Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1930)
- Date
- 1930-03-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 122 JUEDfSCHE RUNDSCHAU Nr, 18» 4. m. 1936 Briefe an die Redaktion Zu politischen Tageafragen Aeußerungen Max Brods. Prag. 27. Februar 1930. Sehr geehrte Redaktion, wenn jemand meint, wir müßten aus Rücksicht auf die künftigen Entwicklnngsmöglichkeitcn der Araber in Palästina heute die zionistische Arbeit einschranken, so muß man eine solche Rücksicht auf bloß gedachte, in der Zukunft mög- Iicherwcise eintretende Schädigungen als ethisch irrelevant zurückweisen. Falls etwa vom Brith Schalem solche Ansichten ausgesprochen würden, dann habe ich das Bedürfnis, mich dagegen ausdrücklich abzugrenzen. Um so strenger müssen wir aber, wie mir scheint, und um so unerschrockener die Frage prüfen, ob wir den Arabern außer den eingebildeten, nicht auch ganz reale, heutige Schäden zufügen, ln dieser Hinsicht darf man die Aussagen arabischer Zeugen vor der Untersuchungskommission durchaus nicht als bloßes forensisches Blendwerk ansehen. Sie bilden vielmehr ein ernstliches Material, auch für uns, für unsere stillsten Stunden. Wqhl gibt es leere Strecken im Lande. Stundenlang fährt <f!e Eisenbahn von Lud bis Jerusalem durch Felswüste. Stundenlang das Auto längs des Merom-Sees durch Sumpfwüste. Man sagte mir, daß vor wenigen Jahren auch der Emek so ausgesehen hat, ehe unsere Kolonisation begann. Kur hier und dort ein ärmliches Dorf. Oder Beduinen. — Hier stocke ich. Und frage: Wie hat man die Bewohner des ärmlichen!Dorfes, wie die Beduinen entschädigt? Ich hoffe sehr, daß man nicht nur den Grundbesitzer, sondern auch jene entschädigt hat, die zwar kein juristisch fixiertes, aber ein Gewohnheitsreeht an dem Boden hatten. — Dies der Grund, aus dem ich diese Zeilen schreibe. Denn theoretische Diskussion Interessiert mich wenig. Praktisch aber konnte ich mich bei einigen arabischen Zeugenaussagen nicht des Verdachtes erwehren, daß auch von unserer (jüdischen) Seite Unrecht geschiebt. Und das wäre furchtbar! Haben wir deshalb so lange unter den Ungerechtigkeiten unserer Unwirts-Völker geseufzt, um nun unsererseits dieselben Methoden anzuwenden, gegen die wir immer in schäfster Opposition auf gebockt haben? Es ist von unserer Leitung eine eindeutige Erklärung zu fordern, ob in Hinkunft beim Kauf von Grund und Boden alle, wirklich alle entschädigt werden, die durch den Verkauf Schaden erleiden. Dem Einwand, daß unsere Kolonisation hiedurch noch teurer wird, als sie schon ohnehin ist, wäre leicht zu begegnen: es hat sich ja gezeigt, daß eine Kolonisation, die vernachlässigen zu können glaubt, daß sie Unzufriedene und Ver* zweifelte schafft, ä la longue die allerteuerste ist... weil sie mit periodischen Verwüstungen, Revolten, Schadenstiftungen zu rechnen hat. Eine klare Feststellung, daß den Arabern beim Bodenkauf (und analog bei Arbeitsvergebung) kein Unrecht geschieht, hätte eine Stärkung unserer politischen Front zur Folge. Um so deut- Hoher könnte dann gesagt werden, daß eine Einschränkung der Einwanderung für uns nicht diskutabel ist. Nur in der Wirtschaftslage des Landes und in den Mitteln unserer Fonds liegen die Grenzen. Und selbstverständlich darin (wie aus dem Vorigen hervorgeht), daß den Arabern kein gegenwärtiger Schaden zugefügt wird. Auf eine große Einwanderung können wir nicht verzichten, denn nur in der Quantität der Siedler oder besser gesagt: in Qualität und Quantität liegt die Gewähr dafür, daß unser Volk wieder zu jener seelischen GleichgewicMslage zurückfindet, die ihm so bitter fehlt. Noch eine Bemerkung zu den umstrittenen Fragen von Parlament und Majorisierung. Die beiden Fragen werden meiner Meinung nach allzu sehr als Einheit betrachtet Parlament? Unbedingt (wenn auch nicht als Belohnung für Ter* rorakte, also nach einer gewissen Ruhezeit). Es könnten aber zur Vermeidung von Majoritätsunfug für nationale Fragen nationale Kurien eingerichtet werden, wie sie das alte Oesterreich in Mähren hatte. Fragen des Landes (Palästina) wären dann im gemeinsamen Parlament, Fragen der nationalen Kulturen in gesonderte Kurien zu entscheiden, von denen keine die andere majorisieren kann. Noch heute merkt man, wenn man von Prag nach Brünn kommt, die weit gemäßigtere Form des nationalen Antagonismus zwischen Deutschen und Tschechen. Obwohl die Institution der nationalen Kurien längst versch wunden ist, scheint sie in Brünn (Mähren) noch nachzuwirken, während Prag (Böhmen) seit Jahrzehnten dem nationalen Kampf in seinen schärfsten Formen ausgesetzt war. Mit Zionsgruß Max Brod. Zophim, Bund jüdischer Pfadfinder, sendet uns einen Berieht über Hachscharaharbeit, dem wir folgendes entnehmen: Als vor etwa einem halben Jahre der Bund bemüht war, nach langen Auseinandersetzungen und Diskussionen innerhalb des Bundes, seinen Menschen eine angemessene Ausbildüng für Palästina zu geben, war uns wohl der Stoff, den es zu bearbeiten galt, reichlichst klar. Es handelte sich nur darum, auf welche Weise und mit welchen Menschen kann diese Arbeit durchgeführt werden. Bei der Lösung dieses Problems sind wir zu einer Hachscharaharbeit im Bunde, die außerhalb der eigentliehen Wanderbundsarbeit im Bunde durchgeführt wird, gefcotnmen. Es war klar, daß wir zuerst nur mit einer Gruppe von älteren Menschen (17—20) diese Arbeit durchzuführen suchten und erst nachdem der gesamte Bund von diesem Willen der persönlichen Verwirklichung ohne Rücksicht auf einen Rückhalt durchdrungen war, es uns gelungen ist, alle Menschen im Alte! vom 16. Lebensjahre außerhalb ihrer Erziehung in den Plugot (Züge und Gruppen), in der Hachscharaharbeit einzuspannen. Wir bemühen uns nach Möglichkeit, aus eigenen Kräften unseren Menschen günstige Ausbildung für Palästina zu geben. Dabei ist für alle, die sich an dieser Arbeit beteiligen, die Kenntnis Palästinas, seiner Bewohner und seiner Entwicklung notwendig. Nebenbei ist der Gesichtspunkt der Berufsentscheidung für diese Arbeit von Bedeutung. So haben wir diese Menschen in zwei Gruppen geteilt nach den Gesichtspunkten der Berufswahl. In der einen Gruppe sind hauptsächlich die Menschen vertreten, die als Chaluzim in Palästina leben wollen. Für diese gibt es besondere wichtige und für die Fähigkeit ihres Einordnens in die Kwuzot in Palästina entscheidende Fragen, die wir uns hier nach unserem Wissen und auf Grund unserer Erfahrungen anarbeiten müssen. In der anderen Gruppe sind jene Menschen vertreten, die aller Voraussicht nach entweder nicht die Möglichkeit oder nicht die Fähigkeit haben, als Chaluz hinüberzugehen. Für diese Menschen ist eine besondere Kenntnis der vorhan denen Industrie, des Verwaltungswesens und des Handels ausschlaggebend. Ferner ist gerade bei diesen Menschen eine ganz besonders starke Betonung der geistigen Hachscharah Voraus- Setzung für das Gelingen ihrer Aufgabe. Die gesamte Hachscharanarbeit soll der Schlußstein sein, den wir in unsere Er- Ziehung setzen können, und wenn das praktische Ergebnis, wie im letzten Jahre, noch ein zahlenmäßig geringes ist, so glauben und hoffen wir, daß wir eine Möglichkeit für die Alijah einer assimilierten oder teilweise assimilierten jüdischen Jugend Deutschlands gefunden haben. Sowohl die Wintertreffahrt aller unserer Gruppen, als auch unser Winterlager im Riesengebirge zeigte uns den Willen unseres Bundes, diesen Weg zu gehen. Wir wissen, daß noch viel getan werden muß, um das Gros unseres Bundes in diese Hachscharah zu führen. Aber solange der zionistische Gedanke unsern Menschen die Kraft geben kann (und er wird es immer geben, solange ein zionistischer Gedanke in unseren Reihen vorhanden ist), werden wir Schritt für Schritt der Verwirklichung dieses Zieles näher rücken. Helmuth Bers. Vermischtes Konzert. Am 6. d. M., abends 8% Uhr, findet im Schwechten-Saal, Lützowstr. 76, ein Klavierabend von Mtrra F e j - gelsson statt, in welchem die jugendliche Künstlerin u. a. werke von׳Brahms, Händel, Chopin, öebussy zu ■Gehör bringen wird. Brith Trumpeldor. 4. März, 9 Uhr, Führerkursus: Pädagogik. Leitung: Alexander Reiter, Heim Potsdamer Sfr. 61. — 11. März: Trumpeidorfeier im Heim, Potsdamer Str. 61. — 18. März, 8Vs Uhr: Oeffentliche Versammlung. Thema: ״Der Kampf um den politischen Zionismus“. Referent: Alexander Reiter. Freie Aussprache. — Jeden Sonnabend: Turnen; 5»/s Uhr für Jüngere, 81/3 Uhr für Aeltere, Turnhalle der Jüdischen Schule, Große Hamburger Straße. Allgemeine Jungzionisten. 5. März, abends 8 Uhr, bei Klapper, Münzstr. 22. Vortrag von Salli Lewin über ״Zionistische Jugend und zionistische Gesellschaft“. Gäste willkommen. — Anschrift: James Bcndersky, Invalidenstr. 6, Weidendamm 0934. Palästina-Arbeiter-Fonds. 11. März, abends 8 Uhr, im Tiergartenhof, Berliner Str, 1, am Bahnhof Tiergarten Tel Chaj- Gedächtnisfeier, veranstaltet von der am Hebräischen interessierten Jugend gemeinsam mit dem P. A. F. Aus dem Programm: Gedächtnisrede, hebräische Lieder und Sprachchöre, Musikvorträge. Eintritt für Jugendliche 0,50 M., für Erwachsene 1 M. Berliner Zionistische Vereinigung. 5. März, abends 81/2 Uhr, Gruppe West der B. Z. V. im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10. Dr. Werner Bloch: ״Der Aufbau der Jewish Agency“. — 5. März, abends SV3 Uhr, Gruppe des XII. Bezirks der B. Z. V. im Cafe Bohne, Albrechtstr. 178 (am Bahnhof Steglitz). Dr. Georg Herlitz: ״Der Aufbau der Jewish Agency“. Verband jüdischer Frauen für Palästinaarbeit. Ein regel* mäßiger Verkauf palästinensischer Handarbeiten (Kinderkleider, Damenkleider una-blusen, Teegedecke, Buntstickerein, Spitzenarbeiten) findet an jedem Montag und Donnerstag von 3 bis 6 Uhr in der Wohnung von Frau Rechtsanwalt Cohn, Potsdamer Straße 99,1 (zwischen Kurfürsten- und Bülowstraße) statt. Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina. Bezirksgruppe West: Dienstag, den 11. März, nachm. 41/3 Uhr, im K. J. V., Bleibtreustr. 50. Vortrag von Fräulein Gusta Strumpf: ״Die Arbeiterin in Erez-Israel“. Gäste willkommen. Das Jüdische Kabarett ״Kaftan“ wurde eingeladen, im Monat Mai in Budapest zu gastieren. Jiddisches Wissenschaftliches Institut. Donnerstag, den 6. März, um 1/9״ Uhr abends, wird in den Räumen der Jüdischen Gemeinde (Rosenstr. 2/4, Zimmer 23) die ordentliche Voriesung des Kursus stattfinden. Herr E. T s c h e r i k 0 w e r wird den ersten Vortrag über ״Die geistigen Strömungen des jüdischen Lebens in Rußland im 19. Jahrhundert: Maskilim, die ersten Sozialisten, die nationale Bewegung“ halten. Die Vereinigung für die Interessen der Alten Synagoge veranstaltet am Donnerstag, dem 6. d. M., einen Vortragsabend, Beginn 8 Uhr, Rosenstr. 2/4. Redner ist Herr Rabbiner Dr. Alexander, Thema: ״Der 7. Adar“. Die Besucher und Besucherinnen der Alten Synagoge sowie Gäste sind willkommen. Vortrag Siegfried Lehmann. Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Str. 120, veranstaltet im Rahmen eines Zyklus über vergleichende Erziehungskunde am Mittwoch, den 5. März, abends 8 Uhr, im großen Saal, einen Vortrag des bekannten jüdischen Pädagogen Dr. Siegfried Lehmann über das von ihm gegründete und geleitete Kinderdort Ben Schemen mit dem Thema: ״Ein Produktionserziehungsversuch im Waisendarf Ben Schemen“. Ein neu aufgenommener Film gelangt zur Vorführung. Unkostenbeitrag. Das Jacobsonheim in Seesen a. Harz, das dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände gehört, eröffnet am 1. Mai 1930 den diesjährigen Betrieb. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß Anmeldungen rechtzeitig, d. h. möglichst vier Wochen vorher, an das Büro des Reichsausschusses, Berlin N 24, Oranienburger Str. 13/14, zu richten sind. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß für die Schulferien Juli/August im wesentlichen nur Anmeldungen von Schülern der hündischen Jugend berücksichtigt werden können. Für Mai können noch jetzt Anmeldungen, die umgehend schriftlich eingereicht werden, entgegengenommen werden. 8 Uhr, im Plenarsaal des Herrenhauses, Leipziger Str. 3, einen Abend unter dem Titel ״Geist und Tat“. Es sprechen: Jules Romains (Paris) über ,.Die Aufgabe der Geistigen in Europa“, ferner Karl Maria Finkelnburg, Alfons Goldschmidt, Kurt Hiller, Alfred Wolfenstein. Consfantin Brunner läßt im Verlag Gustav Kiepenheuer eine neue Schrift erscheinen, die den Titel führt: ״Von den Pflichten der Juden und von den Pflichten des Staates“. In dem Buche wird, wie aus der Vorankündigung hervorgeht, natürlich auch gegen den Zionismus Stellung genommen. 8ml1«if«w Berliner Organisation sucht zum m<%!idhß! baldigen Autritt» spätestens zum 1. April, etaftö organisatorisch befähigten, der deutschen, englischen und hebräischen Sprache in Wort und Schrift kundigen General-Sekretär Berliner werden bevorzugt- Bewerbungen von Herren gesfttzestreuer Richtung erbeten unter 4L, -433® an die Jüdische Rundschau, BeiKj* W15, Meioelcestraße 10 Möbl. Zimmer im Hansaviertei per sofort oder später sehr preiswert für Dame oder Herrn abzugeben. Off. unter C. 4539 an die Jüdische Rundschau, Bin. W15, Meinekestr. 10. Doktor-Examensarbeiten Diktate, Abschriften, Uebersetzungeu Vervielfältigungen icdcr Art Aushilfen auch außer dem Hauses. Frau Clara UUmann (früher Wöllstein) l* lotowstraße 5 unmittelbar ans Bahnhof Tiergarten Tel.: Hansa 53 05. Anmeld.: bis 29/ג Uhr tnorg. a׳d. 37־ nachm. צ1 empfiehlt »ich tur Anfertigung eleganter und einfacher Damen-Garderoben za soliden Preisen Berlin W 63 Lntberstrafie 47 Garth. Ul F«m,prechers (B 5) Barbarossa 7838 ■־־f--- Purim-Karte ,,Mordccbad und Haman“ künstlerisch. Farbendruck IS Pf. als Schokoladen - Packung 25 Pf. ״Esther und Ahasveros“ Schok.-Padc., färb. Stanniol 20 Pf. Seder•Gläschen für Kinder, Stehauf * Form, farbig graviert nCD auf Bestellung Vornamen M. I.־— Kniistgewer&estu&e Freademtu&i Bres'au, Goethestraße 11 Grolles 0111 mCM Zimmer mit altem Komfort, Nähe Unter• gruadbbf. Ublandstrs&e» per sofort tu vermieten, auch mit Pension. Näheres telefonisch: Bismarck 2X37 (2—4 Uhr). Für 2 Michels (5 und 1Jahr) wird nach auswärts eine Erzieherin (Montegsoristin) gesucht, Meldungen mit Empfehlungen an Dr. Robinson, b. Eckert, Schoneberg, Hauptstr. 48״ II. Eingang I Tr. 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