Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer OJtS Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erschamt j«dan Dienstag uu Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmaxk, vierteljährlich 5.75 Goldmark. A1wl«ndm\T«rmn*mmt» mmdaa Im dm Wihrms dar «iaa«!a«a Lind« bere.Hnw. Atucleannr«■: 8 c**p. Ncrap.raillar.ile OJO G.-M. StcIlBBrorod»* 045 G-M. Nummer 3 | Berlin, 10.1.1930 Red^Jjpioa Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdisch• Rundschau G. m. b. H-, BerlinWlS. Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70. Ai11«i9c11MJüa&1 Di«o»tBg und Ft *ir«g Bachnittagc 4 Ubr Redaktionsschiu£ Sonntag und Mittwoch nachmittag. Pett.chcck ■ K OB t ■ a: Batiia 17392, Bbm) V 9355, 680 32 Brä•»•! 39433, Bodapa»« 596 93. D*n*ig 1973, Hm« 140 470, Prag 594», Sumliutt 164 30, Wanchaa 190708, Wüa 156 0». Bni.Ke1t.D1 Danmticlmr and Nationalbaak, Dapoaitan. Kmmm Badin, Kurfiimtrad.mm 52; Bann• da E*t, Caniauti (Rumimmn): Anglo Palaadaa Co. in Haifa* laraaalem, 1•! - Aviv. Per Zionismus erstrebt fOr das jüdische Vom die Schaffung einer »Wentllcti ■■ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.*» Agency-Sitzung in New York Wie wir eriahren, hat der Vorsitzende des Administrative Committee der Jewish Agency, Felix War bürg, das Komitee ihr den 1. Februar nach New York einberufen. Es sind jedoch noch Bemühungen im Gange, um eine Verlegung der Sitzung herbelznlühren. Sollte die Sitzung des Adm. Comm. zu der angegebenen Zeit stattfinden, dann würde das Zionistische Aktionskomitee am lt. Januar in London zusammentreten« Von dort würden sich dann die zionist,!Mitglieder des Adm« Comm. nach New York begeben. Es verlautet, daß die Sitzung sich vor allem mit der Frage der Kompetenz-Verteilung innerhalb der Agency nud der Reorganisation der Executive, deren nichtzionistische Mitglieder bekanntlich in Zürich noch nicht bestimmt wurden, befassen soll. Daneben sind die Fragen der Geldauibringung fraglos von entscheidender Bedeutung. Die Abreise Dr. Weizmanns nach Amerika steht iür den 23. Januar lest, auch wenn die Sitzung ln New York verschoben wird. Die Vereinigung «er Arbeiterparteien Tel-Awlw, 7. Januar. (J.T.A.) Tausende von jildischen Arbeitern aus allen Teilen Palästinas strömten ln Tel- Awlw zusammen, um an der großen Konferenz teilzunehmen, die den Schlußakt in der Vereinigung der beiden palästinensisehen Jüdischen Arbeiterparteien Achduth Haawodah und HapoöI-Haza?r bedeutet. In feierlicher Weise wurde die Vereinigte Pallstina-Arbeiter-Konferenz am Abend des 5. Januar im Beth-Am von Tel-Awiw eröffnet. Für die beiden sich vereinigenden Parteien sprachen Josef Sprinzak, der Führer des Hapoöl-HazaTr und Mitglied der gegenwärtigen Zionistischen Exekutive, und der Führer der Achduth Haawodah Ben Gurion. Für die Zionistische Exekutive begrüßte Dr. Arthur Ruppin die Konferenz; der Eröffnung wohnten Miß Hear{etta Szold von der Zionistischen Exekutive und für die Ussischk in R uthen borg, Keren Ha- Jessod, dem Büro der (Zweiten) Sozialistischen internationale in Zürich, dem Präsidium der britischen Labour Party, dem französischen Sozialistenführer Abg. Leon Blum, Emile Vandervelde, dem Mitglied der Labour-Regierung George Lansbury, der Jewish National Workers Alliance (Arbeiterring) in Amerika, den Hauptbüros der Hitachduth und der Poale Zion, der Weltorganisation Hechaluz und vielen anderen Institutionen und Einzelpersönlichkeiten. In der zweiten Sitzung der Vereinigungs-Konferenz am 6. Januar wurde als neuer Name für die vereinigten Parteien die Bezeichnung ״Jüdische Arbeiterpartei Pai äst Inas” angenommen. Die vorgeschlagene Plattform der Vereinigung ist von der Konferenz einstimmig angenominen worden. Dann hielten Ben Gurion und Sprinza k abschließende programmatische Ansprachen, in denen sie auch die Fragen der aktuellen Politik behandelten. Rubaschow gedachte des 80. Geburtstagess von Eduard Bernstein, worauf die Konferenz beschloß, ein GiUckwunschtelegramm an Bernstein abzuschicken. Am Abend vor der feierlichen Eröffnung der Vereinigten Konferenz hielten die beiden Parteien ihre letzten selbständigen Konferenzen ab. In seiner Rede vor der Schlußkonferenz des Hapoöl-HazaTr sagte der bisherige Führer dieser Organisation, Josef Sprinzak: Die Ereignisse von Hebron und Hulda während der Augustunruhen haben die Einheit der Arbeiter in Paiästina besiegelt. Diese Geschehnisse haben alle Differenzpunkte verschwinden lassen, die vordem..zwischen den beiden haben DÜ f§ipf V«lifp1Ä. ״dl® nicht ׳einen Abschluß. Von der Mitgliedschaft des.Hapoll- Hazai'r stimmten 85 *> für die Vereinigung, 1® ס״י dagegen, 5 «/« enthielten sieh der Stimme. Der Führer der Achduth Haawodah Ben Qurian würdigte in seiner Rede vor der Schluß- . konferenz seiner Partei das Werk des Hapoel-HazaYr in der Zeit seiner selbständigen Existenz. Wir vereinigen uns mit einer Partei, sagte er, die ein Vierteljahrhundert lang loyal die Interessen der Arbeiterschaft vertreten hat. Sie hat in diesen langen Jahren den Kampf der jüdischen Arbeit gekämpft und bewundernswerte Anstrengungen für die Schaffung einer jüdischen Arbeiterkultur gemacht. Sie hat die erste Arbeiter- Zeitschrift in Palästina gegründet und sie hat die erste Kwuzah (Daganiah) geschaffen, obgleich sie sich nicht der Tcrminologie des Kiassenkampies bedient hat. In Erwartung des Berichtes Die Shaw-Kommission wieder in London London1, 6. Januar. (J. T. A.) Die Mitglieder der par- Iamentarischen Kommission zur Untersuchung der unmittelbaren Ursachen der Augustunruhen in Palästina, Sir Walter Shaw, Sir Henry Betterton, R. Hopkins-Morris und Harry Sneli trafen Sonnabend Nachmittag wieder in London ein. Sir Henry Betterton teilte mit, daß die Kommission in Londonnocn einige Zeugen einzuvernehmen beabsichtige, bevor sie ihren Bericht abgibt. Wir sind uns alle darüber klar, sagte er, daß dieser Bericht so schnell wie möglich veröffentlicht werden muß, und die Kommission wird keine Zeit verlieren, um dieser Notwendigkeit nachzukommen. Vielleicht wird der Bericht Ende dieses Monats vorgelegt werden können, aber ich kann wirklich keine Versicherungen über diesen Punkt abgeben. Wir haben nicht viele Zeugen zu verhören und werden mit möglichster Eile verfahren. Wir hatten in Palästina neun Wochen lang sechs Stunden im Tag und sechs Tage in der Woche Sitzungen, und es war eine sehr hitzige Kommission. Wir sind uns alle klar darüber, wie wichtig es ist, daß der Bericht zu dem frühesten Termin erstattet wird, der möglich ist. In Palästina haben wir viele Zeugenaussagen von großem Umfang gehört, und dadurch hat sich eine außerordentliche Fülle zu verarbeitenden Materials ergeben. Am Sonnabend, dem Tage der Rückkehr der Kommission, begann im antizionistischen Teil der Londoner Presse eine systematische Kampagne mit dem offenbaren Zweck, die Untersuchungskommission noch vor der Abfassung ihres Berichtes und der Veröffentlichung ihrer Empfehlungen zu beeinflussen. Außer ״Daily Mail“, in dem antizionistische Antriffe eine gewohnte tägliche Erscheinung sind, widmete am onnabend auch die ״Morningpost“ ihre Leitartikelspalte und noch einen weiteren Artikel der Palästinafrage. Sie fragt, welche logischen Erwägungen die britische Regierung veranlassen, die palästinensische Selbstverwaltung abzulehnen, die Aegypten 'gewährt worden ist und deren Gewährung an Indien erwogen wird. Die Politik der Balfour-Deklaration, die sowohl den Juden wie den Arabern Unrecht tut, erhöhe nicht das Ansehen des britischen Namens. Auch ״Daily Teleg r aph“ widmet einem Artikel von Rosita Forbes ״Der Preis für den Frieden in Palästina“ eine hervorragende Stelle. Ueberraschend ist an diesem Artikel, daß er nicht nur in seinem Aufbau und seiner Argumentation, sondern auch stilistisch fast wörtlich mit der Rede Dschemal Husseims übereinstimmt, die dieser jüngst In der mit Rev. Perlzweig geführten Debatte hielt. Zionistische Führer-Beratung tn Jerusalem Miss Szold nach Palästina zurückgekehrt Jerusalem, 1. Januar. (J.T.A.) Die Zionistische Pa- Iästina-Exekutive berief für den 29. Dezember, vor Sachers London-Reise, die in Palästina wohnhaften Mitglieder des A.-C. und das Präsidium des Waad Leumi zu einer Sonderberatung zusammen, um die politische Situation und die Aussichten angesichts des Abschlusses der Untersuchung durch die Shaw- Kommission zu diskutieren. An der Sitzung nahm, lebhaft begrüßt, nach ihrer Rückkehr aus Amerika auch wieder Miss Szold teil, die über die Lage in Amerika und England berlchtete. An der Debatte beteiligten sich Harzfeld, Suprasky, Mossinspn, Remes, Dizengoff, Ben Gurion, Meremirisky, Arlosoroff, Ussischkin, Glücksohn, Ben Zwl und Rubaschoff, Gegenstand der Debatte war dleFragekonstitutionellerAenderun gen in der Palästina-Verwaltung, die für den 1. Februar nach New York einberufene Sitzung des Administrafive Committee der Jewish Agency und die Probleme des Hilfsfonds. Den Vorsitz führte das Mitglied der Exekutive, Josef Sprinzak. Im Namen der Exekutive antwortete Harry Sacher. Sach»* nach London ahgereist Jerusalem, 6. Januar. (J.T. A.) Vor seiner am 5. Januar erfolgten Abreise nach London hatte der Vorsitzende der Zionistischen Palästina-Exekutive Harry Sacher am Freitag noch eine Unterredung ,mit dem High Commissioner. Sacher fährt nach London, um dort Weizmann vor seiner Amerikareise zu treffen. Der lateinische Patriarch kauft Boden Jerusalem, I. Januar. <J. T. A.) Das lateinische Patriarchat teilt mit, daß es UOOO Dunam Boden erworben hat. Diese Böden schließen an die Böden von BethAlphaan und sollten durch den Keren Kajemeth erworben werden. Das Patriarchat schloß den Kauf ab, während der Keren Kajemeth bemüht war, eine Anleihe von 50 000 Pfund zu erhalten, durch die ihm der Kauf dieser Böden möglich geworden wäre. Dies ist der zweite wichtige Bodenkomplex, den Monsignore Barlassina in den letzten Monaten erworben hat, wahrscheinlich für die Zwecke einer armenischen Siedlung. Bilanz Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG., Tel-Awiw, 31. Dezember 1929. Die Untersuchungskommission hat das Land verlassen. Nach der Spannung, mit der man sie erwartet hatte und die Verhandlungen verfolgte, geschah der Abgang ohne Sang und Klang. Das Haus in Jerusalem, vor dem fast zwei volle Monate lang Tag für Tag die englische Wache auf- und abspazierte und drinnen unaufhörlieh die Schreibmaschinen klapperten, ist wieder in seine frühere Stille zurückgekehrt. Die letzte Woche der Ver- Handlungen brachte alle Zeichen der Ungeduld der Beteiligten, vor allem der Kommissionsmitglieder selbst; im Lande begann man nervös zu werden. Die Sache dauerte denn doch zu lange. Jetzt erwartet man den Report der Kommission und spricht bereits über die in London entstehende neue Kommission. Der Brief von Balfour, Smuts und Lloyd George hat im Lande unter den Juden das größte Interesse gefunden, und auch die englische Ausgabe des arabischen ״Falestin“ begrüßt den Vorschlag, der eine Prüfung der ״großen Politik“ für Palästina in Aussicht stellt. Selbstverständlich polemisiert der ״Falestin“ gegen die ״Un- Widerruflichkeit“ des Mandats und der Deklaration, befürwortet jedoch eine umfassende Prüfung, weil er sich davon eine Stärkung der arabischen Sache verspricht. Bevor man über die Arbeit der Kommission etwas sagen kann, muß man natürlich den Bericht abwarten. Aber heute ist es wichtig, auf die vergangenen Wochen,?urückzusehen und sich ein Bild davon zu machen, inwieweit sie die Stimmung beeinflußt haben. Die Ver- Handlungen der Kommission waren in ihrer Art ein Uni* kum. Die Initiative lag vollständig in , eine ausführliche Wiedergabe fast aller Sitzungen in der Presse gestattete, machte den Saal der Kommission noch stärker zu einem Kampfplatz, auf dem einander entgegengesetzte Meinungen, Tendenzen und Ambitionen um die Vorherrschaft stritten. Schon die Anordnung des Saales war charakteristisch für die Gesamtsituation: Auf der einen Seite die Kommission, auf der andern die Regierung, die Juden und Araber voneinander trennt Die gesamte Prozedur mutete an wie eine Maschine, die, einmal angestellt, ihren Weg weitergeht bis sie abgelaufen ist ohne daß man sie aufhalten kann; es schien sogar manchmal schwierig zu sein, ihr eine bestimmte Richtung zu geben. Eine Zeugenaussage zog die andere nach sich; um sich zu verteidigen, mußte der andere beschuldigt werden, so schloß sich ein Glied der Kette ans andere. Besonders bezeichnend für diesen Zustand w׳ar die Haltung der Regierung. Sie hat zuerst — was die Unruhen anbetraf — der Kommission das wichtigste Material geliefert. Sie brachte einen in den großen Linien richtigen Polizeibericht über den Verlauf der Ueberfälle. Darüber hinaus sah sie sich zu keiner Licferung von Beweisen oder Motiven imstande oder verpflichtet. Sie wandte sich im Gegenteil nach dem Schluß des ersten Teiles der Untersuchung, der sich mit der Feststellung der Tatsachen des August beschäftigte, ausschließlich ihrer eigenen Verteidigung zu und führte diese mit großem Nachdruck durch. Sie verhörte nur die Zeugen, die die Regierung bloßstellten, häufte Beweise für die Unschuld und Tüchtigkeit der Administration, und wurde damit zu einer der Parteien im ״Prozeß“. Es mußten aber unter den gegebenen Umständen die meisten und schwerstwiegenden Anklagen aus jüdischem Munde kommen, soweit es sich um die Unruhen handelte. Denn die Juden wurden angegriffen und von der Regierang nicht beschützt, und brachten das mit aller Deutlichkeit vor die Kommission. Die Angriffe der Araber dagegen richteten sich nur zum geringsten Teile gegen die palästinensische Administration. Sie beklagten sich über den Kurs von London, der mit seiner Verfolgung der Mandatspolitik alles andere — die ״projüdische“ Politik der Regierung und alles was damit zusammenhängt — verursache. Bei dieser Sachlage konnte die Palästinaregierang die arabischen Anklagen übergehen und es dem Colonial Office überlassen, sich damit zu beschäftigen. Die Anklagen der Juden aber, die sich gegen Jerusalem richteten, waren ihr äußerst unbequem, und sic beantwortete sie mit einem Gegenangriff gegen die Exekutive. Der Spieß wurde damit umgedreht und die Juden sahen sich zwei Fronten gegenüber, der aräbischen und der englischen, die sich gelegentlich vereinigten, zum Beispiel w׳o es die Verteidigung des Mufti galt. Die Situation in der Kommission wurde nicht nur durch diesen Doppelangriff gekennzeichnet, sondern auch durch die Einbeziehung der gesamten palästinensischen Politik in den Kreis der Untersuchung. Die Araber muß-