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Jüdische Rundschau · 1930-02-14 · Heft 13 (14.2.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 13 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU 8 Er*cb«üMjed«n Dienstag u. Freiug. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljlhrlich 5,75 Goldtnark. Au»la«*k» i>-ntMnnggw wmdmt in dm WShjtmir dm 9kmm\9mm tMmdm bmdiaeL Knzzierniptmi*: 8 gmקי. N©Bpar«fl1#f*{1« 0,50 G.-M. StftHengemich* 0,25 O.-M. Nummer 13 | Berlin, 14. 11. 1930 Redaktion Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H, BerlinW15, Meinekeatr.10 Telephon: J I Bismarck 7165 -70. AM#l§«1*cfclaÄ; Dieastag und Fr a i 1 •g nachmittags 4 UH» Red4ktioaaschlu& Sonntag und Mittwoch nachmittag. Posta c h <r k - K ס o t « : Berlin 173 92, Banal V 9355י Belgrad 680 32 Brüssel 394 33, Budapp 596 93, Danri! 1973. Haag 140470, Prag 59410, Stfissburg 164 36, Warschau 190708, Wie» 156 030. Bank Konten: Darmstidter um! Natioaalbank, Depositen Kasan Berlin» Kuirfürsfendamm 52; Bauern de Eaf, Ceraaud (Bumänien); Asflo Psiestm• Ca i» Haifa,?«ruaalem, Tel - Aviv. Hnm■■ ה״ז שנה׳ תר״צ | XXXV, Jabrg. Der Zionismus erstrebt lür dag jüdische Volk die Schaffung elnar Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Fallatlne. ״BasalerProgramm.* Weizmann in Berlin Besprechungen mit Zionisten und Niditzionisten Dr. Weizmann hat Donnerstag nachmittag Berlin wieder verlassen. Er hatte in Berlin unter Vorsitz von Herrn Blumenleid Besprechungen mit führenden Zionisten aller kongreßpolitischen Gruppen, an denen auch einige auswärtige Geslnnungsgenosren teilnahmen (Dr. Jacobson, Dr. Hantke, Rabbi Mcir Berlin, Farbstein, Twerski, Grünbaum, Lazar Margulies). In diesen Besprechungen gab Dr. Weizmann eingehende Informationen über die gegenwärtige politische Lage und im Anschluß daran fand eine Aussprache statt. Im Hause des Herrn Direktor Oscar Wassermann fand am Montag, dem 10. Februar, abends, eine Sitzung statt, an der außer Dr. Weizmann und dem Gastgeber Herrn Wassermann, folgende Persönlichkeiten teilnahmen: Professor Albert Einstein, Rabbiner Dr. Leo Baeck, Generalkonsul Eugen Landau, Legationsrat Prof. Dr. M. Sobernheim, Dr. Bernhard Kahn, Stadtkämmerer Bruno A s c h - Frankfurt a. M, Willy Dreyfti *, Dr. Friedrich B r o d n i t z, Rabbiner Dr. H o r o w i t z - Frankfurt a. M, Jakob Heckscher - Hamburg, Berthold Israel, Leo Simon, Dr. Albert Sondheimer- Frankfurt a. M., Julius Schindler- Hamburg, Dr. h. c. Alfred Leonhard Tletz-Köln, Dr.Ludwig Tletz, Justizrat Dr.B 1 au-Frankfurt a. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer - München, Dr. Victor Jacobson, Dr. Arthur Hantke, Kurt Blumen fei d, Dr. Martin Rosenblütb. Zur Erörterung kamen Fragen der Jewish Agency und des Keren Hajessod Im Zusammenhang mit dem notwendigen Arbeitstempo in Palistina. Donnerstag mittag gab der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Dr. von Schubert, ein Frühstück, an welchem außer Herren des Auswärtigen Amtes (Freiherr von Richthofen, Legationsrat Prof. Sobernheim) die Herren Dr. Weizmann, Dr. Jacobson, Kurt Blumenfeld, Jakob Goldschmidt, Generalkonsul Eugen Landau, Chefredakteur Georg Bernhard, Dr. Klatzkln, Dr. Rosenbiüth u. a. teilnahmen. Der Einstein-Wald Einweihung am 15. Sdt’wat Am 13. Februar (15. Schewat) wurde in Kirjath Anawim die feierliche Einweihung des Einstein-Waldes vörgenommen, der jikaagfikb auf Initiative der dfuts|h|g Zionisten aus Annoch berichten» Von den zahllosen Olöckwünschen, die das Hauptbüro des Keren Kajenjeth anläßlich der Vollendung des Einstein-Waldes erhielt, seien die folgenden erwähnt: Nehmen Sie meine aufrichtigsten Glückwünsche zu dem Feste, das der Keren Kajeraeth durch die Pflanzung des Einstein-Waldes begeht, entgegen. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, daß der unvergängliche Ruhm, den sich Einstein in der ganzen Welt erworben hat, auch auf die Tat, die Sie jetzt tun, ausstrahlen möge. Möge er dazu beitragen, in Erez-Israel Ruhe und Frieden einkehren zu lassen, die das höchste Streben aller Auserwählten der Menschheit, an ihrer Spitze Albert Einstein, sind. Bleiben Sie stark und fest in dieser Stunde der Prüfung! Der Sieg Israels wird nicht gefährdet werden. Chaim Weizmann. Zu dem Fest der Anpflanzung des Albert-Einstein-Waldes sprechen wir Ihnen unsere herzlichsten Glückwünsche aus. wir nehmen an der Feier dieses unseres Werkes ganz besonderen Anteil, da wir das Glück haben, daß Albert Einstein in unserer Mitte und in unserem Kreise lebt. Es gereicht dem jüdischen Volke und der Sache Palästinas zum größten Ruhme, daß dieser große Mensch, dieser stolze und treue Jude, dieser geniale Gelehrte einer der unseren ist, ein treuer Sohn unseres Volkes. Einsteins Liebe gehört der ganzen Welt, gehört der Sache des Friedens. Möge sein Name ein Symbol auch für unser. Werk werden. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Der Abschluß ihrer Anpflanzung, des Albert-Einstein- Waldes veranlaßt mich, meine große Genugtuung über diese Ehrung Einsteins zum Ausdruck zu bringen. Gereicht das Wirken Einsteins dem ganzen Judentum zur Ehre, so gereicht es wiederum der Judenheit zur Ehre, daß sie ihren Stolz auf diesen großen unter den größten Meistern so sichtbar in die Erscheinung treten läßt Die Schätzung des Geistes und der WissfnscjMtfL die tu een darf'daran erinnert werden, daß nach jüdischer Tradition das Wirken der Gelehrten ohne Unterschied den Frieden unter den Menschen fördert. Oscar Wassermann. Glücklich und stolz, im Laufe eines Jahres dieses Denkmal geschaffen zu haben, grüßen wir Erez-Israel am Tage der Anpflanzung des Einstein-Waldes. Es lebe Einstein, es lebe der Keren Kajeraeth! Die La'ndeskommission des Keren Kajemeth für Deutschland. Zionisten Hollands haben sich mit Kollegen und Freunden von Professor Albert Einstein zusammengefunden in dem Verlangen, dem Gesinnungsgenossen und Freunde zu seinem 50. Geburtstag ein Zeichen ihrer Liebe und Dankbarkeit zu schenken. Von den Zionisten wird er hochgeschätzt, weil er seinem Volke die Treue gehalten hat und durch Taten hilft bei seinem Streben, eine Wohnstätte in Erez-Israel zu erlangen. Kollegen und Freunde betrachten ihn als einer der ihrigen, nicht nur weil sie zusammen einer Wissenschaft dienen, sondem auch weil Holland ihn mit Stolz als Leidener Professor feiern darf. Wir Zionisten, Kollegen, Freunde, wußten, daß wir einem Einstein kein schöneres Geschenk geben konnten als eine Vergrößerung des Eigentums seines Volkes. Ihm zur Ehre haben wir uns deswegen vereint zu einem, seinem Gedanken und bieten ihm zwei Gärten in Palästina an, welche seinen Namen tragen werden. Mögen die Völker auch durch Erez-Ishael seines Namens gedenken und möge er selber das Glück seines Volkes erleben in seinen Tagen. Im Namen der Zionisten, der Freunde und Kollegen in Holland: Prof. Dr. D. Cohen, Amsterdam; Prof. Dr. P. Ehrenfest, Leiden; Prof. Dr. LOrnstein, Utrecht Neue Todesarteile Jerusalem, 11. Februar. (J. T. A.) Das Gericht in Haifa hat am Sonnabend gegen neun Araber aus Safed verhandelt, die angeklagt waren, während des Judenmassakers in Safed am 29. August den Direktor der Safener Misracbi-Schule Efrlat und seine Gattin ermordet zu haben. Das Gericht fand die Angeklagten für überführt und verurteilte sie zum Tode. Am Montag, dem 10. Februar, trat In Jerusalem das Bemtungsgerlcht zusammen, das sich aus den Richtern Mac jJonnel, Baker und Copeland zusammensetzte, um In der von den Verurteilten eingelegten Berufung eine Entscheidung zu treffen. Nach einem zweistündigen Plädoyer des arabischen Anwalts verzichtete das Gericht auf die Anhörung der Erwiderung des Staatsanwalts und bestätigte das neuntacheTodesurteil des Erstgerichts. * , Jerusalem. 11. Februar. (J. T. A.) Eine von dem Beduinenscheich Mitngal Pasha geführte Gruppe von Aerzten, Anwälten, Kaufleuten Transioraaniens übersandte dem Ober- Kommissar Sir John Chancellor eine Petition, in der der Oberkommissar gebeten wird, auf seinem Verlangen, daß Trans- Jordanien den wegen Teilnahme an der Ermordung von tsaac Mamaan in Safed verfolgten Ahmed Taphiseh nach Palästina ausliefert, nicht zu bestehen. Die Auslieferung würde — da er politischer Flüchtling ist — den internationalen Gepflogenheiten widersprechen. f Ahmed Taphiseh hat zusammen mit den beiden Brüdern Raneim und Ahmed Jabour den Mord an Mamaan vollführt. Es gelang ihm, aus dem Gefängnis zu entkommen, während die drei anderen Mittäter später zum Tode verurteilt wurden. Bei einem seiner Raubzüge wurde er im transjordanischen Orte Ramtha ergriffen und ins Gefängnis gebracht. Bayerisches uni englisches SehädUgeseli Audi im englischen Parlament wird gegenwärtig ein neues Gesetz betreffend ״humane Schichtung" von Tieren behandelt. Dieses Gesetz sieht ähnlich wie das im Bayerischen Landtag angenommene Sdiächtgesetz eine Betäubung der Tiere vor dem Schlachten vor. Es enthält aber eine Bestimmung, daß den Juden und Mohammedanern erlaubt ist, die Schichtung von Tieren nach ihren Riten vorzunehmen, vorausgesetzt, daß die Schächter von den religiösen Oberhäuptern der Juden bzw. der Mohammedaner zu ihrem Geschäfte autorisiert sind. Diese Söndcrbestimmung im englischen Schichtgesetz stützt sich auf Wissenschaftliehe Expertisen. Die Gegenüberstellung von englischer und bayerischer Methode in dieser Frage erklärt vielleicht, warum die Engländer gute Politiker sind. Es ist nämlich kein Zweifel, daß bei dem Bayerischen Schachtgesetz ausgesprochener und unterbewußter Judenhaß Pate gestanden haben. Schlüsselpositionen Vor einiger Zeit hat Dr. Elias Auerbach aus Haifa mit großem Nachdruck in der ״Jüdischen Rundschau" darauf hingewiesen, daß die Ereignisse in Palästina die zentrale Bedeutung unserer Bodenpolitik blitzlichtartig erhellt haben. Herr Dr. Auerbach kritisierte manche ״Prinzipien“ und einzelne Wege der Bodenpolitik des Keren Kajemeth. Es ist hier nicht der Ort und würde auch nicht dem Ernst der gegenwärtigen Situation entsprechen, sieh mit Dr. Auerbach polemisch auseinanderzusetzen, zumal seine Kritik sich auf die Vergangenheit bezieht. Gegenwärtig läßt sich schwer sagen, welche Böden für uns dringender sind: städtischer oder iandwirtschaftlicher Boden, denn es ist eine Situation entstanden, ״wo uns aller Boden — den wir nicht besitzen — unter den Füßen brennt“. Es ist an der Zeit, daß jeder Zionist und jeder Palästinafreund sich der akuten Gefahr des Augenblicks bewußt wird und daraus die nötigen Schlußfolgerungen zieht. Die Londoner Jahreskonferenz vom Juli 1920 hat die Bodenpolitik des Keren Kajemeth bestimmt Neben der Gründung des Keren Hajessod war dies das positivste Ergebnis dieser ersten zionistischen Weltkonferenz nach dem Kriege. Wie hat sich der grundlegende Beschluß über unsere Bodenpolitik im Laufe der verflossenen zehn Jahre praktisch in Palästina ausgevvirkt? Jeder, der nur einigermaßen über die Bodenverhältnisse Bescheid weiß, wird verstehen, daß Millionen Dunam unbebauten, brachliegenden Bodens in das Gemeineigentum des jüdischen Volkes überzuführen, ungeheure Mittel und lange Zeitliufte erfordert Aber die planmäßige und praktische Bodenpolitik des Keren Kajemeth hat, neben diesen Endzielen, sehr naheliegende, zeitlich sehr begrenzte Aufgaben. Es handelt sich bei dieser friedlichen Land-Erobe- *IHJf* um dje Erlangung ScWliStlp0*Wff*il» die wir sofort in unseren Besitz bringen pttÄÄ Ä uns sonst verloren gehen und wir ohne sie unser Endziel niemals erreichen werden. Eine solche Schlüsselposition war der Emek Jesreel, für dessen Erwerbung Unmittelbar,nach der Londotier Jahreskonferenz Usgischkin seinen ganzen Einfluß aufbot. Auch die Gegner von damals werden heute zugeben, daß dies die größte Leistung unserer Organisation in Palästina im letzten Jahrzehnt war. Auch für eine zweite, derartige Schlüsselposition hat Ussischkin den ersten, wichtigen Schritt unternommen, als er im Sommer 1927 nach Kanada fuhr und das kleine Häuflein unserer dortigen Gesinnungsgenossen dazu bewog, eine Million Dollar für 50000 Dunam Boden im Emek Hascharon zur Verfügung zu stellen. Wir haben damit den Anfang für die Erschließung eines der wichtigsten Pflanzungsgebiete des Landes gemacht Und eine dritte Schlüsselposition, die in ihren weltwirtschaftlichen Aspekten nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, ist der Emek Akko-Haifa, den der Keren Kajemeth im Vorjahre trotz angespanntester Finanzlage als jüdischen Volksbesitz erworben hat Die Freunde des Keren Kajemeth — und wer ist nicht sein Freund — sind stolz auf seine Leistungen und hören es immer gern, wenn er seinen Bodenbesitz vermehrt. Es ist aber an der Zeit, daß alle Zionisten und Palästinafreunde sich mit jener Politik aktiv und passiv befassen, die weder in London, noch in Jerusalem, noch in Genf, sondern an zehntausenden von Orten der ganzen Welt gemacht wird, nämlich mit der praktischen Bodenpolitik des Keren Kajemeth. Diese Politik heißt: durch kleinste Leistung jedes Einzelnen das größte, umfassendste und wichtigste Problem, nämlich das Bodenproblem lösen. Dazu bedarf es keiner tiefen Erkenntnisse, keiner besonderen Vorbereitung, daran kann das ganze Volk teilnehmen, jede Richtung innerhalb unserer Bewegung, unbeschadet ihrer besonderen Anschauungen. Wenn eine verhältnismäßig kleine Schar junger Menschen im Verlauf von 28 Jahren aus Hellern und Pfennigen zirka 50000000 M. zusammenbrachte und damit den Grundstein eines nationalen Vermögens für das jüdische Volk in Palästina gelegt hat, ist das eine bedeutende Leistung, wenn wir uns auch sagen müssen, daß der größte Teil des jüdischen Volkes und — seit einer Reihe von Jahren ein großer Teil der Zionistischen Organisation sich ziemlich passiv zu dieser Leistung verhalten hat. Dafür nur einige Beispiele. Unmittelbar nach den traurigen Ereignissen hat hier die große Tischri- Aktion begonnen und unter dem Einfluß der Ereignisse hat sich die Spenderzahl und die Einnahme verdoppelt. Aber von den seit Jahren in Deutschland vorhandenen 20000 Büchseninhabern hat man, trotz großer Anstrengung nur die Hälfte erfaßt, weil die Zahl der Mitarbeiter zu gering war und weil — mit verschwindenden Ausnahmen ׳-. die Arbeit in den meisten Orten wieder au•-

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