Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 98 (13.12.1929)
- Date
- 1929-12-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 08, 13. XE!929 JUEDISCRE RUNDSCHAU Seite 659 Der erste zionistische Zeuge (J. T. A.) Am Montag, dem 9. Dezember, begann die britische Untersuchungskommission für Palästina mit der Vernehmung der vom Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Memrnan, zitierten Zeugen. Als erster kam zu Worte der Leiter des Büros der Zionistischen Exekutive Palästinas, Jesaja Braade, der während der Abwesenheit der Exekutive zusammen mit Herrn Hoofien von der Anglo-Palestine Company die Zionlstische Exekutive gegenüber den Behörden repräsentiert hat. Braude sagte aus, sein Kollege Hoofien habe während der Tagung des Zionistenkongresses in Zürich ein Telegramm an J ab o t i n s k y, Präsidenten der Union der Zionisten-Revisionisten, nach Zürich gesandt, welches lautete: *Doar Hajom“ (das von Jabotinsky geleitete Organ) ignoriert die Beschlüsse des Kongresses mit Bezug auf die Klagemauer und fordert zu Aufruhr und Gewalt auf. Obwohl nicht zu erwarten ist, daß viele Personen der Aufforderung der Zeitung folgen werden, kann es dennoch zu einer Katastrophe kommen, die niemandem Nutzen bringen könne. Ich fordere Sie auf, die Redaktion telegraphisch zu ersuchen, Ihre Haltung zu ändern, sonst wird die Verantwortung auf Ihr Haupt und die Häupter der Ihrigen fallen. Jabotinsky habe sofort nach Erhalt dieses Telegramms der Redaktion von ״Doar Hajom“ die Weisung gegeben, die Agitation einzustellen. Am 7. August veröffentlichte ״Doar Hajom“ einen Artikel, in welchem erklärt wurde, daß Gewalt nicht angewandt werden dürfe; gleichzeitig wurde der Waad Leumi wegen seiner ״Geheimdiplomatie“ angegriffen. Die weitere Aussage Braudes bot nicht mehr viel Neues, da die im Verhör mit ihm berührten Tatsachen bereits bei der Vernehmung des Chefsekretärs Luke zur Sprache gebracht und durch das von Sir Boyd mit Luke angestellte Kreuzverhör zum Teil geklärt wurden. Braude wurde hauptsächlich über diejenigen Punkte befragt, bei denen Luke in seinem Verhör ein gewisses Zögern an den Tag legte. Braude entwickelte auch die jüdischen Gesichtspunkte hinsichtlich der unmittelbaren Ur- Sachen der Unruhen. Vor Braude war von den von jüdischer Seite zitierten Zeugen einzig Herr Pinchas Rutenberg, der Präsident des Waad Leumi, verhört worden, der unmittelbar vor einer Reise stand: er befindet sich jetzt in London. Dr. von Weis!, der ebenfalls bereits verhört worden ist, war nicht von der Zionistischen Exekutive zitiert worden. Braude führte ungefähr aus: Bis ich durch Zufall während der kritischen Periode in eine verantwortliche Position gedrängt wurde, hatte ich mit politischer Arbeit nichts zu tun. Eine Woche nach der Abreise der verantwortlichen Mitglieder der Exekutive nach Zürich wurde ich im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme der Bautätigkeit an der Klagemauer seitens der Moslems, gegen die die jüdische Presse protestierte, in die Klagemauer-Krisis hineingedrängt. Ich forderte sofort Herrn Luke auf, ein von der Stellvertretung der Zionistischen Exekutive vorgeschiagenes Communiqud zu veröffentlichen, damit Klarheit über die Angelegenheit herrsche, da die Mitteilung der Regierung an die Exekutive, daß die Bauarbeiten an der Klagemauer mit Erlaubnis der Regierung vor sich gehen, vertraulich war. Das das Datum 5. Jfuli tragende , Antwortschreiben Ifüiy Sachen an dfe Regierung, in welchem Sacher das Bedauern ausspricht, daß die Regierung Teilentscheidungen trifft, bevor über den Hauptgegenstand des Streitfalles eine Entscheidung getroffen ist, war ebenfalls vertraulich, weshalb in der jüdischen Oeffentlichkeit der Eindruck_entstand, daß die Exekutive untätig s ei. Die in dem Brief an die Regierung ausgesprochene Meinung der Exekutive ging dahin, daß jede partielle oder stückweise Behandlung des Problems mit zieraliciter Sicherheit zu Schwierigkeiten, Mißverständnissen und höchstwahrscheinlieh zu Ungerechtigkeit führen müsse. Herr Sacher hat auch darüber Klage geführt, daß dem Muezzin gestattet wurde, über der Mauer zu erscheinen, da seine Rufe und Trommelschläge unter den zur Andacht versammelten Juden Aergemis und Unruhe verursachten. Die stellvertretende Exekutive, sagte Braude weiter, habe auch dagegen protestiert, daß der Platz vor der Klagemauer zu einer Passage gemacht wurde und daß in der Nähe der Mauer eine neue moslemische Andachtsstatte geschaffen wurde. Auch protestierte die stellvertretende Exekutive gegen die Begrenzung der jüdischen Gottesdienste auf gewisse Stunden. Sir Boyd Merriman verlas den Inhalt des Telegramm- Wechsels zwischen der stellvertretenden Exekutive in Jerusalem und den auf dem Kongreß in Zürich versammelt gewesenen zionistischen Führern, aus welchem zu ersehen Ist, daß der Waad Leumi und das palästinensische Oberrabbinat vollkommen auf der Seite der Exekutive standen. Braude brachte auch ein von ihm am 31. Juli aus Zürich erhaltenes Telegramm zur Sprache, in welchem mitgeteilt wurde, es bestünde keine Aussicht, eine Annullierung des Beschlusses der Regierung über die Erlaubnis zur Weiterführung der moslemischen Bauarbeiten an der Mauer zu erwirken. Er brachte auch zur Sprache, daß am 3. August ein Araber, der einen Juden an der Klagemauer attackierte, zu sieben Tagen Gefängnis verurteilt wurde, daß aber zwei andere Araber, die einen Juden tätlich beleidigten, gar nicht zur Verantwortung gezogen wurden. Braude gab auch eine Charakteristik des Komitees zur Verteidigung der jüdischen Rechte an der Klagemauer, an dessen Spitze Professor Josef Klausner steht; aus seiner Aussage war zu entnehmen, daß er diesem Komitee ablehnend gegenübersteht. In der ersten Augustwoche, fuhr Braude fort, herrschte unter den Moslems Erregung, wie dies der Großmufti in einem Telegramm nach London dargelegt hat. Die Zionistische Exekutive war im Hinblick auf den herannahenden Tischa b’Aw besorgt, der Tag verlief aber ruhig. Professor Josef Klausner selbst hielt am Vorabend des Tischa b'Aw eine Ansprache, in der er zur Wahrung von Ruhe und Ordnung aufforderte. Braude schilderte dann den Verlauf def jüdischen Prozession zur Kiagemauer am Tischa b’Aw und die moslemische Gegendemonstration. Er bestritt, daß — wie mehrere arabische Zeugen behaupteten — Teilnehmer an der jüdischen Prozession Eisenstäbe getragen hätten; auch trat Braude den Aussagen des Journalisten Vincent Shean über angeblich am Vorabend des Tischa b’Aw an der Klagemauer vor sich gegangene Szenen entgegen. Sir Walter Shaw wies auf den Inhalt des Telegramment- Wurfs hin, den Braude seinerzeit mit Luke erörtert hatte und in welchem der Satz vorkommt: ״Befürchte ernstlich Ausbrüche erregter Massen.“ Welche Massen meinten Sie? fragte Sir Walter Shaw. Ich meinte diejuden, erwiderte Braude; die Spannung war damals im Zusammenhang mit der Ermordung des jungen Juden Misrachi sehr stark. Es kam zur Sprache, daß auch junge Mädchen an der jiidis hen Klagemauerprozession teilgenommen haben, was, wie Sir Boyd Merriman ausführte, ein Beweis dafür war, daß die Prozession friedlicher Natur war und friedliche Absichten verfolgte; sonst hätte man ja junge Mädchen nicht mitgenommen. * ln Ergänzung dieses Berichtes meldet die ״Times“: Nach Merriman folgte das Kreuzverhör seitens des Anwaltes der Ara* bischen Exekutive Auni Bey Abdul Hadi und sodann seitens des Regierungsanwalts Mr. Preedy. Auni Bey fragte Braude, ob die zionistische Flagge nicht den Wunsch der Zionisten zum Ausdruck bringe, Palästina zu besitzen. Braude vernein t e diese Frage. Im weiteren Verlauf des Verhörs kam die schon mehrfach im Verlauf der Untersuchungen erwähnte Zusammenkunft arabischer und jüdischer Repräsentanten im Hause Lukes am 22. August zur Sprache. Der Zeuge erklärte, daß Dschema! Hussein! damals gegen eine Uebereinkunft bezüglich der neuen Türe an der Klagemauer gewesen sei mit der Begründung, daß die Juden das Begrabnis des ermordeten Judenknaben Misrachi in eine Demonstration verwandelt haben. Braude selbst hatte zu der erwähnten Besprechung den Entwurf eines gemeinsamen Aufr u f e s mitgebracht, worin die Notwendigkeit freundlicher Be- Ziehungen zwischen Juden und Arabern betont wurde. Da jedoch Auni Bey, der damals einer der arabischen Vertreter in Lukes Haus war — derselbe Mann, der jetzt das Kreuzverhör durchführte — über diese Formulierung ironisch lächelte, habe Braude den Satz gestrichen. Auf die Frage des Kommissionsmitglieds Hopkin Morris, wie die Regierung die Unruhen hätte verhindern können, antwortete Braude, die Regierung hätte energisch der Ausstreuung falscher Gerüchte entgegentreten sollen. Die ungebildeten Araber seien leicht zu bewegen, alles zu glauben, was Agitatoren ihnen über jüdische Absichten erzählen. Die Regierung hätte nach Meinung des Zeugen sowohl die jüdischen als auch die arabischen Demonstrationen verbieten sollen. Beim Kreuzverhör seitens des Regierungsanwalts am 10. dieses Monats wurde Braude über die Haltung der jüdischen Presse befragt. Der Zeuge gab zu, daß die Haitung der jüdischen Presse, insbesondere des revisionistischen Tagblattes ״Doar H a j 0mund der demselben Verlag angehörenden englischen Wochenschrift ״Pal es ti ne Weekly“, aufreizend war und nicht dazu beitrug, der Regierung "bei Aufrechterhaltung der Ordnung zu helfen. Der Zeuge sagte auch, daß nach seiner Meinung die Araber am Tischa-be’aw nicht zu dem Zwecke, die Juden zu belästigen, zur Klagemauer gekommen waren. Einen weiteren Gegenstand des Verhörs bildete das brutale Verhalten der Polizei gegenüber den Teilnehmern an dem Begräbnis des Judenknaben. Mr. Preedy fragte den Zeugen, ob ihm bekannt sei, daß der Polizeibeamte, gegen den sich die jüdischen Beschwerden gerichtet haben, aus Jerusalem weggebracht wurde, weil man für seine Sicherheit fürchtete; sein Verhalten sei später Gegenstand einer Untersuchung gewesen und korrekt befunden worden. Ferner fragte Preedy, ob noch immer behauptet werde, daß die Regierung die jüdischen Warnungen nicht beachtet habe. Das Korn-, missionsmitglied, Sir, Henry Betteton, fragte den Zeugen, ob die vorhandenen Mtzeikräffe in unzulänglicher Weise Derififzrt worden sind. Der Zeuge antwortete, daß ungenügende Vorkehrungen getroffen worden sind und daß die Polizei an diesem Tage vi el sichtbarer hätte in Erscheinung treten müssen, außerdem hätten die in die Stadt strömenden Fellachen auf Waffen untersucht werden müssen. Die Vernehmung des Oberrabbiners Kuk wird in derselben Weise, wie die Vernehmung des Mufti, im Hause des Oberrabbiners stattfinden. Die drei Anwälte werden anwesend sein, jedoch nicht die Presse. * Die letzten Zeugen der Araber In der vorigen Freitagsitzung kam es zu einer Kontraverse zwischen dem Anwalt der Regierung Kenelm Preedy und dem Anwalt der Zionistischen Exekutive Sir Boyd Merriman bei der Behandlung der Frage, ob die Palästina-Regierung noch vor Ausbruch der Unruhen an die Krankenhäuser die Weisung hat ergehen lassen, sich zur Aufnahme von Verletzten vorzubereiten, weil Unruhen erwartet werden. Sir Boyd Merriman richtete an den Leiter des Regierungshospitals Dr. Yousseif Hajjar die Frage, ob er am Tage vor Ausbruch der Unruhen vom Vizedirektor des Gesundheitsdepartements der Regierung oder einem anderen Beamten des Gesundheitsdepartements die Weisung erhalten habe, Betten zur Aufnahme von Verletzten bereitzuhalten. Ich erinnere mich einer solchen Weisung nicht, erwiderte Dr. Hajjar; jedenfalls erhielt ich eine schriftliche Weisung nicht, aber ich bekam einen diesbezüglichen Wink. Auch fragte mich am Freitag, dem Tage des Ausbruchs der Unruhen, Dr. J. MacQueen, der oberste medizinische Beamte der Regierung, was ich heute zu tun gedenke. Ich erwiderte ihm, daß ich vorgesorgt hatte, daß das Hospital nicht ohne medizinische Beamte bleiben soll. Sir Boyd erklärte, er werde beweisen, daß Briarcliffe am 22. August, am Tage vor Ausbruch der Unruhen, das Hadassah- Hospital aufforderte, 12 Betten bereitzuhalten. Die Regierung habe also mit dem Ausbruch von Unruhen gerechnet und medizinische Vorkehrungen getroffen; warum hat sie nicht auch geeignete polizeiliche Vorsichtsmaßnahmen erergriffen? Dr. Hajjar blieb bei seiner Aussage, daß er eine offizielle Warnung von der Regierung nicht erhalten hat. Der Portier des Regierungshospitals, Mohammed Kahalil, sagte aus, am 23. August, 12,30 Uhr, sei der erste Tote in das Hospital gebracht worden; dieser wurde später als ein c 11 ris11 icher Araber agnosziert. Erst anderthalb Stunden später wurden weitere Tote und Verwundete in das Hospital gebracht. Elias Samaan, ebenfalls Angestellter des Regierungshospitals und der zweite Hospitalportier Butras Salil bestätigten die Aussage Kahalils. Moghanan Elias Effendie, einer der Sekretäre der Arabischen Exekutive, der als einer der Anwälte vor der Kommission fungiert, dankte dem Regierungsanwalt Preedy, daß er der arabischen Sache gedient hat, indem er feststellen half, daß das erste Opfer ein Araber war. Der nächste Zeuge, der Inspektor für Handel und Industrie Leslie Ward, schilderte die Vorgänge in der Jaffastraße am 23. August. Eine arabische Prozession, von zwei berittenen arabischen Polizisten begleitet, zog aufgeregt durch die Straßen. Vom Slonimschen Hause wurde eine Beton platte heruntergeworfen. Er sah, wie ein Herr im Weißen Anzug mit einem riesigen Araber rang, und wie ein zweiter Araber heranschlich und dem Herrn in den Rücken stach. Er kam hinzu und erkannte in dem Verletzten Dr. Woifgang von Weisl. M 0 11 a m ed Rag heb, ein moslemischer Landwirtschaftsexperte und Inspektor des Landwirtschaftsdepartements der Regierung, sagte vor der Untersuchungskommission aus: Von den annähernd 60 000 Acker Boden, die auf der ganzen Küstenebene von Gaza bis Haifa sich für Orangenzucht eignen, haben die Juden erst kürzlich 25 000 Acker erworben. Die Zukunft Palästinas hängt von der Küstenebene ab, die allmählich ganz in die Hände der Juden übergeht 40 °/0 des für die Ziehung der Citrusfrucht sich eignenden Bodens ist bereits in jüdischen Händen, während die Araber noch über die restlichen 60 verfügen. Das Kornmissionsmitglied Harry Sneil fragte, ob es die Araber verdrieße, daß die Juden jetzt Citrusfrüchte ziehen, wo die Araber früher Melonen gezogen haben. Der arabische Ansvalt Auni Bey Abdul Hadi erwiderte, es bereite den Arabern Sorge, daß große jüdische Gesellschaften, unter ihnen auch eine von Lord M e 1 ch ett geleitete, große Bodenflächen von arabischen Klein- Pächtern aufkaufen. Auf Fragen der Konimissionsmitglieder stellte sich schließlich heraus, daß diese sogenannten Klein- Pächter über je 300 bis 5000 Dumm Boden verfügten, und daß der vom Jüdischen Nationalfonds erworbene Vadi Havarit-Boden zwei arabischen Grundbesitzern gehörte, vo denen der eine in Beirut, der zweite in Jaffa lebt. Acht weitere von der Arabischen Exekutive geführte Zeugen wurden hintereinander durch Moghanan Effendie und Viscount Erleigh ins Kreuzverhör gezogen. Sie gaben an, von Juden mißhandelt und beschimpft worden zu sein. Hierauf folgte die bereits gemeldete Einvernahme Aref el Arcfs. Am nächsten Tage wurde Moharat d Raghe b_ noch einmal vernommen. Er behauptete, daß die jüdischen Siedler, die wohl beim Gartenbau Erfolge errungen haben, beim Getreideanbau versagt habet». Er berief sich auf angebliche Mitteilungen des Schatzamtes, wonach die Steuereinkünfte aus der Akko-Ebene nach liebernähme dortigen Bodens durch Juden sich verringert hatten. Sir Henry Betterton, das konservative Mitglied der Kommission, machte darauf aufmerksam, daß zwei Jahre später, als die jüdischen Siedler sich auf dem Boden eingearbeitet hatten, die Steuereinkünfte aus diesem Gebiet wieder gestiegen waren. Sir Boyd Merriman bewies an Hand von Ziffern, daß das Ergebnis der Gersten- und Weizenernte der jüdischen Siedler zuweilen das Doppelte des Ernteergebnisses der Araber ausmacht. Dies ist daraus zu erklären, entgegnete Ragheb, daß die Juden den fetten Boden der Ebene und die Araber den mageren Hügelboden bearbeiten. Der arabische Anwalt Auni Bey Abdul Hadi versuchte darzutun, daß durch die Erwerbung des Haifabay-Gebietes durch ihrer natürlichen Vermehrung der Boden nicht mehr genügen, und sie werden zur Auswanderung gezwungen sein. Die Regierung hat die Hälfte des gesamten Forstgebietes des Landes für den Staat reserviert und hindert die Araber, sich die Wälder nutzbar zu machen. De Araber befürchten, daß die Regierung die Forste den Juden ausliefern wird. Aul Befragen gab Ragheb jedoch zu, er habe bis Jetzt nichts davon gehört, daß afe Juden Ansprüche auf solche Böden machen. Auf Befragen von Sir Boyd gab Ragheb zu, daß die Juden nach Uebernahme der Böden in den Ebenen von Jesreei, Akko und Schare» als erste die Sümpfe aust r ock Bete n und andere *ftnttStr'Maßöitatäi׳ trifetLU 80־ wurde die Malariapest unschädlich gemacht, und auch sonst wurden die sanitären Bedingungen verbessert. Sir Boyd Merriman hielt dem arabischen Anwalt Auni Bey entgegen, daß er selbst den Verkauf von 30 000 Dunain des Wady Havarit-Bodens an den Nationalfonds gewissermaßen erzwungen hat, indem Auni Bey die den Boden belastenden Hypotheken im Aufträge des Hypothekengläubigers gekündigt hat. Auni Bey erwiderte erregt: ich strengte die Klage an, um das Geld flüssig zu machen, nicht aber, damit der Boden verkauft werde. Uebrigens war der Hypothekengläubiger• ein Franzose. Sir Boyd erklärte, er wollte Auni Bey nicht in die Enge treiben. Aber indem Auni Bey an die Zeugen Fragen stellte, um herauszubekommen, daß arabische Siedler von dem Wady Havarit-Boden vertrieben wurden, ging es mir darum festzustellen, daß alle 81 arabischen Pächter diese# Bodens entsprechende Entschädigungen erhalten haben. Noch bevor die Regierung diesbezügliche Forderungen an die jüdischen Landkäufer gestefit hat, hatten diese den arabischen Pächtern, Boden als Entschädigung gegeben. De Untersuchungskommission wird wahrscheinlich beschließen, den Bürgermeister von Haifa Hassan Shoukri und Scheich As ward Shkeri aus Akko, Vertreter der moslemischen öffentlichen Meinung in Palästina, die der vom Mufti vertretenen Richtung entgegengesetzt ist, in meister von Haifa war, hat den ersten High Commission er an der Spitze einer arabischen Abordnung begrüßt und hat sich dadurch die Gegnerschaft der extremen arabischen Nationalisten zugezogen, die seine Entlassung vom Bü־germeisteramte durchsetzten. Er wurde aber mit Hilfe der jüdischen Stirnmen zum Bürgermeister von Haifa wiedergewählt. * Sir Walter Shaw sorach seinen Tadel aus gegen das Organ der arabischen Exekutive ״Feiestin“, das beleidigende Anf" . handlungen vor der Kommission durch den Großmuiti geschlag::! worden, er sei aber nicht sehr unglücklich über diese Niederlage, da er auf alle Fälle seine Gebühren ausgezahlt bekommt. Eine solche Sprache, sagte Sir Walter Shaw, darf nicht weiter geführt werden. Emil Ludwig ist vor einigen Tagen in Palästina eingetroffen. Der JTA.-Vertreter Herr A^roiisky, der den für die auswärtige Presse reservierten Platz im Verhandlungszimmer der britischen Untersuchungskommission einnimmt, hat diesen Sitz für einige Stunden dem Gast abgetreten, so daß Emil Ludwig einem Teil der Sitzung der Untersuchungskommission beiwohnen konnte. KommnnisfeHverhalting In Palästina Jerusalem, 9. Dezember. (J. T. A.) Isaac Chofschi, das einzige kommunistische Mitglied der jüdischen Nationalversammlung Palästinas (Assefath Haniwcharim), der in Tel-Awiw lebt, erhielt den Befehl, sich für die Dauer eines ahres unter polizeilicher Aufsicht in Tiberias aufzuhaiten und erner 60 Pfund als Bürgschaft für gutes Betragen zu erlegen. Als Chofschi sich weigerte, diesem Befehl Folge zu leisten, wurde er verhaftet und in das Gefängnis von Akko eingeliefert. — Bekanntlich ist die Regierung auch gegen den Jaffaer arabischen Kommunistenführer Hamdi ei Hussein{ in ähnlicher Weise vorgegangen, indem sie ihn nach Nazareth verbrannte.