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Jüdische Rundschau · 1929-12-20 · Heft 100 (20.12.1929) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 100 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 100 20. Xn. 1929 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 681 zweifelhaft vorliegend« Abwandlung des politischen Zieles auch anzuerkennen und bekanntzugeben, beantwortet man mit der erneuten Erklärung seines Abscheus vor einer ״schwachen“ Politik. Hierbei begegnet man merkwürdigen Erscheinungen. Die neugegründete Gruppe der Unabhängigen Allgemeinen Zionisten lebt geradezu davon, daß sie das Palästina-Mandat entdeckt hat. Ihre nur als naiv zu bezeichnende Forderung ist, daß die zionistische Politik sich der uns günstigen Artikel des Mandates mit Entschiedenheit bediene — als ob es hierüber irgendeine Meinungsverschiedenheit gäbe, als ob nicht diese Artikel das tägliche Brot unserer politischen Arbeit wären. Zu einer sachgemäßen Verwendung des Mandats als eines der wichtigsten Instrumente unserer Politik gehört freilieh die Kenntnis und Würdigung der nicht unerheblichen Kornplikationen, welche aus der Behandlung des Palästina-Mandates in Wissenschaft und Praxis entstanden sind. Es genügt wirklieh nicht mehr, die uns günstigen Sätze und Satzteile isoliert zu zitieren. Ueberdies aber gibt es für die Wirksamkeit dieser furfstischen Methode natürliche Grenzen, welche daraus zu erklären sind, daß Politik stärker ist als Recht. Gerade das Mandatsystem bietet heute eine Fülle von Beispielen, wie Rechtssätze unter dem Einfluß politischer Tatsachen bald mehr, bald weniger betont werden, ihren Inhalt verändern, ja an Geltung verlieren können. Deswegen ist der rechtliche Cha* rakter des Mandats zwar eine überaus wertvolle Stütze, aber nicht der Grundpfeiler unserer Politik. Auch die Politik des Zionismus ruht noch immer und vor allem auf seiner politischen Macht, also der Kraft des jüdischen Volkes, seiner Verbundenheit mit unserer Sache, auf der Notwendigkeit der zionistischen Idee. V. Unser Verhältnis zur Mandatarmacht ist also trotz des Palästina-Mandates nicht nur ein juristisches, sondern auch und vor allem ein politisches. Daher besteht unsere Aufgabe nicht ausschließlich in der Formulierung von Ansprüchen, die sich aus dem Mandat ableiten lassen. Vielmehr ist es außerdem Aufgabe unserer Politik, die vorhandenen Möglichkeiten riehti? einzuschätzen und unser Verhalten danach einzurichten. Es ist einer der wesentlichen Fehler unserer politischen Diskussion, daß sie sich in ganz überwiegendem Maße mit dem Aufsteilen von Forderungen beschäftigt. In unsere politischen Ueberlegungen gehört aber vor allem auch die Frage, in welchem umfange der Adressat der Forderungen, also England willens una in der Lage sein wird, ihnen nachzukommen. Selbst eine Macht wie England ist nicht frei in der Wahl ihrer politischen Richtung, sie ist vielmehr verstrickt in eine Fülle von politischen Beziehungen, die ihren Weg in weitem Umfange festlegen. So können z. B. aus den augemeinen Grundsätzen einer Regierung, wie der Labour-Regierung oder aus der umfassenden Natur der englischen Orientpoütik Folgerungen gezogen werden, die eine auf Verwirklichung maximaler jüdischer Forderungen gerichtete Palästina - Politik unwahrscheinlich erscheinen lassen. Wir haben — das ist wieder selbstverständlich — die Aufgabe, die Grenzen für unsere politische Aktion möglichst weit hinauszurücken. Aber es ist auch eine ebenso einfache wie leider häufig nicht anerkannte Tatsache, daß es Grenzen für diese politische Aktion gibt. Die Kunst unserer Politik besteht gerade auch darin, uns auf dem für uns abgesteckten Felde so gut als möglich einzurichten. Solche Hinweise auf die Bedingungen una Beschränkungen unserer politischen Möglichkeiten werden heute vielfach als Schwäche, Resignationja, als ein mit Zionismus unvereinbarer Pessimismus verfemt Darauf kann man erwidern: ״Es ist nicht Patriotismus, sondern unheilvolle Verblendung, wenn man die Augen davor verschließt, daß wir nicht imstande sind, anderen Mächten einseitig unseren Willen aufzuzwingen." Diese Betrachtungsweise, die dem Reichsaußenminister Cur tiiis für das Deutsche Reich notwendig scheint, muß gewiß auch für das jüdische Volk erlaubt sein. (Für die deutsche Politik werden sicher alle Zionisten Anhänger aer dort so begründeten Verständigungspolitik sein; wie merkwürdig, daß man ganz andere Grundsätze hat, sobald man das Gebiet der jüdischen Politik betritt.) Kann man diese Forderung, die Tatsachen so zu sehen, wie sie sind, und unser Verhalten danach einzurichten, mit dem Vorwurf des Pessimismus abtun? Wir glauben, daß der Zionismus dem Zionisten die Kraft gibt, einer Realität ins Auge zu sehen, auch wenn sie nicht die von uns gewünschte ist. Wir halten wenig von einem Zionismus, der nur dann Bestand hat, wenn man ihm die Welt im Lichte eines rosenroten Optimtsmus zeigen kann. Man überwindet Hindernisse nicht dadurch, daß man sie kleiner sieht, als sie sind. Vielleicht haben große Teile der zionistischen Bewegung sich zu sehr auf dieses optische Verfahren verlassen. Dann ist es Zeit, daß sie sich an harte Zusammenstöße mit der Wirklichkeit gewöhnen. Ein fundierter Zionismus wird es ertragen, daß ihm, wenn es die Tatsachen erfordern, der politische Himmel auch einmal anders als in ungetrübter Heiterkeit dargestellt wird. Er trägt einen Panzer für schwere Zelten, das ist die verpflichtende Kraft seiner Idee, Das Vertrauen auf diese Kraft, das uns den Mut gibt, eine Politik der Wirklichkeit zu verlangen, mag man, wenn man will, einen mit Zionismus unvereinbaren Pessimismus nennen. VI. Die Macht der Tatsachen empfiehlt uns den ernsthaften Versuch einer Verständigung mit dem arabischen Volksteil Palästinas als den besten Weg für eine aussichtsreiche Fort- Setzung unseres Werkes. Auch die allgemeine Formel der Verständigungsbereitschaft ist leider noch nicht Gemeingut aller Zionisten. Das lehrt die Tatsache, daß die bloße allgemein gehaltene Erwähnung des Friedenswillens in einer Rede bei der Eröffnung des Semesters der Universität Jerusalem, die im übrigen sowohl die Regierung, als die arabischen Führer mit größter Schärfe charakterisierte, zur Entfesselung eines Skandals benutzt werden konnte. Aber mit einer allgemeinen Formel, die auch von vielen Gegnern einer aktuellen Verständigungspolitik akzeptiert wird, ist nicht viel getan. Verständigungspolink bedeutet heute konkrete Aktion. Die Einzelheiten dieser Aktion wird jeder Vernünftige der verantwortlichen Leitung überlassen. Aber ihre grundsätzliche Notwendigkeit muß von der ganzen Organisation anerkannt werden. Deswegen ist bereits die Forderung nach Vertagung in Wirklichkeit eine Erklärung gegen die schnelle Realisierung dieser Politik. Wer die Verständigung ernsthaft will, sollte sich heute nicht aus Irgendeinem Grunde, und sei es auch nur für Zeit, gegen Verständigung erklären. Wichtig ist es vielmehr, sich mit aller Entschiedenheit für den Versuch der Verständigung einzusetzen. Die Forderung der Vertagung wird mit jenem unheilvollen und falsch verstandenen Begriff des nationalen Prestiges begründet, den wir aus bitteren Erfahrungen anderer Völker gut genug kennen. Immer wenn Kriege erklärt oder verlängert werden sollten, ist dieser Prestige- Standpunkt angeführt worden. Für unsere Sache soll er keine Bedeutung haben. Wir richten uns nach den Forderungen des Lebens der Nation, und nicht nach den Forderungen dessen, was die Nationalisten aller Völker unter nationaler Ehre verstehen. Die Verständigungspolitik wird von uns gefordert, weil sie die sichere Grundlage für das Leben unseres Volkes schaffen soll. Wir wollen unsere Kräfte nicht deshalb an die Ueber- Windung von Gefahren verschwenden, weil wir sie nicht sehen wollen. Wir wollen sie frei machen für volle Entfaltung in konstruktivem Sinne. Das wird uns gelingen durch einen Aufbau im Frieden, der das Ziel der Verständigungspolitik Ist XXLTL Delegierieniag der Zionist. Vereinigung für Deutschland in Jena, Volkshau* (Carl - Zef $ - Platz) am 29. und 30. Dezember 1929 Unterbringung Alle Gesinnungsgenossen, die die Absicht haben, am Delegiertentag teilzunehmen, werden dringend gebeten, dies jetzt umgehena Herrn cand. jur. Wulf Mlrlin, Jena, Lutherstr. 143, mltzutellen. Es stehen Zimmer in Hotels mit Zentralh. und fließ. Wasser von 4,— bis 8,50 M. Inkl. Steuer und Bedienungszuschlag, in Hotels mit Zentralh. ohne fließ. Wasser inkl. Steuer, Bedienur.gszuschlag zum Preise von 3,50 M. ab, gute Privatquartiere zum Preise von 2,50 M. zur Verfügung. Bei allen Bestellungen ist die genaue Ankunft und die Aufenthaltsdauer anzugeben und auch mitzuteilen, ob Zimmer mit einem oder zwei Betten gewünscht werden. Einzelzimmer in Hotels sind nur in geringer Anzahl vorhanden und müssen umgehend bestellt werden. Bahnhofsdienst Am Saal-Bahnhof und am Bahnhof Jena-West wird eine Auskunfts- und Empfangsstelle elngerichtet, bei der auch diejenigen Delegiertentagsbesucher, die ihr Logis erst verspätet bestellen können, erfahren, wo sie untergebracht sind. Die Auskunftsstelle ist geöffnet am Freitag, dem 27. Dezember, bis Sabbatbeginn, und am Sonnabend, dem 28. Dezember, nach Sabbatausgang. Eintrittskarten Es werden Eintrittskarten zum Preise von 3 M. gegen Voreinsendung des Betrages auf unser Postscheckkonto: Berlin 8091 oder per Nachnahme ausgegeben. Jugendliche erhalten Eintrittskarten zum Preise von 1 M. nur durch Vermittlung der Jugendverbände. Verpflegung Die rituelle Verpflegung hat der Restaurateur Gottlieb aus Leipzig übernommen. Gemeldete Delegiertenwahlen: Allenstein: R.-A. Dr. Moritz Bileski, Berlin, Delegierter; Walter Roth, Berlin, Ersatzdelegierter. Bamberg: Alfred Katz, Bamberg, Delegierter; Rudolf Wallenstein, Bamberg, Ersatzdelegierter. Berlin: Liste 1: Unabhängige Allgemeine Zionisten: Max Kollenscher, Aron Sandler, Georg Kar es ki, Martin Ascher, J. Engländer, Leo Kaminski, Kurt Tuchler, S. Dyk, sämtlich Berlin, Delegierte; Justus Schloß, Leo Danziger, Israel Taubes, Emil Levy, Carl Lewin, James Ellenbogen, Siegraund Rochelsohn, Lena Bernstein, Willy Schön, Ernst Halitzki, sämtlich Berlin, Ersatzdelegierte. Liste II: Allgemeine Zionlsten-Unkes Zentrum: Kurt Blumenfela, Siegfried Moses, Arthur Rau, Alfred Apfel, Siegfried Hirsch, Hugo Wolfermann, Lipman Baruch, Jenny Blumenfeld, _ sämtlich Berlin, Delegierte; Moses Waldmann, Karl Glaser, Halts Kaufmann, Werner Bloch, Heinz Gerling, Paul Hirsch, James Bendersky, Georg Baer, Max Tischler, Max W. Kober, Jos. Hirsch, Edith Hirsch, Benno Cohn, Erich Cohn, Moritz Bileski, Siegfr. Kanowitz, Salli Hirsch, Herb. Foerder, Ispak Feuerring, sämtlich Berlin, Ersatzdeleg. Liste III: Sozialistische Zionisten: Fritz Naphtali, Georg Landauer, Alfred Berger, Kurt Löwenstein, samtlieh Berlin, Delegierte. Kurt Mendelsohn, Etienne Basch, Max Kreutzberger, Joseph Blumberg, sämtlich Berlin, Er- ,satzdelegierte. Beuthen: Leo Guttmann, Beuthen, Maximilian Aitbach, Beüthen, Delegierte; Adolf Gilles, Beuthen, Herr Hirsch, Beuthen, Ersatzdelegierte. Bonn: Dr. M. Pleßner, Bonn, Delegierter; Dr. J. Weiß, Bonn, Ersatzdelegierter. Cottbus: R.-A. F r e u n d 1 i c h, Forst, Delegierter; Frau Rahel Friedländer, Cottbus, Ersatzdelegierte. Dresden: Hermann Schocken, Dresden, Otto Lehmann, Dresden, Dipl.-Ing. Grünstein, Dresden, Delegierte; Dr. John Levy, Dresden, L. Ikenberg, Dresden, Dr. Adolf Strauß, Dresden, Ersatzdelegierte. Frankfurt/O.: Rechtsanwalt Hirschberg, Frankfurt, Delegierter, Gotha: Dr. Arthur Stern, Gotha, Delegierter; Frau Betty Heilbrunn, Gotha, Dr. Fritz Noack, Gotha, Ersatzdelegierte. Halle: Mendel Mühlbauer, Halle, Delegierter; Walter (Iberg, Halle, Ersatzdelegierter. Hamburg: Dr. Georg H alpern, Dr. Erich Buchholz, Dr. Edgar Marx, Dr. Heinrich Strauß, sämtlich Hambürg, Delegierte; Dr. Walter Weigert, Frau Edith Buchholz, Dr. Samuel Stiebei, DipI.-Iug. E. Heinemann, samtlieh Hamburg, Ersatzdelegierte. Karlsruhe: Dr, Litt mann, Karlsruhe, Delegierter; Hermann Kerzner, Karlsruhe, Ersatzdelegierter. Köln: Dr. Bruno Nathan, Köln, Delegierter; Julius Kaufmann, Köln, Ersatzdelegierter; Dr. P. Tiefenthai, Köln, Delegierter; Abraham Reinhardt, Köln, Ersatzdelegierter; Dr. Robert G i d i o n, Köln, Delegierter; Dr. F. Rosenthal, Köln, Ersatzdelegierter. Leipzig: Dr. Fritz Löbenstein, E. H. Bromberg, Dr. Ludwig Lehrfreund, Leo Goidhaber Beer Sud o w i c 7., Dr. Ludwig Gold wasser, sämtlich Leipzig. Delegierte; Wilhelm Dubiner, Louis Tumpowsky, Rubin Lipschitz״ Heinrich Schwadron, Alexander Rafaeiowitsch, David D. Bialostotzky, sämtlich Leipzig, Ersatzdelegierte. Magdeburg: Karl Lecker, Walter Heine mann, Magdebürg, Delegierte; Heinrich Kesten, Dr. Herbert Katz, Magdeburg, Ersatzdelegierte. Oppeln: R.-A. Dr. Deutschmann, Oppeln, Delegierter; Oberregierungsrat Dr. Marcus, Breslau, Ersatzdelegiertcr. Osnabrück: Erich Weinberg, Herford, Delegierter. Saarbrücken: Dr. Emil Weiler, Saarbrücken, Delegierter; Dr. Siegfried Kanowitz, Berlin, Ersatzdelegierter. Gruppenverband Thüringen: Dr. Peritz, Waltershausen, W. Mirlin, Jena, Delegierte; Adolf Israelski, Erfurt, David Bickel, Mühlhausen, Ersatzdelegierte. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Gemäldeausstellung Ludwig Blum (Jerusalem), Neue Kunsthandlung, Nettelbeckstr. 11. Zu besichtigen täglich von 10 bis 7 Uhr abends. Schluß der Ausstellung am 30. Dezember. Sonntags und an den Feiertagen geöffnet von lt bis 2 Uhr. Herman Ungar: Die Gartenlaube Uraufführung itn Theater am Schiffbauerdamm. (Eine kurze Unterhaltung.) Die Moralische: Es ist eine Ungehörigkeit, daß derartige Stücke aufgeführt werden und außerdem erweist man dem Toten keine Ehrung, wenn man ihm durch diese Komödie in Erinnerung bringt. Der Vorurteilslose: Ich kann das nicht gelten lassen. Kriterium bei der Beurteilung bleibt, ob man noch Tage nach der Aufführung an das Gesehene zurückdenkt und sich mit den in dem Stücke dargestellten Problemen beschäftigt. Neben dieser Hauptsache ist es belanglos, ob eine Szene zu eindeutig oder irgendeine Redewendung lasziv klingt Die Moralische: Ihre Nebensachen sind mir gerade die Hauptsache. Ein Dichter von Geschmack, eine Regie mit feinem Empfinden hätten 80 etwas ausmerzen sollen. Außerdem ist der Name irreführend. Man meinte, es handele sich um eine Darstellung der guten alten Zeit, da die Gartenlaube der letzte Ausdruck bürgerlichen Geschmacks war und —■ in Wirklichkeit sieht man da unmögliche Menschen in unmöglichen Situationen mit einfach nicht wiederzugebenden Redensarten. Der Vorurteilslose: Sehen Sie, gerade das macht das Stück wertvoll, daß es von Menschen handelt, von denen jeder Einzelne sein beherrschendes Problem hat, meinetwegen seinen Tick. Der eine flüchtet aus dem Eiend seines Daseins in den Wunschtraum Paris. Der zweite sucht für seinen Oroll und das Gefühl seiner Minderwertigkeit Zuflucht in einer revolutionären Formel. Die Tochter geriet auf der Flucht, vor mütterlicher, säuerlicher Moral, in eine Phraseologie des Dumm- Mädchentums. Und schließlich das prachtvollste an alllem: der Sieg des Waschtrogs und des Kochlöffels über all diese Probleme. Die Moralische: Sie schwärmen ja geradezu. Dabei Obersehen Sie, wie ungerecht der Autor ist, daß er die wirklich wertvollste Figur aes Stückes, sagen wir es frei heraus, die Mutter, so abschreckend darstellt. Und außerdem, was hat all diese Problematik in einer Komödie zu tun? Der Vorurteilslose: Sehen Sie, das gerade ist es. Ungar ist ein Künstler gewesen, mehr als das, ein Dichter, und selbst eine Komödie wandelt sich ihm zur Gelegenheit, erasteste Probleme herauszuschälen und sie vor den Zuschauer zu stellen. Die Moralische: Lassen Sie mich mit Ihren Problemen in Ruh׳! ich empfand das Stück und die Aufführung einfach als shocking. Sie sind gar am Ende der Ansicht, daß wir nicht nur unsere Backfische, sondern auch unsere Kinder in die Vorstellung schicken sollen? Der Vorurteilslose: Sie dürfen nicht übertreiben. Natürlieh ist das ein Stück für Erwachsene, wobei ich unter ״Erwachsenen" nicht nur die Körpergröße und die Jahre, sondern auch den Verstand und das Urteil verstehe, ״Diese sollen in das Stüde gehen, es sehen und nachdenken. Die Moralische: Ich bleibe dabei: Es ist viel Geschmackloses darin. Der Vorurteilslose: Geschmacklos? Das ist ein Kleben an der Oberfläche. Vielleicht kleine Regieübertreibungen, die ausgemerzt werden könnten. Das Stück aber verdient 50, 100 Aufföhrungen in Berlin und darüber hinaus einen Rundweg über alle großen Bühnen. Die Moralische: Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ortsgruppen Mannheim. Am 7. Dezember fand in Mannheim eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt, in der Dr. Mojitz Bileski über ״die zionistische Situation" referierte. Der sehr instruktive Vortrag befaßte sich mit den innen- und außenpolitischen Aufgaben der Zionistischen Organisation und des zionistischen Menschen in Deutschland, brachte Klarheit darüber, wie weit die Araber- und England-Politik einer Revision bedarf. Die Diskussion nahm insbesondere Stellung zum Delegiertentag. Die beiden der Ortsgruppe Mannheim zustehenden Mandate werden ausgeübt, es kam für sie ein Wahlvorschlag zustande, der nach ordnungsmäßig erfolgter Wahl bekanntgegeben wird. _ Vermischtes Der Zionistische Jugendbund ״Nordau“ veranstaltet am Sonnabend, dem 21. Dezember, abends 8'/2 Uhr, in Gerechts Festsälen, Am Königsgraben 2, einen Blau-Weiß-Gesellschaftsabend. Kabarett — Tanz — Tombola. Eintritt inkl. Steuer 1,50 M. Die Hälfte des Reingewinns fällt dem Fonds ״Hilfe durch Aufbau“ zu. Konzert. Mit dem Philharmonischen Orchester spielte, in Berlin zum erstenmal, eine junge jüdische Pianistin Natalie W e i ß m a n n. Sie trug das schwierige E-moll Konzert von Chopin mit brillanter Technik und großem musikalischem Gefühl vor. Es wird sich lohnen, die Weiterentwicklung dieser jungen Schülerin Bertrams zu verfolgen. N.O. Der Rat für hebräische Arbeit unter der Jugend in Berlin veranstaltete am Schabbath, 14. Dezember, einen hebräischen Abend über das Thema ״Die Lehre aus den Ereignissen in Palästina‘‘. Chawer Barasch (Erez-Israe!) hielt das Referat. Die nachfolgende Diskussion entwickelte sich sehr lebhaft. Nachdem wir noch längere Zeit zusammen gesungen hatten, auch einige neue Lieder gehört und gelernt hatten, besuchten uns mehrere Chawerim von Habimah, die natürlich freudig begrüßt wurden. לרגלי החופע וטיולי ההורף על הסתררויות שתות, נפסקות ת שיחות הנערכות ממוצאי שבת על ירי המועצה הכללית לעבודה עברית בין הנוער. למשך שלשה שבועות. ותתחדשנה במוצאי שבח 11 על הוכן השיחה תבוא הודעה מיוחדת.. Januar 193c Die Buchhandlung ״Kedem“, Berlin-Charlottenburg, Dahlmannstr. 8, arrangiert anläßlich des Delegiertentages in Jena eine Buchaussteltang־, bei der fast alle letzten Erscheinungen auf jüdischem und nicht jüdischem Gebiete vorhanden sind. Bochum. Am 4. Dezember fanden die Repräsentantenwahlen nach dem Majoritätswahlrecht statt. Die Einführung des Verhältnis- und Frauenwahlrechts wurde hier abgelehnt. Selbst• verständlich erhielten die Zionisten und Ostjuden, da sie sich in der Minorität befanden, kein Mandat. Bracha Zeflra in Berlin. Die jemenitische Sängerin Bracha Zefira hat vor kurzem eine Tournee durch Polen absolviert, wo sie orientalische Lieder zum Vortrag brachte. Ihr Auftreten wurde von Publikum und Kritik sehr freundlich aufgenommen. Man rühmt ihr nach, daß sie original-orientalische Kunst bietet, während die bisherigen Vertreter der neuen palästinensischen Kunst Europäer waren, welche einige Zeit in Palästina verbracht hatten. Bracha Zefira wird auch in Berlin Abende geben und hierbei das hiesige Publikum mit ihrem Repertoir bekanntmachen. Druckfehler-Berichtigung. In dem Beitrag von Dr. Ratncr, Wiesbaden, ״Moses Mendelssohns Abstammung“, muß es wie folgt heißen: in der 4. Zeile ״des berühmten Remah“; in der 12. Zeile ״speziell der Moreh Nebuchim, Chowoth Hafewowoth usw."; in der 7. Zeile von unten: ״Itzig Satnower". —׳ Ferner lautet der Satz in dem Beitrag von Alice Jaeob-Loewenson ״Musik zu Keter David“ in der 7. Zeile von unten: ״. ., von angenehmer .U naufdringlichkeit..

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