Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 100 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Eirzclnummer 025 Goldmnrk JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. F reitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljlhrlich 5,75 Goldmark. A1uUndsAbonn«m«ats w«rd«B ia d«r WÜmtug der «nrelnen Linder berechnet. Anreireciprei»; 8 peap- No&pereillezeile 0.50 G.-M- Stellengesuche 0.25 G.׳M- Nummer 100 | Berlin, 20. XII« 1929 Redaktion Verlag und Anreigen-Verwaltung; Jüdische Rundschau G.m-b-H-, BerlinWlS, Meinekeetr.10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70. AudfiaudbtnS! Di tnita! und Frei tag lachnittig• 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Poitsch.ck •Komifl! tWlta )73« Bml V 9355. Belprad 680 32 Brtowl 394 33, Bt1d»P•»* 59693, D»ao* »973, H*.* 140470. Pr»« 59410. Stree»bur* 16430. Wsrtrhiu 190 708, Wien 156 030 Bink-KenteB: Durawtidter und Nauonslbsnk. Depaeitet* Kun Berlin, Kurfüretendanum 521 Bene• de Eet. Ceraeuti (Ruminise): Angl© PaÜeetia« Ca. ia Helfe, Teruseletn, Tel Aviv י״ח כסלו׳ תר״צ XXXIV. Jabrgr. Der Zionismus erstrebt IDr da» |Qdl«che Volk die Schaffung einer flffantllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Bareier Programm.» justtce Brandeis sprich! wieder Für ungeschwächte Weiterarbeit Wa sbington, 15. Dezember. (J.T. A.) In der Sitzung der Exekutive tri Washington, in der die Schäftung einer Amencan Business Corporation zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas durch Investierung von Fonds beschlossen wurde, hielt Louis B r a n d e i s eine zweite Ansprache über Zionismus. Ich setze volles Vertrauen in die britische Regierung, führte Brandeis aus; ich glaube an ihren Willen, in Palästina Recht walten zu lassen, ich glaube an die Integrität der Untersuchungskommission. Es würde der britischen Tradition widersprechen, wenn die Regierung nicht furchtlos an die Untersuchung der Lage schreiten, die Verantwortlichkeit für begangene Irrtümer frei erkennen, ein befriedigendes Urteil sprechen und eine Aktion durchführen würde, dazu angetan, die Ordnung• in Zukunft zu sichern. Man hat sehr scharf die 10־ kale Administration kritisiert. Und in der Tat zeigen die Geschehnisse vom August mindestens einen Mangel an Verständnis der Lage, aber bestehende Mängel geben noch keinen Grund, die Absichten der britischen Regierung in Zweifel zu ziehen. Was uns betrifft, fuhr Brandeis fort, sa wollen wir unsere Angelegenheiten in Palästina in einer Weise führen, daß unsere Arbeit dem Interesse aller Einwohner Palästinas, der moslemischen und christlichen ebenso wie der jüdischen, dienen soll. Ich glaube, dies sei die unter den Juden vorherrschende Meinung. Es gibt Einzelpersonen, die diese Meinung nicht teilen mögen, aber die verantwortlichen Personen erkennen, daß ein Gedeihen Palästinas bedeuten muß; Gedeihen für alle Teile der Einwohnerschaft des Landes. Im vergangenen Sommer, als man noch nichts von einem kommenden Aufruhr ahnte, hatte ich Gelegenheit, mich mit einigen unserer Volksgenossen, die mit der Führung unserer Angelegenheiten in Palästina betraut sind und ständig in Pallsnna leben, darüber zu unterhalten, welches unsere BeziehungenzudenArabernin den von uns eingeleiteten oder für die Zukunft geplanten Unternehmungen sein sollen. Wir erörterten, ob es ratsam sei, die Kooperativen und die Arbeiterverbinde den Arabern za öffnen, die Araber iJftÄlSjpplfL Arbeit richtig eingeschätzt werden können. Durch unsere medizinische Organisation, durch die Ausrottung der Malaria und anderer Krankheiten haben wir Außerordentliches für die Araber getan. Die Araber hegen keine eigentliche Abneigung gegen die Juden. Vor dem Kriege und während des Krieges lebten Juden und Araber in vollkommener Freundschaft. Ich hoffe, daß dies auch weiter der Fall sein wird. Die neuen Schwierigkeiten sind in einem großen Maße auf die Tätigkeit von Personen zurückzuführen, aie in Palästina Boden besitzen, aber außerhalb des Landes leben, und die gegen die Verbcsserung der Lage der Fellachen mit Hilfe der jüdischen Siedlungen — gegen die Emanzipation der früher ihnen dienstbar geweeenen Fellachen — sind. Wir dürfen nicht vergessen, fuhr Brandeis fort, daß Beduinen in großer Zahl dauernd nach Palästina kommen, obwohl sie nicht Palästinenser sind; solche Beduinen traten in den Unruhetagen als Streiter auf. Immer, wenn etwas in Palästina los war, versuchten Beduinen, oft als Räuberbanden, in das Land einzudringen. Als ich in Galiläa weilte, besuchte mich eine Abordnung von Tscherkessen aus der Gegend des Huleh-Sees und bat mich, Lord Balfour ihren Wunsch zu unterbreiten, in das neue Palästina eingeschlossen zu werden. Diese Tscherkessen sind eine friedliebende Gemeinde, die dauernd von herumstreifenden Beduinen heimgesucht werden. Sie wollten unter britischer Herrschaft kommen, um Schutz zu genießen. Brandeis schloß: Ich halte mich von einem sentimentalen Urteil fern und wende jenes strenge Maß an, das mir bei Behandlung von Geschäftsfrauen mein Leben lang eigen gewesen ist, und so scheint es mir, daß die Gefahren in Palastina gering sind im Vergleich mit den möglichen Gewinnen. Daß ein Risiko besteht, ist außer Zweifel. Aber ein größeres Risiko besteht für das jüdische •Volk als ganzes, wenn wir nicht vorwärts gehen. Der kluge Mann sucht nicht, Gefahren zu vermeiden, sondern Gefahren zu mindern: durch Urteil, Erfahrung, Denken. Das sind hervorragend jüdische Attribute. Wir wollen durch Hoffnung, nicht durch Furcht beraten sein. Wir wollen anderen Vertrauen eia- TWtig|^flterw5tTw1r»3M1^» •efntf■' von ., . 1f«ii|j'.::w1f|«aÄ*:#'*^^R^wte dies schon eine Anzahl Juden tun.- Sobald die Unruhen über- "1 tüchtigen amerikanischen Juden geleitete Corporation und gehen wunden sein werden, wird die von Juden ־für Araber geleistete > schnell an die Arbeit. Zn Weihnachten nicht in England Die Untersuchungskommission tagt weiter Es steht nun fest, daß die Untersuchungskommission ihre ßffentjlchen Verhandlungen nicht vor Ende Dezember wird beendigen können. Die Mitglieder der Kommission, die geglaubt hatten, zu Weihnachten wieder ln England sein zu können, werden bis ln das neue Jahr hinein ln Palästina verbleiben müssen, um nach Beendigung der öffentlichen Vernehmungen noch geheim mehrere Zeugen zu vernehmen. Die Palästina •Frage vor dem ViNkerbondsrat O en f, 15• Dezember. (J. T. A.) Die am 13. Januar in Gent beginnende Tagung des Völkerbundsrates wird sich laut dem soeben veröffentlichten Programm auch mit der Frage Pa- I äs ti n a s zu beschäftigen haben, und zwar wird der Völkerbundsrat über die Einberufung einer ausschließlich der Behänd- Jung der gegenwärtigen Palästinalage gewidmeten außerordentliehen Session der Mandatskommission im März 1930 sowie über den Vorschlag der britischen Regierung, eine spezielle Klagemauerkommission zur Untersuchung und Festlegung der Rechte und Ansprüche der Juden und der Araber auf die Klagemauer zu ernennen, zu beschließen haben. Die Frage des Schadenersatzes Im englischen Unterhause fragte Colonel Wedgwood, welche Vorbereitungen getroffen wurden, um die Juden in Palästina für den von ihnen während der Unruhen erlittenen Verlust an Leben und Eigentum zu entschädigen. Der Unterstaats- Sekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Sliiels, erwiderte, es werde die Erfüllung von Ansprüchen aut Entschädigung erwogen, in klarliegenden Fällen sind bereits Vorschüsse auf die Entschädigungssummen ausgezablt worden. Ein Mitglied der Arbeiterfraktion fragte, ob die Kosten des Schadenersatzes von den britischen Steuerzahlern getränen werden. Howard Bury fragte, ob den Hinterbliebenen der während der Unruhen ums Leben gekommenen vier Christen und 83 Arabern ebenfalls Entschädigung geleistet werden wird. Dr. Shiels erwiderte, berechtigte Ansprüche auf Schadenersatz werden ohne Unterschied der Rasse und Religion erfüllt werden. Oberst Kemvorthy fragte, ob man es nicht so einrichten wolle, daß die Kosten des Schadenersatzes von denjenigen getragen werden, die die Ausschreitungen begingen. Capfain Crookshank und Sir Philip Cunjiff-Lister (Handelsminister in der früheren Regierung Baldwin) drängten die Regierung, darauf zu antworten, ob der britische Steuer- Zahler die Kosten des Schadenersatzes tragen svird oder nicht. Eine Antwort erfolgte aber nicht In einer der nächsten Sitzungen des Unterhauses fragte Co- Ionei Howard Bury, der bekannte Araberfreund und Zionistengegner, ob der Schadenersatz, der den während der Unruhen in Palästina Geschädigten, Juden wie Mohammedanern, zu leisten sei, von der Palästina-Regierung oder von der britischen Regierung getragen werde. Dr. Drummond Shiels erwiderte: Die Kosten des Schadenersatzes werden von der Palästina-Regierung getragen. Zionisten! Schwere Monate liegen hinter uns. Kaum war der Züricher Kongreß vorüber, noch klang die große und starke Stirnmung der Agcncy-Tagiing in unseren Herzen, da drangen Schreckensnachrichten aus Erez-Israel in die jüdische Welt hinein. Die Urheber dieses Attentats auf unsere friedliche Arbeit stehen jetzt vor dem Richterstuhl der Welt. Erez- Israel hat den Angriffen standgehalten. An den» Wall unserer Siedlungen, an dem Widerstand des Jisehuw brach die Kraft der Uebcrfälle. Die Arbeit am Wiederaufbau des Landes nimmt ihren Fortgang. In dieser schweren Zeit hat das jüdische Volk Erez- Israel die Treue gehalten. Von kleinen Splittern abgesehen, die lüngst keinen Zusammenhang mehr mit dem Stamm des Judentums haben, hat Israel ein Bekenntnis zu seinem Lande abgelegt. Die alte historische Verbundenheit von Volk und Land, vor allem aber die mutige, trotz aller Prüfungen und Erschütterungen unablässig fortgeführte Arbeit unserer Cha- Iuztm und Kolonisten, die Jeden, der Erez-Israel besucht, ln Bann schlägt, hat die ausgedehnte jüdische Front geschaffen, die zur Mitarbeit an unserem Aufbauwerk bereit stellt Die Solidarität der Weltjudenheit ist der jahrzehntelangen Erziehungsarbeit des Zionismus zu verdanken. Je stärker, je größer die Zionistische Organisation, desto mächtiger ihr moralischer Einfluß im jüdischen Volk. Die Welt muß sehen, daß in unserer Bewegung Massen überzeugter, entschlossener, opferbereiter Zionisten stehen. Sympathiekundgebungen und Beiträge zum Hilfsfonds und selbst zum Keren Hajessod genügen nicht, wir brauchen eine numerisch und innerlich starke, geschlossene Zionistische Organisation. Erez-Israel, das aufs neue schwer geprüfte, aber in seiner Hoffnung ungebrochene, vertraut darauf, daß die Diaspora ihm zur Seite steht und feierlich ihren Willen erneut bekundet, die Nationale Heim- Stätte in unseren Tagen aufzubauen. Deshalb: Zionisten in allen Ländern, über alle Parteien and Gruppen hinaus, jung und alt, erfüllt Euche Pflicht: Geht mit den Schekelblocks von Mann zu Mann, von Haus zu Haus, werbet unserer, Eurer Organisation neue Mitglieder, machet sie zn einem gewaltigen Instrument des jüdischen Volkswillens, stark genug, die Hindernisse zu zersprengen, die auf unserem Wege liegen. An die Arbeit! Werbet Zionisten! Exekutive der Zionistischen Organisation Chaim Weizmann, Nahum Sokelow. London, Jerusalem, 1. Dezember 1929. Die Anwälte der Jewish Agency bei der Untersuchung*- konamission, Sir Boyd Merriman und Viscount Erleigh, waren am 15. Dezember Gäste der Repräsentanten der palästinensisclien Judenheit, die ihnen zu Ehren im Hotel Eden einen Empfang gaben. Wo blelbl das Judemieselz? Die Gemeindekommission der Z. V. f. D. beschäftigte sich vor einigen Tagen unter dem Vorsitz von Kurt Blumenfeld u. a. mit dem vor einiger Zeit an die Oberpräsidien Preußens ergangenen Erlaß des Preußi« sehen Kultusministeriums betreffend das Frauen- und Ausländer-Wahlrecht, sowie mit der Frage, warum der vom Preußischen Landesverbände Jüdischer Gemeinden beschlossene Entwurf eines Preußischen Judengesetzes bisher keine Erledigung durch die in Frage kommenden Faktoren, Regierung und Landtag, gefunden habe. An der Debatte beteiligten sich fast alle Anwesenden. Hierbei kam zum Ausdruck, daß die Verzögerung des Judengesetzes für die preußische Judenheit außerordentlich abträglich ist. Die ungeklärte Rechtslage, die gegenwärtig herrscht, hat eine Unsicherheit auf verschiedenen Gehieten des jüdischen Qemeindelebens zur Folge. Besonders eindrucksvoll beleuchtete Arnold Wiener (Beuthen) die Situation. Nachstehend sei ein Teil seiner Ausführungen wiedergegeben und nachdrücklich auf die Bedeutsamkeit der Angelegenheit hingewiesen. Es ist allerhöchste Zeit, daß diesem quasi ״gesetzlosen“ Zustand hinsichtlich der Organisation der preußischen Judenheit ein Ende gemacht werde. Arnold Wiener führte nach einleitenden Worten, in denen er auf die Ausführungen der Herren Blumenfeld und Dr. Kollenscher Bezug nahm, ungefähr aus: Daß das Judengesetz bald erscheint, ist noch aus vielen anderen Gründen sehr wichtig. Der Entwurf liegt jetzt schon über l»/3 Jahre in der Schublade des Referenten im Ministerium. In dieser Zeit sind Hunderte von wohlhabenden Juden aus Steuerscheu aus der Gemeinde ausgetreten. Wenn man bedenkt, daß diese Leute in der Regel bis zu ihrem Tode für Synagogensteuern nicht mehr in Betracht kommen, so sind in den letzten l»/2 Jahren den Gemeinden Beträge entgangen, die sich im Ablauf der Jahre Zu Millionen Mark summieren werden, und welcher Grund für die Verzögerung lis * '* ' ־■' *'־'•“ ■' ' י*' '■"* ־׳"'־ *'־׳־.״ " ׳'*•*' preußisc11en Ahgeordnetenhause da» Konkordat mit Rom verhandelt wunde, da begegnete der Ministerpräsident der Unzufriedenheit der Evangelischen mit der Anregung, doch, der Regierung einen Vorschlag zu machen, der die Gleichstellung der evangelischen Kirche mit den Katholiken zum Gegenstand habe. Binnen acht Tagen war der evangelische Kirchentag beisammen, nach drei Tagen waren die acht Landeskirchen unter einen Hut gebracht und schon in den ersten Tagen des Juli hatte die Regierung den genau ausgearbeiteten Gesetzesvorschlag der Evangelischen in Händen. So wird gearbeitet, wo Interesse für das Geschäft vorhanden ist! Bereits im Oktober murrte die den Protestanten nahestehende Tagespresse darüber, daß der Vorschlag der Landeskirchen noch nicht an den Landtag gelangt sei. Die Pressestelle des Ministerpräsidenten beeilte sich zu erwidern, daß die Vorlage gewiß schon dem Parlament zugegangen sein würde, wenn nicht die Kirchen in den Vorschlag erhöhte Dotationsbewilligungen hineingearbeitet hätten. Da sie es aber getan hätten, so müsse man noch das Fortschreiten der Etatsarbeiten abwarten, wobei dann ersichtlich sein würde, welche erhöhten Mittel der Staat überhaupt in diesem Jahre den Kirchen zur Verfügung stellen könne. Wir haben in den Entwurf des Judengesetzes keine Geldbewilligungen des Staates hineingearbeitet, wie kann die Regierung es verantworten, uns jetzt schon l»/2 fahre ohne Grund warten zu fassen? Die Sache liegt überhaupt noch viel krasser. Die evangelische und die katholische Kirche haben doch wenigstens, und zwar schon im Jahre 1924, die staatsgesetzliche Regelung erhalten, welche ihre Verhältnisse mit der Weimarer Verfassung in Uebereinstimmung bringt. Die jüdischen Gemeinden Preußens werden heute im 12. Jahre der Republik noch nach Gesetzen regiert, die alle aus dem Vormärz stammen, in manchen preußischen Provinzen sogar nach Verordnungen, die ihre 100. Jahrfeier schon hinter sich haben. Das Bestehen der alten Gesetze, die sich mit Verordnungen aus neuester Zeit überschneiden, schafft eine Rechtsunsicherheit und einen Wirrwarr, die unerträglich sind. Und so geht es auch zu mit diesem Ministerialerlaß, über den wir uns alle hier beklagen. Wozu der Minister bzw. der Oberpräsident und der Regierungspräsident nach § 137 der Reichsverfassung noch befugt sind, und wozu nicht, ist direkt ein Rebus. Der Minister hat schon vor 1»/a Jahren die Oberpräsidenten davon verständigt, daß das neue Judengesetz kommt und ihnen eine zuwartende Haltung gegenüber Statutenänderungen jüdischer Gemeinden empfohlen. Und auf einmal tritt der Minister selbst aus seiner Reserve heraus und gibt den Oberpräsidenten diese unhaltbare Instruktion. Ich kann schon verstehen, daß ein republikanischer Minister einer künftigen, f' Frauen, versagt war aber daß er dem kommenden Gesetze vorgreift und gestattet, Leuten das Wahlrecht zu nehmen, deren Kategorie es 83 Jahre kraft Gesetzes besessen und ausgeübt hat, so etwas ist noch nicht dagewesen. Es liegt darin auch eine Illoyalität gegenüber der gesamten preußischen Judenheit. Seit über T»/a Jahren hat die Regierung den Gesetzesvorschlag unseres Landesverbandes in Händen. Er ist mit allen gegen eine Stimme angenommen worden, also gewiß eine maßgebliche Grundlage. Auch der orthodoxe Landesverband (Halberstidter Verband) hat die Gleichstellung der Ausländer im Wahlrecht statuiert Welche Rechtfertigung besitzt der Minister, dem ihm bekanntgegebenen, geschlossenen Willen der preußischen Judenheit entgegen zu handeln?! Welche Nichtbeachtung hat er uns angetan, daß er in dieser wichtigen Frage die beiden in jüdischen Angelegenheiten bei ihm beglaubigten