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Jüdische Rundschau · 1930-02-07 · Heft 11 (7.2.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 11 (7.2.1930)
Date
1930-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 . ״R M J M..ÜUK Einzelnummer 0£S Qoldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint ]•dm Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljihrlich 5.75 Goldmark. Ausl*mi*«HonBen»«nt» weydaii m der Währung d«r «timliMti L&ader berechnet Anareieenprei«: 8 ceep Nenpareillezetle 0,50 G.-M Stelleneeeuch# 0.25 G.-M. Nummer lt | Berlin, 7. II. 1930 Redaktion Verlag und Anxeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b. H., BerlinWlS, Meinekeatr.IO Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. *\n»e%ftn»ch]nfi: Dtes«tag סod Freiing Baebnitttgs 4 Uhr RedaktionsschiuÄ Sonntag und Mittwoch nachmittag. Peiticbfck Kesten: Berlin!73 92. Bassi V 9355. Belgrad 68032 Brüssel 394 33. Budapest 596 93. Duiti* 1973. Haag 140 4 70, Prag 59410. Strsaabia! 164 30, W erschau 190 708. Wien 156 030 Bank Konten: Darmatidter und Natkmalbank, Depositen Kasse Berlin, Kurfürstendemm 52: Banca de E*t, Cemauti (Rumänien); .Angle Paleetine Co. in Haifa, temselem, Tel Aviv. ט, שבט/ תר«צ | xxxv. JabrgT per Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Pallsttna. ״Baseler Programm.«■ Die Hot der russischen Juden Palästina und das Mandat Durch die russische Revolution, die sich gegenwärtig bemüht, grundlegende Veränderungen auf dem flachen Lande herbeizufuhren, sind die in der Sowjet-Union lebenden Juden stärker betroffen als alle anderen Nationen des sowjetisfisehen Riesenreiches. Mehr als zwei Drittel der russisehen Juden sind brotios und deklassiert Die Versuche, sie in erheblichem Maße auf dem Lande zu kolonisieren, schreiten naturgemäß nur sehr langsam vorwärts, obwohl die amerikanischen Juden beträchtliche Mittel für diesen Zweck zur Verfügung stellen. Aber abgesehen davon, daß die objektiven Voraussetzungen in der Sowjet-Union eine Deklassierung und Pauperisierung der jüdischen Massen zur Folge hatten und stetig die Lage der Juden verschlechtern, sina viele Momente wirksam, die sich entweder ausschließlieh oder in besonders starkem Grade gegen die Juden auswirken. So richtet sich die Verfolgung der Religion in der Sowjet-Union gegen die j ü d i s c h e Religion stärker als egen die anderen Konfessionen. Die Verfolgung der ebräischen Sprache ist überhaupt das einzige Beispiel von Unterdrückung einer Sprache im ganzen Reich. Die KoIIektivisierung in den Dörfern wird mit besonderer Rigorosität gerade gegen jüdische Kolonisten zur Anwendung gebracht. In all diesen Aktionen spielt die ״Jewsekzia“ eine verhängnisvolle Rolle. Die nichtjüdisehen Gewalthaber der kommunistischen Partei und der einzelnen Sowjet-Regierungen werden von den Mitgliedern der ״Jewsekzia“ geradezu aufgehetzt, um die Schärfe der geltenden Gesetze besonders rigoros . gegen jüdische Gruppen an zu wenden, die sich nicht restlos der ״Jewsekzia“ unterordnen. Da cs unter Russen und Ukrainern ״Kulaken", Großbauern, gibt, bemüht sich die ״Jewsekzia“ darzutun, daß man auch einen Kampf gegen jüdische Kulaken führen müsse. Da die meisten jüdischen Bauern erst vor wenigen Jahren von der Sowjet-Regierung kolonisiert wurden, ist anzunehmen, daß es jüdische Großbauern kaum geben kann. Das geniert aber die ״Jewsekzia“ nicht. Wenn die kommunistischen Organisationea der Ukrainer, Russen, Weißrussen oder andere Völker einen Kampf gegen die Kulaken in ihren Nationen führen, so kann natürlich die ״lewsekzia“ nicht zurückstehen. Die Form der Koliektivisierung der jüdischen Kolosie« begentet Die ReligionsVerfolgung in der Sowjet-Union hat in der ganzen. Weit Proteste hervorgerufen. In den Parlamenten Englands und der Vereinigten Staaten ist gegen den Gewissenszwang, der von der Spwjel-Regierung geübt wird, leidenschaftlich Klage geführt worden. Die protestantische Kirche in Deutschland hat gleichfalls einen Aufruf gegen die Unterdrückung der religiösen Bekenntnisse in der Sowjet- Union erlassen. In all diesen Kundgebungen ist leider nicht zum Ausdruck gekommen, daß gerade die jüdische Religion und die hebräische Sprache in der Sowjet-Union den allerschwersten Bedrückungen ausgesetzt sind. Täglich erreichen uns Nachrichten, in welch unmenschlicher Weise jede positive jüdische Gesinnung von der ״Jewsekzia“ als konterrevolutionär denunziert und dann von den Sowjet-Behörden rücksichtslos verfolgt wird. Den Juden in Rußland, die einer zionistischen Gesinnung verdächtig sind oder die als Anhänger der hebräischen Sprache gelten, wird von der ״Jewsekzia“ gedroht, daß man sie noch rücksichtsloser verfolgen werde, wenn sie wagen sollten, sich an die öffentliche Meinung außerhalb der Sowjet-Union zu wenden. Da in Rußland keine Pressefreiheit existiert und die politische Polizei selbstverständlich auch das Briefgeheimnis mißachtet, sind die Juden, die nicht der ״Jewsekzia“ angehören, Das Miffloncnlegal für zionistische Zwecke Der Prozeß in Südafrika zugunsten der Zionistischen Organisation entschieden Wie aus Durban (Südafrika) telegraphiert wird, fand dort am 3. Februar vor dem Obersten Gerichtshof die Verhandlung wegen des Legats des verstorbenen Albert Soloman Nathan statt und endete mit dem von dem Richter Justice Tatham gefäl’ten Urteil, wodurch dem Jewish Colonial Trust als Finanzinstrument der Zionistischen Weltorganisation die Erbschaft von 330 000 Pfund zugesprochen wurde. Ueber die dem Prozeß zugrunde liegenden Tatsachen haben wir seinerzeit berichtet. Nathan, ein reicher Jude in Natal, hatte den Hauptteil seines Vermögens, 330 000 Pfund, testamentarisch dem ״Jewish Colonization Trust“ vermacht mit der Bestimmung, daß das Kapital 50 Jahre lang nutzbringend angelegt werden soll und die dann entstandene Summe von 1 Million Pfund für die jüdische Kolonisation in Palästina zu verwenden ist. Die Schwierigkeiten ergaben sich nun aus der Tatsache, daß es einen ״Jewish Colonization Trust“ nicht gibt, sondern nur den ״Jewish Colonial Trust“ (die von der Zionistischen Organisation gegründete Bank mit dem Sitz in London), und außerdem eine ״Jewish Colonization Association“ (ICA), den aus dem Vermögen des Baron Hirsch gebildeten Fonds. Beide Institute machten nun Ansprüche auf die Erbschaft geltend, außerdem aber erklärten die Verwandten des Verstorbenen, daß infolge der Unklarheit der testamentarischen Bestimmung die ganze Verfügung als ungültig angesehen werden müsse, so daß die gesetzlichen Erben einzutreten hätten. Der Richter stellte Rieh nun auf Grund der von der Zionistischen Organisation beigebrachten Beweise auf den Standpunkt, daß der Verstorbene nur das Instrument der Zionistischen Organisation gemeint haben könne. Der Gebrauch des Wortes ״Colonization“ anstatt ׳,Colonial“ müsse auf einen nicht näher erklärbaren irrt um zurückgeführt werden. Damit ist diese Millionen- Erbschaft, die freilich noch auf Jahre hinaus nicht realisierbar *st, dem zionistischen Aufbauwerk zugefallen. praktisch nicht imstande, ihre Klagen der Welt zur Kenntnis zu bringen. Wagt es ein•׳in Rußland Jebender ausländischer Korrespondent, über die Situation Nachrichten ins Ausland gelangen zu lassen, so wird er mit Ausweisung bedroht. Vorkommnisse aus den letzten Tagen beweisen neuerdings, daß die Hauptschuldigen in der Bekämpfung alles positiv Jüdisehen in Rußland die jüdischen Kommunisten sind. Als vorige Woche das Präsidium des Zentrai-Exekutiv-Kcmitees der Sowjet- Union den Beschluß faßte, vielen tausenden Juden, einstigen Händlern, die als Rechtlose gelten, die Rechte von Sowjet- Bürgern zu gewähren, nahm das Zentralorgan der ״Jewsekzia“, der ״Emess“, überhaupt keine Notiz davon. Hingegen richtete er Angriffe gegen den ״Ort“ und gegen der! ״Agrojoint“, weil diese Organisationen sich der jüdischen Händler annehraen und ihnen durch Schaffung von Kooperativen helfen wollen. In der Sowjet-Ukraine sind über 400000 Juden unterstetzungsbediirftig, der ״Emess“ aber versuchte das zu vertuschen und behauptete, daß n u r 65 000 Juden der Unterstützung würdig sind. Er mußte diese Feststellung dann auf Grund von Angaben der wirtschaftssfatistischen Abteilung des ״Ort“ richtigstellen. In der Ukraine sind 125 000 Juden als Arbeitslose registriert, außerdem 60 000 Familien als subsistenzlos eingetragen. In Weißrußland ist die Not der jüdischen Bevölkerung so groß, daß viele Zehntausende zum Wanderstabe greifen müssen. Manche staatlichen Behörden sabotieren die Beschlüsse der Zentralregierung, den verarmten Juden zu helfen und die Juden in den Fabriken und anderswo zu beschäftigen. Das von der Sowjet-Regierung dem ״Komzet“, der Regierungskommission für Berufsumschichtung der Juden, für das Jahr 1030 in Aussicht gestellte Budget ist dermaßen gekürzt worden, daß den jüdischen Kolonisten in der Ukraine in diesem Jahre keine Unterstützung gewährt werden kann. Die Not der Juden in Sibirien und im Wo 1 ga- Gebiet, wo die Zahl der jüdischen Bevölkerung gering ist, ist so groß, daß von dort an die Gesellschaft ״Ozet“ tausende Gesuche eingelangt sind, diese deklassierten und hungernden ehemaligen jüdischen Kleinhändler zu kolonisieren. Die Zeitung ״Emess“ teilt mit, daß dioat. Flut tob. Bittgesuche» eig* fruchtlose, »1»%, 4a ״Ozet■■‘ ent: cblossen ist, ״B# 'Stiwjeterde״; erklärt' der ,,Mw fWMrtf Händler auf ihrem Rücken nicht tragen." Angesichts dieser Lage muß man daran-zweifeln, ob eine wirksame ,Unterstützung der jüdischen# Bevölkerung in der Sowjet-Union überhaupt möglich ist Jede Förderung durch jüdische Volksgenossen außerhalb der Sowjet-Union kann nur dann ernstlich wirksam werden, wenn die russische Regierung und die ״Jewsekzia" diese Bemühungen mit allen Kräften unterstützen. Wenn jedoch diese im Leben der russischen Juden ausschlaggebenden Faktoren durch ihre Haltung und ihre Maßnahmen jede Form der jüdischen Selbsthilfe sabotieren, so sind die Bemühungen der jüdischen Organisationen reine Sisyphus- Arbeit Die judenheit der ganzen Weit sollte sich vereinigen, um die öffentliche Meinung auf diese Verhältnisse aufmerksam zu machen. Vielleicht wird dann die Sowjet-Regierung, die sich einer begründeten Kritik doch nicht immer verschließt, sich in der Behandlung der Judenfrage in Rußland von der Diktatur der ״Jewsekzia“ emanzipieren. Denn nach allen vorliegenden Nachrichten trägt die ״Jewsekzia“ die Hauptschuld daran, daß die allgemeinen Regierungsmaßnahmen in der Sowjet-Union sich besonders schwer gegen die jüdischen Massen auswirken. s. n. Der Keren Hajessoä - Prozeß in Bulgarien Vor einigen Tagen fand in S o f i a eine Gerichtsverhandlung gegen die Mitglieder des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde von Sofia statt, gegen die seit dem Jahre 1926 die Klage schwebt daß sie die Bestimmungen des Gemeindestatuts verletzt haben, indem sie aus den Mitteln der Jüdischen Gemeinde Zuwendungen für den Keren H § j e s s o d bewilligten. Der Gerichtssaal war überfüllt. Der Staatsanwalt gab in seiner Rede der großen Sympathie für die zionistische Bewegung und das jüdische Aufbauwerk in Palästina Ausdruck und teilte mit, daß die Staatsanwaltschaft von der Anklage zurücktrete. Die Verteidigung lag in den Händen des Präsidenten der bulgarischen zionistischen Föderation Albert Romano und zwei anderer Rechtsanwälte. Unter den Zeugen waren drei Rabbiner und Herr Chaim Farchy, Mitglied des Council der jewish Agency und des zionistischen Aktions-Comltäs. Zur Vorgeschichte di־׳- ses Prozesses ist zu bemerken, daß im Jahre 1925 eine I onferenz der jüdischen Gemeinden in Bulgarien mit großer Majorität den Beschluß faßte, den Beitrag zum Keren Hajcssod zu einer für alle Gemeindemitglieder verbindlichen und von den jüdischen Gemeinden zugleich mit der Gemeindesteuer einzuziehenden Abgabe zu machen. Der Prozeß wurde durch die Beschwerde einiger weniger bulgarischer Juden verursacht, die die Gesetzlichkeit des Beschlusses anfochten. Mit der Zurück- Ziehung der Anklage durch deji Staatsanwalt hat die Angelegenheit durch Freispruch der Angeklagten ihre Erledigung gefunden. Sitzung des landesvorslandes Am 23. Februar 1930, vormittag! 10 Öhr, findet i!1 Berlin, im Gartensaal der Bq« Briss-Logeij, Kleiststr. 10, die erste Sitzung des in Jena gewählten Landesvorstandes der Z. V. f. D. statt. Teilnahmeberechtigt sind nur die Mitglieder und Ersatzmitglieder des Landesvorstandes. In diesem Jahre keine Purim-Upizilge. Der Stadtrat von Tel-Awiw hat beschlossen, daß bei dem diesjährigen Purim- Fest, das auf den )4. März fl.lt, im Hinblick auf die traurigen Ereignisse im August v. J. Kamevalsumzüge nicht stattfinaen. Von Viscount Cedi of Chclwood Copyright by Jüdi»che TsleyrtplfB -A F.broir UM Die britischen Verantwortlichkeiten in Palästina werden im Zusammenhang mit den dort im August des vergangenen Jahres vorgekommenen Ausbrüchen der Gewalt natürlicherweise viel erörtert. Die Erörterung bewegt sich hauptsächlich um die Unternehmungen hinsichtlich des Jüdischen Nationalheims, das ein Problem eigener Art ist in der Reihe der alltäglichen Probleme, mit denen britische Administratoren in ethem östlichen Lande gewöhnlich zu tun haben und von denen die britische Öffentlichkeit zu hören gewohnt ist. Engländer, innerhalb und außerhalb der Regierungsämter, sind mißtrauisch gegen Unbekannte und manchmal schneller bereit, ihrem Mißtrauen öffentlich Ausdruck zu geben, als sich über die ihnen verdächtig scheinende Sache zu informieren. Diskussionen könnten von Nutzen sein, wenn sie zu einem klareren Verständnis unserer spezifisehen Pflichten als Mandatarmacht in Palästina und der Quellen, aus denen wir unsere Machtvollkommenheit ableiten, führten. Ein gut Teil der konfusen Vorstellungen über diese wesentlichen Punkte ist, so glaube ich, zurückzu führen auf die — übrigens erklärliche — Tendenz, britische Politik in Palästina von einem ausschließlich britischen Gesichtswinkel aus zu betrachten. Dies entspricht aber nicht mehr den heutigen Tatsachen, wie immer auch die Tatsachen vor der Verkündung des Mandates des Völkerbundes gewesen sein mögen. Kraft dieses Dokumentes wurde der ursprünglich auf einem britischen Versprechen der Zusammenarbeit mit den Zionisten be* MaÄWÄMtt'fiif:: m, jüdische Volk zu errichten, auf die B4sis eines Internationalen Gelöbnisses gestellt. Großbritannien als die Mandatannacht ist Kurator für Erfüllung dieses Gelobnisses. Eine Folge dieser Entwicklung ist es gewesen, daß unser Recht, die Geschicke Palästinas zu kontrollieren, auf eine viel festere Grundlage# gestellt wurde, als das bloße Recht des Eroberers. Vorn jüdischen Gesichtspunkt aus hat die moralische Sicherheit für das Nationalheim eine unermeßliche Stärkung erfahren. Es hat hinter sich die wohlüberlegte Unterstützung des Völkerbundes und, wir dürfen hinzufügen, der Vereinigten Staaten, die an diesem besonderen Mandat tief interessiert sind (in hohem Maße auch wegen dessen Bestimmungen betreffend die Heiligen Stätten) und ihm durch die 1922 von Senat und Kongreß angenommene Resolution die Billigung gaben. Für diejenigen, die, wie ich selbst, von Anfang an der Ueberzeugung waren, daß die in der Balfour-Deklaration von 1917 skizzierte Politik richtig und durchführbar sei, ist diese Entwicklung tief befriedigend.' Die bloße Tatsache der Verantwortlichkeit der britischen Verwaltung gegenüber dem Völkerbund mag an sich nicht zu einer Verringerung der Schwierigkeiten der Regierung beitragen. Der Text des Mandates, das wir verwalten, ist jedoch dazu angetan, etwas nach dieser Richtung zu tun, und es ist möglich, daß der Wert der sehr eindeutigen Richtlinien, die das Mandat bietet, noch nicht richtig gewürdigt worden ist, selbst von jenen nicht, deren Sache es ist, das Mandat durchzuführen. Jedenfalls verdient es ein sorgfältiges Studium durch jeden, der an der Zukunft Palästinas interessiert ist Dieses Mandat hat Merkmale, die es herausheben aus allen den anderen Mandaten, die ihren gemeinsamen Ur- Sprung in Artikel 22 des Völkerbundpaktes haben. Abgesehen von den Sonderverfügungen bezüglich der Kontrolle über die Heiligen Stätten sind die Klauseln, die sich auf die jüdische Einwanderung und Kolonisation beziehen, das dem Palästina-Dokument Ureigene. Ohne eine übertriebene Metapher zu gebrauchen, kann es als eine Vollmacht zur Errichtung des Jüdischen Nationalheims bezeichnet werden. Arabische Rechte sind darin wirksam geschützt: in einer Formulierung, die die Tatsache unterstreicht, daß diese arabischen Rechte der progressiven Erfüllung des Hauptzweckes des Mandates wohl untergeordnet, aber in keiner Weise entgegengesetzt sind. Deshalb muß der Text des Mandates als ein einziges Ganzes angesehen werden. Ihn als eine Sammlung von Richtlinien für eine Art administrativen Seiltanzes zwisehen der Scylla der Ungerechtigkeit gegen die Araber und der Charybdis des Treubruchs gegenüber den Juden zu behandeln, würde heißen, es dem Geiste und dem Buchstaben nach falsch zu interpretieren; dies würde sicherlich dazu führen, daß man in beide Gefahren hineinschlittert und daß sich die Unruhe, die kürzlich einen so beklagenswerten Rückschlag verursacht hat, verewigt.

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