Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1930)
- Date
- 1930-01-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mtnmhmmmcr 0J3 Qotdrmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dieusugu. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2»~ Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. A»«l»ndMbonn»m«m» «׳*rdee to de» Währen* d« •iu«ls*n Länder bmehn«, Aanteaapnl•: 8 *•ap. Noap«™fli»*«a• OJO G.-M SwJI*n*#»udj# 0.25 C.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b,H-, Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70. Nummer 2 AnreiscnscWuS: Dienattg und Freitag nachmittag• 4 Uhr Berlin, 7.1.1930 RedaktionsschluB Sonntag und Mittwoch nachmittag. P o a t c h a c k •Ko man: Berlin 17392, Baael V 9355, Belgrad 68032, Bröaaal 3M33. Bydapaat 596 93, Danzi« 1973, Haag 140 470, Pr•» 59410 Söaaabari 164 30, Waraduti 190708, Wian 156030. Biok.Koaun! Darawtidtar und Nationalbank, Dtpa*■«■ Kaaaa Berlin, Kvirlurstandamni 52: Banra da Eat, CernauU (Ruminlen); Anglo Paleatin« Co. in Haifa, Taruaalatn. Tal •Aviv. ד טבח* תר״צ | xxxv, Jahrg. Per llonienm» eretrebt für de» JOdfoche Volk die Schaffung «Ine«־ aWantHeh ■ rechtlich gesicherten Heimstätte In Pallstlna. ״Baseler Programm.*‘ Die politische Debatte in Jena Wir haben tn der vorigen Nummer kurz den Hergang des Delegiertentages geschildert. Wir geben heute einen ausfßhrlicheren Bericht zunächst über den ersten Teil der Tagung und werden die Debatte über zionistische Arbeit in Deutschland nachtragen. '* Der Delegiertentag wurde, wie bereits gemeldet, Sonntag, ant 29. Dezember, 10 Uhr vormittags, von dem Vorsitzenden der Z.V.f.D., Herrn Blumenfeld, mit einer Begrüßungs- Ansprache..eröffnet. Die Zusammensetzung der Tagung war folgende: Op wählte Mitglieder: Allgemeine Zionisten (linke? Zentrum) 57, Hitachduth und Soz.-Zionisten 35, Misrachi 25, Unabhängige Allgemeine Zionisten (Kolienscher-Oruppe) 14, Revisionisten 12, Radikale 6. Dazu kommen noch die nicht stimmberechtigten Landesvorstandsmitglieder: Allgemeine Zionisten 9, Hitachduth und Soz.-Zionisien 5, Misrachi 4, Unabhängige Allgemeine Zionisten, Revisionisten und Radikale je 1. Ins Präsidium des Delegiertentages werden gewählt: Kurt Blumenfeld (Präsident), Sieg- Med Moses, Wolf heim, Rabin, Kalmus, Belilowsky und F ett (Vizepräsidenten). auch feststellen, daß die Araber andere Auffassungen von Treu und Glauben haben als wir. Auch vor der Untersuchungskonimission hat sich der Charakter der Araber in eigentümlichem Lichte gezeigt. Die Leute, die die skrupellosen Unterdrücker der Fellachen sind, haben sich dort als Beschützer der Armen aufgespielt Dieselben Menschen, die aus nationalen Gründen gegen den Verkauf von Boden agitieren, profitieren vom Bodenverkauf an Juden. Wir haben kein Interesse daran, den Fellachen Boden wegzunehmen und wir sollten die ersten sein, die für die Errichtung einer Landbank zugunsten der Fellachen eintreten. Redner geht dann über zur Besprechung der englischen Politik. Seit dem Jahre 1922 hat die englische Politik sich von den Juden abgewandt und den Arabern zugewandt. Es gibt heute keinen einzigen Juden in Palästina, der Vertrauen hat zur englischen Verwaltung. Bei der Untersuchung haben sich unsere schlimmsten Befürchtungen über das Verhalten der Ver- Wartung bestätigt. Wir haben auch die Erfahrung, daß die Absicht vieler hoher Beamten der Palästinaregierung dahin ging, Der nene GeschäHstflhrende Ansschuß Hierauf hält Dr. Wei zmann sein Referat über die poiitische Lage im Zionismus, das wir bereits in der vorigen Nummer abgedruckt haben. Sodann beginnt die politische Debitte. Der Delegieftentag beschließt mit großer Mehrheit, däß der anwesende Vertreter der palästinensischen Arbeiter- Organisation Berl Kaznelson das Recht erhalten soll, zu sprechen. Ein Antrag, auch Dr. Danziger das Wort zu feben, erhält bei der Abstimmung Stimmengleichheit, worauf er Vorsitzende Dr: Moses vorschlägt, Dr. Danziger das Wort!«»•erteilen,' *־ Als erster Redner erhält das׳ Wort, das• anwesende Ml ••;4i»\A,*C.» •der■••Chefredakteur des ״Dawar1', ..Bert Kann fM-Awlw), -"' ' ■ •. Jled m '־a*r Canti väfletei tite Juden n im Gegenteil ein starker 'Drang sich ׳kundgab, nach Palästina zu ׳ eien; 'Kaznelson' wendet' »ich ’ gegen' die •Hyperpolitik,• die sich immer in Zeiten von Krisen Icundgibt Seit Uganda erleben wir immer die gleiche Erscheinung. Anstatt dieser Hyper- Politik ist Alifab und das Einströmen nationalen Kapitals die Hauptsache. Wir haben die nationale Phraseologie der Revisfomsten teuer bezahlen müssen. Aber auch der Skeptizismus der Intellektuellen wirkt schädlich. Vor dem mißverstandenen Begriff eines ״kulturellen Heims“ sei zu warnen. Die sozialistisehen Arbeiter in Palästina haben 25jährige Erfahrung und haben sets das Tragische des arabischen Problemes verstanden. Wenn sie jüdische Arbeit verlangt haben, so hatte das eine moralische Begründung und war der Ausdruck der unbedingten Ablehnung des Verhältnisses von Ausbeutern und Ausgebeuteten und die Proklamierung des Endes der parasitären jüdischen Existenz. Die Idee des Selbstschutzes, geboren nach Kischineff und Hornel, erlebte verschiedene Transformationen, aber man darf nicht vergessen, daß der Selbstschutz die Zukunft des Zionismus gerettet hat Die 20jährige Arbeit der Poalim ist die Grundlage all dessen, was wir heute haben. Ohne diese stünden wir heute vor dem Nichts. Hinsichtlich der Araber haben wir immer eine Propaganda der nationalen Annäherung getrieben und sind hierbei von den Intellektuellen nicht unterstützt worden. Aber jetzt werden von diesen Intellektuellen politische Forderangen leichtsinnig erhoben. Wir sind für ein sehr weitgehendes Programm der Annäherung auf sozial-ökonomischem, kulturellem und lokal-autonomem Gebiete. Die Hyperpolitik versteift sich aber auf der Forderang nach einem Parlament, und wer dagegen ist, wird als ein Sünder an der Demokratie bezeichnet Die Sache Hegt aber ln Palästina ganz anders. Dort handelte es sich um die Fragen der lokalen Selbstverwaltung. Wir haben ein Recht auf Immigration, die durch den Internationalen Status gesichert ist. Durch unsere Schuld sind Reaktionäre an die Spitze des arabischen Volkes gelangt. Unser Verantwortlichkeitsgefühl verbietet uns, in diesen Reaktionären die Reprisentanten des arabischen Volkes zu erblicken, mit denen wir verhandeln sollen. Wir sind nicht berechtigt, das Schicksal Palästinas ausgesprochenen Reaktionären zu überantworten. Die arabische Intelligenz ist heute der zufällige Wortführer. Wir haben schwere Zeiten durchlebt und werden noch schwere Krisen zu bestehen haben. Es handelt sich um eine Frage der Erziehung, um nicht in Krisenzeiten dem Skeptizismus zu ver-• fallen. Wir brauchen den Kontakt der zionistischen Peripherie mit der palästinensischen Front. Wir verlangen von den Zionisten, daß sie sich zum Jischuw bekennen und mit ihm volle seelische Solidarität herstellen. Ich wünsche dem deutschen Zionismus, daß er wieder einmal die Beziehungen zur palästinensischeu Arbeiterschaft finde, die er einst in so hohem Maße gehabt hat. Dr. Danziger (Palästina) erklärt, es sei ein schwerer Irrtum, wenn man annimmt, es sei eine Entspannung der Lage eingetreten. Redner führt aus, es werde in der Beurteilung der Araberfrage zu viel Dilettantismus getrieben. Nur solche Leute dürften davon sprechen, die wirklich die Araber aus eigener Erfahrung kennen. Im alten Jischuw gibt es genug Menschen, die seit 40 Jahren enge Beziehungen zu Arabern haben. Leute, die nur als Touristen in Palästina waren oder vorübergehend dort lebten, verstehen nichts davon. Ich selbst glaube auf Grand meines siebenjährigen Aufenthaltes, der mich schon in meiner ärztlichen Praxis mit nahezu 3000 Arabern in Berührung gebracht hat, als Sachverständiger sprechen zu können. Was den Charakter des Arabers betrifft, so ist es richtig, daß er sehr anpassungsfähig und lernbegierig ist Daneben ist er ein ausj gezeichneter Psychologe, der in jedem Augenblick genau weiß, I mit welchen Mitteln er Erfolg haben wird. Wir müssen jedoch 1 In der Liste des auf dem Jenaer Delegiertentag gewählten Geschiftsführenden Ausschusses in der vorigen Nummer ist durch ein peinliches Versehen der Name von Dr. Siegfried Moses ausgefallen. Der Qeschäftsführende Ausschuß besteht sonach aus 3 Vertretern des Misrachi (Adler, Edmund Levy, Dr. Wolfsberg), 2 Vertretern des Linken Zentrums (Dr. Kanowitz, Dr. Moses) und 2 Vertretern der Gruppe Hitachduth-Soz.- Zionisten (Berger, Dr. Landauer). de* ,Beweis zu erbringen, daß die Politik des Nationalheims JlÄrbar und der aonlsmus bankrott sei. Wir haben die dag'׳int Colonial »teuf der.;RWn4r der ita» Sätedie;SditacMhansfnge iH'Tri-Awlw,'i1vö'׳;ile' legi#fii|4ea'!»derf Schwierigkeilen machte,' auf der'»ntitaren Säte den lefkott ־der Rudenbergsehen Elektrizität durch die Stadtverwaltung von Jaffa, wo die Regierung trotz ihres Aufsichtsrechtes nicht dagegen einschritt, daß die viel kostspieligere Lux-Beleuchtung eingerichtet wurde. Wir müssen uns auch klar darüber sein, daß noch andere Faktoren im antizionistischen Sinn am Werke sind, fremd den jüdisehen und arabischen Interessen. Die Araber haben bereits eine Formel dafür, indem sie einander gegenüberstellen auf der einen Seite Juden und Protestanten, auf der anderen Seite Araber und Katholiken. In diesem Sinn ist es bemerkenswert, daß die katholische Kirche plötzlich große Bodenkäufe in Palästina macht. Das Galuth soll nicht glauben, berufen zu sein, die Geschicke des Jischuw maßgebend zu beeinflussen. Ais Folge der Unruhen ist im Jischuw eine vollständige Einigkeit entstanden. Diese Einigkeit kam auch zum Ausdruck, als man einem Manne einstimmig das Vertrauen des Jischuw schenkte, nämlich Rutenberg. Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, den Arabern als Ausgleich ein Parlament anbieten zu sollen, denn dieser Vorschlag ist bereits vor Jahren von den Arabern abgelehnt worden. Man hat immer wieder feststellen müssen, daß diejenigen Leute, die glauben, klüger zu sein als der Jischuw, mit ihren Vorschlägen von Vorstellungen ausgehen, die gar nicht bestehen. Das sind Leute wie Bergmann und der Buberistische Kreis, die sagen, wir sind erst Palästinenser und dann Juden, gleich der alten Geigerschen Moral: erst Deutsche, dann Juden. Es fehlt r nur der Vorschlag eines Vereins palästinensischer Staatsbürger * jüdischen Glaubens. Was soll werden? Wir brauchen als erstes die Geschlossenheit der jüdischen Meinung und einen Verzicht derjenigen Leute, die sich durch Unklarheiten ausgezeichnet haben und ihre Meinung in der ״Jüdischen Rundschau“ niederlegen. Erst dann ist es möglich, die Kräfte zu sammeln. Es ist nicht zu zweifeln, daß wenn wir eine zielbewußte energische Führung haben, die wirklich demokratisch ist, wir erreichen, daß richtig sein wird, was Weizmann sagt: Unser ist das Recht und wir werden nie weichen. BflesM: wendet sich gegen Danziger, insbesondere gegen die Teilung in Palästinenser und Nichtpalästinenser. Wir wollen dem Jischuw keine Ezoth geben, aber wir wollen uns eine Meinung bilden, als unteilbarer Bestandteil der zionistischen Welt. Man sollte den Zionismus außerhalb und innerhalb des Jischuw nicht in dieser Weise gegenüberstellen. Auch für uns sind diese Fragen Lebensinteressen und Aufgaben unseres Lebens. Die vorhandenen Gegensätze sollen nicht verschleiert, sondern offen ausgetragen werden. Sie sind allerdings nicht so beschaffen, wie sie häufig geschildert werden. Im Wahlkämpf sah man alte Geister auftauchen. Es gab plötzlich wieder eine Diskussion über ״politischen“ Zionismus, etwa wie zur Zeit des VIII. Kongresses. Ich halte es nicht für ein Zeichen von besonderer Fähigkeit, sich in das lebendige zionistische Leben einzufügen, wenn man die Differenzen in diese historischen Erinnerungen einkleidet. Wenn eine Gruppe es für nötig hielt, die Balfour-Deklaration in Schutz zu nehmen, weiß ich nicht, gegen wen sie sich wandte. Wir wissen, daß all unsere Politik sich auf dieser großen Errungenschaft der jüdischen Geschichte aufbaut. Wir kennen ihre Bedeutung sowohl für unsere praktische Politik, wie als Symbol des politischen Charakters unserer Bewegung. Auch über den Inhalt der Balfour-Deklaration sind wir uns klar. Wir wissen, was Nationales Heim heißt, wie es in der Balfour-Deklaration versprochen worden ist. Es ist •ehr klar, daß Nationales Hem nicht möglich ist ohne ein Volksleben im wahren Sinne des Wortes, das eine große Zahl von Juden in Palästina erfordert und das sich als nationales Leben auch mit Notwendigkeit in einer politischen Wirkung äußert. Auch wir erwarten nicht das Heil von der Universität, und es ist unzu* lässig, unsere Auffassungen mißverstandenen Konzeptionen von geistigem Zentrum gleichzusetzen. Wir vertreten einen politischen Zionismus, auch wenn wir glauben^ daß das Be- Kenntnis zu einer bestimmten Form der politischen Organ!- sation nicht entscheidend ist Der wirkliche Gegensatz besteht sehr deutlich und scharf auf dem Gebiet der arabischen Politik. Ich spreche nicht über all die Selbstverständlichkeiten und Voraussctzungen unserer Politik, über das, was wir auch wollen und das unumstritten ist. Ich begnüge mich mit der Feststellung, daß auch die ersten Teile der Blumenfeldschen Resolution unsere Ansicht darstellen. Ich rede jetzt nur noch von der Araber-Politik. Weswegen kommen wir zu dieser Forderung einer aktiven Araber-Politik? Es ist die merkwürdige Dar- Stellung gegeben worden, als ob wir uns plötzlich aus allgemeiner Menschenliebe darauf gestürzt haben und nichts anderes mehr im Kopf haben, als mit den Arabern Arm in Arm im palästinensischen Paradies zu wandeln. Das ist ein schwerer Irrtum. Wir wollen weiterkommen in unserem Aufbauwerk in Erez-Israel, und wenn Kaznelson die große Bedeutung des wirtschaftlichen Aufbaus betont, so sehe ich hier die Grundauffassung, von der ausgehend wir die Vcrständigungspoiitik für notwendig halten. Wie Weizmann heut schon gesagt hat, haben uns die letzten zehn Jahre weiter gebracht. Diese Fortsetzung unseres Werkes wird nach wie vor den Ausgangspunkt für unsere politischen Fortschritte bilden. Weil wir das wollen und weil wir eine große Kolonisation wollen und soviel Juden wie möglich hinbringen wollen, deswegen wollen wir Ruhe und Frieden in diesem Lande haben, die wir brauchen wie die Luft zum Atmen. Man kann auch eine Zeitlang mit künstlicher Atmung leben, aber das ist kein System für die Dauer, und ein solches System sehen wir in einer politischen Auffassung, die nicht den wirtschaftlichen Fortschritt zur Basis hat, sondern z. B, Schutz irgendwelcher Art, sä ®י militärischen Schate iücM Engländer oder jnde#.־-^|r hfttiffctn liep .. ts ist ein Märchen, wenn mau sag», da״ wu niit cügtaifa nicht' weiter Politik midien wollen, wir sind'real־ «"wissen,׳ daß England für die praktische’ Politik *steife Hauptstütze heute Ist, und daß die Möglichkeit, mit ihm zu kooperieren, uns die Möglichkeit gibt, weiterzukommen. Auch aus diesem Grunde war Dr. Danzigers Rede so merkwürdig. Wenn er recht hätte, entstünde die Frage, worauf wir uns eigentlich stützen sollten, wenn wir unsere Arbeit fortsetzen sollten. Auch von dieser Erkenntnis aus, daß das Bündnis mit England in unserer, heutigen Situation der Grundpfeiler unserer Politik sein muß, sehen wir, daß wir etwas tun müssen in der arabischen Politik. Weizmann hat den Brief erwähnt von Lloyd George usw. Wir halten ihn für sehr bedeutsam, weil er einen neuen Ton enthält, auf den wir gewartet haben; In England wird der Zionismus an vielen Stellen in nicht freundlicher Art besprochen. Dieser Brief bringt die uns freundlichen Strömungen zur Geltung. Woran aber liegt es, daß wir heute in England in einem Kampf stehen? Den Grund hierfür bildet eines der wichtigsten Momente für die Beurteilung der politischen Lage. Diese Unruhen haben uns in eine neue Situation gegenüber England gebracht. Der Zionismus wird noch einmal von Anfang diskutiert, und zwar als Problem der englischen Politik. Früher war er ein Teil der allgemeinen Kriegspolitik. Jetzt wird er im Rahmen der englischen Orient-Politik, wie sie sich inzwischen entwickelt hat, geprüft. Daher ist es von Wichtigkeit, daß wir den Engländern eine Konzeption darbieten, die sie im Rahmen ׳Ihrer Orient-Politik vertreten können. Schließ- Uch halten wir ein erneutes Bekenntnis zur Vcrständ i g u n g , und darin sehen wir eine Aufgabe des Delegiertentages, für notwendig auch wegen des jüdischen Partners. Es genügt nicht, wenn man auf die Resolution des XII. Kongresses verweist und den Eindruck erweckt, als ob diese Frage unstrittig unter uns wäre. Lesen Sie die Presse, überlegen Sie, was in dem Jahre vor Ausbruch der Unruhen gcschehcn ist. In Zürich hat ein sehr führender Zionist als sein Programm zur Araber-Politik verkündet: Schweigen. Dann können Sie wissen, ob man wirklich für Verständigung in allen Kreisen ist. Lesen Sie, was heute geschrieben wird, Artikel, die sogar im offiziellen Organ der Zionistischen Organisation erscheinen, in denen die Forderung des Juilensiaafjs vertreten wird, dann wissen Sie, daß, wenn man für Verständigung sein will, eine Aenderung dieser Haltung eintreten muß. Es ist die Aufgabe einer Exekutive, von diesen Stimmen Kenntnis zu nehmen und Stellung dazu zu nehmen. Es ist nicht möglich, mit einem iudenstaats-Programm zu einer Verständigung zu kommen. Diese beiden Forderungen sind in der Tat Gegensätze. Und sagen Sie bitte nicht: wenn wir Judenstaat sagen, meinen wir es nicht so. Wenn wir es sagen, so kann es nur einen eindeutigen Sinn haben: Die Staatsgewalt in Palästina soll in jüdische Hände überführt iverden. Und mit dieser Forderung ist ein Verständigungs- Programm unmöglich. An ihre Stelle setzen wir den Gedanken des binationalen Staats, in dem keins der beiden Völker über das andere herrsehen soll. In diesem Sinne ist die Instruktion, die Wcizmann an Sacher gegeben hat, von weittragender Bedeutung. Wenn sie als die Grundlage des zukünftigen politischen Lebens angesehen werden kann, dann hätten wir eine Basis für eine auf Verständigung gerichtete Arbeit. Ein Haupteinwand ist der, es gebe keine Möglichkeiten; wenn es so wäre, dürften wir uns damit nicht begnügen, sondern es wäre bei der außerordentlichen Bedeutung dieser Frage notwendig, nach Möglichkeiten zu suchen, und ich möchte Sie bitten, den Eindruck zu vermeiden, daß man mit Befriedigung konstatiert, es gibt keine Möglichkeit. Ich bin aber nicht so pessimistisch. Es gibt schon Erfahrungen. Die Exekutive hat lange vor Zürich eine Enqufite herausgegeben, in der eine Anzahl