Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 88 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 88, 8. 929! .מ JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 589 Briefe an die Redaktion Die Vollstreckung der Todesurteile Köln, 4. November 1929, Sehr geehrte Redaktion! in der jüdischen Presse wird jetzt lebhaft die Frage erörtert, ob die Todesurteile gegen die arabischen Mordbrenner vollstreckt werden sollen oder nicht und ob die Jewish Agency sich für die Begnadigung der Mörder einsetzen soll. Vor dieser gefährlichen Diskussion und Stimmungsmache kann nicht euergisch genug gewarnt werden. Man verquickt diese Frage mit einer grundsätzlichen Gegnerschaft gegen die Todesstrafe. Es ist allgemein bekannt, daß von der jüdischen öffentlichen Meinung die Todesstrafe als Strafmittel abgelehnt wird. Dies ist aber für die gegenwärtige Frage völlig belanglos. Die Sache der Vertreter der Judenheit ist einzig und allein eine gerechte Untersuchung und die Verurteilung der Schuldigen nach den Gesetzen des Landes zu fordern. Wir haben diese Gesetze nicht geschaffen und sind nicht dafür verantwortlich. Für die Ausiibung eines Gnadenaktes sind wir gleichfalls nicht zuständig und die Erteilung eines Rates ln dieser Hinsicht wäre höchst gefährlich. England und die Mandatsverwaltung tragen die volle Verantwortung für die Unruhen und sie haben mit ihren Machtmittein für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung einzustehen. Ihre Sache ist es also, die politischen Folgen einer Vollstreckung der Todesstrafe oder einer Begnadigung zu überlegen. Sobald wir uns in diese Entscheidung einmischen, nehmen wir diese Verantwortung auf uns und die Mandatsregierung könnte der Jewish Agency mit Recht den Vorwurf machen, daß sie ohne Not versucht habe, der Gerechtigkeit in die Arme zu fallen und dadurch der Mandatsmacht ihre Aufgabe, den Frieden zwischen Juden und Arabern herzustellen, erschwert habe. Eine andere Frage wäre es freilich, wenn die Mandatsregierung auf Grund der Bestimmungen des Mandats die Jewish Agency wegen der Wirkungen, die für die Errichtung des Jüdischen Natonalheims in Betracht kommen könnten, um seine gutachtliche Meinung anfragen würde. Dann könnte sich die Jewish Agency einer Verantwortung nicht entziehen. Solange dies nicht der Fall ist, muß unser Grundsatz lauten: ״Hanas off!“ Die Hände weg von dieser Sache! Mit Zionsgruß Dr. M. I. Bodenheimer. * Fragebogen zn einer ErkUrang Verehrte Redaktion, Berlin, 5. November. die Erklärung I in Nr. 86 der ״Jüdischen Rundschau“ verstehe ich nicht ganz. Die Dunkelheit beginnt bei den Unter- Schriften. Von wem sind die ״Unabhängigen Allgemeinen Zionisten“ unabhängig? Man würde es gern erfahren, schon um zu wissen, von wem wir anderen Allgemeinen Zionisten abhängig sind. Auch die sachlichen Ausführungen sind nicht klar. Weshalb steht die Haltung der Z. V. f. D. und der ״J. R." in Widerspruch zu der ״Politik der entschiedenen Aktivität, wie sie in den Beschlüssen des A.-C. zum Ausdruck gekommen ist“? Haben sich nicht Rundschau und die Instanzen der Z. V. f. D. diese Beschlüsse wiederohlt zu eigen gemacht? Bedeutet es nicht eine unzulässige Verzerrung eines gegnerischen Standpunktes, wenn man gegen Ansichten polemisiert, die der andere nicht hat? Ist das nicht ein klein bißchen ähnlich der Geschichte vom Sklavcn-Export beim Yottng-Plan? Oder will man die Tatsache, daB die Rundschau Aktivität auch auf dem Gebiete der Araber-Politik — und nicht ausschließlich jm Verhältnis zur Mandatarmacht — verlangt, als ein geringeres Maß von Aktivitat bezeichnen? Ganz schwierig wird.die Sache aber, wenn man zu den praktischen Folgerungen kommt: die Unterzeichner verlangen eine Aenderung der politischen Haltung der Z. V. f. D. und zu diesem Zwecke die Bildung einer Koalition. Nun ist es einmal schwer verständlich, weshalb eine Koalition mit dem Gegner das Mittel sein soll, um eine andere politische Haltung als die des Gegners durchzusetzen. Wäre da nicht Ausschaltung der falschen politischen Haltung aus der Leitung ein besseres Mittel als die Koalition mit ihr? Oder will man etwa sagen, daß es auf die politische Haltung, die man so sehr ablehnt, daß man einen großen Feldzug gegen sie eröffnet, gar nicht so sehr ankomme, daß man die beiden Standpunkte, die man zunächst wie Feuer und Wasser gegeneinander aufstellt, ganz gut vereinigen könne? Aber vor allem: haben wir denn aie Koalition bisher nicht gehabt? Sind nicht Angehörige aller Unterzeichneten Gruppen im Geschäftsführenden Ausschuß vertreten gewesen? Weshalb haben die Herren Lichtheim und Kollenscher den Geschäftsführenden Ausschuß mit der Begründüng verlassen, daß sie die Verantwortung nicht mehr tragen könnten? Nur, um jetzt wieder eine Koalition zu verlangen, also nichts, als die Wiederherstellung des Zustandes, den lediglieh sie durch ihren Austritt verändert haben? Eine solche Politik ist doch nicht ohne weiteres folgerichtig und verstandlieh. Vielleicht können mich die Unterzeichner der Erklärung über den Sinn ihres Verfahrens belehren. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß Dr. Biieski. Das JnbilSuin des Breslauer Seminars Am 2. und 3. November fanden in Breslau große Feierlichkeiten anläßlich des 75jährigen Bestehens des Jüdischtheologischen Seminars statt. Zahlreiche jüdische Gemeinden des In- und Auslandes sowie wissenschaftliche 111stitutionen und Organisationen waren vertreten und eine sehr große Zahl früherer Hörer des Seminars waren anwesend. Nach einem Festgottesdienst folgte unter der Führung von Dr. Rabin eine Führung durch Bibliothek und Museum und am Abend ein festlicher Empfang. Sonntag vormittag fand ein Festakt statt, bei welchem Dozent Dr. Heinemann ׳den Festvortrag hielt, in weichem er die Richtung des Breslauer Seminars charakterisierte. Hierauf folgte eine sehr große Anzahl von Begrüßungen von Institutionen und Persönlichkeiten. Die Berliner Repräsentantenversammlung und die Jewish Colonisation Association vertrat R.-A. Dr. Klee. Den ökumenischen Charakter des Seminars, das ostjüdische und westjüdische Dozenten, sephardische und aschkenasische Schüler haben, betonend, wies er auf die weit über Deutschlands Grenzen hinausgehende Wirkung des Seminars hin und sprach von dem engen Zusammennange des Seminars mit der neu entstehenden H e b r ä isehen Universität in Jerusalem. Das Seminar sei weiten Kreisen des jüdischen Volkes in allen Ländern Träger kultureller Befruchtung geworden und müsse es in der Zukunft immer mehr werden. Ihren Abschluß fanden die Feierlichkeiten in einem großen Festbankett. .ודים בברלין,Tn בית מדרש לעברית של קהלת Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Schülerkurse im Westen. Bei genügender rednehmerzahl werden Schülerkurse für Kinder im Alter von 11—!4 Jahren im Westen eingerichtet. Es ist sowohl an Anfänger- Hassen als auch an verschiedene Stufen mit Vorkenntnissen gedacht. Anmeldungen dazu nimmt entgegen: N. Berggrün, Grünewald, Trabener Straße a. Telephon: Brabant 501. (Nachmittags a-3 Uhr.) Ortsgruppe■ Breslau. (Revisionisten.) Die Gruppe der Zionisten-Revisionisten in Breslau veranstaltete am 22. Oktober ihre erste öffentliche Versammlung in diesem Winter, bei der Herr Redakteur Klinoff über die letzten Ereignisse in Palästina, ihre Ursachen und Wirkungen referierte. Die sehr gut besuchte Ver- Sammlung folgte mit größtem Emst den ausdrucksvollen Darlegungen. Der Redner entwickelte bei allem Respekt vor der arabischen Einstellung ihre mehr als deutliche Haltung gegenüber der Balfour-Deklaration und zog die notwendigen Schlüsse aus diesen Tatsachen für die zionistische Politik aer Gesamtbewegung und für die Landespolitik. Die Diskussion war erheblich sachlicher als bei früheren Versammlungen. In einem meisterhaften Schlußwort rechnete der Redner mit den durchsichtigen Verdächtigungen gegen den Revisionismus ab. Der äußere Erfolg des Abends war Anmeldung neuer Mitglieder und eine Tel-Chaj-Sammlung. — Einige Tage später veranstaltete der revisionistische Klub eine sehr wohl gelungene Simchas- Thauro-Feier, bei der Herr M. Nußbaum eine mit großem Beifall aufgenommene Ansprache hielt. Musikalische Vorträge gaben dem Abend ein feierliches Gepräge. Dortmund. In der letzten Generalversammlung bzw. in der am 30.10.29 stattgefundenen konstituierenden Vorstandssitzung ist der Vorstand der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe wie folgt gebildet worden: Herr S. Appel, Dortmund, Humboldtstraße 61, Herr Dr. Philipp, Dortmund, Kronprinzenstr. 105. Erweiterter Vorstand: Herr Dr. Max Berl, Weißenburger Str. 20, Herr Dr. Irwin Fisher, Wilhelm-Brandt-Str. 3, Herr M. Jahre, Rheinische Str. 62. Kassierer: Herr Julius Hirschberg, Calvinstraße 20. Schriftführerin: Frl. Hilde Diringer, Andreasstr. 10. Keren Kajemeth: Frl. Lilly Reinberg, Mallinckrodtstr. 118, Herr M. Jahre, Rheinische Str. 62. Frankfurt/M. Am Sonnabend, dem 9. November, 81/2 Uhr, spricht im Saale der Suppenanstalt, Theobaldstr. 5, Herr Redakteur J. Klinow, Berlin, über das Thema: ״Der Weg zum Judenstaat“. Freie Aussprache. Halle. Am Mittwoch, dem 23. Oktober 1929, sprach Herr Lichthelm in unserer Ortsgruppe über ״Lehren der Ereignisse in Palästina für das jüdische Volk“. Wir können mit Freude feststellen, daß sowohl der Redner als das Thema beinahe restlos die gesamten Mitglieder in die Versammlung brachte. Herr Lichtheim entwickelte das bekannte revisionistische Programm, das in der Forderung nach ausreichendem Schutz für den Jischuw und nach einem konsequenten — von ihm in Einzelheiten dargelegten — Kolonisationsprogramm gipfelte. Zum Schlüsse kam der Redner auf die Vorgänge im deutschen Zionismus zu sprechen und kritisierte vor allem die Haltung der ״Jüdischen Rundschau“, das Resignationsprogramm der deutschen Leitung, und forderte die deutschen Zionisten auf, von dem Verzichtprogramm abzustehen und aktive jüdisch-zionistische Politik zu treiben. In der Diskussion sprach in erster Linie Walter 11 b e rg-Wolfenbüttel, der entschieden gegen Herrn Lichtheim Stellung nahm und die Haltung der Arbeiterparteien zu den einzelnen Fragen darlegte. Aus seiner sozialistischen und pazifistischen Gesinnung heraus nahm er die Leitung der ״Rundschau“ in Schutz, die er für die einzig riehtige halt. Unter der Voraussetzung des Primats der landwirtschaftlichen Kolonisation erklärt er sich mit einem großen Teil des vorgetragenen Kolonisationsprogrammes einverstanden. Nachdem noch die Herren Felixbrodt, Heimann und Joseph insbesondere über die Auslegung des Mandates bezüglich der Araberfrage gesprochen hatten, nahm Herr Lichtheim in seinem Schlußwort nochmals Gelegenheit, sich mit den Diskussionsrednern auseinanderzusetzen. Er verwarf entschieden den Standpunkt des binationalen Staates und versuchte eine Abgrenzung zwischen den Rechten der Juden auf Palästina und der Araber. Der Vorsitzende Herr Heilbronner dankte dem Redner für seine interessanten Ausführungen, die jedem Zionisten Anlaß zum Nachdenken geben sollten. Nach Schluß der Versammlung blieb ein großer Teil der Anwesenden noch bis nach Mitternacht mit Herrn Lichtheim in angeregter Diskussion zusammen. Nürnberg-Fürth. Am Donnerstag, dem 31. Oktober, veranstaltete die Ortsgruppe einen literarischen Abend. Die Herren Fritz Stern,#Jsaak Fisch und Sch. Schalom hatten sich freundlicherweise zur Verfügung gestellt, deutsche, jiddische und hebräische Humoresken zum Vortrag zu bringen. Besonders Sch. Schalom erntete mit seinen geistvollen Pantomimen den lebhaftesten Beifall des zahlreich erschienenen, sich meist aus Jugendlichen zusammensetzenden Publikums. Der gut gelungene Abend wurde in der Reihe der bisher veranstalteten, der zionistischen Ideologie und Problematik gewidmeten Vorträge, als angenehme Unterbrechung empfunden. Es sei auch an dieser Stelle den genannten Herren nochmals gedankt. Ratibor. Am Dienstag, dem 8. Oktober, fand die diesjährige Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe Ratibor statt. Vorsitzender Ludwig Aschner begrüßte die Anwesenden und gedachte in wehmütiger Erinnerung der traurigen Ereignisse in Palästina, Dann hielt er einen kurzen Nachruf für den kürzlich verstorbenen Rechtsanwalt Steiner. Die Anwesenden erhoben sich ihm zu Ehren von ihren Plätzen. Kassierer Erwin Tyras gab den Kassenbericht. Der Bericht wurde genehmigt und dem Kassierer Entlastung erteilt. Schriftfiihrer Isidor Pinczower verlas an Hand des Protokollbuches die Veranstaltungen und internen Zusammenkünfte der Ortsgruppe. Versitzender Ludwig Aschner, der gleichzeitig N.-F.- Kommissar ist, berichtete über die Eingänge für den K. K. 11. Das Budget der Ortsgruppe wurde überschritten, es wurden nahezu 1800 M. erreicht. Dann erteilte der Vorsitzende das Wort Herrn Ingenieur Hutterer, Beuthen, zu seinem Referat über ,,Unsere Aufgaben“. Ausgehend von der Gründung der Jewish Agency und den Palästina-Ereignissen erörterte der Referent unsere Aufgaben. Wir müssen dafür Sorge tragen, daß unsere Siedlungspunkte in Palästina gestärkt werden. Palästina braucht mehr Geld, denn je. Die Tischriaktion will in Deutschland 150 000 M. für den K. K. L. und erhebliche Neuzeichnungen für den K. H. hervorbringen. Außerdem müssen sich alle Zeichner vernflichten, 25 0/0 ihrer K. H.-Zeichnung als Sonderabgabe zu leisten. Innerzionistisch muß die Hauptaufgabe der Ortsgruppen sein, den zionistischen Gedanken zu vertiefen. Hierzu ist am 10. November eine Ortsgruppenvertretertagung mit dem Landesvorsiand in Berlin und voraussichtlich zu Weihnachten ein Delegiertentag. Die Probleme, die neu zu behandeln sind: a) Sicherung des Aufbaus, b) arabisches Problem, c) Maßnahmen der Regierung, d) Klagemauerproblem, e) Erleichterung der Einwanderung, f) Be- Kräftigung der Balfourdeklaration und aktive englische Mitarbeit, gj Palästinaverwaltung. Zum Schluß ging Ingenieur Hutterer auf die technische Durchführung der Ti sc 11 riaktion ein. Eine rege Diskussion schloß sich an dieses rhetorisch und sachlich vorzügliche Referat an. Es folgte dann die Neuwahl des Vorstandes. Es wurden einstimmig gewählt: Dr. Fritz Breitbarth als erster Vorsitzender, Isidor Pinczower als zweiter Vorsitzender und Schriftführer, Ludwig Aschner als N.-F.-Kommissar, Erwin Tyras als Kassierer. Zum Schluß besprach der neue Vorsitzende die Winterarbeit. Die vierzehntägigen Zirkelabende sollen wieder aufgenommen werden, außer den großen öffentlichen Veranstaltungen, die wir durch Berlin und Beuthen vermittelt bekommen. Ferner wurde die Gründung eines Jugendzirkels beschlossen, der unter Leitung von Herrn Löwinsohn regelmäßig Zusammenkommen soll. Am 22. Oktober fand der erste Zirkelabend statt, bei dem Herr Zahn• arzt Dr. Block das Referat über ״Lehren und Ursachen der Ereignisse in Palästina“ hielt. Obwohl der Vortrag nur im Rahmen eines Zirkelabends mit eingeführten Gästen stattfand, war der Saal überfüllt. Der Referent sprach In einer 1 «/j-stündigen Rede in packender Weise über die Ereignisse in Palästina, die er nicht nur aus Berichten der Z. V. f. D. und Zeitungsnachrichten behandelte, sondern über die er durch die zufällige Anwesenheit eines Assistenten der hebräischen Universität in Jerusalem Herrn Manfred Aschner, einem Ratiborer, von diesem vorzüglich persönlich orientiert war. An der regen Diskussion beteiligten sich die Herren Löwinsohn, Dr. Heimann, Ludwig Aschner, Dr. Breitbarth, der Referent. Der interessante, starkbesuchte erste Zirkelabend ist ein gutes Omen für die kommende Winterarbeit. L P• Erklärung Nach einer Notiz in der ״Jüdischen Rundschau“ hat sich in Frankfurt a. M. eine revisionistische Gruppe gebildet, die sich den Namen ״Zeirc Misrachi-Revisionsten“ zulegt. Die Gruppe behauptet in ihrer Veröffentlichung, daß gleichartige Gruppen in der Zionistischen Organisation bestünden. Wir weisen mit Nachdruck darauf hin, daß wir in keiner- Ici Zusammenhang mit der Gruppe gebracht zu werden wünsehen. Der Zeire Misrachi ist durch sein Programm תורה ועבידה auf Grundsätze festgclegt, die dem Revisionisinus im Programm und Praxis widersprechen. Wir sehen in der Namensgebung der Gruppe in Frankfurt den Versuch einer bewußten Irreführung der zionistlschen öffentlichen Meinung, der nach unseren Informationen nirgends sonst geschah, und halten daher auch die Mitteilung, daß andere gleichartige Gruppen bestünden, für frei erfunden. Wir werden zu veranlassen wissen, daß unser Name nicht weiter mißbraucht wird. Hamburg, den 3. November 1929. Zentrale der Zeire Misrachi für Deutschland. Michaelis. Scheresche wski. Lasowski. RezilsUonsabend Jehoda Ehrcnkranz Jehuda Ehrenkranz, ehemaliges Mitglied der Wilnaer Truppe, sprach erstmalig in Berlin vor geladenem Publikum im Beth Am Iwri ostjüdische Dichtungen. Dieser junge Künstler, der aus Rumänien kommt und in drei Sprachen Dichtung vermittelt, ist keine Eintagserscheinung, er verdient stärkste Beachtung. Sein wundervolles Organ kennt alle Tonlagen, sein Künstlertum alle Möglichkkeiten menschlichen Seins: von der zarten leidvollen und einsamen Kinderseele (״Die verrückte Mutter“ von Scholem Asch) bis zu den rohen Ausbrüchen des entfesselten Pöbels auf Roms Karneval feiernden Straßen (Kapitel aus Aschs ״Zauberin von Kastilien“). Bis ins Tiefste erschütterte sein hungernder, verzückter und zuletzt sterbender Jeschiwebocher in Perez״ ׳Kabbalisten“ und die mystische Gewalt der ״geheimen Melodie“. In den Humoresken von Scholem Aleichem und Schalom Asch (״Auf Luft“ und ״Der vertauschte Bräutigam“) kam die ganze Bewegtheit und Farbigkeit der ostjüdischen Typen, die in diesen klassischen Satiren so lebensvoll eingefangen sind, aufs glücklichste und prägnanteste zum Aufdruck. Das Publikum folgte mit nur schwer unterdrückten Lachsalven. Ehrenkran/ schnitt bei seinem Berliner Debüt glänzend ab. Man sagt nicht zuviel, wenn inan ihn zu den besten heute lebenden jüdischen Rezitatoren zählt und ihn mit Großhart in einem Atem nennt. Es ist zu hoffen, daß wir ihn bald in einem größeren Rahmen auch als Interpreten der neuen jüdischen Dichtung hören können. A.A. Breslau. Der V e r e i n J ii d i s c h e s Museum E. V. zu Breslau hielt am 23. Oktober 1929 in den Räumen der Spinozalöge in Breslau seine Generalversammlung ab. Aus dem Bericht des Vorsitzenden, Herrn Max Silberberg, geht hervor, daß der Verein cs verstanden hat, aus eigenen Mitteln, Spenden und Leihgaben eine Sammlung jüdischer Kunstgegenstände zusammenzubringen, die heute schon einen bedeutenden Wert darstellen. Der im März 1930 stattfindenden Sitzung der ״Arbeitsgemdnschaft fiir Sammlungen jüdischer Kunst und Altertümer“ in Berlin wird Breslau folgende drei Vorschläge unterbreiten: 1. Regionale Aufteilung zwecks Errichtung eines gemeinsamen photographischen Archivs nach einheitlich festzusetzenden Richtlinien. 2. Regionale Aufteilung für die Sammlung von Kunstgegenständen und daran anschließend eine große Aus- Stellung aller Museen an einem zentral gelegenen Orte, vielleicht Berlin. 3. Schaffung einer Austauschstelle von Doubletten. Arbeitsgemeinschaften im Beth Am Iwri. Die Leitung des Beth Am Iwri ist in ihrem Bestreben, der jüdischen Jugend eine hebräische Erziehung angedeihen zu lassen, einen Schritt weitergegangen und hat die Bildung von Arbeitsgemeinschaften beschlossen. Dieselben haben den Zweck, in die hebräische Wissenschaft, Literatur und Kunst einzuführen, und die hebräische Bildung zu vertiefen. Die hebräisch Sprechenden sollen nicht nur dem Studium und der Pflege der Sprache, auf die sieh bis nun die hebräische Bildungsarbeit beschränken mußte, obliegen, sondern es soll auch der Versuch unternommen werden, die in der hebräischen Sprache niedergelegten Geistesschätze des Judentums durch gemeinsames Erarbeiten und gegenseiiigen Gedankenaustausch zu vermitteln. Die Leitung des Beth Am iwri hofft dadurch die hebräisch Sprechenden aus den verschiedmen Ländern einander näher zu bringen. In Berlin, das ein bedeutendes Zentrum des jüdischen Lebens und der Aufcnthaltsort vieler geistig schöpferischer hebräischer Kräfte geworden ist, fehlte es trotzdem bis nun an Möglichkeiten eines rundlichen Studiums der modernen hebräischen Kultur. Das eth Am Iwri, das schon heute um sich alle hebräischen Interessierten gesammelt hat, will nun diesem Mangel abhelfen. Da die Bedürfnisse der Mitglieder noch nicht deutlich zum Ausdruck gekommen sind, wendet sich der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Herr Dr. W. G u 11 m a n n , an alle Interessenten aus dem Kreise der Jugend und der Erwachsenen mit dem Ersuchen, ihm ihre Wunsche betreffend den Inhalt und die Themen der Arbeitsgemeinschaften bekanntzugeben. Dem in den letzten Wochen sehr stark zutage getretenen Bedürfnis nach Kenntnis Erez-Israels entsprechend, ist zunächst ein Kursus unter der Leitung des Herrn J. Braslawski aus Erez-israel eingerichtet worden. Dieser Kursus soll einen geschichts-geographisclien Ueberblick über Erez-Israel in der Vergangenheit und Gegenwart geben. Der erste Vortrag beginnt am 19. November und wird von Lichtbildern begleitet werden. Für einen zweiten Kursus hat sich Herr Dr. M. Soloweits chik zur Verfügung gestellt, ln diesem Kursus sollen die Hauptmomente der jüdischen Geschichte im biblischen Zeitalter behandelt werden. Je nach Bedarf sind im Laufe der Zeit weitere Kurse geplant Dr. A. R.