Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1929-11-22 · Heft 92 (22.11.1929) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 92 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653062-2653146--21181-2679249
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Mimctnommer 0,23 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag a. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmsrk, vierteljährlich 5,75 Goldtnsrk. A11»!«nd».V.״tmrtnem. werden in der Wihrung dar einzelnen Undet bererhnei. Anzelrenprei«: 8 Map. Nonpareillnzelle 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. 1 Poatscheck-ICoDten: Barlin 17392, Baa«l V 93S5, Beinrad 68032 Redaktion Verlag und Anzeigen - Verwaltung* 1 »״■” 394 1*••0י?**,*fl H**« 9410י• Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerliliWlS, Meinekeatr.10 1 Bsnk.Konte nT^>ern>M*d1er und Natia1.alb.Bk, DeposlMn Keese Berlin, Telephon: J 1 Bismarck 7165—70. 1 Kurfür*t®adam1«1 52; Banca d® Eat, Ceroauti (Raminian); Anglo Paleatin« Co. 1 tn Haifa,?•ftmlfftt, "T1I -Aviv. Nummer 92 | Berlin, 22. XI. 1929 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. | 3"*"1n ']WH tD״' | XXXIV Jnbrg. P9r Zionismus erstrebt fQr da» |Odl»che Volk dl« Schäftung einer Öffentlich. rechtlich gesicherten Heimstätte ln Paligtlna. ״Basaler Programm.■‘ Delegiertentag einberufen XXIII. Delegiertentag der Zionist. Vereinigung für Deutschland in Jena, Volkshaus (Zeilj-Stiftung) am 29. und 30 Dezember 1929 Die Tagesordnung wird noch bekanntgegeben werden. Für rituelle Verpflegung wird Vorsorge getroffen. Wahlvorscbriften t. Jedes Mitglied der Z. V. f. D״ das für das laufende Jahr de», Schekel sowie Zionistensteuer oder Landesbeltrag entrichtet hat, hat mit Vollendung des 18. Lebensjahres das aktive, mit Vollendung des 20. Lebensjahres das passive Wahlrecht zum Delegiertentag. Um die Reinheit der Wahlen zu gewährleisten, darf das Wahlrecht nur ausgeübt werden auf Qrund einer Wahllegitimation. Ausführungsbestimmungen zu diesem Punkt ergehen noch. 2. Das passive Wahlrecht zum Delegiertentag steht nur solchen Angehörigen der Z. V. f. D. zu, die ihre Maasserpflicht gegenüber dem Keren Hajessod erfüllt haben. Dem Wahl- Prüfungsausschuß ist von jedem Delegierten eine schriftliche Bestätigung des Keren Hajessod vorzulegen; die Anerkennung des Mandats ist zu versagen, falls die Oberste Vertrauenskomtnission Einspruch erhebt. 3. Das Wahlrecht zum Delegiertentag steht nur Ortsgruppen zu, die mindestens drei Monate vor Einberufung des Delegiertentages bestanden haben und vom Landesvorstand bestätigt sind. Die Ortsgruppen sind' für die Abführung des Landesbeitrages für alle diejenigen Mitglieder, die nicht Zionisten- Steuer zahlen, an die Z. V.f.D. verantwortlich. 4. Bei der Berechnung der Mandate zum Delegiertentag werden einer Gruppe als Mitglieder nur diejenigen angerechnet, die Im Jahre 1929 Zianistensteuer oder Landesbeitrag gezahlt wählen zwei Delegierte una für jedes weitere Hundert Mitglieder einen weiteren Delegierten, wobei überschießende 50 Mitglieder einem vollen Hundert gleichgerechnet werden. Es wählen demnach: Ortsgruppen von 25 bis 75 Mitgliedern 1 Delegierten » » *^6 » 125 2 ״ 3 ״ 225 ״ 126 » ״ ,, » 226 4 ״ 325 ״ ,, usw. Als Mitglieder der Ortsgruppe werden hierbei nur dlejenigen Zionisten gerechnet, für die der Schekel für das Jahr 5689 und der Zionistensteuerbeitrag oder der Landesbeitrag für 1929 in bar an die Z. V.f.D. spätestens bis zum 9. Dezember überwiesen ist. 6. Mitglieder von Ortsgruppen, die nach parteimäßigen, beruflichen oder irgendwelchen anderen Gesichtspunkten zusammengeschlossen sind, üben ihr Wahlrecht als Einzel mitglieder innerhalb der Ortsgruppe aus. Auf Antrag der Landeszentrale eines Sonderverbandes ist den Angehörigen dieses Sonderverbandes zu gestatten, innerhalb eines Wahlbezirks einen eigenen Wahlkörper zu bilden. Niemand darf sein Mandat doppelt (in der Ortsgruppe und in einer Sonderorganisation) ausüben. 7. in Ortsgruppen von mehr als 300 Mitgliedern finden Verhältniswahlen statt. 8. Der Landesvorstand kann auf Antrag die Bildung von besonderen Wahlbezirken anordnen. Auf Grund dieser Be- Stimmung des Statuts kann ein Gruppenverband die Zusammenlegung solcher Orte innerhalb seines Bezirkes zu einem Wahlbezirk beantragen, in denen nur einzelne Zionisten wohnen bzw. Gruppen bestehen, die die vorgeschriebene Mindestzahl von 25 Mitgliedern nicht erreichen. Selbstverständlich gelten für derartige vom Landesvorstand auf Antrag zu genehmigenden Wahlbezirks alle vorher aufgeführten Bestimmungen. 9. Die Mitglieder des Landesvorstandes, der Vorsitzende des Finanzausschusses, der Vorsitzende des Ehrengerichts und der Ehrengerichtsanwalt haben als solche auf dem Delegiertentag Sitz, aber kein Stimmrecht. Sie sind jedoch in das Präsidium und in die Kommissionen des Delegiertentagcs wählbar und haben innerhalb dieser Körperschaften Stimmrecht. (Selbstvcrstündlich können sie auch zu Delegierten gewählt werden.) 10. Jeder Delegierte verfügt auf dem Delegiertentag nur über eine Stimme. Die Delegierten-Mandate sind nicht übertragbar. Die Delegierten sind an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden. 11. Schriftliche Wahlen sind nicht gestattet. Tennine: 12. Die wahlberechtigten Gruppen müssen ihre Mitgliederlisten mit genauer Adressenangabe der einzelnen Mitglieder spätestens bis zum 30. November an das Büro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einschicken. Dfe Gültigkeit der Wahlen hängt «he»* erypiitteti Wl’ zum 9. Dezember erfüllt sind. Die Gruppen müssen dafür sorgen, daß die Zlonfstensteuerbeiträge und die Landesbeiträge für alle diejenigen Mitglieder, die keine Zioriisfensteuer zahlen, spätestens bis zum 9. Dezember bei dem Büro der Z. V. f. D. eingegangen sind. Der Wahlprüfungsausschuß wird kein Mandat anerkennen, für das die finanziellen Voraussetzungen seiner Gültigkeit nicht gegeben sind. 13. Die Wahlen zum Delegiertentag müssen in den Tagen vom 14. bis 19. Dezember 1929 einschließlich stattfliden. Die Wahlresultate müssen spätestens bis zum 21. Dezember dem Büro der Z. V. f. D. gemeldet werden. Zionistische Vereinigung für Deutschland ״Aus wirtschaftlichen Gründen“ Außer den in einer früheren Nummer unseres Blattes ausführlich besprochenen antijüdischen Studentenkrawallen in Wien und Berlin brachte die vergangene Woche weitere arge Ausschreitungen gegen -jüdische Studenten in Prag und in Krakau, in Prag begannen die Exzesse — zum ersten Male — an der tschechischen Universität und griffen auf die Prager deutschen Hochschulen über, die seit jeher Brutstätten des stu- (kritischen Hakenkreuzlertums sind. In Krakau demonstrierten die polnischen Studenten gegen ihre jüdischen Kollegen, zugestandenermaßen, um die antisemitische Einheitsfront Wien- Berlin-Prag-Polen herzustellen. Auffallend ist bei den letzten studentischen Krawallen, daß sie nicht nur im Zeichen des Rassenantisemitismus veranstaltet wurden. Besonders die tschechischen Studenten waren von dem richtigen Gefühl beherrscht, daß man in den Geruch der Reaktion gerät, wenn man als Motiv seines Handelns den Chauvinismus sans phrase angibt. Die tschechischen Studenten wissen, daß in der heutigen Welt im Mittelpunkte aller Meinungskämpfe das ökonomisch-soziale Moment steht, und flugs gaben sie als Begründung für ihre gegen ״Fremdvölkische“ gerichteten Angriffe an, daß sie sich ifn Namen ihrer nationalen Wirt- Schaft gegen Ueberfremdung und fremdsprachige Konkurrenz wehren, wobei sie betonten, daß ihnen krasser Nationalismus und Judenhaß fernlägen. Auch in Wien tritt das Konkurrenzmoment in den antijüdischen Exzessen der Hakenkreuzler sogar in den Erklärungen der Antisemiten scharf zutage, ln Krakau wird von den polnischen Studenten auch nicht geleugnet, daß es hauptsächlich Brotneid ist, der sie zu antijüdischen Ausschreitungen veranlaßt. Es ist kein Zweifel, daß auch der akademische Antisemitismus in hohem Maße wirtschaftlich bedingt ist Aber ökonomische Momente allein reichen zur Erklärung des akademischen Antisemitismus nicht aus. Es kommt naqh ein Umstand hinzu, nämlich der, daß die Juden im allgemeinen und die jüdischen Studenten im besonderen eine erkennbare, unterscheidbare Gruppe darstellen. Und wenn nun irgendwelche ökonomischen Tendenzen rege werden, so suchen sie eine» Gegenstand, an dem sie abreagieren können. Der nächst erreichbare, leicht zu charakterisierende und erkennbare Gegner ist der Jude. Und da wendet sich auch der akadänische Judenhaß spontan gegen die Juden. Diese studentischen Krawalle sind nichts als eine Variante der ewigen Judenverfolgungen. Die Begründungen wechseln, der Judenhaß bleibt. Im Mittelalter verfolgte man die Juden, weil sie anderer Religion waren, im Zeitalter des Ultranationalismus wandte man sich gegen die Juden, weil sie fremder Rasse und fremder Nation sind. Im Zeitalter, da die Welt das größte Verständnis für ökonomische Interessen hat, wendet man sich gegen die Juden, weil sie unbequeme Konkurrenten sind. So oder so — der Jude wird verbrannt. Die letzten antijüdischen Ereignisse an den Hochschulen Mitteleuropas sind vom jüdischen Standpunkt aus gesehen Symptome des jüdischen Diasporaschicksals. Solange die Juden, in welchen Formen immer, Juden bleiben und in der Diaspora leben, sind derartige Erscheinungen unausweichlich. Damit soll nicht Resignation gepredigt werden, sondern vielmehr die Erkenntnis, daß nur Selbsthilfe und grundsätzliche Wandlung der jüdischen Situation zureichende Mittel bei der Bekämpfung dieses Grundübels sein können. Alles andere ist Symptom- und nicht Ursachentherapie. M. W. Sokolow in Berlin Auf der Durchreise nach Rumänien hielt sich Herr Sokolow am 19. d. M. in Berlin auf. Er stattete den Vereinigten Zionistischen Büros einen Besuch ab und wurde dort vom Vorsitzenden der Z. V. f. D., Herrn Blumenfeld, den Direktoren des Keren Hajessod, Dr. Hantkc und Jaffe sowie dem Stabe der leitenden Beamten empfangen. Herr Sokolow berichtete über die Lage in London. Dienstag abend fuhr er nach Bukarest ab, wo am 24. d. M. die große Keren Hajcssod-Konferenz statt findet. 3 Monate stall 5 Jahre Jerusalem, 20. November. (J.T. A.) Das Jerusalemer Appellationsgericht hat das von dem Haifaer Richter Litt gegen 29 Araber aus dem Dorfe Tira, die während der Unruhen die jüdische Vorstadt Bath Galim überfallen wollten, gefällte Urteil abgeändert, indem anstatt der von der ersten Instanz verhängten Strafe von je 5 Jahren Zuchthaus ein Strafmaß von je drei Monaten Gefängnis für jeden der Verurteilten festgesetzt wurde. Der Moment des National-Fonds Von Dr. Elias Auerbach, Haifa. Die blutigen Erfahrungen, die wir in Palästina in den vergangenen Wochen gemacht haben, werden dann nicht nur ein Moment schwerer Depression, sondern der Beginn eines neuen Aufstiegs sein, wenn wir unsere Lage klar erkennen und die richtigen Lehren aus ihnen ziehen. Der Kampf der beiden Nationalitäten, die in Palästina um die leitende Stellung ringen, könnte nach unserem Wunsch ein rein friedlicher Wettkampf sein; aber wir müssen auch für die Zukunft mit fanatischen Ausbrüchen rechnen, wie wir sie eben mit großen Verlusten an Blut und Gut überstanden haben. Eines muß vor allem klar sein: Für alle absehbare Zukunft müssen wir mit denselben Arabern zusammen leben, die j'etzt über uns hergefallen sind. Kein Haß, kein Boykott, keine nationale Propaganda kann die Wirtschaftliehen Bindungen auf die Dauer lösen, die die beiden Volksteile aneinander ketten. Schon erscheinen auf verschlungenen Wegen wieder arabische Lebensmittel auf den jüdischen Märkten, und bald werden auch die Araber wieder unsere Produkte kaufen, unsere Aerzte konsultieren und vor allem jüdische Käufer suchen. Unser Verhältnis zu den Arabern, das psychologische und das Kräfteverhältnis wird auch in Zukunft für den Erfolg unserer Arbeit weit stärker ausschlaggebend sein als unsere Beziehungen zur englischen Regierung. Von dieser werden wir nur erhalten — was wir haben und haben werden wir nur, was wir aus eigener Kraft erwerben. Unser Verhältnis zu den Arabern aber wird auf zwei Fundamenten ruhen: unsere Position muß unangreifbar sein, und: die Araber müssen uns brauchen. Ueberblicken wir heute die schwersten Schäden, die wir erlitten haben, so ergibt sich ein ganz unzweideutiges Bild. Geschädigt an Menschenleben und Habe sind vor allem die Punkte, die nicht verteilt« gwg־$f־t1»rg׳ sind;“ nlntlick die Ansiedlungen das alten Jiscfruw in Jerusalem, Hebron und Safed, die in ihrem Menschenmaterial keine Kraft zur Verteidigung haben, und vom neuen Jischuw die Punkte, die durch ihre abgelegene Position oder durch Kleinheit der Siedlung gegen einen Angriff größerer Massen nicht zu halten sind (Beer Tobia, Artuf, Hulda, Ain Setim, Kfar Etta usw.) Schwer geschädigt sind auch diejenigen Juden in Haifa, die verstreut unter arabischer Bevölkerung sitzen (Ostteil der Unterstadt), und die isoliert angelegten vorstädtischen Siedlungen von Jerusalem (Talpioth, Bet Hakkerem usw.). Praktisch unangreifbar sind schon heute die geschlossen en städtischen Siedlungen (Tel-Awiw, Hadar Hacarmel in Haifa), dichtbesiedelte Landflächen wie der Orangenbezirk und das Emek von Bet Alpha bis Nehalal, und starke Einzelsiedlungen wie Sichron Jakob. Daraus müssen wir lernen. Wir können es uns für die Zukunft nicht mehr gestatten, die Früchte unserer Arbeit alle paar Jahre gefährden zu lassen. Das hemmt jeden Fortschritt im Innern und die Neigung zur Anlage von Kapitalien von außen her. Deshalb muß beim Neuauf bau, der erfreulicherweise sofort eingesetzt hat, die oberste Forderung die möglichste Siche, rung gegen erneute Angriffe sein. Eine solche Sicherung wird nur so zu erreichen sein, daß wir in der ländliehen Siedlung keine kleinen isolierten Außenposten mehr anlegen, in der städtischen Siedlung ein geschlossenes Bauen und Wohnen in jüdischen Vierteln und Städten anstreben. Das sind keine neuen Weisheiten, sie sind so alt wie die jüdische Geschichte, ja wie die Siedlungsgeschichte überhaupt. Siedlungspunkte, besonders bei national gemischter Bevölkerung wurden immer vor allem unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit ausgewählt. Wo in städtischen Mittelpunkten die Juden unter andersnationaler Bevölkerung saßen, haben sie es schließlich mit ihrem Blut und ihrer Habe bezahlt (Caesarea, Akko, Alexandria, Cypern). Der zweite Gesichtspunkt, daß die Araber uns brauchen müssen, ist mit diesem ersten eng verbunden. Es ist kein Geheimnis und im übrigen eine Volkswirtschaftliche Selbstverständlichkeit, daß in Palästina, wo die Juden noch eine Minderheit von 1:5 sind, von den durch sie investierten Geldern bis jetzt noch 65—70 °/0 in die Hände der Araber abfließen; ein großer Teil davon für Boden und Wohnungen, ein anderer für Lebensmittel, Arbeit und sonstigen Bedarf. Dagegen hilft kein Boykott, denn wir brauchen die Araber. Sie aber bestreiten aus diesem Gelde den raschen Aufstieg, in dem wir sie begriffen sehen. So sehr haben sich die Araber an diese Einkünfte von den Juden gewohnt, daß sie sie fast wie eine feste Steuer ansehen, und sich nicht mehr vorstdien, daß sie einmal ausbleiben könnten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.