der Zionisten sein würde; aus diesem Grunde habe er so viel Zeit und Energie der Arbeit für den Keren Hajessod gewidmet!* Er habe gefühlt, daß die Zeit gegen uns arbeitet und daß wir uns mit der Schaffung von Werten in Palästina beeilen müßten. Die jetzige Lage sollte das jüdische Volk zu noch größerer Anstrengung inspirieren. Der Erfolg des zionistischen Werkes im letzten Jahrzehnt hat die Feinde der Zionisten beunruhigt. Auf der einen Seite sind wir überzeugt, daß bei einer größeren Anzahl Juden in Palästina die Tragödie vom August 1929 sich nicht ereignet hätte, auf der anderen Seite könnten wir in der gleichen Weise