Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 101-102 (24.12.1929)
- Date
- 1929-12-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Doppclmtmmcr 0,40 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheimjeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Ausland•« boonementJi «rerdeii in dar Wihrun* der eiltfelnan Liadcir berechnet. Anreieenprei«: 8 ee«p. Mot»p*retl1«te(l« 0,50 G.-M. Steüenxesisc^e 0,25 G.-M« Nummer 101/102 | Berlin, 24. XU. 1929 Redaktion Verlag und Anzeigen •Verwaltung; Jüdische Rundschau G.m.b.JL, Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70• Aazeige&*ch}u&: Di en •tag und Freitag nachmittag» 4 Uhr Redaktionssdhlu& Sonntag und Mittwoch nachmittag. Poiiichtck-Koniin: Berlin 17392, Betel V 9355, Belgrad 68032 Brüssel 394 33. Budep«*t 59693, D»nrig 1973. Hst« 140 470, Pr•* 59410. Strsesburf 164 30, Wtisdhju 190708, ”Wien 156 030. Bank .Konten: DsraMtidter und Natio&albank, Depositen Kesse BtsrUa. ICur fürstend «nun 52; Benes de Est, Cemsuti (Ruminiets); Aixglo I’elestine Co. in Haifa, Teniwaiem, lei-Aviv, כ״ב כס?ו* תר״צ | xxxiv. Jat»rg. Per Zionismus erstrebt »(Ir das maische Volk di• Schaffung ulnar SHentlIch - rechtlich gesicherten Helmstitte In Palästina. ״Basaler Programm.‘» Für Erfüllung des Mandates Balfour, Lloyd George und Smuts sprechen Lord Balfour, Lloyd George und General Smuts veröffentlichten ain 20. d. M. in der! ״Times“ folgenden Brief: Als Mitglieder des Kriegskabinetts, das für die im Jahre 1917 verkündete Balfour-Dekiaration, sowie für die Politik des Natbnallielms für das jüdische Volk verantwörtlich war, blicken wir mit tiefer Besorgnis auf die gegenwärtige Lage in Palästina. Wir wollen jetzt keine Bemerkungen machen über die Vorgänge vom letzten August, welche jetzt von einer speziellen Kommission untersucht werden. Aber was immer die Ergebnisse dbser Kommission betreffend die Verantwortung für die August-Unruhen sein mögen, eines scheint klar: das Werk, zu welchem Großbritannien am Ende des Krieges seine Hand geboten hat, schreitet nicht befriedigend weiter. Die Balfour-Dekiaration verpflichtete uns zu einer Politik; das Palästinamandat betraute uns mit lebeaswichtigen Verwaltungpf i :hten; aber Ursachen, welche noch im Dunkel sind, haben die Verwaltungsaufgabe und infolgedessen auch die volle Durchführung der Politik verhindert. Der Kommentar Die .,Time s“ begleitet die Veröffentlichung dieses Dokutnents mit nachstehendem Kommentar ip ihrem Leitartikel: Dem von Lord Balfour, Llovd GcorgfjpijÄteiSiÄÄ- '־lillrtSfÄ«tu*prfcL'־ Ä»,.Wir^e«te'':verolentl1enett,: *kommt ungewöhnliches Interesse zu. Die Unterzeichner waren Mitflleder des Kriegskahinettes, welches die Verantwortung für ie Balfour-Dekiaration übernahm. Lloyd George war das Haupt der Regierung, welche das Mandat für Palästina forderte und auch erhielt. Sie sollten auch besonders gut informiert sein über die Verhältnisse in dem Mandatsland, und es ist nicht sehr überraschend, daß sie den gegenwärtigen Zustand ״mit tiefer Besorgnis“ betrachten und glauben, daß ״das Werk, zu welchem Großbritannien am Ende des Krieges seine Hand geboten hat, nicht befriedigend fortschreitet“. Die Nachrichten, die uns während der zwei letzten Monate aus Palästina erreicht haben, erklären und rechtfertigen diese Befürchtungen in hohem Maße. Man konnte nicht erwarten, daß das Land unmittelbar nach den blutigen Unruhen sich beruhigen wird. Aber es liegt zutage, daß politische Verbrechen, besonders in der Form von Verwüstungen des Eigentums jüdischer landwirtschaftlicher Kolonisten, noch häufig sind; daß der antijüdische Boykott fortdauert, als eine Quelle guter Geschäfte für seine Organisatoren und eine Quelle der Besorgnis für die Behörden; daß illegale Vereinigungen, natürlich nur für ״defensive“ Zwecke, von Juden und Arabern gebildet worden sind; kurz daß die Be- Ziehungen zwischen den zwei Gemeinschaften so schlecht wie nur möglich sind und keine Zeichen der Besserung aufweisen. Es ist freilich unwahrscheinlich, daß eine Besserung eintreten1 wird, solange die schleppenden Verhandlungen vor der Untersuchungskommission Tag für Tag das ganze Problem Palästinas als einen Kampf zwischen Arabern und Juden vor die Welt hinstcllen. Es wäre sicherlich besser gewesen, wenn die Kommission etwas schneller gearbeitet hätte, und es ist höchst wünschenswert, daß sie ihre relativ beschränkte Aufgabe so bald als möglich beendet, damit das Problem der weiteren Entwicklung Palästinas, die der wahre Zweck des Mandates ist, vor den nationalen und religiösen Streitigkeiten wieder in den Vordergrund tritt. Lord Balfour und die anderen Unterzeichner verlangen eine tiefergehende Untersuchung der ganzen Frage der Ausführung des Mandates. Angesichts der Angriffe, die gegen Unter diesen Umständen fordern wir die Regierung auf, eine autoritative Kommission zu ernennen, die das gesamte Funktionieren des Mandates untersuchen soll. Die Kommission, die gegenwärtig in Palästina ist, wurde mit beschränkten Richtlinien ernannt, um spezielle Angelegenheiten zu untersuchen. Dies« Kommission muß nach unserer Ansicht, sobald sie ihren Bericht erstattet hat, ergänzt werden durch eine eingehende Untersuchung der Hauptfragen der Politik und Verwaltung. Unser Versprechen Ist unzweideutig, aber um es dem Buchstaben und dem Geiste nach zu erfüllen, dürfte eine beträchtliehe Umgestaltung des Verwaltungsapparates wünschenswert sein. Eine solche Kommission wird vor aller Welt dartun, daß Großbritannien nicht erlahmt Ist in der Aufgäbe, für die es seine Ehre eingesetzt hat, und gleichzeitig eine Versicherung sowohl für Juden als auch Araber sein, daß alle bewiesenen Mängel des gegenwärtigen Regierungssystems behoben werden sollen. Balfour D. Lloyd George J. C. Smuts der ״ Times“ das Mandat gerichtet wurden, läßt sich viel für diese Anschauung sagen. Aber die Ansicht muß etwas geiafter.4«fi• JfÄfcjt: •Äiilf י• kommissWlvzu dem;frÄa«!;k4mÄff, dal die letzten Unruhen hauptsächlich verursacht wurden durch persönliche Unzulänglichkeit In Jerusalem oder in London. In diesem Falle wäre nichts andere^als eine Aenderung der Personen in der Verwaltung erforderlich. Es ist aber auch möglich, daß die Untersuchungskommission, vielleicht ohne dies in Ihrem Berieht ausdrücklich zu sagen, zu dem Schluß kommt, daß die Aufgabe, die der Verwaltung Palästinas von mehreren aufeinander folgenden britischen Regierungen gestellt wurde,zu schwierigwar; daß die Abziehung fast aller zuverlässigen bewaffneten Kräfte das Land den Zufällen jeder bürgerlichen Erschütterung aussetzte, und daß eine so delikate Unternehmung wie die, die Politik der Balfour-Dekiaration mit den anerkannten Rechten der Araber in Einklang zu bringen, in höherem Maße ständiger Aufmerksamkeit der britischen Regierung bedurft hätte als ihr i!1 Wirklichkeit zuteil wurde. Doch in den letzten Jahren hat das Mandat offenkundig gut funktioliiert; das Land blühte auf; die Politik, die Lord Plumer mit bedeutendem Erfolg durchführte — die Interessen Palästinas voran, und gleiche Behandlung für die Religionen von Christ, Moslem und Jude — schien schrittweise den religiösen Faktor in der Landespolitik zu verringern. Dies sollte sicherlich auch die Politik seines Nachfolgers sein, dessen Schwierigkeiten so bald nach seiner Ernennung seine Aufgabe so außerordentlich kompliziert und ihm allgemeines Mitgefühl verschafft haben, jedenfalls, wenn die Regierung nach Studium des Berichtes der Kommission zu der Entscheidung kommt, daß der Vcrwaltunggapparat einer Umgestaltung bedarf, dann wird es auch erforderlich sein, aaß sie der ganzen Welt gegenüber und insbesondere gegenüber den Einwohnern Palästinas wiederholt, daß von einer Aufgabe des Mandates oder von einer Abschaffung der Balfour-Dekiaration keine Rede sein kann. Der Erfolg des Palästinamandates ist für das Britische Reich eine Sache des höheren Interesses. Die Ehrenpflichten ebenso wie das mit dem Heiligen Land verbundene Gefühl lassen die Preisgabe einer klaren Verpflichtung nicht zu. Paläslinalragen vor dem englischen Parlament Auf die Fragen von Frank Smith (Arbeiterpartei), ob die Unfersuchungskommission den Bericht dem Hause noch vor Weihnachten wird verlegen können, und ob die Administration in Palästina schon in der Lage sei, Leben und Eigentum der Bewohner zu sichern, erwiderte der Unterstaats- Sekretär für die Kolonie Dr. Drummond Shiels, es stehe noch nicht fest, wann der Bericht vorliegen wird. Was die Sicherheit betrifft, so ist die Regierung überzeugt, daß die lokale Adininistration die Ordnung im Lande aufrecht erhalten wird; unmöglich sei es aber, eine Garantie gegen vereinzelte Fälle von Angriffen auf Leben und Eigentum zu übernehmen. Major Sir Archibald Sinclair (liberal) fragte, ob die Regierung über die Umstände informiert sei, unter denen das Attentat gegen Dr. Berkovitz bei Safed unternommen wurde; welche Maßnahmen seien ergriffen worden, um den Bürgern im Norddistrikt Schutz an gedeihen zu lassen. Dr. S hi eis erwiderte, der High Commissioner habe am 4. Dezember mitgeteilt, daß Dr. Berkovitz am Nachmittag des vorangegangenen Tages, während er im Auto fuhr, durch «inen Schuß verletzt wurde und daß sein Zustand ernst sei. Zehn Minuten später wurden an der gleichen Stelle gegen einen arabischen Zollbeamten zu Pferde Schüsse abgegeben, die aber nur das Pferd trafen. In beiden Fällen blieb der Attentäter unerkannt. Es werde alles getan, um die ordnungsliebenden Bürger zu schützen. Auf eine weitere Frage von Sir Archibald Sinclair erwiderte Dr. Shiels, soweit er informiert sei, verfügen die 16 oder 17 jüdischen Kolonien, die während der letzten Unruhen «och im Besitz ihrer Arsenale waren, auch heute noch über .Waffen. Ueber die Art der zukünftigen Verteidigung der Kolonien könne er noch keine Erklärung abgeben, da die Angelegenheit noch unter Erwägung steht. Auf die Frage W e d g - woods, ob die Regierung, noch bevor sich das Haus für Weihnachten vertagt, eine Erklärung über den Sch utz in Palästina abgeben könne, erwiderte Dr. Shiels, dies werde wohl nicht mehr der Fall sein. Wedgwood wünschte, daß telegraphisch in Jerusalem angefragt werde. Shiels erwiderte, er stehe dauernd mit Palästina' wegen dieser .Frägcn in Verbindung. Pie nächste Nummer der ״Jüdischen Rand sch au“ erscheint Iniölga der Feiertage and des darauf folgenden Delegiertentage! erst Freitag, den 3. Januar. Deleglcrfcnlag and MaKKabäerlage Von Kurt Blumen feid. In den Tagen, die der Erinnerung an die Makkabäer gewidmet sind, findet unser Delegiertentag statt. Der Zionismus als kämpfende Bewegung hat das Chanukkahfest in einer neuen Form zum nationalen Makkabäerfest ausgestaltet. Dieses Fest ist uns ein Symbol des Kampfes der zionistischen Bewegung gegen den Verzicht auf ein freies jüdisches Leben, gegen die Vorstellung, daß die Aufgabe der jüdischen Eigenart zugunsten der Eingliederung in noch so hoch entwickelte nichtjüdische Gemeinschäften den Juden erträglich sein könne. Im zweiten Buch der Makkabäer heißt es von den damaligen Antizionisten, daß ״sie die vaterländischen Ehren für nichts achteten, die griechischen Auszeichnungen aber für sehr schön hielten. Darum gerieten sie auch in eine schlimme Lage, denn eben die, deren Sitten sie nacheiferten und denen sie gleich werden wollten, bekamen sie zu Feinden und Peinigern.“ Von dieser Erkenntnis beseelt trat die zionistische Bewegung gegen eine sich entjudende jüdische Welt auf. Der große neue Makkabäerkampf der zionistischen Bewegung spielt sich seit Jahrzehnten in den Ländern der Galuth ab als ewig erneuter Versuch, die Herzen der Juden für die dritte Heimkehr unseres Volkes zu gewinnen. Das Ziel dieses Kampfes ist die Schaffung der öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk. In diesem Nationalen Heim der Judenheit soll die Wiedergeburt des jüdischen Volkes erfolgen, das ohne Erneuerung nicht leben kann.;JUp1ere;,:J|,clfet jfind unser. ÄftyejlSej־ba1;e»■•׳ Recht׳ Auf-Er«׳•־ Israel, das׳ .heute 11»» Mandat״ in -moderner ׳Fant» ge- Wonnen worden ist und der ernste Wille der ziemisti* sehen Bewegung durch Hingabe von Menschen und Mitteln unseren Anspruch täglich aufs neue zu beweisen. * Aufs neue ist in einem von Lord Balfour, Lloyd George und General Smuts Unterzeichneten Briefe der englischen Regierung zum Bewußtsein gebracht worden, daß sie für die Durchführung der Balfour-Deklaration verantwortlich ist. Es wird verlangt, daß Groß- Britannien durch Schaffung einer Kommission, die die gesamte Lage des Mandates untersuchen soll, vor aller Welt dartun soll, daß es entschlossen ist, seine übernommenen Ehrenpflichten zu erfüllen. Wir beglückwünsehen die Exekutive, in erster Linie unseren Präsidenten Dr. Weizmann, zu diesem großen durch ihn herbeige־ führten Erfolge. Aufs neue sind die durch ihn für unsere Sache gewonnenen großen Staatsmänner auf den Plan getreten, um in einem schwierigen Augenblick unsere Sache bei der englischen Regierung zu unterstützen. Wir empfinden es als eine hohe Auszeichnung, daß Dr. Weizmann den deutschen Delegiertentag zum Anlaß nimmt, um zum erstenmal nach dem Ausbruch der Unruhen in Palästina in aller Oeffentlichkeit seine Politik zu vertreten. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland begrüßt den Präsidenten der Zionistischen Organ!־ sation, mit dessen Politik der deutsche Zionismus seit jeher aufs engste verbunden war. In der Entwicklung des deutschen Zioniswas kann man seit langen Jahren eine bestimmte Linie verfolgen. Was seine Ziele betrifft, so hat gerade in diesen Tagen Harry Sacher vor der Untersuchungskommission das ausgesprochen, was wir heute als unerläßliche Forderungen für die Verwirklichung unseres Ideals erstreben. Wir glauben, daß Palästina erst seine Bedeutung durch die Verbindung mit dem jüdischen Volk erhält. Dieses jüdische Volk muß das Recht haben, in vollkommener Freiheit in dieses Land einzuvvandem, nach dessen Wiederbesicdelung es seit zweitausend Jahren strebt. Eine quantitative Bagatelüsierung des Zionisntus kann nicht zugeiassen werden. Für uns ist Quantität eine entscheidende Voraussetzung der von uns erstrebten Qualität des jüdischen Lebens. Wir haben die Hoffnung, daß die Juden einmal die Mehrheit im Lande haben, obwohl wir nicht beabsichtigen, andere zu majorisieren, da wir ja auch nicht wünschen, von anderen majorisiert zu werden. Wir sind überzeugt, daß ein modus vivendi mit der arabischen Welt herbeigeführt werden kann und daß die Regierung die Pflicht hat, um die Wiederkehr von Unruhen zu verhindern, die arabische Welt davon zu überzeugen, daß die Meinung falsch ist, sie könnten durch Gewalt die Abschaffung der Balfour-Dekiaration herbeiführen und daß die Regierung ferner ihre Entschlossenheit, das Mandat dem